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Ar. 260

Beilage zur Fuldaer Zeilung

9. November.

22. Sonntag nach Pfingsten.

Eingangslied: Pf. 129, 3—4.

E WM du die Sünden anschauen, fiert: o fiert, wird bestehen? Dach bei dir ist Vergebung, gt Israels, (Ps. ebb. 1-2.) Aus der Tiefe schrei" ich zu dir, o fiert; fiert, erhöre mein Gebet.

Evangelium: Matth. 22, 15—21.

gn jener Zeit gingen die Pharisäer hin und faton den P an, Jesus in einem Ausspruch zu fangen Sie schickten also ihre Schüler mit den Lrobianern ’u ihm und ließen ihm sagen: „Mei-- »er wir wissen, du bist wahrhaft und lehrst den dtze'a Gottes der Wahrheit gemäß, ohne nach je- tnonb ZU fragen; denn du refjft nicht auf die Per- tau des Menschen. So sage uns denn, was meinst L ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen gder nickt?" Se'us durchschaute ihre Arglist und sagte: „Ihr Buckler, warum Derrud)t ihr mich? tacit mir die Steuermünze!" Sie reichten ihm einen Denar. Jesus fragte: „Wessen ist das Bild und d'e Avsschrift?" Sie antworteten ihm: „Des Kaisers". Da sprach er zu ihnen: „Gebet also dem Kaiser, was dem Kaiser gebührt, und Gott, was Gott gebührt!"

Zeichen und Wunder.

Es ist mir lange ein Rätsel gewesen, wie dock: Jesus den Vater, der in gläubigem Vertrauen sich an ihn wandte und die Rettung seines Sohnes von ihm erfleh e, sozusagen hart zurückweisen tonnte mit dem Wort: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht." Erst ganz allmählich ist mir aufgegangen, wie tief begründet dieses Wort und die fieilandsklage auch heute noch ist- •

Oder meinst du nicht auch, daß manch einer sich um Go t und göttliche Dinge nicht kümmern wurde, wenn ihn nicht die Furcht beherrschte, in diesem oder auch im anderen Leben dem gestrengen Herrn und Gott in die fiände zu fallen? Oder auch die Hoffnung, daß Gott diesenigen belohnt, die sich durch religiöse Hebungen solcher Beloh- nunqm würdig machen?

Ja, Freund, wenn du und ich — ich sage, wenn wir einmal an uns selber denken, steckt nicht auch bei uns noch die Furcht und die Lohnsucht, also die hossnung auf Zeichen und Wunder, hinter un­serem religiösen Tun und Lassen?

„Ja." fragst du, „wie soll es denn anders sein? Ist denn das nicht auch Glaube, daß man an Zei­chen und Wunder glaubt?"

Mag fein. Aber es scheint, daß der fiert unter dem Glauben doch noch "etwas ganz Anderes ver- fcbt und daß es ihm um etwas viel Tieferes, Edleres ankommt als auf den Glauben an Zeichen uni Wunder.

„Was kann das denn wohl fein?", so fragst du m-'er.

Das ist doch der Glaube an Gott, den Vater, der auch dann der Valet ist, wenn er keine Zeichen und Wunder tut.

Denke dir, da ist ein Vater, der ist feinem Weibe und Kinde deshalb treu, weil er denkt, die Untreue könnte herauskommen, und er kriegte rann allerhand Schwierigkeiten und Unannehmlich­keiten mit seiner Frau oder gar mit der Polizei; oder er berechnet: „Wenn ich meinem Weib u. mei- nm Kindern treu bin, so bringt es mir was em, fie werden mir dankbar fein, und so werde ich mit ter Treue ein gutes Geschäft machen", kann man dann sagen, daß ein solcher beherrscht ist vom Adel »er Treue und vom Glauben an die Treue? Ich weme, nein. Das Wort „Treue" paßt eigentlich nickt auf das, was in seinem Inneren vorgeht, üas müßte man eher „Feigheit" oder „Schlauheit" nennen. Das ist bei Licht gesehen nichts Großes, nichts fieldenhastes, sondern etwas Kleines, Ann- leuges, Schwaches, während echte Treue wirklich «was fieldenhastes ist. Ein Mensch, der wirklich

'st, und dem die Treue sozusagen Fleisch und «lut geworden ist, der ist treu, weil er nicht anders renn, weil die Treue ein Abfall von dem fieiben« Rten sein würde, das in ihm lebt und ihn zu

Der alle Dorfpfarrer.

Von Ludwig M a t h a r.

~ , Im Folgenden lassen wir den bekannten rhei- /lischen Dichter Ludwig M a t h a r den Helden feines neuen Buches vorstellen (Herr Johan­nes. Der Roman eines Priesters; ca. 447 6. Das •n bestem Sinne volkstümliche, humorvolle Buch : wird vom Verlag Küsel u. Pustet, München, zu dem erstaunlich niedrigen Preis von 2.85 Mk. in Ganzleinen gebunden herausgebracht. Damit wird unseres Wissens zum ersten Male das neueste Werk eines lebenden Autos gleich von vornherein durch seine Billigkeit weitesten Kreisen zugänglich gemacht.

ej $$ kenne ihn seit meiner Studentenjugend. Wie St 5 f anne des Venns stand er in seiner Gemeinde, ark bis ins Mark, urwüchsig, knorrig, trotz höchsten “er;. iugendfroh und frisch. Er war Blitz und Don­nen Ur ^kne Kalterscheider, so wollen wir sie mal nen- der' °r*er aucU Himmelsbläue und Sonnenschein. Auf 8 Een, feingeschnitzten Kanzel, im schlichten, alten Niö "enchlein, im gewaltigen, großteils von eigenem Ver- dief erbauten Friedensdom. In der alten Schule bei len Sauschlägern, Krähenjägcrn, Hunnen und Aas- jn "?ern, auf der Gasie im Gespräch mit aller Welt, toüher>, "'ederen Vennstube, unterm Ausschnitt der betr'rcen- Buchenhecken, am Krankenbett, am Sterbe-

. ür ist q-der Ihre. Er war sie selber.

arum hängt jetzt wohl in jedem Hause sein Bild, sia i letein verwitterter Vennwacken, kantig, rissig, moo- mete °r fQf) er aus’ der Hähr, „Hot", es, das Allge- wiii k "^en Gehörige, das allen Alles war. Nun, ich schon sM, te'ne HEigenlegende schreiben. „Höt" hatte fcbon Knuten, seine Mucken. Zuweilen rannte Gen-, T3* ein Beleidigter zu „Lukanus", dem Herrn Nez , °lD,for- der, selbst ein Vennkind, seinen Johan- !er" m°n fQnn*c und — schätzte. Wenn er in der „Mau- tUn b ar' b- sich einmal ausschwieg — die Trappisten diäte n 7,ekannllich ihr ganzes Leben lang — weder pre- --Drack " pnkulierte, dann hatte der arme „Fritz", der

*9e (Gott segne solche polternden, treusorgenden,

Handlungen der Treue treibt und ihm verbietet, treulos zu sein.

„Kann denn ein Mensch überhaupt in diesem hohen erhabenen Sinne treu fein?", so fragst du, und der Zweifel steht auf deinem Gesicht geschrie­ben.

Da antworte ich dir: Der Mensch kann nur, wenn der heilige Geist Gottes ihn beseelt und seine Lebenskraft ist. Oder, um mit Christi Worten zu reden: „Bei Menschen ist solches unmöglich, bei Gott aber ist kein Ding unmöglich." Sieh, in diesem Sinne ist Christus treu. In ihm ist die Treue Adel, fielbenmut. Er berechnet nicht: Ich bin den Men­schen bloß bann treu, wenn sie auch mir treu finb, dagegen bin ich ihnen untreu, wenn sie mir un­treu sstid. Er kann gar nicht untreu sein, weil der Geist Gottes in ihm ist. Das sagt er selbst im Gleichnis vom guten fiirten. Er gibt sein Leben hin für feine Strafe, er bewahrt die Treue sogar dem treulosen Jubas unb dem treulosen Volk, bas ihn gekreuzigt hat.

„Kann ich benn auch in biefem Sinne treu fein?"

„Ja, Freunb, wenn ber heilige Geist Gottes bicb beseelt, wenn ber wirkliche Adel bes Eottes- kindes in bir lebenbig geworben ist, bann ist beine Treue unbedingt. Dann wäre die Untreue gegen die Menschen, ja sogar gegen die Feinde, bir des­halb in tiefster Seele verhaßt, weil es ein Abfall nicht von den Menschen, fondern von Gott wäre, eine Untreue des Eotteskindes in bir gegen den Vater.

Sieh, für ben, ber wahrhaft ein Christ ist, b e- deutet das Glauben an Gott nicht mehr, Angst vor Gott haben, sondern eher das Gegenteil: die Angst vor Gott überwunden ha­ben. Es bedeutet auch nicht mehr, auf einen Lohn von Gott spekulieren, sondern eher das Gegenteil: von der berechnenden Lohnsucht frei geworden fein.

Es bedeutet ein unbedingtes Vertrauen, ein unbe­dingtes Sich-hingeben in die fiand des Vaters. So wie der Sohn nicht in der Angst vor dem Vater lebt unb nicht in ber Spekulation, mit bem Vater ein gutes Geschäft machen zu können, fonbern er ist ber Sohn, es verbinbet ihn mit bem Vater heiliger Glaube und unbedingte Treue, so ist es auch mit bem Christen unb dem Vater. Er hat sich ganz und gar, ohne Hintergedanken, ohne Rückhalt, ohne ein „Wenn" und ein „Aber" in die Hand des Vaters gegeben, man kann auch sagen, sich an den Vater geweiht. Und nun em­pfängt er sich aus der Hand bes Vaters zurück, als ein Geweihter, als einer, ber nicht mehr feine Sache sucht unb nicht mehr seine Werke tut. son- bern der bie Ehre des Vaters sucht unb bie Werke bes Vaters verrichtet.

,Jenke bir noch, ein Mensch würbe sagen: „Wenn ich nicht Zeichen unb Wunder sehe, so glaube ich nicht", so merkst bu sofort, baß es mit dem Glauben dieses Menschen nicht weit her ist. Das kommt mir gerade so vor, als wenn jemand ragte: „Wenn ich'mit Gott kein Geschäft machen kann, wenn er mir nicht wenigstens den Gefallen tut, eine Theatervorstellung in Eundern zu geben, so glaube ich nicht." Ach, ich glaube, ein solcher unterscheidet sich nicht sehr viel von einem, der sagt: „Ich glaube überhaupt nicht." Gerade, wenn die Zeichen und Wunder versagen, gerade wenn die Rot so groß ist, daß man klagen möchte: „Gott, mein Gott, wie hast bu mich verlassen", so weist es sich aus, wieviel vom richtigen Adel des Gottes­kindes unb von ber Kraft des heiligen Geistes in uns ist, wie stark unb wurzeltief ber Glaube unb wie innig unsere Sebenscerbtnbung mit bem Vater ist

(Aus dem unten besprochenen Buch von Anton Heinen „An ewigen Quellen".)

Mffenfchafl und Religion.

Glaubenskampf in England. — Golk in jedem Akom in der Welk. — Die vornehme Lampfesweife der Vriken.

Professor Julian Huxley, einer ber hervor­ragendsten Biologen in der ganzen angelsächsischen Welt, rückte in jüngster Zeit mit ber Ansicht heraus, daß jeglicher FortschrittderWissenschaft zu einer Zurückbrängung des Glaubens führen müßte, so daß schließlich bie Religion jeg­liche Basis verlieren unb ber ganze Theismus un­möglich würbe. Seine Behauptungen erregten un­geheueres Aufsehen unb würben nicht nur von ben frommen Quäkern, fonbern von ben Christen aller Schattierungen energisch zurückgewiesen. Professor Huxleys Großvater, selbst ein hervorragenber Ge­lehrter, marschierte gegen seinen ketzerischen Enkel auf, benn biefer erklärte, „baß es eine der gewöhn­lichen Thorheiten der Philosophie wäre, sich um ben Nachweis zu bemühen, baß es keinen Gott gibt". Ebenso stammt von dem Großvater bie bün- bige unb durchschlagende Erklärung: „Atheismus, also Gottlosigkeit, 'st aus rein philosophischen Grün­den eine Unmöglichkeit." Die Ansichten bes Groß­vaters unb bes Enkels stehen fxf) somit biametral gegenüber. Was tun?

Ein echter Brite pflegt allen Lebenserschei- nungen, soweit es ihm bie Zeit gestattet, ordentlich auf ben Grunb zu gehen. DasWesenberRe- l i g i o n, erkennt er schließlich, liegt nicht in irgend­einem Gebet, nicht in einem Ritus, in Zeremonien unb Opfern, fonbern einfach in bem intuitiven Glauben an ein geheimnisvolles all­gegenwärtiges unb allmächtiges W ess en. Dieser Glaube an den göttlichen Geist kann aber durch keine Wissenschaft .zerstört werden, vielmehr wird jede Wissenschaft, letztlich gewollt oder ungewollt, die Tatsache ber Existenz ber Gott­heit plausibel machen.

Der Streit zwischen ben Anhängern Gottes, ben Theisten, unb ben Gottesleugnern, den Athe­isten, ben wir jetzt in Englanb erleben, ist uralt. Sieht man tiefer hinein, so ist es nur eine Wieber-

holung ber wissenschaftlichen Auseinandersetzungen unter ben alten griechischen Philosophen, von denen die einen Atomisten urrb die Platoniker Idealisten waren. Die I d e a l i ft e n, bie ben Enbzweck unb bie letzten Ursachen aller Erscheinugnen zu ergrün« ben suchten, kamen mit logischer Notwendigkeit zu ber Erkenntnis von ber Existenz der Gottheit. Die Atomisten dagegen leugneten ihr Vorhanden­sein unb erkannten nur an, was sie sahen, was sie fühlen, was fie beobachten, mit ben Sinnen wahr­nehmen unb mathematisch errechnen formten. Der Streit ist also uralt. Er erlebte aber in der neue­sten Zeit seine Auferstehung schon vor einigen Jahr-. Hunderten.

Die letzten Ursachen und der Endzweck aller Dinge

werden nicht von allen Philosophen anerkannt. Des­wegen gibt es zahlreiche Philosophen, bie behaup­ten, daß biefen Leuten der Sinn für ben Endzweck schlechterdings fehlt. Es gibt ja viele Leute, die geistig nicht normal veranlagt finb, warum sollte dies nicht auch bei Philosophen ber Fall sein? Ohne­hin ist bie Zahl ber Psychiater nicht gering, bie auf Grunb eingehenber Forschungen zu dem Ergeb­nis gelangen, baß unter 100 Menschen 95 nicht normal finb. Zu ben normalen Philo­sophen gehört fraglos ber Angelsachse Francis Bacon, der nicht nur von primären Ursachen, sondern auch von sekundären berichtet, nämlich von Dicken, die man ermessen, die man sehen, durch Versuche vorführen, unb somit kontrollieren kann. Obwohl Francis Bacon als erster bie sekundären Ursachen eingehend erforschte, so hielt er dennoch grundsätzlich an den primären Ursachen fest, so daß er gleich feinen großen Nachfolgern Descartes unb Leibniz zu den Theisten zu zählen ist.

Im 17. Jahrhundert hat kein Naturforscher die Grenzen menschlicher Erkenntnis so sehr erweitert

Dom Schicksal.

Quam diu sumus in corpore, peregrinämu.

a Domino. (2. Stortntfjerbrierg

Es ist ein seltsames unb schweres Wissen, Daß unser Leben, eh wir finb, gefügt;

Ein Acker nur, auf bem bas Schicksal pflügt, > In Furchen, bie es taufenbmal gerissen.

O buntler Traum unb schmerzendes Begreifen, Daß längst uns Licht unb Schatten zugelenkt, Bis wir aus bem, was tief in uns versenkt, Zu guten ober schlechten Früchten reifen.

O tiefer Sinn, baß bennoch nur ber Brand, Der unsere Seele glüht, am Erntetage Auch bie Entscheidung ist auf alle Frage: Ob sie Weizen ober Unkraut ftanb.

Friedl Schreyvol.

als Newton. Wie denkt er über bie Existenz Gottes? Erfreulicherweise kann es barüber gar keinen Zweifel geben, benn aus seiner Feder stammt bas Bekenntnis: „The supreme Gob exists necessarily an by the same necssity he exists always anb every-where." (Die höchste Got.heit besteht notwendig unb aus ber gleichen Notwenbigkeit eriftiert fie immer unb überall) Selbst Voltaire schreibt klassische Worte über bie Zweckmäßigkeit bie in ber ganzen Natur herrscht unb der schottische Skeptiker Davib Hume bekennt, baß jeber ver­nünftige Denker bei ernstem Nachbenken über die letzten Urlachen allen Lebens intuitiv zu der Er- kenntnis Go tes und ber Notwendigkeit ber Reli­gion kommen müßte.

Ist hier nicht in ben Tagen Darwins ein Wandel eingetreten? Es ist keine Frage, baß Dar­win in feiner Jugenbzeit Theist war, boch gehen die Ansichten der Gelehrten auseinander, ob er den Glauben feiner Jugend auch in feinen letzten Le- bensjahren noch aufrechterhielt. Dubois Rey - mond behauptet, jedenfalls von ben Darwinis­mus daß die natürliche Notwendigkeit, das Walten der Natur die Existenz einer Gottheit überflüssig machte. Die ganze

mechanistische Jtafurauffaffung Darwins.

bie in ähnlicher Weise schon bei den alten Griechen Democrit vertrat, wurde in Deutschland von Haeckel unb bei ben Angelsachsen von Elif- forb in die breiten Massen getragen. Der Ma- terialismus unb bie

materialistische Lebensauffassung

die sie prebigten, brach aber im Weltkriege vollkom­men zusammen. Die religiöse Welle, bie in ben Kriegsbeilen unb in ben Notzeiten ber letzten Jahre burch bie ganze Welt geht, bewahrheitet wiebev einmal das klassische Wort Tertullians, baß bie menschliche Seele kraft ihrer natürlichen Beran- (agung christlich ist, theistisch.

' Alle wissenschaftlichen Arbeiten ber letzten Jahre kommen zu dem Ergebnis, daß das Univer­sum nicht einem Zufall odereinem zu» fälligen ZusammenkommenberAto- nie sein Dasein verbankt, sondern daß alles in der Welt seine letzteUrsacheund s e i n E n d z i e l haben muß. Es bleibt habet, ohne erste Ursachen und ohne letzte Ziele, kommt kein Philosoph in ber Welt nun einmal aus.

In dieser Weise setzt sich gegenwärtig die eng­lische Oeffentlichkeit mit bem Fall Huxley aus- einander. Man wird finden, daß hier alle persön­lichen Angriffe völlig in den Hintergrund getreten sind. Es geht rein um die Sache, und deshalb wird auch der Kampf in aller Ruhe, in vollkom­mener Sachlichkeit, wenn auch mit unzweideutiger Entschiedenheit ausgetragen. Die Vornehmheit, mit der dieser Geisteskampf in dielen Tagen in aller Oeftentlichkeit, auch in der Presse, der Tagespresss geführt wird, erscheint mustergültig.______________,

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opferwilligen Pfarrhaushälterinnen) nichts zu lachen. An des Kirchenvorstandes Schädel wäre des Totengrä­bers Hacke zersprungen. Ewig lag er damit in Fehde. Grob und rauh waren seine Worte, auf der Kanzel, im Beichtstuhl.

Aber rein wie Gold war fein Herz.

Dafür verziehen ihm die Kallerscheider feinen eisen­harten Schädel.

Ja, ich habe ihn gekannt. Ich bin stolz darauf. Ver­spüre auch noch ein ganz klein wenig Gewissensbisse. Denn das Beichten war bei ihm, den man so lange aber eingehend in die „kleinen Sündenverwickelte", im Grunde eine studentische Verschmitztheit. Er aber verstand das Allzumenschliche und verzieh vielleicht etwas zu leicht. (Darum suchten wir diesen Seelenarzt auf, den zwar gewaltig Schimpfenden, aber wohl Verstehenden!)

Doch was soll ich länger den Advocatum diaboli spie­len!

Er war einer jener urwüchsigen, herzensgütigen, trotz aller Bäuerlichkeiten weltklugen und auch tiefgelehrten Originale (ganze Serien von Studenten hat er gratis und franko aufs Gymnasium mindestens bis Tertia vor­bereitet, wie sie unsere geleckte, gleichförmige Zeit leider kaum mehr hervorbringt.)

Und als nun die Not um uns herum immer größer, brennender ward, auch hier oben auf unserem Hohen Venn, im hintersten Winkel der deutschen Westmark, die Not des furchtbarsten aller Kriege, der die Bauernsöhne zu Hunderten wegraffte, die Not der widerrechtlichen Landzerstückelung durch den kleinen, gierigen Nachbarn Belgien, die Not der Inflation und der Kapitalverluste dieses sparsamsten aller Venndörfer, die Not der Ar­beitslosen, die Hunderte ums tägliche Brot brachte, da seufzte ich: „Ach, wenn Herr Johannes noch lebte!"

Ei, er lebt doch noch immer, auch wenn er schon vor einigen Jahren" gestorben ist. Er lebt in seinen Nach­folgern fort.

Auch er hätte ja verstanden: Andere Zeiten, andere Menschen, andere Pfarrer. Er, der einst so heldenhaft wider den Hutsteufel stritt („Settchens Hüt"), er hätte jetzt gegen größere Modetorheiten streiten müssen.

Er hätte nicht geschwiegen zu der Westmark Raub.

Er, der Friedensapostel, dem aber jedes Unrecht, auch das kleinste, verhaßt war. Er, der das Friedens­kreuz, auf dem Sichelsberge, den Friedensdom erbaute.

Er hätte Hilfe gesucht wider der Arbeitslosen Not. Er, der trotz des Protestes des „Drachen" sein letztes Bett, ja, sein letztes Hemd verschenkte. Und so hat er denn bis zum heutigen Tage gelebt.

Er ist ja der Priester, ganz losgelöst vom Selbst, ganz den andern hingegeben, wie ihn Gottes Gnade uns noch immer wunderbar schenkt.

Und so wird er ewig leben!

An ewigen Quellen.

Unter diesem Titel ist vor kurzem im Volksver­einsoerlag München-Gladbach ein neues Buch erschienen, der Verfasser ist A n t o n Heinen. Er hat uns schon eine Reihe von Büchern geschenkt, und sein Name ist so bekannt, daß es überflüssig ist, etwas über ihn zu sagen. Dies letzte Buch von ihm ist aber einer besonderen Betrachtung wert. Cs ist so grundan­ders als Bücher dieser Art im Allgemeinen sind.

Da ist z. B. das Kapitel vom Sonntagsgot­tesdienst, das so beginnt: „Du gehst des Sonntags in die heilige Messe. Warum tust du das eigentlich? Um ein Kirchengebot abzustehen? Um mit Gott oder dem Pfarrer oder deiner Frau keine Unannehmlichkeiten zu haben? Um nicht einen schlechten Namen zu bekom­men in deinem Dorfe oder unter deinen Kollegen? Oder gehst du noch, so mit aus alter Gewohnheit,»bei der man sich nichts denkt?"

Oder das Kapitel: Der religiöse Mensch an der Ar­beitsstätte. Es beginnt wiederum mit einer Frage: „Sag einmal an, lieber Freund, und denk einmal nach, ist dir Gott auch an der Arbeitsstätte nahe? Oder ist dir deine Arbeitsstätte profan, d. h. unheilig? Hast du mit dem Werktagsgewand des Leibes auch an deiner Seele wiede­rum das Werktagsgewand angelegt?

Es gibt keine gelehrten Erörterungen in diesem Buch es wird auch nichts bewiesen. Aber es zeigt uns bie

Religion und das religiöse Tun als die große Selbstver­ständlichkeit, als die geistige Grundlage unseres gesamten, Lebens, als die Grundlage vor allem auch des Alltags und des Werktags. Hier erscheint die Religion als die große Einheit, und alles fügt sich wundersam wie zum goldenen Kranze unter den Händen dieses Mannes, der da spricht aus der Tiefe einer wesenhaften Jnnenschau.

Wer dieses Buch besinnlich liest, dem wird klar wer­den, daß Religion mehr bedeutet als nur die Erfüllung von Geboten oder aber als Versicherung gegen die Hölle.

Das Buch will besinnlich gelesen sein. Es gibt uns keine Kenntnisse, wohl aber Erkenntnisse, kein Wissen über Religion, wohl aber Religion.

Eingeteilt ist es in vier Abschnitte: 1. Gott und Welt. 2. Gott und Mensch. 3. Gott in der Christengemeinde. 4. Das Kirchenjahr. Der vierte Abschnitt nimmt den weitaus größten Teil des Buches ein. Er bringt Epistel und Evangelium sämtlicher Sonntage des Kirchenjahres nebst einer passenden Lesung.

In Größe, Ausstattung und Druck gemahnt das Buch an die alten Legenden, die noch in vielen Häusern zu finden sind und die wir als Kinder wohl alle lasen. Zu wünschen wäre vielleicht eine Taschenausgabe auf Dünn­druckpapier, in der vorliegenden Form ist es als Beglei­ter nicht geeignet. Eine — wenn auch unwesentliche — Ausstellung wäre zu machen. Da ist z. B. ein Abschnitt überschrieben „Ressentiment". „Haß gegen die Besitzen­den" wäre besser und verständlicher, denn davon wird in dem Abschnitt zerredet. Dasselbe gilt von dem Abschnitt „Atmosphäre des Vertrauens". „Geist des Vertrauens" wäre besser.

Das Buch kostet 15 Mark. Es ist nicht viel für ben stattlichen, schönen Leinenband, äußerlich genommen. Gemessen am Inhalt, ist der Preis lächerlich gering.

Allen wahrhaft Suchenden wird das Buch ein Freund fein, wie es nur wenige Bücher aus unserer katholi­schen Erbauungsliteratur fein können. Und das ist vielleicht fein Hauptvorteil: Es steht mitten in der be­wegten Gegenwart, ist Führer und Deuter in dem Wirr» fal moderner Anschauungen und fügt auch sie ein in die große Einheit unb Selbstverständlichkeit. W.