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Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt

Dienstag, 4. November 1930

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N10 jährten Gedenktag der Losreibung Eupen-Malmedys von Deutschland.

sches Recht verbindet, das ist das Saargebiet. Frankreich beginnt sich in letzter Zeit unter dem Eindruck der deutschen Wahlen in steigendem Maße über Deutschland zu beklagen. Demgegenüber nur eine Frage: glaubt Frankreich, daß ein normales Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland möglich märe, wenn Deutschland die Hand auf dem französischen Erzbecken von Briey-Longwy hielte? Niemand hat für die Regelung der Saarfrage zäher und hartnäckiger gefochten als gerade die Politiker, denen die deutsch-französische Verstän­digung am meisten am Herzen lag. Stresemann verlor dieses Problem nie aus dem Auge. Auch die letzte Rede des Reichsministers Dr. Rathenau im Reichstag galt dem Saargebiet. In Beantwor­tung einer Interpellation des Abgeordneten Dr. Bell schilderte er die Leiden an der Saar und stellte die Treue der Saarbevölkerung als ein Vorbild für das ganze deutsche Volk hin. Das Ziel, dem all diese Arbeit, all diese Opfer galten, ist noch Nicht erreicht. Es ist als ob diese konkreten natio­nalen Aufgaben zur Zeit in Vergessenheit geraten, als ob sie mehr und mehr zurücktreten hinter polt* tischem Streit und Hader. Aber durch die großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Gegenwart dürfen wir uns jedoch nicht von unserer Pflicht gegenüber den Brüdern und Schwestern im Saar­gebiet und in Eupen-Malmedy ablenken lassen.

Parteien

Sozialdemokraten Nationalsozialisten Kommunisten

tei die meisten landwirtschaftlichen Vertreter in ihren Reihen zählt. Es ist weiter klar, daß die landwirtschaftlichen Vertreter in der großen Zen­trumspartei ganz anders wirken können, als wie dies den Landwirten in ihrer einseitigen bäuer­lichen Standespartei möglich ist. Eine Standespar« tei steht immer isoliert da, und ihre Worte er­halten bei weitem nicht das Gewicht und den Ein­druck, als wenn Worte zugunsten der Landwirt­schaft aus einer großen Volkspartei heraus ge­sprochen werden. Wenn die Landwirtschaft sich durchsetzen will, dann muß sie vor allem dahin streben einflußreiche Kreise der nichtlandwirtschaft­lichen Bevölkerung für sich zu gewinnen. Das wird einer einseitigen Standespartei niemals mög­lich fein, da sie nicht auf den Ausgleich und die Synthese, sondern auf die Trennung und auf die Weckung von Gegensätzen gerichtet ist. Einen maß­geblichen Einfluß wird eine einseitige Standes­partei nie gewinnen können, und besonders auch die Landwirtschaft wird bei ihrer Mnderheitsstel- lung stets auf die Mithilfe und Unterstützung der nichtlandwirtschaftlichen Kreise entscheidend ange­wiesen sein.

Daß die Zentrumspartei so viele landwirtschaft­liche Vertreter an sicherer Stelle ausgestellt Hot, ist besonders auch deshalb anzuerkennen, weil die ausschlaggebenden Wählermassen des Zentrums, wie manche Statistiken beweisen, nicht auf dem Lande, sondern in der Stadt ihren Wohnsitz haben. Leider ist das tatkräftige Eintreten der Zentrumspartei für die Belange der Landwirtschaft von manchen landwirtschaftlichen Kreisen schlecht belohnt worden. Es ist unbegreiflich, daß auch manche katholische Bauern lieber den Gegnern des Katholizismus und des Agrarprogramms (den Deutschnationalen und Nationalsozialisten) ihre «Äimme gaben, als dafür zu sorgen, daß die Zen­trumspartei zu einer möglichst starken Stütze.ihrer! Weltanschauung und der landwirtschaftlichen In­teressen wurde. Dese Verblendung muß für dis Bauern selbst schließlich zum größten Schaden aus- schlagen. Schon bei der letzten Wahl hat sich ge­zeigt, daß manche landwirtschaftliche Vertreter, die weiter auf der Zentrumsliste standen, nicht ge­wählt wurden, weil die Landwirte in manchen Ge­genden versagt haben und nicht einmal ihre eige­nen Standesvertreter gewählt haben. Die Land­wirtschaft könnte im Zentrum noch mehr Vertreter und einen noch stärkeren Einfluß haben, wenn sie mehr zum Zentrum halten und sich innerhalb der Partei betätigen würde. Aber statt defsen läßt man sich von gewissenlosen Agitatoren und poli­tischen Abenteurern betören, die nichts anderes zu bieten rot ff en, als leere Phrasen und d i s Vertröstung auf das Thaos, wobei die Landwirtschaft in erster Linie dem sicheren Unter­gang verfallen würde.

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Im engeren Fuldaer Land ist es glücklicher­weise noch nicht so, wie es die K. V. auf Grund der Beobachtungen in ihrem engeren Verbreitungs- Bezirk schildert. Freilich sind auch hier Feststel­lungen aus der Wahlstatistik zu machen, die nicht vollauf befriedigen können. Selbstbesinnung tut auch in unseren Bezirken dringend not.

Die LaudwMschasl im Reichstage.

Die Kölnische Volkszeitung schreibt:

Durch die landwirtschaftliche Presse ging jungst eine Zusammenstellung darüber, wie die Land­wirtschaft im neuen Reichstag bei den einzelnen Parteien vertreten ist, wobei folgende Uebersicht über die landwirtschaftlichen Vertreter aller Par­teien hn neuen Reichstag veröffentlicht wurde:

Aus dieser Zusammenstellung geht hervor, daß (abgesehen von der einseitigen bäuerlichen Standes- partei) die Reichstagssraktion der Zentrumspar-

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kaiserkrörmrrg in Addis Abeba.

In einem Rahmen, der an Farbenpracht kaum zu überbieten war, wurde Ras Tafari Ma­ko n n e n zum König der Könige und Kaiser von A e t h i o p i e n in der eigens dafür erbau- ten Kirche neben der Kathedrale des Hl. Georg in Addis Abeba (Abessinien) gekrönt. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt, eine noch viel größere Menschenmenge wohnte außerhalb der Kirche der Krönung bei. Zahlreiche Hohe Per- sönlichkeiten vertraten die europäischen Regierun­gen und Staatsoberhäupter. Eine halbe Stunde vor Beginn der Krönungszeremonie begab sich Ras Tafari von feinem Palast im Krönungswa- gen, der dem vormaligen deutschen Kaiser gehört hatte und von sechs österreichischen Falben gezo­gen wurde, nach der Kirche. Diese war im In­nern reich mit Teppichen behängt. Die Priester trugen prächtige Sammetgewänder und darüber Umhänge, die mit Goldstickereien geschmückt waren.

Ras Tafari betrat die Kirche in einem prächti­gen karminrotem Gewand, das ebenfalls mit Gold­stickereien verziert mar. Die Krönung selbst war kurz. Nach dem Sprechen der Gebete setzte der Erzbischof oder Abuna die mit Juwelen besetzte Krone auf das Haupt des Kaisers. Auf die of­fizielle Krönungszeremonie folgte eine religiöse Zeremonie in der Kathedrale. Danach fuhr der Kaiser im Krönungswaaen durch die geschmückten Straßen und die Triumphbögen, die unter feiner persönlichen Aufsicht für die Krönungsfeier errich­tet worden waren, zurück zum Palast. Er wurde von seinen zu Taufenden aus allen Teilen des Lan­des herbeigeströmten Untertanen begeistert be­grüßt. Im Palast nahm er dann die Glückwünsche der Führer der auswärtigen Missionen entgegen.

* Großer Sieg der Konservativen bei den eng­lischen Munizipalwahlen. Bei den Munizipalwah­len in England und Wales zeigt sich aus dem Ergebnis aus rund 80 großen Städten, daß die Arbeiterpartei beträchtlich verloren hat. Die Kon­servativen haben 79 Sitze gewonnen und 10 Sitze verloren, die Liberalen gewannen 9 und verloren 17, die Arbeiterpartei gewann 27 und verlor 92 Sitze. Die Unabhängigen gewannen 24 und ver­loren 20 Sitze.

* August Nogens zu lebenslänglichem Zucht­haus begnadigt. Der am 14. April ds. 3s. vom Schwurgericht Neustrehlitz zum Tode verurteilte Landarbeiter August Nogens ist einer Meldung des „Berliner Tageblattes" zufolge auf Beschluß des Staatsministeriums zu lebenslänglichem Zucht­haus begnadigt worden. — Nogens ist bekanntlich als MörLer des kleinen Ewald Nogens verurteilt , worden.

♦ Umzüge in Braunschweig wieder erlaubt. Der braunschweigische Minister Frenzen hat, dem „Vor­zufolge, das am 23. Oktober erlassene von Umzügen und öffentlichen Versamm- unter freiem Himmel aufgehoben.

Zentrum

Deut chnationale

Deut che Volkspartei

Wirt chastspartei

Deut che Staatspartei

Bayerische Volkspartei

Landvolk, Bauern- u. Winzerbd. Christlich-sozialer Dylksdienst Deutsche Bauernpartei Konservative Volkspartei Deutsch-Hannoversche Partei

uldaerZertung

Anzeiger für die Stadl Fulda und den Landkreis Julda. Amtliches Kreisblatt.

Kabinett fei diesmal der Vorschlag unterbreitet worden, einen Wechsel in der Leitung der Delega­tion vorzunehmen und mit deren Führung den Generaloberst von Seeckt zu betrauen. Das Kabinett habe diesen Vorschlag jedoch abge- lehnt.

* Generalmajor Freiherr von Hammerstein- Equord, Chef der Heeresleitung, ist den Blättern zufolge mit Wirkung vom 1. November zum General der Infanterie befördert worden.

* Die Polizeigelder für Braunschweig. In der Frage der Weiterzahlung der Polizeigelder hat der Reichskanzler folgendes Telegramm an das Staatsministerium in Braunschweig gerichtet: „Der Herr Reichsminister des Innern hat mir von dem Inhalt des Schreibens Kenntnis gegeben, das er er am 27. ds. Mts. an die braunschweigische Re­gierung gerichtet hat und in dem er zum Ausdruck bringt, daß er sich die Entscheidung über die Wei­terzahlung der auf das Land Braunschweig ent­fallenden Zuschüsse zu den Polizeikosten zunächst vorbehalten müsse. Nachdem die Angelegenheit zum Gegenstand einer Aussprache inner­halb ber 5Reid>sre-gierung gemacht ist, beehre ich mich mitzuteilen, daß auch das Reichs­kabinett sich die endgültige Entscheidung vorbehält. Für die Regelung des Zwischen­zustandes ist der Herr Reichsminister des Innern zuständig, der hierüber gleichzeitig besondere Mit­teilung macht." Wie wir vom Reichsminister des Innern erfahren, tritt in der Zwischenzeit in der Auszahlung der Polizeigelder eine Unter­brechung nicht ein, vielmehr ist die Auszahlung für November inzwischen bereits erfolgt.

* „Vorbereitung der Wahl des Reichspräsidien- tat“. Das Reichsinnenministerium hat in seinem Haushaltsplan für 1931 100 000 RM. zur „Vor­bereitung der Wahl des Reichspräsidenten" ange­fordert. Die „Voss. Ztg." schreibt dazu: Die Vor­bereitungen für die Wahl müssen in dem Etcstsl- jahr 1931 getroffen werden. Die Amtsdauer des Reichspräsidenten läuft im Mai 1932 ab. Es muß also damit gerechnet werden, daß der erste Wahl­gang Anfang April 1932 stattfindet. Ein Teil der Wahlvorbereitungen und auch der Ausgaben fällt daher in das Rechnungsjahr, dessen Haushalt jetzt fertiggestellt werden muß. Bei der letzten Wahl des Reichspräsidenten betrugen die auf das Reich entfallenden Kosten für den ersten und zweiten Wahlgang insgesamt 2,4 Millionen RM.

* Gras Bernstorff Führer der deutschen Ab­rüstungsdelegation. Wie der „Montag" meldet, wird die deutsche Delegation für die Verhandlung der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz am Dienstag nach Genf abreifen. Die deutsche Dele­gation wird wieder von Graf Bernstorff geführt, der Deutschland seit Jahren in der Abrüstungs- kommission vertritt. Dem Aubenminister und dem

Der Herbst 1930 bringt für das deutsche Volk 'um 10. Male eine Reihe von schmerzlichen Ge- i Wagen. So schwer es heute ist, damals war 65 noch schwerer.

Am 6. November 1920 wurden im Deutschen ^eichslag erschütternde Bilder deutscher Not ent- ; Der Abgeordnete Dr. Bell begründete zwei ichwerwiegende Interpellationen über die „Wun- nn Westen" — damals wurde dieses Aus- oui dem mir zehn Jahre lang um unter 5 Recht gerungen haben, zum ersten Mal ge= ihm ~~ ""d der Abgeordnete Korell schloß sich nn Beantwortet wurde die Interpellation ""dem damaligen Minister des Auswärtigen, Dr. jwtotis, und dem Reichsminister des Inneren, Dr. ■ St AU die Anklagen, die wir über die Be- I erheben mußten, gehören der Vergangen* Ach""! die Wunde im Westen beginnt zur histo-

Erinnerung zu werden. Aber die rnann- * guren ®orte, mit denen Dr. Bell das Unrecht an 7?“fateinj kennzeichnete, gelten noch genau so '^ damals galten. Nachdem der Rat des Döl- Sr am 20- September 1920 in Paris be- |« tstn hatte, Belgien endgültig die Souveränität lÄtrrh K"ife Eupen und Malmedy zuzusprechen, lünsrt °°n ®r- Dell in der denkwürdigen Reichs- Utzung am 6. November 1920 der Nachweis daß dieser Beschluß dem Versailler Vertrag < Selbstbestimmungsrecht der Völker wider-

E Der Versailler Vertrag hatte bestimmt,

kxhmi Entente hat es in einer Note vom 16. ■g*I919 bestätigt — daß die volle Freiheit der KJr*"“Obgabe den Bewohnern gewährleistet wer- Btft r r®iefC5 Recht ist schmählich verletzt wor- | fer 'h r° stark waren die angewandten Druckmit- M di» o r” 33 000 Stimmberechtigten nur 271 sich rtuB»« .'te eintragen ließen, obwohl der Kreis : Jieunjie,n deutsch ist u. Malmedy zu 75 Prozent. Kte wlMen ja ganz genau, daß sie damit - Mt Existenz aufs Spiel setzten. Ihr Pro- ete e*n heldenmütiges Bekenntnis zu k Lr. , deutschen Vaterlande. So brandmarkte i wst vollem Recht die Abstimmung in Eu- i stutzt»» "Atz als „die Karrikatur einer unbeein* [ beftirn^^'timmung, als das Zerrbild des Selbst- Mltts.;wungsrechts der Völker". Dieses Unrecht Kadlick ?.""tschland nicht vergessen werden, bis es bühne gefunden hat mit dem im -«ertrag garantierten Recht einer freien und, was gleich viel bedeutet, mit der

Eupen-Malmedys zu Deutschland.

■jh n .yn'er außer Eupen-Malmedy noch mit <wten des verzweifelten Kampfes um beut*

Paris, 3. Nov. (Eig. Meldg.). „Petit veröffentlicht eine längere Erklärung, die ■zwantfer Dr. Brüning dem diplomatischen Re- dieser Zeitung, Herr Bourgues, anläßlich - kürzlichen Anwesenheit in Berlin gegeben g„ dieser Erklärung heißt es u. a.:

r'ey. habe wiederholt und auch in meiner letzten f, ,'Aunqserklärung nach den Wahlen erneut be- daß die bisherige Außenpolitik, die sich als l'jhhftes Ziel die Erringung der nationalen Frei-- H ntnie der moralischen und materiellen Glcich- iLecktiaung gesetzt hat, wie bisher unter Ableh- „ma aller Abenteuer in organischer Weiter- ^Wicklung auf dem Wege des Frie­dens weitergeführt werden soll. Diese W-itix P in ihren Grundsätzen, in der loyalen IXjAfübrung der internationalen Verträge und ^dein friedlichen Zusammenwirken der Völker M-Seat. Sie ist nicht die These einer Person, Sr Partei oder einer Parteikoalition, sondern Gemeingut des weitaus größten Teils des deutschen Volkes. Darin liegt auch die Stärke der : toHtfthen Friedenspolitik, die sich in ihrer beharr- ° iichen Kontinuität allen Bestrebungen zur Erörte- S E „Nb Sicherung des Friedens niemals versagt - fiat Die Rheinlandräumung war eine große | Uz'ppe auf dem Wege dieser deutschen Befreiungs- ■ poütif. -

Mi Bezug auf die Genfer Rede Briands er­klärte der Reichskanzler: Nicht Haß und Kriegs­drohung find aus den Wahlurnen des 14. Septem« l dir hervorgegangen, sondern der Ausdruck eines tkibeirüdtenunb doch starken Volkes, das um feine nationale Zukunft ringt. Die Stimmen, die mir aus Frankreich hören,bringen fast übereinstimmend eine lleberzeugung zum Ausdruck, daß die Konzession, die von Frankreich durch Erleichterung der Zah- ■f lvngen und durch vorzeitige Rheinlandräumung Macht wurden, in Deutschland nicht genügend ge­würdigt würden. Darin liegt eine Verkennung der | möglichen Auswirkung dieser vereinbarten Maß­nahmen. Ein halbes Jahr nach dem Inkrafttreten des Poungplanes find bereits allerorts Diskussionen über die Möglichkeit seiner Durchführung entstan- ■ den. Frankreich a's Hauptgläubiger muß einsehen, daß keine deutsche Regierung ihrem Volke eine Mil- llarden-Schuld, die in ihrer Gesamtheit immer wie­der als drückend empfunden wird, durch die an sich I? begrüßenswerte Ermäßigung um einige 100 Millio- erscheinen lassen kann. Wenn qleich- zfAa die schwerste Wirtschafts- und Finanzkrise da- k »zwingt, mehrere Milliarden neue Steuern und ? Nen aufzuerlegen, ist es selbstverständlich, daß - jede deutsche Regierung sich alle vertragsmäßig zur ■ Wwehr von Gefahren für die Wirtschaft und Wäh­rung zur Verfügung stehenden Maßnahmen offen halten muß, für den Fall, daß sich die Doraus- iehungen für die Erfüllung dieser Zahlungen nicht einstellen können. Andererseits scheint uns die

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Enttäuschung Frankreichs über die angeblich nicht genügende Anerkennung der vorzeitigen Rhein­landräumung nicht gerechtfertigt. Die immer wie­der hinausgeschobene Entscheidung hat die Wir­kung und den Eindruck dieser lang erwarteten Maßnahme, die zudem nicht ohne neue Härten und Belastungen vor sich sieht, sehr abgeschwächt.

Die endgültige Aufgabe dieser militärischen Sicherheitsmaßnahme hat indes keineswegs die Diskussion über die Sicherheitsfrage ein für alle­mal aus der Welt geschafft. Immer wieder wird das Sicherheitsproblem gleichsam als Aus­druck eines anhaltenden Mißttauens in der Vor­dergrund gestellt. Frankreich dürste hierbei viel­leicht kennen, daß man angesichts eines entwaff­neten Volkes, dessen Grenzen nach allen Rich­tungen offen sind und das von waffenstarrenden Nachbarn umgeben ist, nicht immer von neuem die Forderung nach Sicherheit dem recht­mäßigen Verlangen nach Abrüstung entgegen« stellen kann, ohne die Unantastbarkeit feierlich em- gegangener Verträge anzuzweifeln, deren Urhe­ber zu sein gerade Frankreich sich zu rühmen weiß. Nach unserer Auffassung haben alle Staaten gleiches Recht auf Sicherheit und wir verstehen nicht, warum hier mit zweierlei Maß gemessen werden soll.

Die letzten außenpolitischen Vereinbarungen, die zweifellos als ein wesentlicher Schritt auf dem Wege der Liquidation des Krieges angesehen wer­den" können, werden erst dann zur vollen Auswir­kung gelangen, wenn die beiden Hauptkontrahen­ten, Deutschland und Frankreich, in friedlicher Zu­sammenarbeit mit den großen Nachbarstaaten den Boden für eine aufrichtige Verständigung weiter­hin pflegen und entschlossen auf dem gemeinsam beschrittenen Wege weitergehen.

Eine Politik des kühlen Abwartens ist hier nicht am Platze. In Frankreich herrscht vielfach die Meinung, daß es falsch sei, Deutschland immer neues Entgegenkommen zu zeigen, da es stets nach Erreichung eines Zieles firfi n i d) t zufrie­den gebe, sonderst mit immer neuen Forderungen bernortrete; In der Tat steht die deutschen Außen­politik ebenso wie die auch anderer Staaten noch vor vielen unerreichten Zielen. Deutschland ist noch weit entfernt von der vollen Souveränität einer Größmachtstellung. Diele Fra-, gen, deren Lösung vertraglich vorgesehen ist, sind heute noch nicht bereinigt, ja zum Teil noch nicht einmal ernstlich in Angriff genom* m en. Solange d-eser unnatürliche Zustand andau­ert, 'der vor mehr als einem Jahrzehnt in Aus­nutzung der durch diesen Krieg geschaffenen Macht­verhältnisse festgelegt wurde, wird Deutschland mit allen ihm zu Gebote stehenden friedlichen Mitteln auf eine Aenderung hinzuwirken versuchen und nach wie vor mit feinen berechtigten Ansprüchen hervortreten, deren Ausgleich weit entfernt Beun­ruhigung hervorzurufen, zur Förderung des Friedens dienen wird.

Senkung der Preise.

Daran muß sich alles andere orientieren.

In einer Darlegung, die der Reichsarbeitsmini- fter Dr. Stegerroalb dem Vertreter der „Germania" gegenüber über das Problem „Lohn- und Preis­senkung" gemacht hat, erklärte er:

Mit dem Spiel, daß die eine Seite immer sagt, die Löhne müssen gesenkt, und die andere Seite, die Preise müssen verbilligt werden, kommen rotr nicht weiter. Die Forderung muß vielmehr lautest: Die Preise müssen gesenkt «erben, und an dieser Preissenkung sind alle Gestehungskosten zu betei­ligen."

Der Minister machte geltend, daß, solange zu der bestehenden Ueberlaftung der Wirtschaft anstatt Erleichterungen immer neue Belastungen kommen, und solange nicht das Vertrauen in die Staats­führung bestehe, daß sie auf Erleichterungen bin* steuert, es ausgeschlossen sei, daß die deutsche Wirtschaft einen neuen Antrieb bekomme. Uno solange sei auch die Zurückdängung der Arbeits­losigkeit Illusion.

Der gegenwärtigen Notlage könne man nur auf zwei Wegen entgegenkommen: einmal durch eine vernünftige wirtschaftliche Regelung des Re­parationsproblems

und zum zweiten durch verstärkte Kaufiraft im Inneren.

Zur Reparationsfrage hat die Regierungser­klärung schon Stellung genommen. Die verstärkte Kaufkraft müsse von der rentablen landwirtschaft­lichen Erzeugung und von der Verbilligung der gewerblichen und industriellen Produktion und vom Massenverbrauch her geschaffen werden.

Reichsarbeitsminister Stegerroalb lehnte es ab, Lohnkürzungen in einem unmöglichen Ausmaß durch die Staatsmacht auszusprechen. Er lehnte es auch ab, auf lange Sicht die Reallöhne zu senken. Er wolle nicht die Zerschlagung der Darifuerträge und des Schlichtungswesens und deshalb müsse er die Lohnpolitik in der gegenwärtigen schweren Wirtschaftskrise elastisch handhaben, um einerseits Maßlosigkeit in gewissen Unternehmerkreisen gegen­über den Arbeitern und Angestellten hintanzu­stellen, um weiterhin bei besseren Zeiten dn Ar­beitnehmern wieder auswärts helfen zu können.

Die Preissenkung muß allem oben anstehen, und danach müssen sich, wie gesagt, alle Gestehungs­kosten orientieren, und es darf dabei auch an einer Senkung der Güterverteilungskosten nicht Halt ge­macht werden.

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Abgeordnete

Insgesamt davon landwirt schaftliche Vertreter