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Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt

im ®ilb* und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag Ttt» AfaO der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift. :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Freitag, 26. September 1930

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Dom Völkerbund in Genf

Deutsche Entschlietzung in der Abrüstungsfrage.

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Keine Gefährdung des Auslandskrediks.

Die Reichsbank hat am Samstag abend aus ihrem Bestände für 35 Millionen Reichs­mark Gold an die Bank von Frankreich ab­gegeben. Inzwischen ist ein neuer Goldtransport nach Frankreich nicht erfolgt. Bon maßgebender Seite wird dem W.T.B.-Handelsdienst dazu er­klärt, daß es falsch sei, wenn die Oeffentlichkeit solche Goldabgaben eines Noteninstituts, die der natürlichen Regulierung zwischen den Währungen d'enen, als Alarmzeichen betrachte. Das Ausland sehe darin die starke Entschlossenheit der Reichsbank, alles zu tun, um die Wechselkurse im Gleichgewicht zu halten. Es sei töricht, anzuneh­men, daß ausländische Kredite in großem Umfange gekündigt und Anleiheverhandlungen gescheitert seien; denn das Ausland fei von fid) aus durch­aus ruhig und besitze nach wie vor Vertrauen in die Solidität und das Ansehen des deutschen Kredits. Die große Gefahr für den deutschen Kre­dit sei das Mißtrauen, das vonDeutschen selb st ins Ausland getragen werde, während das Ausland weiterhin an den Fortschritt der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands glaube, auch wenn durch die Reichstagswahlen eine Aenderung der innerpolitischen Lage eintreten würde.

Auf Anfrage erfährt • W.T.B.-Handelsdienst noch, daß die Devisennachfrage nachge­lassen hat. Trotzdem sei es natürlich nicht aus­geschlossen, daß je nach Lage der Märkte noch wei­tere Goldtransporte neben den Devisenoperationen zur Regulierung der Wechselkurse erfolgen würden.

ist. Im Einverständnis mit den Minderheitenvev- tretern habe die deutsche Delegation bewußt darauf verzichtet, in diesem Jahre Anträge über eine Abänderung der Garantiepflicht des Völ­kerbundes zu stellen. Es kann kein Zweifel be­stehen, daß solche Anträge von einer großen Mehr­heit abgelehnt worden wären, was nach Aw­sicht der Minderheitenvertreter nicht im Inter­esse der Minderheiten gelegen hätte. Be­sonders bemerkenswert in dem Bericht ist der auf deutsche Anregung aufgenommene Hinweis, daß der Völkerbund die Pflicht habe, alle im Madrider Verfahren liegenden Möglich­keiten zur Verbesserung des Verfahrens auszw- schöpfen. __________

Die Atemelbeschwerde.

Ein Schreiben des Reichsaußenministers

an dm Generalsekretär des Völkerbundes.

Reichsminister Dr. Curtius hat an den Ge­neralsekretär des Völkerbundes ein Schreiben ge­richtet, worin er den von dem litauischen Außenl- minister erhobenen Widerspruch gegen den deut­schen Antrag auf die dringliche Behandlung der M e m e l b e s ch w e r d e zurückweist. Es heißt in dem Schreiben:

„Ich kann die formalen Einwendungen in der litauischen Regierung gegen meinen Antrag, die Memelbeschwerden auf die Tagesordnung des Rates zu setzen, in keiner Weise als begründet ansehen. Ein Vergleich mit dem Juristengutachten vom 16. September 1926, in dem die für das Verfahren geltenden Vorschriften erörtert worden sind, zeigt.daß die deutsche Regierung die Vorr­aussetzungen für die Anrufung des Rates in jeder Hinsicht erfüllt hat. Bei der Dringlichkeit des Falles darf.ich annehmen, daß der Rat in seiner nächsten Sitzung über die weitere Behandlung der Angelegenheit Beschluß fassen wird, und darf mir Vorbehalten, vor dem Rat noch weitere Ausfüh­rungen hierzu zu machen."

Ealonder zieht seine Demission zurück.

Der Vorsitzende der gemischten Kommission für Oberschlesien, Ealonder, hat seine Demission zurückgezogen. Ealonder entspricht damit einem einmütigen Wunsche des Völkerbund­rats, der in der vorigen Woche in einem ein­stimmigen Beschluß in diesem Sinne auf den wegen seiner unbedingten Objektivität hochangesehenen schweizerischen Bundesrat eingewirkt hat. Wenn Ealonder jetzt seine persönlichen Gründe, die ihn zu seiner Demission veranlaßt hatten, zurückgestellt hat, so hat er es nicht zuletzt deshalb getan, weil der deutsche und der polnische Außen- mi nister ihn in einem gemeinsamen Schreiben gebeten hatten, auf seinem Posten in Oberschlesien zu bleiben.

Trauergottesdienst für Stresemann.

Am 3. Oktober, dem Todestag Dr. Stresei- manns» wird in Genf ein Trauergottesdienst statt- sinden, an dem die deutsche Delegation vollzählig teilnehmen wird. Von den anderen Delegatio­nen ist 'gewünscht worden, den Gottesdienst zeit­lich so zu legen, daß auch ihnen die Teilnahme möglich ist. Diesem Wunsche wird nach Mögliche feit entsprochen werden.

Blut-Arlette in Moskau.

Hinrichtung von 48 wegen konterrevolutionärer Tätigkeit verurteilter Russen.

Das Kollegium der staatlichen politischen Ver­waltung in Moskau prüfte im Auftrag des Zentralexekutivkomitees und des Volkskommifsaren- rates der Sowjetunion die Angelegenheit der kon­terrevolutionären Schädlingsorganisation auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung der Bevölke­rung. Die Führer der Organisation Alexander Rjasanzew, Eugen Karatygin und 46 andere Organisatoren und Teilnehmer an der Schädlings­tätigkeit in den verschiedenen Lebensmittelversor­gungsorganen wurden, zum Tode verurteilt. Das Irteil ist vollstreckt.

im Tone und in Einzelheiten entschieden sei. Graf Bernstorff gab auch bei dieser Gelegenheit der tiefen EnttäuschungDeutschlands üb er die ganz unzulänglichen Fortschritte des dem Völkerbund übertragenen Abrüstungswerkes Ausdruck. Er er­klärte, die deutsche Regierung werde eine erste Etappe auf dem Wege der Abrüstung nie als solche gelten lassen, wenn sie nicht eine wesentliche Herab­setzung der Rüstung auf allen Gebieten bringe.

Die von der deutschen Delegation im Ab­rüstungsausschuß der Völkerbm»dsversammlung ein­gebrachte Entschließung, die der Vollsitzung unter­breitet werden soll, lautet:

„Sn dem ernstlichen Wunsch, daß der Bölkev- bund seine höchste Aufgabe, die der Abrüstung, endlich erfülle, nimmt die Vollversammlung Kennt­nis von dem Ergebnis der Londoner Flottenkonfo- renz und stellt fest, daß nach dieser Konferenz die vorbeveitmde Abrüstungstommission, die bisher noch nicht zu einem positiven Ergebnis gekommen ist, zu dem 3. November d. 3. einbsrufen worden ist. Sie drückt den Wunsch aus, daß die vorbereitende Abrüstungstommission ihre Arbeiten bis Ende d. 3. beendet und sie bittet den Rat, die allge­meine Abrüstungskonferenz so bald wie möglich im 3ahre 1931 einzuberufen."

Abschluß der Mnderheiten-Deballe.

Die Minderheitendebatte int politischen Aus­schuß der Völkerbundsversammlung ist am Mitt­woch mit der Annahme des Berichtes abgeschlossen worden. Für die Beurteilung des Ergebnisses ist die Tatsache bezeichnend, daß heute nach Schluß der Sitzung ein Vertreter der Minderheiten, die den Debatten mit großem Interesse gefolgt sind, dem deutschen Außenminister Dr. Cur- tiu s dafür gedankt hat, daß durch die deutsche Initiative die Behandlung der Minderheitenfrage in dem politischen Ausschuß möglich geworden ist. Auch die nichtdeutschen Minderheitenvertreter sind der Meinung, daß durch die Debatte eine geeig­nete Grundlage für die weitene deutsche Minderheitenpolitik geschaffen worden ist. Deutscherseits wird Betont, daß es für die deutsche Regierung eine selbstverständliche Pflicht war, das den Minderheiten int vorigen Jahre von Dr. Stresemann gegebene Versprechen, ihre Angelegen­heiten int politischen Ausschuß zur Sprache zu bringen, zu erfüllen. Dazu kam, daß über das Madrider Verfahren eine Reihe von Beschwerden Vorlagen und daß die Verhandlung der Mindev- heitenfrage im Jahresbericht beanstandet worden

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• W I k OIUr Konferenz sei es möglich ge- oen Vorbereitungsausschuß aus den 3. No- ^rizuerusen. Auf der Tagesordnung dieser

** ft f t-n Ordert hauptsächlich die Frage der Ef-

Der Geist der Reichswehr.

Unser Berliner Mitarbeiter hatte mit einer prominenten Persönlichkeit im Reichswehrmini­sterium, Major M a r ck s, eine Unterredung, die die zahlreichen Gerüchte über einen politischen Geist in der Reichswehr zum Thema hatte. Un­ter besonderem Hinweis auf den Ulmer Prozeß gegen drei Reichswehroffiziere, erklätte Major Marcks etwa folgendes:

Weite Kreise des deutschen Volkes stehen der Reichswehr immer noch mit großem Unverständnis gegenüber, und ich glaube, daß dis Mehrzahl der Gerüchte über die Reichswehr ihre Ursache in die­sem Unverständnis hat.

Im Jahre 1922 hat der General von Seeckt ein­mal in einem Erlaß gesagt: „In einem Berufsheer sind Stimmungen unvermeidlich." — Es ist selbst- verständlich, daß die Reichswehrsoldaten wie alle anderen Staatsbürger der Volksstimmung unter­worfen sind und von ihr beeinflußt werden. Sie sind Menschen, keine Maschinen, sie sind Staatsbür­ger, keine Söldner im Landsknechtsinne. So ist es auch nicht zu vermeiden gewesen, daß eine An­zahl jüngerer und jüngster Offiziere von einer star­ken Unzufriedenheit und Mißstimmung erfaßt wur­den und die Ansicht vertreten, daß die Reichswehr von sich aus in den politischen Kampf eingreifen müsse. Wir können ganz offen von dieser Tat­sache sprechen, gerade deshalb, weil sie keine Ge­fahr bedeutet. Denn einmal ist eine solche Miß­stimmung noch lange nicht der Herd einer national­sozialistischen Zellenbildung in der Reichswehr. Ge­rade die Tatsache, daß die Ulmer Offiziere, die jetzt angeklagt sind, alle drei einem einzigen Trup­penteil angehören, beweist uns, daß diese drei Of­fiziere isoliert gestanden haben. Hätten sie tat­sächlich eine nationalsozialistische Zellenbildung in der Reichswehr erreicht, so wäre ihre Stellung jetzt nicht derartig isoliert. Gerade die jungen Offiziere der Reichswehr haben ja mehr als reichlich Gele­genheit, miteinander in Fühlung zu treten. Die Ausbildung der jungen Offiziere ist völlig zentrali­siert, im Gegensatz zur Vorkriegszeit besuchen fie eine einzige Waffenschule und gewinnen so auch für spätere Zeiten enge Fühlung. Gäbe es also derartige Zellenbildungen, so wären die Fäden dieses Prozesses viel weiter gesponnen. Es wird nun mancher fragen, wie es möglich fei, daß bei einem Teil der jungen Offiziere eine so große Un- zufriedenheit und ein Wille zur politischen Aktivität der Reichswehr Herrsche und trotzdem keine natio­nalsozialistische Zellenbildung vorhanden sei. — All diese jungen Offiziere werden von den Abteilungs­kommandeuren, die durchweg ruhige und beson­nene Leute sind, im Zaun gehalten. Zwischen diesen Kommandeuren und den jungen Offizieren ebenso wie der Mannschaft besteht meines Wissens fast durchweg auch menschlich ein ausgezeichnetes Verhältnis. Dank dieser Beeinflussung ist auch die Stimmung dieser jungen Offiziere durchaus beru­higt. Wenn sie auch privat unzufrieden sein mö­gen, so sind sie doch militärisch völlig darauf ein­gestellt, nur dem Befehl des Vorgesetzten zu ge­horchen.

Diese jungen Reichswehroffizere, von denen» eben die Rede war, sind außerdem nur eine be­schränkte Gruppe innerhalb der Reichswehr. Die überwiegende Mehrheit auch der jungen Offiziere ist weder nationalsozialistisch noch hat sie sonstwie den Ehrgeiz politischer Aktivität. Seit es dem General von Seeckt gelungen ist, die Reichswehr von allen politischen Elementen zu bereinigen, ist dort nie wieder ein politischer Geist eingezoaen. die Reichswehr ist, das muß gegenüber allen Dik­taturgerüchten und gegenüber allen Kombinatio­nen, die an den einmaligen Ulmer Prozeß geknüpft werden, noch einmal laut und deutlich gesagt wer­den, ein treues Instrument der Reichsgewalt. Herrschten in der Reichswehr tatsächlich politische Diktaturbestrebungen, so wäre es gar nicht zum Ulmer Prozeß gekommen. Denn dann hätte ent­weder kein Reichswehrangehöriger seinem Vorge­setzten über die Bestrebungen dieser Offiziere Be­richt erstattet oder der Vorsitzende hätte liefen Bericht schweigend zur Kenntnis genommen und ihn nicht an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

Wer kann es auf Grund dieser Tatsachen ver­antworten, von dem Treiben einer sehr kleinen Anzahl junger Offiziere auf diktatorische Bestrebun­gen der Reichswehr zu schließen, ohne dem Inter­esse der Staatssicherheit und des Staatswohls auf das schwerste zuwiderzuhandeln?

Wir empfinden es als überaus schmerzlich, daß die Reichswehr heute in so starkem Maße den Zu­sammenhang mit dem Volke verloren hat. Aus dieser Trennung, die bei der Struktur unserer Reichswehr nicht leicht zu vermeiden ist, ergeben sich die meisten Mißverständnisse. Für die Reichs­wehroffiziere selbst ist es überaus schmerzlich, die­sen Zusammenhang mit dem Volk verloren zu ha­ben und die beste Aufgabe des Offiziers der Vor­kriegszeit, Erzieher der jungen Volkskräfte, der Re- kruten, zu fein, nicht mehr erfüllen zu können. Aber wir glauben, daß es oft im deutschen Volke auch nur an dem guten Willen fehlt, die Reichswehr als Berufsheer zu verstehen und ihr gerecht zu werden. Wohl in keinem anderen Lande Euro­pas steht das Heer so im Mittelpunkt der öffent­lichen Debatte und ist so Zielscheibe fchärffter An­griffe wie in Deutschland . . .

Wir sehen in der Frage der Politisierung der Reichswehr nicht nur eine Gefahr für das poli­tische Leden, sondern auch eine Gefahr für die Reichswehr selbst. Würde sie tatsächlich politische Tendenzen pflegen, so wäre die Reichswehr binnen ganz kurzer Zeit im politischen Tageskampf ver­braucht. Eine Politisierung der Reichswehr würde, das wissen wir genau, einer Diktatur der Reichs­wehr gleichkommen. So etwas wie eine Heeres- diktatur, die heute eine Regierung beruft und sie morgen wieder abfetzt, mag es wohl in der Welt geben, aber niemals bei uns in Deutschland.

Abrüstungsausschuß der Völker- MNvsverfammlung hat Mittwoch nachmittag unter [tauÄ*1 .A"brang des Publikums die Verhandlung «rries eigentlichen Themas Begonnen. Die Bera- WiH- Eingeleitet durch einen Bericht des

Mländlichen Delegierten Laudon üBer den jetzi- .. der Arbeiten des von ihm geleiteten

j.tOtl:^enben Ausschusses für die Abrüstungskonfe- , bpn erwähnte, daß der vorbereitende Bier r* Frühjahr 1929 nicht mehr getagt hat, ■ ffiinn v E Notwendigkeit einer vorherigen Eini- 9 per Großmächte über die Seeabrüstungsfrage ausgestellt hatte. Nach dem günstigen Verlauf londoner Konferenz sei es möglich ge-

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Anzeiger für die Stadl Fulda und denOandkreis Fulda. Amtliches kreisblakk.

Rothermere noch einmal seinen bereits vor einem Jahre gemachten Vorschlag, daß die britische Re­gierung Deutschland die afrikanischen Kolonien mit Ausnahme von Südwest- afrika zurückgeben sollte, die es ihm wäh­rend des Krieges wegnahm.

Die Kölnische Volkszeitung bezeichnet diese selt­samen Auslassungen des englischen Presselords, dessen Bruder Lord Northcliffe im Kriege bekannt- uch den Propagandafeldzug gegen Deutschland lei­tete, als sensationell und meint, haß sie in den nächsten Tagen das Gesprächsthema in allen euro­päischen Landen bilden würden. Auch in der in­nenpolitischen Auseinandersetzung in der nächsten Zeit werde der Artikel Rothermere eine Rolle spie­len und von den Nationalsozialisten zweifellos als Kronzeugnis für ihre Politik benutzt werden. Man habe sich kühl und sachlich zu fragen, welche Ziele Rothermere mit seinen Ausführungen verfolge. Er gehe von englischen Interessen aus und dürfte darin ähnlich eingestellt sein wie Mus­solini, der mit dem Erfolg der Nationalsozialisten italienische Interessen zu fördern versucht. Beider Ziel dürfte sein, einen Druckaus Fran kr eich auszuüben, aber nicht um Deutschlands willen, sondern um einer Fortführung der Flottenabrü­stungsverhandlungen willen. Es würde kurzsich­tig von Deutschland sein, wenn es jedem Sirenen­klang moderner außenpolitischer Loreleien folgen und sich auf dem internationalen Schachbrett zum Bauern machen ließe, den andere Kräfte in ihrem Spiele ansetzen und hin- und herschöben. Hinter dem Artikel von Rothermere steht die Frage, in­wieweit sich seine Gedanken über das neue Eu­ropa mit denen der offiziellen britischen Regie­rungsstellen deckten. Deutschlands Lage sei zu ernst, als daß wir es uns noch einmal gestatten könnten, Illusionen nachzujagen, wie es jetzt die Nationalsozialisten vorhaben, die sich darin von jenen Demokraten, die Wilson zum Engel Deutsch­lands erhoben, nur durch ein umgekehrtes Vor­zeichen unterscheiden.

Eine andere Frage fei jedoch die, welchen Ge­brauch wir als deutsche von Rothemeres Feststel- lungen machen sollten. Ehe ein endgültiges Ur­teil gefällt werden könnte, werde man den ge­nauen englischen Wortlaut zu prüfen haben. Aber darin habe Rothemere auf jeden Fäll recht: Man dürfe nicht glauben, daß Deutschland auf ewig aus den Konservenbüchsen von Persailles zu essen willens ist, wie Prälat Saas es formuliert hat. Die fer Feststellung widerspreche nicht der Wille zu ei­ner Politik europäischer Zusammenarbeit, zu der sich Deutschland erneut in Genf bekannt hat.

Lord Rothermere hat seinem Blatt Daily Mail aus München, wo er sich zurzeit aufhält, ^i»n Aussatz zugesandt, in dem er sich mit dem fft«Bni§ der Reichstagswahlen beschäftigt und u. a schreibt, der große Wahlerfolg der National- Malisten bedeute die Wiedergeburt Deutschlands M einer Nation und eine Bolschaft an die Welt, daß die deutsche Jugend beiderlei Geschlechts ent- Mssen fei, sich ait der Leitung der nationalen Angelegenheit zu beteiligen. Rothermere, der dem britischen Volk empfiehlt, der nationalsozialistischen Bewegung gegenüber kein e feindliche § al» tiing einzunehmen, betrachtet die Verschiebung der'Mitischen Einflusses in Deutschland als vor- teilhast, weil sie nach seiner Meinung einen neuen Schutzwall gegen den Bolschewismus schafft. Es ist auch nach seiner Meinung fein Grund dafür vorhanden, daß Großbritannien oder Frankreich an gewissen außenpolitischen Bestrebungen der Na­tionalsozialisten Anstoßmehmen, denn.so sagt er, ihre Beschwerde, daß Deutschland allein von allen Großmächten in einem Zustand der Wehr- lofigleit gehalten wird, habe eine gerechte Grundlage. Im Versailler Vertrag hätten sich die alliierten Nationen zu allgemeiner Abrüstung

»flichtet, aber während Deutschlands ceitmach t auf 100000 Mann und ein paar Küstenverteidigungsfchiffe be­schränkt bliebe, hätten feine Nachbarn ihre Rüstungen ständig vermehrt.

Des weiteren entwickelt Lord Rothemere, der zunächst eine Garantie der polnischen Ostgrenze durch'Deutschland gegen entsprechende Zuge- ftän'bniffe der Po len vorschlägt, seine Ideen von der Gestaltung Mitteleuropas für den Fall der Bildung einer nationalsozialistischen Regierung in Deutschland. Er glaubt, daß Deutschland dann unverzüglich -darangehen würde, ihm zugefügte flagrante Ungerechtigkeiten wieder gutzumachen und daß es habe! etwas Größeres zusammen- bringen würde als nur den Zusammen-

luß mit Oesterreich. Lord Rothemere bereits, wie dieses Deutschland nicht nur drei Millionen Deutschen und die drei Millio- Ungarn in der Tschechoslowakei und Rumäi- nien, sondern möglicherweise auch die ungarische Kation selbst in seinen Bereich bringen und wie W Lause dieser Entwicklung die Tschechoslo­wakei, deren Entstehung er übrigens ausdrück- ch °ul 'seine und seines verstorbenen Bruders, ~ox? .^ortcliffe, Feldzug während des Krieges zurucstuhri, von der Bildfläche verschwinden würde.

Am Schluß feines Aufsatzes wiederholt Lord

Pk^inen Abrüstungskonferenz festzu- Qiert^o ^Qui)on sprach der norwegische Dele- fhifJl tan9c> der an dem bisherigen AbrüstungÄ- LJ1. Völkerbundes, das er als ausschließlich ."utnativ Bezeichnete, Kritik üBte. Man müsse °ent Qualitativen Abrüstungssystem übergehen, ungarische Vertreter erneuerte int Bet ungarischen Regierung die Forderung, «ine mIe auf der ersten Abrüstungskonferenz, nicht L- ^grenzung der Abrüstungen auf Grund des R,.„ Standes, sondern eine wirkliche Herab- litis.h*rbeigeführt werde. Der Vorsitzende Po- Jegt hierauf eine von den Vertretern Gua- dexausgearbeitete Entschließung vor, in ff,,!5, a. heißt: Die Versammlung spricht die R ett au§> daß der Vorbereitungsausschuß be 1 Novembertagung die Ausarbeitung rentWurfs einer Konvention b e - iy. ?" kann, so daß der Rat die Möglichkeit Irr'?» 'urzester Frist die allgemeine Kon- Iten die Herabsetzung und De- der FIvttenrüstun g einzu­rufen.

9rün^ tarnen der deutschen Delegation Be- «ntter .f>ieiauf Graf Bernstorff die deutsche ■tat sn r die im Grunde genommen mit der Vorsitzenden vorgelegten übereinftimme, aber

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'dettfaioneOotwrauTßiflianbr^ §ord Rothermere als Bundesgenosse Deutschlands? — Er sordert Revision der Friedensvertrüge, Beseitigung des Korridors und Rückgabe der deutschen Kolonien in Asrika.

D. difäi i.

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t UiT. weroen hauptsächlich Die Frage der Ef- I s.^bbestände des Materials und des « sl, .resBudgets sowie gewisse organisa- I He Maßnahmen stehen. Es sei zu er» ■ l n»i, ’ die NovemBertagung von einem _ f cj*e.n Geist erfüllt sein werde, wie er sich

I £7*im Frühjahr 1929 in der entgegenkommenden I r. ^eT amerikanischen Regierung gezeigt habe, ii-l „.^oeiten des Vorbereitungsausschusses dürften verlängern. Er sei fest entschlossen, 1 Aufgaben auf der Novembertagung zu Been» unb, wenn möglich, den Zeitpunkt der all-

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