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lirfd.eml sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen „Die Wett

Samstag, 11. Oktober 1930

-«C im Bild" und „Buchcnblätter". Rotationsdruck und Verlao 2«JV sei Fuldaer Slctiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift.

leituno 1152 Fuldaer Rcliendruckere: 1150 und 1151.

chöningen bei seinem Aus- Hugenbergs sein Mandat

tritt aus der Fraktion

nicht niederqelegt und im Reichstag gegen das Hn- genbersche Volksbegehren gestimmt hat.

denburg für dienstliche Zucht in der Reichswehr.

ae Begnadigung der Almer Offiziere. — Der alle Generalfeld- rschall hat kein Verständnis für die merkwürdige nationalsozia- e Auffassung militärischer Disziplin. — Weder Begnadigung noch Strafmilderung für die Hakenkreuz-Offiziere.

Zig. meldet, den ehemaligen deutschnationalen Reichstagsabgeordneten Schlange-Schönin­gen von der Liste seiner Mitglieder gestrichen. Das Ausschlußverfahren war seit dreiviertel Jahren im Gange, weil Schlange-Schöningen bei seinem Aus-

Die Arbeitsmarktlage im Reich.

Heber 3 Millionen Arbeitsuchende am 30. Sept.

Rach dem Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom 16. bis 30. September 1930 hat f-d) der Rück­gang in der Belastung der Arbeitslosenversiche­rung, der in der ersten Hälfte des September zu beobachten war, in der zweiten Monatshälste noch etwas verstärkt, während im September des Vor- jahres ein ständiges Ansteigen stattfand. Da einer Abnahme der Zahl derHauptunterstüt- z u n g s e m p f ä n g e r: in der Versicherung um über 10000 eine Zunahme der Zahl der Kri­sen unterstützten um knapp 14 000 gegen­übersteht, ist die Belastung beider Unterstüt­zungseinrichtungen mit einer Gesamtzahl von

* Das neue rumänische Kabinett. Wie aus un­terrichteten Kreisen verlautet, hat Mironescu dem König ein Verzeichnis der Mitglieder des neuen Kabinetts vorgelegt, das folgende Namen enthält: Ministerpräsident Mironescu, Auswärti­ges Vaida, Inneres Iunian, Industrie und Handel Ätanoilescu, Verkehr Magdearu oder Mirto. Die übrigen Ministerien behalten ihre bisherige Be- setzung.

rischen Volksparte: zu: Legt eure Kräfte zu­sammen! Bildet eine einheitliche Front! Führt'das Volk der Einigung voran, damit all unsere Energien eiu- strömen können in den Kampf zur Uebertn.inbung> des zerstörenden Radikalismus in unserem Volk, zur poli­tischen Gesundung unseres Vaterlandes.

Hoffentlich erfüllt sich gerade auch in Hinsicht der Einigung zwischen Zentrum und Bayerische rVolkspartei der Wunsch der katholischen Arbeiter. Leider ist auch auf diesem Gebiete wenig Grund zu Optimismus Die mit stark finanzpolitischen Gesichtspunkten be­lasteten bayerischen Ansichten über Förderalismus stehen der auch im Zentrum herzlichst gewünschten Vereinigung stark und nachhaltig hemmend im Wege. ——

Der Wahlkampf in Oesterreich.

Man schreibt uns aus Berlin: , >

Die Verhältnisse in Oesterreich spitzen sich zu. Soweit man aus den nicht immer sehr klaren Rach- Lichten sich ein Bild machen kann, scheint vor ab lem in dem neuen Kabinett selbst alles andere eher als eine einheitliche politische Auffassung zu herrschen. Es ist ja auch keine Kleinigkeit, wenn zwei Ministervosten mit Leuten besetz!, sind, von denen ihre Anhänger nichts weniger aks den Sturz der Verfassung, erwarten. Diese Minister , kann man als Heimwehrführer im Haupt­amt und als Minister mit parteipolitischem Auf­trag ansehen. Der Aktivste unter ihnen ist der Fürst Starhemberg. Er macht aus seinem Herzen keine Mördergrube, sondern -erklärt ganz offen, der Parlamentarismus, das ist die Verfas­sung, habe abgewirtschaftet und nun müsse etwas Neues kommen. Was kommen soll, ist nicht so ganz klar, aber es wird nicht ohne Gewalt abge­hen. Darum sollen zunächst einmal P a b st und Hitler ins Land gelassen werden. Pabst, der ehemalige Teilnehmer am deutschen Kapp-Putsch, hat die Heimwehr in Oesterreich organisiert urw hat sogar, wie eben jetzt enthüllt worden ist, auch bei außenpolitischen Fragen von größ­ter Wichtigkeit seine Hand im Spiel gehabt. Bun­deskanzler Dr. Schober hat seinerzeit Pabst als lä­stigen Ausländer über die Grenze befördern las­sen. Aber jetzt, in einem neuen Kabinett, ist eine Verfügung möglich, die dielen gewerbsmäßigen Aufwiegler wieder ins Land holt. Das läßt auf die Dinge, die zur Zeit in Oesterreich gespielt wer­den, peinliche Rückschlüsse ziehen. Und der gleiche Innenminister Starhemberg will auch das Ein­reiseverbot für den ehemaligen Oesterteicher Hit­ler, das seinerzeit Dr. Seipel veranlaßte, wieder aufheben, um sich und die Heimwehren der verfassungstreuen Hilfe dieses Redners im Wahl­kampf zu versichern: - Selbstverständlich wird Hit- . ler M Oesterreich genau so legal arbeiten, wie wir es in Deutschland bei ihm gewohnt sind. Unter­dessen formieren sich die Parteien zum Kampf. Die Eh r i st l i ch - S o z i a l e n stehen allein und werden es nicht leicht haben. Auch die Hei­matwehren marfchieren getrennt. Ihnen dürften sich die Nationalsozialisten anschließen und es be­darf wohl keiner besonderen Prophetengabe, um vorauszusagen, daß sie erfolgreich sein werden. Es fei denn, daß der unter der Führung Schobers sich bildende Mittelblock so viele Stimmen auf­bringt, wie die Anhänger des gestürzten Kanzlers erwarten. Für alle, die nicht christlich-sozial, nick'" Heimwehr und nicht nationalsozialistisch sind, be­deutet Schober in diesem Augenblick den Retter, den man schon lange erhoffte. Sicherlich verdient er wegen seiner klugen Amtsführung, die auch von gewichtigen Erfolgen begleitet war, viel Sym­pathie. Vielleicht aber werden die österreichischen Sozialdemokraten diesmal das Rennen machen. Sie sind weitaus radikaler gesrnnt, als ihre reichsdeutschen Genossen, und dem Radikalismus dürfte auch an der Donau die Stunde gehören. Auf welcher Seite aber er sich im Ernstfälle stärker gebärden würde, auf der rechten oder auf der lin­ken, das steht dahin.

Was kosten die Parlamente?

Das Regieren kostet Geld. Und zwar sind es nicht nur die Parlamentsgebäude, die zu unterhalten find, die Kosten, die die Drucksachen verursachen, die Gehälter für die Beamten, für Heizung, B^ leuchtung, Reinigung und dergleichen, sondern auch die Abgeordneten kosten Geld. Alles in allem ko­stet der Reichstag jährlich rund 8 Millionen Mark? für die letzten Reichstagswahlen wandte das Re'ch 1,5 Millionen Mark auf, wozu noch der Aufwand der einzelnen Länder kommt für den Druck von Stimm,zetteln und so fort. Ein Sitzungstag des vergangenen Reichstags erforderte über 10 000 Mark an Diäten für die Abgeordneten; 10 000 Mk. — andererseits wieder eine lächerlich kleine Summe, wenn man sie auf die Einwohnerzahl be­zieht. Auf 1000 Einwohner des Reichs berechnet, macht dieser Betrag ganze 16 Pfennige aus. Zie­hen wir zum Vergleich noch einige Länder heran. Ein Sitzungstag des Preußischen Landtags kostet 8800 Mark, ein Sitzunqstag des sächsischen Parla­ments 1785 Mark, des württembergsichen 1500 Mark des badischen 1000 Mark, des oldenburgi- scheu 890 Mk., des Parlaments in Lippe 410 Mk., in Hessen 350 Mark und in Braunschweig 245 Mk. Das preußische Parlament erfordert demnach un­ter den deutschen Landesparlamenten den größten Aufwand, was sich ja daraus erklärt, daß Preußen der größte deutsche Freistaat ist. Bezieht man die Ausgaben für die Parlamente auf die Bevölke­rung, so hat Preußen nicht das teuerste, sondern das'billigste Parlament der deutschen Länder. Man kann sagen: je kleiner ein Land, um so grö­ßer sind die Parlamentskosten im Verhältnis; je größer das Land, um fo geringer sind die Kosten. So kommt ein Arbeitstag des preußischen Parla­ments— auf 1000 Einwohner berechnet — auf nur 23 Pfennige, während die entsprechenden Zah­len für die anderen Länder folgende sind: Helsen 27 Pfennige, Sachsen 35 Pfennige, Baden 45 Pfen­nige, Braunschweig 49 Pfennige, Württemberg 58

Reichshaushalt für 1931, das u. a, auch die Erinach- tigung zur Aufnahme des Ueberbrückungskredits enthalten wird.

* Schlange-Schöningen aus dem Stahlhelm ausgeschlossen. Der Stahlhelm hat, wie die- Fkrst.

Besuch in Aachen.

Regierungspräsident Sfielet begrüßt den Reichs­präsidenten. — Stürmische Kundgebungen der

Aachener für Hindenburg.

mb. Aachen, 10. Oft. (Gig. Meldg.). Reichs- nräftbent von Hindenburg traf in Begleitung des Staatssekretärs Dr. Meißner heute vormittag um 10.16 Uhr auf dem Hauptbahnhof in Aachen em j; sich zu seiner Begrüßung der Oberpräsident s der Rheinprooinz Dr. Fuchs, Regierungspräsident 8tieler-Aachen, Oberbürgermeister Dr. Rom- bach-Aachen und andere hohe Beamte eingesun- dcn halten. Beim Erscheinen des Reichspräsiden­ten auf der Straße schallten nicht endenwollende Hochrufe. Die mit Flaggen und' Blumen ge­schmückten Straßen waren von dichten Volksmen­gen umsäumt. Die Fahrt ging zunächst zur Tech­nischen Hochschule, wo der Rektor der Hochschule, Prof. Dr. ing. Rötscher den Reichspräsidenten be­grüßte. Kurz nach 11 Uhr traf der Reichspräsident mit feiner Begleitung vor dem Aachener Rathaus, der altehrwürdigen Kaiserpfalz, ein, wo eine fest- i liche Versammlung im historischen Kaisersaal das greife Reichsoberhaupt erwartete. Regierungs­präsident Stieler (unser geschätzter Fuldaer Landsmann) betrat das Rednerpodium und be­grüßte den Reichspräsidenten mit einer Ansprache, in der er u. tt. sagte: Es ist mir außerordentliche Ehrung, Ihnen, hochverehrter Herr Reichspräsi­dent, Willkommensgruß der Bevölkerung des Aachener Landes hier an historischer Stelle ent»

1 9660Y0 Ende September nur um wenig h ö- h e r aj s Mitte des Monats. Hiervon ent­fallen .annähernd 1 494 000 auf die Arbeitslosen­versicherung, über 472 000 auf die Krisenunterstüt- zung. . ' -

An verfügbaren Arbeitssuchenden waren bei den Arbeitsämtern am 30. Sep­tember rund 3 088 000 gemeldet. Die Zahl der Arbeitslosen, die nach Abzug der noch in Stel­lung in Notstandsarbeit befindlick)en Arbeitssu­chenden aus rund 3 030 000 anzusetzen ist, hat ge­genüber dem letztey Bericht um rund 47Ö00 zuge- nomriten; wie immer, ist in dieser Zahl sowohl die normale Fluktuation des Marktes wie ein ge­wisser Bestandteil an Erwerbsbeschränkten einge- schlossen.

Im ganzen hat sich die Welle der wachsen­den Arbeitslosigkeit nicht rn.it der­selben Kraft weiter v e r st ä r k t wie im vorigen Berichtsabschnitt. Die Ursachen, die hierzu beigeträ'gen haben, sind in der Hauptsache der Be­darf für die Hackfruchternte, stärkere Beschäftigung im Bekleidungs- und zum Teil auch im Spinn- stosfgewerbe, saisonmäßige Belebung in verschie­denen Zweigen des Nahrungsmittelgewerbes, schließlich Auswirkungen des Arbeitsbeschaffungs- prograßims der Reichsregierung.

Die katholischen Arbeitervereine zur tage.

Der Vorstand des Reichsverbandes katholischer Arbeiter- und Arbeiterinnenvereine Deutschlands hat in feiner Sitzung vom 9. Oktober im Ketteler- haus zu Köln zur gegenwärtigen Lage unseres Staats- und Wirtschaftslebens Stellung genom­men und seine Auffassung in nachstehender Ent­schließung festgelegt:

1. In Uebereinftimmung mit all denjenigen, die diese Notzeit weiter Volkskreise mit offenen Augen und füh­lendem Herzen durchleben, sehen wir unser deutsches Volk und seinen Staat auf das schwerste gefährdet. Wird den radikalen Bewegungen rechts und links kein Einhalt geboten, so treiben sie auf einen Weg, aus dem es keine Ueberwindung der Wirtschaftskrise und keine Ge­sundung.des Staatslehens, sondern nur Zerrüt tun g undZusamrnenbruch neben kann. Diese ver­hängnisvollen Bestrebungen gilt unser Kampf allerorts, um des Volkes willen.

2. In diesen Tagen der Unsicherheit und gefährlicher Spannungen sehen wir eine Reichsregierung, die in einem umfassenden Notprogramm das Werk der Wie­dergesundung unserer öffentlichen Verhältnisse mutig in Angriff genommen ho» Wir stehen zu diesem Rettungswerk. Wir anerkennen den entschlossenen Willen dieser Regierung. Ihre Maßnahmen sind hart, sie fordern von allen Aok»--'-'-.' m' ^vfer.

Diese Opfer müssen gebracht werden, um das Ganze zu retten.

3. Im Namen von Hunderttausenden von Arbeitern und ihren Familien sprechen wir aus: Eine in Wahrheit führende Regierung wird in ihrem verantwor­tungsbewußten Vorgehen vom Volke verstanden werden. Wir haben das Vertrauen zu ihr, daß sie bei aller Strenge ihrer Entschlüsse unverwandt als Kern und als Ziel im Auge behält: soziale Gerechtigkeit, A ufrechte rhaltung notwendiger sozialer Sicherungen, wie überhaupt den Schutz der Fa­milien, der breiten Massen. Die Erweiterung des Regierungsprogrammes wird in der rücksichtslosen An­wendung jener Vollmachten gesehen werden müssen, die der Reichsregierung gegeben sind, um wirkungsvolle Preissenkungen herbeizuführen und damit die Lebenshaltung erträglich zu machen.

4. Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß die Reichsregierung, wenn die heroischen Anstrengungen der Nation die Ueberlasiung infolge der Verpflichtungen ge­genüber Gläubigerstaaten einwandfrei erwiesen haben, unverzüglich und mit geeigneten Mitteln eine Herab­minderung dieser La st en herbeiführen wird.

5. Angesichts des erschütternden Zerfalls, der sich in bürgertidien Mittelparteien vollzieht, erscheint uns die stärkste Konzentration der politischen Kräfte im gesun­den Kern der deutschen Mittesparteien unweigerlich ge­boten. Hier geht es um die Zusammenfassung der politischen Kräfte der deutschen Ka­tholiken, Heute, haben sie vor dem Lande den Tat- beroeis gesammelter Kraft für Staat und Volk' zu offen­baren.

Wtr katholischen Arbeiteroerbände rufen den Parteien und Fraktionen des Zentrums und der Baye -

Der Herr Reichspräsident hat das von einem Verteidiger der drei vorn Reichsgericht verur- jtten Reich-wehroffiziere an ihn gerichtete, in der „sie veröffentlichte Gesuch um Begnadigung mit C, Begründung abschlägig beschieden, daß die Not- | Endigkeit, gerade in politisch bewegter Zeit dienst­liche ßuchl und Unterordnung in der Reichswehr Erschüttert aufrecht zu erhalten, die gnadenweise , «Medung des Urteils — und — wenigstens zur Zeit — auch eine Milderung der Strafe n i cht zu-

MaerZertung

Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches kreisblatl.

* Dr. Lohmeyer wieder zum Oberbürgermeister von Königsberg gewählt. In der Stadtverordne- aung am Mittwoch stand als Hauptpunkt die eines Oberbürgermeisters auf der Tagesord­nung. Ein von den Deutschnationalen gestellter Antrag, die Wahl wegen ungenügender Vorberei­tung zu vertagen, wurde mit überwiegender Mehr­heit abgelehnt. Bei der Wahl wurde Dr. Loh­meyer auf die Dauer von 12 Jahren wiedergewählt. Die Kommunisten hatten als Gegenkandidat Stu­dienrat Dr. Ausländer-Berlin aufgestellt. Zu dem von verschiedenen Seiten eingebrachten Antrag auf Neufestsetzung bezw. Herabsetzung des Gehalts des Oberbürgermeisters, der bisher 35 000 Rm. bezog, wurde von der Deutschen Volkspartei und den So­zialdemokraten ein Antrag angenommen, die Reichsregierung zu ersuchen/ bei der beabsichtigten Herabsetzung der Ministergehälter usw. allgemeine Bestimmungen über Herabsetzung der G e - hält er der M a g i st r a t s d i'r i g e n t e n und Magistratsmitglieder in allen deutschen Städten sowie der Direktoren der städtischen Gesell­schaften zu treffen.

* Konferenz der deutschen und französischen Kommunisten-Fraktjon. Die Pariser kommunistische Humanste berichtet, daß eine Konferenz der kom­munistischen Fraktionen des deutschen Rei­ches und der französischen Kammer stattge­funden habe. Im Verlaufe dieser Konferenz soll ein gemeinsamer Kampf der beiden Fraktionen gegen den Youngplan be- schlossen worden sein.

* Der große faschistische Rat hat, wie aus Rom gemeldet wird, sich dafür ausgesprochen, die Todesstrafe zur Bekämpfung von Verbrechen gegen die Sicherheit des Staates und für gemeine Verbrechen besonders schwerer Art in das Strafgesetzbuch einzuführen.

* Flucht eines Sowjelbeamlen aus Rußland. Die Polnische Telegraphenagentur meldet aus Wilna: An der polnisch-jowjetrujsischen Grenze, im Grenzabschnitt Rakow- Iwienlce, ist der sow­jetrussische Leiter des Kamaysker Rayons W Di- rettom in einem Privatauto auf polnischem Terri­torium anaetommen. Den polmhih’n Grenzbehör­den erklärte er, daß er bereits seit längerer Zelt sich von der G. P. U. bedroht fühle. Gegen tetne Person sei ein Att-ntat doibereitet » erben, Da es dem G. P. U.-Agenten nicht gelungen fei, ihn nnhemerkt aus dem Leben zu schaffen, fei er wegen konterrevolutionärer Tätigkeit gngeklagt worden und fo .gezwungen gewesen, nach Polen zu flüchten. ' ■ • •

Das Ergebnis der Wahl in Finnland.

Nach dem endgültigen Wahlergebnisse haben in Finnland die Kommunisten ihre sämtliche Mandate verloren, während die nationale Sammlungspartei 14 Sitze und die Sozialdemo­kraten 7, Sitze gewonnen haben. Das Wahlergeb­nis bedeutet eine merkliche Stärkung der bürgerlichen Parteien, die mit 134 Ab­geordneten eine Zwei-Drittel-Mehrheit haben, mit der die verfassungsändernden antikommunistischen Gesetze nunmehr durchgeführt werden können.

bieten zu können. Ihr Besuch fällt leider in eine Zeit befonders schwieriger politischer und wirtschaft­licher Verhältnisse Deutschlands. Die große wirt­schaftliche Depression mit ihren schweren wirtschaft­lichen und sozialen Folgen hat auch das Aachener Land schwer getroffen, um fo empfindlicher getrof­fen, als das Aachener Wirtschaftsgebiet sich noch Nicht von den schweren Folgen der jahrelangen Besetzung und des Versailler Vertrages erholt hat. Die Voraussetzungen für die Ueberwindung schwer­ster Zeit waren Opfermut, Vertrauen und Einigkeit. Sie, Herr Reichspräsident, gaben und geben diesem Volke das schönste Beispiel. Möge unser gemeinsamer Vater im Himmel dieses Beispiel über reli­giöse Spaltung, politische Wirrnisse und soziale Zerklüftung hinweg segnen zum Wohle von Staat und Volk! Nachdem der Beifall verklungen war, er­griff der Oberbürgermeister der Stadt Aachen, Dr. Rombach das Wort zu feiner Begrüßungsansprache

Nach Ueberreichung des Ehrenbürgerbriefes be­gab sich Reichspräsident von Hindenburg zum Rednerpult, um mit herzlichen Worten, oft von Beifall unterbrochen, für die begeisterte Ausnahme zu danken. Das Deutschlandlied beschloß die Feier. Immer wieder ertönten Hochrufe aus der Ver­sammlung, als der Reichspräsident hierauf . den Festsaal verließ, um sich noch einmal von der Balustrade des Rathauses aus der Menschen­menge zu zeigen. Nach einem Dankeswort an die vereinigten Aachener Sängerchöre bestieg sodann der Reichspräsident unter dem Kreuzfeuer der Photographen und Kinooperateure seinen Wagen, um nochmals eine Rundfahrt durch die Stadt anzutreten. Die Absperrung hatte Mühe, die be­geisterten Menschenmassen zurückzuhalten.

*

wtb. Aachen, 10. Oft. (Eig. Meld.) Nach der Feier im Rathaus setzte der Reichspräsident mit seiner Begleitung die Fahrt nach dern Kär- h a u s fort, wo Regierungspräsident Stieler zu Ehren des hohen Gastes einFrühstück in kleinern Kreise gab.

Schwierigkeiten für Currins.

Man braucht nicht zu verschweigen, daß die Stellung des Reichsaußenministers Dr. Curtius erschüttert ist. Gerade er wird im kommen­den Reichstag einen besonders schweren Stand Haden. Gegen seine außenpolitischen Methoden wenden sich nicht nur die Oppositionsparteien, also die Kommunisten (aus Prinzip!), die Nationalso- Wlisten und die Deutschnationalen, sondern auch die gemäßigten Rechtsgruppen, die mehr ober ntinber lotfer mit der Regierung verbunden sind. Am schärfsten ist der Widerstand in diesen Kreisen wohl bei der Christ! -national. Bauern- u. Landvolk- pa™'. "der auch der Christlich-soziale Volksdienst und die kleineren Gruppen im Rechtslager dürf- ten bei einem etwaigen Mißtrauensvotum gegen otn Reichsaußenminister stimmen. Das gleiche gilt *ur die Wirtfchaftspartei.

. Sn feiner eigenen Fraktion hat Dr. Curtius venfalls wachsende Schwierigkeiten. Diese beru» weniger auf sachlichen, als auf per« nm' Gegensätzlichkeiten. Insbesondere hat n ihm auch verdacht, daß er sich in Baden auf Sw. ^meinsame Liste zwischen der Deut! Qe!ofi5Parte’ un& der Deutschen Vvlkspartei ein« bie 'E$n diesem Zufammenhange dürfte iunah 39 nachmittag stattfindende Fractwn | Ly? °er Deutschen Volkspartei eine erhebliche Be- rechnJ^ Jüdinnen. Man muß jedenfalls damit votum • $ ®r- Curtius bei einem Mißtrauens- 3ie (r Reichstage in der Minderheit bleibt.

.‘■jngung eines solchen Mißtrauensvotums

L. "'cht auf sich warten lassen.

sters-n.,?er* die Lage des Reichsaußenmini-

■ fy- ?"ch dadurch, daß der einzige greifbare Er- < tog s°en er aus (Senf mitbringen konnte, ihm jetzt | |jf Q ®r. ^nd geschlagen worden ist, nachdem der k tütfoeir’ ♦ ch e Außenmini st er Zaunius zu- die rVk n "Nb dadurch die Vereinbarung über i piflenfrf11'^^e Durchführung der Memelwahlen schlick hinfällig geworden ist. Bei den Nbriaev" Meinungsverschiedenheiten dreht es sich ÜRgJl/"3. weniger um die Frage, ob jekt sofort ein MtVellNeb ^tlcirt werden soll. Man ist fi I eine fei* Kabinett darüber einig geworden, daß Nachdem erst in Frage kommen kann,

«Fnfcii 31eytfdilanb den ernsthaften und erfolg- 3en in'vE^ch gemacht hat, seine Finan- Linie hn s & n u n 9 3 u bringen. In erster ^nheitpn x ..es frf) wohl um Meinungsoerschie- ■EBeftr-i” darüber, welche Linie künftig bei der einaelmi» E deutschen Interessen im Ausland | werden soll.

MitiM??^ ?ch. "icht leugnen, daß jede personal- L toättiopn g/schiitterung des Kabinetts im gegen* öennsiniy . genblick, gleichgültig ob sie das Au-

'er>.um oder sonst ein Ministerium betrifft, hirta ffl«, Agenden Folgen für die Gesamtregie­ff ,ugren kann.

j. Durchführung des Sanierungsplanes. U"°NMa»^Klührung des Wirtschafts- und Fi- iufolge >.:* n,r Reichsregierung ist, den Blättern : ~erabtoi„h,. U5arb<itun‘g und parlamentarische | der Don. 30 Gesetzen erforderlich. Mit

l»e*d)5rat J1 dieser Gesetze, die, bevor sie dem fpabinett °em ..Reichstag zugehen, noch das Wchöftiat müssen, ist man gegenwärtig he»

■un erster Stelle steht das Gefetz für den

Monatlich 1,80 einschließl. Postgebühr.,48 Pfg.> ohne 3uftellg.

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