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57. Mrg

Sonntag, 26. Oktober 1930.

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18

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6

Nationalsozialisten Deutschnationale Landvolk Kommunisten.

Von Moskaus Gnaden!

Lehren aus der Reichstagsabstimmung.

Die „Voss. Ztg." stellt folgende Berechnungen

Das ergibt mit den 140 Sozialdemokraten 317 Stimmen.

Gegen die Regierung votierten:

tagswoche erfahren haben, das verantwortungs­bewußte Handeln weiter parlamentarischer Kreise und der hinter ihnen stehenden Wählerschaft doch noch über die Kräfte der Zersetzung und Entzwei- ung zu siegen vermöge, wenn sie nur einig sind und geschlossen dem einen großen Ziel der Ret­tung von Volk und Vaterland ent- gegenmarschieren — diese Hoffnung ist es, die uns alle ermuntern muß, im Geiste treuer Verbunden­heit mit un^erm Volk weitermarbeiten, und wir nRrben das Ziel erreichen, wenn wir nur wollen!

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euer Sterben.

Nach dem Reichsarbeitsminister sprach für preußische Regierung

Handelsminister Dr. Schreiber.

Er führte etwa folgendes aus:

Die Beisetzung der Alsdorser Opfer.

262 Tote werden zur letzten Ruhe gebettet.

Die Trauerfeier im Verwaltungsgebäude. — Reichsarbeiksminisker Stegerwald und preußischer Handelsminisker Schreiber sprechen.

irgend getan werden kann, sie vor Not zu bewah­ren, soll und wird geschehen. Die Hälfte wird nicht nur auf die g e s e tz l i ch v o r g e j ch r i e - benen Unter st ützungen beschränkt, sondern darüber hinaus sind besondere Hilfsmaßnahmen eingeleitet.

Ihr, die Ihr jetzt im Tode ruht, handeltet im Bewußtsein des Schicksals, das Euch stets ereilen konnte in Eurer ernsten harten Arbeit. Ihr starbet in treuer Pflichterfüllung im Dienste Eures Vol­kes! Mit dem Kranze, den ich im Auftrage des Herrn Reichspräsidenten und der Reichsregierung überbringe, ehrt das ganze deutsche Volk in dankbarem Gedenken euer Wirken,

Das ergibt zusammen 234 Stimmen.

Da stellt sich nun folgendes heraus: Wenn die Rechte, die aus den Nationalsozialisten, den Deutschnationalen und dem Landvolk besteht, auf die 69 kommunistischen Stimmen verzichtet hätte, dann hätte die Regierung die 140 sozialdemokrati­schen leicht entbehren können. Denn 317 weniger 140 ergibt 177, und 234 weniger 69 sind 165. Läßt man die „marxistischen" Parteien außer betracht, dann hätte die Regierung eine glatte Mehrheit von 12 Stimmen bei den bürgerlichen Parteien gehabt. Diese Majorität wäre noch größer gewesen, wenn alle Abgeordneten zur Stelle gewesen wären. Denn die Abwesenheitszahl bei den bürgerlichen Parteien, die für Uebergang zur Tagesordnung waren, betrug 10, bei den anderen nur drei. Die Mehrheit für die Regierung hätte sich also auf 19 Stimmen erhöht.

Das Kabinett Brüning brauchte die Sozialdemo­kraten nicht, wenn die K o m m u n i st e n nicht unentwegt mit der äußersten Rechten Zusammen­gehen würden. Damit ist aber bewiesen, daß nicht die Regierung, sondern Hitler, Hugenberg und Hepp von den Marxisten abhän­gen. • *

Wir armen „Verteidiger der bankrotten Politik des Zentrums", wie uns trotz der Ergebnisse im Reichstag vom 18. Oktober Herr Kommunalland- ragsabgeordneter und Stadtverordneter Jordan in seinem „Beobachter" nennt, bitten den Herrn doch, geneigtest dieser Berechnung einmal sein Inter­esse zu schenken. Zwar besitzt Herr Jordan nach seiner eigenen, bescheiden selbst ausgesprochenen Ansicht, mehr politische Erkenntnis als der ganz« Redaktionsstab der Fuldaer Zeitung — wir über­setzen den Jordanschen Hinterhof-Ausdruck für unser Blatt in gesittetes Deutsch — aber schließlich kann die obenstehende Darlegung auch einem so überlegenen Politiker noch etwas Neues sagen.

des Eschweiler Bergwerkvereins.

Während der kirchlichen Feier war den Ange­hörigen, die naturgemäß in der kleinen Kirche nicht alle Platz finden konnten, noch einmal bet Zutritt zur Leichenhalle gestattet. Die Halle ist ganz mit schwarzen Tüchern ausgeschlai- gen. Aus schwarz verhängten Erstellen stehen die schlichten Särge, mit den Namen der Toten und mit einem Kranz geschmückt. An der großen Quev- seite ist ein Altar aufgebaut. Hier liegen die Kränze des Reichspräsidenten und der Reichsregierung, der Regierung von Aachen, des Landeshaupti- der RheinpWvinz und der Nachbargruben sowie auch holländischer, belgischer und französi«- scher Gruben. Brennende Kerzen leuchten den To­ten zur letzten Fahrt. Ein Bild des Jammers und des Schmerzes ist der Abschied der Frauen, Mütter, Väter, Brüder und Schwestern von den teuren Toten.Letzte, tränenerstickte Worte erklingen in dem schmerz»- erfüllten Totenhaus. Ganz kurz wird die Presse rwch einmal durch die langen Reihen der Särge geführt. Dann schließt sich die kurze, schlichte Trauerfeier im Flur des Verwaltungsgebäudes an. Außer zahlreichen Mitgliedern des Eschweiler Bergwerkvereins sieht man hervorragende Vev- tieter der Behörden, u. a. den Reichsarbeitsmini­ster ®r. Stegerwald, den preußischen Handels­minister Dr. Schreiber, den Präsidenten der Rhem- pwvinz Dr. Fuchs, Landeshauptmann Dr. Horion, die Oberbürgermeister Dr. Rornbach-Aachen und Dr. Adenauer-Köln, den Reichstagsvizepräsidenten Esser und die Geistlichkeit der drei Konfessionen.

■t uno yanoein berientqen Parteien, öie der Re- gterung

die Arbeitsfähigkeit erhalten wollen, Dank Dchm werden.

Die Vertreter dieser Parteien haben sich an ES? Debatten nur sehr kurz beteiligt. Sie haben । SfS käs Sachliche eingestellt, so wie es die E der Stunde erfordert.

sil-lang es, in diesen fünf Sitzungstagen s EchZiags zunächst einmal das wichtigste Ge- nofi '^ffen, dasjenige, welches uns die Auf-

^me des ausländischen Kredits errnög- ujLdessen Hilfe die Reichsregierung die ße= dm« ^eEllkeiten des Reiches und der Verwal- , 8, damit also auch die Existenz der Beamten Eh r* b.erer' die mit Reich und Staat verbun- i Ar^d,.stchern konnte. Die Ablehnung dieses log-" yölfe den sofortigen finanzpolitischen Zu- fNt S des Reiches und der gesamten Wirt- damit aber auch eine unmittel- ssi^T^ahr für die Währung hervorgerusen.

Zusammenhang mit der Ermächtigung der das 76re9.Ierun$L diesen Kredit aufzunehmen, wurde

iutjreten, sondern eine Obstruktion, die einer be- DVW Sabotage der gesamten parlamentarischen Verhandlungen gleichkam.

Die anderen Parteien aber haben sich nicht unterkriegen lassen. Man muß ihnen das danken, und wir find sicher, daß es auch weite, weite Kreise innerhalb der gegenwärtigen Oppo- ’nonsparteien gibt, die für dieses positive Schas­sen und Handeln derjenigen Parteien, die der Re-

Ein trüber, naßkalter Morgen ist am Samstag über Alsdorf aufgegangen. Blaßgelb bringt bie Sonne burch bie Wolken. Die Aachener Straße gleicht einer großen Heerstraße mit langen Reihen von Automobilen und Kolonnen von Fußgängern, bie alle Alsborf zum Ziele haben. Schwarz bra- pierte Lastwagen finb auf bem Wege zur Un­glücksstätte. Automobile mit uniformierten Berg­knappen sausen vorbei. Die Polizeimannsch'asten können den Massenandrang kaum bewältigen. Vor dem Gebäude des Eschweiler Bergwerkvereins ste­hen Tausende von Menschen in stummer Trauer. Das Verwaltungsgebäude selbst ist ein großer Trümmerhaufen. Die Wände sind mit schwarzen Tüchern verhängt. Zahlreiche Kränze hängen an den Seiten. In den Gängen stehen Bergknappen mit brennenden Lampen, Sanitäter und Mitglieder

Zentrum

Deutsche Volkspartei

Wirtschaftspartei

Landvolk (Abgeordneter Moenke)

Christlich-Soziale und Konfervative

Bayerische Volkspartei

Staatspartei

Deutsche Bauernpartei Volksnationale.

-- ^ndeinl sechsmal wöchentlich. Wochendeilagen: „Die Well

K im Bild' und „Buchenblätter" Rotationsdruck und Berlao

। 249 »er Fuldaer Siciiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift, eiiun" 1152 Fuldaer Rt'iendruckere> 1150 und 1151 r.

Bankerott?

W«us parlamentarischen Kreisen wird UNS ge- Ergebnis der Reichstagswahl bekannt ■ JJ tonnte man überall das Wort hören: Die- I t'qMdisiaq ist arbeitsunfähig. Er har l ttarfe aber auch so böswillige und verant- -ina£do;t’ Opposition, daß eine praktische, posi- ■ Arbeit von ihm gar nicht erwartet werden

■Kg sprach man allenthalben im Lande, und E ai# frhmere Depression mit der bangen Frage, .5 f0H denn nun eigentlich wer- breitete sich mehr und mehr aus und hatte I ticf»n Wirkungen auf das gesam.e politische, EL aber noch auf das gesamte wirtschaftliche k^Und nun trat der Reichstag zusammen. Es i, /c Häse aus. Die Nationalsozialisten erschienen taten Parteiunformen, und schon dadurch wurde i SL toroife Trennung in verschiedene Lager, die WLgenseitig bis aufs äußerste bekämpfen, doku- Eflert. Und bann haben wir fünf Reichstags- I ELn*en erlebt, eine schlimmer als die andere, eine Auster als die andere, eine erregter als die an- f bere Störungen ,die bis zum Tumult gingen, und kMe parlamentarische Sitten, die neue Methoden bet Parteivropaganba-Verlammlungen im Lanbe, aber euch Me'.hoden darstellen, um parteipolitische Eigner niederzuknüppeln, ja, sie überhaupt nicht zu Worte kommen zu lassen — all das hat auch l im Reichstag platzgegriffen. Mr haben dort die Sprechchöre und das systematisch anwachsende Sum­men und Brummen vernommen, durch welches jegliches geordnetes Verhandeln einfach zur Un­möglichkeit wird. Wir haben erlebt, daß Volks­vertreter hüben und drüben am Reden verhindert wurden, sodaß man ihnen die Ausübung ihrer Rechte und Pflichten gegenüber dem Volke unmög- machte und dergleichen mehr.

Und trotz allem, trotz der oft äußersten Ernst dm Widerstände, trotz der systematischen Störungsversuche, bie oft den Charakter einer be­absichtigten Sprengung der Sitzungen annahmen, trotz allem Hai, nicht zuletzt dank der straffen Zü- : gelführung des Reichstagsprästdenten Loebs, der WWWWstag in feinen bisherigen fünf Sitzungs- tzWw Onz außerordentlich viel geschaffen.

jjPttbienft daran haben freilich nicht dis sparteien. Sie trieben ja keine Oppo- , jedenfalls keine, die sich der Verantwortung ist, und bie bereit wäre, morgen die Erb- einer von ihnen gestürzten Regierung an-

* Pädagogische Akademien in Spandau, Köpe­nick und Königsberg. Der „Amtliche Preußisch« Pressedienst" meldet: Das preußische Staats» ministermm hat in seiner gestrigen Sitzung be­schlossen, tm kommenden Etatsjahr 1931 brei der neuen geplanten pädagogischen Akademien zu errichten, und zwar je eine evangelische, eine katholische und eine Akademie für Bevölkerungs-- teile, bie an einer konfessionell nicht gebunbenen Schulerziehung interessiert finb. Es besteht bie Absicht, bie evangelische Akademie nach Königsberg zu bringen. Die katholische Akademie soll nach S p a n b a u kommen. Die brüte, konfessionell nicht gebunbene Akademie soll in Verfolg der inzwischen mit dem Berliner Magistrat geführten Verhand­lungen m Köpenick errichtet werden. Für das Etatsjahr 1932 ist die Errichtung einer weiteren evangelischen Akademie in Potsdam in Aus­sicht genommen.

Uoinm der Schuldentilgung ange- nm* vdas die Voraussetzung für die Gewäh- ^ng dieses Kredits bildete.

Sufbehi en hat der Reichstag alle Anträge zur Präl h» . d" Notverordnungen des Herrn Reichs- benXs D.om 26. Juli 1930, die erlassen wor- ‘ Nrino» der Reichstag in schwerer Stunde WM,' m!t einer erheblichen Mehrheit abgelehnt, traten L^o^dnungen werden nun im Ausschuß KLJ1' aber die in ihnen vorgeschlaasnen Maß- Wd fni- rUr Behebung finanzieller, wirtschaillicher KL, ® a.'er Notstände werden vielleicyt in Einzel- ändert, aber auf keinen Fall mehr r ü ck- Mrbeinn> llemacht werden können und dürfen, und noere darf der finanzielle Effekt dieser Maß- HÜyL ' . ®enn nicht alles wieder ins Wanken - tot ,Oif' gemindert werden.

Iken 6^.ielen ölvei großen gesetzgeberischen Ak- Mch der Reichstag die Regierung stabilisiert ktez ."Us diese Weise das Vertrauen bekundet, M, die Arbeit dieser Regierung setzt, um Sktlen ^ne Werk bis zum Eesamtabschluß fort« • "°te Ablehnung aller gegen das Reichs- ■tegL lln klanzsn wie gegen eine Reihe einzelner sich Qurf gestellter Mißtrauensanträge hat schließ­et di/ » . parlamentarische Basis geschaffen, auf Kj. Relchsregierung nunmehr schaffen kann. <H ben h1; ?I^.betn hat die Reichsregierung aber StitDortm .^'öungstagsn dank der Mithilfe ver- Rejhx ^'Psbewußter Parteien noch eine ganze Doch gesetzgeberischer Vorlagen unter

K Me dringen können. Das gilt sowohl ?bknw "°brne der Ergänzung zum Handels- m s11 Finnland wie für die Er- lut* . "Es Polen-Schädengejetzes, gonsabtnm 5 ^te im deutsch. polnischen Liquida- Wchten mmen vorgesehene Entschädigungsmaß- ^niien praktisch durchgeführt werden

feife "QrV ^rbem hat ber Reichstag noch eine _ srer Gesetze beschlossen, von denen das

wichtigste das Amnestiegesetz ist, für das ja auch schon im alten Reichstag eine Mehrheit vor­handen war. Damals hat freilich der Reichsrat Einspruch erhoben, diesmal wird, nachdem der Reichstag sich abermals für das Gesetz entschlossen hat, ein wiederholter Einspruch nicht mehr erfol­gen. Mr begrüßen das, denn mit der Annahme dieses Gesetzes ist aus dem politischen Streit und Zank eine Frage ausgeschieden, die oft genug starke Erbitterung hervorgerusen hatte.

Nimmt man ferner hinzu, daß der Reichstag eine vorläufige Diätenkürzung der Abgeordneten um 20 Prozent, ber Diäten für die Ausschüsse so­gar um 50 Prozent, außerdem eine Reihe anderer volkswirtschaftlich und sozial wichtiger Anträge an­genommen hat, und vergegenwärtigt man sich

Die Trauerfeier.

wtb. Alsdorf. 25. Ott. (Gig. Mledg.). Im Verwaltungsgebäude der Grube Anna l fand am Samstag unter ungeheurer Anteilnahme die Trauerfeier für die Opfer der Erubenkatastrophe statt. Für den Reichspräsidenten, den Reichskunz- ler und die Reichsregierung nahm Reichsai-. beitsminister Dr. Stegerwald, für die preußische Regierung Handelsminister Dr. S ch r ei- b e r an der Feier teil. Auch verschiedene auslän­dische Regierungen hatten ihre Vertreter entsandt.

Nach einer kurzen Ansprache des Vertreters des Eschweiler Vergwerksvereins in der er gelobte, daß den Hinterbliebenen von seilen des Werkes nach Möglichkeit geholfen werden solle, ergriff

Reichsarbeitsminisier Dr. Stegerwald

das Wort zu einem Nachruf, in dem er u. a. erklärte:

Der Herr Reichspräsident und die Reichsregierung wollen durch den Reichs- arbeitsminister die teuren Toten auf ihrem letz­ten Wege begleiten. .Wieder einmal ist der deutsche Bergbau durch einen Ausbruch jener unerbittli­chen Naturgewalten, deren der Mensch trotz aller Bemühungen noch immer nicht Herr werden kann, heimgesucht worden. Die Bergbaukatastrophe, deren unglückliche Opfer wir in dieser Trauer« stunde ehren, hat in gleicher Weise der Bergmann unter, wie Bürobeamte, Angestellte, Arbeiter und Arbeiterinnen über Tage dahingerafft. Trotz der Opferfreudigkeit und Todesverachtung der getreuen Helfer konnten leider so viele, die man noch immer lebend zu retten hoffte, nicht mehr gerettet wer­den. Eine unendliche Trauer liegt über ganz Deutschland und mit unserem Volke trauern fast alle Völker der Mlt um die Helden der Arbeit, vor deren Särge» wir aufs Tiefste er­schüttert stehen. Die Regierungen von Frankreich und Jugoslavien haben besondere Vertreter zur heutigen Trauerkundgebung gesandt. Namens ber Reichsregierung danke ich für die dadurch zum Ausdruck gebrachte Teilnahme an unserem beut schen Unglück.

Unser herzliches und aufrichtiges Mitgefühl gilt vor allen den Hinterbliebenen. Was

An bem schweren Unglück, das Sie alle be­troffen hat, nimmt bie preußische Staatsregierung wärmsten Anteil. Tief erschüttert stehen wir an ben Särgen all ber braven Bergleute, bie mitten in ihrer friedlichen Arbeit, von furchtbarer Kata­strophe überrascht, so jäh bem Leben unb ihren Sieben entrissen würben. Das, was bie Ange­hörigen ber Verstorbenen in diesen Stunden des Grauens verloren haben, vermag niemand ihnen zu ersetzen. Möge es ben Witwen unb Waisen ein Trost sein, daß mit ihnen das ganze deutsche Volk und über Deutschlands Grenzen hinaus auch ber Bergbau unb bie Bergleute des Auslandes aufrichtig Anteil nehmen an der Trauer, in bie sie versetzt worben finb.

Den ehrlichen Schmerz um bie Dahingeschiebe« ne» können wir nicht lindern; so wollen wir wenigstens bie äußeren Lasten erleichtern unb ihnen baburch über bie schwere Zeit hinweghelfen. Noch ist bie Ursache dieser Katastrophe ein Rät- fel. Möge es ber sorgfältigen Untersuchung ge­lingen, sie zu klären unb neue Mittel unb Wege zu finben zur Abwendung ber Gefahren, bie immer noch ben Bergbau umlauern. Eine Ver­waltung wirb in Gemeinschaft mit allen Betelligten alle ihre Kräfte für dieses hohe Ziel einsetzen, unb es wirb alles geschehen, was trgenb in Men­schenhand liegt, um die Wiederkehr ähn- i'i'cher Katastrophen zu verhüten.

Allen Bergleuten, bie verwundet darniederlie- gen, wünsche ich von ganzem Herzen baldige Gene­sung. Allen denen, die sofort nach dem Unglück ohne Zögern opfermutig ihre Leben unb ihre ganze Kraft für die Bergung der Verunglückten eingesetzt haben, gilt meine besondere Anerkennung und mein wärmster Dank. Den Toten weihen wir als Aoschiedsgruß zur letzten Grubenfahrt den alten Bergmannsgruß: „Gluck auf".

Der Vertreter des Belegschaftsrates sandte ben in ihrer Arbeit dahingeschiedenen Kameraden das letzte „Glück auf".

Ergreifende Abschiedsworte sprachen hierauf der katholische, evangelische und jüdische Geistliche.

Der Vertreter des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter sprach zugleich im Namen des Ver­eins des Verbandes chrsitlicher Gewerkschaften und des Gefamtoerbandes christlicher Angestellter. Er wies darauf hin, daß nur durch eine interna­tionale Kohlenverständigung der Kampf gegen solche Katastrophen, gegen das über­hastete Tempo der technischen Entwicklung und das überhastete Arbeitstempo geführt werden könne.

Im gleichen Rahmen bewegten sich die Aus­führungen des Vertreters der Bergarbeiter - In­ternationale. Er betonte, daß, wie aus den zahl­losen Beleidskundgebungen und der Hilfe aus allen Ländern hervorgehe, die Bergarbeiter der ganzen Welt eine große Familie bilden. Schließlich sprach noch ein holländischer Abgeordneter bas Beileid des niederländischen Roten Kreuzes und des nie­derländischen Volkes aus.

Dann wurden unter Orge 1 spiel bie 262 Särge aus bem Verwaltungsge­bäude herausgebracht. Kopf an Kopf stand die Menge in dichten Reihen auf dem Wege nach dem Friedhof, um den Toten die letzte Ehre zu erweisen.

Auch die Reichshauplstadk trauert.

wtb. Berlin, 25. Okt. (Eig. Meld.) Zur Stunde, zu der in Alsdorf die Trauerfeier für die Opfer der Katastrophe im Wilhelmsschacht stattfin­det, gedenkt auch die Reichshauptstadt der Toien von Alsdorf. Um 10 Uhr wurden zu ihrer Ehren alle Glocken geläutet, alle öffentlichen Ge­bäude und viele Privathäuser haben die Reichs- und die Landesfarben halbmast gesetzt.

an:

Das stenographische Protokoll der Reichstags- Sitzung vom 8. Oktober, das jetzt vorliegt, ist ein interessantes Studien-Objekt. Es haben in dieser Sitzung sechs namentliche Abstimmungen stattge­funden, und die letzte galt dem Antrag auf Ueber­gang zur Tagesordnung über alle vorliegenden Mißtrauensanträge. Nach dem Endgültigen Er­gebnis haben 25 Abgeordnete gefehlt. Es sind 552 gültige Stimmen abgegeben worden, davon 317 für die Regierung, 234 gegen sie, ein Abge­ordneter (es war Herr Dr. Bellmann von der Deutschen Volkspartei) hat sich der Abstimmung enthalten. Nationalsozialisten und Deutschnatio­nale haben das Resultat dieser Abstimmung agita­torisch auszuwerten versucht durch die Behauptung, daß das Kabinett Brüning durch die Sozialdemo­kraten gerettet worden sei, also sich in Abhängig­keit vom „Marxismus" befinde, der von Hugen­berg und Hitler zu d e m Schlagwort gemacht wor­den ist, das manche unterschiedlich definieren und bei dem sich die meisten einfach garnichtsden- k e n.

Wenn man aber das Abstimmungsergebnis analysiert, kommt man zu überraschenden Festste!- lungen. Von den 143 sozialdemokratischen Ab­geordneten haben tatsächlich 140 für Uebergang zur Tagesordnung gestimmt. Dazu kamen noch:

noch einmal, daß all das geschaffen wurde, trotz einer gewaltigen und mit allen nur denkbaren Mlr- teln der Störung und der Sabotage arbeitenden Opposition, dann wird man aussprechen dürfen, daß dieser Reichstag in fünf Tagen eine ganz au­ßerordentlich große Arbeitsleistung vollzogen hat, wie sie in früheren, viel ruhigeren Verhältnistcn nicht entfernt erreicht werden konnte.

Daraus ergibt sich, daß dieser neue Reichstag durchaus arbeitsfähig ist, wenn er arbeitsfähig fein will!

Und es ergibt sich weiter, daß auch die Regie­rung so stark ist, wie sie stark sein will!

Die Hoffnung aber, daß trotz allem Bitteren und Schmerzlichen, was wir in dieser einen Reichs­