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Anzeiger für die Stadt Julda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

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Ericheinl irchsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift. :: leituna 1152. Fuldaer S'cliendrnckerei 1150 und 1151. ::

Samstag, 25. Oktober 1930.

Monatlich 1,80 einfchließl. Postgebühr (48 Pfg.> ohne tlustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile ((Sol.) lokal 0,15 JUt, auswärts 0,20 .JIM. Rellamezeile: lokal 0,60 JUi, auswärts 0,80 5UL. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckk. Franks. a. M. 4051.

57. Zahrg.

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■ Weber versetzt ein großes Unglück unsere Nation “Trauer' Hunderte braver, fleißiger Menschen auf dem Kampfplatz der Arbeit geblieben. In Et 6d)äd)ten von Alsdorf hielt der Tod grausame -Mit den Angehörigen der von diesem Unglück betroffenen trauert die ganze Nation. Trauert »ft ganze Welt!

Menschliches Mitgefühl und menschliche Ante-.l- | fennen keine nationalen Grenzen. Der Tod macht uns alle gleich, und im Tode sind wir alle

Und denen wendet sich unser aller Mitempfin- hen ganz besonders zu, die s ch a f f e n d f ü r u n s alle und mitten in diesem Schaffen aus dem Le­sen abberufen worden sind.

Der Bergarbeiter zumal hat ein hartes Los. Tau- taräe und aber Taufende übermütiger, leichtsinniger AMtadtmenschen, die die Wahrheit des Wortes Witten im Leben sind wir vom Tode umfangen!" kennen und erst richt nicht aus Eigenem wahr- aenommen haben, müßten sich einmal in solchen Drgwerksbezirken und ihrer Bevölkerung umsehen, M sie würden sich dem Ernste, der allem Tun mb Schassen dieser Menschen bis ins Fomilien- "Nen hinein eigen ist, nicht entziehen können. Und mancher bequeme Spießer würde feine Einstellung zum Arbeiter und seine Anschauungen etwas an­ders einrichten, wenn er sich überhaupt eine Vor­stellung davon machen könnte, wie das Schlacht­feld der Arbeit aussieht.

„Grubenkleid — Totenklei b", so heißt es schon in einem alten Lied der Bergleute. Im Ehrenkleid der Arbeit sind die Hunderte Als­dorfer Opfer dahingerafft worden.

Ihrem Gedenken soll die Stunde gelten!

Der Bergarbeiter schafft für uns alle das Brot. Bon der Kohle geht jede Produktion, geht jedes Produkt aus. Der Bergmann, der inmitten der ihn umlauernden Gefahren im tiefen Schoß der Erde die Kohle bricht, leistet Dienst nicht nur am eigenen Volk, sondern an der ganzen Menschheit. Alle Schaffenden, mögen sie körperlich ober gei­stig tätig sein, danken dem Bergmann ihre Existenz. Denn er gibt ihnen durch seiner Hände Arbeit erst Hie Möglichkeit, ihre Kräfte zu entfalten. Wäre die , Kohle Acht, die er bricht, so hätten wir alle nicht unser tägliches Brot.

Den toten Bergleuten von Alsdorf und den vie­len, die int Dienst der gleichen Arbeit ihr Leben Angegeben haben, gilt unser Gedenken. Den Frauen und Müttern, den Kindern, die iße hmterlassen haben, und die trotz allem wie der Later das Werk einmal fortsetzen werden, gilt Misere innigste Anteilnahme, und den Lebenden, den schaffenden Bergleuten, die für uns das täg­liche Brot aus der Erde Schoß herausholen, gilt unsere Versicherung der Treue und kameradschaft- -lichen Verbundenheit, der Opfer- und Hilfsbereit­schaft.

Von dem Alsdorfer Unglück möge einRuf zur «efinnung ausgehen, ein Appell an die Menschlichkeit, ein Appell aber auch an die tat« Wtge Hilfsarbeit.

y*Sfaafsiefrefär Kempkes legt die organifafori- M Leitung »der Deutschen Volksparkei nieder. Staatssekretär Kernpkes, der schon bei der letzten ^eichstagswahl auf ein ihm angetragenes Reichs- "^nndat verzichtete, hat, wie die nationallibe- o»n Crcrrciponbeni berichtet, bie von ihm seit Ian« 8™ Jahren innegehabte Stellung eines Leiters ber Organisation j>€r Deutschen Bolkspartei nie- ®rgeiegt. Sein Entschluß ist auf persönliche »V äurückzuführen.

Tränengas in einer Löbe-Versammlung. In 5000 Personen besuchten Kundgebung ^Dresdenex SPD. im Zirkus Saraffani, in ber wi.^°gbpräsident Lobe sprach, verbreitete sich. ® »Voss. Zig." meldet, plötzlich Tränengas, *n Form einer Bombe von po- MM« Gegnern geworfen worden war. 6 Per- ttter f)muFen ’n Behandlung der Sama- dei-'^grbrn; doch waren sie nach kurzer Zeit wie- ien fiE9efteüt Die Rede des Reichstagspräsiben- ■1*1 „ n- ^uvde durch diesen Zwischenfall aber geitort.

urn Trage ber Pensionierung des Obev- «dn^-'-lters Böß vor der Berliner Stabiver- vkd^Er^^mmlung. In der Berliner Stadtver- Ij^^"i'8ung wurden am Donnerstag nach Ljij”. -Debatte zwei kommunistische Anträge, Oberl,u/^'>onslose Dienstentlassung des früheren verlangten, mit 97 gegen 59 itoL bei 41 Stimmenthaltungen und ungül- Wer vf.i^vien abgelehnt. Ein nattonalsozialisti- 6tno ua8Q|tfifl5, der bie vorläufige Zurückhal- fitat t.-- Zurruhesetzungsbescheides an Böß ver- rreue Untersuchung ergeben habe, Wk» k a . tveitere Dienstverfehlungen vor- bti 4i'n,rutDe sffrt 142 Stimmen gegen 59 Stimmen kitbe Stimme abgelehnt, Dagegen

Men bjä beutschnakionaler Antrag, der das Vor - »UnoL^, ^ffgistrats mißbilligt und eine ord- lion*»?1. Vorlage über bie Pen- Ütlanat b«§ Oberbürgermeisters Pftiawr’ E 101 gegen 95 Stimmen bei 3 un= | summen angenommen.

k^lWang fiai-fcfjef zum Christentum überge- Liarschnss^i..Ersitzende ber Nationalregierung Ä^rgetretrn Kai-schek ist zum Christentum Vertritt k • ^aufe wurde vollzogen. Der Buffelipn Schanghai und Nanking großes

dem Tiil9- ■ dem wechselvollen Feldzug, £to°tqeannn "r9 Kai-schek gerade nicht siegreich b «omÄL^t die Taufe ein Schlag gegen ^unqe^Nlsten. bie im Jangtse-Tal Christenver- » ^eben-sas^"^ " Ibten. Die Taufe bildet einen Haltung bP'r fcer.. meitreidjenbe Folgen für bie F dürfte boltttfcben Verhältnisse Chinas ha- die 3»PiX k ?? Kai-schek ist durch die Taufe worben ^""'stengemeinde aufgenom-

Der Reichskanzler beim Reichspräsidenten

wtb. Berlin. 24. Oft. (Gig. Meld.) Der Herr Reichspräsident empfing heute vormittag den Reichskanzler Dr. Brüning zum Vortrag.

Vas geht beim ReWaudbund vor?

Man schreibt uns:

Die Ernennung des Grafen Kalckreuth zum vorsitzführenden Präsidenten des Reichslandbundes hat eine nicht zu unterschätzende politische Bedeutung. Die beiden Präsidenten Bethge und Hepp wurden zwar wiedergewählt, aber Präsident Hepp von der Bauernpartei legte sofort fein Amt nieder. Damit sind die Bauern sichtbar vom Reichslandbund abgerückt, der unter der Führung des Grafen Kalckreuth wieder ganz nach r e ch ts abmarschreren wird. Unter Kalckreuty wird der Reichslandbund in der Hauptsache wieder eine Organisation des landwirtschaftlichen Groß- grun d besitz es, wie er es auch schon früher unter feiner Leitung gewesen ist. Man wird die­sen Kurswechsel im Landbund bedauern, denn unter Schiele war der Reichslandbund bestrebt, eine Organisation der gesamten deutschen Land­wirtschaft zu werden.

Schiele war einer der Hauptverteidiger der jo genannten „Grünen Fron t", und tatsäch­lich tarnen auch die Interessen des kleineren Grund­besitzes etwas mehr als früher zur Geltung. Der Bauer hatte auch hin und wieder im Reichsland- bund etwas zu sagen, aber unter dem Grafen Kalckreuth werden die Dinge wohl bald anders werden. Hugenberg hat damit einen fast hunderb- • prozentigen Sieg über den Reichslandbund errun­gen, der jetzt wohl wieder ganz den Deutschnatio­nalen zugerechnet werden kann.

Die Eroberung des Reichslandbundes durch Hugenberg zwingt auch die Landvolkpartei in den Bann der Deutschnationalen, denn in der Hauptsache stützt sich diese Partei ja doch auf die festgefügte Organisation des Landbundes. Wir erleben mithin gegenwärtig den Abmarsch der deutschen Landwirtschaft nach rechts.

Die Anträge der Landvoikpartei im Reichstag und ihre scharfe Stellungnahme gegen das Kabi­nett Brüning deuten schon daraus hin, daß man politisch ganz nahe an die Deutschnationalen herani-

rückt. Den Reichslandbund und die Landvolkpartei kann man jetzt auch zu dem Hitler-Hugen- b e r g - B l o ck rechnen. Das muß man im Interesse der deutschen Landwirtschaft sehr be­dauern. Die Landwirtschaft würde sicherlich besser fahren, wenn sie nicht wieder in die entschieden« Opposition zur Regierung treten würde. Gegen den Staat kann sie doch wirklich nichts erreichen, auch wenn Hitler noch so sehr das Landvolk aust- hetzt. Dadurch steigen die Getteidepreise sicherlich nicht. Nur ein verständnisvolles Mitarbeiten ber Landwirtschaft zur Behebung der Notstände der Zeit kann ihr Hilfe bringen.

Jetzt zeigt es sich, wie gut es war, daß ssich die katholischen Bauern vom Reichslandbund ferngehalten haben und den Bauernvereinen treu geblieben sind. Sie sind davor bewahrt geblieben, die Geschäfte bei Großgrundbesitzer zu besorgen.

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Soweit die Berliner Presse von dem Wechsel tm Präsidium des Reichslandbundes Notiz nimmt, veröffentlicht sie die Mitteilung der Pressestelle des Reichslandbundes ohne Kommentar. Nur die ganz rechts stehenden Blätter fügen der Mit­teilung erläuternde Zeilen hinzu. So schreibt der „Lokalanzerger": Die Amtsniederlegung des bis­herigen Vorsitzenden Hepp und die Wahl des Grafen von Kalckreuth sind der Ausdruck dessen, daß der Reichslandbund Schluß gemacht wissen will mit der Polittsiererei der Zentrale. Diese Politisiererei abzustellen, ist eine angesichts man­cher Persönlichkeiten sehr schwierige Ausgabe. Es wird sich zu zeigen haben, ob es gelingen wird, sie durchzuführen.

Die „Deutsche Zeitung" sagt: In der Wahl des Grasen Kalckreuth zum vorsitzfuhrenden Präsi­denten — die übrigens nach unseren Informatio­nen mit überwältigender Mehrheit erfolgt ist — offenbart sich deutlich das Abgehen des Reichs- landbundes vor der verfehlten Politik des letz­ten Jahres. Diese Politik lief auf 'positive Mitarbeit im Staat, um Sch bi mm eres zu verhüten, dementsprechend aus die An­näherung an die Mittelparteien und schließlich in ihren Folgerungen auf die Anerkennung des herrschenden Systems hinaus. Es konnte nicht

Agitation ober verauworlungsbewutzle Arbeit. . Die Anträge Dr. Frick und Genossen.

Von Reichstagsabg. Schwarz, Frankfurt a. M.

Im Reichstagswahlkampf konnten bie Natio­nalsozialisten ber Frage nach ihren Erfolgen in ber Reichspolitik mit bem Hinweis ausweichen, sie hät­ten im alten Reichstag nicht über Fraktionsftärke (15 Manbate) verfügt, hätten baher keine An­träge stellen können unb seien auch nicht in ben Ausschüssen, wo bie entscheibenbe Arbeit ge­leistet. werbe, vertreten gewesen. Mit dem Einzug ber 107 Braunhemden in den Reichstag ist dieser Einwand in Wegfall gekommen. Nun sind sie die z w e i t st ä r k st e Fraktion, die in allen Aus­schüssen mehrere Sitze hat. Jetzt können sie durch selbständige Anträge bie Gesetzgebung beeinflussen, zum minbeften aber burch ihre Anträge zeigen, was sie wollen unb wie sie ihre im Wahlkampf zahl- unb wahllos gegebenen Versprechungen ein­zulösen gedenken.

Von dem Rechte auf Einbringung von Anträ­gen hat bie nationalsozialistische Fraktion währenb bes kurzen Tagungsabschnitts bes Reichstags aus­giebig Gebrauch gemacht. Aber man tat sichs leicht mit ben Anträgen. Ein Teil berselben enthält nur 2Inforberungen an bie Regierung ohne ir» genbwelche Angabe über bie gewünschte Art ber Erledigung. So soll bie Regierung unverzüg­lich bie notroenbigen Schritte zur Auf­hebung bes Versailler Vertrags tun. Welche Schritte? Darüber schweigt ber Antrag; darüber schwieg Herr Strasser in seiner Rebe. Auch Herr Dr. Frick, ber Vorsitzende bes Auswär­tigen Ausschusses bes Reichstags, hat nichts barüber verlauten lassen. Sofort sollen Derhanblungen mit Oesterreich über eine Zoll- unb Wiri­sch a f t s u n i o n eingeleitet werben, so forbert ein weiterer Antrag ber Dr. Frick unb Genossen. In welcher Richtung? Auch hier keinerlei Angaben. Ein weiterer Antrag verlangt einen Gesetzentwurf» burch ben ben Reichsbeutschen im Aus­land bie Ausübung bes Reichstagswahl­rechts ermöglicht werben soll. Gewiß keine Frage, bereu Losung uns auf bie Nägel brennt. Aber auch hier keinerlei Hinweis auf bie ge­wünschte Art ber Erlebigung. Alles bas sei Sorge ber Regierung, so will es bie Hitlersraktion.

Im Vorbergrunb ber Beratungen bes Reichs­tags staub bie Frage ber Drbnung unserer Finanz en unb ber Belebung unserer Wirtschaft. Welche Mittel unb Wege emp­fehlen bie Nationalsozialisten zur Lösung dieser vorbriuglichsten Ausgaben? Die natioual„sozia- listische" Fraktion will nach ihren Anträgen nicht bie Beseitigung ber kapitalistischen Wirtschaftsorbuung. Sie will beten A p- parat nur stören unb zerstören, inbem sie wesentliche ©lieber aus bem beseitigen Wirt­schaftssystem herausdrecheu will. Deshalb sollen „alle Großbanken einschließlich ber Reichsbank sofort in staatlichen Besitz überführt werben". Abgesehen baoon, baß bie Un­abhängigkeit ber Reichsbank nach ben Bestimmun­gen bes Pouugplans im Interesse ber Währungs- ftabilität grundsätzlich beibehalteu werben muß, mürbe auch bie Verstaatlichung ber Banken bei Aufrechterhaltung ber übrigen Privatwirtschaft keinen Fortschritt barstellen. Doch solche Fragen machen ben Herren Dr. Frick unb Genossen kein Kopfzerbrechen. Gleich oberflächlich ist ber Antrag, der eine Festsetzuug des höchstzulässigen Z i ns-

satzes auf. 5 vom Hundert einschließlich 1 Prozent Tilgung fordert. Stellt dieser Antrag bie Brechung ber Zinsknechtschaft bar, bes Haupt­stücks ber nationalsozialistischen Agitation? War­um 5 vom Hunbert? Warum nicht bie vollstän- bige Abschaffung bes Zinses, wie lanbauf, lanbab geforbert unb versprochen worben ist? Außerbem soll nach 50 Jahren jedes Darlehn als getilgt gelten. Welche Wirkung hätte die Durchführung eines solchen Antrags? Er würde ben Spartrieb Derminbern, bie Einfuhr auslänbischen Kapitals unterbinben, bas unsere Wirtschaft bringenb be- barf. Der Eingriff in ben Kapitalmarkt mit Zwangsbestimmungen würbe sich nicht nur für bie Großbetriebe, fonbern auch für bie mittleren unb tleinen Unternehmen verhängnisvoll aus­wirken, auch für bie Landwirtschaft, für bie nach einem weiteren Antrag Dr. Frick unb Genossen nur Zinsverpflichtungen bis zu 4 vom Hunbert anerkannt unb gezahlt werben sollen. Die geliehenen Kapitalien würben getünbigt, eine Kapitalversorgung nahezu unmöglich gemacht wer­ben.

Der Antrag 64 will alle Termin- unb Blankogeschäfte an ber Börse verbieten, nur Kassageschäfte zulassen unb ben börsenmäßi­gen Hanbel mit Wertpapieren aufheben. Dieser Antrag zeigt bie primitive Auffassung ber Natio­nalsozialisten von ben Aufgaben ber Börse. Sie halten biefe für ein schädliches Institut, verkennen ihre Bebeutung im Organismus bes Gelb- unb Warenverkehrs und haben keinen Blick für ihre wirtschaftlich notwendige und nützliche Tätigkeit.

Zur Beseitigung der schwebenden Schuld des Reichs und des Fehlbetrags im Reichshaushalt 1930-31 schlagen Dr. Frick und Genossen die nachträgliche Besteue­rung der in der Zeit vom 1. Januar 1925 bis 31. Dezember 1929 erzielten Einkünfte aus Bör­sengeschäften vor, bie bisher einkommensteuerfrei waren, lieber bie technischen Schwierigkeiten ber Durchführung eines solchen Antrags unb seine mutmaßlichen Ergebnisse machen sich bie Dr. Frick unb Genossen keine Gedanken, ebenso wenig über seine gesetzgeberische Unmöglichkeit. Den Gipfel­punkt hemmungsloser Agitation und haßerfüllter Demagogie bildet der Antrag, der bie entschädi­gungslose Enteignung des gesamten Vermögens ber Bank- unb Börsenfürsten, ber seit bem 1. Aug. 1914 zugezogenen Ostjuden unb sonstigen Fremd- stämmigen, ihrer Familien unb Familienangehö­rigen zum Ziele hat.

Was bie Nationalsozialisten bisher burch ihre gestellten Anträge zeigen, ist eine Fortsetzung ber Wahlversammlungsphrasen, ist Agitation unb Geistlosigkeit. Kaum zu übertrumpfenbe Oberflächlichkeit, mangelnbes Ver- antwortungsgefühl, eienbe Stüm­perei verraten bie Dr. Frick unb Genoffen. Ihre Mittel zur Besserung ber Nöten ber Zeit finb Ent­eignung, Zerschlagung, Zerstörung unb schwerste Strafanbrohung. Nirgenbs ein positiver Gebanke ober Vorschlag. Kein Hinweis was an bie Stelle bes im Falle ber Durchführung ihrer Anträge zerstörten Wirtschaftsapparates tre­ten soll. Nur neue Wunben, keine Hei­lung. Agitation ist ihnen alles, zu positiver Ar­beit finb sie nicht bereit und nicht fähig.

ausbleiben, daß angesichts der sich häufenden Fehl« schlüge eine G e g e nb e w e gu n g in der An­hängerschaft des Reichslandbundes sich eingestellt hat, bie umso stärker wurde, als die Leitung des Reichslandbundes auch noch die bis dahin ge­wahrte parteipolitische Neutralität verließ und im Wahlkampf die Aufstellung besonderer Landvolk- listen empfahl. Wenn auch mit der Wahl des Grafen Kalckreuth den Wünschen der Landbünde aktivistischer Richtung wohl noch nicht in allen Punkten Genüge geschehen ist, so ist damit immer­hin der entscheidende Schritt zur Entpolitr, fierung des Reichslandbundes getan.

Die „Deutsche Zeitung", bie der Landwirtschaft diese geistreichen Sätze bietet, ist eher national, sozialistisch als deutschnational.

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Graf von K-llckrLNth, der als Nachfolger Schieles zum geschäftsführendeni' Präsidenten des Reichslandbundes gewählt wurde«

Die Christlich-Rationale Bauern, und Landvolk, Partei zur Präsidentenwahl im Reichslandbund.

Zu den in der deutschnationalen Presse verbrei-^ teten Meldungen über den Ausfall der Präsiden»! tenwahl im Reichslandbund stellt die Christlich-Na­tionale Bauern- und Landvolk-Partei fest:

Die Präsidentenwahl im Reichslandbund ist bas Ergebnis eines wohlvorbereiteten Vorstoßes^ östlicher beutfchnationaler Kräfte«^ Die Wahl bes Grafen Kalckreuth zum geschäftsfüh- renben Präsidenten bedeutet nicht Entpolitisierung sondern P a r t e i p o l i t i s i e r u n g des Reichs«^ landbundes. Da die Wahl trotz der bekannten Sin», stellung des bisherigen Präsidenten Hepp, der sein Amt zehn Jahre verwaltete, vorgenommen wurde,' war feine Beseitigung durch dieselben Kräfte,! welche auch Minister Schiele verdrängten, bewußt! gewollt. Hepp war der Vertreter des bäuerli»' chen Elementes im Präsidium des Reichslandbun-' bes. Sein Ausscheiden aus dem Amt wird nichts ohne weitere Auswirkung nicht nur in den füb» und südwestdeutschen Landbünden bleiben. Das gleichzeitig erfolgte Ausscheiden Höfers aus dem Bundesvorstand deutet die Folgerungen bereits an. Die gerade von den jetzt zurückgedrängten Vertre­tern betriebene bäuerliche Aktivität zur Stärkung des Reichslandbundes, um dessen Machtposition' stündig zu steigern, ist einem einseitigen porteipoti, tischen Standpunkt östlicher Großgrund, befitzerkreife geopfert worden.

Karl Hrpp,

Präsident des Reichslandbundes, hat infolge bet; Wahl des Grafen v. Kalckreuth sein Amt niedergelegt«'

Dennoch—Reparationsrevision

Gleichgültig, wie man einmal bie Aktton be»; zeichnen wirb, zu ber die internationale Finanzwelk sich bezüglich ber Reparationen durchringen wird — ob Noung-Revision oder Moratorium — schonl jetzt darf man eine grundsätzliche Aenderung aller । führenden und verantwortungsbewußten Kopfe hin« sichtlich ihrer Beurteilung der Lage in Deutschland und ber Wirkung ber Reparationen auf bie Welt,1 wirtschaft als vollzogen registrieren. Der ameri, i konische Exprüsibent Coolidge hat es leicht, int, Schutz seiner Unverantwortlichkeit und im Schim­mer feines Renommos als „Präsident ber Prospe­rität" vor irgenbmeldjer Lockerung ber Fesseln, tu! bie Deutschland! unb Europa geschlagen finb, zu \ warnen. Er trägt nicht die Verantwortung dafür, was sich aus einem weiteren Niedergang der Welt, wirtschaft auch für Handel u. Wirtschaft ber U.S.A« ergeben wird.

Bezeichnender Weife sind denn auch schon zahl­reiche autoritative Aeußerungen zu registrieren, durch die Coolidges Artikel in der „Wajhingtou Post" ab abfurbum geführt wirb. Melbet „Univer­sal Sorvice" aus Washington, daß sich insbefon» bete wegen ber Hohe der amerikanischen Kapital­anlagen in Deutschland itnmer mehr bie Ueberzeu-