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Beilage zur Fuldaer Zeitung

1. Oktober

verursachten Chaos!

I. G.

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Die Fuldaer Zeitung

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Als der Gedanke unter der Bevölkerung Eingang ge­funden hatte, begann es sich überall zu regen. Orts­gruppen des Reichsverbandes für Deutsche Jugendher­bergen e. V. wurden gegründet und Mitglieder gewor­ben, und bald ging es mit ungeahnter Kraft vorwärts. Heute beträgt die Zahl der Jugendherbergen fast 2300, darunter gibt es schon eine Reihe mustergültiger Eigen­heime der einzelnen Gaue. Sie besitzen große luftige Tagesräume, meist für Knaben und Mädchen getrennt, und zwar so, daß sie bei größeren Zusammenkünften gemeinsam benutzt werden. Die Schlafräume sind in ihrer Größe verschieden, für beide Geschlechter natür­lich streng geschieden. Wasch- und Brausegelegenheiten sind vorhanden, auch eine Herbergsküche. Ein Her­bergsvater verwaltet das Haus. Es wäre schön, wenn es nur solche Herbergen gäbe, aber die größte Zahl der Jugendherbergen ist leider noch unvollkommen, da muß noch nachgeholfen werden (auch in der Fuldaer Jugendherberge). Das Wandern ist der nach­haltigste und zugleich der billigste Weg zur Volksge­sundheit. Von allen Arten der Leibesübungen ist das Wandern diejenige, die von allen Bevölkerungsschichten, von beiden Geschlechtern ausgeübt werden kann. Allen Jugendlichen, gleich welcher Richtung, stehen die Ju­gendherbergen offen.

bauern gesucht habe, gleichsam als wolle er prüfen, ob hier noch die Kraft sei, die unser Volk braucht, um nicht an der Großstadt zu sterben. Diese Erinnerung gebe der katholischen Junglandbewegung das Bewußtsein einer großen Aufgabe und einer schwe­ren Verantwortung. Wir beteten noch gemeinsam ein Vater unser" für den Verstorbenen und ein passendes Lied beschloß -unsere einfache Sonnenschein-Feier. Als wir gegangen waren, schmückten neue Blumen das un­scheinbare Grab.

ist auch den Fuldaern, die in der Ferne wohnen, als Bote aus der Heimat ein lieber Freund.

Sie ist

langweiliger abspielt. Es wäre sinnlos, wenn ich alles niederschreiben wollte, was wir in Berlin sahen und erlebten. Rur einige besonders charakteristische Bilder möchte ich zeigen.

Die Mietskaserne.

Unsere Autobusse hallen in einer öden, längen Straße. Es ist die Ackerstraße. Hohe, graue Häuserfronten recken sich in die Höhe. Fenster reihen sich an Fenster. Es ist unmöglich, sie zu zählen. Keine Blumen bringen etwas Freude in diese kalte Sachlichkeit, kein grünender Baum spendet Schatten vor der unbarmherzigen Juni­sonne. Die Lust atmet sich schwer. Man bekommt brennenden Durst. Alles ist grau. Die Wände der Häuser, der Asphalt, sogar die Gesichter der Menschen, die vorbeigehen oder in kleinen Gruppen unter einem Torbogen stehen, haben diese eintönige, ungesunde Farbe.

Wir gehen durch das Tor eines 7 bis 8 Stock hohen Hauses. Ein schmaler Hofraum nimmt uns auf. Auf allen Seiten hohe Wände, die nur von Fenstern in unregelmäßigen Abständen unterbrochen werden. In den Hof dringt keinen Sonnenstrahl. Natürlich ist er gepflastert. Vor einer Tür spielen einige Kinder. Die Tür führt in dieKeller", die aber hier auch von Men­schen als Wohnräume benutzt werden. Wir treten durch einen zweiten Torbogen, durch einen dritten, durch einen vierten schließlich haben wir den achten Torbogen ge­zählt. Ueberall dasselbe Bild, hohe graue Wände, viele Fenster.

Hinter dem Vorderhaus an der Straßen liegen also 8 ebenso große Hinterhäuser, die wieder durch Quer« flügel miteinander verbunden sind, so daß sich diese schmalen, schachtartigen Höfe bilden.

Das ist die Mietskaserne, diese verdammens­werte Erscheinung der Großstadt. Einige tausend Men- schen sind in einem dieser steinernen, schmutzig aussehen­den Steinkästen zusammengepfercht. Er bildet eine Stadt für sich. Hier wohnen mehr Menschen als in den Fulda benachbarten Kreisstädten Hünfeld, Gersfeld pbet

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Er ist ein gebildeter Mann-, ficifjf das, er hatffubiert? Rein! Es gibt auch unter denbesseren Leuten" viele ungebildete Menschen.

Neulich haben wir uns einmal unsere Gedanken ge­macht über das rechte Lesen. Tiefer jedoch führt uns die Frage nach der wahren Bildung. Wenn wir uns hierin klarer werden, wenn wir uns hierin von einem falschen Ideal abwenden, wird uns die rechte Art zu lesen immer selbstverständlicher.

Wie oft hören wir, daß man von einem anderen sagt, ec sei ein gebildeter Mensch. Schauen wir einmal näher zu, was eigentlich mit diesem Wort gesagt sein soll. Wenn z. B. einen eine ganze Gesellschaftangeregt und inter­essant" unterhalten kann, wenn er die Anstandsformen beherrscht, bann pflegt man ihn einengebildeten Herrn" zu nennen. Hat einer diehöhere Schule" besucht, oder ist er auf der Universität gewesen, dann sagt man von ihm, baß er einehöhere Bildung" besitze. Kommt einer daher mit feinem Anzug, mit funkelnden Ringen an den Fingern, mit einem selbstsicheren Auftreten, dann sagt der Mann des Volkes:es ist ein besserer Herr". Bildung wäre dann also: Sicherheit und Gewandthell im Austreten, die Fähigkeit, nette Unterhaltungen zu führen, das Tragen schöner Kleidung, der Besitz von Wissen.

Es ist gar keine Frage, daß dies alles Güter sind, die auf uns starken Eindruck machen; daß wir uns gar zu leicht imponieren lassen, wenn wir einen Menschen ken­nen lernen, der von ihnen mehr besitzt als wir davon haben. So geschieht es uns darum sehr oft, daß wir diese Güter als Letztes ansehen und anstreben. Wir ver­gessen aber, daß diese allesamt wertlos sind, wenn sie nicht einer innerlich gebildeten und durchsormten Persönlichkeit zukommen.

Sehr gut ist, was Adalbert Stifter in seinem Roman Nachsommer" aus seinen eigenen Erfahrungen hierzu erzählt Er spricht von den Menschen, die bei seinen Eltern zur Abendgesellschaft erschienen:Ich hatte die Leute, darunter aber vorzüglich die jungen, die bei sol­chen Gelegenheiten zu uns kamen, schon genau kennen gelernt, und wenn ich in früherer Zeit eine Scheu, ja sogar eine gewisse Ehrfurcht vor ihnen gehabt hatte, so war dies jetzt nicht mehr der Fall; ich hatte durch Nach­denken und durch Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen einsehen gelernt, daß das, wovor ich besonders ein. Scheu hatte, nämlich ihre Sicherheitund Vor­nehmheit, nur ein Ding ist, das man lernt, wenn man sehr viel in Gesellschaften ist, und wenn man in die- f«n viel spricht und in den Vordergrund tritt. Und daß dieses Ding schwer zu erlernen ist, sah ich daraus, daß es folche inne hatten, deren Geisteskräfte hoch zu achten ich nicht veranlaßt war.... In hohen Ständen sah ich junge Leute, die jenes Benehmen, das mir sonst so hoch Über mir erschien, nicht hatten, sondern sich einfach nud wenig vortretend gaben, höflich und nicht linkisch waren. In den unteren Ständen habe ich manchen Mann kennen gelernt, der, wenn er vor solchen Stand, die er höher erachtete, als sich selbst, nicht die Mühe nahm, auch höher m feinem Benehmen fein zu wollen, sondern der ruhig fo sprach, wie er die Sache verstand, und ruhig die Rede anhörte, die ihm ein anderer erwiderte. Dieser Mann Wen mir auch von höherer Erziehung als die, die viel 4r- bes Benehmens wissen und ersichtlich machen". f>.fh Un8 Geforrntheit des ganzen Menschen. Ge- ndet ist der, bei dem das äußere Wort, die äußere Tat m weitestem Sinn wahrer Ausdruck des inneren Men­schen ist. yues Angelernte, alles Gemachte, Affektierte 'st teme Bildung.

gerne bezeichnet man die verstand- che Wisse ns fchulung mitBildung". Man etihtv65 Icfcn und jenen Vortrag hören und wird un- » tag, wenn man merkt, wieviel Dinge und Gebiete kerb 16 ro0DDn man "ach nichts weiß. Wird in der litt» Haltung dann von einem Gegenstand gesprochen, dann

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Herbstgang.

am Feldweg streift der Nebel schon Und hüllt ihn dicht und lautlos ein. «Born Leben strömt ein dunkler Ton Wie klagend in dein Herz hinein.

Und träumend ruht das weite Land, Im Wald erstarb der Vogelsang.

Du fühlst, wie eine kühle Hand Dich leis berührt auf deinem Gang.

g5 grüßt dich keine Blume mehr, Kein frohes Lied klingt an dein Ohr. Du wanderst still, von Sehnsucht schwer, Die Sonne schloß ihr gold'nes Tor.

Franz Cingia.

Neue Bücher.

Das Buch,tzelmul harringa", aus dem wir hier im Mai dieses Jahres ein Kapitel brachten, und das wir dabei sehr warm empfahlen, ist geschrieben von dem Hamburgischen Richter Hermann P o p e r t. Cs ist kürzlich bei der Firma Hesse und Becker Verlag in Leipzig im 311. bis 315. Tausend (49. Auflage) erschie­nen und zwar in ganz neuer Ausstattung. In dieser neuen Ausstattung kostet es: in Leinenband 5 Reichs­mark, in Steifdeckel 3 Reichsmark und 60 Pfennige, ge­heftet 3 Reichsmark. Uebersetzt ist derHelmut Har­ringa" bisher in die folgenden Sprachen: Ins Hollän­dische, Schwedische, Dänisch-Norwegische und Finnische.

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Wandern und Jugendherbergen

Von geschätzter Seite wird demBlatt der Jugend" geschrieben:

Es ist noch gar nicht lange her, da mußten die jun­gen Menschen die ihre freie Zeit wandernd in der Na­tur verbrachten, des Abends beim Bauern ins Heu ober Stroh kriechen, wenn sie nach einem Tagemarsch Müdigkeit verspürten. Vor dem Kriege ging das meist gut. Der Bauer nahm die Wandergruppen gern auf, setzte sie an seinen gedeckten Tisch und freute sich, wenn sie ihm und feiner Familie beim Abenddämmern einige alte Volkslieder fangen, die ja die Wandervögel nach langem Vergessen wieder heroorgeholt haben. Oft wurde so aus einer Gastfreundschaft eine herzliche Freundschaft.

Als die Jahre kamen, in denen die Erkenntnis von dem Wert des Wanderns immer weiter vordrang und die Wanderscharen weiter und zahlreicher auszogen, wurde die Uebernachtung schwieriger. Sehr oft hatten die Bauern auch heftig zu klagen über die Wanderfle­gel, jene Gesellen, die die Großstadt mit ihrem Lärmen uttit Schreien und all ihrem Flitter mit in die Natur brachten und fast immer die wahren Schuldigen sind, wenn man dem rechten Wandervogel etwas in die Schuhe schieben will. Da war es der in das Indu­striegebiet des Westens verschlagene Lehrer Richard S ch i r r m a n n, der den in den Studentenherbergen schon vorhandenen Gedanken aufgriff und sich für die Einrichtungen von Jugendherbergen einfetzte, die er der gesamten wandernden Jugend zur Verfü­gung gestellt wissen wollte. Er sand willige und opfer­bereite Helfer. Ganz allmählich begann man unter Aufbietung aller bereitstehenden Kräfte das Werk. Ur­sprünglich waren es ganz einfache Räume, mit Stroh­lagern und wenig Decken. Gelegenheit zum Waschen fand man unter der Pumpe oder am nächsten Bach.

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kulkurpädagogische Tagung

für Iugendpräside- vom 23.-27. 3uni 1930 in Berlin.

Als 150 Präsides des katholischen Jung­männerverbandes im Juni d. I. sich im Preu­ßischen Herrenhause zu Berlin zu einer großen Kultur- pädagogischen Tagung zufammenfanden, um auf dem geistigen Untergründe dieser Weltstadt durch eigene 'Schau und Horchen auf Redner aus anderen Lagern einzudringen in andere Welten, da wurde hier und da die geistige Rentabilität dieser Veranstaltung angezwei­felt. Die dabei gewesen sind und sie tarnen aus allen Ecken des Reiches waren am Ende der Tagung ei­nes Lobes über den Ausgang und den Gewinn dieses neuartigen Treffens. Der Sinn des Kursus dürfte als in jeder Hinsicht erfüllt betrachtet werden.

Der Besuch schwieriger Seelsorgsstellen im Wedding und im Osten Berlins, der Hinterhöfe der Ackerstraße, der Russischen Filme, des Grabbeschen Schauspiels im Schillertheater usw. ließ die Teilnehmer die ganze Tra­gik der geistigen Situation Berlins zum Erlebnis wer­ben. Man muß diese ungeheure Not sehen, um aus tiefster Se^le sprechen zu können: Misereor super tur- bam. Es war ein gewaltiges Aufrütteln unserer Seele. In diesem neuen Leben wachsen ganz neue Ausblicke, ganz neue Kräfte, zur Zerstörung und zur Erneuerung, wachsen Potenzen, die noch nicht verwirklicht sind. Bis jetzt hat das Christentum im Wandel seiner Geschichte mit Menschen dieses Rhythmus noch nichts zu tun gehabt. Darum darf man nicht einfach mit historisch überkomme­nen Formen und Methoden neues Leben wecken und neue Menschen einfangen wollen. Wir bejahen diese Zeit und die Menschen dieser Zeit und müssen unter strenger Wahrung des Substanziellen in Dogmatik und Moraltheologie akzidentelle Gegeben­heiten u. Mittel, wo es geboten erscheint, skrupellos aus» scheiden und neue Wege der Pastoral und Pädagogik suchen. Nur so kommen wir an diese Generation heran.

Diese Erkenntnis, die jedem hellsichtigen Volkserzie- her und Jugendführer längst inne geworden ist, wird dem der die Dinge nicht aus eigener Schau kennt, le­bendig bei der Lektüre des soeben erschienen Sonder- heftes derJugendführung": Kulturpädago­gische Tagung für Jugendpräsides vom 23.-27. Juni 1930 in Berlin." Düsseldorf, Jugendführungsverlag. Schließfach 10118. 75 Seiten 1.50 Mark. Das Heft bringt nach einer Einleitung über den Sinn der Tagung die dort gehaltenen Referate, z. T. in erweiterter Form: Prof. Dr. Goldbeck: Der Führer in der Jugendgemein­schaft. Pastor F. Engelke: Evangelische Jungmänner­führung. Erich Ollerhauer: Sozialistische Kulturbewe- gung in der Jugend. Prof. Dr. Spranger: Die männ­liche Jugend und die Politik. Dr. H. Dähnhardt: Jung- nationales Wollen in Volk und Staat. Minister Dr. Wirth: Erziehung zum Staat. Romano Guardini: Möglichkeiten und Grenzen der Gemeinschaft. Bischof Dr. Schreiber: Gedanken für Jugendführer zur Jugend­bildung. Schlußwort von Minister Dr. h. c. Hirtsieser.

Den Teilnehmern an der Tagung wird die Lektüre eine wertvolle Auffrischung und Vertiefung, dem Unbe­teiligten ein Einblick in Arbeitsfelder benachbarter und gegnerischerKulturen" fein, die wir respektieren müssen, von denen wir lernen können, in deren Licht die Kul- turaufgabe der katholischen Jugend größer und bedeu­tungsvoller sich vor uns auftut; als sie im Kleinbetriebe der pädagogischen Alltagsarbeit uns erscheinen mag.

katholisches Jungvolk, bleibe wachsam!

Don einem jungen Fuldaer, der jetzt im Rheinland tätig ist, wird demBlatt der Jugend" geschrieben:

Ludwig Walker, der Generalpräses der Deutschen Jugendkraft, sagte kürzlich bei der Einweihung eines D. I. K.-Stadions: Von rechts und links rollen die Lawinen. Sie werden aufeinanderplatzen. Die­jenigen, die aus dem Chaos aufbauen müssen, das sind die Jungen, denen dieses Stadion erbaut wurde.

Katholisches Jungvolk, ob Bub oder Mädel, mache Dir diese Mahnung, die Dir zugleich eine ehrenvolle Aufgabe zuweist, zu eigen. Die letzten Wahlen, auf die die obigen ernsten Worte des bekannten Jugendführers anspielen, haben endlich einmal auch unsere katholische Jugend poli­tisch hellhörig gemacht. Sie hat sich fast plötzlich bewußt auf den Boden der von der katholischen Weltanschauung getragenen Politik der Vernunft gestellt. Das beweist der Wahlerfolg des Zentrums, den unsere Gegner ver­geblich streitig machen wollen. In einer Zeit, in der sogar das Bürgertum lockenden Sirenengesängen radika­ler Jllusionspolitiker in ziemlich verzweifelter Stimmung sehr zugeneigt war, hat das Zentrum nach dem Wahlsoll nur rund 4,2 Proz. Stimmen eingebüßt. Das ist unzweiselhaft ein Erfolg, der das Wort vom un­erschütterlichen Zentrumsturm erneut wahrmacht.

Die katholische Jugend hat auch ihr politisches Erwa­chen bewiesen, als sie im Wahlkampf sich und ihre Or­ganisationen mit Begeisterung in den Dienst der Zen­trumswahlpropaganda stellte. Sie wußte die wüsten Schimpfereien revolutionärer Parteien als das einzu­schätzen, was sie sind: Als Zeichen unreifer, un­erzogener und skrupelloser Menschen, deren pöbelhaftes Benehmen auf Schritt und Trittdie mangelnde guteKinderstube ve r r i e t.

Katholisches Jungvolk, bleibe wach! Es genügt heute nicht mehr, daß Du nur zur Zeit einer Wahl Dich aktiv in den Dienst der guten Sache stellst und sonst Poli­tik Politik sein läßt. Nein, dauernd mußt Du auf dem Posten bleiben, auch ohne daß man Dich etwa mit einer Phrase wie:Bindet den Helm fester!" dazu auffordert.

Schaue den Gefahren abwehrbereit ins Auge, die von den Radikallsten dem Staat, Deiner Kirche und Religion drohen. Denke daran, daß die republikanische Staatsform die Verhältnisse gegenüber der Vorkriegszeit unleugbar sehr zugunsten des katholischen deutschen Volksteils ver­schoben hat. Denke daran, daß heute d i e Partei, die die Wahrung der katholischen Belange unerschrocken auf ihr Banner geschrieben hat, eine ausschlaggebende Rolle in den Regierungen und Parlamenten spielt. Denke weiter daran, daß die Proklamierung einer sogenannten deut­schen Religion, wie sie gewissen Leuten vorschwebt, Dei­ner Religion feindlich gegenüberstehen muß. Bedenke aber vor allem, daß eine Politik des Knüppels und Schießzeugs sowie des Rassenhasses nie und nimmer den Weisungen des Heilandes entsprechen kann.

Wehre Dich aber auch aus Gründen der Vernunft ganz entschieden gegen eine nach italienischem Rezept ge­plante Diktatur. Im Hintergrund derartiger Betrachtun­gen lauern Krieg im Innern und Krieg nach außen. Denkst Du daran, katholische Jugend, daß noch Deine Vä­ter die Folter des wahnwitzigen Mordens eines techni­sierten Krieges am eigenen Leib verspüren mußten?

Dem Radikalismus von links wirst Du wohl kaum Dein Ohr leihen. Allzu deutlich sprechen die Lehren der in Rußland verwirklichten bolschewistischen Unkultur für sich. Aber der militärische uniformgezierte Tamtam von rechts könnte Dich vielleicht einmal in Ver­suchung führen, diese Politik des Aufdentischschlagens, die uns schon einmal so furchtbar schadete, sympathischer zu betrachten. Du brauchst gewiß nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Im Gegenteil: Du sollst Dich mit den politischen Problemen ernsthaft beschäftigen. Mehr als bisher. Im Jungmännerverein, Gesellenverein und an­deren weltanschaulichen Bünden sollst Du nach dem be­deutungsvollen 14. September 1930 Dich eingehend mit politischen Fragen befassen, sollst Dich mit dem Wollen auch Deiner politischen Feinde auseinandersetzen. Deine Führer mögen von nun ab besonderen Wert auf politische Ausspracheabende, zu denen Dir allein schon die Auslas­sungen der Presse reichlich Gelegenheit geben, legen.

Katholisches Jungvolk. Du bist weltanschaulich organisiert. Organisiere Dich nun auch bewußt poli­tisch. Du mußt Dich zu einer geschlossenen Phalanx, zu einer politischen Junggarde, die mit Herz und Hand zum Kampf (auch ohne Gummiknüppel und Revolver) zusammenfinden.

Schließt die Reihen, habt acht auf die Gefahr! La­winen rollen rechts und links. Katholisches Jungvolk, Du mußt einmal mit aufbauen aus dem von den andern

» ®re* Tage lang wurden wir von den unermüdlichen 2 mer Jungmännern durch die Straßen Berlins gehetzt. I tjj* r*ef>ge Autobusse standen ständig zu unserer Ver- k®Un9- 3n den ersten Stunden machten die Rundfahr- *eoem großen Spaß. Man sah und lernte sehr viel. | «mm war man müde. Und ost schlummerten die

jjgta Insassen der gut gefederten Kraftwagen, bis die Jen hielten, und eine neue Sehenswürdigkeit auf uns

trete.

| 8tt?iflPl?er hieß esTempo! TempoI" Etwas in sträubte sich gegen diese Hatz. Aber sie gehört wohl leit f****1" Berliner merken ihre nervöse Rastlosig- '*°n gar nicht mehr. . . . Untergrundbahnen schie­ne mrt. bumPfem Grollen aus finsteren Löchern. Men- | HE; ^tzen heraus, Menschen drängen hinein; Schie- | fth-J"6? Liegen zu, und schon rast der Zug weiter. Men- ,, Lasten über Bahnhofstreppen. Autos rasen über teg ,en Asphalt. Bunte, abwechselnd aufblitzende Lichter t S&te ben. Verkehr auf den Hauptstraßen automatisch, trennt* 6itfer Wall legt sich das Getöse um dich und nadV ä'ch von dem Menschen, der neben dir geht. Auch brän9t sich dieser Lärm in deine Träume, ten ma®en in Einer großen Jugendherberge. Die Bet­schins °ren bequem. Wir waren müde. Aber an Ein- hochb k mar zuerst nicht zu denken, da die Züge der Hau! *n kurzen Abständen hintereinander an dem

U ' mtt dröhnendem Geklirr vorbeijagten.

ÄUlva - ^at das Berliner Tempo auch etwas ungemein ftabtlphleren^e5' ®*e ungeheure Schwungkraft des Groß- ejne ®ns Erfaßt einen bald. Man genießt es mit tteir . Ewußten Behagen, sicher nur deshalb, weil man it to ° ;Jnan *n Ewigen Tagen wieder auf dem Lande bas Leben sich ruhiger, gesünder und auch

> Schlüchtern. Man mache sich das einmal klar. Unsere Städtchen breiten sich mit ihren größeren und kleineren Familienhäusern nach allen Seiten aus. Sie liegen mitten in einer prächtigen Landschaft. Von allen Seiten grüßen die Berge und Wälder. Dagegen die Mietskaserne. Ein Haus beherbergt soviel Familien wie in Schlüchtern ober Gersfeld wohnen. Diese Wohn­kaserne steht nicht in der freien Natur, sondern ist hin­eingezwängt mitten zwischen ungezählte andere Miets­häuser, sie geht unter in dem Häusermeer der Großstadt.

Verstehst du jetzt, warum diese aufeinander hocken­den Menschen die bestehende Ordnung mit allen Mitteln bekämpfen, die zugelassen hat, daß man sie. in diese Ka­sernen gesperrt hat? Spürst du, daß hier steiniger Bo­den für die christliche Religion ist, weil schäbiger Profit­geist die Menschen eines Zeitalters, das sich zu Un­recht offiziell immer noch ein christliches nannte, so degradiert hat?--

Trotzdem ist katholisches Leben auch in diesen Stein- wüsten erwacht. Kennst du HerwigsSt. Se­bastian vom Wedding"? Dort ist der Hei­lige gezeichnet, der als Missionar unter diesen hassenden Menschen wirken könnte. Es gibt solche Apostel. Der Name Karl Sonnenschein taucht wie ein heller Stern aus diesem Dunkel Berlins auf.

Am Grabe Karl Sonnenscheins.

Mitten in der Stadt liegt ein Friedhof. Eine Mauer schützt ihn gegen die herrandringenden Häuser. An einem Flügel der langen Gräberreihe liegt ein unter frischen Blumen verborgener Grabhügel. Ein schlichtes Holzkreuz nennt den Namen des stillen Schlä­fers: Karl Sonnenschein. Hier ruht der heroische Arbeiter im steinigsten Weinberg des Herrn. Wir ste­hen in Ergriffenheit um das Grab. Dann spricht Aloys S e y o ck von dem Ringen dieses Mannes um die katho­lische Gestaltung der Großstadt. Er erinnert daran, daß Karl Sonnenschein auf der großen Tagung des Iung- männemreins in Neiße gerade den Kreis der Iung-

redet man jetzt mit. Doch wehe, wenn einem der Part­ner tiefer auf den Zahn fühlt. Jämmerlich kann das Versagen werden. Das Los des Halbgebildeten! . . .

Natürlich ebenso falsch ist das sog. Spezialisten- t u m. Jene ledernen Menschen wissen nur in ihrem einen Fach Bescheid und können einen damit zu Tode quälen, wenn man ihnen darauf zu sprechen kommt. Der Rem- brandtdeutsche Langbehn war ja einer der er­sten Vorkämpfer gegen jenes einseitige Fachgelehrtentum des vergangenen Jahrhunderts. Sein damals so Aufsehen erregendes BuchRembrandt als Erzieher" geht beson­ders hiergegen an.

Gewiß sollte man auf einem Gebiet etwas Besonderes leisten können. Aber darüber darf nicht alles andere un­berücksichtigt bleiben. Wir von der neuen Jugend wollen doch für alle Strömungen der Zeit geöffnet sein. Damit wir sie verstehen und denken können, müssen wir auf den verschiedenen Lebensgebieten Vorkenntnisse zu erwerben suchen. Diese müssen wir aber lebendig in uns aufneh- men, müssen hinter ihren tieferen Sinn zu kommen, sie zu beurteilen suchen. Wir dürfen nicht alles bloß hin­nehmen, sondern müssen es innerlich verarbeiten. Es kommt nicht auf eine Summe von Einzelwissen an, son­dern daß ich bas, was ich weiß, ersaßt und in mein gan­zes Wellbild eingebaut habe, damit ich es auch verwenden kann in der Beurteilung meiner Umwell. Es muß hin­ter dem, was ich sage, meine Persönlichkeit stehen. Es darf nicht mehr als Fremdkörper in meinem Geiste her- umschwirnmen. Ich muß also über das Wissen hinaus eine Einstellung zu den Dingen gewinnen.

Hier zeigt sich ganz anschaulich derSinnundWert der Gruppenarbeit. Die Gruppe sollte in gemein­samer Arbeit zum Verständnis eines Gegenstandes Vor­dringen. So müßte es doch eigentlich selbstverständlich sein, daß man z. B. das Jugendblatt einmal mit in den Verein nimmt, um einen Artikel gemeinsam zu bespre­chen. So würde auch mehr bas Interesse für unser Blatt der Jugend" wachsen. Denn das ist doch letzten Endes die Aufgabe des Jugendblattes, an dem Weltbild der neuen kathol. Jugend mitformen zu helfen. Und wie konnte das eine fruchtbare Arbeit werden! Wie konnte Leben geweckt und weiter getragen werden, wenn wir alle mit Interesse dahinter ständen. In besonderer Weise dienen auch die Zeitschriften des Jugendhauses Düsseldorf dazu, uns gleichmäßig in alles einzuführen. Nur dürfte die Gruppe nicht versagen, in der das Ge­botene weiter verarbeitet werden müßte. So würden wir schon organisch und harmonisch jenem Bildungs- ideal ber kath. Jugend entgsgenwachsen. Viel konnten uns auch unsere Schriftsteller geben. Sie können uns vom Leben her die rechte Einstellung zu den einzel­nen Dingen zeigen. So z. B. Herwig in der sozialen Frage, Oberkofer, Federer, Hansjakob und andere in Hei­mat und Volkstum. Doch davon ein ander Mal. Tr.

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Karl lbaex

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