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Anzeiger für die Stabt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk.
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im Bild' und „Buchenblatter". Rotationsdruck und Verlag Utiffmrtffi 24 SPtlf PtttBpt* 221 der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- •MlllllUDUJ,
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Me»n man gewisse Zeitungen liest, so muß man ivm Eindruck kommen, als Hütte Reichskanzler W Tr u n i n g keine höhere und eiligere Pflicht I hobt als am Montag des 15. September, nach- fim dös Versagen der bürgerlichen Mitte und das " «nickwellen beider Flügel des Bolschewismus be- fmnt geworden war, sein Amt hinzuwerfen und hin Siegern im Wahlkampf das Schicksal des Ret- ,u überlassen. Dabei übersieht man, daß zu diesen Siegern auch die Z e n t r u m s p a r t e i gehört und daß ihr Erfolg ein Vormarsch aus eigener 'K'-aft und aus staatspolitischem Willen ist. Denn der Mehrzahl der Zentrumswähler geht es ^tfchaftlich genau so schlecht wie denen, die kom- munistiich oder nationalsozialistisch gewählt haben. Auch in unseren Reihen steht em Heer von Ar- bütslosen und Kleinverdienern, «nd die zu unserer Fahne sich bekennenden Beamten und Ledigen empfinden die neuen Steuern genau so bitter wre di« tobenden Schreier von rechts und links, und bestimmt bitterer als etwa Herr Hugenberg und sein störrischer Freund Adolf Hitler. Der Unter« WH besteht nur darin, daß das Zentrum bis zu seinem letzten Wähler Verantwortungsgefühl be- IEF es an das Volk glaubt, daß es von deutscher Kraft eine gute Meinung hat, und daß es Meßlich sich nicht für Rußland interessiert und, zum Unterschied von gewissen patriotischen Reklamehelden, sein Vaterland auch dann noch liebt und für diese Liebe Opfer bringt, wenn es dem Einzelnen schlecht geht. Leider haben sehr viele Wähler, die sich zum Hakenkreuz bekannten, von der schönen Gesinnung, der einst ein Arbeiterdichter Ausdruck gab, keinen Hauch verspürt, von der Gesinnung, daß in des Vaterlandes größter Gefahr sein , ärmster Sohn zugleich sein getreuester war.
Aber hierin liegt auch der Schlüssel zu erner Erklärung für die Haltung des Kanzlers. Gott sei Dank ist es ja immerhin noch nicht die Mehrheit des Volkes, die am 14. September mit Trara und schwarz-wciß-roten Fahnen das Vaterland tm Stich gelassen oder unter dem Sowjetstern sich ausländischen Einflüssen verschrieben hat. Die Parteien, die sich für das Erneuerungsprogramm der Regierung Brüning geschlagen haben, und auch die Sozialdemokraten, die sie aus mehr inneren Gründen bekämpften, bilden immer noch eine erkleckliche Majorität, und zwar eine von Kern und Format. Denn auch der verstiegenste Naziredner wird nicht behaupten wollen, die Millionen, die für Hitler gestimmt haben, bildeten nun eine geschlossene Partei Vermutlich die Mehrzahl von. ihnen hat früher schon anderswo gestanden Und wird sich bei einer künftigen Wahl wieder einen neuen Standort aussuchen.
Was hätte nun Brüning tun sollen? Ist es wirklich berechtigt, von einer verlorenen Woche zu sprechen, weil seit dem Wahltage es noch zu keinem Eklat gekommen ist? Den hätte der Kanzler allerdings sofort bieten können, aber geholfen hätte er damit nur denen, die den Bürgerkrieg und das Chaos wollen, und vermutlich wäre es dabei denen, die am 14. September unter dem Schutz des geheimen Wahlrechts so schneidig sich zu ihrer tapferen Gesinnung bekannt haben, nicht einmal durchaus gut ergangen. Man versteht nicht recht, daß selbst solche Kreise, die vom Kommunismus wie vom Hitlertum nur das Schlimmste zu befürchten haben, es gar nicht erwarten können, wie die ■Dinge sich nun entwickeln werden. Man bringt fo- gar den fragwürdigen Mut auf, Dr. Brüning ein paktieren mit den Nazis zuzutrauen, obwohl Zen- trumsführer wie Kaas und Wirth ganz unzweideutig hierzu gesagt haben, was dazu zu sagen ist voll nun wirklich der Kanzler, der doch immerhin der repräsentativste Mann der deutschen Poli« "' tsi, ebenfalls noch mit einer Erklärung heraus- rufen? Wir haben es offensichtlich verlernt, ein Kanzlerwort schon um seines einmaligen Wertes »ulen zu schätzen. Brüning tut dem deut- '/,en Ansehen und jeder kommenden Regierung Sneü. Dienst, wenn er nicht in jedem Augenblick °rte’re&ncr hören läßt, sondern bei aller ^.stcheidenheit, die ihn wie kaum einen seiner Vor- 9anger auszeichnet, der Würde seines Amtes be- uht ist und nicht zu den Bierbankpolitikern herab- ■ eigt. Gewiß hätte er seit acht Tagen dieses oder J165 erklären können, aber wäre das bei einem ntle' ?en der Wahlkampf in seinen Erwartun- ^täuschte, würdiger gewesen, als daß er ""d schweigend arbeitet?
. Wir werden sehr bald wissen, auch die Neu- ® ln9en unter uns, wie der Reichskarren weiter- u steuert wird. Moskau sorgt dafür, indem es fei- sk'n, deutschen Knechten den Befehl erteilt, einen ,,.<.0 auf Einstellung der Noungzahlungen ein- ^okwgen. Die Knechte werden gehorchen, und V Reichstag wird dann zwangsläufig sich, um in JU^n biblischen Bilde zu sprechen, in Schafe und ' ftfe scheiden. Dabei wird sich zeigen, ob der sture dk Don dem in den letzten Wochen wiederholt erh be gewesen ist, soviel Gefolgschaft findet, daß c; °n.5 deutsche Rettungswerk entzweischlagen und ton $ar den Feind wieder ins Land rufen u Gegen den Poungvlan haben viele Männer sich ^^^dliche Parteigruppen gestimmt, die heute im> ru* Regierung bekennen. Am Tage des kom- fditn-- ^e.n Antrages werden sie sich darüber u'it9 fein müssen, ob sie auch dann, wenn jede f 'mme' anders als im März, von Belang fein cs verantworten können, durch Zerschlagung V" -aeparationsabkommen das Reich erneut an tte« ^bgrunb zu stoßen. Brüning hat ganz recht, sich " i,r b.er Meinung ist, an diesem Tage werde tr„- er*tid)eihen, wer wirklich arbeitswillig ist und qjJL aicht. Natürlich kann schon vorher die Re- H--I- durch ein Mißtrauensvotum gestürzt wer- ■>,,^-as Zentrum würde in diesem Falle nichts euer« haben. Es würde freilich bann auch Maa $a,3u Zu bringen fein, der Opposition,
3 Ire nun so oder so aussehen, unter die Arme Steifen, damit eine neue Regierung zustande-
fommt. Es ist unehrlich, die Verantwortung für die Auflösung des Reichstages dem Zentrum zuzuschieben. Diejenigen, die damals gegen die Regierung stimmten, wußten genau so gut wie wir, daß es für Neuwahlen nicht leicht einen weniger geeigneten Zeitpunkt geben konnte, als diese traurigen Monate vor dem Winter. Es ist ihnen sogar durch den Wahlausfall noch empfindlich bestätigt worden. Nur das Zentrum hat keine Einbuße erlitten. Gibt das wirklich nicht zu denken?
* Besuch des Reichspräsidenten von Aachen und Trier. (Eig. Meld.) Wie die Pressestelle des Oberpräsidiums mitteilt, wird der wegen des Koblenzer Brückenunglücks verschobene Besuch des Reichspräsidenten im Rheinland (Aachen und Trier) am 10. und 11. Oktober stattfinden.
Die für Dienstag nachmittag 4 Uhr angesetzte Kabinettssitzung rotrotn politischen Kreisen als der eigentliche Auftakt der kommenden innervolirischen Auseinandersetzungen gewertet. Sie hat die Ausgabe, mit der Beratung der Gesetzesvorlagen, die dem neuen Reichstag vorgelegt werden, die Grundlagen für die Besprechungen zu liefern, die der Kanzler nur, voraussichtlich Mitte der Woche mit den Führern der Parteien weiterführen wird. In den Kreis dieser Besprechungen sollen, wie von unterrichteter Seite betont wird, alle Partien einbezogen werden, von denen man vielleicht annehmen kann, daß sie zu sachlicher Mitarbeit bereit sind. Der Kanzler wird also außer mit den Parteien, die das Kabinett bisher stützten, bestimmt mit den Sozialdemokraten verhandeln. Man nimmt aber an, daß die Sondierungen sich auch aus die R e ch t s o p p o s i t i on erstrecken werden. Dabei ist jedoch bisher keineswegs davon die Rede, daß es um Koalitionsverhandlungen gebt. Vielmehr scheint der Kanzler unter Verhandlungen über die „sachliche Mitarbeit der Parteien" zu verstehen, daß er versuchen will, über den Inhalt der Gesetzesvorlagen eine Einigung zu erzielen, die es einem Teil der bisherigen Opposition erlaubt, ihnen im Reichstag ihre Zustimmung zu geben.
lieber die Art dieser Verhandlungen und die Taktik ist ein Leitartikel in der Abendausgabe der „Germania" vom Montag recht aufschlußreich, der sich mit den Forderungen auseinandersetzt, die der „Vorwärts" am Sonntag angemeldet hat. Die „Germania" stellt fest, daß die Anhänger des Zentrums durch die Wahl gezeigt hätten, daß sie zum Reichskanzler Dr. Br ü n i n g das Höchstmaß von Vertrauen haben. Das Blatt knüpft daran den Rat für die Sozialdemokratie, sich nicht auf das hohe Roß zu setzen und nicht in demselben Augenblick, indem sie durch den „Vorwärts" Vernunft predigt, Parteiforderungen aufzustellen, von denen Dr. Breitscheid in einem Genfer Interview schon jetzt erklärt habe, daß die anderen Parteien dafür nicht zu haben sein würden. Der „Vorwärts" hatte gesagt, es komme jetzt für die Sozialdemokratie daraus an, ihre taktische Stellung auszunutzen.. Dazu bemerkt die „Germania":
„Die Sozialdemokratie bezeichnet sich als den Schlüssel der taktischen Sage. Welcher Sage? Wenn die Sozialdemokratie die Große Koalition meint — und etwas anderes kann sie doch nicht meinen — dann stimmt ihre Berechnung nicht. Denn da gibt es nach der Wahl zwei Schlüssel: Der andere ist die Wirtschaftspartei. Ohne sie hat die Große Koalition keine Mehrheit mehr. Für diese Kombination hat die Sozialdemokratie die Schlüsselstellung am 14. September verloren, als sie die zu dieser Koalition fehlenden zehn Mandate an die Kommunisten abgegeben hat. Wenn schon Betrachtungen darüber angestellt werden, dann ist die Voraussetzung dafür die, daß wir von dem Kothurn der Partei hinabsteigen in das reale und kalte Gebiet der Zahlen. Wenn die Sozialdemokratie sich aber der Regierung Brüning gegenüber in der Schlüsselstellung glaubt, dann muß sie ihre Stellung trotzalledem davon abhängig machen, ob sie einen geordneten Kurs will oder die Kata-
Ularg über das Wahlergebnis.
Die Republik befindet sich nicht in Gefahr.
rotb. Paris, 23. Sept. (Eig. Meldg.). Der Berliner Korrespondent des Exelsior hat den früheren Reichskanzler Dr. Marx um seine Ansicht über die Wahlen befragt. Dr. Marx erklärte: Die Wahlen haben diesmal nicht die wahre Ansicht des deutschen Volkes zum Ausdruck gebracht. Sie haben höchstens einen Zustand monmentaner Verwirrung wiedergespiegelt. Ein großer Teil der Wähler, der von einer Art Fieber befallen war, wird bald wieder zur Vernunft kommen. - Die über ihre Erfolge erstaunten extrem gerichteten
Elemente sind bereits stark eingeschüchtert. Die Not
strophe vorzieht, die sie vorgibt zu bekämpfen. Für extreme Parteierwägungen bleibt da kein Raum."
Das Blatt wendet sich weiter dagegen, daß die Parteien sfth wieder auf das Feilschen vvr- bereiten. Sie schreibt: „Vor lauter Taktik ist das deutsche Volk in seine ganze Not geraten. Wir sind der Meinung, daß sich diese Methoden wirklich überlebt haben. Die Parteien bereiten sich anscheinend auf das Feilschen vor, das leider die Charakteristik der letzten Parlamentszeit gewesen ist. Törichter könnte der neue Reichstag seine Arbeit nicht beginnen. Diese Regierung hat das einzige getan, was sie in dieser Situation tun konnte. Sie ist nicht zurückgetreten und sie hat uns dadurch vor einem chaotischen Durcheinander bewahrt. Sie hat ihre Arbeit ohne Nervosität fortgesetzt, um den Reichstag vor eine sachliche Entscheidung über die Maßnahmen zu stellen, die unter allen Umständen getroffen werden müssen. Die Dom „Vorwärts" geforderte Vernunft kann eine Mehrheit haben, wenn sie will."
Am Schluß heißt es: „Es wäre die größte Torheit, sich notwendigen Erkenntnissen zu verschließen und den Kops in den Sand zu stecken, und die neue Arbeit mit den alten falschen Methoden zu beginnen. Wir müssen aus diesem Wahlkampf lernen, und wenn wir jetzt die politisch» Vernunft herbeirufen, dann hat es keinen Zweck, sie nur zu rufen, wenn wir doch nicht nach ihr handeln. Es gibt wirklich nur den einen Weg, daß die Vernunft sich durchsetzt, daß die Partei vor ihr zurück- tritt und daß die arbeitsfähigen und arbeitswilligen Kräfte sich zusammenfinden."
Der Kanzler zur deutschen Außenpolitik.
Der Berliner Sonderberichterstatter der „Information" hat Reichskanzler Dr. Brüning um eine Stellungnahme zu dem Ergebnis der Reichs- tagswahl gebeten und vom Reichskanzler folgende Erklärung erhalten:
Es ist mir im gegenwärtigen Augenblick nicht möglich, über die Innenpolitik zu sprechen. Hinsichtlich der Außenpolitik will ich sagen, daß sie s o r t g e se tz t wird, wie ich dies in meiner Rede in Trier ausgeführt habe. Die Politik der deutsch-französischen Zusammenarbeit, für beide Sünder notwendig, kann alle ihre Früchte nur bann tragen, wenn man sich beiderseits über die Schwierigkeiten der Stunde klar ist. Obwohl ich, wie ich wiederhole, nicht von der Innenpolitik sprechen will, kann ich immerhin sagen, daß meine Regierung sfth vor allem bemühen wird, die finanzielle und wirtschaftliche Sage zu konsolidieren und daß sie hofft, daß ihr das gelingt.
Schiele nimmt kein Reichskagsrnandak an.
Reichöernährungsminister Schiele will kein Reichstagsmandat annehmen, weder in einem der vier Wahlkreise, in denen er gewählt ist, noch auf der Reichsliste der Sandvolkpartei. Er begründet nach der „DAZ." seinen Entschluß damit, daß er sich und feinen politischen Freunden die notwendige gegenseitige Handlungsfreiheit in dem Kampfe für die Sandwirtschaft bewahren wolle.
An feiner Stelle wird Landwirtschaftsrat E. H e m e t e r, der frühere Abgeordnete der deutsch- nationalen Volkspartei im Wahlkreis Merseburg in den Reichstag eintreten.
wendigkeit, vor die sie jetzt gestellt sind. Beweise für ihre positive Arbeit zu erbringen, nachdem sie sich in einer fortgesetzten und leichten Kritik an den gegenwärtigen Staat gefallen haben, bringt sie in äußerste Verlegenheit. Meiner Ansicht nach liegt keinGrund vor, sich auf k a t a st r o p h a le Ereignisse gefaßt zu machen. Gewiß hat die gegenwärtige Regierung sehr schwierige Probleme zu lösen. Die große Koalition scheint allein nicht auszureichen, um der Regierung eine sichere Mehrheit zu geben. Ich glaube aber nicht an einen Gewaltstreich. Man darf immerhin nicht vergessen, daß eineOpposition von 13,5Millionen Stimmen 22,5 Millionen Wähler gegenüber stehen, die bereit sind, den Staat und seine Einrichtungen zu verteidigen. Die Republik befindet sich nicht in G e - fahr. Schupo und Reichswehr sind durchaus zuverlässig und werden jedes Komplott gegen den Staat, von welcher Seite es kommen möge, durchkreuzen. In der Person des Reichspräsidenten von Hindenburg besteht ferner die größte Sicherung gegen jede Ueberraschung.
Armer Ludendorff!
In feiner „Volkswarte" vom 21. Scheiding (September) bringt es Ludendorff fertig, das Wahlergebnis vom 14. September in folgender Weise zu beurteilen:
„Das ,souveräne' deutsche Volk hat sich diesmal für Mussolini und den römischen Papst, d. h. f ü r ein Zusammengehen mit Rom entschieden" (!). Zur Herbeiführung der Beteiligung Deutschlands ,an dem von Rom beschlossenen Weltkrieg" (!) sei jetzt die Stimmenzahl der nationalsözialistischen Liste 9 „ver-9-facht". Nun könne sich wieder alles weiterentwickeln, wie seinerzeit nach 1912 dis zum Weltkrieg 1914. Der neue Weltkrieg kann dann auf deutschem Boden ausgefochten werden, ganz so wie es Rom will... Wahlenthaltung wäre der erste Schritt gewesen, das grauenvolle Schick- fal des von den überstaatlichen Mächten vorbereiteten Vernichtungskrieges am wehrlosen deutschen
Vor den Kabinettsberatungen.
Der Auftakt der innerpolitischen Auseinandersetzungen. — Beratung der neuen Gesetzesvorlagen. — Der Kanzler wirbt um sachliche Mitarbeit der Parteien.
Vom Preutzischen Landtag.
VDZ. Berlin, 23. September. (Eig. Meld.) Im Preußischen Landtag trat am Dienstagvormittag die demokratische Fraktion zu einer Sitzung zusammen. An ihr nahmen auch die beiden demokratischen Minister, Finanzminister Dr. Hoepker-Aschoff und Handelsminister Dr. Schreiber teil. Man trat in eine sehr eingehende Besprechung der politischen Sage ein.
Volk zu verhindern." In einer späteren Wahlbetrachtung schreibt der General: Rom und die jesuitischen Geheimorden (!) könnten jedenfalls triumphieren. Dis 107 Nationalsozialisten und 43 Deutschnationalen seien gerne bereit, dem Ma- rienritter Brüning, der die Weltanschauung des römischen Papstes für ebenso unantastbar erachtet wie sie, an den Hals fliegen, falls sich das Zentrum von den Sozialdemokraten in Preußen auf Befehl von Rom trennt. Die geheime Weltleitung, in ihr Rom eine Nasenlänge voraus, könne sich ihrem Ziel, dem neuen Weltkrieg, mit Siebenmeilenstiefeln nähern.
Jedes sachliche Wort zu diesen Auslassungen erübrigt sxh. Man könnte, wie der bayerische Mim- sterpräsident im vorigen Jahr in einer Rede in Freising erklärte, Mitleid haben mit einem Manne, der im deutschen Volk einmal einen großen Namen besessen habe, heute aber nichts Besseres wisse, als mit dem gesamten Aufgebot des ©elftes, der ihm noch geblieben, sein Ansehen selbst zu zerstören. . ,
Die Alldeutschen bleiben sich treu.
Das unheilvolle Wirken des Alldeutschen Verbandes ist zwar bekannt genug, doch kann man daran zweifeln, ob die Erkenntnis, wie verderblich die Tätigkeit dieses Verbandes in der Vorkriegszeit und besonders in der Kriegszeit für des Deutschen Reiches Schicksal war, in das Bewußtsein des Volkes übergegangen ist. Darum ist es notwendig, anläßlich der Tagung des Alldeutschen Verbandes, aus 'der 40 Jahre alldeutsche Arbeit gefeiert wurden, daran zu erinnern, daß die maßlosen und ungeheuerlichen Forderungen, die die Führer der Alldeutschen insbesondere wahrend des Krieges aufstellten, nicht zuletzt die Grundlagen für die Ungeheuerlichkeit des Versailler Vertrages geworden sind. Wer als guter Deutscher das Werk von Versailles verflucht, kann zum mindesten die Absichten des Alldeutschen Verbandes nicht segnen. Herr Justizrat C l a ß, der Verbandsvorfitzende, hofft, daß man dies längst wieder vergessen habe; im Rückblick auf die verflossenen 40 Jahre „glaubt er ohne Ueberhebung sagen zu dürfen, daß notwendig und gut war, was wir wollten..." Es möge Herrn Claß gesagt sein, daß die Verwirke lichung seiner und seiner Freunde Wünsche eine gleiche oder schlimmere Epoche der Friedlosigkeit über Europa heraufbeschworen hätte, als es Versailles getan hat.
Das Europa-Problem.
Eine Besprechung zwischen (Sartins, Hrnd-rso« und Briand.
wtb. Genf, 23. September. (Eig. Meld.) Heute vormittag findet eine Zusammenkunft zwischen Briand, Curt ins und Henderson statt, in der die drei Außenminister ihre Meinungen über die weitere B e h a n d l u n g der Europafrage austauschen werden. Die für heute nachmittag einberufene Sitzung des Studienkomitees dient, wie bereits gemeldet, im wesentlichen der Frage des weiteren Verfahrens. Was die Frage des Vorsitzes in den künftigen Konsei- renzen des Europa-Komitees betrifft, so teilt man in deutschen Delegationskreisen die Ausfassung, daß der Vorsitz wechseln soll. Heute nachmittag wird wahrscheinlich ein Vorschlag gemacht werden^ die nächste Konferenz im Januar abzuhalten. Als Vorsitzender der ersten Konferenz kommt der dänische Außenminister Munch in Frage.
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Der Genfer Sonderberichterstatter des, „Petit Parisien" kündigt an, daß Briand am Dienstag zum Vorsitzenden des Europa-Komitees gewählt werden und daß ihm bei dieser Gelegenheit von den Vertretern der europäischen Staaten eine Sympathiekundgebung bereitet werden würde.
Starte Gegensätze im Genfer Abrüstungsausschuß.
Der Abrüstungsausschuß der Dölkerbundsver- sammlung hat am Montag mit der Beratung des Konventionsentwurfes über die Verstärkung der kriegsverhütenden Maßnahmen begonnen. Schon bet der Behandlung des ersten Artikels zeigte sich, daß die alten Gegensätze, dir seinerzeit im Sicherheitskomitee das Zustandekommen eines Einheitsentwurfes ver- hindert haben, weiterbestehen. Die deut ^ch e Regierung hat einen Antrag eingebracht, der die
General v. Gebsattel f.
General Ludwig Arhr. v. Gebsattel, der frühere langjährige kommandierende Generw des 3. bayerischen Armeekorps, im Weltkrieg viel genannt durch seine Erfolge an der Westfront, ift im 74. Lebensjahr gestorben.