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Volksgemeinschaft Auslandsdeukschlum — Schule.

Das Schlagwort von der „Volksgemeinschaft" wird heute von so vielen im Munde geführt, denen es im Herzen gar nicht ernst damit ist, und wiederum von vielen, die sich ganz unklar sind über den Begriff. Von der Vorkriegszeit her sind manche gewöhnt, unter dem „deutschen Volk" die Gesamtheit der Menschen zu ver­stehen, die das Gebiet des Deutschen Reiches bewohnen. Aber „deutsches Volk" ist nicht „deutsches Reichsvolk"; nicht die 63 Millionen allein sind es, die innerhalb unse­rer Reichsgrenzen wohnen, sondern die 100 Millionen Menschen deutscher Zunge, die über den ganzen Erdball verstreut sind. Reben dem großen Deutschland gibt es viele kleine „Deutschländer"; die Decke des Reiches ist viel zu klein, als daß sie alle Volksgenossen bedecken könnte. Millionen von ihnen stehen dicht vor den Toren des Reiches und dürfen nicht herein.

Kein Volk ist so um die Erde gewandert wie das deutsche. Der heiße, faustische Drang nach der Ferne liegt uns Deutschen im Blut, und besonders der Drang des nordischen Menschen nach der Sonne des Südens. Wir sind nicht bloß das Volk des Heimwehs, son­dern auch des Fernwehs. So zogen schon vor 1500 Jahren die germanischen Stämme in der Völkerwande­rung, durch ganz Europa; so setzte im 12. Jahrhundert di« germanische Rückwanderung nach dem Osten ein, durch welche der Osten bis weit über die Weichsel hinaus germanisiert und christianisiert wurde. So ergoß sich nach.der Entdeckung Amerikas die überschüssige, germani­sche Volkskraft über den Ozean. Unter den 120 Millio­nen Bewohnern der Vereinigten Staaten sind schätzungs­weise 30 Millionen deutscher Abstammung, wenn die meisten davon auch längst int großen Schmelztiegel ein­geschmolzen und zu Amerikanern umgegossen worden sind.

Im 18. Jahrhundert dann endlich riefen die habs­burgischen und die russischen Kaiser deutsche Kolonisten in ihre Länder, und Zehntausend« folgten diesem Rufe; denn das Kolonistenland verhieß ihnen eigene Scholle und Freiheit von der Plage der Erbuntertänigkeit.

Und was haben unsere Brüder da draußen an Kultur­arbeit geleistet! Das dmtsche Dorf erkennt man schon von weitem vor allen anderen Siedlungen heraus; diese Sauberkeit, Ordnung und Wohlhabenheit findet man nur beim deutschen Siedler. Da hinaus muß man gchen, um st o l z auf sein Deutschtum zu werden. Gerade der Stolz auf das eigene Volkstum (nicht der Hochmut!) fehlt uns Deutschen im Gegensatz zu anderen Völkern noch so sehr.

Wir haben uns vor dem Kriege arg versündigt an diesen abgesprengten deutschen Volkssplittern; wir fanden unser Genüge an dem Bismarckschen Reich und vergaßen darüber das Volk, und das ist mit der Hauptgrund, daß so viel wertvolles deutsches Volkstum im fremden Völkerbrei untergegangen ist. Jetzt aber' leben wir in der Zeit der deutschen Vvtk- werdung. Schon als während des Weltkrieges das Deutschtum auf der ganzen Erde verfolgt und.geschmäht wurde, da dämmerte in diesen 100 Millionen eine Slhnung herauf, daß fff schicksalsverbunden zusammen­gehören; das Blut fing an zu sprechen. Und in dem Augenblick, da der Krieg verloren-war, da hatten sich diese 100 Millionen zusammengefunden, es war das die Geburtsstunde dieses Großvolkes. Es gehört mit zur Tragik in unserer Geschichte, daß wir erst in die tief­sten Tiefen gestürzt werden mußten, um uns innerlich wiederzufinden; das Höchste und Edelste wird ja oft aus tiefsten Schmerzen geboren. Unsere Gegner haben, um mit Mephisto zu reden, das Böse gewollt und haben — wenigstens auf diesem Gebiete — doch das Gute geschafft.

So hat sich nach dem Kriege die Idee vom deutschen Volk entwickelt, während wir ftüher diesen Begriff verwechselten mit dem vom deutschen R e i ch. Doch stehen wir erst in den Anfängen dieser neuen Erkenntnis und dieses neuen Erlebens. Es bedarf noch einer Riesen­arbeit, bis die große Masse unseres Volkes diese neue Einstellung gewonnen haben wird. Es ist eine volk- hafte und nationale Aufgabe allerersten Ranges, daß da§ innere Verbundenheitsgefühl zum Genteingut aller dmtschen Volksgenossen werde. Und da erwächst für uns Lehrer die besondere Aufgabe, die jungen Menschen zu bewußten und lebendigen Gliedern dieses großen Gesamtvolkes zu erziehen. Mit staatsbürgerlicher Erzie­hung allein ists nicht getan, ebenso wichtig ist die v o l k s b ü'r g e r l i ch e Erziehung. Der Staat ist das Vergängliche, Wandelbare; das Volk aber ist das Blei­bende, sozusagen das Ewige. Mit dem Volkstum ist der Mensch in viel tieferem Sinne innerlich verbunden als mit dem Staat. Und wenn der deutsche Mensch durch einett Gewaltfrieden wider seinen Willem auf einmal ftanzösischer oder italienischer oder polnischer Staats-., bürger wird, so hört er damit keineswegs auf, Glied des deutschen V vl k e s-M sein.

Unsere Lehrpläne weisen uns ja an, die Kinder ein­gehend bekannt zu machen mit den abgesprengten deut­schen Volkssplittern. Aber ein Wissen davon genügt nicht,

Fahrendes Volk aufVesuch.

Von Josef Bremer.

Während die Sonne int Westen ihr purpurnes Wolkenbett bereitet, rattern und knarren und schwan­ken einige Wagen fahrender Leute langsam und müde dorfwärts. Eine Wolke von Staub hüllt sie ein. Rings umher wogen die Saaten im leichten Wind. Man sollte meinen, die kleine Karawane käme gerades­wegs aus dem märchenhaften Morgenlande: Ein Stück verrostetes Ofenrohr durchbricht trotzig und windschief das gewölbte Dach. Steifbeinige Klepper, dem armen Rößlein des schwäbischen Ritters aus dem Heere Barbarossas täuschend ähnlich, trotten verdrossen vorne­weg, Männer mit wüstem Bart, einen Riemen über der Schulter, Flüche auf den Lippen, gehen zur Seite. Man weiß nicht recht, ob sie mehr am Wagen ziehen oder an den altersschwachen Gäulen. Kinderschrei quillt aus den offenen Wagentüren/ Schmutzige Weiber mit aufgelöstem Haar, Hunde mit lechzender Zunge, Halb­wüchsige mit nackten Füßen und zerrissenen Kleidern und ein mächtiges Bündel Heu bilden den Schluß.

BiS iys Dorf hinein dürfen sie nicht und mögen ste nicht. Hapdelsüchtige Männer, diebische Weiber und aufdringliche Kinder find den Dörflern wenig will­kommene Gäste. Das wissen die Angehörigen der Kessel-, Schirm- und Korbflickerzunft, und darum machen

auch schöne Gefühle tun es nicht; es kommt vielmehr in erster Linie auf die Erziehung zur Tat an, daß das deutsche Kind etwas opfern kerne für sein Volkstum, daß eine Willensrichtung in ihm entstehe nach der Volksgemeinschaft hin. Darüber vielleicht später einmal Näheres.

Der Spießer Und Egoist mag wohl sagen: was gehen uns die da draußen an? Jeder sehe, wie er mit sich selbst fertig werde! Wieder andere mögen das Ringen um den inneren Zusammenschluß dieser 100 Millionen als eine Ideologie für verstiegene Geister ausehen. Dem­gegenüber sei hier betont, daß es sich um elementarste Volksnotwendigkeiten handelt. Wir, das Muttervolk, können nicht mehr sein ohne die Deutschen int Ausland, und diese wieder bedürfen der Stützung durch das Muttervolk. Unsere Brüder tm Ausland sind die Schritt­macher der dmtschen Wirtschaft, des deutschen Absatzes auf dem Weltmarkt; sie helfen den geschändeten deut- , schen Namen in der Welt wieder zu Ehren zu bringen, und sie tun das mit Bewußtsein und mit Leidenschaft; sie auch liefern uns herrliche Vorbilder im Deutschsein;

sie einen Steinwurf weit vor dem Dorfe halt unter einem Kastanienbaum, dessen breite Krone Sankt Apollo­nias kleines Heiligenhaus überspannt.

Sankt Apollonia hat ein Herz für fahrendes Volk. In ihrem Namen rauscht der Kastanienbaum den Heimatlosen einen Willkommgruß entgegen und ge­währt ihnen Schutz und Obdach gegen Wind und Wetter. Die Männer bemühen sich um die abgetriebenen Pferde. Die Hunde werden von der Kette losgemacht und toben mit Freudengebell in der Gegend herum. Die Kinder stolpern durch die enge Wagentür ins Freie. Sie schlagen Purzelbäume int Grase, zwängen eins nach dem andern ihr Schmutznäschen durch den Spalt an Sankt Apollonias Tür, und zuguterletzt backen sie Kuchen und Korinthenwecken aus Lehm und d/m schlammigen Rest einer Pfütze. Währenddessen han­tieren die Weiber am Herd. Dem Ofenrohr entquillt ein feines Wölkchen. So geht der Tag zu Ende.

Nicht ganz ausgeschlafen und nicht ganz ftisch ge­waschen erschien eines schönen Tages Andreas, ein dickes akademisches Viertel nach Unterrichtsbeginn, an der Schultüre, um als fahrender Schüler einige Stun­den abzusitzen. Ganz artig und nach Philosophen-und Weltverächtersart mit seinem Geschick vollkommen aus­gesöhnt, setzte er sich auf den angewiesenen Platz. Eben­so folgsam nahm er Tafel und Griffel zur Hand, um seine magere Schreibkünst zu zeigen und seine wissen-

da finden sich Menschen von großem Format in großer Zahl, die dem kleinen Geschlecht in unserem Vaterlande zeigen können, was ein wahrer Deutscher ist. — Und andererseits helfen wir den Brüdern draußen ihre deut­schen Schulen unterhalten, senden ihnen jährlich Zehn­tausende von deutschen Büchern hinaus und nehmen in unsere Hochschulen auslandsdeutsche Jugend auf, die dann später in ihrer Heimat Deutschtumsführer werden soll. Auch gewährt es dem Deuffchtum in der Welt einen moralischen Rückhalt, wenn es weiß, daß im Kampf um sein Volkstum das große Volk int Mutterlande mit heißem Herzen hinter ihm steht.

Das ist der Sinn der großen Volksgemeinschaft, nach ■ der wir ringen und zu der wir unsere Jugend erziehen müssen; -eine Gemeinschaft über alle Parteien und alle Konfessionen hinweg. Deutschlands Zu­kunft wird zu einem großen Teil davon ab hängen, wie es uns gelingt, die volk- hafte und kulturelle Einheit und Gemein­schaft aller Deutschen auf dem Erdenrund herzustellen. K. Wendling.

schaftliche Armseligkeit kreuzehrlich kundzutun. Seinen Namenszug bekam er, der Neunjährige, nicht ohne grobe Verstümmelung' zurecht. Ich schrieb ihm einen aus­gesucht schneidigen — Andreas — vor. Den müsse er als fahrender Gesell unbedingt schwungvoll schnörkeln können! Andreas lächelte zum Zeichen, daß er mich wohl verstanden hatte. Mit glänzenden Augen besah er seinen Namenszug und versuchte dann mit Mühe und Ausdauer, seine Schreibkunst an diesem hochwichti­gen Gegenstand zu vervollkommnen. Seine Freude ward übergroß, und sein mit Wildwuchs gekröntes Locken- Haupt verklärte sich, als ich ihm einen Bleistift schenkte und dazu noch ein Blatt Papier, auf dessen erster Linie schon sein Name in riesigem Ausmaß prangte. Andreas war reich wie ein König und glücklich wie ein morgenländischer Märchenprinz. Alle Schüler strahlten vor Mitfreude, weil Andreas ein Stück Heimat in sei­nem heimatlosen Dasein erlebte. Zum Abschied tausch­ten wir- einen kameradschaftlichen Händedruck aus, der mit dem herzlichen Wunsche: Auf frohes Wiedersehen! gewürzt wurde.

Als Andreas in der nächsten Nacht in feinem Lumpenbett hinter dem Ofen kauerte, verklärte sich int Schlafe sein • krautbärtiges Gesicht. Er sah sich im Traume als große und berühmte Heldengestalt, die vor versammelter Mannschaft mit einer Ehrengabe und lobenden Worten ausgezeichnet wurde.

Dürfen meine Kinder mit den Kindern anderer Leute spielen? Ein Beitrag zum Problem der sozialen Erziehung.

Es ist gewiß ein guter und richtiger Grundsatz der Erziehung, die Kinder vor bösem Umgänge zu be­wahren. In Verfolg dieses Grundsatzes möchten manche Eltern ihre Kinder am liebsten stets und ständig bei sich daheim behalten, damit sie vor allen bösen Ein­flüssen treu behütet und bewahrt sind. Aber die Ueber- spitzung dieses Grundsatzes enthält zwei verhängnisvolle Fehler. Erstens geht es nicht an, Kinder immer nur ,zu bewahren, denn sie müssen doch einmal hinein ins Leben, müssen den Umgang mit Menschen lernen, müs­sen die Welt und die Menschen kennen lernen, wie sie sind, damit sie in sich selber die Kraft entwickeln, im Getümmel der Welt standzuhalten. Dieses Vertraut­machen mit der Welt muß schon beim kleinen Kinde einsetzen. Schon das kleine Kind muß lernen, mit ande­ren Kindern verträglich zu spielen, sich den anderen anzupassen, auch mit den Fehlern der Umgebung fertig zu werden, sich nicht jedem Einflüsse unüberlegt hin- zugeben. Wer das nicht von Jugend auf gelernt und geübt hat, der wird es als erwachsener Mensch nie restlos nachholen können. Und der zweite. Grund,, der für das Kind Spielkameraden fordert ist der, daß aus dem Kinde kein Eigenbrödler werde, daß es ein sozia­les Wesen der Einordnung und Anpassung werde.

Geschwisterlose Kinder, die die einzigen däheim'sind, sind arme Kinder, mögen sie Huch sonst noch so sehr von Güte und Wohlwollen ihrer; Umgebung überhäuft werden. Die Lehrer machen alltäglich die Erfahrung, daß — fteilich gibt's immer Ausnahmen — die Knaben und Mädchen der kinderreichen Familien sich in ihrem Betragen, in ihrer Hilfsbereitschaft und Hilfsfertig­keit, in ihrer Kameradschaftlichkeit, ihrem frohen und doch bescheidenen Wesen vor den einzigen Söhnlein und Töchterlein,' auch vor den Pärchen rühmlich aus­zeichnen. Aus dem gleichen Grunde ist es ja auch gut, daß es überhaupt Schulen gibt. Gesetzt, es gäbe keine Schulen. Ein großer Teil unserer Jugend würde als­dann zu den absonderlichsten Sonderlingen heranwach­sen. Die in der Gewöhnung an sozialen Umgang lie­gende Aufgabe der Schule wird gemeinhin leider noch nicht genügend gesehen und gewürdigt.

Ater der Umgang der Kinder mit ihren Alters­genossen seitens der Schule genügt noch nicht. Kinder sollen auch mit Nachbarskindern spielen. Es ist eine grundfalsche Einstellung übertrieben besorgter Aiütter, ihre Kinder int Spiel von den Kindern der Nachbar­schaft absolut fernzuhalten. Die gemeinschaftlich spie­lenden Kinder der Nachbarschaft werden freilich dann und wann mal sich zanken oder gar schlagen, vielleicht auch diesen ober jenen kindlichen Streich aushecken. Aber das alles ist in der Regel gar nicht so sehr schlimm, nicht so tragisch zu nehmen, wie es oft ge­schieht. Freilich darf man Kinder nicht aufsichtslos den ganzen Nachmittag auf der Straße, auf Oedplätzen, hinter Fabrikmauern und in .Schuttlöchern Herumstrol­chen lassen. An eine solche Zügellosigkeit denken wir nicht int geringsten. Aber man soll seine Kinder nicht von den Nachbarskindern grundsätzlich fernhalten. Man­cher Segen geht davon aus, daß die Kinder auch mal in den Garten, auf den Hof und in das Haus zu den Nachbarskindern gehen, daß sie einen gemeinschaftlichen Lieblingsspielplatz auf einem stillen Straßenwinkel, auf einem nahen-Spielplatz und dergleichen haben. Von derjenigen Mutter oder Tante, die solches gemein­schaftliche Spiel der Kinder liebevoll aus ihrem Küchen­fenster heraus ^überwacht, zu der die Kinder auch mal ins Haus kommen dürfen, und bei der sie ein wohl­wollendes Verständnis für ihre jugendlichen Neigungen,

selbst Fehler und Streiche finden, geht ein wahrer Segen aus, ein Segen für die ganze Nachbarschaft, an dem selbst die Erwachsenen Anteil nehmen. Sind es doch gerade die Kinder immer wieder, die die sozialen Brücken bauen über die Gartenzäune hinaus, die auch Fäden spinnen zu den Nachbarn großstädtischer Miets­häuser, deren Dasein sonst fast wie hermetisch abge­sperrt wäre. Für alles soziale Gemeinschaftsleben, das die Familien verbindet und unser ganzes Volk verwebt, ist dieses gemeinschaftliche Kinderspiel vielleicht noch wichtiger als alles Reden in Vereinen und Versamm­lungen.

Das Wort, daß die eigenen Kinder in der Nachbar­schaft nur Schlechtes lernten, daß man sie deswegen am besten daheimbehalte, ist so einseitig und schief, und es verbirgt sich dahinter in den meisten Fällen eine solch verbohrte Anschauung von dem, was Kin­dern nützlich und schädlich fft, und es dient so ost als trügerischer Deckmantel für die unsozialen Fehler der eigenen Kinder, für deren grundsätzliche Unerzogenheit, daß man wünschen sollte, diese Redensarten nie mehr zu hören. Man denke beispielsweise daran, daß manche Eltern es als einen Nachteil, ja als einen schlimmen Fehler ansehen, wenn ihre Kinder bei den Nachbars­kindern plattdeutsch sprechen lernen.; Ist es denn so schlimm? Ist es nicht vielmehr ein Nachteil der Bil­dung, die Sprache des Volkes überhaupt nicht zu ken­nen? Und was ist daran gelegen, wenn das Kind mal von der Straße einen nicht ganz parlamentarischen Aus­druck mitbringt! An dergleichen geht unser Volk nicht zugrunde. An dergleichen leidet auch nicht eine Familie Schiffbruch. Insbesondere ist gerade bei den Kindern der besseren, wohlgeordneten Familien die Versüh- rungsgefahr durch sozial niedriger stehende Nachbars­kinder weit geringer, als gemeinhin angenommen wird. Die Kinder höherstehender Eltern werden viel leichter zu den Verführern der unteren Kreise als umgekehrt. Selbstverständlich — das sei noch einmal hervorge­hoben — darf man die Kinder nicht stundenlang oder den ganzen Nachmittag hindurch sich aufsichtslos in gefährlichen Winkeln und. Schuttlöchern Herumtreiben lassen.

Tie wohltuende Wirkung des gemeinschaftlichen Ver­kehrs der Jugend hat sich insbesondere da gezeigt, wo nach dem Kriege die Vorschulen verschwunden sind und nun alle Kinder, ob von vornehmen oder gerin­gen Eltern, wenigstens vier Jahre lang die gemein­same Grundschule besuchen. Dieser gemeinsame Besuch der Grundschule hat gerade den nachbarlichen Verkehr zwischen Leuten verschiedener Gesellschaftsschichten an­genehm gefördert. Das falsche Entsetzen, die prüde Entrüstung mancher Mütter vor dem Plattdeutschen, vor dem Umgänge ihrer Kinder mit betten nichtigerer Kreise ist-Gott sei Dank im Abebben begriffen. Man nmß ja auch umgekehrterweise feststellen, daß tausende Kinder unterer Volksschichten durch den Einfluß der tzuten und feineren Elemente nicht wenig nach oben gezogen worden sind. Und nicht der letzte Vorzug'des gemeinsamen Verkehrs der Nachbarkinder ist der, daß alle Kreise soziales Verständnis kennen lernen. Dieses soziale Verständnis ist sowohl' denen, die dereinst die Führer des Volkes sein sollen, die etwa in die Be­amtenlaufbahn eintreten, oder als Lehrer oder Geistliche dem allgemeinen Wohl dienen wollen, wie auch • den unteren breiten Schichten des Volkes sehr von Segen.

In dieser Erkenntnis werden also verständnisvolle Lehrer, Seelsorger und Eltern mit einem Weitblicken-

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ien und taktvollen sozialpädagogischen Empfinden M nur nichts dagegen haben, daß die Nachbarskinder «j einander gemeinsam spielen, sondern werden di« Spiel, diese Gemeinsamkeit in feiner und edler M zu fördern, fteilich auch zu lenken und zu überwach wissen. Dann gereicht ein solches GemeinschaftZfp! eine solch treue Nachbarschaft der Kinder nicht j ihnen selber, sondern unserem ganzen Volke zum Seg

I. M. Gies«

Soziale Not und Volkslehrer,

Von Josef Joos.

Wie soll man verständlich machen, was „stzi, Not" ist? Man muß es entweder in sich erleben ob

Nr. 219

M und MMWMWM

Beilage zur Fuldaer Zeitung

gär Mir

21. September

— nacherleben. Man kann auch durch Mitleiden wl

sein.

Soziale Not wurde in mir lebendige Gestalt, als i» I ein kleiner Bub, int Hinterhof unserer Industriestadt 1 wohnte, wo sich die armen Leute so ganz verlassen vor. s kamen, weil selten der Schritt eines anständigen Men, | scheu dahin führte, wo es jeden Tag Streit und Lärm, Verdrossenheit und weinende Frauen gab. — Ich spürt, I dann soziale Not in jener Volksschulklasse, als ein unstet. 1 ständiger Mann — der einzige übrigens, der mir j begegnete — einem von uns auf eine dumme Ausrede j hin an den Kopf warf: „So sind die Fabrikleute, kaum j haben sie gegessen, so müssen sie wieder Brot holen.".I Das hat uns beleidigt und gebissen. — Schließlich fach J ich soziale Not als Lehrjunge in einer Maschinenfabrik, als mich neben dem Gestampf und Gerassel der Ma- 1 schinen das ewige Klagelied der Arbeitskameraden um- - gab: „Es gibt keine Gerechtigkeit in der Welt. Wir ] sind arme Teufel. Wir sind nichts, und wir gelten nichts."

Soziale Not, das ist für mich der Mangel tm lebendiger Beziehung der Menschen untereinander. Das -l ist der Verlust des Glaubens und des Vertrauens des - einen zum anderen, der einen Gruppe zur anderen Gruppe. Zweckgemeinschaften, Jnteressenverbände heben g diesen Mangel nicht auf. Sie unterstreichen ihn uch machen den Menschen erst recht bedürftig danach, mehr g zu sein und mehr zu gelten denn einer, der irgendwie „gebraucht" werden kann.

Soziale Not ist, wo unter der Isolierung des Schick- 1 sals, der aufgedrängten oder selbst angequälten Jsolie- 1 ruttg, das Leben härter und ärmer wird, wo der 6hm ■ für Heimat, Arbeitsstolz und Berufsfteude stirbt, wo die Lebenswurzeln bürt werden und natürliche Lebens- kreise inhaltsleer werden. Und soziale Not hört aus, wo wirkliche Gemeinschaft beginnt, Menschen sich ohne Vorurteil, natürlich, Meinander gesellen, weil sie Herz und Sinn füreinander haben.

Diese soziale Not ist noch immer in Kreisen bet Massen des Jndustrievolkes. Trotz des Aufstiegs in^^W letzten Jahrzehnten. Hier liegt die Wunde und die gäbe für die heutige Gesellschaft.

Wie kann man dieser Aufgabe gerecht werden? W-> anfangen? Wo anfhören? Wenn das Kind des Volkes | in die Schule kommt, hat es schon eine Prägung von Hause aus, so oder so. Da sitzen bereits Eindrücke und Vorurteile, echte und unechte. Da ist der Blick f^^H gerichtet und die Seele schon in etwa gestimmt.

ist das kleine Menschenkind daran, die Welt verdreht sehen. Da beginnt der Kampf des Volkslehrers um sei» Volk. Und er dauert unter den ungünstigsten Einflüssen und bei den allenthalben gerissenen Beziehnngsfädot, in unserem heutigen gesellschaftlichen Leben an um. wird immer schärfer. Er wird diesen Kampf nur können mit gut Glück aus einer großen Liebe.zum Volk s-, und aus einer großen Verantwortung heraus.

Wir reden mit Recht vom Volkslehrer, vom Lehrer des Volkes. Zu viele schon haben sich daran gewöhnt, den Lehrer inmitten der Beamtenhierarchie zu seh« und also zu werden. Allein: der „Beamte" int Lehr«, formt kein Volk,, erzieht kein Volk. Das vermag nur bet Gärtner in ihm, der sorgsam den Boden beackert, Samen ftreut, Unkraut jätet, der aufbindet, leitet, lentt. Volk wird aus chaotischer Zerrissenheit nicht von selbst. .Ä Nur der Volkslehrer, der Volksbildner, der sich selbst geformt hat, kann da etwas ausrichten.

Sache des Volkslehrers ist es, in der Heranwachsen­den Jugend wieder die Poren zu öffnen für Glaube und Vertrauen, Sinn zu wecken und lebendig zu erhalbMM für Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft. So kamt etwas Wirkungsvolles getan werden gegen die sozia« . Not von heute. Sozialpolitische Maßnahmen können to nicht.

Selbstverständlich: dieser Volkslehrer allein an seinem Platze kann es auch nicht. Er muß wissen und fühlen, daß zu gleicher Zeit an anderen Arbeitsplätzen in der Volksbildung andere stehen und ihre Pflicht tun. Das geht den Werkmeister, den Direktor, den Unternehmer,, den Arbeiterführer, den Verwaltungsmann, den Poli-, titer, den Karitashelfer und den Seelsorger an. Denn a sie alle stehen am selben Werk, an derselben Arbeit, daß aus Bevölkerung ein Volk werde.

Luftiges aus der Schule.

Wiederum 'in der Bibelstunde wird von der Ver­leugnung des Petrus gesprochen, und auf die Frage, warum wohl Petrus den Herrn verleugnet hat, meint einer: „Vielleicht hat er den Herrn deshalb verleugnet, weil er damals seine Schwiegermutter gesund gemacht i: hatte."

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Die Kinder machen einen Ausflug und sehen bei der Gelegenheit zum ersten Mal ein Dampfschiff. Da ruft die kleine Gretel in höchstem Erstaunen: „Herr Lehrer, gucken Sie mal hier, da ist eine Lokomotive, die sich badet!"

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Helmut betet am Abend: „Lieber Gott, schicke uns allen einen Schutzengel. Und wenn du noch einen ganz alten übrig hast, so stelle ihn in den Stall zu unserer Ziege, daß nicht die bösen Stehler kommen und sie holen."

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In der Bibelstunde wird die Geschichte von bei Himmelsleiter behandelt, und es ist die Frage ent­standen, warum die Engel die Leiter auf- und abstiegen, da sie doch Flügel hatten und fliegen konnten. Da ? meldet sich einer: „Tie Engel, die waren sicher in der Muis."