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Die letzte Station.
Skizze von Clara Prieß.
Es war ein vergnügliches Fahren in dem schnellen «gg von der Ferienreise, vvm Süden unseres lieben Vaterlandes in den Norden. Man sah braungebrannte Gesichter und hörte von zahlreichen Reise- und Bergsteigerabenteuern.
Als der Abend kam, wurde es stiller. Ich verließ den Zug an einer Kreuzungsstation, und nun gings gemächlicher der cheimat zu. Wieder saß mir das junge Paar gegenüber, das ich im Laufe des Tages schon ganz gut kennengelernt hatte. Schwer war das nicht bei der zutunlichen unb etwas wichtigen Art, womit sich die Leutchen über ihr junges Eheglück äußerten: Wie schön die Hochzeitsreise in die bayerischen Berge gewesen sei, die sie zum ersten Mal gesehen hatten, wie man sich jetzt aber auch auf das eigene Heim freue. Wir hatten auch erfahren, wie die Dreizimmerwohnung daheim eingerichtet sei und daß viele Angehörige mit Liebe und Ungeduld das junge Paar heute abend erwarteten.
Jetzt waren die beiden, müde vom Reisen, Reden und Mücklichsein, still geworden.
Die Ruhe war wohltuend nach dem lauten Tag. Eine kleine alte Dame, die am Kreuzungspunkt zu uns eingestiegen, störte gar nicht und sah still in den Abend hin- aus.
Die Stimme des jungen Ehemannes weckte mich aus einem leichten Schlaf. „Aufwachen, Liebling!" sagte er laut und wichtig. „Jetzt kommt unsre letzte Station."
Die junge Frau hob verschlafen den Wuschelkopf: „Schon, dann sind sie wohl alle am Bahnhof und warten auf uns. Hoffentlich ist alles in Ordnung —", und sie fotzte feine Hand, als ob ihr eine Angst käme.
Aber er sprang fröhlich auf: „Selbstverständlich mird alles in bester Ordnung sein und bleiben. Setz den yut auf, Kindchen, und nimm den kleinen Koffer."
Unb dann war sie sehr beschäftigt, sich möglichst schön •tu machen, und er hatte zahlreiches Handgepäck zu ordnen, so daß der Zug allzuschnell in die heimatliche Sta- tion einlief und sie kaum Zeit fanden, sich zu verabschieden.
Sie wurden aber auch von so vielen erwartet. Es 'chienen sich da Väter und Mütter, Brüder und Schwestern und Freundinnen zum Empfang angefammelt zu haben. Man fragte, lachte, umarmte und küßte sich. Und darüber fuhr der Zug wieder in die Dunkelheit hinaus
Ich war jetzt allein mit der alten Dame, die den Watz mir gegenüber eingenommen hatte. Mir gefiel das tzAige, stille Lächeln, mit dem sie den beiden.und dem kleinen Schauspiel draußen zugesehen hatte. Und jetzt blickte sie mich an und sagte: „Das ist noch lange nicht die letzte Station für die beiden, wenn sie es heute abend »Wh so getrost glauben. Die werden noch viel umran- Jneren müssen und manche Fahrtstörungen erleben, ehe sie wirklich ihre letzte Station finden."
Die alte Dame sprach da einen Gedanken aus. der uuch selbst unklar beschäftigt hatte. So sah ich sie verwundert und genauer an, das alte Gesicht mit seiner Ru- uen'christ von Falten und Runzeln und den dunklen Au- gen, die merkwürdig klar und geradeaus blickten, und bur, 9an$ un^ein&are Persönchen in dem sauberen, antwortete ihr gern, und so waren wir bald in eni .besprach gekommen — eines jener seltenen Gespräch? w denen man jenes schöne Verstehen spürt, die mit Alter
--Herr Kapitän?"
gCet Sidney streckte ihm beide Hände entgegen, „tonnen Sie mir verzeihen? Ich habe zu rasch vyNen gehandelt."
ni!haben getan, was Ihres Amtes war, amerika- schnell. Sie sind kein Jurist . .
o ,[ $1Q9en Sie mich nicht mit meinen eigenen Worten, "nch 2hr Freund sein, Mister Urgejowitsch, "? drüben hat sich als Mörder bekannt."
hat nicht Korbatschew damit belastet?"
ftitf ei'1' cr Lab ihn nur als Helfershelfer und An- «iin l Qn' 6er ausführende Teil war er selbst. Und jej, ’Q9en Sie mir, daß Sie mir meinen Irrtum oer-
Das Baklerienschiff
(Ein Roman in 7 lagen.
®on Hellmuth Oua st-Peregrin. 16] ____________
Abendfahrt.
Hon Irmela Linberg.
? trägt der Zug mich in den Abend fort, 1Zand? bin ich fremd, das er durcheilt. t Lautlos ersteht am Wege Ort um Ort ; Ad schwindet lautlos wieder — nichts verweilt.
Die Birken trauern gegen letztes Rot, Tannen hüllen sich in schwarze Seide, llnb ihre Spitzen, abendgolddurchloht, Enttanzen leichtbeschwingt in braune Heide.
5lun bricht t jähem Fall die Nacht herein — . Da leuchten jcheu verhängte Fensterritzen —
Dje Welt wird leer, — du siehst in fahlem Schein jhtr weite überschwemmte Wiesen blitzen.
Urgejowitsch beide Hände des anderen und ch'-'ttlte sie herzlich.
bin Ihnen schon lange nicht mehr gram, Kapi- w.r sind Freunde."
. '"e schauerte Nacht folgte btm grauenvolle Tage,
tß-.f.-/ neue Opfer würben heruntergeschleppt, Urgejo- mußte Platz schassen, er ließ bie Toten durch das grcJ ,er m die See werfen. Bei den zuletzt eingelieferten hatte buchte er keine Seruminjektion mehr, denn er rette«C»n!!e^en' duß sie die dem Tode verfallenen nicht Jurür? °Tte "ud verzweifelt zog er sich in die Apotheke und setzte sich müde an den Arbeitstisch.
to ” ®r°m über sein mißlungenes Rettungswerk ben <v s ’**m' kummervoll vergrub er fein Gesicht in mnben und weinte bitterlich. -
3er m?erator über raste durch die Wasierwüste, Hei» Maschinisten arbeiteten fieberhaft, die höchste »ettür» bes Schiffes beizubehalten, jede Stunbe ihre s.u ^ohrt war kostbar. Immer mehr lichtete sich BftawJr 9 ’ über die Ueberlebenben bissen bie Zähne zu» Kgfte. u™ versahen ihren Dienst mit Ausbieten aller
Verlage zur Auldaer Zeitung
9. November
und Herkunft nichts zu tun haben, die blitzschnell Brük- ken schlagen und unvergeßlich bleiben.
Als der Zug wieder fjiclt, sagte sie: „Nun kommt bald meine letzte Station, und diesmal wirklich die allerletzte. Ich habe mich mit meinen paar letzten Groschen im Alt- weiberheim meiner Vaterstadt eingekauft und will da meine letzte Ruhe finden."
Und als ich mehr wissen wollte, erzählle sie freundlich weiter „Vor fünfzig Jahren ging ich mit einem Manne von daheim fort, den ich lieb hatte, und wir meinten, einen Gutschein auf alles Erdenglück zu haben. Es sind dann auch ein paar leidliche Jahre gekommen und zwei liebe Kinder, das beste war frelltch die Hoffnung, daß es immer noch besser würde. Aber schlimmer ists geworden, Krankheit und Sorgen haben gar nicht mehr aufgehört und sind meinem Mann auch im Gemüt schlecht bekommen. Ich habe kaum noch eine gute Stunde mit ihm gekannt. Das Mädel ist jung gestorben, der Sohn ging nach Amerika, als er mit dem Vater keinen Frieden halten konnte. Als ich meinen Mann bis an feinen Tod gepflegt hatte, habe ich vielerlei Stationen kennen gelernt — als Pflegerin in Krankenhäusern und in Heilanstallen bei nervösen Damen —, auch einen kleinen Kramladen zwischendurch aufgemacht. Ich könnte Ihnen da viel erzählen. Harte Wege stnds immer gewesen, von einer ßeibensftation zur anderen. Ich habe gezählt, daß es just vierzehn waren, wie sie am Weg stehen zum Kalvarienberg hinaus und nun bin ich froh, daß die letzte Station kommt."
Ich fragte, ob sie denn wisse, daß es in dem Altfrauenheime gut unb freundlich sei.
„Wird schon so sein, wie mans billig für uns alte Leute macht. Und das Einsamsein ist ja für alte Menschen eingerichtet zum Besinnen auf das Allerletzte."
Sie stand erwartungsvoll auf und schaute nach den Lichtern aus, und in ihren Augen war ein Schein von Kindervorfreude.
Dann sah sie mich wieder mit ihrem guten Lachen an. „Es wird mich keiner abholen und kein Aufhebens zum Empfang fein. Den Handkoffer reichen Sie mir wohl hinaus; darin ist alles, was ich besitze. Biel Gepäck hat man zuletzt nicht mehr."
So wünschte sie mir „Gute Nacht" und „gute Ankunft" auf meiner Station unb stieg aus unb ging tapfer allein ihren Weg weiter.
Nachdenklich blickte ich ihr nach. Unb ich wünschte mir, daß ich einmal so getrost meiner letzten Station entgegen sehen könnte.
Pariser Kaufhäuser.
Von Alexander Werner.
Ich bin mft der Ueberschrift nicht ganz zuftieden. Was sagt man schon mit „*ßarifer Kaufhäuser"! Einer, der den Glanz der französischen Metropole nur aus heimischen Journalen- kennt, der nie in Paris war, stellt sich geradewegs unter Pariser Warenhäusern unübertroffene Prachtbauten mit der für Paris gebührenden Ausstattung vor. Ein kleiner Irrtum! Wer Paris kennt, weiß, daß die riesigen Warenhäuser unserer Reichs- Hauptstadt ungleich imposanter sind: in Form, Dimension unb Ausstattung.
Nur Stopfgarn ist hier wie drüben dasselbe unb eine beutsche Theke sieht so aus wie eine französische. Doch darüber wollle ich eigentlich gar nicht sprechen. Unb deshalb muh ich mich auch so mit der Ueberschrift herum- quälen. Es rft am besten, ich sags zuerst mal auf französisch: „Les grands magafins" — heißen drüben die Warenhäuser. Merken Sie, wie bas anders klingt, wie wir uns näher kommen! Natürlich ist beim Wort Maga- sin der Haken. Bei uns gibts so ein ähnlich klingendes Wort Magazin! Aha, nicht wahr? Das ist so ein Warenlager; meist groß, geräumig und zwar wie es von der Fabrik kommt : gebündelt, ohne der Ware bie Pose zu geben bie sie für das Publikum so anziehend macht. Unb diese Art ist es, bie auch ben Grands magafins anhastet. Es ist vor allen Dingen alles da, was der Mensch unb speziell ber Franzose braucht, beim bie Warenhäuser sind zuerst für den Franzosen ba — bie rue be la Paix unb bie Mansielb-Läden entstauben für ausländische Bedürfnisse, vorwiegend für dollarbesitzende Amerikaner.
Und noch einen Vergleich gibt es für die Magafins: orientalische unb russische Bazare! Bei uns, in deutschen Kaufhäusern, ist bas so: alles liegt, steht oder ruht stilvoll hinter Glas, — fremd und ein wenig kühl Dem
Auf der Kommandobrücke stand Sir Haigoille, er vertrat den Kapitän, der sich für wenige Stunden zum Schlafe niebergelegt hatte. Undurchdringliche Nacht umgab ihn, kein Stern blitzte am Firmament, strömender Regen goß unaufhörlich hernieder vom tiesschwarz verhangenen Himmel und troff vom Oelzeuge des fröstelnden Mannes. Traurig sich schaukelnd baumelten ein paar umgitterte Laternen im Gestänge ber Masten und ihr Licht spiegelte sich zitternd auf dem klatschenden Deck.
Verdrossen gingen an der Reeling mit dumpfem Schritt die Wachen auf und nieder.
Am Bug des Schiffes rauschten und brandeten bie Wogenberge uno Feuerschein lauchtete gegen die aus ben mächtigen Schloten quirtenben Rauchmassen wie ein schauerliches Fanal bes int Wettlauf mit dem Tobe dahin- braufenben Schiffes.
Der Offizier fror, er fühlte sich so elend und krank, seine Zähne schlugen wie im Fieberfrost auseinander, wie lange währte seine Wache noch? Kam nicht bald der Kapitän, ihn abzulösen?
Er wollte die Uhr herausziehen, um nach der Zeit zu sehen, aber er war zu müde dazu, er klammerte sich an bie Brüstung ber Brücke, Schwüle wandelte ihn an, wollten die Beine ihm ben Dienst versagen?
Da — was war das — dort auf ber Backdeck — ba am Ankerpill? Hockte dort nicht ein dunkler Schatten — richtete sich auf — riesengroß — schwarz — düster — schauerlich — schlich heran — vornübergebeugt — schemenhaft — und ba — jetzt — jetzt — stand es vor ihm — dieses grauenvolle — entsetzliche Etwas — krallte mit knochigen Fingern über bie Brückenbrüstung — starrte ihn an — mit feeren, hohlen Augenhöhlen — die ekelerregende Larve des Todes?
Der Mann schwankte kraftlos zurück, feine zitternde Hand tastete nach dem Knopf ber Alarmglocke, die in der Kabine des Kapitäns sich befindet, er taumelt unb bricht zusammen.
Kapitän Oliver Sidney hört bie Glocke über bem Kopfende seines Bettes gellen, er fährt auf — Allmächtiger — Alarm — von ber Kommandobrücke — da ist etwas vorgefallen — ein Unglück?
Wie ein Amokläufer stürmt ber Kapitän die kurze
Richtkäufer ist bie Ware entrückt, er darf sie nicht berühren, wenn er keine Kaufabsichten hat. Die Besitzbegehrlichkeit wird dadurch abgeschwächt — bie Vernunft legt Resignation auf.
Das Publikum in deutschen Kaufhäusern teilt sich übersichtlich in zwei Kategorien: in Kaufleute und Sehleute. Die Kaufenden dürfen kramen, die andern halten sich in gebührendem Abstand von Eskalop unb Theke Ihr Blick ist meistens gleichgültig, denn selbst ein harmlos neugieriger Blick könnte zum Verhängnis werden, könnte--Gelb kosten! Wie anders in den Grands
magafins! Da ist jeder am Suchen, jeder am Kramen — bie Kaufleute und auch die Sehleute. Ost muß man sich selbst bedienen. Auf: „bitte, nicht berühren", ließe sich der bis zmn Geiz sparsame Franzose nicht ein; das Kramen ist ihm eine liebgewordene Beschäftigung, ist ihm einfach Bedürfnis und dem wird respektvoll Rechnung getragen. Ja, man animiert geradezu das Publikum. Und deshalb fallen auch die mondänen Boulevards, die eigentlich für den Verkehr gedacht sind, dem Expansionsdrang der Pariser Kaufhäuser ohne Ausnahme zum Opfer. Unb dieses nicht nur bei schönem Weiter. Selbst bei strengster Kälte findet der Verkauf auch „auch außer dem Hause" statt, d h. an der Wand lang. Ein drolliges Bild: bei 18 Grad Celsius stehen Verkäufer und Verkäuferinnen, bekleidet mit Hui und Mantel, neben ihren primitiven Verkaufsständen und warten mit fast stoischer Ruhe auf ein kramlustiges Publikum. Alles wird da geboten: Pelze, Stoffreste, die eigens für diesen Zweck vom Stück getrennt werden, Bijouterie- und Galanteriewaren, Südfrüchte, Schokolade, Dampfnudeln unb
heiße „Wiener". Und jeder, man spekuliert immer rlch» tig, der ba zufällig vorbeikommt, stöbert, sucht, kramt schnell einmal unb kauft, sofern er Geld hat — egal was.
Keine schlechte Reklame, gewiß nicht. Aber die Kehr? feite! Die ist weniger geschmackvoll. Vor einem Pfeifenlager sehe ich einen Arbeiter. Offenbar ein sehr leidenschaftlicher Raucher. Schon hat er die erste Pfeife int Mund, die zweite, die dritte und bald die ganze Galerie. Keiner, der ihn stört. Nicht die Verkäuserein und nicht die Aufsicht.
Keinem Deutschen würde es einfallen von soviel Frei,, heft ®ebraudj zu machen. Keiner mürbe Lust verspüren, eine Pfeife zu erwerben, die Herr Schulze und Her? Krause auf Geschmack und Qualität bereits geprüft hat. Den Franzosen stört das nicht. Es wundern sich nur. die Fremden — und für die liegen die Pfeifen in berg Läden der rue be la Paix.
Eine andere höchst schlaue Reklameart: eine neu# Schokolade wird in den Handel gebracht; dieses Mal spielt sich der Coup vor dem Kaufhauseingang ab Ein routinierter Reklameheld verkündet mit Stentorstimme den hervorragenden Geschmack, der prima Qualität feines neuesten „Marken-Artikels". Und jeder, der es will, darf kosten und alle, die vorbeikommen, bleiben stehen, hören, kosten und — kaufen. Viele, die mit der Absicht kamen, ein Hemd, ein Kopftuch oder gar eine Weckuhr zu kaufen, ziehen ab — mit einem Pfund Schokolade, d. h. Schokolade ist das nicht, sieht nur so aus. Aber darauf kommt es nicht so sehr an. Der Franzose will billig kaufen — und dem kommt man entgegen. Der Waren? Hausbesitzer will verdienen — und er verdient immer,
Zeichen und Symbole.
Nilschlüssel, kreuz, Dreieck, Pentagramm. — Vom Hakenkreuz.
Es hat einen tiefen, bedeutungsvollen Sinn, wenn wir im Anschluß an die Psalmen und die Unaussprech- lichkeit des Namens Iehovah bei den Juden, Gott den Namenlosen nennen. Das Heiligste steht jenseits aller Worte. Es läßt sich erahnen, erfühlen, aber es läßt sich nicht aussprechen. So ist es schon von den ältesten Zeiten an Sitte gewesen, heilige Zeichen und Symbole anstelle des Namens und des Wortes zu setzen. Zum Teil waren diese Zeichen gedanklich konstruierte, machemari- sche Figuren, zum Teil waren sie aus der Natur entnommen. Im allgemeinen deuten die ersteren, wie zum Beispiel das Dreieck, das Pentagramm, auf eine mehr geistige Gottesauffassung hin, während die letzteren, wie zum Beispiel bas Sonnenrad oder die Mondsichel, Kennzeichen einer Naturvergötterung sind. Viele dieser symbolischen Zeichen find in ihrem Ursprung oder auch in ihrer Bedeutung dunkel und bieten daher reiche Möglichkeiten für mystische Deutungsversuche, die den ursprünglichen Sinn mitunter gänzlich verfälscht haben.
Eines der ältesten und zugleich dunkelsten Zeichen ist der sogenannte N i l s ch l ü f s e l. Er kommt auf alt- ägyptischen Bildnissen vor und scheint ein besonderes Attribut der ägyptischen Göttin Isis zu sein, die die Göttin der Fruchtbarkeit war Sie erscheint oft in einer Tiermaske, besonders mit einem Kuhkopf, mit ber Sonnenscheibe zwischen den Hörnern und mit einem Kind auf dem Schoß. In ber linken Hand hält sie eine Art Szepter, das man yls Schlüssel gedeutet hat, mit dem sie das Flußbett des Nils, von dem ja in Aegypten bie Fruchtbarkeit des Landes völlig abhängt, auf- oder zuschloh. Daher der Name. Andere sehen in dem Nilschlüssel eine Hieroglyphe, und zwar die Hieroglyphe „Leben". Die alten Kirchenväter haben sich schon viel mit Deutungsversuchen beschäftigt; manche wollen in dem Zeichen nicht einen Schlüssel, sondern ein Kreuz sehen, bas sie aus eine uralte Tradition zurückführen, wonach vom Kreuze bas Heil komme.
Das Kreuz, das bas siegreichste und das einz'ge in voller Geltung bestehende Symbol unserer Zeit ist, ist nicht erst mit dem Christentum entstanden. Es war vorher schon in Indien als Symbol gebräuchlich, wir wissen freilich nicht, wofür. In den ersten Jahrhunderten vermied man, es als Symbol zu gebrauchen. Der Grund dafür lag darin, daß die Kreuzigung damals als die ehrloseste Strafe galt. Erst durch den Kaiser Konstant-n wurde es zu einem heiligen Zeichen.
Oester als bas Kreuz erscheint in ber vorchristlichen Zeit bas sogenannte Hakenkreuz. In seiner ur-
Stiege zur Brücke empor — da — liegt Sir Haigoille besinnungslos neben den Navigationsapparaten.
Auch er? — —
Dimitri war am Arbeitstisch der Apotheke eingeschla- sen, die Aufregung und die lleberanftrengung von der Arbeit zweier Tage und zweier Nächte überwältigte ihn, Dimitri schlief, und in der Ecke des Zimmers auf einem aus einer Matratze und Decken bestehenden Lager ruhte Vera in festem, traumlosen Schlummer, ber mehr einer Betäubung glich, so sehr hatten die Eindrücke dieses einen Nachmittags ihre Nerven erschöpft.
Da war es Dimitri, als öffne sich leise die Tür hinter ihm, als käme jemand herein, er wollte sich umwenden, aber wie eine Lähmung lastete es auf ihm, er konnte sich nicht bewegen.
Lautlos schlich von hinten etwas an ihm vorbei unb plötzlich stand Camartha Both vor ihm, ernst und feiernd), wie er ihn immer gesehen hatte, stellte ein grün- schwarzes Krüglein auf den Tisch und ging wieder so leise von bannen, wie er gekommen.
Dimitri fuhr auf, er sah noch immer das Krüglein vor sich stehen, er griff danach und — erwachte. — Auf dem Tische stand nichts — er hatte geträumt.
Der Arzt griff sich an die Stirn, ja, jetzt war er munter, er blickte sich um, ob der unheimliche Boucher noch hinter ihm stände, niemand war zu sehen, nur die regelmäßigen Atemzüge Veras und das Ticken der Wanduhr unterbrachen die bleierne Stille.
Ihre Anwesenheit nahm dem Manne bas seltsame beklemmende Angstgefühl, er lächelte über sich selbst, es war doch nur ein Traum gewesen.
Dimitri blickte zur Uhr hinüber.
Zwei Uhr erst. Wollte die Nacht denn gar kein Ende nehmen?
30.
Langsam dämmerte der Morgen herauf, Meigrau und traurig. Ununterbrochen rauschte der Regen herunter, alles troff von Nässe und das Deck schien zu dampfen. Westwärts zog ein Dampfer vorüber, grüßend stieg feine Flagge am Gaffel empor. Auf dem Superator antwortete niemand, der Gruß wurde nicht erwidert. Wie rasend arbeiteten die Schrauben und wirbelnd, schäumend wie kochende Flut [prubelte unter dem Heck ein
sprünglichsten Form ist es ein Kreuz mit einer rechteckigen Umrandung. Dadurch, daß man die Umrandung an vier Stellen unterbrach, kam die heutige Form zustande. Es bestand als heiliges Zeichen in Indien unb in China. Auch bei den Inkas in Amerika hat man es gefunden, so daß man annehmen muß, daß es ein uralter gemeinsamer Besitz der Völker der Erde ist Im Sanskrit heißt es „Swastika", und in China war es gleich», zeitig das Zeichen für die heilige Zahl 10 000. Die Bedeutung bes Zeichens ist uns unbekannt.
Es ist keine geschichtliche Stütze dafür vorhanden, daß es ein Kennzeichen des Ariertums war. Diele Ansicht ist ohne genügende Beweismittel von dem Mythen- und Sprachforscher Guido List in seinem Buch „Die Bilderschrift der Ario- ©ermanen", 1910, vertreten worden. Vor dem Jahre 1910 war das Hakenkreuz als sym, bolisches Zeichen so gut wie unbekannt.
Das Dreieck kommt in unfern Kirchen als Symbol der Dreifaltigkeit Gottes vor, meist mit einem Auge darin eingeschlossen. Beides, sowohl das Dreieck wie dos Auge, findet sich als Symbol in der ältesten Hindureligion. D-S Inder nehmen bekanntlich drei Hauptgötter an: Brahma, ben Schöpfer, Wischnu, ben Erhalter, und Shiva, den Zerstörer, oder richtiger Formenwechsler, ber die Dinge in immer neue, wechselnde Formen führt. Dieser Gott Shiva nun trägt auf der Stirn ein drittes Auge, unb alle drei Götter werden durch die Dreiecksorm symbolisiert, um bei aller persönlichen Verschiedenheit die Einheit anzudeuten.
Ein noch gesteigertes Symbol dieser Einheit und überhaupt der Einheit aller Dinge stellte in Indien das Pentagramm dar, eines der bedeutsamsten Zeichen der alten Welt. Es besteht im Grunde aus drei rechtwinkeligen Dreiecken, die in einem Zuge, ohne abzusetzen, ineinandergeschrieben wurden. Geschah dies nicht, war nur der kleinste Spalt, so war das P-mtaoramm nicht vollkommen. Bekanntlich hat Goethe d'eses Motiv im „Faust" benützt: der Teufel schlüpft dmch eine nicht ganz gefd'Ioffene Ecke eines Pentagramms, das ihm in sich den Eintritt verwehren sollte, hinein. Das ganze Altertum hindurch wurde dies Zeichen gebraucht; ben Nytha» goräern sowohl wie den Neuplatonikern galt es als das Symbol der Weltvollkommenheit, als Zauberzeichen oder auch als Zeichen der Gesundheit. Im Mittelalter sah man darin ein geheimes Zauberzeichen; man erklärte es als Fußspuren eines unheimlichen Vogels ober als
nie endenwollender Wasserberg auf, mit Volldampf jagte der Superator dahin mit fauchenden, bis zum Bersten befeuerten Kesseln.
Dimitri eilte in sein düsteres Reich und stellte gerade seine Trägerkolonnen zusammen, als ein Diener des Ra» jah erschien und den Arzt zu seinem Herr rief.
Der Russe folgte sofort.
In der Luxuskabine trat ihm der Rajah entgegen und bot ihm die Hand zum Gruße.
„Botha ist tot," sagte der Fürst und sein Gesicht war wie versteinert.
Dimitri zuckte zurück.
„3ft er auch der Seuche erlegen'
„Nein, er hat bie Wanderung angetreten.'
Auf ben Wink bes Fürsten enthüllten zwei Dienet ben auf dem Ruhebett liegenden Leichnam.
Der Arzt beugte sich über ihn und nickte befriebigt, keinerlei Merkmale waren an dem Toten.
„Seine Zeit war erfüllt," sagte er wie zu sich selbst, dann blickte er den Rajah an.
„Wann hat er seine irdische Zeit vollendet?"
„Zwei Stunden nach Mitternacht."
„Um zwei Uhr nachts?"
Der Arzt konnte sein Erschrecken nicht verbergen.
„-Ja," erwiderte bet Rajah, „warum überrascht Sie das in solchem Maße?"
„Er war heule nacht um zwei Uhr bei mir unb brachte mir ein kleines grünes Krüglein, als ich erwachte, fand ich das Krüglein nicht, ich hatte geträumt"
„Das war kein Traum, er war bei Ihnen."
„Besaß er denn ein solches Krüglein, das er mit schließlich geben wollte und nur der Tod hat ihn an bet Ausführung feines Willens verhindert?"
„Das weiß ich nicht. Er wollte Ihnen sicher etwas offenbaren."
Dimitri erzählte dem Rajah ausführlich alles, was sich in der Nacht abgespielt hatte.
Aufmerksam hatte der Rajah zugehört, nach einigen» Nachdenken sagte er:
„Sie waren Camartha Bothas Freund, weil Sie bet Freunb und Schüler des Guta von Borobudor sind. Er wollte Ihnen helfen unb gab Ihnen das Zeichen. Sehen