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ZuldaerZertung

f. Anzeiger für die Stadt Julda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.

(irid;einl sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen. „Die Welt

im Bild' und „Buchenbiälter". Rotationsdruck und Verlag OffrtfieM* ICftfl

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ciing wieder preußischer Innenminister

f. Waentig tritt zurück

Der Landtag hat mit großer

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231 Todesopfer der Aachener Gruben-Katastrophe

hrheit den Auflösungsantrag der Wirtschaftsparter abgelehnt, den sich zuletzt nur noch die Kommunisten ernsthaft bemühten. Abbau der Abgeordneten-Diäten auch in Preußen.

* Die ungeheuerliche Verwilderung des Politik schen Kampfes haben wir in den letzten Wochen und insbesondere in den letzten Reichstagssitzungen in oft geradezu niederdrückender Weile wahrgenom­men. Man hörte da das Wort, daß „Köpfe in den Sand rollen" werden, und Hitler hat selbst in Leip­zig dieses Wort sich zu eigen gemacht: man sprach von Strick und Strang und offene und verschleierte Drohungen gegen Gesundheit und Leben von Ab, geordneten und von Mitgliedern bestimmter Par, teirichtungen haben selbst' irrt Reichstag ausgespro, chen werden können. Diese Rache- und Mordstim­mung wird auch noch genährt von dem Blatt Hitlers, dem „Völkischen Beobachter". In dessen

Karl Severing.

tafl gehört er seit 1907 an. Hervorgegangen aus der M e t a l l - I n d u st r i e, steht er in dem Ruf, eine sehr feste Hand zu haben und ein Mann zu ein, der mit Ruhestörern der verschiedensten Rich­tung fertig zu werden versteht.

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Der Wechsel kommt für die Oeffentlichkeit über- idtoA. Prof. Dr. Waentig, der der sozialdemo- I fraüschen Partei angehört und als einer der fein- Wften Köpfe in'diesem Parteilager gilt, hatte am I U, Februar dieses Jahres, auch überraschend, den k damaligen Innenminister Grezesinski abgelöst. Die- t ser aber war der Nachfolger des seinerzeit wegen r Erkrankung aus dem Amte geschiedenen Karl Se- \ Dering, der nun wieder preußischer Innenminister wird, nachdem er inzwischen (1928) Reichsinnen­minister gewesen war. Karl Severing, 1875 in Herford i. W. geboren, ist vor allem bekannt ge- pworden als Reichskommissar für Westfalen wäh- , rend des Aufstandes der Roten Armee in den Jah­ren 1919,20. Er war bereits zweimal und zwar von Ende März 1920 bis April 1921 und 1 von November desselben Jahres bis zum Oktober f 1926 preußischer Mini st er des Innern, im ganzen also sechs Jahre. Dazu kommt ihm auch noch die Erfahrung zustatten, die er als Reichs­minister des Innern gesammelt hat. Dem Reichs-

„ (Stegen den schwarzen Feind".

Zu der hier schon erwähnten Aeußerung des Hugenbergschen „Deutschen Schnelldienstes" schreibt die „Germania":

Gewissen Leuten, die Politik restlos mit ihrem Ehrgeiz und ihren Machtplänen verwechseln, ist das Ergebnis der Reichstagsschlacht vom 18. Okt. gleich einem Nervenchok in die Glieder gefahren. Die Schlußfolgerungen, die sie aus ihrer Slieber« läge ziehen, werfen teilweise ein erschütterndes Bild auf die politische Urteilslosigkeit dieser Kreise. Oder was meint man dazu, wenn der „Deutsche Schnelldienst", ein Erzeugnis des Hugenbergkon- zerns, in einer Sonderausgabe „die nationalen Kräfte" auffordert, „in geschlossener Front den rücksichtslosen Kampf zu eröffnen gegen den Feind, der in Deutschland steht, gegen den schwarzen Feind, der der Zutreiber der roten Revolution und der Handlanger Frankreichs ist."

Wenn man das liest, muß man zunächst darüber nachdenken, ob diese Schnelldienstschreiber denn wirklich Menschen von Fleisch und Blut sind wie wir, Angehörige desselben deutschen Volkes und Stammes, oder ob sie nicht vielmehr 150 Millio­nen Lichtjahre entfernt auf irgend einem der Fixsterne wohnen. Dann aber, wenn man sich auf die Gottesgabe des Mitleids besinnt, über­kommt einem bittere Wehmut, daß solcher Haß, wie er aus dem einen Satze des Schnelldienstes spricht, in einem unter schwerster Not und Be­drückung leidenden Volke möglich und denkbar ist. Den rücksichtslosen Kampf gegen uns brauchen diese Kreise wahrhaftig nicht mehr zu „eröffnen". Sie führen ihn schon seit Jahren und haben nichts weiter erreicht, als die armselige Genugtuung, das Zusammenwachsen unseres Volkes, soweit es guten Willens ist, zu einer echten, tiefsittlichen Gemein­schaft verhindert zu haben. Neu ist nur dir unver­frorene, beispiellose Art, wie hier von „natto-

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daraufhin zielender kommunistischer Antrag wurde mit 369 gegen 47 Stimmen der Kommunisten abgelehnt. Es zeigte sich somit in Preußen, daß hier die Deutschnationalen, das Land- vo I k und die N a t i o n a l so z i al i st e n ein viel größeres politisches Verantwortlich­keitsgefühl an den Tag legten, als im Reich e. Dieses Bild wird dadurch noch vervoll­ständigt, daß ein kommunistischer Agitations­antrag, der eine Einwirkung der Preußenregiü- rung auf bie Reichsregierung bezweckte, bannt bie Reparationszahlungen mit sofortiger Wirkung ein­gestellt würben, mit großer Mehrheit ab­gelehnt würbe. Atterbings stimmten für diesen kommunistischen Antrag auch die National­sozialisten und die Deutschnationalen im Preui- ßenparlament. Die Kommunisten haben damit den Zweck ihres parlamentarischen Vorstoßes, die Ent­larvung der Nationalsozialisten, erfüllt. Die Natio­nalsozialisten. im Reich werden zu zeigen haben, wie sie sich vor aller Welt einen ähnlichen koml- munistischen Antrag gegenüber in wenigen Wochen zu verhalten gedenken. Vorerst liegt dieser kom­munistische Antrag noch int Schaße des Auswärti­gen Ausschusses des Reichstags.

-z Berlin, 22. Oktober. (Eig. Meld.) Der S- keußische Pressedienst meldet: Der preu- sistrr des Innern, Prof. Dr. Waentig, k hem preußische Ministerpräsidenten sein Rück- icüisacstch überreicht. Ministerpräsident Dr. Braun k dir 'S Rücktrittsgcsuch angenommen und Etaats- x „lj«er 2)r. Waentig mit dem Ausdruck des Dankes Is^dir dem preußischen Staat geleisteten wert- I Dienste von seinen Amtspflichten entbunden. vL Nachfolger des scheidenden Innenmini- S hat der preußische Ministerpräsident gemäß 45 der preußischen Verfassung den Rrichs- Md Staatsminister a. D. Severing ernannt.

naler" Seite die tollste Hetze gegen katholische: Volksgenossen getrieben wird. Wir bezweifeln sehr stark, ob sich die Mehrheit des deutschen Volkes seine „Retter" so vorstellt, wie sie sich hiep demaskieren.

Zwischen dem Geist des Hugenberg-Schnell- dienstes und dem Geist der Reventlows und ®e* nassen, den der Zentrumsführer Dr. Brauns kürzlich im Reichstage sehr treffend gekennzeichnet hat, bestehen sehr enge Verwandtschaften. Beson­ders überraschen aber wird es die Oeffentlichkeit, daß in dieser „geistigen" Gesellschaft auch der „Stahlhelm", der Bund der Frontsoldaten, mar­schiert. Bei einer Kundgebung des Jungstahlhelm in Hamburg, die kürzlich stattfand, hat, neben Franz Seldte, ein Landesführer von Morozowicz geredet. Seldte sprach von der „verquatschten Erde". Morozowicz besaß offenbar weniger Ein­sicht und stellte folgende Forderung auf: „Der Stahlhelm müsse politische Parteien, die sich kirch­lich nennen, ablehnen, wenn diese erklärten, mit nationalen Sozialisten könne man nicht regieren, wohl aber mit internationalen Sozialisten." Nun scheint zwar Herr Morozowicz in der Politik nicht Bescheid zu wissen, nicht einmal soviel, daß es in Deutschland keine Partei gibt, die sich kirchlich nennt. Aber wir wissen, was dieser Herr Moro­zowicz in Hamburg gemeint hat. Leider ist ihm bei seiner Meinungsäußerung ein grober Schnitzer unterlaufen: zu erklären, mit wem es regieren- wolle, oder nicht wolle, hatte das Zentrum in diesem Falle überhaupt nicht. Nur Herr Hugen- berg und die „nationalen Sozialisten" haben er­klärt, daß sie mit einem Kanzler, der in feinet1 Regierungserklärung sich betont zum christlichen Kulturgut bekannt hat, nicht Mitarbeiten wollten. Die „internationalen Sozialisten" haben die gleiche Geschmacklosigkeit nicht besessen. So liegen bie Dinge. Vielleicht ist ber Herr Morozowicz so freunblich unb stellt sein verdrehtes Zielfernrohr wieder auf „Null". Sonst kann er bei dem größten Eifer und der größten artilleristischen Begabung nicht das Richtige treffen. Vielleicht hat er aber eins erreicht, daß nämlich die katholischen Mit­glieder des Stahlhelms über diese forsche Schwa­benart, „Parteien, die sich kirchlich nennen, abzu? lehnen", etwas in Erstaunen geraten sind. Ebenso wie die Reste des Deutschnationalen Katholiken­ausschusses über das Wüten ihres Hugenbergschen Schnelldienstes.

der das Staatsministerium ersucht, bei der Reichs­regierung dahin zu wirken, daß im Rahmen der Reichsreform schleunigst eine Reichsneuglie­derung durchgeführt wird. Die Deutsch-Han­noveraner, die diesen Antrag stellten, wünschten offenbar eine möglichst weitgehend föderali­stische Lösung des Reichsproblems. Man weiß, daß die Demokraten und bie Sozialdemokraten anbetet Auffassung sinb. Dennoch sind bie Gegen­sätze nicht so, baß sie nicht überbrückt werben könnten.

Gleich nach ben letzten Reichstagswahlen vom 14. September kam in Preußen ausgerechnet oie Wirtschaftspartei auf bie Jbee, auch bie Auflösung bes preußischen Lanbtags zu fotbcrn, ba bieset in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung nicht mehr bem Willen bes Volkes entspräche. Der preußische Ministerpräsibent Braun lehnte bas Ansinnen ber Wirtschaftsparteiler ab. Zum großen Gelächter bes ganzen preußischen Land­tages stellte sich am Dienstagmittag heraus, daß die Wirtschaftsparteiler vergessen hatten, eine na­mentliche Abstimmung über ihren Anttag zu beantragen. So war er denn im Nu abgelehnt, Die Rechte hatte gehofft, daß die Kommunisten ihnen bie Arbeit abnehmen und einen Antrag aus namentliche Abstimmung einbringen würden. In ber Tat erschien auch der Kommunist Kasper auf ber Präsidentenbühne und erklärte, einen derp aitigen Antrag der Geschäftsführung des Hohen Hauses zur Mittagszeit ausgehändigt zu haben. Bei näherem Zusehen stellte sich aber die drastische Behauptung Kaspers als ein Irrtum heraus. Um aber jeden Eindruck einer Schiebung zu verp meiben, ließ Vizepräsident Daumhoff im Einver­ständnis mit dem Hohen Hause namentlich abstimmen. Es zeigte sich, daß die Mehrheit der Preußenparlamentarier den politischen Selbstmord ablehnte. Der wirtschaftsparteiliche Antrag wurde mit 189 gegen 240 Stimmen a b g e l e h n t. Eine derartige Mehrheit hätte sich weder die oppo­sitionelle Rechte noch die Linke träumen lassen.

Das ganze deutsche Beamtentum interessiert sodann die Stellung des Preußenparlamentes zu den Verordnungen der preußischen Regierung über die politische Betätigung der Beamten im Sinne der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei oder der Kommunistischen Partei. Alle darauf hinzielenden Anträge wurden mit großer Mehrheit ab ge­ll e h n t.

Reichspolitisch pikant ist die Ablehnung eines kommunistischen Antrags auf die Aufhebung der Bestimmungen, die zur Ausführung der Notver­ordnung des Reichspräsidenten vom 26. Juli d. I. für das Land Preußen ergangen sind. Ein

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Der Grund in dem Wechsel in der Leitung des Lumichen Innenministeriums liegt einmal barh, k M der bisherige Minister Prof. Dr. Waentig den ingenben Wunsch hat, wieder zu seiner -Nenschaftlichen Arbeit zurückzukehren. ,L2ar ihr schon durch seine Tätigkeit als Ober- LJ Oent der Provinz Sachsen entzogen morden nun eine Reihe von angefangenen wis- ■s Aufgaben zu Ende führen. Prof,

fieht im 61. Lebensjahre.

r ’*} öfterer Grund für den Wechsel ist darin daß Ministerpräsident Braun an der Monn h185 Innenministeriums gerade setzt einen ~ fcJc n rnöchte, der für dieses spezielle Gebiet „„ ^rung und Autorität hat, die Minister Se- Witbringt.

Die Landtags-Sitzung.

■Senat« preußische Abgeordnetenhaus hatte am Das 21. Oktober, einen großen Tag.

füllten äre.J$on die äußere Besetzung, die über- Stfa» h-ribünen und der außergewöhnlich starke EÜtaaa a Vollsitzung, die gleich nach 12 Uhr begann.

Üotqen -^nunglütf, das sich am Dienstag- pttanlni,^ . ^orf bei Aachen zugetragen hatte, einer ^gleich den Präsidenten Bartels zu ftcnb ;L 'o^en Beileidskundgebung. Das Haus Mter ter ^en tiefster Erschütterung durch die tutenden Berichte von der

Istatische Anregung hin beschloß um ttagsitunbe ber Lcmbtag, bie Diä - ’georbneten von jetzt 750 Mk. nftighin auf '600 Mk. herabzusetzen, prache über biefen Punkt, ber bie Interessen (eben Preußenparlamen- telbar berührt, beteiligten sich nur r,Hnb Sozialiste n. Hierauf iasschußanttag mit allen Stimmen Kommunisten angenommen. Ebenso Vergütungen ber Abgeorbneten für 9en um 50 Prozent gekürzt. Es ist Utz-nparlarnent bern guten Bei- Zutsch en Reichstags mit gefolgt. Die An- mcflt unbegrünbet, baß alle übrigen nte ben Vorbildern, bie dieses Mal us gegeben wurden, tunlichst um- gen werden.

meiner politischer Bedeutung, die Preußens hinausgeht, ist ... "Parlament angenommene Antrag,

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Die schlimmsten Befürchtungen übertroffen.

170 Tote waren bis heute mittag geborgen. — 61 Opfer liegen noch tot in den Schächten.

wtb. Berlin, 22. Oktober. (Eig. Meld.) Nach ben bis 12.15 Uhr bei ben Berliner Zentral­behörden des Bergbaues vorliegenden Zahlen sind bisher 170 Todesopfer ber Grubenkatastrophe in Alsdorf geborgen worden. 61 Tote sollen sich noch unter Tage befinden. Die Ge­samtzahl der Todesopfer beläuft sich somit bis jetzt auf 231.

*

Das Ausmaß der Grubenkatastrophe, die sich, wie gemeldet, am Dienstag vormittag auf dem Wilhelms- schacht der Zeche Anna I I bei Alsdorf im Aachener Revier ereignete, ist nach den letzten Meldun­gen weit schlimmer, als die Berichte der Berg­behörden am Dienstag erwarten ließen. Die darin aus­gesprochene Hoffnung, daß für die eingesHlossenen Berg­leute keine Lebensgefahr mehr bestehe, hat sich leider nicht erfüllt. Bis Mittwoch mittag waren 17 0 Tote geborgen. Unter Tage befinden sich noch 61 Tote, so daß jetzt im ganzen 231 Tote fe st gestellt find. In den umliegenden Krankenhäusern befinden sich etwa 100 Verletzte. Von einem Teil der im Baden­berger Krankenhaus Liegenden weiß man noch nicht, ob und wie viele von ihnen als vermißt gemeldet worden sind, denn dort sind 35 Leute, die von der Stichflamme so schwere Brandwunden erlitten haben, daß sie noch nicht imstande waren, zu sprechen, und auch noch nicht identifiziert werden konnten. Eingefahren waren in dle Grube, die eine in 3 Schichten arbeitende Gesamtbeleg­schaft von 2000 Mann hat, Dienstag früh 667 Mann.

Die meisten Vermißten befinden sich auf der 4 6 0 Meter tief liegenden 4. Sohle. Die Bergung der dort Eingeschlossenen ist sehr schwierig, da sie nicht, wie die höher gelegenen Sohlen Verbindungen mit den Nach­gruben hat. Außer durch den vollständig verschütteten Förderschacht hat die vierte Sohle nur noch durch einen elektrisch betriebenen B l i n d s ch a ch t, der zur 360 Me­ter-Sohle führt, Verbindung mit der Außenwelt.

Nach Berichten der Geretteten ist die vierte Sohle saft vollkommen zerstört. Es sind hier bisher 8 7 Tote geborgen worden. Die Aussichten, von der vierten Sohle noch Lebende zu erwarten, sind außerordent­lich gering: von anderen Sohlen kommen aber noch lebend Geborgene herauf.

An der Trümmerstätte ist die ganze Nacht hindurch ebenso weiter gearbeitet worden wie unter Tage, weil unter den Trümmern der Tagebauten auch noch Ver­schüttete vermutet werden. Inzwischen sind auch die Spreng st offlager der anderen Sohlen sämtlich in Ordnung gefunden worden. Damit entfällt vorläufig die Annahme, daß es sich um eine

Sprengstoffentzündung handelte. Die Verbrennungs­spuren an den Türen unter Tage deuten darauf hin, daß der Schlag seinen Aus gang vom Schacht genommen hat und von dort in die Querschläge gelangte. Auch die Richtung des Explosionsstoßes, den die Mann­schaften empfanden und dem sie z. T. zum Opfer fielen, weift auf diese Annahme hin. Die Explosion hat die Wettertüren zerschlagen und die Nachschwaden haben sich infolgedessen unbehindert auf das ganze Revier der Grube Anna II ausdehnen können. In diesen Schwa­den haben dann die Leute den Tod gefunden, bei denen Vergiftung festgestellt wurde.

Wie wir hären, hielt der Betriebsrat der Grube im Augenblick des Unglücks eine Sitzung ab. Er wurde in feiner Gesamtheit von einstürzenden Mauern er­schlagen. Bisher ist nur der Obmann als Leiche ge­borgen worden.

Im Verwaltungsgebäude wurde ein Beamter, der vor dem offenen Geldschrank stand, mit solcher Gewalt gegen die Tür des Geldschranks gepreßt, daß er tot liegen blieb.

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Vertreter der Bergbaubehörden, darunter Berghaupt­mann Schlüter vom Oberbergamt Bonn, sind am

Dienstag nachmittag in die betroffene Grube eingefaß­ten. Der Unfallausschuß der Grubensicherheitskommis- fion und Vertreter des Handelsministeriums mit Vertre­tern des Berliner Grubensicherheitsamtes werden am Mittwoch vormittag bie Grube befahren. Inzwischen sind auch Rettungsmannschaften von der Ruhr und vom Niederrhein an der Unglücksstätte eingetroffen und be­teiligen sich am Rettungswerk. Auch die holländischen Gruben haben sich lyreitroilligft zur Hilfeleistung ange­boten.

Allgemeines Lob haben sich die ansässigen Belegschaf, ten erworben durch ihren ganz hervorragenden Eifer unb ihre unermüdliche Hilfeleistung. Wie am Dienstag krei­sten auch heute am Mittwoch wieder Flieger über der Unglücksstätte.

Beileids-Telegramme.

Reichspräsiden t von Hindenburg hat an den preußischen Regierungspräsidenten in Aachen ein Telegramm gerichtet, in dem er bittet, den Angehörigen der Grubenkatastrophe seine innigste Teilnahme auszu­sprechen. Weitere Beileidstelegramme sandten u. a. der

Ratte bes Alsdorfer Grubenkalastrophen-Gebiels.

Jülich