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57. Zahl»

Sonntag, 21. September 1930

Klärung dringend erforderlich

Die Behandlung des Emopa-Vlanes

sich ständig Handlungen

Zwischen Schwarza und Saalfeld rannte ein Lokomotivführeranwärter aus Rottenbach mit dem Motorrad gegen einen Baum. Er erlitt schwere Beinbrüche und wurde ins Rudolstadter Landes-' krankenhaus gebracht.

genau so wenig wie bei uns wirkliche Auswege aus dem Elend, um die sich die anderen Kreise abmühen. Zahlreiche Vorschläge an das Landwirt­schaftsministerium vielbesprochen ist vor allem der von W. P. Seabrock von den berühmten Chelmsford Obstplantagen hoffen, wenn die Regierung nur einige Zeit mit Schutzzöllen helfe, die Einfuhr des Beeren- und Steinobstes vom Fest­land drosseln, mehr noch: den englischen Obstbau zu einem großen Geschäft machen können. Das eingeführte Obst sei nämlich minderwertig, so daß das" Publikum allen Geschmack daran verloren habe, wenn die späte englische Ernte reif sei; daher sei bei den augenblicklichen Verhältnissen der eng­lische Obstverkauf von neun auf sieben Millionen Pfund Sterling gesunken. So hofft man auch auf anderen Gebieten durch neue Erwerbszweige die Wirtschaft im Lande wieder flott zu machen. Der Wahn, dies Ziel auch durch künstliche Geburten­beschränkung zu erreichen, hat sogar die oberste Geistlichkeit verführt, vor zwei Wochen dazu Ja zu sagen!

Die Stimmung ist nicht bloß aus diesen innen­politischen Gründen so trübe. Es müßte nicht das Weltreich fein! An seinem dunklen Horizont wetter­leuchtet das Schicksal Indien. Unsere deutschen Zeitungen lassen nicht im entferntesten erkennen, wie schwer es auf den Engländern lastet. Nicht nur die Angst vor dem Verlust dieser Kolonie, auf deren Reichtum das Glück Englands im 19. Jahr­hundert beruhte. In allen Kreisen beginnt man einzusehen: So bitter es ist, England muß den Forderungen der Inder nachgeben, sollen sie nicht noch mehr in das Fahrwasser des Bolschewismus geraten. Das den Engländern klar zu machen, be­mühen sich nicht nur aus Indien heimgekehrte Landsleute, sondern Inder selbst. Ihnen gegen­über vertreten Chauvinisten die Meinung, das Pro­blem Indiens fei von demEmpire" einfach und am besten mit Maschinengewehren und Flugzeugbom­ben zu lösen, die Inder aus sich selber leisteten nichts, heimtückisch vergälten sie die Wohltaten Eng­lands bei Hungersnöten und Seuchen, überhaupt die Kulturleistung, ein so verkommenes Volk aus die Höhe seiner heutigen Bedeutung gebracht zu haben, mit Mord. Diese Ansicht wird höhnend damit abgetan, dieGröße" Englands habe sich in ihrer Wirklichkeit gezeigt, als sie vor dem Völk- lein der Iren habe kapitulieren müssen; jene Wohl­taten Englands an Indien seien nichts als die Spekulation des Kapitalismus gewesen; das ein­zigeRecht" auf Indien fei so rief im Hyde Park eine unheimliche Stimme ,chas Blut indischer Frauen und Kinder an .den Händen unserer Vor­väter!"

Von derartigen Problemen ist Deutschland frei. Doch nicht allein deshalb wähnt man uns besser daran. Die hohe Meinung über Deutschland grün­det sich noch viel mehr auf die guten Erfahrungen

katholische Wett.

Der neue Bischof von Augsburg. Zum Rachfol» ger des verstorbenen Augsburger Bischofs Dr. Maxi« milian Lfngg wurde Dr. phil. et theol. Kumpsmül* l e r aus Regensburg ernannt.

atlailtifche Telephongespräche von New Nork und Chicago nach Hamburg und Berlin veranlaßte. Die Beunruhigung wich jedoch einer besseren Einsicht, als nachmittags die Associated Preß ein katego­risches Dementi aus Berlin verbreitete und auch Finanzkreise, direkt aus Deutschland hör­ten, daß die politische Lage in Deutschland zwar noch ungeklärt sei, aber von öffentlichen Unruhen keine Rede sein könne. Ueber den Ursprung der Gerüchte sind verschiedene Vermutungen im Um­lauf, so u-. a., daß die an der Börse heute einge­tretene Senkung der deutschen Werte der Ausdruck der Besorgnis gewisser Wallstreet-Firmen sei, die befürchteten, daß falls die deutschen Nationalsozia­listen ans Ruder kommen sollten, es nicht nur zu Pogromen gegen die Juden, sondern auch zu einer Sabotierung der internationalen Finanzver­pflichtungen Deutschlands kommen werde. Zum ersten Punkt bringt New Port Tribüne eine Ber­liner Meldung der United Preß, daß nach der Auskunft eines Berliner Reisebüros viele Ju­den nach der Schweiz und Holland a b g e r e i st seien. Zu dem 2. Punkt meldet der Pariser Korrespondent der New Pork Times, wie er von maßgebender Seite erfahre, erörterten Deutschlands europäische Gläubiger die Möglichkeit, daß Deutschland aus wirtschaftlichen und politischen Gründen gezwungen sein werde, eine Revi­sion seiner Reparationsverpflich­tungen zu verlangen. Diese Erörterungen, die auch rn den Vereinigten Staaten wegen der gro­ßen amerikanischen Kapitalanlagen in Deutschland stark interessieren dürften, seien veranlaßt durch die Erfolge der Hitler-Leute und die Gefabr einer Dik­tatur und des wirtschaftlichen Chaos.

Die bekrübken Loh-Gerber.

wtb. Paris, 20. Sept. (Eig. Meld.). Der sozia­listische Führer Dr. Breitscheid erklärte dem ehern, französischen Abgeordneten Longuet über die Lage in Deutschland:Eine Koalition mit den National­sozialisten sei selbstverständlich ausgeschlossen. Die Sozialdemokratie erkenne die von der Reaktion drohende Gefahr. Die Haltung der Sozialdemo­kraten werde aber durch die Bedingungen be­stimmt, die von den bürgerlichen Parteien für die Persönlichkeiten und in grundsätzlicher Hinsicht ge­stellt werden würden.^ Die Sozialdemo­kraten haben einen ganz erheblichen Teil der Verantwortung für die politische Lage, in die Deutschland hineingeraten ist. Sie sollten schleunigst Buße tun und anerkennen, daß die Kurzsichtigkisit ihrer Führer, die sich Brünings notwendigen Re- sorm-Plänen versagte, das Unheil angerichtet hat.

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wtb. Paris, 20. Sept- (Eig. Meld.) Der in Genf weilende Außenpolitiker desMatin" will über die weitere Behandlung des Europa-Planes berichten können, daß eine einzige Sitzung der europäischen Staaten und zwar die vom kom­menden Dienstag zur Regelung des Ver­fahrens bis zur nächsten Vollver-I fammlung des Völkerbundes im Sep- | tember 1931 genügen werde. Erstens komme die Ernennung von Sachverständigen nicht in Frage, sondern die Staaten würden volle Frei- j heit erhalten, unmittelbar vor den Tagungen ihre Minister oder deren Stellvertreter zu entsenden, zweitens scheine die Frage, welche außereuropäische I Staaten als Beobachter an den Verhandlungen teilnehmen könnten, nicht vorzuliegen. Es gehe das Gerücht, daß nur e i n Beobachter für jeden nichteuropäischen Kontinent in Frage komme, doch dürfe dies Schwierigkeiten bereiten. Einfacher wäre schon, sämtliche Mitgliedstaaten des Völker­bundes an den Verhandlungen teilnehmen zu las­sen. Die Vereinigten Staaten von Amerika wür­den jedenfalls einen Vertreter, z. V. einen ihrer Botschafter in Europa, entsenden und durch ihn über den Fortgang der Verl auf dem Laufenden halten lassen.

--Scheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt

A im Bild' undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag 219 der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- .. leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

Me sieht es in England aus?

Von unserem eigenen Berichterstatter,

Aus Berlin wird uns geschrieben:

Die sensationellen Gerüchte, die während der letzten 24 Stunden die Runde nicht nur durch die deutsche Presse gemacht Haben, haben ihre Wir­kung bereits gehabt. Während man nach den Wahlen an den Börsen überraschend schnell wieder zu einer vertrauensvollen und zuversicht­lichen Haltung zurückkehrte, macht sich jetzt eine starke Nervosität in sehr nachteiliger Weise be­merkbar. In ganz offenkundigem Gegensatz zu den ersten Tagen nach der Wahl kommen jetzt auch vom Ausland her erhebliche Verkaufsorders, zu­mal aus London, wo ein offensichtlicher Um­schwung in der Beurteilung der Lage während der letzten 48 Stunden sich vollzogen hat.

Diese Steigerung der Nervosität im Inland und im Ausland wird natürlich noch verstärkt durch Anträge, wie den der Wirtschaftspartei, die einen Antrag auf sofortige Auflösung des preußischen Landtags eingebracht hat. Könnte man der Argumentation der Wirtschaftspartei zustim­men, so wäre die logische Folge die Erhebung der sschrderung auf sofortige Auflösung sämt­licher deutschen L ä n d e r p a r I a tn e n t e mit Ausnahme von Braunschweig, wo ja zugleich mit den Reichstagswahlen Landtagswahlen stattfanden. Auch hier wird gänzlich unnötigerweise ein Mo­ment der Beunruhigung in das politische Leben hineingetragen.

Erfreulicherweise ist zwar festzustellen, daß das Zentrum und die Deutsche Volkspartei, das erstere durch einen Aufruf, die letztere durch beachtliche Erklärungen maßgebender Persönlich­keiten, versucht haben, die Situation zu klären, das heißt sich offen gegen den Versuch der Regie­rung mit den Nationalsozialisten ausgesprochen. Man darf über feststrllen, daß diese doch immer­hin unverbindlichen Erklärungen noch nicht ge­nügen, um der wachsenden Nervosität daheim und draußen ausreichend entgegenzuwirken. Es wäre also zu wünschen und sehr wertvoll, wenn man von verantwortlicher Stelle möglichst bald Aus­schluß über die beabsichtigte Taktik erhielte, damit der Verlustsaldo aus dieser Periode der Unsicher­heit nicht allzu unverhältnismäßig groß wird.

Vorübergehende amerikanische Beunruhigung über die politische Lage in Deutschland.

wtb. Pew Park, 20. Sept. (Eig. Meld.) In­folge von Gerüchten über einen angeblich bevor- st-'henden Putsch der deutschen Nationalsozialisten herrschte gestern vormittag. in den amerikanischen Finanzkreisen eine gewisse Beunruhigung, die zu zahlreichen telephonischen Anfragen bei der deut­schen Botschaft in Washington und beim General­konsulat in New York führte und mehrere trans-

Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Jutda. Amtliches Kreisblatt.

Steht Ihre Wirtschaft auch vor dem Ruin? Haben Sie auch soviele 2 Millionen Arbeits­lose?" Diese Frage, die Engländer aller Schichten in den letzten Wochen immer als die erste an mich richteten, verblüfft einen schließlich doch noch mehr, als daß ein GlasLager" hier eine Mark kostet, verwundert einen mehr, als daß man die Herren mit Kinderwagen, nie aber mit Aktentasche steht sie tragen dafür die Diplomatenköfferchen, sie verwirrt einen mehr, als daß man sich auf den Eisenbahnen wegen der miferabeten Beschriftung nicht zurechtfindet, daß um 6 Uhr alle besseren Ge­schäfte geschlossen sind, Mittwochs und Samstags sogar von 1 Uhr ab. Diese Frage macht vor allem deshalb so verdutzt, weil einem die Antwort dar­auf nicht geglaubt wird.

Die Engländer leben der Ueberzeugung, Deutsch­land gehe es gut, die deutsche Wirtschaft insbeson­dere seiprosperous", ja, sie habe die Zukunft. Ein Diplomingenieur, der gerade fein Examen ge­macht und sogleich in eine gut bezahlte Stellung einrückte, glaubte es mir einfach nicht, so etwas sei bei uns heute selbst unter guten Beziehungen kaum möglich, junge Leute in seiner Lage seien froh, wenn sie zunächst nur als Hilfssteiger Be­schäftigung fänden. Wie sehr die Engländer glau­ben, sie und nicht wir hätten den Krieg verloren, spürt man bei der Aufführung desgrößten Fil­mes aller Zeiten", wie er hier angekündigt wird: ,.Im Westen nichts Neues." Seit mehr als einem Vierteljahr läuft er täglich im Londoner Alhambra- Theater, und nur an einer Stelle klatscht man kräf­tig Beifall: wo der alte Feldgraue sagt, wenn sie Krieg wollten, möchten die Herren Diplomaten sich selber einander gegenüberstellen.

So wähnen die Engländer, nur ihre jungen Arbeitslosen hätten dies Fieber für Sportwetten, daß selbst ein Familienvater, der hier etwa 11 Mark die Woche bekommt, für Wettspiele noch dicke" Summen übrig habe. Das Aussehen der Arbeiterviertel ich sah besonders eingehend die um Manchester ist allerdings danach. Man hat hier geradezu das Empfinden wie am Vorabend einer Revolution, wie die Arbeitslosen in den Straßen herumlungern. Reden, wie sie die Kom­munisten im Londoner Hyde Park unter freiem Himmel halten, würden bei uns selbst in geschlos­sener Saalversammlung nicht geduldet. Gewiß, England gewährt allen Straßenrednern solche Frei­heit, weil es die Bedeutung des Ventils für einen Dampfkessel kennt. Aber man versteht es deich nicht, daß gerade diebesseren Kreise" diesen allerdings hoch intelligent redenden Bolsche­wisten derart geduldig zuhören! Keine Partei ist hier bei Bürgern wie Arbeitern so verhaßt wie die Labour Party; Macdonald, zur Zeit der mäch­tigste Minister, wird öffentlich alsVerräter der Arbeiter" angeprangert.

Dabei zeigen die Kommunisten hier natürlich

* Rhein- und Saar-Kinder beim Reichspräsiden­ten. (Eig. Meldg.). Der Herr Reichspräsident nahm am Samstag im Garten seines Hauses die Begrüßung durch etwa 800 Kinder aus dem besetzt gewesenen Rheinland und dem Saargebiet entge­gen, die auf gemeinsame Kosten des Reiches, Preu­ßens und Hessens zu sechswöchigem Erho­lungsaufenthalt in verschiedene Heime an derSeekiiste entsandt werden und auf der Reise an ihre Bestimmungsorte heute die Reichshaupt­stadt passieren. Nach einer Ansprache des Füh­rers des Transportes, Landesrat Gerlach, von der ReichszentraleLandaufenthalt für Stadtkinder", in deren Händen die Durchführung des Transpor­tes liegt, dankte der Herr Reichspräsident den Kin­dern für die Begrüßung und sprach ihnen mit herz­lichen Worten seine besten Wünsche für den Au­fenthalt an der See sowie für ihr ferneres Leben aus.

Vettere tödliche Manöver-Anfälle.

Wie erst jetzt bekannt wird, st ii r z t e n während der in diesen Tagen abgehaltenen Herbstmanöver der Reichs­wehr bei '21151 e b c n in der Nacht zum Dienstag zwei Reiter in einen Steinbruch und erlitten dabei tödliche Verletzungen Ferner hat ein störrisches Pferd, das die Brücke bei Merkershausen nicht passieren wollte, einen Offizier abgeworfen, der da­durch tödlich verletzt wurde.

Fortsetzung der sranzösischen herbskmanöver.

Freitag abend begann in der Gegend von D i j o n, Sens der zweite Teil der französischen Herbstmanöver, an denen 22 bis 25 000 Mann teilnehmen. Sie dauern bis zum 22. Sept. Die Manöverleitung hat der kom­mandierende General des 8. Armeekorps de Vaulgre, nant. Die Hauptaufgabe dieser Manöver ist die Er, probung neuen motorisierten Materials, das nicht rechtzeitig für die Lothringer Manöver hatte geliefert werden können, und außerdem die Entfaltung einer Infanteriedivision auf einer großen Front.

Reichswehr Volksheer.

viele Deutsche, die im Grunde nur LL « CBeaner der Republik und alles Heutigen weil vor dem Kriege, nicht etwa vor dem Zu- silw, alles anders und nameut-

^T'^infadier war. Wenn man das Frü- MMaßstab des Jetzigen nimmt, tut man unrecht. ' Es ist ein völliges Verkennen "nd Mißachten der ge schicht lichenTat- 7en wenn man heute seine politische oder -lMch fein sollende Anschauung daraus begrün« .Urzeit der Monarchie der Bürger «tzen doch" viel ruhiger gelebt hat.

Breiten ist das natürlich nicht, aber man ver- E ' ^cht, welch unendlichen und doch höchstens Mittelbar und teilweise selbstverschuldeten Lei- »Tnsmeg unser Volk von 1914 an und dann öer Katastrophe von 1918 gegangen ist und ! Xn mußte. Wenn sich die Freiheiten, die die ?-üe Verfassung jedem gebracht hat, nur zum Teil in :brer vollen Schönheit auswirken, so ist au4. tos auf die elende wirtschaftliche Situation zurück- tuiühren, in die wir zwangsläufig gerieten, als wir den Krieg verloren und uns gegen das Dik- tflt unwürdiger Friedensbestimmungen nicht weh­ren konnten.

Zu den Dingen, die in ihrer heutigen Form immer wieder mit früheren Zuständen verglichen werden, gehört auch unser kleines Heer. In seiner Kleinheit' liegt schon der größte Unterschied gegen­über den Verhältnissen vor dem Kriege. Wir wa­ren damals jeden Augenblick in der Lage, wirklich «in Volk in Waffen zu werden, und der Welt­krieg hat gezeigt, daß die militärische Seite auch für den größten Konflikt gerüstet war. Unsere heutige Reichswehr, 100 000 Mann stark, kann aber auch aus dem Gesichtspunkt heraus mit dem Frie­densheere des Kaiserreiches nicht verglichen wer­den, weil, damals jeder mit der Waffe dienen mußte, während heute noch nicht 100 000 Freiwil­lige angeworben werden, die, da jeder sich auf 12 Jahre verpflichten muß, ein Berufsheer darstellen, das selbstverständlich ganz andere Lebensbedingun­gen erfordert als die frühere Riesenarmee von aktiven und Reservemannschaften. Dieser Unter­schied wird, wenn von der Reichswehr die Rede ist, all zu leicht vergessen. Aus ihm ergeben sich neben allgemein wirtschaftlichen Ursachen die oer- hästnismäßig viel höheren Kosten.

? ; Was aber unser Heer immer erneut ins Ge­rede hängt, das ist der Umstand, daß man seine Offiziere nicht für überzeugungstreue Republikaner hält, Dieser Verdacht ist an sich nicht zu weit hergehölt. Es gibt in der Reichswehr wohl nicht einen einzigen ' General, der nicht schon im alten Heere gedient hätte, und wenn mir die Verfas­sungstreue für ein selbstverständliches Erfordernis echten Soldatengeistes halten, dann dürfen wir ob­jektiverweise auch nicht übersehen, daß wir von den Offizieren der Vorkriegszeit selbstverständlich mo­narchistische Gesinnung'verlangten. Und wenn es ihnen damit ernst war, dann kann ihnen der Wech­sel aus der Monarchie heraus und in die Republik hinein nicht ganz leicht geworden fein. Das soll nicht heißen, daß wir alle Reichswehroffiziere ohne weiteres für verkappte Monarchisten hielten, aber d?ß es eine sehr beträchtliche Anzahl gibt, das ist nicht zu bezweifeln und das ist bedauerlich. Denn, es ist ja mit der staatsrechtlichen Ueberzeugung, daß diese oder jene Verfassung die bessere sei, nicht getan. In Deutschland haben sich die Monarchi­sten leider ohne weiteres zu Reaktionären entwik- keli, und es ist selbstverständlich, daß diese Wand­lung auch an der Reichswehr nicht eindruckslos ooriibergegangen ist. Die Leute von der Rechten "lii dem üatentierten Vaterlandsgefühl haben schon dobir gesorgt, daß hierin keine Mißverständnisse aufkommen konnten.

Wenn also heute die Reichswehr von rechts und links bis tief in die Mittelparteien hinein nicht Rit restlosem Vertrauen beobachtet wird, dann ha­ben gewisse Zeitungen, denen z. B. Herr Hugen- berg nicht fernsteht, "erheblich dazu beigetragen, daß wcser Zustand eintreten konnte. Ferner ist seitens des Reichswehrministeriums nicht immer mit dem Notwendigen Nachdruck dafür geforat worden, da,? sich nicht innerhalb unseres Heeres Meinungen und Stimmungen bildeten, die an den vornehmen Grö­ßenwahn früherer feudalen Regimenter anknüpf­ten. Schließlich und endlich aber hat sich der Rechts- tadikalismus der Sache bemächtigt und versuch!, ^Meinen verlogenen Phrasen von kämpferischer Freiheit und ähnlichen unwirklichen und den Wie- beraufstieg Deutschlands hindernden Dingen sich an c°5 Heer heranzumachen. Welches Unheil er damit anrichtet, werden wir in diesen Tagen erleben, fvenn die in Ulm wegen nationalsozialistischer Um­triebe verhafteten junaen Offiziere vor dem Reichs- Zencht stehen. Ein Brief, den einer von ihnen ?Us dem Untersuchungsgefängnis geschrieben und °en Hitler veröffentlicht hat, beweist schlagend, fOo. man diesen jungen Leuten geradezu verbre- werische Lügen aufgetischt hat, um sie für die üble ®oa)e Hitlers zu gewinnen.

Der Reichswehrminister hat beim Abschluß des Manövers in einer Ansprache an seine Gäste sehr [Worte über dos Heer gesprochen. Er lehnt eivstoerständlich alle Vorwürfe ab, und wir freuen uns darüber, wenn er es mit Recht tut. Nur sollte zu verstehen suchen, wie die schiefen Meiniin- «en über die Reichswehr zustande kommen. Es gibt fils Nationalsozialisten, die fest davon überzeugt daß bei einem Putsch unser Heer auf ihrer S .,e Hetzen würde. Wie kommen sie zu solcher Utzossung? Die Reichswehr muß, wie ja auch . foener gesagt hat, ein absolut zuverlässiges Jn- 'Ument in der Hand des Reichspräsidenten jein, oer jedes Reichspräsidenten, auch eines, der frü« F ^t Generalfeldmarschall war. Das deutsche ^as Militär, und diese Liebe wird wohl ae uuszurotten fein. Es muß aber davon über« MW fein dürfen, daß fein Heer feines eigenen ? E"tes ist, wie wir alle und nichts anderes.

der englischen Kriegsgefangenen bet uns. Ein eng­lischer Omnibusschafsner in einer Londoner Vorstadt- mit dem ich ins Gespräch kam, war ebenso naiv begeistert von der Tatkraft der Deutschen, ihrer Sauberkeit, ihrerEchtheit", wie ein Postbeamter in Edingburgh, der mit mir durch das Drahtgitter seines Schalterplatzes die billigsten Fahrtmöglich- ke-ten nach Deutschland überlegte, wohin er noch in diesem Jahr seine Serienreife machen wollte, das Hessenland wiederzusehen, wo er auf einem Bauernhof hatte arbeiten müssen. Man mag ein­wenden, der Engländer sei von Haus aus zu Höf- 1 lich, als daß er einem nicht sagte, was man gern , hört. Hätte ich die gleiche Hochachtung vor Deutsch­land und gerade dem Nachkriegsdeutschland nicht aussprechen hören in Kreisen, die wahrhaftig kein Blatt vor den Mund nahmen: Der Deutsche sei besser gekleidet als vor dem Kriege, benehme sich besser, "fei gewandter, fein Horizont habe sich ge­weitet. Künstler weisen mit Vorliebe auf unsere Architektur. Doch auch ohne auf dergleichen Stim­men zu hören: Wer sehen will, wie man sich vor 20 oder 30 Jahren kleidete, reife nach London; die Schaufenster zeigen, daß unser Kunstgewerbe dem englischen um ein Menschenalter voraus ist; von neuer Architektur sieht man auch bei den Neu­bauten kaum Ansätze, für den Plan zu der gewal­tigen Kathedrale in Liverpool z. B. sind die Ideen modernen Kirchenbaues noch völlig unbekannt.

Nun eines fände ich in England vorbildlich: das Verhältnis des Volkes in feinen Weltkriegsdenk­mälern. Es kommt gar nicht darauf an, daß mir in Deutschland auch ein solch herrlichesWar Me­morial" errichten rote die Schotten für ihre Ge­fallenen auf der wundervollen Feste zu Edinburgh, wenn wir kein Empfinden für die Denkmäler in derProvinz" haben. Aber wo finden wir bei uns die Gefallenemnäler derart blumengeschmückt; j geschweige durch Abnehmen des Hutes geehrt? Wo findet sich rote in England überall in den Inschrif­ten vor dem Widmungssatz :Zur Erinnerung an... . erst das Wort: Zur Ehre Gottes?