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57. Jirtjrj

Der

sichtlich Länder

eine weitere Kürzung der Üeberweisungen für und Gemeinden um nmd 288 Millionen ein.

3. Arbeitslosenversicherung.

ger es reden läßt und je schneller und energischer es handelt. Es wäre schön, wenn mit diesem Programm die Parteien zur Verantwortung auf- gerufen würden. Aber wir zweifeln daran. Deutsch­land ist nun einmal das Land der Zersplitterung. Um so notwendiger braucht es einen starken Wil­len an seiner Spitze. Hoffentlich ist er stark genug, das als richtig Erkannte durchzuführen.

Die Reichsregierung hat am Dienstagabend, wie angekündigt, ihren großen Wirtschafts- und Finanzplan der Oeffentlichkeit unterbreitet. Dem Wortlaut des eigentlichen Programms geht fol­gende Einleitung voraus:

Die Reichsregierung hat zugesagt, dem neuen Reichstag eine umfassende Vorlage zur Sanierung der Reichsfinanzen und zur Gesundung der deut­schen Wirtschaft zu machen. Diesem Versprechen kommt sie nach. Sie unterbreitet ihre Vorschläge dem deutschen Volk. Die Maßnahmen stellen einen einheitlichen Plan dar. Sie find in erster Linie auf das gestellt, was im Augenblick finan­ziell geboten und wirtschaftlich möglich ist. Der Plan gibt aber zugleich den Ausblick auf das, was in Weiterführung der vom Augenblick geforderten Maßnahmen geschehen muß.

Die Vorschläge sind geboren aus der Not der Zeit. Der Zusammenbruch aller Preise der Roh­stoffe wie der landwirtschaftlichen Produkte auf dem Weltmarkt hat gezeigt, daß die wirt­schaftlichen Anschauungen der Nach­kriegszeit, welche davon ausgingen, daß die Völker unter wesentlich hö­heren Preisen leben würden, also die Kaufkraft des Goldes eine verrin­gerte sein werde, einer Revision be­darf. Zwar ist die Rückwirkung jener Umwälzung noch nicht bis zu allen Bedarfsartikeln unseres Volkes durchgedrungen. Die Höhe der von Gehalt und Löhnen, von Steuern und Soziallasten be­dingten Gestehungskosten steht hemmend im Wege. Wohl aber hat eine starke Lähmung in der Auss- wärtsentwicklung der Weltwirtschaft und der ein­zelnen Volkswirtschaften Platz gegriffen, die zu einer schweren Wirtschaftskrise geführt hat.

Deutschland schien außerdem die aus Krieg, Revolution und Inflation erwachsenen Schwie­rigkeiten in den vergangenen Jahren steigend da­durch zu überwinden, daß es seine Wirtschaft mit gewaltigen Kapitalzufuhren aus dem Auslande, die in die Milliarden gehen, entwickelte. Diese Periode !st abgelaufen, und an die Stelle der Kapitaleinfuhr trat die Kapitalausfuhr, welche notwendig war, die aufgenommenen Verpflich­tungen zu verzinsen und zu tilgen und die La st en des verlorenen Krieges ab­zutragen. Die Folge dieser Umkehrung ist der Mangel an Kapital, sind die hohen Zinsen, weirer- hin die Unlust der Wirtschaft, irgendwelche In­vestierungen vorzunehmen, und die steigende Ar­beitslosigkeit. Unnötig verschärft wurde die Lage dadurch, daß deutsche Staatsbürger in Sorge um die Zukunft in unverständiger und unverantwort­licher. die Nation und ihre Wirtschaft schädigen­der Weise ibr Vermögen und Geld in das Aus­land geschafft haben.

Das Ergebnis der zurückgehenden Wirtschaft ist ständig steigender Aufwand für die immer noch an Zahl wachsenden Arbeitslosen und hartnäcki­ger und andauernder Rückgang der Steuereinnah­men. Die vor uns stehende Aufgabe ergibt sich aus diesen Tatsachen. Zunächst gilt es, einen geordneten und ausgeglichenen Etat für das kommende Jahr aufzustellen, damit das erschüt­terte Vertrauen in unsre Finanzwirtschaft wieder­hergestellt und damit unsrer Wirtschaft neuer Wille, sich zu betätigen und Arbeit zu schaffen, gegeben wird.

Die Unterstützung der Arbeitslosen ist ein Notbehelf, sie behandelt nur die Folgen und beseitigt nicht die Ursachen. Es geht da­rum, die Ursache, das Darniederlie­gen der Wirtschaft zu bekämpfen und über den Tiefpunkt, an dem wir ste­hen, Hinwegzukommen.

Sieht man die Aufgabe so an, dann verbietet sich grade im Interesse der zur Zeit arbeitslosen, aber arbeits- willigen Elemente jede neue Bela­stung der P'roduktion, vielmehr ist die Entlastung der produktiven Stände zu fördern nicht nur von unmittel­bar en Ausgaben, sondern auch von unnötigem Schreibwerk und Aerger.

Eure umfassende Vereinfachung vor allem des Steuerwesens ist eine Notwendigkeit. Nicht höhere Steuern, sondern allein Sparmaßnahmen, Entlastung, die Wiederherstellung des Vertrauens sind die Grundideen, die uns führen müssen.

Darauf sind unsre Vorschläge aufgebaut. Wir legen sie vor in dem vollen Ernst der Veranst- wortung, welche die Regierung für das Schicksal Deutschlands trägt. Wir werden sie lösen, indem wir darauf vertrauen, daß das deutsche Volk und seine Vertreter sich entschließen, den Kampf der einzelnen Gruppen und Parteien untereinander zurückzustellen, um mit vereinten und so verstärk-

Las Keffimgsptogtamm des Kabinetts Brüning.

Eine Milliarde Abstriche am Ekak für 1931.

Schärfste Einschränkung der Ausgaben der öffentlichen Verwaltung» Kürzung der Beamten­gehälter um 6°/o auf die Dauer von 3 Jahren. Grundlegende Steuervereinfachung. Senkung der Realsteuern. Neuregelung des Finanzausgleichs. Abbau der Wohnungszwangswirt- schaff.Trennung derArbeitslofenverstcherungvom Etat. 420 Millionen für die Krisenfürsorge.

ten Kräften den Kampf für den Wiederaufstieg zu führen."

Das Programm.

Das Programm ist in acht f) a u p t a b = schnitte eingeteilt, die sich mit sämtlichen Fra­gen der Finanz- und Steuerwirtschaft des Reichs befassen. Das Programm führt u. a. aus:

Reichshaushalt.

Für das Haushaltsjahr 1930 muß mit einem Fehl­betrag von 750 bis 900 Millionen gerechnet werden. Hiervon entfallen etwa etwa 300 Millionen auf die kom­menden Anforderungen der Fürsorge für die Ar­beitslosen, etwa 450 bis 600 Millionen auf den Rückgang der Einnahmen. Die Abdeckung die­ses Fehlbetrages wird in den Haushalten der nächsten drei Jahre aus einem besonderen Fonds erfol­gen. Dadurch wird die Beschaffung eines lieber« brück ungskredlts ermöglicht und feine Verzin­sung und Rückzahlung gewährleistet.

Durch die Gesamtheit der zu treffenden Maßnahmen wird die

Ausgabenseite des Reichshaushalts 1931 gegenüber dem Jahr 1930 um rund eine Mliarde gesenkt.

Dadurch werden die Einnahmerückgänge, mit denen das Reich etwa in gleicher Höhe rechnen muß, aufgewogen.

Der Ausgabensenkung dienen die folgenden Maß­nahmen:

1. Gehaltskürzung.

Die Gehaltsbezüge des Reichspräsidenten, des Reichskanzlers, der Reichsminister und die Diäten der Abgeordneten werden um 20 Prozent, die Dienst­bezüge der Reichsbeamten um 6 Prozent gesenkt. Die Senkung erfolgt vom 1. April 1931 ab für d i e Dauer von drei Jahren. Mit dem gleichen Zeitpunkt fällt die Reichshilfe fort. Von der Kürzung ausgenommen find die Kinderzulagen und Personen, de­ren kürzungspflichtige Bezüge 1500 Mark jährlich nicht übersteigen, für das Reich eine Ersparnis von 120 Mil­lionen.

Bei der Reichsbahn und der Reichsbank kommen entsprechende Kürzungen in Betracht.

2. Kürzungen der Üeberweisungen.

Die Senkung der Beamtengehälter in gleichem Maße bei den Ländern und Gemeinden gestattet eine Kür­zung der Ueberweisung um etwa 100 Millionen Mark.

Durch den Rückgang der Einnahmen tritt voraus-

Ausgleich von Einnahmen und Ausgaben der Arbeitslosenversicherung soll künftig ohne Inan­spruchnahme des Reichshaushalts sicher-

MdaerZertung

Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

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Schicksaisstunde

«reit den finanziellen und wirtschaftlichen Sanie- osvorschlägen, die die Reichsregierung soeben entricht, hofft sie wahr machen zu können, was «. «n Beginn ihrer Amtsführung ab in Aussicht B*«!,. den Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft weitesten Sinne. Vergegenwärtigen wir uns ff oage- die vorige Regierung fiel auseinandr, «eil man sich über eine tragfähige Regelung der « mit der deutschen Arbeitslosigkeit verbundenen Be- Erftunaen des Reichshaushalts nicht zu einigen ver- ISjL Dazu kam, daß die Finanzen Deutsch­lands schon lange nicht mehr in Ordnung waren. Wm erinnert sich an die Bedingungen des damali- - I« Zentrumssprechers Dr. Brüning, vor der An- Mme des Doüngplans oder wenigstens gleichzei­tig mit ihr durch die Stabilisierung eines trag- Wiaen Etats die Grundlagen für die Zusage zu dm Reparationszahlungen zu schaffen. Die Gleich- reitiakeit dieser beiden großen Gesetze wurde nicht erreicht, wohl aber gab der Reichspräsident dem Zentrumsführer die Zusicherung, alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen zu wollen, da­mit in der Tat die Annahme des Youngplanes - durch eine solide Wirtschaftsführung unterbaut nriirbc«

Es war selbstverständlich, daß Brüning, als er bann unvermutet selbst dis Kanzlerschaft überneh- tz men mußte, die Durchführung dieser Zusagen, die ja nur die Folgerung aus seinen eigenen Erkenr.t- k Men war, als seine vornehmste Aufgabe betrack- i leie. Hätte der Reichstag dieselbe Verantwort­lichkeit aufgebracht, die den Kanzler und den - Reichspräsidenten beseelte, so wären wir heute ein gutes Stück weiter. Die Wahlen wären uns er­spart geblieben, an ihrer Stells wäre produktive Arbeit geleistet worden. Aber die Parteien konn­ten sich in eins schnelle Umstellung des durch lange. Praxis ihnen fast selbstverständlich gewordenen Kurses nicht finden. Zwei Mächte standen sich ge­genüber: auf der einen Seite der Wille des Reichskanzlers und seines Kabinetts, nun t endlich das Paktieren und Feilschen beiseite zu schieben und rücksichtslose Ordnung zu schaffen, und auf der anderen der Machtanspruch des Parlaments, das im alten Tempo, richtiger im alten Schlendrian weiterzuwursteln gesonnen war. Aus dieser Situation heraus kam es zu den Notverordnungen, zur Auflösung des Reichstages mb zu den Wahlen mit ihrem peinlichen Ergebnis.

Wenn nun heute die Reichsregierung ihr Sa­nierungsprogramm unterbreitet, so finden wir dar­in auf den ersten Blick die Dinge angekündigt, die ker gesunde Menschenverstand schon längst for­derte. Im Wesentlichen sind sie auf eine einzige Not- - Müdigkeit abgestellt, nämlich auf Sparsamkeit t durch Verminderung der Ausgaben. Mit den Meichstagswahlen hat dieses Programm an sich z.Mts zu tun. Wie es durch eine Mehrheit zum ? Gesetz erhoben werden kann, ist eine Frage für sch. die heute nicht erörtert werden soll. Es wird dache des Verantwortungsgefühls der Parteien 'ein, ob sie, wenigstens im großeMund ganzen, den wütigen Vorstoß des Kabinetts unterstützen, oder nb sie aus Eigensinn und Besserwisserei oder gar nus Angst vor einer verhetzten Wählerschaft lieber die Dinge zum Abgrund hin treiben lassen wollen.

Bon hier aus ergibt sich auch die Einstellung °rr staatsbewußten Deutschen zu den einzelnen Maßnahmen. Wir alle haben am 30. September nstpürt, wie die Mehrabzüge von den Gehältern Ich auswirken. Es wäre leicht, darauf zu schimpfen, und wer sich oppositionell veranlagt fühlt, wird es welleicht auch tun. Trotzdem müssen wir an dem ^watz festhalten, daß das Reich aus . dem ^chlammasfel nur dann herauskommen kann, wenn ES-.spart, und das wiederum ist nur möglich, wenn ""ch der Einzelne Sparsamkeit übt. Darum wird die Beamtenschaft für die Kürzung der @e= it? r Borständnis aufbringen müssen. Angenehm ü sie nicht, aber sicherlich ist es auch für den ein- 'i«nen Beamten besser, wenn der Reichsapparat ®an9 bleibt, als wenn er eines Tages stillgelegi werden müßte.

,. "5 ist für den Einsichtigen und unbefangen Ur« keine Frage, daß an manchen Stellen der ftfentlichkeit noch heute das Geld in einer Weise ft, ^oben wird, die ein verarmtes, mit fchwer- [5? Rcparationsbürden belastetes Volk sich nicht ton ", ^ann- Sicherlich gibt es in unseren Städ- allerlei Vorgänge, die mit ihrer und des Rei- und der Länder Finanznot nicht in Einklang bringen sind. Da soll jetzt eingegriffen und W ollem durch ein schärferes Kontrollrecht Wan- C geschaffen werden. Kein Vernünftiger wird .^bedauern können. Aber indem künftig die jgT^tteikmgen des Reiches an die Länder gekürzt noA X bürffe sich für alle die Notwendigkeit, sich »»der Decke zu strecken, zwangsläufig ergeben

. ,.r?s Reich selbst will durch diesmal wirkstcr) er­fahr Abfftiche im eigenen Etat ein gutes Bei- len me6en' ""d die Sparmaßnahmen sollen in tu« v>e?-k erwErmgszoneli einheitlich durchgesühnt zu iAuch in der Rechtspflege wurde bislang g..^'chcherzig mit dem Gelds umgegangen. Wenn öirh verbei künftig genauer gerechnet werden einfn* bas schon von selbst zu einer Ver- an-K s ber Verwaltung und darüber hinaus

ch des Steuerregimes führen. Zur Zeit ist der re[$ eraPPorat viel zu kompliziert und zu umfang» uJ^berbltift man die hier kurz angeführten $or= flefpf?0 °er Regierung und die weiter von chr vor- brt6 k-nen Maßnahmen, so wird man zugestehen, oier zum ersten Male seit dem Kriege mit der fQnV?. lieber gepredigten Forderung nach Spar- oll-- i, dem Gedanken der Einschränkung au; f "eberflüssigen Ernst gemacht wird Und bar» fen es an. Es wird sich vielleicht über die- möditoenen Punkt reden lassen. Aber wir tzZrk-r" ^"uben, daß das Reichskabinett um so

rer Zustimmung im Lande sicher ist, je ment«

g e ft e I (f werden. Der Anteil des Reichs an dem Auf­wand für die Krisenfürsvrge wird im Haushalt auf 4 2 0 Millionen begrenzt.

Eine grundlegende Reform der Arbeitslosenversichr- rung wird vorbereitet.

4. Abstriche im Reichshaushalt.

Die Ausgabensätze bei den Einzeletats werden ge­genüber dem Jahre 1930 um rund 300 Millionen ver­mindert. Die Abstriche sind bereits mit Zustimmung der beteiligten Reichsministerien durchgeführt. Der Schwer­punkt der Einsparungen liegt bei den reinen Verwal­tungsausgaben, Beseitigung von Behörden, erhebliche Kürzungen des Aufwand- für andere Behörden.

Der Ausgleich im Haushalt 1931 fetzt voraus, daß Ledigensteuer und der fünfprozentige Zuschlag zur Einkommensteuer aufrecht­erhalten bleiben. Durch stärkere Belastung des Tabaks soll ein Mehrertrag an Zöllen und Steuern von 167 Millionen Mark gewonnen werden.

Länder und Gemeinden.

Die Bezüge der Beamten und Abgeordneten wer­den wie beim Reich gekürzt. Soweit heute noch Länder. Gemeinden und andre Körperschaften des öffentlichen Rechts günstigere Bezüge als das Reich ge­währen, wird eine entsprechende Revision der Gehalts­regelung erfolgen. Im übrigen sind hier einheit­liche Sparmaßnahmen, verschärfte Haushalts­kontrolle, sparsamere Rechtspflege und Verwaltungsver- einfachung vorgesehen.

Vereinfachung des Steuersystems.

Die Reichsfinanzverwaltung kostet über 500 Millio­nen Mark. Der Unkostenkoesfizient beträgt mehr als 41a v. H. Wir müssen danach streben, zu einer wesent­lichen Verbilligung der Finanzverwaltung zu gelangen. Deshalb wird ein Gesetzentwurf zur Vereinfachung des Steuersystems vorgelegt, aus dem folgendes hervorge­hoben fei:

1. Vereinfachte Besteuerung der Landwirtschaft.

Die Reichsoermögenssteuer soll künftig für Ver­mögen bis zu 20 900 Mark allgemein fortfallen. Die Einkommensteuer, die die Landwirtschaft zahlt, schwankt schon seit Jahren zwischen 70 und 75 Millionen Mark. Die Veranlagungskosten sind außerordentlich hoch und stehen in keinem Verhältnis zum Aufkommen. Daher sollen

künftig die Grundvermögenssteuer, die Reichsver- mögensffetier und die ersten 10 v. h. der Einkom­mensteuer (also für die ersten 8 000 Mark des Ein­kommens) durch die Einheitssteuer abgegolten

fein. Zugrunde gelegt wird der Einheitswert im Sinne des Reichsbewertungsgefetzes, also ein Crtragswert.

Da bei der Einkommensteuer und Reichsvermögens- fteuer Schuldzinfen bezw. Schulden abgezogen werden, nicht dagegen bei der Grundvermögenssteuer, soll künf­tig bei der Einheitssteuer ein Teil der Schulden abgezogen werden können. Die Höhe der Steuer, die in Tausendsteln des Einheitswer­

tes erhoben wird, sollen die Länder und die Gemeinden bestimmen, denen diese Steuern allein zufallen sollen. Die gcknze Maßnahme soll vielmehr lediglich der Ver­einfachung und der gerechten Behandlung der Steuer- zahler dienen.

2. Die vereinfachte Besteuerung der Kleingewerbe­treibenden.

In ähnlicher Weise wie bet der Landwirtschaft ist auch bei den Kleingewerbetreibenden eine Vereinheit­lichung der Steuern in Aussicht genommen. Die Grundlage muß hier naturgemäß der Gewerbe« ertrag bilden

Durch die Maßnahmen zu 1 und 2 wird es gelin­gen, die Zahl der zur Einkommensteuer zu veranlagen­den Steuerzahler auf eine Million zu beschränken und dadurch die Verwaltung erheblich zu verbilligen.

3. Einheitsbewertung und Vermögenssteuer.

Die Vermögens st euerfreigrenze soll au f 20000 Mark erhöht werden. Dadurch wird sich die Zahl der vermögenssteuerpflichtigen Personen von 1 708 000 um 854 000, also um mehr als die Hälfte er­mäßigen. Auch darin liegt für die Verwaltung eine be­deutende Ersparnis, die den zunächst rechnerisch eintre­tenden Ausfall (etwa 16 Mill. Mark) auf die Dauer er­heblich übersteigen wird.

Für das landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Vermögen und für das Grundvermögen soll die Ein­heitsbewertung künftig nur in Zeitabständen von sechs Jahren vorgenommen werden.

Für das landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Vermögen sowie für das Grundvermögen soll die Zu­stellung der Einheitswertbescheide durch die Offenlegung der Einheitswerte ersetzt werden. Dadurch werden an Stelle von 10,6 Mill. Einheitswertbescheiden künftig nur noch 1,6 Mill. Bescheide zuzustellen sein.

Die Neufeststellungen des Vermögens sollen künftig nur noch auf den Schluß eines Jahres vorgenommen werden.

4. Umsatzsteuern.

Unternehmungen mit einem Gesamtumsatz von nicht mehr als 5 000 Mark sollen der Umsatzsteuer nicht mehr unterliegen. Das Zwischenhandelsprivileg des Para- Sraphen 7 des Umsatzsteuergesetzes soll auf den Groß­andel beschränkt werden. ,

5. Das Steuervereinhettlichungsgeseh

oll erneut vorgelegt werden, um die Vereinheitlichung )er Besteuerungsgrundlage und damit auch die Voraus- etzung für eine organische Regelung der Realsteuern bezw. eine Senkung der Realsteuern zu schaffen.

6. Das Sleuermilderungsgeseh

läuft, foroeigt es steuerliche Erleichterungen für wirt­schaftlich gebotene Betriebszusammenschlüsse betrifft, am 30. September ab. Eine allgemeine Verlängerung ist nicht in Aussicht genommen, weil es feine Aufgabe im wesentlichen erfüllt hat.

Zur Erweiterung und Verbilligung der deutschen Kre- ditoersorgung und zur Verhinderung von Gründungen im Ausland schlägt die Reichsregierung jedoch auf Grund des Ermächtigungsgesetzes vom 9. Juni 1930 eine Senkung der Verkehrs st euer vor (Gesell­schaftssteuer allgemein 2 Prozent, bei Vollfusionen und Sanierungen 1 Prozent) Die Wertpapiersteuer soll künftig gleichviel, ob es sich um Inlands- oder Aus­ländsanleihen handelt, einheitlich 1 Prozent betragen.

Neuregelung -er Wohnungswirlschasl.

Die Linie der Wohnungsbaupolitik, die in dem zu­sätzlichen Bauprogramm des Jahres 1930 vorgezeichnet ist, wird grundsätzlich weiter verfolgt. Oöffentliche Mittel werden nur noch da eingesetzt werden, wo ein wirklicher dringender Bedarf vorhanden ist, und sie wer­den ausschließlech zur Beseitigung der Woh­nungsnot und des Wohnungselends der bedürftigen Schichten unseres Volkes verwendet werden. Die Finanzierung muß weit stärker als bisher auf die

Erzielung tragbarer Mieten

abgestellt werden.

Soweit dieses Ziel nicht durch Kapitalhergabe (Haus­zinssteuerhypotheken) allein erreicht werden kann, wird die Verbilligung der Mieten durch besondere M i e t s und Zinszuschüsse erfolgen. Gleichzeitig wird sich die Reichsregierung die Erhaltung des Wohn» r a u m s in Stadt und Land durch Bereitstellung öffent­licher Mittel angelegen fein kaffen.

In Ausführung dieser Grundsätze werden im Haus­haltsjahr 1931 bis zu 215000 Wohnungen er­stellt werden, und zwar werden 165 000 Kleinwoh­nungen einfachster Art mit Hilfe von Hauszinssteuermit« teln und bis zu 50 000 Wohnungen ausschließlich aus dem Kapitalmarkt finanziert.

Der ländlichen Siedelung sollen öffentliche Mittel in steigendem Maße zur Verfügung gestellt wer­den, und zwar im Jahre 1932-33 75 Mill. Mk. 1933-34 100 Mill. Mark, 1934-35 125 Mill. Mark.

Diese Maßnahmen gestatten es dann,

die Wohnungszwangswirlschafl weiter zu lockern und schließlich aufzuheben.

Das Reichsmietengeietz und das Mieterschutzgesetz sollen alsbald für solche Räume aufgehoben werben, für die das Wohnungsmangelgesetz nicht mehr gilt. Die Auf­hebung soll nur erfolgen, soweit diese Räume frei und neu vermietet werden. Die endgültige Aufhebung des Wohnungsmangelgesetzes soll am 1. April 1934 erfolgen. Das Reichs mietengesetz und das Mieter» fchutzgesetz sollen am 1. April 1936 endgül­tig außer Kraft treten.

Durch die neuen Methoden der Finanzierung im Wohnungsbau wird aus dem bisher für den Wohnungs­bau verwendeten Teil der Hauszinssteuer ein Betrag von etwa 400 Millionen Mark frei. Dieser Betrag soll für die Senkung von Steuern, und zwar der R e a l ft e u e r n verwendet werden.

Das Aufkommen an Realsteuern ist von 600 Millio­nen in der Vorkriegszeit auf 2200 Millionen im

Jahre 1930 gestiegen.

Eine organische Senkung der Realsteuern ist vor Ver­abschiedung des Steuervereinheitlichungsgesetzes, dessen

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die West I

im Bild' undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag I ft/fett ritt 2

ZZö der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift-1 L/Vnnersrug, VllUUeC :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::|