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lirfcbeint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt
Sonntag, 12. Oktober 1930
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im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Berlag '* 2 J w aer Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leiiuno 1152. Fuldaer Aeliendruckerei 1150 und 1151. ::
uld aerZ ertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amkliches Kreisblalk. J
Alonatlich IMeinfchlieyl. Pdftgevüyr (48 Pfg.> ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col.) lokal 0,15 JUt, auswärts 0,20 .JIM'. Rellamezeile: lokal 0,60 JIM, auswärts 0,80 JIM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheck!: Franks. a M. 4051.
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info^lr "^"ntsoldaten haben schon größere
«Brüning aufhängen!"
Hitler und seine „Bonzen" eine zeit- £2Ln ^ren Reden „Köpfe in den Sand rollen" litt mit k u^etl l’c es der Abwechslung halber ( Nr 81/«: m "dufhängen". In einer Versammlung er ol'On»^O,^a^en *n Stuttgart wetterte Pros, nthaler gegen das Leipziger Urteil MW"' folgende Liebenswürdigkeiten von
^ieg Regierung stehe auf dem Boden
I? letftfn« QIt er ^Ertrags und hebe den Willen zur tinre ;6sUnfl'_ Es fei daher die verdammte Pflicht kirrer L e\Pffi3ier5, daß er einen „Dreck" nach ^eichsin/k^^Eu „Führung fragt . . . Tausende ^küchioon ^dngehörige wollten Grüner, „jenem eid- chen a General", nicht mehr länger tzehor-
^xigkeiten beseitigt." 7 " " °
’fenhiiA ^ ^klle, die ja auch gar nicht miß- ng aufhäng^a!"6rtBnte ber Zwischenruf: „Brll- verzeichnet als Echo:
chtcn^ i?oer gebildete Herr Professor fuhr nach Be- „Di- ^?i.esse dann fort:
-n 55r^-^*n>cr^?-n Mittel und Wege finden, um
(treten des Herrn Brüning entge.
• » *
u J™ einer nationalsozialistischen Versammlung teriv x euen Melt in der Hasenheide bei Berlin (eifer s °m F-e>tag abend der Versammlungs- fc.J' daß der als Hauptreferent vorgesehene Dr. fp':.;.;ls nicht erscheinen werde, da den National- tzz »"en bekannt geworden sei, daß die Abteilung Goebbels aus dem Saal heraus verhaften e„Deswegen habe Dr. Goebbels es vorge- l Picht ' °,’5 ?ur Eröffnung des neuen Reichstaa-.- I öffentlich zu sprechen. Desgleichen wür- I die anderen 107 Abgeordneten der Partei lalls nicht mehr öffentlich spreche)!.
H der tage am E. Anwachsen der Zahl der
D-rlstl, 11- Oktober. (Eig. Meld.) Im kzu b-- rückläufigen unterstützten Zahlen
Arbe'tslv ersicherung hat das Heer der ^M^bMlbrtserweröslosen im Monat September eine «« bedeutende Vermehrung erfahren. Nach der sbebuna des deutschen Städtetages wurden in Em Städten über 25000 Einwohner (mit einer ^iamtbevölkemng von 25 Millionen) am 30. ■ Altember 479 000 Wohlfahrtserwerbslose (ohne Familienmitglieder als Zuschlagsempfänger) ge- Mlt Von diesen werden 53 000 als Fürsorge- arbeier beschäftigt. Gegenüber dem Ergebnis des I «onnonats (45000) ist für die genannten Städte
Neubelastung der gemeindlichen Wohlfahrts- 5rtae um weitere 7,6 v. H-, gegenüber dem 31. Dezember 1929 aber eine Verdoppelung der zu betreuenden Erwerbslosen eingetreten. Außerdem erhielten in den Städten über 25 000 Einwohner aa'30, September 52 000 Empfänger von Arbeits- dsenversicherung und Krisenfürsorge lausende Zu>- saxunterstützungen. •
| SszMemokraken für die Notverordnung.
Zeh! besteht mehr realpolitische Einsicht als in den Tagen des Wahlkampfes.
Die sozialdemokratischen Abgeordneten 58 reit« k scheid, Müller und Wels hatten, dem „Vor- K wärts" zufolge, mit dem Reichskanzler eine längere
Unter der Ueberschrift „Was wird werden?" schreibt das Blatt: Die Sozialdemokratie will zunächst den Versuch machen, auf dem Wege der ordentlichen Gesetzgebung diejenigen Bestimmungen ' der Notverordnungen zu beseitigen, gegen die sich der Widerstand der Massen richtet. Diese Haltung M ter Sozialdemokratie bezweckt, den Versuch von e Kommunisten und Nationalsozialisten, ein wüstes | Durcheinander zu schaffen und dadurch den Boden für die Diktatur zu bereiten» zu vereiteln. Die r e st l o s e Aufhebung der nun einmal seit Wochen in Kraft befindlichen Notverordnungen, dhne daß etwas anderes an ihre Stelle gesetzt wird, würde die schwerst? Erschütterung der i öffentlichen F i n a n zen bedeuten. Die Sozialdemokratie wird sich deshalb dafür einsetzen, daß ein Weg beschritten wird, durch-den den Notver- K"*Wttungen die Gift zähn« ausgebrochen werben, ohne daß solche Gefahren auftreten, wie sie durch restlose Aufhebung der Notverordnungen entstehe» müßten. Die Sozialdemokratie wird ver- Mgeti, daß die Notverordnungen in einem Aus- Mß des Reichstages beraten werden, der in fach- fidjer Arbeit Abänderungen vorzunehmen hat.
*
Die Nationalsozialisten wollen bekanntlich einen Mißtrauensantrag gegen das Kabinett Brüning einbringen . Der Völkische Beobachter, der das mitteilt, schreibt dazu: „Wir gedenken der Sozialdemokratischen Partei nichts zu lchenken." Dazu macht der „Vorwärts" folgende ■Bemerkungen, die einige Rückschlüsse auf die Hal- wng der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zulasten:
Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion weiß ohne- t. flnL ■ unter den gegebenen Umständen jederzeit im- nande ist, mit N a t i o n a l s o z i a l i st e n und Kom- J“niHen eine Mehrheit der Negation zu rnn*?' ■ un^ wann sie von dieser Möglichkeit Gebrauch t"aqt, mirb sie selber entscheiden. Die 143 Soziawemo- “®en finb nämlich von ihren Wählern nicht zu dem s ,R den Reichstag geschickt worden, daß sie sich dort 05 Kommando des Adolf Hitler «£® ® kleinen Göbbels begeben sollen.
- er wird es ihnen verdenken, wenn sie jeden g.". alistischen und jeden kommunistischen Antrag darauf untersuchen, welche Art parlamenta- |= «tfjiebung damit beabsichtigt ist.
Üelchslags-veginn.
Wohlfahrtserwerbslosen.
Der nationalsozialistische Sprecher hat sich nicht nur nicht gegen diesen unerhörten Zwischenfall gewandt, sondern er machte vielmehr noch weitere Ausführungen, die die Erregung und den Aufhängungswillen in diesem Kreis von Zuhörern nur noch steigerten. Er fuhr nach den gleichen Presseberichten nunmehr fort:
„Wir haben Beweise dafür, daß Brüning gar nicht die Rettung Deutschlands will u sie auch gar nicht mehr für möglich hält, sondern darauf hinarbeitet, Deutschland in einen b o l s ch e w i st i- schen Norden und einen katholischen S ü- den zu zerschlagen."
Da hat nun also der Herr Professor die Katze aus dem Sock gelassen. Die Zuhörer haben es auch verstanden, und man möchte nur wünschen, daß die Katholiken unter den Nationalsszia- listen es auch verstehen möchten! . . .
Der Aeberbrückungskredtt.
Der Ueberbrückungskredit für das Reich, der von einem Konsortium unter Führung des amerikanischen Bankhauses Lee, Higginson u. Co. gewährt wird, ist, wie der, „58örsen-Courier" berichtet, perfekt geworden, wenn er auch n o ch n i ch t Hör mell uyterzeichnet ist. Der Kredit beläuft sich dem Blatt zufolge auf 125 Millionen Dollar. Die Verzinsung beträgt 4SA Prozent, dazu kommt 1% Prozent Provision p. a. Die Laufzeit ist zwei Jahre, jedoch hat, das Reich das Recht, in der Zwischenzeit zu jedem halbjährlichen Termin zurückzuzahlen und zwar auch teilweise.'Voraussetzung für den Kredit ist die vom Parlament zu beschießende Bildung eines Tilgungsfonds nach früherem Muster.
Neue VraunschtveiMe Geschichte.
Wenn radikale.Parteien «in Land regieren. — Verbot des bisherigen Geschichtslehrbuches in
Braunschweig.
Der braunschweigische Kultusminister Dr. Franzen hat, wie die Blätter aus Braunschweig berichten, das von dem bisherigen sozialdemokratit- schen Kultusminister Sievers für den Geschichtsunterricht in den braunschweigischen Volksschulen eingeführte Geschichtslehrbuch für sämtliche Schulen des Freistaates Braunschweig mit sofortiger Wirkung verboten. In dem entsprechenden Erlaß heißt es u. a.: „Soweit dieses Buch im Besitze der Schulen ist, ist es aus allen Stellen sofort zu entfernen. Den Kindern ist anzuraten, ihr eigenes Buch sofort frei an die Schule abzuliefern. Sofern dies nicht geschieht, ist ihnen das Mitbringen des Buches in die Schule zu verbieten." Der Erlaß beruft sich auf Art. 148 RD und behält sich im übrigen die Einführung eines neuen Geschichtslehrbuches für den Volksunterricht vor. Dem sozialdemokratischen Verlag Rieke und Co. ist, dem „Vorwärts" zufolge, vom Ministerium mitgeteilt worden, daß alle Exemplare des Buches abzuliefern seien.
Welche Vorstellung von der „Geschichte" müssen die Schulkinder bekommen, die bisher ein sozialdemokratisches und in Zukunft ein n a t i o n also z i al i sti sch e s Geschichtsbild in sich aufnehmen sollen. Ja, wenn radikale Parteien ein Land regieren, dann ist es mit den Werten an sich, wie die objektive Darstellung der Geschichte es ist, endgültig vorbei. Wir treiben letzt in eine Karussell-Politik hinein, die vom Külturstandpunkt aus aufs tiefste bedauert werden muß. Je'mehr die Mittelparteien zerstört werden um so schneller wird das Elend des radikalisierten politischen Lebens in die Erscheinung treten.
Was wird Dr. Luther tun?
Falschmeldungen über Erklärungen des Reichsbank- präsidenten.
cnb. Berlin, 11. Oktober. (Eig. Meld.) Verschiedene Blätter behaupten, daß im Zusammenhang mit der am Montag beginnenden Verwaltungsratssitzung der Bank für internationalen Zahlungsausgleich Reichsbankpräsident Dr. Luther Erklärungen über die deutsche Lage abgegeben habe. Andere Meldungen wieder wollen wissen, daß Dr. Luther eine programmatische Rede zu halten beabsichtige. Wie wir erfahren, entbehren alle diese Nachrichten jeder Begründung. Der Reichsbankpräsident hat weder programmatische Erklärungen abgegeben, noch beabsichtigt er, solche abzugeben, da es an jedem Anlaß dazu fehle.
Außenpolitische Umschau.
Ein Gären und Beben geht durch die Welt. Und das gemeinsame Charakteristikum für die blutigen Revolutionen, die augenblicklich in Argentinien, Brasilien, Chile, in Venezuela, Peru und anderwärts im Gange sind, ist die Not.
Es sind Auswirkungen der Weltwirtschaftskrisis, die gegenwärtig die Weltpolitik bestimmen, und diese Weltpolitik wird mit modernen Kampfmitteln, mit Gasbomben, Kanonen und Kriegsschiffen geführt. Die Menschen zerfleischen sich um ihren Anteil am Weltmarkt. Ganz besonders drastisch tritt dieses Kampfziel in Brasilien hervor, wo die politische Revolution in ursächlichem Zusammenhang mit der Revolution auf dem Kaffeemarkt stellt. Taufende und Abertausende von Menschen sehen sich durch diese Entwicklung vor dem Nichts. Der Zorn richtet sich gegen die'herrschenden Regierungen. Und nun sehen wir ein merkwürdiges Bild: Während die eben erwähnten reovulutionä- ren Kämpfe das Ziel haben, die Diktatorenregierungen, die man für die Wirtschaftskrise veranl- - wörtlich macht, zu beseitigen, sehen wir inDeutfch-
Jn der ersten Reihe der Delegierten (als 5. von links) der griechische Ministerpräsident Venizelos.
Feierlich wurde in Athen der erste Balkan kongreß eröffnet, der der Befestigung der wirtschaftlichen und politischen Friedensbeziehungen zwischen den Staaten des Balkans dienen soll.
Die Eröffnung des ersten Valkankongreffes in Athen
land weite Schichten der Bevölkerung in dem Glauben befangen, daß eine faschistische Diktatur das Heil bringen könne!
In England, in Spanien, in Frankreich, ja selbst in Amerika gärt es, und überall sehen wir die Spuren der Wirtschaftskrise.
Wer hätte es jemals gedacht, daß ein so reiches Land wie Amerika derartige Wirtschaftssorgen durchmachen müßte, wie das augenblicklich der Fall ist.
Aber auf eine andere große Gefahr, die heute wohl noch nicht überall in ihrer ganzen schwerwiegenden Bedeutung erkannt wird, muß hingewiesen werden: Das, was jetzt wirtschaftlich in Amerika, in Asien und in großen Tellen Europas vor sich geht, bringt furchtbare Rückwirkungen auf die allgemeine Politik der durch die steigende Verarmung und Proletarisierung betroffenen Länder. Man beobachtet einen wachsenden Haß der unteren Schichten gegen die oberen, eine Radikalisierung, an der mir noch der Bolschewismus in Rußland seine Freude hat.
Und die Folgen der Weltwirtschaftskrise haben des weiteren eine beängstigende Verschärfung in Asien zwischen Schwarz und Weiß und damit einen Konfliktsstoff neu aufgerührt, dessen Entwicklung auch weltpolitisch nicht gleichgültig fein kann. Nimmt man dazu, daß die füdamerikanischen Konflikte ihre Ursache in dem Haß gegen das New Porker 58örfen= und Finanzkapital haben, und hält man daneben, daß m Europa eine tiefe Kluft zwischen der Agrarwirtschaft und dem neuzeitlichen Jndustriealismus sich erhebt, so kommt man auf Gefahrenquellen, die für die Entwicklung der weltpolitischen Sfnge von entscheidender Bedeutung werden können, und die, wie uns die Beispiele so vieler Länder im Augenblick zeigen, letzten Endes nur noch mit Kanonen und Kriegsschiffen aus- getragen werden können.
Und was soll man über Genf sagen? Eine in ihren Ergebnissen unvollkommenere Tagung wie die jetzige, hat es wohl kaum noch gegeben. Wäh- rend die Wirtschaftskrise die ganze Welt in Flammen setzt, hat man dort papierene Resulutionen gefaßt, ohne auch nur zu einer einzigen Tat sich aufzuschwingen. . ■ . t i.
Der Bürgerkrieg in Brasilien.
wtb. Porto Alegre, 11. Okt. (Eig. Meldg.). Die Aufständischen sollen den ganzen Staat Santa Katarina mit Ausnahme der Stadt Floriano- polis besetzt halten. Der Befehlshaber der revo- lutionären Marine fordert in einer Botschaft dis Kriegsschiffe der südlichen Flottenbasis auf, sch der Bewegung anzuschließen.
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wtb. Porto Alegre, 11. Okt. (Eig. Meldg.). 200 Mann Marine-Infanterie sollen sich den Auf- ständischen angeschlossen haben. Auch der Torpedobootzerstörer „Rio Grande" schloß sich bet feiner Ankunft in den Gewässern von Santa Catanna den Aufständischen an. Die Bundesreglerungen von Rio Grande do Norte und von Veara sollen gestürzt worden sein.
Gärung allenthalben auch in dem uns benachbarten Oesterreich. Dort weiß noch niemand, wie die Wahlen ausfallen. Ein Kurswechsel ist im Zuge, der nicht mehr von Schober, sondern von Seipel bestimmt ist. Richtig ist, daß Schobers Amtsführung enttäuscht hat, und daß die am meisten Enttäuschten feine eigenen Freunde und Anhänger sind. Aber ebenso richtig ist, daß sich in Oesterreich gegenwärtig Dinge vorbereiten, deren Entwicklung man nicht gerade mit sonderlichem Behagen zu betrachten vermag. Wir denken da an gewisse Erklärungen der Heimwehrführer, doch muß man immör wieder bedenken, daß in Oesterreich m allen politischen Lagern eine etwas andere Sprache geführt wird, als beispielsweise in Deutschland, und der gegenwärtige Kurswechsel geht bewußt daraufhin, die Sozialdemokratie aus ihrer bisherigen Machtstellung zu verdrängen. Dazu sind aber nur die Christlich-Sozialen fähig, nachdem der Liberalismus in Oesterreich fast vollends zerrieben ist; ein Schicksal, das übrigens mit dem deutschen Liberalismus, wie es die letzten Vorgänge innerhalb der Mittelparteien gezeigt haben, durchaus teilt.
Auch Italien hat gegenwärtig eine Wirtschaftskrise von ganz außerordentlichem Ausmaß durchzumachen. Gerade was jetzt in Italien vorgeht, ist ein Beweis dafür, daß Wirtschaftskrisen mit der Staatsform eines Landes nicht das geringste zu tun haben. Mussolini hat dieser Tage vor aller Welt bekennen müssen, daß er keine Macht und keine Kraft habe, um diese wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu beheben. Er sucht, um der Erhaltung seiner Herrschaft willen und auch feiner eigenen sozialistischen Vergangenheit wegen, zwar die Arbeitnehmerinteressen möglichst zu wahren, aber er hat den Trusten, Syndikaten und Kartellen in letzter Zeit Konzessionen machen müssen, die noch weit über das hinausgehen, was in kapitalistischen Ländern unter anderen Staatssormen gewährt worden ist.
In Frankreich regen sich wieder Stimmungen und lVerstimmungen, die Briand zuleibe gehen wollen, und es scheint in der Tat, daß Poincarä sich mehr und mehr durchsetzt. Selbst Briand's ewig alte und ewig neue Parole: erst Sicherheit, dann Schiedsgericht und dann Abrüstung, hat ihn nicht vor Beschimpfungen schützen können, die ihm nach der Rückkehr von Genf zuteil geworden sind.
Indien.
wtb. Simla, 11. Oktober. (Eig. Meld.) Reuter: Der Dizekönig von Indien hat gestern eine Dev- ordnung erlassen, die den örtlichen Behörden di« Möglichkeit gibt, die Häuser und das bewegliche Eigentum von verbotenen Vereini- gungen zu beschlagnahmen. Hierin wird eine Antwort auf die Absicht des Nationalkongres«- ses gesehen, durch Bildung eigener Schiedsgerichtshöfe den Boykott auch auf das Gebiet der Re chtsp r echung auszudehnen..... • ■’■ - i. ? 3
57 Ghandi-Anhanger verhaftet.
wtb. Bombay, 11. Okt. (Eig. Meldg.). Unten Führung eines Polizeiinspektors und des Dezirks- amtsmanns unternahm eine starke Polizeiabteilung eine, Razzia auf ein Lager von „Freiwilligen des zivilen Ungehorsams", das sich etwa 22 Klm. von der Stadt entfernt befand. Die Polizei verhaftete 57 Personen, darunter drei Frauen, und nahm Besitz von dem Lager.
Die Hindenburg-Reise.
Am Freitagnachmittag brachten die Aachener Turn- und. Sportvereine sowie die Schuljugend dem Reichspräsidenten eine große HuldtgunZ rat Aachener Waldstadion dar, der 20 000. Kischauer beiwohnten. Unter dem Jubel der vieltau end- köpfigen Menge fuhr der Herr Reichspräsident, nach Beendigung der Kundgebung auf der Lauser» bahn um den grünen Plan.
Anschließend b e s i ch t i g t e der Reichspräsident unter Führung des Stiftsprobstes, Wech- bischof Dr. Sträet-er das zungst zur Kathedrale erhobene A a ch e n e r M ü n st e r, m dem die deutschen Kaiser gekrönt wurden.
Am Abend veranstaltete die Stadtverwaltung zu 'Ehren des ReichspräsidentM ein Festmahl.
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wtb. Aachen, 11. Okt. Der Reichspräsident setzte heute vormittag seine Reise durch das befreite Gebiet über Düren un d Euskirchen nach Trier fort.
Besuch in Düren und Euskirchen.
Um 8.17 Uhr traf Samstagmorgen der Z^gdes Reichspräsidenten auf dem Bahnhof in Duren ein, dessen Bahnsteige und Vorplatz mit dichten Menschenmassen angefüllt waren, die dem Reichs Präsidenten begeistert zujubelten, als er den Wagen verließ. Oberbürgermeister Dr. O v erfru e s richtete eine Ansprache an den Reichspräsidenten, M der er ihn als Ehrenbürger der Stadt Düren begrüßte. Nach herzlichen Dankeswo^en für den freundlichen Empfang trug sich der Reichs Präsident in das goldene Buch der Stadt Duren ein und kehrte dann unter brausenden Hochrufen