Anzeiger für die Stadl Julda und denLandkreis Aulda. Amtliches Kreisblatt
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt
Mittwoch, 1. Oktober 1930
im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag fcfa * der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift»
57. Zahcg
:: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151,
NCB Berlin. 30. Sept. (Eig. Meld.) Von unterrichteter Seite wird nunmehr bestätigt, daß der Reichskanzler die Besprechungen über die Durchführung des Sanierungsprogramms bereits im Laufe des heutigen Vormittags aufnimmt. Der Reich 's p r ä f i d e n t kehrt vormittags von der Schorfheide nach Berlin zurück und wird den Kanzler um %12 Uhr empfangen. Im Anschluß daran wird der preußische Ministerpräsident Braun, der ebenfalls wieder in Berlin ist, den Kanzler besuchen. Die Veröffentlichung des Programms wird, wie vorgesehen, heute abend erfolgen.
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Weg mehr, der parlamentarisch aus dieser Rotlage herausführk.
* Republikanische Kundgebung in Madrid. In Madrid fand am Sonntag, wie „Journal" berichtet, eine republikanische Kundgebung statt, der weit über 20000 Personen beiwohnten. Ein Umzug durch die Hauptstraßen der Stadt schloß sich an. Zwischenfälle haben sich nicht ereignet.
wtb. Hagen, 30. Sept. (Eig. Meld.) Ober- b ü r g e r m e i st e r Dr. Raabe hat sich durch die Finanzlage der Stadt veranlaßt gesehen, einen Hilferuf an die preußische Staatsregierung zu richten, da es trotz Heranziehung aller verfügbaren Steuerquellen der Stadt nicht möglich ist, den im Haushaltsplan für das Etatsjahr 1930 bestehenden Fehlbetrag in Höhe von 3,8 Mill. Rrn. auszugleichen. Hagen ist von der herrschenden Arbeitslosigkeit besonders schwer betroffen. Die Staatsregierung wird nun gebeten, an die Stadt Hagen einen Zuschuß do n 2Vi Mill. Mark zu überweisen und sofort zur Prüfung der finanziellen und wirtschaftlichen Lage der Stadt einen Regierungskommissar zu entsenden. Die städtischen Beamten und die Gehaltsempfänger, der der Verwaltung nahestehenden Unternehmen haben die allmonatliche Abgabe eines Teiles ihres Gehaltes an die Erwerbslosen und Hilfsbedürftigen der Stadt befchlof- fen und richten an alle Hagener Beamte der Reichs- und Staatsbehörden sowie an alle Festbesoldeten der Privatbetriebe einen Aufruf für ein freiwilliges Notopfer, das die Abgabe von 1—30 Proz. der Monatsgehälter für Jahreseinkommen von 5000 bis 30 000 Mark vorsieht.
Das Problem des kommunalkredtts.
Line Entschließung des Preußischen Städtekags.
Gleichzeitig mit dem 25. Deutschen Städtetag über dessen Verlauf wir bereits berichteten, tagt in Dresden der Preußische Städtetag,' der am Samstag von dem Präsidenten Dr. M u l e r t eröffnet wurde. Im Mittelpunkt der Beratung stand das Problem des kommunalen Kre-
Beamtenregierungen wird man der schwierigen Lage nicht mehr Herr.
Das nächste Schicksal der parlamentarischen Demokratie in Deutschland ist noch einmal in die Hände der Parteien gelegt. Bei den Verhandlungen, die der Kanzler seht mit den Parteivertretern zu führen gedenkt, werden sich die Umrisse der künftigen Mehrheit rasch abzeichnen müssen. Gelingt dieser Versuch nicht, dann sehen wir keinen
Die Wiener Krise.
Die Wiener Krise kam für die Außenwelt ziemlich überraschend. Innerhalb eines Jahres hat Deutsch - Oesterreich nun das dritte Ministerium. Im Slugust vorigen Jahres kam Steeruwitz zur Regierung. Er konnte sich aber nur drei Wochen halten, weil er die Hoffnungen der Heimwehr, die in ihm, dem alten Reiteroffizier, den österreichischen Mussolini vermutete, enttäuschte. Sein Nachfolger war der bisherige Wiener Polizeipräsident Dr. Schober. Auch Schober hat die Erwartungen der Heimwehrführung sehr enttäuscht. Auch er lehnte es ab, sich nach dem Muster Mussolinis für einen Marsch nach Wien gebrauchen zu lassen. Schober ließ es sogar auf einen direkten Kampf mit der Heimwehr ankommen, der zur Kaltstellung Dr. Steidles und zu einer Zersetzung der Heimwehrorganisation führte. Dafür hat Dr. Schober, der bis dahin als der schärfste Bekämpfer der österreichischen, noch ganz marxistisch eingestellten Sozialdemokratie galt, die Gegnerschaft dieser Sozialdemokratie gegen seine Persönlichkeit wie gegen sein Kabinett abgeschwächt und auf diese Weise in vielen politischen, insbesondere auch wirtschaftspolitischen Fragen zum mindesten die Duldung der österreichischen Sozialdemokratie für seine Maßnahmen erreicht.
In diesen Verbindungen und Verknüpfungen liegt wohl auch die tiefere Urlache für den jetzigen Sturz Dr. Schobers. Die äußere Veranlassung bilden an sich persönliche Fragen. Es dreht sich um die Bestellung des christlichsozialen Vizebürgermeisters von Graz, Dr. ©trafella, zum Generaldirektor der österreichischen Bundesbahn. Diese Berufung war von den Christlichsozialen gewünscht, um der sozialdemokratischen Mißwirtschaft bei den österreichischen Bundesbahnen, die vejr- schiedentlich schon in Korruption ausgeartet mar, ein Ende zu bereiten. Schober war aber Gegner Strafellas, und so wurde von dieser Seite her die Frage aufgerollt, ob Dr. Schober innerhalb der Christlichsozialen Partei noch über die Vertrauensmehrheit verfügt. Und nun ergab es sich, daß Schober tatsächlich den erforderlichen Rückhalt innerhalb der Christlichsozialen Partei nicht mehr hinter sich hatte, und die Konsequenz des Rücktritts ergab sich von selbst. Sein Nachfolger im Amte des Bundeskanzlers wurde der bisherige Vizekanzler V a u g o i n , der sich schon seit längerem in fachlicher und persönlicher Gegnerschaft zu Schober befindet und der auch in dem erwähnte^ Falle der Berufung Strafellas sich auf dessen' Seite, also gegen Schober, gestellt hatte.
Daugoin galt schon seit längerem als Anwar» ter auf das Amt eines Bundeskanzlers in Oesterreich. Seit neun Jahren ist Vaugoin, der jetzt im 57. Lebensjahre steht, Heeresminister. 1929 wurde er Vizekanzler, und als im Frühjahr 1930 Bundeskanzler Dr. Seipel von der Oberleitung der Christlichsozialen Partei zurücktrat, wurde Vaugoin Bundesparteiobmann, also Chef der Gesamtpartei der Christlkchsozialen Oesterreichs.
Es kann nicht geleugnet werden, daß Dr. Schober in vielen Dingen enttäuscht hat. Namentlich gilt das feiner eigenen Partei, den Christlichsozialen gegenüber. Man hatte von ihm, vor allem nach seiner früheren Tätigkeit, ein viel schärferes Zupacken gegenüber der sozialdemokratischen Mißwirtschaft erwartet, und auch der Terror- und Ka- tastrophenpolitik, welche die ja viel schärfer und radikaler als die deutsche Sozialdemokratie eingestellten österreichischen Sozialdemokraten mehr und mehr übten, hat er nicht die erforderliche Energie gegenübergestellt.
Cs hat sich aber auch des weiteren ergeben, daß Dr. Schober doch nicht diejenigen Erwartungen, die man auf ihn bezüglich der Ordnung der innenpolitischen und innerwirtschaftlichen Verhältnisse Oesterreicks setzte, zu erfüllen vermochte. Er half sich mit Lavieren und Kompromissen, die schließlich keinen befriedigten und ihm auch außerhalb der Christlichsozialen Partei immer mehr Gegnerschaft brachten.
Von dem neuen Bundeskanzler Vaugoin erwartet man eine straffere Zügelführung. Freilick ist die Schaffung einer parlamentarischen Mehrheit unter den gegenwärtigen österreichischen Verhältnissen außerordentlich schwierig. Sie scheint im Augenblick sogar unmöglich zu sein. Sobald sich das herausstellt, wird der Regierung Vaugoin nichts anderes übrig bleiben, als zunächst als M i n- derheitsregierung die brennendsten Fragen Oesterreichs, die wie bei uns in Deutschland in der Hauptsache auf wirtschaftlichem, sozialem und finanziellem Gebiete liegen, noch zu beordnen zu suchen, um dann das Volk zu Neuwahlen, die nach Lage der Dinge im November stattfinden würden, aufzurufen.
In gewisser Hinsicht ähneln sich die Dinge in Oesterreich einerseits und in Deutschland andererseits ganz außerordentlich. Hier wie dort verlangt man eine starke Persönlichkeit, die den Mut zur Verantwortung besitzt und die fick nicht von Parteien beinflussen und treiben läßt, sondern nach bestem Wissen und Gewissen führt. Es wird, wie bei uns in Deutschland, so auch in Oesterreich, darauf ankommen, diejenigen Männer zu finden, die dem Führer zu folgen bereit sind.
Für Oesterreichs innere und äußere Entwicklung ist es ganz besonders wichtig, daß seine Finanzwirtschaft in Ordnung gebracht wird, und der geeignetste Mann hierfür wäre der frühere Finanzminister Dr. Kienböck, während die beste Vertretung Oesterreichs nach außen hin durch die Besetzung des Außenministeriums mit dem früheren Bundeskanzler Dr. Seipel erfolgen würde. Heute zeigt es sich, daß die Seipel-Regierung die seit dem Zusammenbruch innen- und außenpolitisch, aber auch wirtschaftlich beste Regierung für Deutsch- Oesterreich gewesen ist.
Die Stadl Hagen in schwerer Nnanznol.
3,8 Millionen Defizit. — Hilferuf des Oberbürgermeisters an die preußische Regierung. — Die stüdkifchen Beamten und Gehaltsempfänger beschließen ein freiwilliges Aolopfer zu Gunsten der Erwerbslosen und Hilfsbedürftigen.
sie nicht weiter als eine antiparlamentarische Partei bezeichnet werden; es müsse deshalb für andere Parteien möglich sein, mit ihr zusammenzugehen, damit auch die Nationalsozialisten das Mögliche vom Unmöglichen unterscheiden lernten, er empfände es als ein gutes Zeichen, daß seitens der Nationalsozialisten gesagt worden sei, sie wollten keinen Einfluß auf die Außenpolitik ausüben, sondern nur auf die Innenpolitik."
Dr. Seipel, so meint die „Germania", müßte nach diesem Interview im „Aftonbladet" der Meinung fein, daß schon die Mandatszahl den Charakter einer Partei bestimmt. Ob die Nationalsozialisten eine parlamentarische oder antiparlamentarische Partei sind, hänge aber nicht von der Zahl der gewonnenen Mandate ab, sondern von dem G e i st, der sie beseelte und von dem Willen, den sie für die positive parlamentarische Arbeit mitbrächten. Bisher hätten sie sich stets als antiparlamentarische Partei ausgegeben. Man könne nicht «nehmen, daß Dr. Seipel beispielsweise aus dem Anschwellen der kommunistischen Mandatsziffer ohne weiteres den gewagten Schluß ziehen wollte, auch diese Partei sei eine parlamentarische geworden. Wenn schließlich Seipel sich auch geäußert haben sollte, die Nationalsozialisten wollten keinen Einfluß auf die Außenpolitik ausüben, so habe Hitler diese Meinung selber in seiner Leipziger Rede widerlegt. Vielleicht ziehe Seipel Analogien zwischen österreichischen und reichsdeutschen Verhältnissen — „Analogien, die wir nicht für möglich halten".
Das Parlament stehe vor einer historischen Aufgabe; es müsse entscheiden, ob es der Führung den notwendigen Raum schaffen wolle, den sie brauche, um das Reich aus der Not der Zeit mit allen Mitteln und weitestgehenden Vollmachten herauszuführen. Die nächsten Wochen würden zu erweisen haben, ob die Parteien zu dieser Einsicht fähig seien.
Mit oder ohne Reichstag.
Die Fühlungnahme des Kanzlers mit den Parteien. — Wird das Sanierungsprogramm Brünings eine Mehrheit finden? Gegebenenfalls Durchführung unter Ausschaltung des Reichstags.
Die Sitzung des Reichskabinetts, in der das Regierungsprogramm noch einmal redaktionell überarbeitet werden soll, hat Montag abend um 18 Uhr begonnen. Die Veröffentlichung wird im Laufe des Dienstag erfolgen. Am Mittwoch wird der Kanzler dann voraussichtlich die beabsichtigte Fühlung mit den Parteien aufnehmen, und zwar werden zunächst die Führer der Parteien unterrichtet, die das Kabinett bisher gestützt haben. Darüber hinaus wird der Kanzler aber auch mit der Sozialdemokratie und mit der Rechten verhandeln, um ihre Stellungnahme zu dem Sanierungsprogramm der Reichsregierung festzustellen. Auch mit dem preußischen Ministerpräsidenten Braun ist als dem Regierungschef des Landes Preußen eine Besprechung vorgesehen, da die Länder bei der Durchführung des Programm zweifellos eine Reihe wichtiger Aufgaben haben.
Nachdem das Programm nunmehr fertiggestellt ist und das zweite Stadium, das der parlamenta- riichen Fühlungnahme, beginnt, beschäftigt matt sich in politischen Kreisen naturgemäß stärker mit der Frage, wie sich die Mehrheitsverhält- nisse im neuen Reichstag gestalten werden, der bekanntlich in 14 Tagen zum ersten Mal Zusammentritt. Die Berliner Presse sieht die Möglichkeit einer Mehrheit noch nicht, und so spielt in ihren Betrachtungen der Gedanke, den Reichstag möglichst wenig zu bemühen, eine erheblichere Rolle als bisher.
Bemerkenswert sind die Aeußerungen der „Germania". Das Blatt nennt es einen Fehler, in den viele verfielen, jetzt den Nationalsozialismus zu idealisieren, indem sie ihn nicht sähen, wie er sei, sondern wie sie ihn sehen möchten. Nachdem Hitler unter der eigenartigen Hilfsstellung des Reichsgerichts sein großes Plädoyer von den Schranken der Zeugenbank aus gehalten habe, nachdem er die „Legalität" seiner Bewegung und seiner Bestrebungen sogar noch habe beschwören dürfen, schienen plötzlich seine und seiner Anhänger frühere AeuWrungen wie weggefegt. Es gebe Millionen Deutscher, die nicht zu Hitler gehören wollten, weil sie ihn und seine Mittel ablehnten.
„Man hat in Deutschland ein Interview verbreitet", so heißt es in dem genannten Blatte weiter, „das der ehemalige österreichische Bundeskanzler Dr. Seipel einem Vertreter der norwegischen Zeitung „Aftonbladet" über den Ausfall der deutschen Wahlen gegeben hat. Sofern dieses Interview richtig wiedergegeben ist, hat Dr. Seipel die Auffassung, nachdem die Nationalsozialisten über hundert Mandate gewonnen hätten, könnten
d i t e s. Das Referat hierüber hielt Oberbürgermeister B r a u n - Al t o n a. Im Anschluß an seine Ausführungen entwickelte sich eine längere, zum Teil lebhafte Diskussion, in der die Vertreter der einzelnen politischen Parteien ihre Auffassungen zu dem Problem darlegten.
Die Versammlung nahm zur Frage des Kommunalkredits eine Entschließung an, in der es u. a. heißt:
Bei der auf dem Jnlandsmarkt obwaltenden Kapitalknappheit und dem Mißverhältnis zu Angebot und Nachfrage haben die Gemeinden auch den Auslandsmarkt in Anspruch nehmen müssen. Die Drosselungspolitik der Reichsbank wie der Beratungsstelle hat den Gemeinden die Befriedigung ihrer Kreditbedürfnisse erschwert und damit Zu ihrem Teil das Anwachsen der überhohen kurzfristigen Verschuldung verursache Die Städte haben in Erkenntnis dieser Finanzlage ihre Kreditpolitik den völlig veränderten Verhältnissen aus freier Entschließung angepaßt. Die von den Städten freiwillig gebildeten kommunalenKreditaus- schösse haben ihre Bewährung in praktischer Arbeit bewiesen. Damit entfällt jeder Anlaß zu neuen staatlichen Eingriffen. Die Fortführung der Beratungsstelle für Auslandskredite", noch dazu in ihrer bisherigen Form u. Zusammensetzung, ist a b z u l e h n e n. Vor allem aber ist die geplante Ausdehnung ihrer Zuständigkeit auf Inlandsanleihen und Anleihen der Versorgungsbetriebe mit eigener Rechtspersönlichkeit als ebenso schädlich wie überflüssig scharf zu bekämpfen. Eine freiwillige, von Selb st Verantwortung getragene Zusammenarbeit wird auch auf diesem Gebiete weit stärkere Erfolge erzielen als äußerer Zwang.
W Notwendiges.
Runter der Ueberschrift „Notwendiges" EL die „Köln. Volksztg." zu den bevorstehenden
Stbanblungen mit den Parteiführern einen Be- e «ck ihres Berliner Vertreters, in dem der Ernst Apolitischen Situation sehr klar herausgearbeitet
Abschluß der Kabinettsberatungen, so ■ treibt das genannte Blatt, wird der Reichskanz- am Dienstag vormittag dem Reichspräsidenten Äer den Inhalt des Reformprogramms berichten. I am gleichen Tage werden die B e f p r e ch u n- aenüberdie Möglichkeiten derMehr- tzeitsbildung beginnen. Der Reichskanzler ^ird das Regierungsprogramm zunächst den im ««binett vertretenen Parteien vorlegen, dann fol- -g. Verhandlungen sowohl mit der Rechten wie mit der Linken. Es sollte eigentlich nicht schwer Mten, die Regierungsparteien auf die Linie des Reformprogramms zu bringen. Zwar haben die -Deutsche Volksvartei und die Wirtschaftspartei Mkfälle in schlechte Gewohnheiten gehabt und sich I flon der Regierung distanziert, ehe sie deren Pro- qromw kannten. Die Not der Zeit wird hoffentlich auch diese Parteien lehren, daß mit vielartigen | Resolutionen und kraftvoll klingenden, in Wahrheit aber leeren Sprüchen wie denen, daß das Nebel an der Wurzel angefaßt werden müsse, die | Zage nicht gemeistert werden kann. Eines der । größten Hebel sitzt in den Fraktionszimmern ge= mijfer Parteien, die trotz des Urteils vom 14. September mit ihren alten Methoden die neue Aera । eröffnen wollen und die immer noch glauben, die Welt höre an ihren Fraktionszimmern auf. Aber ; Meicht bringt die harte Sprache der Not auch f an diese halbtauben Ohren, so daß wir die beschei- : bfne Hoffnung der Einigung der Regierungspar- I feien noch nicht ganz aufgeben möchten. Dann Sten wir wenigstens einen 210 Abgeordnete um- enben Block, der einen Stützpunkt in den wett schwierigeren Verhandlungen mit den Parteien rechts und links bilden könnte.
~3Bir nehmen an, daß das Regierungsprogramm auch den Nationalsozia- listen zur Aeußerung vorgelegt wird, nicht etwa deshalb, weil wir irgendeine Neigung " M diesen politischen Abenteurern verspüren oder eine ersprießliche Zusammenarbeit mit ihnen für Möglich hielten. Aber wenn der Versuch einer po- « Mehrheitsbildung schon gemacht werden feil, kann man sich schwerlich gegenüber den Na- I ÜWÄsozialisten scheintot stellen und so tun, als existierten sie nicht. Den billigen Agitationsgrund, man hätte sie noch nicht einmal gehört, wird man ihnen nicht geben dürfen. Eine Mehrheit mit ihnen ' ist weit und breit nicht zu sehen, und das halten ytt nicht für einen Fehler, eher für das Gegenteil. ;; Aber auch nach der anderen Seite sehen die : Mnge nicht rosig aus. Was die Sozialdemokraten aus dem 14. September gelernt haben, | mich sich bald zeigen. Wir befürchten, daß es nicht sehr viel ist. Zudem haben Deutsche Volkspartei und Wirtschaftspartei schon jetzt überflüssige Hemmnisse für die Große Koalition mifgetürmt. Beide Parteien sind aber notwendig, menn eine Arbeitsgemeinschaft mit der Sozialdemokratie zustande kommen soll.
( Der Reichskanzler handelt richtig, wenn er jetzt ®eg zur parlamentarischen Mehrheitsbildung - M- Er muß und wird die Frage prüfen, ob mit °>esem Reichstag regiert werden kann. Die Hoffnung, daß bas möglich fein wirb, geben mir nicht M, aber man würbe snh Illusionen hingeben, menn man nicht erkennen wollte, baß ber Glaube | "" diesen Reichstag auf sehr schwachem Grunbe I M- Die Stimmung, wie sie uns in den Berliner I S;Grn entgegentritt, ist ausgesprochen pessi- ! mistisch. ' •
Eine vorübergehende Ausschaltung es Reichstages ist noch nicht das Ende des parlamentarischen Systems in Deutschland. Aber | Werordentliche Zeiten können außerordentliche | Abnahmen notwendig machen, und wenn es mit ■ JP" Reichstag nun einmal nicht geht, muß der eriuch der Rettung Deutschlands auf anderem ’ sn?9e unternommen werden. Je ungestörter die n’erung die notwendigen Maßnahmen in die . e.?e ketten kann, um so rascher wird die Demo- t Bi«t ^ber in ihre Rechte eingesetzt werden. Das si tin ""^brauchte Wort von der Notwendigkeiit ■ Marken Führung erhält diesmal eins ernste ^Wupolitische Bedeutung. Diese oder eine erwei- ick auf staatstreue Krä fte stüt- L?de Regierung wäre in der Lage, Ruhe ■ Ordnung in Deutschland zu garantieren, de- : jJ; Störung das Unheil voll machen würde. Wir D Q^en also, daß diese Regierung unter allen Um« das Heft in der Hand behalten und vor« I £;,e.n. Muß, das ZU tun, was im Interesse der 11 Wirtschaft und ber deutschen Zukunft un= l getan werden muß. Gerade die grünte I j $ parlamentarisch eingestellten Parteien sollst chr keine unnötigen Schwierigkeiten machen. I @,ann wird es am ersten gelingen, den zerstörenden $er6 -nte.n die Straße zu verlegen und geordnete k ^ iuisse wieder herzustellen.
। ,~er den äußersten Fall ins Auge L ° V braucht nicht in den Verdacht zu geraten, n »P?unm)e diese Zustände herbei. Die ordnungs- ' ’9e Erledigung der jetzt zu beschließenden Mäh
st $Frtmen burch den Reichstag ist immer noch das | ‘ Aber es scheint nicht überflüssig, die Par-
I L , leht mit voreiligen Entschließungen die kllle erschweren, daran zu erinnern, was ge= ann mu6' wenn sie keine politische Vernunft b'^bwen. Die Aufgabe, die die Regierung zu ^^walfigen hat, kann sie nur lösen, wenn sie sich ftb'nh"ine. ^e Mehrheit stützt, die gewillt und ent« 6e‘ ',Gn 'tt, Experimente wie Aufhebung der Notfen ’!/^un9en ober Mißtrauensanträge entschlos- kbr ° -?iroef)ren. Mit Minberheitskabinetten, bie | n Eag stürzen können ober andere Versuche wie
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