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Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Dienstag, 21. Oktober 1930

57. Zahrg

Das Zentrum in denAusfchüffen.

Durch die Vermehrung der Fraktionen sind Verände- ntngen in der bisherigen Besetzung der Ausschüsse not­wendig geworden

Das Zentrum wird indessen, wie bisher, wieder den Vorsitz in zwei der wichtigsten Ausschüsse inne haben und zwar im 9., dem sozialpolitischen Ausschuß und im 15., dem Verkehrsausschuß.

In allen anderen Ausschüssen hat das Zentrum min­destens drei, teilweise sogar vier Sitze. Die Vertretung des Zentrums in diesen Ausschüssen ist folgende:

Im 1. Ausschuß (Wahrung der Rechte der Volksver­tretung) 4, (wie bisher), im 2. Ausschuß (Auswärtiger Ausschuß) 3 (wie bisher), im 3. Ausschuß (Geschäftsord­

Die sachliche Arbeit beginnt.

achdem der Reichstag bis zum Dezember vertagt ist, werden oar die schönen Reden eine Zeit lang aushören, dasür bietet ch der Regierung Gelegenheit, an der Behebung der Volksnot zu cheite - Die Oppositionsparteien möchten sreilich gern weiter reden. — Weil sie sonst nichts können.

gern wächst, desto fester wird der Zentrumsblock. Niemals war der Glaube in die Berufung des Zentrums stärker als in diesen Tagen des innen­politischen Jammers. Es wird die Zeit kommen, zu der in den anerkennenden Worten jenes libera­len Schweizer Blattes auch die Einschränkung faute de mieux fehlt. In Ruhe können wir dies abwarten.

Inzwischen haben wir nach ein paar Leuten zu sehen, die sich nur saisonweise beim Zentrum auf­halten, die mit manchmal tantenhafter Aengstlich- keit zu viel auf den Rumor geben und in diesen Zeiten des saftig puerilen Nazimutes auf diese im­pertinent starken Kehlköpfe mit vor Staunen hoch­gezogenen Augenbrauen schauen und irgend etwas Unvorhergesehenes, nicht näher definierbares er­warten. Es sind die Leute, die von Revolutionen träumen, diese Revolutionen aber gar nicht wün­schen und die schwankend zwischen Zentrum und Deutschnationalen herumpendeln. Sie smd nicht zahlreich aber geschwätzig und ohne das feste Urteil in politischen Dingen. Ihnen ist diese Zeit eine heilsame Lehre, und es könnte sein, daß die kom­menden Monate ihnen noch heilsamer sind. Wer zum Zentrum steht, muß in sich stark sein und von vornherein auf irgendwelche Be­lohnung für treue Dienste verzichten, muß das Ideal um des Ideals willen lieben, muß von der Unentbehrlichkeit dieses politischen Faktors in ei­nem konfessionell und traditionsmäßig so kluftartig gespaltenen Volke wie dem deutschen Volke über­zeugt sein und muß wissen, daß diese Partei auch auf den ersten Blick als unübersteigbar erkannte Hindernisse aus dem Wege zu räumen vermocht hat. Die Deutsche Zentrumspartei hat anderseits am meisten mit der mit Recht gerühmten e n g - lischen Art der Politik gemeinsam: die kühle Ueberlegung, den Mut, bei unüberwindlichen Wirrsalen einen ganz neuen Weg einzuschlagen, den Knäuel einfach liegen zu lassen und bei Ge­tümmel zu dem Wort sich zu bekennen: wait and see. Die oft naive Betrachtungsweise des Deut­schen gegenüber politischen persönlichen Erscheinun­gen und Tatsachen hat ihn gewöhnt, beispielsweise Bismarck als den Mann der Tat zu betrachten, die­weil doch feststeht, daß Bismarcks Wege in der Außenpolitik nichts weniger als linear und seine Handlungen nichts weniger als grob zu bezeich­nen waren. Auf dem Gebiete der Außenpolitik hat er tausend Umwege, Schliche und Pfiffe be­nutzt, um zum Ziele zu kommen, auf dem Ge­biete der inneren Politik hat er ost versagt, weil er manchmal glaubte, den starken Mann markke- ren und seine außenpolitischen Erfolge dafür ein­setzen zu können. Ueberall da, wo Bismarck klug und bedächtig handelt, ist er erfolgreich und sym­pathisch, wo der Zorn ihm mitspielt, greift er da­neben und wirkt menschlich wenig sympathisch. Im Zentrum wird Politik mit dem Herzen und mit dem Verstand, niemals aber mit d e r F a u st betrieben. Die von der Kirche ererbte Weisheit in der Beurteilung alles Unzulänglichen im mensch­lichen Leben, die vor zu großen Hoffnungen be­wahrt und bei Fehlern ein meist mildes Urteil ga­rantiert, ist Brauseköpfen, Schwärmern und Derbknochigen zuwider, und die be­rechnende Vorsicht gefällt den Jungen nicht. Dies wird immer so bleiben; es gibt Gießbäche und es gibt eine Verwaltung, die man die Wildbachverbauung nennt. —

Natürlich gibt dem Zentrum, das schon so schwie­rige Situationen gemeistert hat, der Boden der Weltanschauung eine besondere Grundlage; allein es darf nicht übersehen werden, daß diese Partei, die den Zwang zum Ausgleich schon aus der Zu­sammensetzung ihrer Wühlermassen mitbringt, das Extrem grundsätzlich ablehnt und niemals irgendeinen Rummel mitmacht. Der Erundzug des Deutschen ist Ernst, Sachlichkeit, einfache Würde. Was sich jetzt in den Extremen rechts und links austobt, ist fremder Her­kunft und zudem schlecht abgeguckt und nach­geäfft. Das Getue im Nazilager, das doch so ras­sig deutsch sein will, aber in Talmi den römischen Gruß importiert hat, hat mit kernigem Deutschtum nichts zu tun, das Wutver­zerrte bei den kommunistischen Führern ist ein ge­borgter Leninfanatismus und erfreulicherweise nicht das Merkmal der Massen, die kommunistisch wählen. Diese falschen und irreführenden Züge im deutschen politischen Antlitz werden nicht von ewiger Dauer sein; es sind Zeiterscheinun­gen. Der deutsche Mensch fällt dem Rummel nur vorübergehend anheim, das Zentrum lehnt, wie betont, den Rummel grundsätzlich ab und baut im­mer auf die berühmten deutschen Tugenden. Merk­würdigerweise werfen gerade diejenigen, die dau­ernd auf der Schaukel sitzen, dem Zentrum Schaukelpolitik vor — sie sind von dem vielen Schaukeln so benommen, daß sie den festen, in der deutschen Erde verankerten Klotz des Zen­trums gar nicht mehr sehen, oder sie benutzen das bekannte Turngerät Rundlauf wie die Kinder, sto­ßen sich ab, schwingen sich in den freien Luftraum, kehren zur Erde zurück; sie merken nicht, daß die Seile, an denen sie sich schwingen, im festen Kern des — Zentrums aufgehängt sind. Der Rundlauf ist eine oft recht hübsche Zerstreuung, in der Politik läuft'« auf eine Farce hinaus, die zu­letzt vom Steuerzahler finanziert werden muß

Die Zentrumsfraktion ist in den parlamentari­schen Beiräten des Reichstags folgendermaßen oert treten:

im Reichsschuldenausschuß mit dem Abg. Becke» Arnsberg;

im Kartellbeirat beim Reichswirtschaftsministe- rium durch >den Abg. Schlack;

im Reichsbeirat der Branntweinmonopolve» i waltung durch den Abg. Drees als Vorsitzenden und Abgeordneten Disz als Stellvertreter;

in den Reichsbeirat der Angestellten der Reichs­elektrizitätswirtschaft ist der Abg. Prof. Dr. Des­sauer delegiert worden;

im Wahlprüfungsgericht bleibt Abg. Dr. Bell Mitglied wie bisher;

im Verwaltungsbeirat der Deutschen Reichspost verbleiben wie bisher die Abg. Ersing und Crone- Münzebrock. j

Ferner waren zwei Beisitzer für den Staats­gerichtshof in Leipzig zu bestellen. Das Zentrum ist dahin übereingekommen, für diese Position keine Parlamentarier zu benennen. Diese Funktionen werden wahrgenommen von dem Senatspräsiden­ten Jtschert und dem Oberreichsanwalt Dr, Schrömhgens-Leipzig.

Sitzung des AusnMlgen Ausschusses.

VDZ Berlin, 20. Oft (Eig. Meldg.). Im Reichstag tritt heute nachmittag unter dem Vo» sich des Abg. Dr. Frick (Tat.-Soz.) der Auswär-( tige Ausschuß zu seiner ersten Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung steht zunächst eine Aus­sprache über die Genfer Völkerbundsverhandlun­gen, ferner sind die dem Ausschuß überwiesenen Anträge, die sich mit dem Youngplan be­schäftigen, auf die Tagesordnung gesetzt worden. Es handelt sich um den kommunistischen Antrag, alle Zahlungen mit sofortiger Wirkung einzustel­len, um den Antrag der Nationalsozialisten, un­verzüglich die nötigen Schritte zur Aufhebung des Versailler Vertrags und der Tributverträge zu I unternehmen, um den Antrag der Christlich-sozia­len, baldmöglichst in Verhandlungen über eine Re-. Vision des Poungplanes einzutreten, um den An­trag des Landvolks, die im Doungplan vorgesehe­nen Schutz- und Revisions-Möglichkeiten sofort zu । ergreifen und darüber hinaus die völlige Besei­tigung der Reparationslasten mit größtem Nach­druck in Angriff zu nehmen.

Einmal etwas anderes.

Was die Hetzer gegen das Zenirum und auch die Zentrums-Anhänger mit Ruhen lesen können.

Angesichts der vielen Schmähungen, denen auch in unserer Vaterstadt Fulda die Zentrumspartei in diesen Zeiten ausgesetzt ist, angesichts des sub­alternen Geschwätzes, dem sich die Zentrums-An­hänger seitens der Widersacher aus den verschie­denen Lagern ausgesetzt sehen, ist es nützlich, fol­gende Veröffentlichung der „Kölnischen Volkszet- tung" zu lesen und sich zum Schutz und Trutz diese Ausführungen zu merken.

In der „Neuen Zürcher Zeitung" Nr. 1987 vom 15. Oktober ist zu lesen: „Bekanntlich ist das Zentrum die einzige Partei der bürgerlichen Mitte, die ihre Position behaupten konnte. Der Eindruck seines Erfolges inmitten des Zusammen­bruchs der alten bürgerlichen Front ist sehr stark. Wie stark, zeigt mir der Ausspruch eines sein Le­ben lang dem Zentrum gegenüber fe i n d l i ch eingestellten Liberalen vom alten Schlag: „Ohne das Zentrum wäre die Republik kaput. Man kann ihm nicht genug danken. Wenn es nicht da wäre, müßte man es machen." Es ist durchaus glaubhaft, was vielfach behauptet wird, daß viele Demokraten, auch viele Protestanten, die von der Misere des ewig uneinigen Liberalismus und der Kraftlosigkeit seiner Vertretung abgestoßen waren, bei diesen Wahlen Zentrum gewählt ha­ben. Seine im Grunde — wenn es nicht gerade seine besonderen kulturpolitischen Pfade wandelt — demokratische Politik, die Stärke seiner Position, die Sicherheit und innere Ruhe, mit der es seinen Weg geht, die K l u g h he i t seiner Führung imponieren vielen und werben heute auch außerhalb, seiner Grenzen faute de mieux!"

„Wenn es nicht da wäre, müßte man es ma­chen!" Eine bessere Rechtfertigung der Zentrums­politik als dieses übrigens von vielen Einsichtigen im anderen Lager oft gebrauchte Wort gibt's ge­rade in der jetzigen Zeit nicht. Das Zentrum ist da und bleibt da, und in seinen Reihen lebt der alte Geist. Auf die Dauer ist nur der ehrliche Wille, dem Volke und dem Vaterlande zu helfen, siegreich. Man müßte am gesunden Sinn der Mehrheit des deutschen Volkes verzweifeln, wenn es nach den Irrungen der letzten Monate nicht wie­der zu dem Grundsatz der ruhigen politischen Ar­beit und der Ablehnung des heiseren Geschreis der Demagogen zurückkehren würde. Das Zentrum wird fest bleiben, es wird seinen Weg gehen ohne Furcht und Hast und wird immer da eintreten, wo andere versagen. Im La­ger des Zentrums ist Besonnenheit, Mäßigung, selbstlose Arbeit, Klugheit. Je stärker die Zerset­zung und Verwirrung in gewissen anderen La­

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, Der Ausgang der parlamentarischen Verhand­lungen, die mit der Vertagung des Reichstages auf sechs Wochen endeten, wird in politischen Kreisen allgemein als ein großer Erfolg des Reichskabinetts beurteilt, durch den die Stellung des Kabinetts e r- beblich gestärkt worden ist. Man ver­weist darauf, daß namentlich die starke Mehrheit von 82 Stimmen, mit denen die Mißtrauensan- jräge erledigt wurden, ein Beweis dafür fei, wie sehr das Kabinett sich gegen den Reichstag be­haupten könne, wenn es nur unbeirrt und seinen Weg vorwärts gehe. Die zahl­reichen Gesetzentwürfe, mit denen das Sanierungs­programm zur Durchführung gebracht werden soll, werden nun voraussichtlich schon in den nächsten Tagen beginnen das Reichskabinett zu beschäftigen, um ja bald wie möglich dem R e i ch s r a t unter­breitet und dann an die Ausschüsse des Reichstags weitergeleitet zu werden, damit sie bis zum 3. De­zember zur parlamentarischen Verabschiedung reif sind. Es fragt s^h nun, ob die Mehrheit in den Ausschüssen den Umfang hat, um die Intentionen der Reichsregierung zu stützen.

In diesem Zusammenhang erörtert man na­türlich auch die Entschließung des Reichstages zum Konflikt in der Berliner Metallindustrie. Man be­tont, daß das Kabinett keineswegs verpflichtet ist, sich nach dieser Entschließung zu richten. Eine Ent­scheidung des Reichsarbeitsministers läßt sich im Augenblick noch nicht erwarten. In den hinter der Regierung stehenden Kreisen wird die Auffassung vertreten, daß das Kabinett die Schwierigkeiten nicht alle überwindet, wenn es nicht eine Aktivität entfaltet und eine energische Politik, namentlich i n der Richtung des Lohn- und Preis­abbaus, und bestimmte Sparmaßnahmen be­treibt. Zu den Sparmaßnahmen zählt man in erster Linie die Reform der Arbeitslosenversiche­rung, die bekanntlich ein Teil des Sanie- rungsprogramms ist. Die Deutsche Volks­partei hat einen Antrag eingebracht, der von dm Abg. Dr. .Moldenhauer und Thiel unter« Grieben ist, tin& den Zweck hat, den Reichsarbeits- mmister zu unterstützen. Der Antrag sieht die Be­schränkung der Unterstützung auf die wirkli­chen Arbeitslosen vor und will bestimmte Gruppen, wie z. B. die Landwirtschaft, das Bay- aeDerbe und die Hausangestellten aus der Unter« nützung herausnehmen Es ist anzunehmen, daß dieser Antrag bei der Weiteroerfolgung des Pro­blems als Material verwendet werden wird. Auf dem rechten Flügel der hinter der Regierung ste­henden Parteien hat man einen durchaus günsti­gen Eindruck von den Absichten des Kabinetts, wie sie in einer Unterredung zum Ausdruck gekom­men sind, die der Abg. Dauch mit dem Kanzler gehabt hat.

Am Montag tritt übrigens der Parteivorstand der Deutschen Volkspartei zusammen. Seine Ver- ylmdlungen dürften jedoch nicht mit den allge- •wnren politischen Fragen zu tun haben, sondern «ur dem Organisationsausbau der Partei dienen, ön diesem Zusammenhang ist auch von Interesse, M die Verhandlungen zwischen der Deut« Wi Volkspartei und der Deutschen Staats» Mrtet wegen einer technischen Vereinigung der Reichstagsfraktion als gescheitert anzu- M sind, da die Fraktionsführung der Deutschen “'«Partei hierbei Dr. Weber empfahl, daß jeder .."bmrdnete der Staatspartei sich als Hospitant "nmelde. Dieser Vorschlag wurde von der finh h- btaatspartei jedoch abgelehnt, und damit beid "^„Russichten auf ein Zusammenkommen der oen Gruppen vorläufig wohl erledigt.

Dr. von §kanß und Hitler.

' ^rühstücksstimmung und Abendkater.

der « 5"Eich ging aus einer Frühstücksbesprechung lck^n ^onalsozialisten mit dem Direktor der Deut- ioirLvon Stauf?, der deutsch-

^ch°h“r Reichstagsabgeordneter ist, die Idee ?°rr»r, an Stelle Löbes allen sachlichen Gesichtsl» fan*? Zuwider Dr. Scholz zu wählen. Der Rein- » pyramidal. Scholz ist für fünf Wochen {jo ^tt)0‘ung5urlaub gegangen. Die Nationalsozia- her?i r r hüben „gut Freude" des von ihnen das F-?Kn Herrn von Stauß im Anschluß an »rulytück folgenden Antrag eingebracht:

Reichstag wolle beschließen, das gesamte Ver- iem i g,er Bank- und Börsenfürsten der seit Stemlifr 1914 zugezogenen Ostjuden und sonstigen toria», alnmi9en, ihrer Familien und Familienange- iuiion bes seit diesem Tage durch Krieg, Revo- "üons- oder Deflationsgewinne erworbenen si"szuwachfes, wird zum Wohle der C|iieian.t9 $es deutschen Volkes entschädigungslos berHin 1 Alle Großbanken einschließlich Ihmf V11?nnten Reichsbank sind unge - ttn." 1 n staatlichen Besitz zu überfllh- .«US. L" also das Privatvermögen dieses eiqn„f '“7” Dankdirektors entschädigungslos ent» die »r en- Dann aber soll auch die Großbank, •tationnTf • unö uach dem Frühstück mit seinen Kumt b^ischen Freunden vertritt, unge-

a a 11 i d) e n Besitz überführt foiqt» Frühstück des Herrn von Stauß M den Kater stunde und er nahm

Hnn„,ttIa9en der Nazi in einem Aufsatz über des neu U1}k wirtschaftspolitischen Aufgaben „T-e sich! . ch^"9?s wie folgt Stellung:

«hte toei"p4t-^en^e Vertrauenskrise kann allerdings | 1 ntlld)e Verschärfung erfahren,.wenn durch

die Anträge politischer Parteien das Privat­eigentum und sonstige private Rechte be­droht werden und wenn diese Beunruhigung durch undurchdachte gesetzgeberische Vorschläge ver­stärkt wird, welche an die Grundlagen der deutschen Kreditwirtschaft rühven und damit an die Grund­pfeiler der Wohlfahrt des Landes und seiner pro- duktiven Stände. Möge nicht vergessen werden, daß verstärkter politischer Einfluß auch verstärkte Verantwortung für alles Unheil in sich schließt, welches schon allein da­durch enfftehen kann, daß solche Anträge vielleicht da oder dort im Inland oder Ausland ernst g e n o m m en werden, obwohl kaum ein einsich­tiger Mensch ihre Verwirklichung für möglich hält."

Herr von Stauß wird mit den Nationalsozia»- listen nicht so bald wieder srühstüa'en. Und in einem Vierteljahr wird jeder Kommerzien­rat, Fabrikbesitzer oder sonstige Wirtschaftsmann von der Vorliebe für den Nationalsozialismus gründlich geheilt sein.

Aus dem Preutzischer Landtag.

Auf der Tagesordnung der Samstags« sitzung des Preußischen Landtags standen zahl­reiche kleine Vorlagen. Bezeichnend für die ge­genwärtige politische Hochspannung war, daß txotz- dem eine sehr erregte Debatte geführt wurde, bei der es zu lärmenden Zusammenstößen zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten kam, so daß der Präsident mit Ordnungsrufen vorgehen und schärfere Maßnahmen androhen mußte. All die Ausschußbeschlüsse zu den einzelnen Anträgen der Fraktionen werden erst am nächsten Dienstag durch Abstimmung endgültig entschieden. Am Samstag begnügte man sich mit der Aussprache über diese Dinge und begann mit einer Debatte über Berg­arbeiterfragen, wobei Sozialdemokraten und Kom­munisten sich um die Durchführung einer wirk­samen Grubenkontrolle stritten. Zu dem tm Aus­schuß abgelehnten deutschnationalen Antrag, keinen Zwang zur Teilnahme an Verfassungsfeiern zu verfügen, erklärte Abg. Schwarzhaupt (D. Vp.), daß seine Freunde zwar den Zwang auch vernein­ten, aber es doch für die grundsätzliche Pflicht der Beamten und Lehrer hielten, an würdigen parteipolitisch neutralen Verfas­sungsfeiern teilzunehmen, weil solche Feiern geeignet seien, die große Differenzen in un­serem Volke überbrüden zu helfen.

Am Montag begann das Haus die erste Be­ratung des neuen Verwaltungsgesetzes Groß- Berlin.

In diesem Zusammenhang ist die Zusam«' mensetzung.des neuen Auswärtigen Ausschusses von Interesse, Der Auswärtige Aus­schuß hat 28 Mitglieder. Davon entfallen auf dis Sozialdemokraten 7, auf die Nationalsozialisten 6, auf die Kommunisten 4, auf das Zentrum 3, auf die Deutschnationalen 2, auf die Deutsche Volkspar­ten 1, auf das Deutsche Landvolk 2, auf die Wirt- schaftspartei 1, auf den Christlich-sozialen Volks­dienst 1, auf die Bayerische Dolkspartei 1. Be« t merkenswert ist, daß infolge der Schlüsselung das Landvolk im Auswärtigen Ausschuß einen Abge­ordneten mehr als die Deutsche Volkspartei hat, obwohl die Landvolkpartei mit Einschluß der Deut­schen Bauern noch um 2 Mitglieder kleiner ist als die Deutsche Dolkspartei.

Botschafter von hoesch beim Reichspräsidenten.

wtb. Berlin, 20. Oft. (Eig. Meldg.). Der Herr Reichspräsident empfing heute den deutschen Botschafter in Paris, Dr. von Hoesch. ; i

5000 Mark Belohnung

für Ermittlung der Urheber der Berliner Ausschreitungen.

Die Pressestelle der Berliner Polizei teilt mit: Die polizeilichen Ermittlungen über die Aus­schreitungen, die am Montag, dem 13. Oktober, in der Leipziger Straße ftattfanben, haben Aw­haltspunkte dafür ergeben, daß es sich um eine wohlorganisierte, unter bestimmter Füh- rung stehende Aktion handelte. Die Tumultanten haben keineswegs in augenblicklicher und spontaner Erregung gehandelt, sondern nach anscheinend sorg­fältig getroffener Verabredung ihre Angriffe gegen seit längerem ausgesuchte Geschäftshäuser gerichtet. Mit Rücksicht auf die Gemeingefährlichkeit der Ex­zesse für die Staatsordnung und das Wirtschasts«- leben hat der Polizeipräsident eine Belohnung von 5000 Mark ausgesetzt. Dieser Betrag ist für An­gaben bestimmt, die zur Ermittlung weiterer Täter . und ihrer Hintermänner führen. . .

nungsfragen 4 (bisher 3), im 4. Ausschuß (Petitionen) 3 (bisher 4). im 5., Hauptgusfchuß, 4 wie bisher, im 6., Steuerausschuß, 4 (bisher 3), im 7., Handelspolitischen Ausschuß, 4 wie bisher, im 8., Volkswirtschaftlichen Aus­schuß, 3 wie bisher, im 9., Sozialpolitischen Ausschuß 4, (bisher 3), im Bevölkerungspolitischen Ausschuß, 3, (bisher 4), im 11 Wohnungsausschuß, 4 (bisher 3), im 12., Bildungsausfchuß 3, bisher 4, im 13. Ausschuß (für. Rechtspflege) 4, (bisher 3)

Ferner im Verkehrsausschuß 4 (bisher 4), im Kriegs» beschädigtenausschuß 4 (bisher 3), im Siedlungsausschuß 4 (wie bisher).

Die ersten Ausschüsse, die in Aktion treten, find der Hauptausschuß, der Auswärtige Ausschuß, der Sozial­politische Ausschuß, und der Handelspolitische Ausschuß. Vorläufig werden für diese Ausschüsse als Vertreter des Zentrums fungieren:

Im Hauptausschuß die Abgeordneten Klöckner, Ersing, Köhler, Perlitius. Im Auswärtigen Ausschuß Kaas, Marx, Ulitzka und als Stellvertreter Becker-Arnsberg, Bell, Joos; im Sozialpolitischen Ausschuß Esser, Teusch, Riesener: im Handelspolitischen Ausschuß Dessauer, Her­mes, Fahrenbrach, Blum. Diesem Ausschuß wird noch der neu in den Reichstag eingetretene Abgeordnete Farny beigegeben, der ein besonderer Sachverständiger in Spezial-Handelsfragen ist.

Auch der Rechtsausschuß wird alsbald gebildet und Vertreter des Zentrums in ihm werden sein die Abge­ordneten Bell, Bockius und Wegmann.

Um allen Zentrumsabgeordneten die Möglichkeit zu geben, in den Ausschüssen vertreten zu sein, ist die Zen- trumsiraktion sich dahin schlüssig geworden, daß zunächst ein Abgeordneter nur in einem Ausschuß tätig sein kann. !