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Gebot der Stunde.
^Von Friedrich Muckermann S. J.
«virin ist sich das ganze deutsche Volt einig,
J Entscheidendes geschehen müsse, soll da» Vaterland nicht zugrunde gchen. Nur wußte - nnb klar zu sagen, was denn dieses Entschei- STdaentlid) sei. Gerade das war der geheime der Katasttophenstimmung, gerade das war der Zwietracht, gerade das war auch das LiÄris erfolgreicher Phantasten. Nun ist das «1-ii n i nasche Programm heraus. Em Ziel mitoeiätet, ein Weg dahin gezeigt, mit der nnklarbeit hat es ein Ende. Mit unglaublicher «ckneMakeil hat sich dieses Programm als ein Sammelpunkt aller aufrechten Deutschen erwiesen. »Alos erkennen auch große gegnerische Blätter Aninas Führertat an. Eine Welle der Beruhi- h^itet sich über das Land aus. Es war ja Menschen, die so mitgelaufen waren, in- ^»iicken die späte Einsicht gekommen, was sie maentlich bei der letzten Wahl angerichtet hatten. Wenn denn die Folge von Riesenversammlungen, von slammenden Protesten, von schreienden Plakaten nichts anderes ist als Sperrung von Krediten, als plötzliche Ebbe in soundsovielen Kassen, als völliae Verbarrikadierung jeder wirtschastlichen Ent- wickiüng, als gefährlichste Bedrohung alles seit 1918 wieder Erreichten, als ein internationales Kopsschütteln über die Kopflosigkeit der Deutschen, dann viuß ja wohl neue Einsicht ausdämmern. Aber das Erwachen aus dem Versammlungsrausch konnte so lange nicht helfen, als die Zukunft nur ein einziges Fragezeichen war. Das hat sich nun geändert. Ein Programm ist aufgestellt worden, das nach dem Urteil der besten Kenner geeignet ist, die deutsche Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Das berühmte Wort vom Ankurbeln der Wirtschaft, schon zur verdächtigen Phrase geworden, hat wie- der Inhalt und Kraft. Hic Rhodus, hic salta, hier ist Rhodus, hier mußt du springen, dieses ge- flügclte Wort der Alten gilt für das deutsche Volk in diesem Augenblick.
Will man die Gesamterscheinungen des Wahlkampfes, so betrüblich sie nach den verschiedensten Leiten waren, unter eine Formel bringen, so ist es wohl diese, daß Millionen nichts anderes haben sagen wollen, als daß es mit dem Partei- klünge! ein Ende nehmen müsse. Auch jene, die ihre alten Parteien wieder gewählt haben, verlangten doch von allen ihren Rednern, daß sie ein deutliches Bekenntnis zum Volkswohl ab- ngten, das über Parteiinteressen geht, und dem alle Parteien zu dienen haben. Diese Stimmung lebt noch heute. Ihr dürfen wir ruhig <m recht langes Leben wünschen. Diese Stimmung hat sich jetzt zu bewähren und muß zur Stimme, der Vernunft werden. Jeder merkt es den Sätzen des Vrüuingschen Programms, die uns bis jetzt Mgänzlich' wurden, an, daß sie nur mit dem Hin- buck aut "das Ganze geschrieben worden sind. Man Mue sagen, es sei ganz unmöglich, daß sich im Emst irgend jemand gegen die Gesamtheit dieses Programms stellen könnte. In der Tat sehen wir daß die bisherigeK ritrk, etwa im „Völki- Mn Beobachter" oder in gewissen sozialistischen . Enn, namentlich des Westens, jeden Zug !", ^r.oße vermissen läßt. Nicht einen Abschnitt lesen wir bei all diesen Kritiken, der an der kgernen Notwendigkeil des Brüningschen Pro- hurül Qut$ "ur leise zu rütteln vermöchte. Gerade E. Ohnmacht dieser Kritik beweist, daß es einen ttt als den eingeschlagenen, nicht gibt.
deutsche Volk, das inzwischen nüchtern is^ wird sich hüten, noch einmal der Versuchung des Plakatstiles zu erliegen, k freilich möchte ich noch wünschen, daß es w u • deutschen Volke geschenkt würde, es ist ..^^"reißende Beispiel seiner süh- Itidit >,n Schichten. Dieses Programm ist nicht «in» rüa9eiL Naturgemäß, es ist das einmal am ’ ^'den in den Zeiten solcher Not jene Wie in!- '' kaum ihr Existenzminimum haben, ickni ? , fi'e die Opfer bringen, nachdem sie Altchsllviele Opfer gebracht haben? Wie stebe» v Versuchung zur Verhetzung wid e r -
QV$ fttzt wieder in den verlockendsten das ickü aP J*e herangebracht wird? Wie sollen sie UT:„r £n. W verlorene Vertrauen zurückgewinnen? Bei > Kanzler Dr. Brüning hat mitdem für Verzichts begonnen, er
die Reichsminister, für die Abgeord-
ha-. ' Eurch unterscheidet er sich sehr vorteil-
die ttinFu ■9te*en’ vielen im Reich und den Städten,
Slot -A tn ergreifenden Tönen über die allgemeine rUni3 den kommenden Bankerott mit te» n;2x’tat&en malen, die aber, wie es scheint, ‘«qenb/qirJ0,11 gedacht haben, daß es sehr mche- 6'dt, um mancher Stadt die Finanz- fo( Jr?“’ bedeutend zu erleichtern. Das ist einmal jene JL irgendwie komisch wirkt, wenn gerade Lautesten und am nationalsten über des itm klagen, denen doch die Butter auf Punkf ü! 6t§ ^ute nicht gefehlt hat. Hier ist der «thm»Lto0.. wir an die religiösen Kräfte wufsen, die doch in allen Jahrhunderten Beispiele der Hingabe und rn§ hervorgebracht haben. 6uiqcLn wir die Predigt des Christentums Sten, hätte nicht jener, dem wir das
auf bie - sollen, dieses Kreuz zuerst selber sich s°in?^kern genommen. St. Franziskus hätte iforher' 'm / en sparen können, hätte er nicht die Arrnü! Vaters Reichtum verzichtet und hätte seiner Braut genommen. Und was Eurin °^° 'n den Industrievierteln von Siiia hnH1 r r.tocnn tr selber in einer kostbaren »ott ,^ben wollen? Wir verlangen nicht spielen i,m- ^lche Opfer. Aber aus diesen Bei- rte\ Heiligen ersehen wir, wo das $nQi- "Egt, das zum Erfolge führt und das b« bodUn V™,11 sortteitzt. Man sollte denken, fentjeä Tlk„ c e bon der äußersten Not des Vater- wie Eßte ein Opfergeist aus- ■ erlebt l$n ""ch den napoleonischen Krie- yaoen, wo Frauen ihr kostbares Haar,
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Freitag, 10. Oktober 1930.
Anzeiger für die Staöf Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches kreisblatt.
t.235
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Em erster Schrill zur Gesundung.
Der Retchsverband der Industrie zum Sanierungsplan.
Das Präsidium des Reichsverbandes der Deutschen Industrie hat sich am Mittwoch in einer außerordentlichen Präsidialsitzung mit dem Wirtschafts- und. Finanzplan der Reichsregierung be- schäftigt und dazu folgende Stellung eingenommen:
Der Wirtschafts- und Finanzplan der Reichsregierung ist als ein erster Schritt zu würdigen, die öffentlichen Finanzen Deutschlands in Ordnung zu bringen Md die deutsche Wirtschaftspolitik den Verhältnissen anzupassen, die durch die Veränderungen . auf dem Weltmarkt, durch die hohen Reparationsverpflichtungen Deutschlands und die verfehlten Maßnahmen der Vergangenheit entstanden sind. Der Plan ist geeignet, das öffentliche Vertrauen wieder herzustellen, wenn er tatkräftig durch- geführt wird und wenn alle Dolksteile in dem Wunsche einig sind, unter Vermeidung von Experimenten den völligen Wirtschaftszusammenbruch abzuwehren.
Es ist nicht Aufgabe des Augenblicks, zu den Einzelheiten des Planes Stellung.zu nehmen und auf 'die an manchen Stellen vorhandenen Lücken und Unstimmigkeiten hinzuweisen, weil die Gesetzentwürfe erst abgewartet werden müssen. Der Grundgedanke des Programms ist richtig, wenn er davon ausgeht, daß in erster Linie unter äußerster Sparsamkeit und unter Eindämmung der wirtschaftsschädlichen Steuern eine einheitliche und zielsichere Gestaltung der öffentlichen Finanzpolitik und eine vollständige Ordnung der öffentlichen Finanzen, insbesondere auch der Finanzen der Länder und Gemeinden, geschaffen werden muß. Das kann nur erreicht werden, wenn die öffentlichen Ausgaben denjenigen Einnahmen angepaht werden, die unter Berücksichtigung der Veränderungen in den Preisverhältnissen auf dem Weltmarkt von Wirtschaft und Bevölkerung aufgebracht werden können, ohne daß die Grundlagen ihres Daseins und eines Wiederaufbaues zerstört werden.
Die Wiedereinfügung der Arbe.its- 'losen in den Arbeitsprozeß ist nur möglich, wenn die Höhe der öffentlichen Ausgaben und aller Bestandteile der Prvdukttonskosten nicht mehr hemmend im Wege steht. Nur so kann aüch bet Preisabbau der Verbrauchsgüter und ProdukttonS- mittel verwirklicht werden. Neben der Einschränkung der Personalausgaben der öffentlichen T.rwaltung ist dabei eine der Lage des jeweiligen Wirtschaftszweiges angepaßte Herabsetzung ' der Löhne und Bezüge aller in der Privatwirtschaft Tätigen wich- tigste Voraussetzung.
' Wenn -es gelingt, auf diesem Wege die Pro- du ktt io ns ko st en zu vermindern und den Preisabbau zu sichern, dann bedeutet die Herabsetzung von Lohn und Gehalt keine Verminderung der Kaufkraft und keine Beeinträchtigung der Lebenshaltung. Vielmehr bewirkt die dadurch ermöglichte Wiedereingliederung der Arbeitslosen in das Erwerbsleben eine Erhöhung der Gesamtkaufstaft und der des Einzelnen.
In keinem Programm für die Gesundung der innerdeutschen Verhältnisse darf die Derwaltungs'- und Verfassungsreform fehlen. Sie ist von entscheidender Bedeutung und darf nicht aufgeschoben werden.
Die Förderung der nationalen Wirtschaft bedingt nicht nur die Pflege des inneren Marktes, sondern auch die Fortführung der Handelspolitik auf 'der bisherigen Linie.
Die Ordnung der öffentlichen Finanzen und die Beseitigung der Schwächepunkte der deutschen Volkswirtschaft ist auch die Voraussetzung für eine vernünftige Reparationspolitik mit dem Ziele, die deutschen Verpflichtungen auf ein erträgliches Maß zurückzuführen.
Dle Meinung der christl. Gewerkschaften.
Auch sie sehen in dem Regierungsprogramm einen ernsten Versuch, zu gesünderen Verhältnissen zu kommen.
wtb. Berlin, 9. Oktober. (Eig. Meld.) Der Hauptvorstand des Gesamtverbandes der Christlichen Gewerkschaften Deutschlands hielt gestern in Königswinter eine Sitzung ab. Der Vorstand erkennt die Schwere der Gesamtlage des Staates und der Wirtschaft rückhaltlos an und demgegenüber auch die große Verantwortung und die Schwierigkeiten, die für die Regierung bestehen, die drohenden Gefahren abzuwehren. In dem Programm der Reichsregierung sehen die Christlichen Gewerkschaften, wie in der Sitzung dargelegt wurde, einen ernsten Versuch, in Staat und Wirtschaft wieder zu gesünderen Verhältnissen zu kommen. Zu einigen Punkten des Programms und seiner Begründung durch die Reichsregierung haben die Christlichen Gewerkschaften, besonders nach der sozialpolitischen Seite hin, ernste Bedenken. Sie
werden ihre Stellungnahme.der Reichsregierung in einem besonderen Schreiben Mitteilen.
Zur politischen Lage.
Die politisch-parlamentarische Situation ist nun insoweit geklärt, als der Reichskanzler das Ergebnis der Besprechungen mit den Parteiführern dem Herrn Reichspräsidenten vortragen konnte. Eine Erweiterung der bisherigen schon umfassenden Vollmachten, in deren Besitz der Reichskanzler Dr. Brüning ist, kommt fürs erste nicht in Frage. Alles hängt nun von der parlamentarischen Entwicklung selbst ab. Aber es kann kein Zweifel darüber gelassen werden, daß sowohl der Reichskanzler wie vor allem auch der Reichspräsident in der Erkenntnis und in.kstr Ueberzeugung, daß G e f a h r i n Verzug ist, mit aller Entschiedenheit auf die Erledigung des Regie- rungsprogramms in für ft er Frist dringen und daß sie entschlossen sind, für diese Erledigung alle durch die Verfassung gegebenen Rechte nutzbar zu machen.
Bezüglich der gesamten weiteren Entwicklung legt der Reichskanzler Wert darauf, den Herrn Reichspräsidenten über jedes einzelne Stadium der politisch-parlamentarischen Gestaltung auf das genaueste zu unterrichten, und der Reichspräsident seinerseits hat sich für jeden einzelnen Fall seine Entscheidung vorbehalten. Jedenfalls befindet sich Dr. Brüning in aller Fühlungnahme mit dem Reichspräsidenten, und dieser ist seinerseits gewillt, alle verfassungsmäßigen Rechte, die ihm zustehen, gerade bezüglich der Bestimmung dessen, was demnächst geschehen soll, auszuüben.
Das gilt besonders auch gegenüber dem Vorstoß, der von Abgeordneten aus Gruppen der
Die Reichsbank hat mit Geltung vom 10. Ott. den Wechseldiskontfaß nm 1 Prozent von 4 Prozent auf 5 Prozent und den Lombq-rd-Ziusfutz'vo» S Prozent auf 6 Prozent erhöht.
Die Begründung.
In der Sitzung des Zenttalausschusses der Reichsbank am Donnerstag begründete der Vorsitzende, Reichsbankpräsident Dr. Luther, unter Hinweis auf die Statusziffern vom 7. Oktober, die vom Reichsbankdirektorium beschlossene Erhöhung des Distontsaßes von 4 Prozent auf 5 Prozent und des Lombardsatzes von 5 Prozent auf 6 Prozent wie folgt:
In Uebereinstimmung mit der zunehmenden Erleichterung der wichtigeren ausländischen Geldmärkte wie auch des inländischen Geldmarktes
Mit frer Eroberung von Pernambubo scheint der Aufftand in Brasilien sich nun feinem Höhepunkt zu nähern. Die letzten Nachrichten lassen zweifellos erkennen, daß die Revolutionäre außerordentliche Fortschritte machen. Allerdings wird die große Entscheidung nicht im Norden, sondern ßn den südlicheren Staaten fal- len, wo die Hauptkämpfe bevorstehen, die recht erbittert zu werden scheinen.
Der Grund der brasilianischen Revolution liegt in der Präsidentschaft. Nach der bisherigen Gepflogenheit stellten die Staaten Sao Paolo und Minas Geraes abwechselnd den Präsidenten. Von diesem ungeschriebenen Gesetz ist bei der Kandidatenaufstellung für die letzte Wahl im Frühjahr ds. Is. abgewichen worden. Obwohl der jetzige Präsident Dr. Pereira Repräsentant und früherer Staatspräsident von Sao Paolo war, wurde von dieser Seite wieder ein Kandidat nominiert, nämlich der bisherige Staats« prüft)ent von Sao Paolo, Julio Prestes. Der Staat Minas Geraos hatte unter heftigem Protest auf die Aufstellung eines eigenen Kandidaten verzichtet, so daß ein Gegenkandidat Petulic Vargas übrig blieb, der Staatspräsident von Rio
rechtsstehenden Regierungsparteien gegen den Reichsaußenminister Dr. C u r t i u s u. den Reichr» innenminifter Dr. Wirth unternommen worden war. Diese Gruppen haben nichts Geringeres als die Ausbootung der genannten.Persönlichkeiten aus dem jetzigen Kabinett verlangt und haben sich nicht gescheut, die Erfüllung dieses Verlangens als Preis für ihre evtl. Mitarbeit zu bezeichnen. Der Reichskanzler pr. Brüning hat es von vornherein abge« lehnt, auf diesen parlamentarischen Schächer einzugehen, und er hat darauf verwiesen, daß. sein Kabinett kein Parteikabinett ist, dessen Persönlichkeiten der Fraktionswillkür ausgesetzt sind, sondern daß er allein im Einvernehmen mit dem Herrn Reichspräsidenten bestimmen müsse, welche Par- sönlichkeiten seinem Kabinett angehören sollen und welche nicht. /
Wie.wir von zuständiger Stelle erfahren, befindet sich Reichskanzler Dr. Brüning auch bei dieser Auffassung unmittelbar im Einvernehmen mit dem Reichspräsidenten, der es auch seinerseits, ablehnt, auf diese personalen Treibereien einzugehen. Der Vorgang ist aber charakteristisch dafür, wie bestimmte Gruppen auch heute noch ihre Mitwirkung an den Staatsgeschäften von personalen Vorurteilen abhängig machen, obwohl Land und Volk sich in fürchterlicher Notlage befinden. Was man auf diesem Gebiet jetzt in diesen Tagen erlebt hat, ist ja geradezu niederschmetternd und dazu angetan, daß der Parlamentarismus, den diese Kreise mißverständlich betreiben, vollends bei der Wählerschaft diskreditiert wird, viel fehlt ja ohnehin nicht mehr dazu.
Man kann es nur begrüßen/ daß Dr. Brüning den Vertretern derjenigen Gruppen gegenüber auf das entschiedenste erklärte, daß er praktische Arbeit leisten wolle und von den Parteien, die hinter der Regierung stehen, eine solche entschlossene Zusammenarbeit verlangen müsse.
Wer sich dieser Verantwortung, noch dazu wegen Ministerpostenschmerzen entzieht, hat dafür die Verantwortung vor dem ganzen Lande zu tragen.
konnte die Reichsbank seit dem Herbst vorigen Jahres ihren Diskontsatz allmählich von 7,5 Proz. auf '4 Prozent ermäßigen. Dabei war stets klar, daß ein Diskontsatz von 4 Prozent in Ambetracht der allgtme;nen Zinsverhältnisse inDeutschlandein sehr niedriger war; seine Aufrechterhaltung war aber solange gerechtfertigt, daß trotz des niedrigen Satzes dauernd noch Gold und Devisen zuströmten und die inneren deutschen Anlagen sich dauernd ver- iringerten. Dieser Zustand hat sich tn den letzten Wochen geändert, die Reichsbank sah sich bei gleichzeitiger erheblicher Steigerung der von ihr'zu befriedigenden Kredit a n s p r ü ch e z u b e t r a ch t l i ch e n D e v i s en- un5 Gold ab gaben genötigt, so daß sie nunmehr glaubt, vorsorglich die in solchen Fällen angezeigte Maßnahme, der Diskonterhöhung, und zwar im Ausmaße von 1 Prozent, zur Anwendung bringen zu sollen.
Grande do Sui ist. Wie zu erwarten war, unterlag er. Julio Prestes wurde gewählt. Er müßte im November sein Amt antreten. Schon während des mit außerordentlicher Erbitterung geführten Wahlkampfes hatte die Partei von Minas Geraes angekündigt, daß es zu einer Revolution kommen werde, wenn Prestes gewählt werde.
Nachdem die Erregung des Wahlkampfes vorbei war, schienen ernsthafte Folgen auszubleiben. In dieser Zeit haben die Unterlegenen aber offenbar unter der Hand die Revolution vorbereitet, die sich nun gegen den noch amtierenden Präsidenten Dr. Pereira richtet. Ihm wird der Vorwurf gemacht, die von Minas Geraes aus ungerecht empfundene Entwicklung unterstützt zu haben. Dabei wurde auch behauptet, daß der Wahlvorgang nicht reell durchgeführt worden sei. Der tiefst« Grund der brasilianischen Revolution liegt also in der Rivalität der beiden wichtigsten und dichtbevölkertsten Staaten. Die Revolutionäre haben sich dabei auch die schlechte Wirtschaftslage zunutze gemacht, die vor allem in dem Rückgang der Ausfuhr und dem Steigen der Kaufpreise zu suchen ist. Diese Zustände haben ihren Grund nicht zuletzt in der Verminderung der
Erhöhung des Reichsbmkdiskonles um l°|0
Ser Kumps um die Macht in Brasilien.
vor der Entscheidungsschlacht.—Die Hintergründe der Revolution.
ihre Perlen und ihre Kleinodien verkauften und den Erlös auf den Altar des Vaterlandes legten. Mir will scheinen, daß etliche lächeln, wenn man heute vom Altar des Vaterlandes spricht, aber eben dieses Lächeln zeigt, wieviel Unwahrhastigkeit der Idealismus im Zeitalter der Jnteresseni- kämpse angenommen hat.
Ein gwßer Teil unseres Volkes hat diesen Zynismus noch nicht. Ihm ist das Wort Vaterland fein leerer Schall. In feiner Erinnerung leben noch der Glaube, die Taten, die Opfer der Väter. Diese Menschen werden sich heute um die Fahne sammeln, bei der das Wohl des Ganzen verteidigt wird. Dor der Hoheit und Kraft ihres Sinnes werden Phrase und Unwahrhaftigkeit zuschanden werden. i
Senator da Cunha, der Führer der Aufständischen, die jetzt gegen Rio de Janeiro konzentrisch vorgehen.
Washington Luiz (Pereira de Sou ja) der bisherige Staatspräsident Brasiliens, der im November dem neugewählten Präsidenten Dr. Prestes Platz machen soll.