M. 247
Verlage zur Fuldaer Zeitung
24. Otfofoet
• Herbst-NSchte.
Bon Hanns-Herbert Vesper.
Noch gibt es Nächte, die in Schönheit leuchten Wie Stern bei Stern im glänzenden Akkord Und wo die Augen still, die tränenfeuchten Schamhaft verschweigen selbst das tiefste Wort.
Noch gibt es Hände, die zum Kranz sich binden Wie Rosen schön im Juni aufgeblüht Und Seelen, die die goldne Brücke finden, Die strahlend hin zu sel'gen Ufern zieht! . . .
Und Felder dämmern, wo's in tausend Träumen Selbst noch in Stoppeln rauscht voll Melodie . . . Die Herbstnacht lockt!!--O göttlich Ueberschäumen!!
Horch auf, o Herz!---„Oktobersinfonie!"--
Von der Geistesgegenwart.
Von Editha T a e p p e.
Turnen und verschiedene Sportarten sollen Mut und Geistesgegenwart entwickeln. Das sind an sich zwei Dinge, die wenig mit einander zu tun haben. Mut kann in einem langen und wohlüberlegten Handeln bestehen, und er ist vielleicht um so größer, je langsamer die Tat krfolgt. Geistesgegenwart aber ist ein blitzschnelles, richtiges Handeln im Augenblick der Gefahr, zu dem ein absolut sicheres und zuverlässiges Funktionieren des Nervensystems gehört, das ein Gesunder durch planvolle Hebung bis zu einem gewissen Grade ausbilden kann.
Jeder Sportgeübte wird in der Lage sein, den ihm bekannten Gefahren der betreffenden Sportart richtig zu begegnen, aber es ist fraglich, ob der Schwimmer bei Feuersgefahr das Rechte tut, oder ob der Boxer sich angesichts des "nassen Elementes zweckmäßig verhält, wenn er nicht damit vertraut ist.
Das prompte Erfassen der Situation mit fast gleichzeitigem Handeln setzt eine gewisse Intelligenz, ein — wenn auch nur gedankliches — Vertrautsein mit der Materie voraus. Die Eigenschaften eines Stoffes müssen bekannt sein, wenn das Eingreifen nicht den Unfall zur Katastrophe machen soll. Man denke nur, daß jemand bei einem Petroleumbrande Wasser oder bei einer Phos- phorvergifiung Milch zur Anwendung bringen würde!
Trotzdem geben Intelligenz und Uebung nicht absolute Sicherheit für richtige Maßnahmen im geeigneten Augenblick, abgesehen davon, daß körperliche und geistige Anstrengung, Freude und Aerger, sowie Alkoholgenuß die normale Reaktion verlangsamen. Ost genug hören wir, daß die Nerven den Dienst versagen, daß der Betreffende „wie gelähmt" ist, ja, daß diese Lähmung, Choc genannt, bei Personen bestehen bleibt, die einem Unglück völlig unverletzt entgingen.
Man ist versucht, die von einem Choc Betroffenen als pathologische Individuen hinzustellen, obwohl sich diese Ansicht nicht beweisen läßt. Vielmehr müßte man an- nehmen, daß ein durchaus gesunder, intelligenter und geübter Mensch, der sich im Eisenbahnwagen plötzlich der Lokomotive eines auffahrenden Zuges gegenüber sieht, angesickts des unentrinnbaren Todes dadurch einen Choc erleidet, daß seine auf das Abreagieren sich einstellenden Nerven nicht abreagieren können. Es ist ein krampfhaftes und sich krampfähnlich auswirkendes Hemmen der zur Arbeit bereiten Nerven, gepaart mit dem Entsetzen vor dem grauenhaften Tod des Zermalmtwerdens. Man ist versucht pathologische Beschaffenheit der Nerven eher da zu vermuten, wo solch furchtbares Geschehen keinerlei Folgen zeitigt. Man könnte den Vorgang vielleicht mit jener übermäßigen Muskelanziehung vergleichen, die den Bruch der Kniescheibe bei einem Erabensprung bewirkt. Andererseits kann wohl mitunter durch ein wenn auch nur scheinbares Abreagieren der Choc vermieden werden.
Die Heranwachsende Jugend sollte in den geeigneten Fächern, Naturwissenschaften und Turnen mehr mit den
Gefahren des modernen Kulturlebens vertraut gemacht werden, und^nan sollte sie, als, Unterrichtsergebnis, die Mittel finden lassen, diesen tausendfältigen Gefahren nach Möglichkeit zu begegnen.
Selbstgeschaffenes Kinderspielzeug.
Von Carla Nebenzahl, Frankfurt a. M.
Kinderspielzeug soll möglichst einfach und unkompliziert sein, die größte Freude haben Kinder an Dingen, deren Aufbau sie ohne viel Mühe selbst untersuchen und verstehen können, oder gar, wenn sie selbst ein Ding wachsen sehen, das man in ihrer Gegenwart anfertigt. Gipfelpunkt der kindlichen Freude ist es schließlich, wenn man sie anleitet, ihre Spielsachen oder kleine Gebrauchsgegenstände selber herzustellen.
Und das ist gar nicht einmal so schwer. Zum Beispiel ein weicher Ball für die Kleinen kann ganz leicht von ihnen selbst gefertigt werden. Wir geben nachfolgend die Beschreibung zweier Arten der Anfertigung. Für die eine verwendet man zur Füllung weichstes Seidenpapier, das man zusarnrnenknäult, bis es eine möglichst vollkommene Rundung ergibt. Dan wickelt man starke, aber weiche Wolle verschiedene Male immer rundherum, wobei der Faden jedesmal oben und unten durch die gleiche Stelle laufen muß — man denke etwa an die Richtung der Meridiane um die Erdkugel — bis endlich nur noch an schmalen Spalten das Seidenpapier sichtbar bleibt. Dünnere bunte Wolle oder Seide füllt nun diese Zwischenräume, indem man sie mittels einer Sticknadel von einem der gespannten Fäden zum andern leitet, einmal herumwickelt und bann weiter spannt zum nächsten Faden. Hierbei werden natürlich die Füdenkreise immer größer bis zur Mitte und nehmen erst dann wieder ab — wenn wir den Vergleich weiter bauen wollen: sie gehen in der Richtung der Breitengrade um die Erde. — So, der Ball ist fertig!
Man kann aber auch auf andere Weise vorgehen, wobei man etwas mehr Mühe hat, aber auch einen noch weicheren Ball erhält. Man nehme 8—10 Dekagramm bunter Wolle — am meisten Freude macht es, wenn man alte Reste verwerten kann — und schneide zunächst aus dünner Pappe zwei Zirkelrundungen aus, die man flach aufeinander legt und immer rundum mit der Wolle umwickelt. Dies geschieht solange, bis die innere Kreishöhlung der Pappstreifen vorsichtig ausgefüllt ist. Die Enden der Wollfäden legt inan hierbei nach dem Außenrande der Pappe. Dann schneidet man die Wolle rings herum in gleichmäßiger Rundung auf, teilt die beiden Pappstreifen vorsichtig auseinander, windet ein Schnürchen mehrere Male zwischen die Pappe und die Wollmasse, zieht es recht fest an und verknotet die beiden Enden miteinander. Die Pappstreifen werden nun durchgeschnitten, und wenn man sie herausgelöst hat, ist der reizende, bunte Ball fertig, und wir muffen nur acht geben, daß wir ihn auch einmal zu sehen bekommen, ehe die flinken Kleinen chn schnell zum Spiel geholt haben.
Auch ein hübsches Wandbildchen für das Kinderzimmer kann fo ein kleines Händchen mit unserer Hilfe selber erstehen lassen. Wir wählen irgend ein hübsches Motiv einer Künstlerkarte oder schneiden eine nette Sil- hnette nach unserer eigenen Zeichnung, die wir bann in Gips gießen, unb so ein nettes Medaillon zum Wanbschmuck erhalten wollen. Beim Ausschneiben bes Bilbes muß man sehr vorsichtig zu Werke gehen, am besten gleich solche Vorzeichnungen vermeiben, bei benen schmale Teile, etwa hervorstehenbe Blumenstiele, bas Ausschneiben erschweren. Zuerst werben die Bilder in laues Wasser gelegt, bamit sie weich werben, und man einen Teil bes Papieres vorsichtig abziehen kann, zum Beispiel empfiehlt es sich, bei einer Postkarte bic Abres- senseite abzuziehen. Hierbei darf natürlich das Bild in keiner Weise beschädigt werden. Ist das Bild getrocknet
— zur Beschleunigung lege man es zwischen zwei Löschblätter — so kann man es sorgfällig ausschneiden. Die Gipsmasse wird aus gebranntem Gips hergestellt, dem besten, den man in einer Drogerie erhält. Auch gibt man ein Sechstel pulverisierte, weiße Kreide dazu. Das ausgeschnittene Bildchen wird nun abermals angefeuch- tet und mit der bunten Seite nach unten auf den Boden eines Porzellantellers gelegt, der aber ganz glatt fein muß unb besten Oberfläche gar keine Unebenheiten unb Riste aufweisen darf. Gips unb Kreidepulver werden mit, reinem Wasser in einer Obertasse gut verrührt, bis ein dickflüssiger Brei — er darf keine Klumpen haben — entsteht, den wir schnell, damit der Gips inzwischen nicht quillt, über das Bild gießen, bis dahin, wo der innere Rand des Tellers anfängt. Diesen Teller läßt man über Nacht stehen und findet am Morgen den Gips erkaltet. Nun fährt man mit einem dünnen Mester vorsichtig zwischen Teller unb Gips, bis sich bas fertige Me- baillon abhebt, besten Rand mir mit Sanbpapier glatt schleifen. Zum Aufhängen verwenden wir ein starkes Seidenband, das wir durch zwei mit dem Drilchbohrer gebohrte Löcher ziehen. Löcher lasten sich auch leicht anbringen, wenn man ein Streichholz sofort, nachdem der Gips auf den Teller gegossen ist, an der gewünschten Stelle durchsticht und es entfernt, bevor der Gips völlig hart geworden ist. Schau, das liebe, kleine Medaillon an der Wand über meinem Bette, das ist auch auf diese Weise entstanden.
Man mag nicht immer mit Puppen spielen, einmal wird man auch dessen müde. Da bilden die Papierpuppen eine anziehende Abwechselung. Auch diese sah ich von einer kleinen Freundin selbst gefertigt, sie sahen ganz reizend aus. Als Material hatte sie ziemlich steifes Papier verwendet, das sorgsam in der Gestalt allerlei niedlicher Buben und Mädelchen ausgeschnitten war, und durch Aquarellfarbentönig ein gar lebendiges Aussehen gewonnen hatte. Die Puppen konnten auch stehen, indem sie nämlich mit den Füßen in dem Unterteil eines umgekippten Streichholzschächtelchens standen, in bas ein schmaler Schlitz geritzt war. Auch Kleiber waren für sie pastenb zurecht geschnitten. Sie hatten an ben Schultern zwei angeschnittene Papierstreifen, die auf dem Rücken des Püppchens vermittels eines Schlitzes in dem einen Streifen ineinander griffen und fo dem Kleide Halt verliehen.
Ein wenig Phantasie, ein Fetzen, bunte Resten: Wie schnell ist doch das Kinderzauberreich des weltverlorenen Spiels entstanden.
Wodeneuheikeu für Herbst und Winker.
Bon 'Emmy Ficus- Frankfurt a. M.
Neuartig ist die Kombination von schwarzen Kleidern mit weißen Jacken ober Mänteln, wie überhaupt die Schwarz-Weiß-Mode in ungeahnter Vielfältigkeit immer mehr Anhängerinnen gewinnt.
Neuartig ist die knielange, glockig geschnittene Theaterjacke aus Samt ober Brokat zum Abendkleid.
Unb bas Kostümkleid aus Samt mit halblanger Jacke in Schwarz, Marine, Braun ober Russischgrün mit Besag aus Fuchs, amerikanischem Opossum ober Kanin: Eine Mobe, die schon vor Jahrzehnten sehr elegant unb „an- gezogen" wirkte.
Geblieben ist jedoch die sportliche Kürze der Röcke, die sich der größten Schlichtheit befleißigen. Geradege^ schnittene Faltenröcke unb Bifenröcke sind befonbers beliebt.
Als Modelieblinge sind Tuch und Samt erklärt worden. Nichts eignet sich auch besser für den weichen Faltenwurf der empirehaften Gewänder dis gerade dieses Gewebe. Lange, weiße Jabots reichen fast bis zur Rocklänge. Weiße Blusen aus Satinkrepp oder Spitze sind wieder salonfähig geworden, sogar mit dem schwarze» Mieberrock, ber die hohe Taille markiert.
Die Weste erfreut sich großer Beliebtheit: aus Pique, Seide ober Wolle wird sie statt der Bluse gen, ober als westenartige Jacke unter bei» Manial Auch die neue Pelzjacke zeigt Westensorm unb klein und lose, falls man nicht die glockige, dreivie^W lange Jacke bevorzugt.
Ausfallend ist die Vorliebe für garnierte Aermel Ul*8 garnierte Taillen. Puffärmel sind ebenso beliebt n»| angeschnittene Epaulettes und kurze Volants, ober bt»J pierte Aermel, die rückwärts bis zum Ellbogen sich artig erweitert: Es sieht fast aus, als wolle der 6*,. W kenärmel wiederkehren! Bei den Mänteln garniert b-e Pelzbesatz den Arm wie ein weit abstehender Handsch^l bis zur Mitte des Oberarms.
Zum Samtkostüm wird neuerdings die hellblauseidez,M Bluse getragen, auch Brokatblusen unb Kasaks.
gerade der Kosak wird von größeren unb fülligeren Figuren mit Vorliebe als Straßenkleid gewählt, da erW schlank macht. Dieser Kosak hat einen niedrigen tragen, eine lange Knopfreihe unb ist ohne Gürtel HM lose auf Taille gearbeitet. Dazu verarbeitet man aW anmutenbe Brokatstoffe.
Halsausschnitt unb Kragenpartie sind sehr viekseiti» Spitze und ovale Formen gehen neben plaftronförmign Einsätzen, Schal unb angeschnittene Schalteile schmück« bie Nachmittagskleider. Die Abendkleider zeigen ein vier, eckiges Dekollete, das durch Chifsonfchleier ober PH, schals verhüllt wirb. Spitzenkleiber werden aus alten Motiven mit Chiffon und Tüll kombiniert. Auch bn« Sorten tauchen als Zierrat wieder auf. Auch PM besätze spielen als Kleidergarnitur eine große Marder, Seal, Maulwurf und Murmel werden für satzzwecke schwarz eingefärbt.
Häufig verwendet man noch bie Schleife als ftgS tur; sowohl als Aermelabschkuß, sowie am Rock ober m Apttkation. Die wetten Röcke werden mit Rüschen besetzt Tüllkleiber mit Samtband garniert. Lochstickerei schnM bas Leder ebenso wie Batist ober Georgette. Man sieht Madeirastoffe mit Perlen umrandet als leichte SJalifle« Verstosse, und hohe Manschetten aus Samt mit 8aW stickerei.
Alles in allem verlangen die neuen Kleider eine Mg Handfertigkeit unb Geschicklichkeit, erfordern also M Geduld von der Hausfrau und Hausschneiderin. SjW chen, Plissees und gezogene Faltenteile wollen angest»- tigt sein. Jedoch ist die Mode so vielseitig, und Hausfrauen sind so geschickt, daß sie auch in dieser 6w son verstehen werden, aus einem — Nichts ein — nM hübsches Etwas herzustellen!.
Die Frau im Beruf. \
— Die 5rau als Richterin. Gegenwärtig weri«W Deutschland 74 Frauen in richterlichen DienstgeschGW verwendet. Vier von Urnen versehen als Landgerichtsrätinnen planmäßige Richterstellen, {itMfl als ständige Hilfsarbeiterinnen tätig. Die Gerichtsassessorinnen und noch nicht in den StaatiÄl™ übernommen.
Die Frau in der Küche. |
Frischer An! mit Weinlohe. Für 4 Personen.
taten: 1% Kg. mittelstarker Aal, 1 gewiegte Zwiebel, I etwa 60 Gramm Butter, % Liter Fleischbrühe aus 1 Maggis Fleischbrühwürfel, Vt Liter leichten Rotwein, braunes Buttermehl zum Binden, Prise Pfeffer. Z«' b er e i t u n g: Den abgezogenen Aal schneidet man i” fingerlange Stücke und reibt ihn mit wenig Salz ein^ Die Zwiebel brät man in ber Hälfte der Butter IW braun, gibt die Fleischbrühe hinzu unb läßt barin die Aalstücke langsam garziehen. Erst wenn bies erreicht ifc kommt ber Rotwein an das Gericht, das bann mit b® braunen Bittkermehl bündig gekocht wird. Zuletzt wirl ber fertige Aal mit etwas Pfeffer gewürzt: er mw| darauf sofort aufgetragen werden. L.
Ihre Kinder gedeihen prächtig ...
wenn Sie ihnen Milch mit Kaffee Hag geben!
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Die kleine Fran Storkow.
Roman von Anton Schwab.
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„Sie bringen mich in Verlegenheit, Herr Eisenstein."
Der Regisseur lachte gutmütig. „Aber warum, Frau Storkow! Lassen Sie meine Landsleute doch an Ihnen Freude haben. Sie sind ja in vielem noch wie die Kinder. Glauben Sie mir, daß es auch der Sache, bie Sie mit nach Rußland gebracht hat, bient."
„Machen Sie, was Sie wollen!" entschied Maria seufzend.
„Unb dieser Jahn Galsey ... ich habe den Namen noch nie gehört ... mit dem möchte ich mich eigentlich etwas näher befassen." Was hat er Ihnen denn geboten?"
„Ein Anfangshonorar von 3—4000 Dollar ben Monat."
Eisenstein schüttelte ben Kaps. „Das ist ja Wahnsinn, bas legt in Amerika eine Filmsirma für einen guten, eingeführten Star an. Aber niemals für Anfängerinnen. Ich kann mir nicht helfen. Hier steckt etwas ganz anberes bahinter."
„Ja, aber was nur!"
Eisenstein überlegte. „Ich weiß, baß die Amerikaner ein Interesse daran haben, ein Abkommen zwischen der russischen Regierung und den Allgemeinen Deutschen Elektrizitätswerken zu verhindern. Aber . . . wenn man Sie beide auch getrost wegengagierte ... ich kann mir nicht denken, daß das für die Verhandlungen so viel ausmachen könnte. Scheitern könnten die Verhandlungen an liefern Umstand doch bestimmt nicht."
„Ausgeschlossen!" warf Maria ein. „Das scheidet aus. Ob ich verstehe, die Verhandlungen durch sinngemäßes Eingehen auf bie Hauptsachen bei der Verdolmetschung besonders zu fördern, bas mag dahinge- ftellt fein. Aber sicher ist, daß bie Deutsche Delegation auch mit einem anberen Dolmetscher, und sollte es auch etwas schwerer sein, zum Ziel käme. Nein, das scheidet aus, Herr Eisenstein."
„Ja, was bann aber! Ich verstehe das alles nicht!"
Es war Mittag geworben, als sie sich verabschiedeten.
Im Palais Mentischikvfs wartete Hans Jordan voll Spannung auf die beiden Mädchen.
Er ging ihnen, als sie kamen, entgegen und begrüßte sie herzlich.
„Wir sind einmal durch Moskau gebummelt, Herr Jordan", sagte Carla voll Laune. „Sie haben sich doch nicht etwa um uns gesorgt?"
„Doch, doch! Wir sind in einem fremden Lande. Am liebsten ließ ich Sie beide nicht von unserer Seite."
„Seien Sie ohne Sorge, Herr Jordan!" sage Maria, der bie Besorgtheil bes Mannes Wohltat. „Wir bewegen uns dort, wo wir sicher sind und haben kein Interesse, etwa Moskaus Verbrecherviertel zy besuchen."
„Das glaube ich, Frau Maria."
„Wir waren auch bei Herrn Eisenstein!"
„Bei dem Filmregisseur? Um Gottes willen, meine Damen, Sie werden doch nicht fahnenflüchtig werden."
„Nein!" sagte Maria fest. „Wir werden überhaupt nicht filmen. Denken Sie . . . wir haben den Amerikaner John Galsey getroffen und ... er hat uns erneut einen Antrag gemacht. Da haben wir uns nun von Herrn Eisenstein filmen lassen."
„Und . . .?" Stärkste Spannung war in Hans Jordans Frage.
„Wir eignen uns nicht dazu, als Filmstare die Welt zu beglücken."
Aus tiefftem Herzen heraus, mit strahlenden Auge» sagte Teutschentol, der neben Jordan stand: „Gott fei Dank!"
Das kam fo drollig heraus, daß alle lachen mußten.
„Seien Sie mir nicht böse!" bat Teutschentol. „Aber . . . ich kann nicht anders. Ich freue mich wirklich, daß Sie bei uns bleiben."
Maria entgegnete einfach, Teutschentol fest anblickend: „Wir beide auch! Wir sind so mit den Werken verwachsen und wollen es bleiben."
Ein mächtiger Gongschlag zitterte durch das Palais.
Es war der Ruf zur Tafel.
Oberst Hassotsch war noch nicht anwesend. Hans Jordan führte daher Maria zur Tafel, während Teut- schental Carla den Arm bot.
*
Am Nachmittag fuhr die deutsche Delegation zu Frau Olga Romanowski. I
Sie bewohnte die erste Etage des Grand-Hotels, das jetzt Amtsgebäude der Sowjets geworden war.
Olga Romanowski empfing die Gäste sehr herzlich. Dann führte sie sie in ihren Räumen herum. Es waren insgesamt 20 Zimmer, die ihr zur Verfügung standen, von denen sie aber nur drei Räume bewohnte. Die anderen Zimmer waren Büros.
Sie gingen durch alle Büros, in denen noch gearbeitet wurde. Junge Mädchen und Frauen — nirgends ein Mann — saßen an den Pulten über Akten gebeugt, verhandelten mit den Vorgeladenen, berieten sie. Man hatte das Gefühl, daß in Olga Romanowski Reich geschasst wurde.
Dann betraten sie die Wohnräume und waren überrascht. Nichts von Prunk bot sich ihnen. Im Gegenteil, alle Räume waren im Stil der neuen Sachlichkeit eingerichtet. Ausgleichend in der Nüchternheit der Einrichtung wirkten die wirklich wundervoll abgepaßten Farben.
Offen erklärte Olga Romanowski: „Ich hasse' alles, was mich von meiner Arbeit ablenken kann. Ich verschmähe den Prunk, denn er hält uns nur auf. Das Einzige, was ich liebe in meinen Räumen, das sind frohe, heitere Farben. Finden Sie nicht, Herr Generaldirektor, daß sie völlig ausgleichen?"
Hans stimmte ihr überzeugt zu.
Olga Romanowski hatte nur eine einzige Dienerin, ein schlankes, großäugiges Mädchen aus dem Kaukasus.
Sie unterhielt sich mit ihr, gab die Anordnungen in einer Sprache, die allen unbekannt war.
Der Tee wurde eingenommen.
Dann plauderte man, kam so nach und nach auf dos Geschäftliche zu sprechen.
Frau Olga zog sich mit dem Generaldirektor in einen Erker zurück.
„Ich hebe mein Vaterland!" sagte Frau Olga versonnen. „Die heilige Liebe zu Rußland läßt mich schassen, daß ich mich vor keinem Manne zu schämen brauche. Und . . . drum habe ich mich gefreut, als der Präsident meine Anregung . . . mittels der großartigen Erfindung Ihres Oberingenieurs Teutschental die Elektrifizierung Rußlands durchzuführen . . . auf griff."
„Von Ihnen kam die Anregung?" fragte Hans erstaunt.
„Ja! Der Gedanke an sich lag jo in der Lust, ... ich habe ihm Form gegeben. Sie wissen, mit ttt* chen finanziellen Schwierigkeiten mein SBatcrlanb kämpfen hat. Auch hier habe ich nach der ousgleidjenbfi Möglichkeit gesucht unb die hieß . . . Konzessionen. 9“! dawitsch war mir erst etwas böse, daß ich in fein ResM eingriff aber . . ."
Hans ergriff Frau Olgas schmale Rechte und fiM sie: „Aber . . . einer schönen Frau verzeiht man rafflpl
Sie lächelte, ein weiches, verführerisches FraUf^ lächeln, dessen starker Wirkung sich Hans nicht entzichW konnte.
Sie sah ihn mit glänzenden Augen an unb süW leise: „Sie . . . nennen mich . . . eine schöne tfrau, “j ber Freund. Es sagen es alle . . . aber, ich habe «9 Gefühl, daß es alle nicht fo ehrlich meinen wie Drum will ich mich Ihres Komplimentes freuen.
mein Recht als Frau."
„Sie . . . waren verheiratet, gnädigste Frau. führen Sie nur den Titel Frau. Ich weiß nicht, ®ie 1 in Rußland gehandhabt wird."
Sie sah ihn prüfend an.
„Ich war dreimal verheiratet, Herr GeneraldirenW Aber es war ein Irren. Jetzt . . . habe ich befchla^W frei zu bleiben, es fei denn . . . daß einmal die 1P9 Liebe, auf die ich ein Leben lang schon warte, über UNW kommt." '
Sie seufzte auf. Fuhr nachdenklich fort: „AbersW ob sie je kommt! Wie wenige erleben das große
„Ich wünsche es Ihnen von Herzen! Ich ”3 Gefühl, daß eine Frau von Ihren Qualitäten durch 9 großes Erleben im Schaffen nur gefördert würde. ।
Sie sah ihn mit großen leuchtenden Augen an. _,ai
„Ja", sagte sie begeistert. „Sie sprechen es aus, ™ Generaldirektor. Aber . . . ich bin sehend • • 'Se ich kann nicht mehr verliebt sein . . : zu klar sehen nv« Augen ... ich kann nur noch lieben. Und .
einem je begegne, der mir wert erscheint, geliebt W werden?"
Hans lächelte, das Lachen, das Frau Olga so fiel, denn in ihm lag Wärme und Herzlichkeit, die P* entbehrte.
(Fortsetzung folgt.)