Rosenkranz-Königin.
Ewigen Gnadenkranzes Königin, Fünfzig Rosen duften deine Freude, Fünfzig 2k>e singen ihr Geläute Durch die weite, Helle Erde hin.
Und du wandelst durch ihr weißes Licht Mit dem Himmelskind auf Mutterarmen.
Freude spendend, göttliches Erbarmen, Neigst du hold dein seliges Gesicht.
Doch dann schreitest du zum Schmerzenstor In des Leides dunklen Rosengarten, Wo die scharfen, spitzen Dornen warten.
Und des Sohnes Kreuz steigt steil empor;
Vis ihn feiger Auferstehung Glanz In das Leuchten hebt der Lichteswelle, Die bis zu der hohen Himmelsschwelle Schlingt der golden Rosen Glortenkranz.
Königin in Jubel und in Leid,
Königin in Erd- und Himmelssphären, Hundertfünfzig Rosen dir zu Ehren Sind zu ewig blüh'ndem Kranz gereiht.
Martha Große.
Meiner Mutter Rosenkranz.
» Leise, ehrfurchtsvoll gleiten meine Hände über die einfachen Perlen — meiner toten Mutter Rosenkranz. Wie eine heilige Feierstunde kommt es jedesmal über
mich ,und nur zitternd halte ich das heilige Vermächtnis in Händen.
Wie oft sah ich die lieben Hände ihn halten in gesunden und kranken Tagen, abends beim Lampenschein, wenn wir alle um den runden Tisch saßen, du vor dem großen Flickkorb, wenn wir dir dann alle Tagesneuigkeiten erzählt hatten, dann nahmst, du die Brille ab, und durch die Hände, die nie stillestanden, die immer schafften, immer sorgten, rollten leise, ganz leise die dunklen dicken Perlen.
Später, als dein Leiden dich zwang, Sonntags dem Gottesdienste fernzubleiben, war er dein treuer Freund, dein Trost in allen Leidensstunden. Und dann kam ein Tag, ein wundervoller Frühlingstag. Draußen in unserem Garten sang die Amsel, da sah ich ihn zuletzt in deinen Händen, die von Blumen fast verdeckt. — Andere große Blumenkränze lagen dir zur Seite, deine gütigen Augen waren geschlossen, das goldene Tor des Kinderparadieses war still, aber fest zugefallen — verschlossen. Totenstille im Raume. Auf deiner Stirne lag die Majestät des Todes — doch deine nimmermüden Hände, die wie zum Schlaf gefallen, hielten den Rosenkranz.
Weich und schmiegsam lag er um die müden, feinen Hände. Ich stand lange, lange an deinem Sarge, dachte, daß du nun wohl ausruhest von allen Mühen — daß du hinübergegangen in das Reich deiner Sehnsucht, in die Heimat von uns allen. Und da wars mir, als ob deine Hände, die im Leben nie etwas für sich behalten, die so groß im Geben, so eilig im Schenken waren, als ob deine lieben Hände mir den Rosenkranz hingehalten und du mir gesagt: „Da, nimm ihn, als Letztes, und nimm ihn mit, wenn du einmal scheiden mußt!"
Anna Moll.
Wir Frauen und die Politik.
Trotz der Ueberschrist will ich eigentlich gar nicht von politischen Dingen sprechen. Es soll eine unpolitische Antwort sein auf einen sehr politischen Brief, den ich kurz nach den Wahlen erhielt und der mich tief erschütterte. In diesem Brief hielt eine liebe, alte Freundin Abrechnung mit der Regierung, mit den Regierungsparteien, vor allem mit dem Zentrum. Immer sehr rechts stehend, war sie nun zur äußersten Rechte übergegangen. Sie hatte durch die Inflation ein ziemlich beträchtliches Vermögen verloren und war dadurch gezwungen worden — mit schon stark geschwächter Gesundheit —, erneut in den Kampf des Daseins einzu- treten. Der Brief floß über von Erbitterung, ich möchte fast sagen: von Haß. Sicher ist das kein Einzelfall, und so rechtfertigt es sich, daß ich meine Gedanken darüber öffentlich ausspreche.
Ich kann dem Brief nur eine Antwort entgegensetzen, das Goethewort: „Nicht mitzuhasfen, mitzulieb en bin ich da!" Wir Frauen dürfen diese Sprache nicht reden; wir dürfen keinen Haß in uns nähren, wenn wir nicht unser Bestes verlieren wollen. In diesem Brief waren die seelische Haltung und der Ton, die aus manchen Zeitungen, Werbeschriften, Flugblättern klangen. Ich habe Blätter in die Hand bekommen, die waren auf einen Ton gestimmt, der uns Frauen das Lesen unmöglich machen sollte, selbst wenn wir die dort vertretenen Ansichten teilten. Es ist unser nicht würdig, den Gegner herabzuzerren, ihn zu verdächtigen, ihm niedrige Gesinnung zu unterschieben, einzelne Vorkommnisse aufzubauschen und zu verallgemeinern, jene gute Absicht wegzuleugnen. Wir Frauen sollten, soviel wir können, Unstimmigkeiten ausgleichen. Streit schlichten, Streitende versöhnen; wir müssen helfen, lindern, heilen; wir müssen auch leiden können, ohne in Haß zu versinken. Wenn wir in der Zukunft das reichste und äußerlich glücklichste Volk der Welt würden und wir, besonders wir Frauen, hätten darüber die Liebe verloren, so wäre der Ausstieg des Vaterlandes, den wir alle so heiß ersehnen, zu teuer erkauft.
Ein Zweites: Es ist nicht richtig, wenn wir Welt und Leben nur vom wirtschaftlichen Standpunkte beurteilen. Wir katholische Frauen, besser gesagt: wir christliche Frauen überhaupt, sind „Bürger zweier Welte n." Wir Frauen sind das in noch viel höherem Sinne als der Mann. Wenn man uns das Jenseitige, das Ueberweltliche nähme, wir ständen ganz und gar entwurzelt. Von da empfangen wir unsere Orientierung; von da strömt unsere Kraft. Wir leben dieses gegenwärtige Leben, wir lieben es; wir schaffen und bauen für unsere Zeit, für unser Volk, für fein Wohlergehen und feine Kultur. Aber das alles ist nicht das einzige. In uns ist noch ein anderes Leben, ein reiches, flutendes Leben, das uns genau so wirklich, wenn nicht noch wirklicher und greifbarer ist als alle Fragen des Tages, der Politik, der Wirtschaft, des Diesseits: Wir katholische Frauen wurzeln in Gott. Ihm müssen wir leben, ihn auswirken in all unserem Tun, auch in der Politik. Andere mögen all die Fragen, um die es sich handelt, nur vom politischen, vom wirtschafts- und steuerpolitischen Standpunkt sehen: wir sehen alles auf dem Hintergründe einer weiteren Welt, lieber unserem Denken und Tun leuchten die ewigen Sterne.
Aber erkennen wir denn bei unserer Jenseitsorientierung überhaupt die Not unserer Zeit, die Not des einzelnen, schwer ringenden und barbenben Menschen, bie Not ber Jugendlichen, der Erwerbslosen, der kinderreichen Familien? Die Not, die in tausend Gestalten sich an uns drängt? Ganz sicher sehen wir sie. Wie wenig müßten wir Nachfolger unseres Meisters sein, wenn wir unseren Blick abkehren wollten von dem furchtbaren Leid, das auf unserem Volke lastet! Könnte man das Leid beheben, unter dem einzelne Menschen und einzelne Schichten so furchtbar seufzen! D a helfen keine Versprechungen, die nachher gar nicht einzuIösen sind. Ein Heer von Arbeitslosen schreit nach Brot. Dieses Schicksal liegt nicht nur auf uns; es liegt auf allen Industriestaaten ber Welt. Wenn auch nur notdürftig geholfen werden soll, so geht es nicht, ohne daß anderen Kreisen Steuern aufgelegt werden. Ohne Opfer, die alle bringen, ist keine Lösungmöglich. Wir dürfen uns nicht täuschen: freiwillig bringen die Menschen diese Opfer nicht. Wenn wir das Christentum voll und ganz verstanden hätten, bann wären — vielleicht — solche Härten zu vermeiden.
Wir müssen mehr und mehr suchen, die Dinge im Zusammenhang zu sehen, besonders wir Frauen, die wir von Natur dazu neigen, im einzelnen stecken zu bleiben. Je weiter ber Blick wird, um so klarer und unverständlicher wird alles, und die Erbitterung weicht. Gegen ein Leid, das uns. bie Notwen- bigfeit auferlegt, bas nicht von der'Kurzsichtigkeit oder gar der Bosheit einzelner Menschen uns, gerade uns, zugernesien ist, können wir nicht Sturm laufen. Auch diese Not soll uns läutern und nicht sittlich verderben. Und sicher finden wir eher den Weg zum Lichte, wenn wir besonnen und kühl bleiben, als wenn wir unseren Sinn von Leidenschaften umbüftern lassen. Eines ist sicher: wir Frauen haben hier eine Mission zu erfüllen. Wir können Del ins Feuer gießen; wir können aber auch lohende Flammen ersticken. Von jedem unserer Worte geht Segen oder Unsegen aus. Sorgen wir, daß es nur Segen, Siebe, Friede sei.
Gertrude Schultheis.
Versprechen.
Von Dina (Ern ft berge r, Neunkirchen am Brand.
„Mutti, ich bin fertig. Darf ich nun mit spazieren?" „Heute nicht. Ich kann dich nicht dabei brauchen." „Aber du hast mir’s doch fest versprochen, daß ich mit darf, wenn ich meine Aufgabe richtig fertig mache."
„Schon, aber es geht eben einfach heute nicht. Das Nächstemvl."
Der Kleinen rinnen die Tränen aus den Augen. Sie hatte sich so sehr auf den Spaziergang gefreut, und nun hielt Mutti ihr Versprechen nicht. Sie hatte gelogen; — dasselbe getan wie sie, als sie der Mutter versprach in die Kirche zu gehen, während sie zur Freundin lief. In dem jungen Herzchen bricht etwas zusammen. Dumme Mutter, siehst du denn nicht ein, welchen Schaden du im Herzen deines Kindes anrichtest, wenn du dein gegebenes Versprechen nicht hältst?— Versprechen verpflichtet, gegen jedermann, am meisten gegen das Kind. Du predigst deinem Kinde fortgesetzt über die Häßlichkeit der Lüge; be
strafst es, wenn du es daraus ertappst, und dann lügst du selbst; — belügst dein Kind! Welche Verheerungen'muß diese Erkenntnis in der jungen Seele anrichten? — Die Mutter ist ihm das Höchste, Heiligste, Unantastbare, und die Lüge gilt als etwas ganz Häßliches bei ber Mutter; — nun aber lügt sie selbst. —
Jebe Mutter sollte sich hüten, ihrem Kinde Versprechungen zu geben, wenn sie dieselben nicht halten will und kann. Das Kind folgt dem Beispiel ber Mutter. Wenn sie lügt, bann glaubt auch ihr Kinb das tun zu dürfen; und wenn sie ihr Versprechen nicht hält, bann fühlt sich auch ihr Kinb nicht bazu verpflichtet. Mutter fein heißt mehr, als Mutter heißen. Gedankenlos, ohne jedes Opfer ber Selbstzucht unb Entsagung, kann man bas große Werk ber Kindererziehung nicht richtig vollbringen. Jede Mutter muß sich dieser Aufgabe, bewußt fein. Wahrheit muß das Kind vor allem bei der Mutter finden und dazu gehört vor allem, daß sie das gegebene Versprechen hält. Es ist ja wohl recht bequem, bie kleine Ungebulb schnell mit irgenbeinem schönen Versprechen zu beruhigen, ohne zu bebenten, biefes Versprechen auch halten zu wollen.
Ganz abgesehen bavon, baß bas Kind ein gegebenes Versprechen nicht vergißt, unb zu geeigneter Zeit kommt, es anzufordern, lockert solche Handlungsweise gewaltig den Eckpfeiler guter Kindererziehung und wenn sich dieses oft wiederholt, bricht eben einfach der ganze Bau zusammen. Mit dem Glauben an die Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit der Mutter bricht in der jungen Kinberfeele das Beste zusammen.
Man sollte mit Versprechungen vorsichtiger fein. Auch im Verkehr mit anderen. — Es wirst niemals ein gutes Licht auf den Charakter, wenn man nicht hält, was man verspricht. Ehrenvolle Menschen taxieren uns danach minderwertig, unzuverlässig, unwahr; sie ziehen sich von uns zurück. Diese Maulhelden, bie bei jeder Kleinigkeit hoch unb heilig beteuern: „Ich versichere Sie, es ist so", — „ich verspreche Ihnen felsenfest, daß ich ex tue"; — „ich gebe Ihnen mein heiliges Ehrenwort, Sie können sich auf mich verlassen". — bas sind nicht immer die Zuverlässigen. Es ist oft, als wollten sie mit diesen wortreichen Beteuerungen ihre tatenlose Unzuverlässigkeit verdecken.
Und wer nun gar mit dem Ehrenwort so herumwirst, unb es bei jeber geringen Kleinigkeit in bie Wagschale wirst, ber gibt bamit noch lange nicht bie Versicherung, baß man ihm so fest vertrauen bars, ^ebenfalls hat er keinen Begriff von ber Heiligkeit des Ehrenwortes, sonst würde er es nicht so leichtsinnig geben. Wegen Geringfügigkeiten darf es überhaupt nicht gegeben werden.
Der ernste, charaktervolle Mann gebraucht fein Ehrenwort nur äußerst selten unb dann nur in schwierigen Fällen.
Frauen sollten diese Art der Versicherungen überhaupt nicht gebrauchen. Die Frau der Vergangenheit kannte dies nicht.
Nichts macht die Menschen verärgerter, als wenn sie sich auf die Erfüllung eines gegebenen Versprechens gefreut haben und dasselbe unerfüllt blieb.
Ob Kind ober Erwachsene, bie Wirkung ist bie gleiche; Menschen, die nicht halten, was sie versprechen, sinken rasch im Wert. Merken wir uns dies! —
Besonders die Mütter sollten dies beherzigen.
Mädchenschutz.
Wer kennt nicht die gelbweiße Schleife der katholischen Bahnhofsmission, bie uns heute auf allen größeren Bahnhöfen entgegenleuchtet? Gar fo alt ist sie noch nicht in unferm VerkehrsdUb. (Eben 25 Jahre finb verflossen, feit sich bie katholischen Mädchenschutzoereine, bie Träger der katholischen Bahnhofsnnffion, zu einem Nationaloerband Zusammenschlüssen. In dem Jahrzehnt vorher waren selbständig in den verschiedenen Gegenden Deutschlands einige Gruppen entstanden, in München, Freiburg, Straßburg, Frankfurt, Mainz, Köln usw., überall geprägt von starken, opferwilligen Persönlichkeiten, von lokaler Bedingtheit der Arbeitsgebiete. Namen wie Gräfin Preysing, Luise F o g t, Frau Ieanne Trimborn, Frau Marie Kuenz« r, Frau Bontant-Klehe, Prälat Werthmann, Prälat Müller-Simonis begegnen uns in den verstreuten Chronikblättern des Verbandes, die nun in einer Festnummer ber Zeitschrift „Mädchenschutz" (Freiburg i. Br.) zusammengetragen wurden. Wir vergessen allzuleicht, vor welcher Fülle von Arbeit und Schwierigkeiten bie Bahnbrecherinnen bes Mädchenschutzes standen, ber heute als ein wohlorganisiertes Netz von Hilfs- unb Beratungsstellen, von Heimen unb Unterfunftsftätten bastelst, getragen von ehrenamtlichen unb beruflichen Kräften, in reger Zusammenarbeit mit Berufsorganisationen unb karitativen Vereinen. Die Vielseitigkeit ber heutigen Betätigungsgebiete beleuchtet am stärksten der zusammenfassende Arbeitsbericht ber Jahre 1927=30 (Verlag des Deutschen Nationaloerbandes kath. Mädchenschutzvereine, Freiburg i. Br.). Wett über bie Grenzen Europas hinaus, bis nach Japan, Australien unb Brasilien, gehen heute die Verbindungsfäden im Internationalen kath. Mädchenfchutzverband, der bereits 1897 in Freiburg in der Schweiz gegründet wurde. Den Vorsitz des Deutschen Nationalverbandes führt feit 1923 Frau Reichstagsabgeordnete Christine T e u f ch.
Ein großer Canöftauenfa,
Den sprechenden Beweis für das große Qnterrf die Aufgeschlossenheit, denen Veranstaltungen , ethischer Art heute in der ländlichen Frauenwelt i nen, gab eine große Landfrauenversammlunq k Reichslandfrauenvereinigung bes« Deutschen Frauenbundes im Rahmen he tholikentages in Münster veranstaltete. yet.. Landfrauen füllten die große Stadthalle bis m letzten Platz. Der Hochw. Herr Weihbifchof Dr. & überbrachte der Versammlung die Grüße des leiber die Ankunft des Nuntius verhinderten Herrn » von Münster. Vom Präsidium des Katholikentaoemen der erste Präsident, Herr Graf Neippxx' die Vizepräsidenten, Frau Ministerialrat Dr. h. cj Weber und Herr Abgeordneter Le11erhauz , Versammlung teil. Unter den anwesenden Vertret« verschiedenen Körperschaften und Organisationen faf u. a. auch den stellvertretenden Vorsitzenden der schen Landwirtschaftskammer, Freiherrn von Ke r i n k- B o r g. Die beiden Redner, Pater Chn mus Schulte und Marie Buczkowska, W über die Kulturaufgaben der Lands Während der packende Vortrag des hochw. Herrn Chryfostornus die seelische Not des Landes f*| und die katholische Landfrau zur Hilfe aufrief, Marie Buczkowska in feiner Weife am Beispiel' de ligen Monika, wie die Gattin und Mutter, die st Zeit aufgeschlossene Frau ihre Sendung in der F, und in der Wett erfüllt. Die Rednerin erzählte Schluß aus ber Arbeit ber süddeutschen Unten« der Reichslandfrauenvereinigung des Katholischen schen Frauenbundes, denen sie durch ihr Wirken steht.
Hagebutten, eine köstliche Hecbfigal
Hagebutten sind die roten Früchte der wilden die zu Hunderten an einem Strauch zu finden sind. Hagebutten können von Anfang September bis November eingefammelt werden. Sie bieten dem men einen solchen Wohlgeschmack, daß sie in | Haushalt fehlen sollten, zumal sie auch gesundh sehr zu schätzen finb.
Hagebuttengelee.
Zum Gelee kann man die Hagebutten sehr ggi wenden, wenn sie noch nicht dunkel, sondern hellrot doch haben auch die völlig reifen Hagebutten G, gehalt. Nach dem (Einfammeln der Hagebutten t man sie von Stiel unb Blüte, entfernt unb wäscht s« sie mit kaltem Wasser in einem sauberen Topfe at bem, wenn er aus Emaille bestellt, nichts abgespn sein barf, wie bas ja überhaupt ein Erfordernis allem Einkochen von Früchten und Gemüsen ist. besten nimmt man einen Topf, in dem nichts seiche! gekocht wurde. Hat man einen solchen nicht zur i so brühe man den zu benutzenden Topf gehörig H baroaffer aus.
Die Hagebutten werden gekocht bis sie weich sch einen ziemlich dichten leinenen Beutel geschüttet uni Saft herausgepreßt unb zwar so lange, bis man n baß Hagebuttenmark herauskommt. Dann lege ntai Beutel vorläufig bei Seite, wiegt den Hagebuüi und nimmt zu je ein Pfund Saft 1 Pfund Zucker, beides zusammen so lange kochen, bis ein erta Tropfen dick wird unb bas Gelee eine schöne, bunt Farbe angenommen hat. In gut gereinigten und gewaschenen Gläsern erhält sich dieser Dicksast fahr unb ist im Geschmack beinahe feiner als Apfelgelee. Gallertgehatt ber Hagebutte ist fo stark, baß mar 5 Pfunb Hagebutten reichlich 5 Pfund Gelee bete Den im Beutel zurückgebliebenen Rest verwendet zu Marmelade.
Hagebuttenmarmelade.
Die Hagebuttenmarmelade kann man auf vei bene Arten bereiten. Man entfernt Stiel und ! schneidet bie Früchte auf, kratzt mit einem Gä« ober Messer bie Kerne unb bie kleinen, feinen Hä sorgfältig heraus, wäscht nochmals gut ab, wieg Früchre, nimmt gleich schwer Zucker, setzt ihn mit > Wasser an, kocht barin bie Hagebutten weich unb st bie Masse auf ein feines Haarsieb unb rührt sie durch. , In Gläser gefüllt kann man die Mar« mit ihrem feinen, der ätpritofenmarmetabe ähnlicher schmack erhalten. — Eine andere Zubereitungswei einfacher, zeitersparender, da bas Auskratzen ber 1 unb Haare sehr mühsam ist. Man kocht bie von unb Blüte gesäuberten Hagebutten in knapp » weich unb brückt in einem leinenen, bichten 2 bie Hagebutten so lange, bis nur noch Kerne unb 1 im Beutel bleiben. Das so gewonnene Fruchtmark' man, nimmt gleich schwer Zucker unb kocht es unter währendem Rühren, bis es nicht mehr wässerig P
Will man erst Gelee von den Hagebutten bereit« nimmt man bas im Beutel Zurückgebliebene, gießt < kaltes Wasser bazwischen, bamit sich bas Fruchtmark ter durchpreßt und versäht bann weiter wie ob® ter durchpreßt unb verfährt bann weiter wie ober
Aus den Erinnerungen einer Gasflamme.
Sie hat einigen Grund, gerade in diesem Jahre, 1930, ihre Memoiren herauszugeben, bie Gasflamme. Einmal ist dieses Jahr in gewisser Weise ein mehrfaches Jubiläum, auf der anderen Seite hält es die Gasflamme ebenso wie die Menschen: sie schreiben ihre Memoiren, wenn sie beginnen, von der Wettbühne abzutreten. — Wie lange noch und bas Gas wirb der Elektrizität weichen müssen! r2)ie Geschichte bes Gases beginnt, wie alles Neue, zunächst einmal mit Spott, Hohn unb Ablehnung. Als zum ersten Male angeregt wurde, Kohle in Gas und Koks zu zerlegen, den Koks zur Heizung und das Gas zur Beleuchtung zu benutzen, da erhob sich ein leidenschaftlicher Widerspruch. Scott, Byron, Napoleon haben diesen verrückten Einfall belacht, und eine große deutsche Zeitung bes Jahres 1816 verurteilte bie geplante Gasbeleuchtung von sechs Gesichtspunkten aus:
1. Vom theologischen, als Gotteslästerung, benn Gott schieb das Licht von der Finsternis; 2. vom juristischen, denn niemand sollte veranlaßt werden, Geld auszugeben für Gas, das er gar nicht zu haben wünschte; 3. vom medizinischen, denn die Ausstrahlungen seien gesundheitsschädlich, und die Menschen würden bann abends spät nach Hause kommen und sich erkälten; 4. vom moralischen, benn bie Angst vor ber Dunkelheit würde schwinden und die Verbrechen zunehmen; 5. vom polizeilichen, benn bie Straßenlampen würben bie Pferbe scheu unb die Diebe
frech machen; 6. vom volkswirtschaftlichen, benn viel Gelb würde ins Ausland wandern.
Aus ber Geschichte bes Gases: 1780 — also vor 150 Jahren — macht Felice Fontana die Beobachtung, daß Wasserdampf sich mit glühendem Kohlenstoff unter Bildung eines brennbaren Gases umsetzt. Vor 100 Jahren — am 6. Oktober 1830 — erhält der Engländer Donovan das englische Patent 6003/1830 betreffend eine Anlage zur Erzeugung von Wassergas; diese Anlage war in Dublin eine Zeitlang in Betrieb. Die Geschichte des Steinkohlengases geht noch weiter zurück. Schon 1786 benutzte ein gewisser Pickel in Würzburg aus ber Destillation von Knochen erzeugtes Gas zur Beleuchtung feiner Offizin. 1824 Orünbung ber Gaswerksgesellschaft in London, 1826 bie erste Straßenbeleuchtung mit Gas in Berlin, eingerichtet von biefer englischen Gesellschaft; Bau eigener Gaswerke 1828 in Dresden, 1838 in Leipzig, 1844 in Berlin. Seit den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts wird das bei ber trotfenyi Destillation ber Steinkohle gewonnene Steinkohlengas mit bem von Felice Fontana entdeckten Wassergas gemischt. Seit 1903 ist man bestrebt, auch bas Koksofengas zur Gasversorgung heranzuziehen.
Heute ist bie Wassergasindustrie von großer Bedeutung: Reines Wassergas wird zum Schweißen unb Lö
ten verwendet, während bas Mischgas in allen größeren Stäbten Deutschlands ber Gasversorgung bient.
Früher kannte man aber auch reines Wassergaslicht. Es würbe z. B. 1846 von Gillarb in Passy bei Paris eingeführt. Narbonne würbe von 1856—65 mit reinem Was- sergas beleuchtet. Groß geworden ist das Waffergasver- fahren allerdings erst in Amerika, von wo es 1890 bann wieder nach England kam unb 1900 von Pintfch in Deutschland eingeführt wurde.
Und jetzt, wenn nicht alle Zeichen trügen, schließt sich wieder der Ring in der Geschichte bes Steinkohlengases, bes Leuchtgases, bes Mischgases. Vor 600 Jahren, im Jahre 1306, erließ König (Ebuarb I. von Englanb eine Kundgebung, die den. Gebrauch von Kohle als Brennstoff in London unter bie Kapitalverbrechen reihte; irgendjemand ist für dieses Verbrechen auch hingerichtet worben. Wir lachen über bissen törichten Erlaß, aber es ist nicht ganz ausgeschlossen, baß man in weiteren 600 Jahren über uns lachen wirb, weil wir glaubten, Kohle sei nur zum Verbrennen da. Wenn auch scherzhaft gemeint, so hat ber Ausspruch, den vor kurzem ber Geschäftsführer der Königlich britischen Kommission für Brennstoff, Admiral, Dumas, tat, einen recht ernsten Hintergrund. Er sagte: „An jeden Gaslampenpfahl sollte ein Beamter gehängt werden, weil mit der Flamme auch Benzol verbrennt!"
Wir wissen, daß unsere Kohlenvorräte nicht unerschöpflich sind. Die deutschen Kohlenoorräte z. B. werden, den heutigen Abbau als gleichdleibend vorausgesetzt, in 1400 Jahren erschöpft fein. Sicher haben wir bereits sparen
gelernt. Das Verbrennen von Kohle in Bienenkor mit offenen Schloten, bei denen ber flammenburd Rauch zum Schornstein hinausgesetzt wurde, ist jede' schon längst auf gegeben. Eine Tonne Steinkohle, ‘ einer geschlossenen Retorte zur Gaserzeugung erhitzt liefert heute außer bem Gas unb dem Koks z. ® ” Kilogramm schwefelsaures Ammoniak (wichtig als D mittel) und 50 Kilogramm Teer. Teer aber ist das gangsprobutt einer unübersehbaren Anzahl der v« benften organischen Verbindungen, Farbstoffen, ® Mitteln, von denen etwa 200 000 zurückgehen aU Derivate der Kohle. Doch das ist erst der 2lnfam Sparens mit Kohle, und wir werden sicher' noch tzU Zeitpunkt kommen, wo wir das Verbrennen von eine Kohlenverschwendung ansehen. Die ersten hinein in dieses Reich eines neuen Kohlenzeitalter- bereits von Verzins mit der Verflüssigung der KoW Hydrierung der Kohle, getan. So ist es für die ®a5v< an der Zeit, sich zurückzuerinnern an ihre Lebenszeit« Wenn sie auch noch Jahre, Jahrzehnte leben wird, ist sicher, ihr Lebensabschnitt im Rahmen der Z tionszeschichte ist dezenzt. Heute schon ist ihre X>e ■ durch die Elektrizität stark erschüttert. Wann aber in unseren Tagen ein besserer Anlaß zu finden 1e diese Erinnerungen des Leuchtgases als jetzt, wo tzE 150. Male der Taz jährt, an dem zum ersten M Laboratorium das Wassergas entdeckt wurde un 100. Male ber Taz, an bem bas englische Pa» , Betrieb einer Wassergasanlage erteilt wurde, dj
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