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Ilr. 254

Vellage zur Fuldaer Zeilung

1. November

21. Sonntag nach Pfingsten.

Eingangslied: Efth. 13, 9 u. 1011.

Nn deinem Milben, o Herr, ist alles gelegen, b f£incr ist, der deinem Willen widerstehen rL. denn du hast alles gemacht, den Himmel |h di. Erde, und alles, was des Himmels Ball |1,-Aüefet, du bist der Herr des Wettenalls (Ps. L j). Selig, die makellos bleiben auf ihren zgegen, die wandeln im Gesetze des Herrn.

Evangelium: Matth. 18,2335.

lener-t trug Jesus seinen Jüngern sol- | ^des Gl vor: Das Himmelreich ist einem Könige gi - mit seinen Knechten abrechnen wollte. Als damit begann, brachte man ihm der ihm zehntausend Talente schuldig-it. er nicht bezahlen konnte, befahl der .rr, ibn und sein Weib und seine Kinder und sein aanzes Besitztum zu verkaufen, um damit die Tchuld zu bezahlen. Da warf 'sich der Knecht ihm ,u Füßen und flehte:Hab Geduld mit mir, ich MM'dir alles bezahlen." Der Herr erbarmte sich des Knechtes, gab ihn frei und erließ ihm die Schuld. Als aber der Knecht hinausging, traf er ' einen seiner Mitknechte, der ihm hundert Denare schuldig war. Er packte und würgte ihn, indem ti sprach:Bezahle, was du schuldig bist." Da fiel der Mitknecht ihm zu Füßen und bat: ,^>ab Geduld mit mir, ich will dir alles bezahlen." Er aber wollte nicht, sondern ging hin und ließ ihn in den Kerker werfen, bis seine Schuld bezahlt wäre. Als die Mitknechte sahen, was geschah, wurden sie sehr betrübt- Sie gingen hin und meldeten ihrem Herrn alles, was sich zugetragen hatte. Da ließ der Herr ihn zu sich kommen und sprach zu ihm:Du böser Knechl! Zch habe dir die ganze Schuld erlassen, weil du mich gebeten hast. Hättest nicht auch du dich deines Witknechtes erbarmen müssen, wie ich mich deiner erbarmt habe?" Voll Zorn übergab ihn der Herr den Folterknechten, bis er die ganze Schuld bezahlt hätte. So wird auch mein himmlischer Vater mit euch verfahren, wenn ihr nicht, ein jeder seinem Bruder, von Herzen verzeiht.

Allerheiligen.

von Eoerge.

Die Heiligenverehrung der katholischen Rüche bedarf für ben, der sie ohne Voreingenom­menheit betrachtet, keiner Rechtfertigung. Uner- mchlich ist der Segen, den sie der menschlichen Gesellschaft gebracht hat. Nicht bloß, daß an ihrer danb Millionen von Menschen aus den Niede»- imgen des Lebens zu den Hochgipfeln des Idealis­mus emporgestiegen, nicht bloß, daß in ihrer Schule Schwächlinge Helden geworden sind die schön- stm Blätter der Kulturgeschichte der Menschheit berichten von unübertroffenen und unübertresfi- lichm Wohltaten, die der Menschheit geworden smd von solchen, die nach dem Geiste der Heiligen gelebt und in ihren Fußstapfen gewandelt sind.

Die Heiligenverehrung der katholischen Kirche ist cm Geschenk des Urchristentums, das dieses dm späteren Geschlechtern hinterlassm hat. Es hat die Heiligenverehrung begonnen mit der Verehrung der Märtyrer. Dieser ist zunächst der Heilige, und auch das Fest Allerheiligen war zunächst der Gedenktag aller glorreichen Mav- ihrer. Aber gar bald traten diesen zur Seite neben den Persönlichkeiten, die Gott zum besonderen Dienst in der Aussührung des Heilsplanes bs- wfen hatte, die Helden der Aszese, die Helden der Karitas, alle Helden christlicher Pflichterfüh- drug, deren leuchtendes Vorbild am Feste Aller« heiligen gleich einem strahlenden Sternenheere, das sich um die Sonne Christus gruppiert, uns Mtgegmleuchtet.

Christus ist ja der Ausgangspunkt und das Zentrum aller Heiligenverehrung. Er hat den Erundstein zur Martyrerverehrmrg gelegt. Hat

er nicht in seiner Bergpredigt jene selig gepriesen, die um seinetwillen beschimpft und verfolgt wer- den, denen alles Böse fälschlich nachgesagt wird! Und in seiner Abschiedsrede, wo er ben Vorhang zurückschlägt vor bet Zukunft, die feiner Apostel und seiner Jünger harrt draußen in der Welt, in die er sie sendet wie Schafe unter die Wölfe, hat er ihnen das Martyrerideal vor die aufhorchende Seele gezeichnet:Eine größere Liebe hat nie­mand, 'als wer sein L-eben hingibt für seine Feinde," undWenn euch die Welt auch haßt, 10 wisset, daß sie mich früher als euch gehaßt hat," und in den Ankündigungen:Aus den Synagogen werden sie euch stoßen, ja, es kommt die Stunde, da jeder meint, Gott einen Dienst zu erweisen, wmn er euch tötet" und endlich die trostvolle Versicherung, daß ihre Namen ins Lebensbuch eingetragen wären. Es dauerte nur eine kurze Zeit, und diese Martyrerzukunst ist Gegenwart geworben, und es geht in Erfüllung, daß Christus selbst in ben Märtyrern gegenwärtig geworden ist und sein Geist in ihnen redet. So fft der Märtyrer eine geheiligte Person, der Träger des Geistes.

Und noch eine andere Auffassung des Un­christentums bietet sich dar als Wurzelboden, aus dem die Martyrerverehrung entsprießen mußte, das ist die Lehre von der Gemeinschaft der Heiligen, d. h. jene Vorstellung daß ein übernatürliches geistiges Band alle Mitglie­der des Gottesreiches umschließt, daß alle zu- sammen den mystischen Leib bilden, so zwar, daß ein Glied mit dem andern lebt und leidet und siegt. Die praktische Auswirkung dieser Lehre fft bann ganz von selbst das Fürbittgebet der Eläu- bigm füreinander. Der Apostel Paulus hatte diese Gedanken in erhabener Fülle ausgesprochen, und es müßte hellstes Befremden erregen, wmn diese die Frömmigkeit des einzelnen so mächtig aufrufenbe Lehre in ben folgenden Zeilen nicht bezeugt wäre. Man braucht nur einen Blick zu werfen in bie urchristliche Literatur und aus Schritt und Tritt begegnet man der Bezeugung der Gemeinschaft der Heiligen, und die In­schriften in den Katakomben,, oft fast im Vorüber­gehen mit dem Nagel eingeritzt, künden immer toteber den flehenden Ruf der Lebenden um die Fürbitte der glorreich Vollendeten um Fürbitte und Hilfe bei Gott. Und wir Menschen von heute freuen uns dieser Lehre, und gerade uns in ben Wirrsalen und aufwühlenden Konflikten des Lebens gibt die Lehre Trost und Mut und Kraft, und mit der Kirche feiern wir Allerheiligen.

Allerheiligen ist ein Freudenfest. Freude auf Erden, Freude im Himmel. Mit innigem Mut- terstolz überblickt da die Kirche in der Festmesse den ganzen Chor der triumphierenden Kirche und versichert sich des fürbtttenden Schutzes ihrer ver­klärten Glieder. Da ziehen in der Epistel, die der Geheimen Offenbarung entnommen ist, die ge- toaltigen Scharen herauf. Scharen aus den 12 Stämmen und die unübersehbare Reihe aus der Heidenkirche, und die Kirche freut sich ihres Triumphes und stimmt in das Alleluja ein. Aber immer wieder weiß sie, das Lebensmotto jedes Menschen kann nur lauten: Durch Kampf zur Krone, und diesen Weg zeigt das Evangelium bet Festmesse, bie acht Seligkeiten. Und was sind diese anders als die königliche Heerstraße Christi, die gclbne Leiter zur ewigen Seligkeit! Und alles mündet dann wieder in dem erhabenen Opfer, in der Erinnerung an Golgatha. Hier ist der Quellpunkt der hl. Wasser, die abwaschen alle Schuld und Makel, hier der befruchtende Boden für das wahre Lebensbrot, das stärkt zum Kampfe und ben Marsch zum Lichte siegreich zurück- legen läßt. Um bie Sonne Christus, um die Eucharistie gruppiert sich jedes Fest und gerade bie Heiligenverehrung und das Fest Allerheili­gen erhält hier seine Krönung. Christozentrisch ist bie Kirche, Christus zum Zentrum unseres Lebens zu machen, bas ist ihre hl. Aufgabe und ihr Ziel auch am Tage von Allerheiligen.

katholische Liebe, fleh deine Ausgabe!

Wir kommen ge.oe von 13borf, dem Ort des entsetzlichen Grubenunglücks.

Wir sind seelisch aufs tiefste erschüttert. Wir M» 29. Tote über Tag geborgen wurde, sahen ®lt mit eigenen Augen. Man hielt eine Decke r jit Bergungsszene, damit die tausende von Mchauern nichts erblickten. Aber die Decke ver- sich und ein roter Klumpen Fleisch wurde niytbar. Ein Wehgeschrei ging durch die Menge, wandte sich die Masse der Sanitäter ande-- Wi Ng?ben zu, und unter der Erde wühlten * wu Menschen, um ein paar hundert Kameraden retten, falls noch Rettung möglich war. Noch A man in den Gesichtern der Zuschauer Hoff- ^"8, noch vergoldete die Abendsonne das schau- Trümmerfeld, über das ein großer moderner k-i. urm sich neigte, wie eine vom Winde ge- -ate Aehre. lieber der Erde war noch Hosß- J*v9, aber unter der Erde lagen ein paar hundert I AAchetterte und verbrannte und zerstückelte Men- ^fvieiber. Wir gingen durch die Häuserreihen : ^Kolonie und sahen durch die zersplitterten t»,T^rkreu>e in Armutswohnungen. Das nüch- Rotbraun der Ziegelsteinbauten hatte so Lj* an sich von der seelischen Gedrücktheit und ^.sozialen Enge der Kumpels. Diese Leute tatsächlich im Existenzminimum innerhalb ihr? und der besonderen seelischen Nöte

Jj* Standes. In so viele Gesichter vorbei- ^yender Frauen hatte das Leben, nicht erst die- Katastrophe, seine Runen gegraben. fon.öeT Gesundheitszustand vieler Erwachsener jtiuro unmöglich von Schicksalen herrühren, die kM^'Ofvölkerungsklassen treffen. Man sah Men- Wton » fn von der Proletarierkrankheit und Binafth n e^n9en ZU gründe gerichtet waren, in dumpfen, verhaltenen Spannun-- tr6»tan^en Mütter an den Türen, blonde Kim- m schmutzigen Röckchen an die Brust enb. Und bie Nervenkrise, in ihrer Ver­

haltenheit unheimlich, leuchtete und glühte aus vielen Augen. Die Masse der Leidtragenden ist stumm, wie ja großes Leid stumm macht. Vor den Zechentoren stehen sie von morgens früh bis Mitternacht, ohne Essen, ohne Ermüdung. Poli­zeiknüppel, demonstrativ getragen, hindern den Zugang zum Feststellungsbüro. Es ist eine Selbst­verständlichkeit und ein Akt des Feingefühls, wenn man die Angehörigen vom Anblick der schlimm-- sten Sznen fernhält. Aber es liegt auch ermeß Furchtbares darin, in diesem Augenblick von der Polizei wie jeder müßige Zuschauer sich behaav- deln zu sehen.

Das Alsdorfer Gebiet ist vorwiegend von katholischen Bergleuten bewohnt. Sie sind zum großen Teil noch nicht so radikalisiert wie ihre Schicksalsgenossen im Ruhrgebiet. Denn noch umhütet sie stärker als dort eine mehr lanb-= wirtschaftliche Kultur. Wenige Kilometer von bet Unglücksstelle entfernt wohnt ländliche Bevölke­rung, bie mit bem Industrialismus noch wenig zu tun hat. Wenige Kilometer vom Schauplatz des Schreckens entfernt sahen wir Dauern in aller Ruhe die Rübenernte einheimsen. So kommt es, daß die Kirche als konservativer Lebenswert hier vielleicht mehr gilt als im Ruhrgebiet, daß der katholische Priester sich ungescheuter unter der Arbeiterschaft bewegen kann als dort. Symbol­haft blickt aus der Nähe ein neues katho - l r's ches Kirchlein auf die Stätte des Jaiw- mers. Man hörte unter oen Leuten allerhand Bemerkungen, Die sich auf das Gebiet der Reli­gion und Philosophie hinbewegten. Das Welt­bild der Leute scheint einen Augenblick zu wan­ken: Wie kann ein Gott Das zu lassen? Und hie und da fallen ein paar Bemerkungen, die den Geist des Kommunismus atmen und den

Geist des Aufbäumens gegen die kapitalffkische Mrkschaflsordnung.

Aber der gottlose Radikalismus findet im Kreise der Kumpels in dieser erschütternden Stunde

keinen Anklang. Es bleibt ein Entsetzen vor dem Geheimnis der göttlichen Unbegreiflichkeit. Es bleibt ein Gefühl des Zitterns vor der irdischen Allmacht einer Wirtschaftsordnung, mit der nun einmal solche Schicksale wie das Alsdorfer Un- glück verbunden sind, obwohl man sie bestimmt nicht allein dieser Wirtschaftsordnung auf Konto schreiben darf. Denn der Mensch muß in Mühe und Not und Gefahr diese tränenreiche Erde sich untertan machen, um zu leben.

lieber das weite Feld, das sich von der Un­glücksstätte aus nach Westen erstteckt, lugt das katholische Kirchlein hinüber zur zerstörten Zechen­lage. Wenn Christus jetzt durch Alsdorf ging und die erschütternde Klage der Menschen entgegen­nähme, was würde er wohl tun? Und die Kirche ist der fortlebende Christus!

Schon haben die versammelten Pfarrer Aachens beschlossen, am 1. Novembersonntag in allen Kirchen eine Kollekte für die Angehörigen der Opfer zu veranstalten, die dem Pfarrer von Alsdorf zur Verfügung gestellt wird, der in die­sem Falle der Exekutor des Liebeswillens Christi ist. Wenn die Liebe bie einzige Macht ist, bie ben Sturm der aufgewühlten Herzen besänftigen kann» wenn sie die einzige psycholo­gische Macht ist, bie ein erschüttertes Weltbild armer, leidender Menschen wieder zur Harmonie

und zur anbetenden Liebe gegen ben Gott den Liebe führen kann, bann hat katholische Karitas im Falle Alsdorf eine ungeheure Aufgabe, biej wie ein erlösenbes unb beglückenbes Fanal hinein^ strahlen könnte in unsere ganze Wirtschaftskrise« Es ist Gelb nötig. Aber das ist lange nicht alles»/ Der Landkreis, die Regierung, die benachbarten Kommunen: alle werden materiell helfen. Dies Kranken- und Jnvaliden-kasfen werden nach mehr» maligen mühsamen Gängen der bettoffenen ÄW gehörigen nach Paragraph soundso Absatz 1 zu B oder c eine bestimmte Summe auswerfen, die zum Lebensunterhalt mehr oder weniger genügt, aber die ganze Fülle seelsorglicher unb sozialer Probleme dieser Leute nicht aus der Welt schassen« Hier wäre ein Arbeitsfeld für die kathp» ll'fche Karitas. Sie muß von den Seelen aus das Leid lindern, muß sich individuell tümN ntern um jeden einzelnen der Bettoffenen, und! von der konkreten sozialen Lage jeder Familiq ans feinfühlig und verständnisvoll helfen. Diese Arbeit kann nicht von den lokalen Kräften allein geleistet werden. Mögen alle großen katholischen Karitas-Organisationen sich zusammentun und int Falle Alsdorf zeigen, daß das Zeichen des Chri­stentums immer noch die Liebe ist:

Seht, wie sie einander lieben!"

Joseph Peters«,

Sie neue große Glaubensgefahr in Deutschland.

Wächter« wie wett ist es in der Nacht?

Nicht allein als politische Verirrung wird der

Nationalsozialismus

uns noch geraume Zeit zu schaffen machen, sondern ebensosehr unb noch viel empfindlicher als welt­anschauliche Verirrung. Die Auswirkungen der weltanschaulichen Bodenströmung in der NSDAP, werden immer deutlicher. Das Gefähr­liche hierbei liegt darin, daß Gedanken und For­mulierungen, die bisher nur Eigentum bestimmter unb relativ kleiner Zirkel waren, nunmehr mit geschickter Propaganba und Leibenschaft unter die Masse gebracht werden. An sich hat der National­sozialismus ja nichts anderes übernommen als

das alte liberale Gedankengut über die Staats­allmacht.

Hinzukommen aber die Erzeugnisse der eben genannten Zirkel: 1. die Lehren einiger Rass en- forscher und Kulturphilosophen über das biologische Königtum der germanischen Rasse, 2. die Versuche zur Neuerweckung altger­manischer Religionsvorstellungen, 3. die Anschauungen liberaler protestan­tischer Theologen über das Christentum, insbesondere seine offenbarungsmäßigen Grund­lagen, Altes unb Neues Testament . .

Die aus diesen Quellen kommenden weltanschau­lichen Gedanken werden in populärer Verflüssigung durch die nationalsozialistische Buch- und Zeitschrff- ten-Literatur, sowie durch die nat.-soz. Tagespresse verbreitet. Vor allem geschieht dies in der nat.- soz. Provinzpresse, während das Spitzen­blatt, derVölkische Beobachter", vorsichtiger ist. Jedoch kann auch dieses Blatt nicht ausgenom­men werden, und es muß eine verdienstvolle Pio- nierarbeit genannt werden, daß dieAugsburger Postzeitung" die Beweisführung für diese Behaup­tung in gründlicher Weise besorgt hat.

Nun suchen weltanschaulich füfjrenbe Köpfe der NSDAP, sich durch die Behauptung aus der Klemme zu ziehen, daß die weltanschaulichen Verlautbarungen der nationalsozialistischen Litera­tur lediglich Prioatmeinungen seien. Einem dieser Führer, Alfred Rosenberg, ist dabei aber die Formulierung vomn a t. - soz. Denker" entschlüpft, womit er selbst zum Ausdruck bringt, daß es ssth um typische, weniger private Aeußerungen handelt.

Aber davon abgesehen, ist es an Hand eines großen Materials mög­lich, nachzuweisen, daß der Natio­nalsozialismus ein eindeutiges kul­turpolitisches Gesicht hat. Selbst wenn man nur die parteioffizielle

...daß Kathreiner mit Milch Mt schmccst, wisscu wir läuK!

Mcr-daßmandic mitKathreinerjcmifdrtc Milch dreimal (!) leichter verdaut als rciut Mich

-das habe» unsere LMruusesdrscher cfft im vonsm^labr entdeckt?

und -offiziöse Literatur heranzieht, kann man zwei weltanschauliche Hauptkriterien Herausstellen:

1. Die Mystifizierung der deutschen

Nation und des nationalen Macht4 willens,

2. Das Staatskirchentum.

Diese beiden weltanschaulichen Grundzüge kom» men beispielsweise in § 24 des Programms aus» drücklich zum Vorschein. Dort wird der Staat so» wohl als letzte kulturpolitische Instanz angerufen als auch das ominösegermanische Sittlichkeits» und Moralgefühl" herausgestellt. Eine weiters durchaus nicht private Auswirkung dieser wett» anschaulichen Grundelemente ist die Begründung für die Ablehnung des preußischen Konkordates, ausgesprochen von der nat.-soz« preußischen Landtagsfraktion. In dieser Begrün­dung heißt es ausdrücklich, daß der Staat in Sa­chen der christlichen Erziehung und des kirchlichen Lebens das letzte Wort habe, und daß hierin nie» mals eine Parität von Staat und Kirche statthaben könne.

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In logischem Zusammenhang mit diesen welk» anschaulichen Grund elementen der NSDAP, ste­hen die einzeln en Häresien und Verstoß« gegen das depositum fidei. Vor allem besteht eine geistige nat.-soz. Kampffront gegen die Lehre von der Einheit der Kirche, vom Universalismus des Christentums, weiter gegen die Absolutheit des Christentums, gegen die Lehre von der Gottheit Christi, gegen die Lehre vom Inspirationscharakte« des Alten Testamentes, weiter gegen bie Lehre vom objektiven Wahrheitsgehalt der katholischen Dogmen und schließlich gegen das Grunddogma vom einen, persönlichen, von der Welt getrennter^ Gott. Alle diese häretischen Angriffe sind nicht ge­legentlicher Natur, sondern stehen in einem fast organisch zu nennenden Gesamtzusammenhang. So», wohl die anspruchsvollere nat.-soz. Weltanschau» ungsliteratur, etwa die Bücher von Gottfried Fe­der, Rudolf Jung unb Alfred Rosenberg, als auch bie auf nichtigerem Niveau stehende nat.-soz. Volksliteratur und Provinzpresse macht sich zum beredten Interpreten der oben genannten nat.-soz, Irrlehren. Insbesondere setzt sich die nat.-soz« Weltanschauungsliteratur im eigentlichen Sinne po­sitiv ein für ein dogmcnloses Christentum, für eine Nationalkirche, für die bloße Menschheit Christi, für die Beschneidung des Bibelkanons, für die Ver­werfung des alten Testamentes, schließlich für einen völkischen Pantheismus, dem die deutsche Nation unb das Sonnenrad (Hakenkreuz) Durchgangspunkt der göttlichen Weltordnung find. Zu diesen neuen Glaubenslehren tritt ein neues Sittlich­keit s ideal hinzu. Es besteht vor allem im Kampf gegen das Gebot der Nächstenliebe und in einer tleberorbnung der sogen, völkischen Belange (der Rassenzucht u. ä.) über bie Forderungen des all­gemeinen Sittengesetzes und des persönlichen Ge­wissens. So tritt etwa Alfred Rosenberg für die Legitimierung des Ehebruchs und der Vielweiberei aus Gründen völkischer Fruchtbarkeit ein.

*

Als letztes ist die 1

Kampfweise der Nationalsozialisten gegen die s

konkrete Kirche, f

ihr Oberhaupt, ihre Hierarchie zu nennen. Es ist im großen und ganzen eine Kampfweise, die die Aufklärungsmsthoden eines kom­munistischen Freidenkers hinter sich zurückläßt. Da werden die christlichen Heils­wahrheiten alsErzeugnisie betrunkener Mönche auf Räubersynoden" bezeichnet (Völkischer Beobach­ter), der Papst ist einZauberer und Medizin­mann" (Rosenberg), die Kirche ist Nachfahre de« Großen Hure von Babylon" (ebb.), das Kardinal­kollegium ist einGemisch von Vorderasiaten und Juden" (ebb.). Der Mainzer Generalvikar ist ein Jude, der Karitasdirektor derselben Stadt ein Be» ttüger unb Meineidiger (Strempelaffaire). Man schämt sich fortzufahren. Aber die Maske muß herunter. Zu dem wirtschaftlichen Taumelwein des Nationalsozialismus kommt der weltanschau­liche hinzu. Und dessen Folgen sind nicht abzusehen. Die Irrlehre des Nationalsozialismus muß zurück- gedrängt werden, ehe sie weite Kreise erobert hat. Der klare Schnitt gegenüber derHäresie des 2 0. Jahrhunderts" (Faulhaber) ist endlich notwendig. An einer Stelle ist begonnen worden. Das Urteil von Mainz kam noch zur rechten Zeit. Dr. R.