Einzelbild herunterladen
 

Kirchen bestimmten 327 Millionen Mark des Preußischen Staates zum Dombau verwendet wer­den sollen, daß das Reich eine halbe Milliarde zuschieße, daß eine Peterskirche wie in Rom er­richtet werden solle, deren Bau ungeheure Sum- men verschlinge."

Natürlich alles riesenhafter Schwin­del. Ein Dementi hat gar keinen Zweck bei sol­chen Hetzern und Journalisten, die nicht wissen, was ihre Pflichr als Anwalt der Oeffentlichkeit ist. Kein Wort steht im Preußenkonkordat von 327 Millionen oder 440 Kirchen. Man wollte hetzen und aufputschen, denn man braucht die poli­tische Explvfionsluft, um am Radikalismus weiter­prunken zu können. Das fühlen wir deutlich bei dem Kommentar der „Welt am Abend" zu der angeblichen sozialistischen Mitteilung. Dort heißt eS nämlich, daß es ungeheuerlich sei, daß in der Zeit, in der den Massen das Mark aus den Knochen gezogen wird, in der durch Notverordnun­gen immer wieder neue Steuern aus dem Volke ausgepreßt werden, weit über eine Milliarde Mk. für den Bau eines katholischen Domes verwendet werden sollen. Diese Milliarde Mark müsse für billigen Wohnungsbau und soziale Fürsorge ver­wendet werden.

Wir haben es wieder einmal mit einer der übelsten sozialen und religiösen Hetze zu tun. Mil Absicht wird eine solch lügenhafte Meldung ver­breitet, dazu in großer Aufmachung auf der ersten Seite des Blattes mit knalligen Ueberschriften. Warum hat sich die verantwortliche Schriftleitung nicht sofort an zuständiger Stelle Aufklärung ge­holt, bevor sie eine ausgerechnet aus sozialistischem Lager angeblich, stammende Meldung verbreitete. Sie wollte das nicht, weil es ihr darauf ankam, die Masse aufzuputschen gegen die Kirche, vielleicht auch aus stillverhaltener Wut »über den Erfolg des Zentrums bei der Reichstagswahl. Aber, so fragen wirkst es gegenüber einem solchen Journa­lismus nicht höchste Zeit, daß, wenn die Organi­sation der Presse nicht ausreichen sollte, um der­artige unerhörte Abhandlungen in einer Zeitung unmöglich zu machen, im neuen Presse recht Bestimmungen ausgenommen werden, welche zu- mindeft solche publizistischen Methoden auf das strengste zur Warnung für alle anderen ahnden.

Luriius und Briand.

wtb. Paris, 19. Sept. (Eig.- Meld.sl lieber die gestrige Unterredung von Reichsaußenminister Dr. Curtius mit Außenminister Briand will der Korre­spondent des „Matin" berichten, daß Curtius und Briand sich zunächst über die Vorschläge betr. das Verfahren für die" weitere Behandlung des Europa-Plans verständigt hätten. Beide seien der Ansicht, daß der Ausschuß bereits jetzt gebildet werde und zwischen den beiden Völker­bundssitzungen in Tätigkeit treten müsse. Dr. Cur­tius habe natürlich seinen Standpunkt geltend ge­macht, daß die dringendste Aufgabe sein würde, gewisse wirtschaftliche und namentlich land­wirtschaftliche Fragen in Angriff zu nehmen. Es sei in der Tat nicht möglich, daß Europa bin­nen kurzem und vor allem nach den Debatten, die sich innerhalb der 1. Kommission des Völkelr- bunds entfpinnen würden, sich genötigt sehen werde, der sich unaufhörlich verschärfenden Krise abzuhelfen. Die beiden Außenminister hät­ten sich alsdann auch über die deutschen Wahlen unterhalten^ In dieser Frage seien sie nicht nur durch das Amtsgeheimnis, sondern auch durch die Vor­sicht gezwungen, ihre Betrachtungen für sich zu behalten.

Zur Minderheitenfrage.

wtb. Genf, 19. Sept. (Eig. Meld.) Der poli­tische Ausschuß der Völkerbundsversammlung be­gann heute mit der Beratung über die Minder­heitenfrage, die durch einen Antrag der deut­sch e n D e l e g a t i o n vor die diesjährige Völker­bundsversammlung gebracht worden ist. Gegen­über gewissen Bestrebungen, die Minderheiten­frage von einer regelmäßigen, alljähKichen Be­handlung durch die Völkerbundsversammlung aus­zuschalten, verfolgt der deutsche Antrag den Zweck, das Interesse des Völkerbundes an diesen Fragen ständig wach zu erhalten und insbesondere für die Anwendung und den Ausbau der Madri­der Beschlüsse, durch die das Minderheitenverfah­ren eine gewisse Verbesserung erfahren hat, zu sor­gen. In der heutigen Vormittagssitzung des 6. Ausschusses legte im Auftrag der deutschen Dele­gation Reichsminrster a. D. Koch-Weser den Standpunkt der deutschen Regierung dar.

* Ausgerechnet der Abgeordnete Ladendorf, der bekannte radikale Hausbesitzer-Vertreter in der Wirtschaftspartei hat namens der Fraktion der

Bildet vom Tage.

König Christian X. von Dänemark, der Sohn Friedrichs VIII, der seinem Vater 1912 auf den Königsthron folgte, wird am 26. Sept. 60 Jahre alt. Unter feiner Regierung wahrte Dänemark die Neutralität im Weltkriege. König Christian, der 1915 seinem Lande eine demokra­tische Verfassung bestätigte, hat die Annäherung Dänemarks an die anderen skandinavischen Reiche gefordert, ebenso wie die Neuordnung des staats­rechtlichen Verhältnisses zu Island und Dänemarks Beitritt zum Völkerbund. Aus feiner Ehe mit Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin gingen zwei Söhne, Friedrich und Knut, hervor.

Wirtschaftspartei im preußischen Landtag einen Antrag eingebracht, wonach der Landtag mit sofortiger Wirkung aufgelöst werden soll. Der Antrag wird wie folgt begründet: „Nach dem Ergebnis der Reichstagswahlen steht fest, daß hinter der heute in Preußen herrschenden Regierungskoalition nicht mehr annähernd die Mehrheit des Volkes steht. Die nationalsozialistische Partei, die im preußischen Landtag noch nicht Fraktionsstärke besitzt, ist in Wirklichkeit heute die zweitgrößte Partei Preußens." — Daß Herr Ladendorf den Nationalsozialisten in Preußen die Kastanien aus dem Feuer holen will, ist wohl nur dadurch erklärlich, daß er von einer Mehrheit, in der die Nationalsozialisten sitzen, die Interessen des Verbandes der Haus- und Grundbesitzer besser gefördert glaubt. Die Wirt­schaftspartei ist bekanntlich eine Beamten-Partei, die über ihre Sonder-Interessen das Schicksal des Ganzen glatt vergißt.

Die Lage in China.

Der Machthaber der Mandschurei will in ganz China Frieden stiften.

wtb. Nanking, 19. Sept. (Eig. Meld.) Die Meldung, daß der Machthaber der Mand­schurei, Tschang-Hsu-Liang, zwischen der Nord­partei und der Nanking-Regierung vermitteln wolle, wird hier offiziell bestätigt. Wie verlautet, hat er feine Absicht den Parteien in ei­nem Rundschreiben mitgeteilt und den Führern der Nordarmee den dringenden Rat gegeben, die Feindseligkeiten in Erwartung einer friedlichen Beilegung des Konflikts sofort einzustellen. An­dernfalls würde die Mandschurei bereit sein, ener­gische Maßnahmen gegen die Nordarmeen zu er­greifen. Wie es heißt, beabsichtigt Tschang 140 000 Mann nach Peking und Tientsin zu entsenden, von denen 40 000 bereits gestern von Mulden nach Tientsin abgegangen fein sollen.

Der Abschluß der Relchswehrmauöver

Parade vor dem Reichspräsidenten, der Truppen. — Reber

CND. Römhild, 19. Sept. (Eig. Meldg.). Heute mittag 12 Uhr fanden die diesjährigen gro­ßen Reichswehrmanöver im G r a b f e l d mit einer großen Parade vor dem Reichspräsidenten ihren Abschluß. Die Ausstellung der Truppen war um 11.45 Uhr beendet. Punkt 12 Uhr traf der Reichs­präsident von Hindenburg auf dem Paradefelde ein. lieber 100 000 Menschen, die aus allen Tei­len des Landes zu dem imposanten Schauspiel her- beigeströmt waren, bereiteten dem Reichspräsiden­ten stürmische Huldigung. Der Reichspräsident be­gab sich sofort auf die für ihn hergerichtete Tri­büne, wo die Präsidentenstandarte aufgepftcmzt wurde. Er erteilte sofort dem Chef der Heeres­leitung, Generaloberst Heye, den Befehl zum Be­ginn der Parade. Der Vorbeimarsch der Trup­pen aller Grade nahm ungefähr 2 Stunden in Anspruch.

Vor der Parade stattete der Reichspräsident dem in Flaggenschmuck prangenden,Städtchen Röm­hild einen kurzen Besuch ab und wurde von Bürgermeister Griebel begrüßt. Ehrenjungsrauen kredenzten ihm den Ehrentrunk. Um 10.30 Uhr begab sich der Reichspräsident zur Manöverkritik.

Neue Zeppelinfahrk.

wtb. Friedrichshafen, 19. Sept. (Eig. Meld.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist heute vormittag wieder zu einer großen Schw eizer Fahrt aufgestiegen. An der Fahrt nehmen 34 Personen teil. ,

* Haftbefehl gegen Max Hölz. Wie der Berl. Lokalanzeiger meldet, hat das Amtsgericht Berlin- Schöneberg gegen den Kommunisten Max Hölz wegen seiner zu Gewalttätigkeiten auffordernden Rede im BerNner Sportpalast Haftbefehl erlas­sen. Höltz soll aus Falkenstein, wo er sich noch am letzten Sonntag aufhielt, verschwunden sein und ilt setzt durch die Nachricht eines Leipziger Blat­tes noch ausdrücklich gewarnt worben.

Opfer des Verkehrs.

Zwei Tote bei einem Kraftwagenunfall.

Ein schweres Kraftwagenunglück ereignete sich Donnerstag abend auf der Chaussee Harburg- Cuxhaven. Der Arzt Dr. Jensen aus Wil­helmsburg fuhr mit zwei Bekannten, dem Pferde­händler Prige und dem Referendar Albers, nach

— Zweistündiger Vorbeimarsch 100000 Zuschauer.

Buxtehude zur Jagd. Bei Hausbruch geriet der Wagen, der von einem Hamburger Chauffeur ge­steuert wrde, plötzlich ins Schledern, überschlug sich sind rannte gegen einen Baum. Prigge und Albers wurden aus dem Wagen geschleudert und auf der Stelle getötet. Der Kraftwagenführer erlitt leichte Verletzungen, Dr. Jensen blieb un­verletzt.

wtb. Paris, 19. Sept. (Eig. Meldg.). In der Gegend von Angers stießen gestern zwei Klein­bahnzüge zusammen. Zwei Personen wur­den- schwer, 13 leichter verletzt.

* Aufhebung der Pressezensur in Spanien. Ha- vas meldet aus Madrid, daß die Pressezensur, die sieben Jahre lang bestanden hat, jetzt aufgehoben worden ist.

Heimkehr der deulschen Szeanslieger.

wtb. Cuxhaven, 19. Sept. (Eig. Meldg.). Der Ozeanflieger Wolfgang von Gronau und die übri­gen Mitglieder der' Besatzung des Dornier-Wal „D 1422", Pilot Zimmer, Monteur Hack, Funker Albrecht sind heute mittag mit dem Hapagdampser Hamburg hier eingetroffen. Am Hapagpier hatte sich zur ersten Begrüßung auf deutschem Boden die Familie von Gronaus, seine Gattin und zwei Kin­der, sowie sein Vater, General a. D. von Gronau und weiter der Leiter der deutschen Verkehrsflie­gerschulen, Becker, Vertreter der Verkehrsflieger­schulen Warnemünde, List, Braunschweig und Münchent eingefunden. Der Dornier - Wal, das erste Wasserflugzeug, das den Weg von Europa nach Amerika fand, geht mit dem Dampfer nach Hamburg, um dort startbereit gemacht zu werden.

* Generalstreik in Barcelona. Wie Havas aus Barcelona meldet, haben gewisse durch den Gouverneur im Zusammenhang mit der Streik­bewegung getroffene Zwangsmaßnahmen zur Aus­rufung des Generalstreiks geführt. Der Direktor und die Redakteure der Zeitung „Solidaridade" find verhaftet worden. Ein Haftbefehl ist auch ge­gen die Delegierten des Streikkomitees der Trans­port- und Bauarbeiter erlassen worden. Diese hal­ten sich verborgen, haben aber für den Fall ihper Festnahme Stellvertreter ernannt. In Barcelona sind mehrere hundert Mann Zivilgarde zusammen­gezogen. Dem Zivilgouverneur sind von der Re­gierung außerordentliche Vollmachten erteilt wor­den. Studenten haben sich mit den Arbeitern so­lidarisch erklärt. Die Gemeindearbeiter haben sich

AlugMg-kalaslrophe bei Böblingen.

Zwei Flugzeuge verfangen sich bei einer lufkakrobatischen Vorführung und stürzen ab. — Vier Todesopfer.

Bei einem Uebungsslug zweier Flugzeuge über dem Böblinger Flugplatz, bei dem der bekannte Luft­akrobat Fritz Schindler das Hinüber st eigen von einem Flugzeug zum anderen auspro­bieren wollte, verfingen sich die beiden Flugzeuge über der Maschinenfabrik Optima in Sindelfingen und stürzten, ab. Sämtliche vier Insassen, Fluglehrer Spengler, Hauptmann E n g w e r, Monteur H a- genmaier und der Akrobat Schindler waren so- sort tot. Fritz Schindler stürzte auf das Dach eines Hauses, während die übrigen Flieger mit den beiden Maschinen auf eine Wiese stürzten. Die beiden Flugzeuge wurden vollständig zertrümmert. Das Unglück ereignete sich nachmittags gegen 16 Uhr.

Zu dem Flugzeugunglück erfahren wir folgende Ein­zelheiten: Flugakrobat Fritz Schindler unternahm Donnerstag nachmittag auf dem Flugplatz Böblingen vor einem kleinen Kreis geladener Gäste den Versuch eines Ueberganges von Flugzeug zu Flugzeug während des Fluges. Der lieber« gang sollte von einem Klemm-Leichtflugzeug, gesteuert von Walter Spengler, in ein anderes Klemm-Flugzeug, erfolgen. Die beiden Maschinen befanden sich bereits eine halbe Stunde in der Luft und hatten schon verschie­dene Versuche unternommen, in die geeignete Lage zuein­ander zu kommen. Der letzte Versuch schien bereits ge­

glückt. Die eine Maschine, in die Schindler übersteigen sollte, befand sich in guter Lage über der anderen, aus der Schindler übersteigen wollte. Schindler hatte bereits die von oben herabgereichte Leiter ergriffen und hing an ihr, als die andere Maschine eine Böe bekam und sich mit der unteren Maschine verfing. Beide Maschinen stürzten aus einer Höhe von 300 Metern ab. Schindler versuchte noch ei­nen Fallschirm zu benutzen. Der Schirm entfaltete ich auch, wurde aber von der anderen Maschine getrof en und stürzte mit Schindler zu Boden.

Wie zu der Katastrophe noch weiter gemeldet wird, war gleichzeitig mit den beiden verunglück­ten Flugzeugen auch ein Flugzeug mit einem Filmoperateur an Bord aufgestiegen, der das Kunststück 'Schindlers kinematogra-phisch aufnehmen sollte. Hierbei sind auch die Un­glück s v v r g ä n g e, die dem Versuch Schind­lers folgten, mit auf den Film gekommen, lieber die Verwendung dieses Films, der vielleicht wichtige Aufschlüsse geben kann, ist noch nichts bekannt, da die Flugpolizei diese Aufnahmen einst- weileit beschlagnahmt hat.

Auf metallenen Schwingen.

Von Josef Gutberlet.

Klein, aber bequem ist die viersitzige Kabine des Junkerstyps F 13, behaglich die beiden Armsessel vorn und die gepolsterte Rückbank. Als wir einstiegen, klet­terten wir über gewellte Metallflügel, Duraluminium, — das auch für „Graf Zeppelin" verwandt wurde — in den Dürener Metallwerken hergestellt. Im Schein der heißen Spätsommersonne gleißen die Flächen silbern.

Der Stoppelboden weicht nach unten, fast unmerk­lich schweben wir höher, bald liegt Düren unter uns. Ruhig, fast gemütlich entfaltet die Stadt ihre durch schmale Straßen gegliederten Häuserreihen, gedrängt um höher strebende Türme. So fast, als ob wir 20, 25 Stundenkilometer machten. Dabei sind es — ich über­zeuge mich durch einen Blick auf den Geschwindigkeits­messer — 150. Im Auto rasen bei dieser Geschwin­digkeit Straßenbilder und Landschaft in sinnloser Ver­schwommenheit am Auge vorüber. Im Flugzeug aber, 200 Meter über der vielgefalteten „Globusdecke", bietet sich alles dem Auge in plastischer Anschaulichkeit.

Eigenartig, wie sich mit dem Grad des Höherstrebens die Eindrücke verschieben, sich zu ruhiger Klarheit ver­dichten. Aufs Geistige bezogen: Je höher sich der Geist schwingt, je weiter der Horizont, desto einsichtiger lieber- schau und Urteil.

Unter uns das Silberband der Rur, bekannte Dör­fer und Wälder, die Wasserburg Burgau, die Eifel­berge. N id eggens trutzige Feste präsentiert sich, trotzdem wir auf 300 Nieter Höhe gestiegen sind, immer noch in herrischer Geste hoch über dem steilen Felsen.

Wir biegen in ein Tal ein. Böe folgt auf Böe, leichtes Absacken wiederholt sich, der Magen meldet sich in heim­licher Abwehr. Doch man gewöhnt sich daran.

Gen Westen biegen wir. Unten schwarzgrüne Wäl­der. Treu wie ein anhänglicher Hund begleitet uns unten der dunkle Schatten der Flugmaschine. Wie sicher, beherrscht fühlen wir uns im weiten Raum, sicherer fast als in der Eisenbahn, im Kraftwagen.

Ein bekannter Pilot steuert unseren metallenen Vo­gel, Flugkapitän Grundke, der noch zu Beginn dieses Jahres einen Dauerflugrekord im Sportflugzeug (16 Stunden) ausstellte. Er verfügt über eine 13jährige Er­fahrung. Sein bronzenes, sympathisches Gesicht muß Vertrauen einslößen.

Flacher, herbstlich grau wird die Landschaft, Braun­kohlenfelder, Zechen tauchen auf, Stolberg mit seiner kalkgrauen Burg, vorher Weisweiler, Nothberg, E s ch w e i I e r. Ein Häusermeer naht sich, inmitten ein bescheiden wirkendes Hochhaus, dann das Münster — Aachen, die Kaiserstadt.

Wir kreisen um den Lausberg. Schräg liegt der Apparat in der Kurve. Wir empfinden es nicht. Nur der Ausblick ist verändert — auf der einen Seite sehen wir nur das Blau des Firmaments, auf der andern eine gleich einem steil anschrägenden Dach anmutende Landschaft. Ein ganz originelles Bild.

Unten in den Straßen bewegen sich die Menschlein, die Autos, die Elektrischen, klein, hilflos erscheinend. Und doch möchte man unwillkürlich die realen Maße re­konstruieren. Der nüchterne Verstand läßt sich durch das Gefühl nicht bluffen. Die Erfahrungsvorstellung kämpft erfolgreich um den Sieg. Ein großer Bogen um Aachen noch und dann gehts nach dem Aachener

Sereifg her Streikbewegung angefdfloffen befürchtet, daß auch die Autodroschkenchg und die Angestellten der Untergrundbahn Streik teilnehmen werden.

* D*s Urteil im Prozeß Düsterberg-Born' Vor dem Amtsgericht in Halle Begatt Donnerstag der Beleidigungsprozeß des m Bundesführers des Stahlhelms, Obersts^ a. D. Düsterberg, gegen den Geschäfts, des Jungdeutschen Ordens, Bornema nn den Hauptschriftleiter Pastenaci von der' tung „Der Jungdeutsche". Im „Jungdeuth war behauptet worden, der Stahlhelm hah^ französischen Offizieren Verhandlungen get Die Bundesleitung des Stahlhelms Etf daraufhin, daß niemals ein Mitglied des S Helms zu solchen Verhandlungen beauftragt 0 ermächtigt worden sei. In einem weiteren Ai des „Jungdeutschen" wurde dann diese Erksti als unwahr bezeichnet. Darauf erhob Düster Klage wegen Beleidigung. Bornemann und stenaci wurden wegen Beleidigung in einem > zu je 50 Mark Geldstrafe verurteilt. - Privatkläger wurde außerdem Publikation^^ nis des Urteils zuerkannt.

Ein Hormon, das den Bluldruü fen

In der Medizinischen Gesellschaft in Berlin berL Professor Frey, langjähriger Oberarzt und Mitarb von Geheimrat Sauerbruch, übe ein neues inneres tret der Bauchspeicheldrüse. Er spritzte Tieren Urin und fand, daß bei ihnen der Blutdruck sank und daß kleinen Blutgefäße der Haut und der Muskulatur sich weiterten. Dann probierte er alle bisher bekannten, Urin ausgeschiedenen Stoffe einzeln durch. Alle wo aber unwirksam. Frey setzte sich nun mit einem Assisi ten des Nobelpreisträgers, Professor Wilstätter, mit t Privatdozenten Bauer in Verbindung, und beide isolier!

allmählich den sie „Killikrein" nannten. Bald konnten sie ihn quantitativ und nach Einheiten festlegen. Täg­lich scheidet der Mensch von diesem Stofs 300 Einheiten aus. In sämtlichen Körperorganen wird er in gering Menge gefunden. Dann kam den Forschern der betar glückliche Zufall zu Hilfe. Ein Patient mußte wegen d Geschwulst der Bauchspeicheldrüse operiert werden. | enthielt drei Liter Flüssigkeit und 3000 Einheiten ' gefundenen Stoffes. Experimente sichern den klinisc Befund überzeugend. Im Blut ist dieser Stoff in einer inaktiven Form. Wird das Blut „sauer", so wird M inaktive Form gesprengt; wirksames Hormon wird frei Der Stoff enthielt sicher kein Insulin, das bisher einzige bekannte Sekret der Bauchspeicheldrüse. Es bestehen aber große Aehnlichkeiten in der Beeinflussung hoher Zucke» werte. Die Entdeckung ist außer von wissenschaftlichem, vor allem von praktischem Interesse. Spritzt man dieses Sekret dem Menschen ein — das Pharmakologische In­stitut der Universität Berlin erklärt die beim Menschen zur Anwendung kommenden Dosen und noch höhere füä absolut unschädlich —, so erweitern sich die kleinsten Ge­säße der Haut und Muskulatur, die Blutüberfüllung dah Bauchorgane schwindet, der krankhafte, erhöhte Blutdruck sinkt ,die das Herz selbst versorgenden Blutgefäße werden besser durchblutet, die Herztätigkeit wird geregelter. Neue Heilungsaussichten sind damit gegeben bei bestimmten Formen von zu hohem Blutdruck, bei einer großen Reihe von Kreislausstörungen, die auf ungenügender Durch­blutung beruhen, bei schweren und schmerzhaften Blut- gefäherkrankungen ,die bisher jeder Therapie getrotzt hatten. Diskussionsredner bestätigten die Erfolge Dr.

Freys.

Für den 1 Monat Oktober

sollten jetzt alle diejenigen, die im Sommer ohne eine Zeitung auszukommen glaubten,

die „Fuldaer Zeitung1

bestellen. Reicher Unterhaltungsstoff, färb und voller Abwechslung, aus allen Gebiet des Lebens entnommen, wird täglich geliefe Die Heimat spiegelt sich in Hundert, von Mitteilungen, die den Lesern in d einen oder anderen Beziehung wissenswe sind. Der Landwirt sei noch besonders ai den sorgfällig gepflegten Wirtschaftsteil m« umfangreichen Preisnotierungen für land­wirtschaftliche Erzeugnisse aufmerksam gemacht.

Wer die „Fuldaer Zeitung",

die unvergleichlich wohlfeil ist,

nicht liest, schadet sich selbd

• Die größte Auswahl in Radio- Apparaten u. Zubehör ■ finde ich im Spezialgeschäft

Tei. 412 Funkhaus Leibold Mittelstr. 42.

Flughafen Merzbruck. In großen Kurven schraubt sich die Maschine tiefer, ein gelinde spürbares Auf­setzen, und schon rollt das Flugzeug auf die Flughallcn zu. Schade! 40 Minuten waren wir unterwegs.

Mit Herrn Folkerts, einem eleganten Sports­mannstyp, dem Schwiegersohn Dom Professor Junkers, sitzen wir nachher zusammen beim Mittagessen. WM hören von ihm, daß der Typ unserer Maschine F 1’ der Typ des ersten Passagierflugzeuges, herausgekommen 1919, darstellt. Aehnlich war der Flug- apparat, mit dem Köhl und Hünefeld den Ozean über­querten.

Von einem idealistischen Förderer der Luftfahrt und Flugzeugindustrie hören wir interessante Momentbilder. | Von Professor Junkers, dem 72jährigen, dsd morgens um 5 Uhr sein Tagewerk beginnt mit sport­licher Hebung, selbst noch mit Turnen am Reck. bei Wind und Wetter mit seinem Leibpiloten fliegt. Del. den Gewinn seines Badeöfenwerkes verwendet zur Um terhaltung und Förderung seiner gewiß heute noch nicht rentablen Flugzeugindustrie. Und der — vielleicht bleibt uns das am lebhaftesten in der Erinnerung — heute nom 11 lebende Kinder im Alter zwischen 8 und 3- Jahren hat.

*

Mein zweiter Flug, mein erster im Verkehrs­flugzeug. Jedesmal wieder ein Hochgenuß, ein Er­lebnis. Wer dieses Erlebnis einmal hatte, wird sich nach; einer Wiederholung geradezu sehnen. Es schafft Vertrauen zur Luftfahrt. Und wenn die Flugpreise erst einmal dem Geldbeutel des Durchschnittsbürgers mehr angepaß-! sind, dann werden wir bald alle mit größter Selbstycr-^ ständlichkeit fliegen. Das ist meine feste Ueberzeugung-