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Samstag, 1. November 1930

° dem Reich eine

Prälat D. Dr. Schäfer gestorben

Vanderer zwischen -en Wellen

H

r Finanz ge- Gem rinden

e Durchsührung der Finanz-Sanierung.

> Mrzung der Veamlengehäller auch in den Ländern und Gemeinden. Ersparnisse von 300 Millionen Mark.

I Erscheint lechsmal wöchentlich. WochenbeilagenDie Welt Äe*A j im Bild' undBuchenblätter". Rotationsdruck und Berlag fcoit I sei Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe^ Schrift«

I - leituna 1152. Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Schwierigteitrm der neuen brasiliMischen Re­gierung. Aus Rio de Janeiro wird gemeldet: Durch die Weigerung des abgesetzten Präsidenten

Luiz, abzudanken, gestaltet sich die Frage der An­erkennung der neuen Regierung äußerst schwierig. Präsident Washington Luiz, der in einem Fort gefangen gehalten wird, besteht nach wie vor darauf, der legale Regierungschef Brasiliens bis zum Ablauf seines Mandates am 15. November zu sein. ___________________________

E" Die Voss. Ztg. glaubt, daß diese verfassungs- ff Ludernden Gesetze, die eine Zweidrittelmehrheit E Reichstage bedingen, sich vielleicht vermeiden lassen, wenn es gelingt, vertragliche Vereinbaruw- - aen über diese Fragen zwischen Reich und Län»°

-ern zustandezubringen. Die Punkte, in denen die | girier Widerstand angekündigt haben, sind: die Ijtontrolly ihrer eigenen Finanzgebarung, die Um«

«staltung der Hauszinssteuer, Oie Senkung der MWaisteuern und die pom Reich geplante Kitt- ! Mia der Beamtengehälter. Die Länder sinft

Ml an sich mit einer Kürzung der Beamtengei- ks. hälter einverstanden, das Reich will aber von der Ersparnis, die sich daraus für die Länder ergibt für eigene Finanzzwecke 100 Millionen Mark U abziehen, und gegen diesen Punkt richtet sich der

Widerstand der süddeutschen Länder, Sachsens r und auch einzelner mitteldeutscher Länder.

Don süddeutscher Seite ist vorgeschlagen wor­den, statt der einheitlichen 6 prozentigen Kürzung | der Beamtengehälter einen gestaffelten Abzug M vorzunehmen, der ijiit 15 Prozent bei den oberen Gebauern beginnen und auf 2 Prozent bei den - unteren Gehältern sinken soll. Das Reich hält dem Standpunkt der Länder entgegen, daß die Kürzung der Gehälter bei Länder- und Ge­meindebeamten eine Ersparnis von 300 Millio- nen Mark bedeuten würde, so daß, wenn das Reich sm sich selbst 100 Millionen abzieht, bei Ländern immer noch Vs des ersparten Betrage verbleiben würde. Insgesamt wird die Kürzung 6er Beamtengehälter eine Ersparnis von 514 Millionen Mark bei oKen öffentlichen Körper­schaften bedeuten, und zwar entfallen davon aus das Reich 62 Millionen, auf die Reichspost 62 r Millionen, auf die Reichsbahn 90 Millionen, auf

Länder und Gemeinden 300 Millionen.

^em B. T. zufolge verlautet in ReichsratK- n, daß jetzt auch die fächfische Regierung er- ihre mehrere Millionen betragen den Zins-

Ende des MetallarbeUerstreiks.

wtb. Berlin, 31. Oktober. (Eig. Meld.) Nach­dem die Urabstimmung in der Berliner Metallin­dustrie eine überwältigende Mehrheit für die Wiederaufnahme der Arbeit gezeitigt haben, wurden heute morgen in den Be­trieben der Orsig, der A. E. G, Osram, Bergmann usw. die Arbeit wieder restlos ausgenommen. Auch in vielen kleineren Betrieben wurde heute wieder in vollem Umfange gearbeitet.

ansprüche aus der Abtretung der sächsischen Eisew- bahnen an das Reich geltend zu machen.

*

Das Reichskabinett brachte am Donnerstag in einer unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brü­ning stattgehabten Abendsitzung seine gesetzgeberi­schen Arbeiten zum Wirtschafts- und Finanzplan zum Abschluß. Sämtliche zu diesem Gesamtplan gehörenden Vorlagen sind vom Reichskabinett nun­mehr verabschiedet. Der Beginn der Verhandlun­gen mit dem Reichsrat ist bekanntlich auf nächsten Dienstag, den 4. November, festgesetzt.

®;.e vom Reichskabinett verabschiedeten Finanz- «d Wirtschaftsgesetze, die die Grundlagen des Reichshaushaltsplanes bilden, tragen zum ^ilversassungsändernden Charakter, so ^besondere das Gesetz über die Einschränkung ?L Personalaufwands in Reich und Ländern,

Ae jm Reich eintretende Gehälterkürzung Länder und Gemeinden übertragen will, 5 weiter das Gesetz, durch Misse Aufsichtsbefugnis über iarung der Länder u gestanden werden soll.

Brasilien.

wtb. Rio de Janeiro, 31. Oktober. (Eig. Meld.) Die siegreichen Südtruppen sind in die Bundeshauptstadt eingezogen.

* Hochstapler Domela in Nürnberg verhaftet. Wie die Polizeidirektion Nürnberg mitteilt, wurde Harrn Domela, der bekannte. Pseudoprinz, wegen verschiedener kleiner strafbarer Handlungen in Nürnberg verhaftet und dem Gericht übergeben. Er soll auch in Nürnberg versucht haben, Schwindeleien zu begehen. Bei seiner Verhaftung war er voll­kommen mittellos.

lUldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und denOandkreis Fulda. Amtliches kreisblatk.

verein gepflegt werden. Wenn ich dafür auch ju« nächst nicht zuständig bin, so sehe ich doch die Not­wendigkeit. Würden Sie nicht Lust haben, den Volksverein zu übernehmen und nebendran das Parteisekretariat zu besorgen, d. h. mit mir zusam­men zu arbeiten?" Ich gab meine vorläufige Ge­neigtheit kund. Nähere Ueberlegungen und Bera­tungen führten schließlich zur endgültigen Zusage.

Wacker stieß mit seinem Plan auf etwas Wider­stand in der Parteileitung. Fehrenbach machte sich in einem Brief zum Sprecher für die Gruppe. Die Antwort Wackers fiel danach aus, und der Fall war vorerst erledigt. Mit unbedingter Hingabe an die hohen christlichen Ideale im öffentlichen Le­ben hatte ich zugesagt. Ich setzte das gleiche bei allen denen voraus, die ich als Bannerträger vor mir sah. Diese Auffassung fand indes an der Wirk­lichkeit mehrfach ihre Korrektur; sie fand aber noch mehr ihre Bestätigung. Erhebend wirkte die makel- lose Selbstlosigkel und unentwegte Sachlichkeit mei­nes politischen Chefs und Meisters."

Wir haben dieses Zitat wiedergegeben, weil aus diesen Zeilen so deutlich der ganze Charakter Schäfers spricht. Auch in seiner späteren politischen Tätigkeit als Führer des badischen Zentrums hat er nie den Priester und Seelsorger verleugnet, zu dem er sich in tiefster Seele berufen fühlte. Sein ganzer Lebensweg, aber auch sein ganzes Streiten und Kämpfen um die Verwirklichung des christ­lichen Lebensideals im deutschen Volke und in der deutschen Politik blieb immerfort durchsonnt von einem feinen, immerfort versöhnlichen Humor, von einem Wohlwollen gegen jedermann, die es ver­hinderten, daß er persönliche Feinde bekam. Wenn Geistlicher Rat Wacker ihn als seinen nächsten Mit­arbeiter zu sich heranzog, dann tat er es, weil er die prächtigen Eigenschaften für einen Volksführer in ihm erkannt hatte. Er tat es aber auch, weil er die schlagfertige und sieghafte Beredsamkeit die­ses Geistlichen erkannt hatte. Es hat nicht lange gedauert, bis Dr. Schofer in den badischen Landtag gewählt wurde. Weithin bekannt hat er sich durch seineWaldmichel-Flugblätter" gemacht, über deren Wirkung in seinen zitierten Erinnerungen eben­falls mancherlei Interessantes zu lesen ist. Am Krieg nahm er von Anfang bis zum Ende als Di­visionspfarrer der 8. Landwehrdivision teil.

Nach dem. Kriege wurde er bald der eigentlich« Führer der badischen Zentrumspartei und damit auch, da das Zentrum in Baden die ausschlagge­bende größte Partei wurde, der eigentliche Leiter der politischen Geschicke des badischen Landes. Er Hai in seinem erwähnten Buche über die Vorgänge der politischen Umwälzung Ende 1918 und Anfang 1919 in Baden sehr aufschlußreiche Erinnerungen veröffentlicht, die auch über seine eigene damalige Stellungnahme mancherlei interessante Mittei­lungen enthalten. Den politischen Umschwung hat er nicht gleich gut geheißen, was verständlich ist, wenn man bedenkt, daß Baden aus der Vorkriegs­zeit ein Land war, das verhältnismäßig am demo­kratischsten regiert wurde. Sobald er aber er­kannte, daß die politischen Zeiten einen anderen Charakter angenommen hatten, und daß man zu­greifen müsse, wenn möglichst schnell die Ordnung wieder hergestellt werden sollte. Da stellte er sich gleich in die vorderste Linie, treu neben der alten Fahne, aber mit festem Blick in die neue Zeit. Und bis zum letzten Tag seines Lebens hat fein Wille nicht nachgelassen, mit fester Hand an dem Wiederaufbau Deutschlands mitzuarbeiten. Wie ein zielweifender Leuchtturm, nachdem sich tausend; richten, stand er damals als ein Mann des Volkes in dem Gewoge des neuen politischen Lebens. Oft hat man wohl gewünscht, daß dieser Mann, dessen Autorität nimals umstritten wurde, sein badisches Land verlassen und Führer der gesamten Zentrums­partei werden möchte. Auf solche Wünsche ist ec aber niemals eingegangen; er hat fein badisches Heimatland nie verlassen. Er hat auch niemals einen Ministerposten angenommen, obwohl er häu­figer Gelegenheit dazu hatte. Im Jahre 1921 wurde er von Papst Benedikt XV. zum Hausprälaten er­nannt.

In wenigen Zeilen lassen sich die großen Ver­dienste dieses Mannes nicht aufzählen. Aber das ganze katholische Deutschland weiß, daß mit ihm einer seiner Besten dahingegangen ist und wird ihm ein treues Gedenken bewahren.

*

wtb. Berlin, 31. Oktober. (Erg. Meld.) Der Reichskanzler hat der badischen Zentrumsparte,i zum Hinscheiden des Prälaten Dr. Schofer schn tiefstes Beileid telegraphisch übermittelt

Bayern.

wtb. München, 31. Oktober. (Eig. Meld.) Das Gesetz über die Abgleichung des ordentlichen Staatshaushaltes für 1930, das auch die Schlacht­steuer enthält, wegen deren Nichtannahme im Sommer die Regierung Held zurücktrat, wurde in der heutigen Vollsitzung des Land­tags verlesen. In namentlicher Abstimmung .wurde die Regierungsvorlage mit 86 gegen 2 Stimmen bei 16 Stimmenthaltungen ange­nommen. Für die Vorlage stimmten die Baye­rische Volkspartei, die Deutschnationalen, die Deutsche Volkspartei und die Sozialdemokraten, dagegen die Kommunisten, während sich die Bauernbündler der Stimme enthielten. Die Nation al-Soziali st en beteiligten sich an der Abstimmung n i ch t.

Zu einer Meldung der Deutschen Zeitung über eine angebliche Spannung zwischen dem Reichs- kabinett und der Bayerischen Votkspartei wegen der bisherigen Nichterledigung der Abgeltung des bayerischen Postregals erfahren wir, daß in den Besprechungen, die am Donnerstag zwischen dem Reichskanzler und dem Reichsfinanzminister auf der einen und dem bayrischen Ministerpräsidenten Dr. Held aus der anderen Seite stattgefunden haben, auch die Frage des Postregals bereinigt worden sei. Für die Bayrische Volkspartei be­stehe somit kein Grund, an die eventuelle Zurück­ziehung ihres Ministers aus dem Reichska-binett zu denken.

Die Abrüstungsfrage.

Nachdem der Auswärtige Ausschuß desReichs- tags in feinen letzten Sitzungen eingehend über den Stand der Frage der allgemeinen Abrüstung beraten und die in der Presse veröffentlichte Ent­schließung gefaßt hat, hat, wie wir hören, über die gleiche Frage unter Vorsitz des Herrn Reichskanz­lers und unter Hinzuziehung der Chefs der Hee­res- und Marineleitung auch eine Besprechung zwischen den beteiligten ReichsMi­nistern stattgefunden. Gegenstand dieser Bespre­chung waren die von Deutschland in der Ab­rüstungsfrage zu befolgende Politik sowie - insbe­sondere diejenigen Punkte, die mit dem Programm der in der nächsten Woche in Genf zusammentre- tenben Vorbereitenden Mriistungskommiffion zu­sammenhängen. Die Führung der deutschen Dele­gation für diese Kommission ist wiederum dem Botschafter a. D. Grafen Bernstorfs übertragen worden. Der Delegation gehören außerdem als Vertreter des Reichswehrministeriums der Admiral Freiherr von Freyberg und der Oberst von Schön- heynz sowie einige weitere Sachverständige an.

L en b ach.

Fall im Hause haben. Das ist ein hartes politi­sches Gesetz.

Schien es zunächst, daß es Mahraun und Bornemann gelingen würde, die jungdeutsche Be­wegung von den Elementen freizuhalten, die über­all auszutauchen pflegen und ganz besonders int politischen Leben wo neu Entstehendes dem persönlichen Ehrgeiz noch einen besonderen Spiel­raum läßt, so rst wohl auch das anders geworden. Nicht alle führenden Jungdeutschen scheinen honte mit jungdeutschem Herzen zur Welt gekommen zu sein, sondern es erst verhältnismäßig spät ent« deckt zu haben, spät und nach abenteuerlicher Lauf­bahn. Hier ließe sich einwenden, daß es nicht Sache Außenstehender sei, über die innere Entwicklung der jungdeutschen Bewegung zu rechten. Dies ist aber nur bedingt richtig. Seitdem die Jungdeutschen Vertreter in das Parlament gesandt haben, spielen sie parlamentarisch eine politische Rolle. Als Split­tergruppen und Wanderer zwischen den Parteien genießen sie aus allgemeinen Gründen und solchen, die ihre gegenwärtig vereinsamte Lage angeht und deren Behebung, einige konstatierende Ausmerh- samkeit.

Mahraun hat sich nach dem Auszug aus der Staatspartei auf weitere politische Pfade begeben. Nach allem, was die Jungdeutschen verlauten las­sen, scheinen sie wohlgemut und ihren politischen Mißerfolg eher als einen Sieg anzusprechen. Ihre innere Ueberzeugung wird eine andere sein. Mah­raun muß sich darüber im Klaren sein, daß er den jungdeutschen Orden mit einem zweiten Ex­periment nach Att der Staatsparteigründung nicht mehr belasten darf, ohne Gefahr zu laufen, ihn vollends bedeutungslos zu machen. Darüber hel­fen alle Derttauenskundgebungen nicht hinweg. Daß Mahraun nunmehr seiner heißen und unver- löschbaren Liebe zu den Farben schwarz-weiß-rot wieder beredten Ausdruck gibt, ist interessant. Eine Frage: Jst's Takttk, ist's mehr?

Die jungdeutschen Führer sollen nicht vev- gesscn, daß selbst in den von ihnen so geschmähten Parteiismus" das Verttauen Grundlage und Voraussetzung jeder engeren Zusammenarbeit ist. Sie sollen wissen, daß sie dieses Vertrauen nach ihrem unverständlichen und unberechenbaren poltt tischen Verhalten schwerlich irgendwo besitzen. Wie entscheidend sie es im Zenttum verloren haben, geht aus der klaren Stellungnahme weitester Zen­trumskreise vor den Wahlen hervor. Sie hat sich wohl eher verschärft als gemildert. Mahraun ist ein Wanderer zwischen den politischen Wetten, in Wirklichkeit ohne Raum und ohne Ziel. Er mag aber auch auf seinen politischen Ruf und auf den seiner Freunde bedacht sein.

Von Franz

Es gehörte nicht viel politischer Sinn dazu, f M den Bemühungen der Jungdeutschen und Volks­nationalen bei der Gründung der Staatspartei rin schlechtes Ende vorauszusagen. Mahraun, als treibende Kraft und Führer dieser Gruppe auf bet einen, und Koch-Weser :ür die Demokraten ' «lf der anderen Seite haben ein politisches Ey- pknment liquidieren müssen und die Rechnung Nsit chrem politischen Ruf bezahlt. Koch-Weser ist b:e Schwere seiner Niederlage wohl ganz zu Be- : Anßtsein gekommen; er hat sie mit Würde auf nch genommen und fein Reichstagsmandat nieder- f Mahraun selbst hatte kein solches zur I Anfügung zu stellen, denn er war jaaußer- p^lllmentarischer Führer" der Staatspartei. Seine Mi Mitkämpfer aber unter Führung des jung- oeuuchm Ordenskanzlers Bornemann, die in der eafy Mahrauns Fehlschlag teilen, sind mit einem ^chstagsmcmdat betreut worden, das sie nicht ®3ugeben denken. Sie haben die Folgerungen l indem sie aus der staatsparteilichen Frak- k S oustraten, um zunächst eine eigene Splitter - wtei im Reichstag zu bilden. Es bestehen aber Vermutungen, daß sie früher oder später versuchen ! Anden, mit anderen Fraktionen zum Zwecke der t ^Wberung m Fühlung zu treten.

I hw k Zentrum hat den jungdeutschen Führern | den Wahlen in sachlicher Schärfe auseinander- sW. wie widersinnig und im Hinblick auf die Entwicklung und Mentalität der jungdeutschen Be- ®*gung geradezu unaufrichtig dieser plötzliche Um- I zur liberalen Staatspartei empfunden

Er«- Wahraun hat sich mit diesem Schritt das I Su. Vertrauen entscheidend verscherzt. Nicht

| ein Verttauen in die sachliche Richtigkeit »taLi I$ug politischen Linie der Jungdeutschen, IW -ct E gewisses Verttauen in Folgerich- bi» .in gerade Linienführung, vor allem in Ihn WsWihkonservative Grundlage. Wer jahre- fc?9 utit Einsetzung seiner ganzen Kräfte gegen f .eralismus,Parteiismus", heutigen Parlamen- e '-mus ankämpfte, um im entscheidenden Augen-

selbst eine Partei voller Unwahrscheinlichkeiten £ dllden, selbst in alleparteiistischen" Methooen fter a-a^.en nur denkbar sind, der verfällt

chtfertigtem politischem Mißtrauen auch Äscher Lächerlichkeit.

^Gewisse politische Methoden der Jungdeut-- : kt Ich lenen ja schon immer im Widerspruch zu

^hre zu stehen: ihre Presse, ihre groß | tivis^OTttlen politischen Prozesse, ihre Jndiskre- M^^u. Immerhin, sie mußten unter dem Eesichts- W ch,. . Dranges nach öffentlicher Geltung wildere Beurteilung finden. Es ist wohl auch

Manches Interessante zu Tage gefördert fej .eiL Summarisch besteht aber auch hier eine

: .Zuträger Höri man gern, man möchte f et nicht gern zum Freunde und auf keinen

Wie die Freiburger Tagespost meldet, ist der Führer der Badischen Zentrumspar­tei, Prälat D. Dr. Schofer, in der Nacht zupn Freitag einem Herzschlag erlegen.

In Fulda war uns der prächttge Führer des badischen Zentrums kein Unbekannter. Wir haben ihn, den Mann, der allen voran die alte Zen» ttums-Fahne in die neue Zeit hineinttug und den deutschen Katholiken, namentlich im Süden des Vaterlandes, vor allem auch der Jugend ein leuchtendes Beispiel der Treue und der feurigen Begeisterung für die hohen Ziele unseres Lebens gewesen ist, geliebt wie selten einen politischen Führer.

In dem Prälaten Schofer hatte geradezu die Idee des alten Zentrums, das für die Ver­wirklichung des katholischen Gesellschaftsideals im öffentlichen Leben Deutschlands kämpfen wollte, ihre Verkörperung gefunden. Die Geschlossenheit und innere Aufrichtigkeit feines politischen Cha­rakters, feinfc persönliche Offenheit und sein herz­licher Freimut, fein tief eingewurzeltes Mitleben mit dem Empfunden der breiten deutschen. Volks­massen in der katholischen Kirche, sein lebendiges und tätiges Wissen um die Not bet Armen feiner Volksgenossen, sein hochgemutes Herz und sein demokratischer Sinn, alles das sind Züge seines N>arakterbildes, die ihn für das Wirken in der Oeffentlichkeit ungemein befähigten. Sie haben seine Persönlichkeit zugleich so außerordentlich an­ziehend gemacht, sie haben ihm eine moralische Autorität innerhalb des deutschen politischen Ka­tholizismus gesichert, wie sie in diesem Augen­blick wohl keinem anderen mehr gegeben ist.

Am 31. Januar 1866 wurde Josef Schofer im Badischen Bühlertal als Sohn eines Straßenwarts geboren. Er besuchte das Rastatter Gymnasium und studierte dann bis 1892 in Freiburg Theo­logie. Jm gleichen Jahre wurde er zum Priester geweiht. Sein Eintritt ins politische Leben knüpft sich an ein Ereignis, das sicherlich nicht geschehen wäre, wenn der damals in Baden herrschende Liberalismus diese Folgen vorausgesehen hätte. Er selbst schreibt darüber in seinem kürzlich im Verlage Herder in Freiburg erschienenen Erinnv- rungsbucheMit der alten Fahne in die neue Zeit".

Seit Ostern 1894 war ich Repitftor im Theologi­schen Konvikt zu Freiburg. Mein Glück lag in der Aufgabe, die mir unter dem ideal gerichteten Prie- steramtskandidaten gestellt war. Sie entsprach dem Innersten meiner Seele. Als nun 1904 die Stelle des Direktors wieder zu besetzen war, wollte mein Oberhirt mich damit betrauen; die Regierung in Karlsruhe lehnte mich aber ab. Sie hatte die gesetz­liche Möglichkeit dazu. Man legte mir damals nahe, selbst nach Karlsruhe zu fahren, und dort freie Bahn für mich zu schaffen. Ein solcher Schritt war mir jedoch unmöglich. Am Feste Mariä Opferung 1904 hat der Erzbischof Thomas Nörber mir die Hiobspost persönlich gebracht. Er wies mich tief be­kümmert auf den Opfergedanken des Festes hin. Meine Antwort lautete:Wenn mir im Leben nichts Schlimmeres passiert, dann hoffe ich sicher, in den Himmel zu kommen. Seelisch hat mich der Schlag tief getroffen, denn 'ch hing an mei­nem hochidealen Beruf mit jeder Faser meines Her­zens. Niemand außer meinem Kollegen erfuhr vorerst etwas von dem Ereignis. Das seelische Gleichgewicht zu bewahren, dazu half mir, abge­sehen von der religiösen Gedankenwelt, meine Nei­gung zum Humor. Ich las so jeden Tag einen Streich ausMax und Moritz". Diese Lektüre hat mir in jenen schweren Tagen gute Dienste getan. Allein was nun? Das war die Frage. Die Ant­wort konnte nur lauten: Du wirst irgendwo Pfar­rer. Die Pastoration war mir immer eine Freude gewesen. So hoffte ich, rasch me'n Glück wiederzu­finden. Allein es sollte ganz anders kommen, als ich mir dachte.

Anfang Februar feiert die Pfarrgemeinde Zäh­ringen jeweils ihr Blasiusfest. Dazu lud gewöhn- llch geistlicher Rat Wacker ihm näher stehende Prie­ster der Stadt ein. Da ich ihn oft vertrat, wenn er im Landtag ober auswärts war, erhielt auch ich eine Einladung. Er kam sogar persönlich zu mir. Als ich nun fein Haus betrat, nahm er mich in fein Zimmer und fragte mich: ,Hst es richtig, daß Karls­ruhe Sie für den Direktorposten ablehnte?" Ich bestätigte die Frage. Er war empört über die Tat der Regierung dann sagte er mir dem Sinne nach:Ich werde älter und kann nicht mehr so ar­beiten wie früher. Die Aufgaben aber wachsen im­mer mehr noch an. Es sollte vor allem der Volks-

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