Kirchen bestimmten 327 Millionen Mark des Preußischen Staates zum Dombau verwendet werden sollen, daß das Reich eine halbe Milliarde zuschieße, daß eine Peterskirche wie in Rom errichtet werden solle, deren Bau ungeheure Sum- men verschlinge."
Natürlich alles riesenhafter Schwindel. Ein Dementi hat gar keinen Zweck bei solchen Hetzern und Journalisten, die nicht wissen, was ihre Pflichr als Anwalt der Oeffentlichkeit ist. Kein Wort steht im Preußenkonkordat von 327 Millionen oder 440 Kirchen. Man wollte hetzen und aufputschen, denn man braucht die politische Explvfionsluft, um am Radikalismus weiterprunken zu können. Das fühlen wir deutlich bei dem Kommentar der „Welt am Abend" zu der angeblichen sozialistischen Mitteilung. Dort heißt eS nämlich, daß es ungeheuerlich sei, daß in der Zeit, in der den Massen das Mark aus den Knochen gezogen wird, in der durch Notverordnungen immer wieder neue Steuern aus dem Volke ausgepreßt werden, weit über eine Milliarde Mk. für den Bau eines katholischen Domes verwendet werden sollen. Diese Milliarde Mark müsse für billigen Wohnungsbau und soziale Fürsorge verwendet werden.
Wir haben es wieder einmal mit einer der übelsten sozialen und religiösen Hetze zu tun. Mil Absicht wird eine solch lügenhafte Meldung verbreitet, dazu in großer Aufmachung auf der ersten Seite des Blattes mit knalligen Ueberschriften. Warum hat sich die verantwortliche Schriftleitung nicht sofort an zuständiger Stelle Aufklärung geholt, bevor sie eine ausgerechnet aus sozialistischem Lager angeblich, stammende Meldung verbreitete. Sie wollte das nicht, weil es ihr darauf ankam, die Masse aufzuputschen gegen die Kirche, vielleicht auch aus stillverhaltener Wut »über den Erfolg des Zentrums bei der Reichstagswahl. Aber, so fragen wirkst es gegenüber einem solchen Journalismus nicht höchste Zeit, daß, wenn die Organisation der Presse nicht ausreichen sollte, um derartige unerhörte Abhandlungen in einer Zeitung unmöglich zu machen, im neuen Presse recht Bestimmungen ausgenommen werden, welche zu- mindeft solche publizistischen Methoden auf das strengste zur Warnung für alle anderen ahnden.
Luriius und Briand.
wtb. Paris, 19. Sept. (Eig.- Meld.sl lieber die gestrige Unterredung von Reichsaußenminister Dr. Curtius mit Außenminister Briand will der Korrespondent des „Matin" berichten, daß Curtius und Briand sich zunächst über die Vorschläge betr. das Verfahren für die" weitere Behandlung des Europa-Plans verständigt hätten. Beide seien der Ansicht, daß der Ausschuß bereits jetzt gebildet werde und zwischen den beiden Völkerbundssitzungen in Tätigkeit treten müsse. Dr. Curtius habe natürlich seinen Standpunkt geltend gemacht, daß die dringendste Aufgabe sein würde, gewisse wirtschaftliche und namentlich landwirtschaftliche Fragen in Angriff zu nehmen. Es sei in der Tat nicht möglich, daß Europa binnen kurzem und vor allem nach den Debatten, die sich innerhalb der 1. Kommission des Völkelr- bunds entfpinnen würden, sich genötigt sehen werde, der sich unaufhörlich verschärfenden Krise abzuhelfen. Die beiden Außenminister hätten sich alsdann auch über die deutschen Wahlen unterhalten^ In dieser Frage seien sie nicht nur durch das Amtsgeheimnis, sondern auch durch die Vorsicht gezwungen, ihre Betrachtungen für sich zu behalten.
Zur Minderheitenfrage.
wtb. Genf, 19. Sept. (Eig. Meld.) Der politische Ausschuß der Völkerbundsversammlung begann heute mit der Beratung über die Minderheitenfrage, die durch einen Antrag der deutsch e n D e l e g a t i o n vor die diesjährige Völkerbundsversammlung gebracht worden ist. Gegenüber gewissen Bestrebungen, die Minderheitenfrage von einer regelmäßigen, alljähKichen Behandlung durch die Völkerbundsversammlung auszuschalten, verfolgt der deutsche Antrag den Zweck, das Interesse des Völkerbundes an diesen Fragen ständig wach zu erhalten und insbesondere für die Anwendung und den Ausbau der Madrider Beschlüsse, durch die das Minderheitenverfahren eine gewisse Verbesserung erfahren hat, zu sorgen. In der heutigen Vormittagssitzung des 6. Ausschusses legte im Auftrag der deutschen Delegation Reichsminrster a. D. Koch-Weser den Standpunkt der deutschen Regierung dar.
* Ausgerechnet der Abgeordnete Ladendorf, der bekannte radikale Hausbesitzer-Vertreter in der Wirtschaftspartei hat namens der Fraktion der
Bildet vom Tage.
König Christian X. von Dänemark, der Sohn Friedrichs VIII, der seinem Vater 1912 auf den Königsthron folgte, wird am 26. Sept. 60 Jahre alt. Unter feiner Regierung wahrte Dänemark die Neutralität im Weltkriege. König Christian, der 1915 seinem Lande eine demokratische Verfassung bestätigte, hat die Annäherung Dänemarks an die anderen skandinavischen Reiche gefordert, ebenso wie die Neuordnung des staatsrechtlichen Verhältnisses zu Island und Dänemarks Beitritt zum Völkerbund. Aus feiner Ehe mit Alexandrine von Mecklenburg-Schwerin gingen zwei Söhne, Friedrich und Knut, hervor.
Wirtschaftspartei im preußischen Landtag einen Antrag eingebracht, wonach der Landtag mit sofortiger Wirkung aufgelöst werden soll. Der Antrag wird wie folgt begründet: „Nach dem Ergebnis der Reichstagswahlen steht fest, daß hinter der heute in Preußen herrschenden Regierungskoalition nicht mehr annähernd die Mehrheit des Volkes steht. Die nationalsozialistische Partei, die im preußischen Landtag noch nicht Fraktionsstärke besitzt, ist in Wirklichkeit heute die zweitgrößte Partei Preußens." — Daß Herr Ladendorf den Nationalsozialisten in Preußen die Kastanien aus dem Feuer holen will, ist wohl nur dadurch erklärlich, daß er von einer Mehrheit, in der die Nationalsozialisten sitzen, die Interessen des Verbandes der Haus- und Grundbesitzer besser gefördert glaubt. Die Wirtschaftspartei ist bekanntlich eine Beamten-Partei, die über ihre Sonder-Interessen das Schicksal des Ganzen glatt vergißt.
Die Lage in China.
Der Machthaber der Mandschurei will in ganz China Frieden stiften.
wtb. Nanking, 19. Sept. (Eig. Meld.) Die Meldung, daß der Machthaber der Mandschurei, Tschang-Hsu-Liang, zwischen der Nordpartei und der Nanking-Regierung vermitteln wolle, wird hier offiziell bestätigt. Wie verlautet, hat er feine Absicht den Parteien in einem Rundschreiben mitgeteilt und den Führern der Nordarmee den dringenden Rat gegeben, die Feindseligkeiten in Erwartung einer friedlichen Beilegung des Konflikts sofort einzustellen. Andernfalls würde die Mandschurei bereit sein, energische Maßnahmen gegen die Nordarmeen zu ergreifen. Wie es heißt, beabsichtigt Tschang 140 000 Mann nach Peking und Tientsin zu entsenden, von denen 40 000 bereits gestern von Mulden nach Tientsin abgegangen fein sollen.
Der Abschluß der Relchswehrmauöver
Parade vor dem Reichspräsidenten, der Truppen. — Reber
CND. Römhild, 19. Sept. (Eig. Meldg.). Heute mittag 12 Uhr fanden die diesjährigen großen Reichswehrmanöver im G r a b f e l d mit einer großen Parade vor dem Reichspräsidenten ihren Abschluß. Die Ausstellung der Truppen war um 11.45 Uhr beendet. Punkt 12 Uhr traf der Reichspräsident von Hindenburg auf dem Paradefelde ein. lieber 100 000 Menschen, die aus allen Teilen des Landes zu dem imposanten Schauspiel her- beigeströmt waren, bereiteten dem Reichspräsidenten stürmische Huldigung. Der Reichspräsident begab sich sofort auf die für ihn hergerichtete Tribüne, wo die Präsidentenstandarte aufgepftcmzt wurde. Er erteilte sofort dem Chef der Heeresleitung, Generaloberst Heye, den Befehl zum Beginn der Parade. Der Vorbeimarsch der Truppen aller Grade nahm ungefähr 2 Stunden in Anspruch.
Vor der Parade stattete der Reichspräsident dem in Flaggenschmuck prangenden,Städtchen Römhild einen kurzen Besuch ab und wurde von Bürgermeister Griebel begrüßt. Ehrenjungsrauen kredenzten ihm den Ehrentrunk. Um 10.30 Uhr begab sich der Reichspräsident zur Manöverkritik.
Neue Zeppelinfahrk.
wtb. Friedrichshafen, 19. Sept. (Eig. Meld.) Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist heute vormittag wieder zu einer großen Schw eizer Fahrt aufgestiegen. An der Fahrt nehmen 34 Personen teil. ,
* Haftbefehl gegen Max Hölz. Wie der Berl. Lokalanzeiger meldet, hat das Amtsgericht Berlin- Schöneberg gegen den Kommunisten Max Hölz wegen seiner zu Gewalttätigkeiten auffordernden Rede im BerNner Sportpalast Haftbefehl erlassen. Höltz soll aus Falkenstein, wo er sich noch am letzten Sonntag aufhielt, verschwunden sein und ilt setzt durch die Nachricht eines Leipziger Blattes noch ausdrücklich gewarnt worben.
Opfer des Verkehrs.
Zwei Tote bei einem Kraftwagenunfall.
Ein schweres Kraftwagenunglück ereignete sich Donnerstag abend auf der Chaussee Harburg- Cuxhaven. Der Arzt Dr. Jensen aus Wilhelmsburg fuhr mit zwei Bekannten, dem Pferdehändler Prige und dem Referendar Albers, nach
— Zweistündiger Vorbeimarsch 100000 Zuschauer.
Buxtehude zur Jagd. Bei Hausbruch geriet der Wagen, der von einem Hamburger Chauffeur gesteuert wrde, plötzlich ins Schledern, überschlug sich sind rannte gegen einen Baum. Prigge und Albers wurden aus dem Wagen geschleudert und auf der Stelle getötet. Der Kraftwagenführer erlitt leichte Verletzungen, Dr. Jensen blieb unverletzt.
wtb. Paris, 19. Sept. (Eig. Meldg.). In der Gegend von Angers stießen gestern zwei Kleinbahnzüge zusammen. Zwei Personen wurden- schwer, 13 leichter verletzt.
* Aufhebung der Pressezensur in Spanien. Ha- vas meldet aus Madrid, daß die Pressezensur, die sieben Jahre lang bestanden hat, jetzt aufgehoben worden ist.
Heimkehr der deulschen Szeanslieger.
wtb. Cuxhaven, 19. Sept. (Eig. Meldg.). Der Ozeanflieger Wolfgang von Gronau und die übrigen Mitglieder der' Besatzung des Dornier-Wal „D 1422", Pilot Zimmer, Monteur Hack, Funker Albrecht sind heute mittag mit dem Hapagdampser Hamburg hier eingetroffen. Am Hapagpier hatte sich zur ersten Begrüßung auf deutschem Boden die Familie von Gronaus, seine Gattin und zwei Kinder, sowie sein Vater, General a. D. von Gronau und weiter der Leiter der deutschen Verkehrsfliegerschulen, Becker, Vertreter der Verkehrsfliegerschulen Warnemünde, List, Braunschweig und Münchent eingefunden. Der Dornier - Wal, das erste Wasserflugzeug, das den Weg von Europa nach Amerika fand, geht mit dem Dampfer nach Hamburg, um dort startbereit gemacht zu werden.
* Generalstreik in Barcelona. Wie Havas aus Barcelona meldet, haben gewisse durch den Gouverneur im Zusammenhang mit der Streikbewegung getroffene Zwangsmaßnahmen zur Ausrufung des Generalstreiks geführt. Der Direktor und die Redakteure der Zeitung „Solidaridade" find verhaftet worden. Ein Haftbefehl ist auch gegen die Delegierten des Streikkomitees der Transport- und Bauarbeiter erlassen worden. Diese halten sich verborgen, haben aber für den Fall ihper Festnahme Stellvertreter ernannt. In Barcelona sind mehrere hundert Mann Zivilgarde zusammengezogen. Dem Zivilgouverneur sind von der Regierung außerordentliche Vollmachten erteilt worden. Studenten haben sich mit den Arbeitern solidarisch erklärt. Die Gemeindearbeiter haben sich
AlugMg-kalaslrophe bei Böblingen.
Zwei Flugzeuge verfangen sich bei einer lufkakrobatischen Vorführung und stürzen ab. — Vier Todesopfer.
Bei einem Uebungsslug zweier Flugzeuge über dem Böblinger Flugplatz, bei dem der bekannte Luftakrobat Fritz Schindler das Hinüber st eigen von einem Flugzeug zum anderen ausprobieren wollte, verfingen sich die beiden Flugzeuge über der Maschinenfabrik Optima in Sindelfingen und stürzten, ab. Sämtliche vier Insassen, Fluglehrer Spengler, Hauptmann E n g w e r, Monteur H a- genmaier und der Akrobat Schindler waren so- sort tot. Fritz Schindler stürzte auf das Dach eines Hauses, während die übrigen Flieger mit den beiden Maschinen auf eine Wiese stürzten. Die beiden Flugzeuge wurden vollständig zertrümmert. Das Unglück ereignete sich nachmittags gegen 16 Uhr.
Zu dem Flugzeugunglück erfahren wir folgende Einzelheiten: Flugakrobat Fritz Schindler unternahm Donnerstag nachmittag auf dem Flugplatz Böblingen vor einem kleinen Kreis geladener Gäste den Versuch eines Ueberganges von Flugzeug zu Flugzeug während des Fluges. Der lieber« gang sollte von einem Klemm-Leichtflugzeug, gesteuert von Walter Spengler, in ein anderes Klemm-Flugzeug, erfolgen. Die beiden Maschinen befanden sich bereits eine halbe Stunde in der Luft und hatten schon verschiedene Versuche unternommen, in die geeignete Lage zueinander zu kommen. Der letzte Versuch schien bereits ge
glückt. Die eine Maschine, in die Schindler übersteigen sollte, befand sich in guter Lage über der anderen, aus der Schindler übersteigen wollte. Schindler hatte bereits die von oben herabgereichte Leiter ergriffen und hing an ihr, als die andere Maschine eine Böe bekam und sich mit der unteren Maschine verfing. Beide Maschinen stürzten aus einer Höhe von 300 Metern ab. Schindler versuchte noch einen Fallschirm zu benutzen. Der Schirm entfaltete ich auch, wurde aber von der anderen Maschine getrof en und stürzte mit Schindler zu Boden.
Wie zu der Katastrophe noch weiter gemeldet wird, war gleichzeitig mit den beiden verunglückten Flugzeugen auch ein Flugzeug mit einem Filmoperateur an Bord aufgestiegen, der das Kunststück 'Schindlers kinematogra-phisch aufnehmen sollte. Hierbei sind auch die Unglück s v v r g ä n g e, die dem Versuch Schindlers folgten, mit auf den Film gekommen, lieber die Verwendung dieses Films, der vielleicht wichtige Aufschlüsse geben kann, ist noch nichts bekannt, da die Flugpolizei diese Aufnahmen einst- weileit beschlagnahmt hat.
Auf metallenen Schwingen.
Von Josef Gutberlet.
Klein, aber bequem ist die viersitzige Kabine des Junkerstyps F 13, behaglich die beiden Armsessel vorn und die gepolsterte Rückbank. Als wir einstiegen, kletterten wir über gewellte Metallflügel, Duraluminium, — das auch für „Graf Zeppelin" verwandt wurde — in den Dürener Metallwerken hergestellt. Im Schein der heißen Spätsommersonne gleißen die Flächen silbern.
Der Stoppelboden weicht nach unten, fast unmerklich schweben wir höher, bald liegt Düren unter uns. Ruhig, fast gemütlich entfaltet die Stadt ihre durch schmale Straßen gegliederten Häuserreihen, gedrängt um höher strebende Türme. So fast, als ob wir 20, 25 Stundenkilometer machten. Dabei sind es — ich überzeuge mich durch einen Blick auf den Geschwindigkeitsmesser — 150. Im Auto rasen bei dieser Geschwindigkeit Straßenbilder und Landschaft in sinnloser Verschwommenheit am Auge vorüber. Im Flugzeug aber, 200 Meter über der vielgefalteten „Globusdecke", bietet sich alles dem Auge in plastischer Anschaulichkeit.
Eigenartig, wie sich mit dem Grad des Höherstrebens die Eindrücke verschieben, sich zu ruhiger Klarheit verdichten. Aufs Geistige bezogen: Je höher sich der Geist schwingt, je weiter der Horizont, desto einsichtiger lieber- schau und Urteil.
Unter uns das Silberband der Rur, bekannte Dörfer und Wälder, die Wasserburg Burgau, die Eifelberge. N id eggens trutzige Feste präsentiert sich, trotzdem wir auf 300 Nieter Höhe gestiegen sind, immer noch in herrischer Geste hoch über dem steilen Felsen.
Wir biegen in ein Tal ein. Böe folgt auf Böe, leichtes Absacken wiederholt sich, der Magen meldet sich in heimlicher Abwehr. Doch man gewöhnt sich daran.
Gen Westen biegen wir. Unten schwarzgrüne Wälder. Treu wie ein anhänglicher Hund begleitet uns unten der dunkle Schatten der Flugmaschine. Wie sicher, beherrscht fühlen wir uns im weiten Raum, sicherer fast als in der Eisenbahn, im Kraftwagen.
Ein bekannter Pilot steuert unseren metallenen Vogel, Flugkapitän Grundke, der noch zu Beginn dieses Jahres einen Dauerflugrekord im Sportflugzeug (16 Stunden) ausstellte. Er verfügt über eine 13jährige Erfahrung. Sein bronzenes, sympathisches Gesicht muß Vertrauen einslößen.
Flacher, herbstlich grau wird die Landschaft, Braunkohlenfelder, Zechen tauchen auf, Stolberg mit seiner kalkgrauen Burg, vorher Weisweiler, Nothberg, E s ch w e i I e r. Ein Häusermeer naht sich, inmitten ein bescheiden wirkendes Hochhaus, dann das Münster — Aachen, die Kaiserstadt.
Wir kreisen um den Lausberg. Schräg liegt der Apparat in der Kurve. Wir empfinden es nicht. Nur der Ausblick ist verändert — auf der einen Seite sehen wir nur das Blau des Firmaments, auf der andern eine gleich einem steil anschrägenden Dach anmutende Landschaft. Ein ganz originelles Bild.
Unten in den Straßen bewegen sich die Menschlein, die Autos, die Elektrischen, klein, hilflos erscheinend. Und doch möchte man unwillkürlich die realen Maße rekonstruieren. Der nüchterne Verstand läßt sich durch das Gefühl nicht bluffen. Die Erfahrungsvorstellung kämpft erfolgreich um den Sieg. Ein großer Bogen um Aachen noch und dann gehts nach dem Aachener
Sereifg her Streikbewegung angefdfloffen befürchtet, daß auch die Autodroschkenchg und die Angestellten der Untergrundbahn Streik teilnehmen werden.
* D*s Urteil im Prozeß Düsterberg-Born' Vor dem Amtsgericht in Halle Begatt Donnerstag der Beleidigungsprozeß des m Bundesführers des Stahlhelms, Obersts^ a. D. Düsterberg, gegen den Geschäfts, des Jungdeutschen Ordens, Bornema nn den Hauptschriftleiter Pastenaci von der' tung „Der Jungdeutsche". Im „Jungdeuth war behauptet worden, der Stahlhelm hah^ französischen Offizieren Verhandlungen get Die Bundesleitung des Stahlhelms Etf daraufhin, daß niemals ein Mitglied des S Helms zu solchen Verhandlungen beauftragt 0 ermächtigt worden sei. In einem weiteren Ai des „Jungdeutschen" wurde dann diese Erksti als unwahr bezeichnet. Darauf erhob Düster Klage wegen Beleidigung. Bornemann und stenaci wurden wegen Beleidigung in einem > zu je 50 Mark Geldstrafe verurteilt. - Privatkläger wurde außerdem Publikation^^ nis des Urteils zuerkannt.
Ein Hormon, das den Bluldruü fen
In der Medizinischen Gesellschaft in Berlin berL Professor Frey, langjähriger Oberarzt und Mitarb von Geheimrat Sauerbruch, übe ein neues inneres tret der Bauchspeicheldrüse. Er spritzte Tieren Urin und fand, daß bei ihnen der Blutdruck sank und daß kleinen Blutgefäße der Haut und der Muskulatur sich weiterten. Dann probierte er alle bisher bekannten, Urin ausgeschiedenen Stoffe einzeln durch. Alle wo aber unwirksam. Frey setzte sich nun mit einem Assisi ten des Nobelpreisträgers, Professor Wilstätter, mit t Privatdozenten Bauer in Verbindung, und beide isolier!
allmählich den sie „Killikrein" nannten. Bald konnten sie ihn quantitativ und nach Einheiten festlegen. Täglich scheidet der Mensch von diesem Stofs 300 Einheiten aus. In sämtlichen Körperorganen wird er in gering Menge gefunden. Dann kam den Forschern der betar glückliche Zufall zu Hilfe. Ein Patient mußte wegen d Geschwulst der Bauchspeicheldrüse operiert werden. | enthielt drei Liter Flüssigkeit und 3000 Einheiten ' gefundenen Stoffes. Experimente sichern den klinisc Befund überzeugend. Im Blut ist dieser Stoff in einer inaktiven Form. Wird das Blut „sauer", so wird M inaktive Form gesprengt; wirksames Hormon wird frei Der Stoff enthielt sicher kein Insulin, das bisher einzige bekannte Sekret der Bauchspeicheldrüse. Es bestehen aber große Aehnlichkeiten in der Beeinflussung hoher Zucke» werte. Die Entdeckung ist außer von wissenschaftlichem, vor allem von praktischem Interesse. Spritzt man dieses Sekret dem Menschen ein — das Pharmakologische Institut der Universität Berlin erklärt die beim Menschen zur Anwendung kommenden Dosen und noch höhere füä absolut unschädlich —, so erweitern sich die kleinsten Gesäße der Haut und Muskulatur, die Blutüberfüllung dah Bauchorgane schwindet, der krankhafte, erhöhte Blutdruck sinkt ,die das Herz selbst versorgenden Blutgefäße werden besser durchblutet, die Herztätigkeit wird geregelter. Neue Heilungsaussichten sind damit gegeben bei bestimmten Formen von zu hohem Blutdruck, bei einer großen Reihe von Kreislausstörungen, die auf ungenügender Durchblutung beruhen, bei schweren und schmerzhaften Blut- gefäherkrankungen ,die bisher jeder Therapie getrotzt hatten. Diskussionsredner bestätigten die Erfolge Dr.
Freys.
Für den 1 Monat Oktober
sollten jetzt alle diejenigen, die im Sommer ohne eine Zeitung auszukommen glaubten,
die „Fuldaer Zeitung1
bestellen. Reicher Unterhaltungsstoff, färb und voller Abwechslung, aus allen Gebiet des Lebens entnommen, wird täglich geliefe Die Heimat spiegelt sich in Hundert, von Mitteilungen, die den Lesern in d einen oder anderen Beziehung wissenswe sind. Der Landwirt sei noch besonders ai den sorgfällig gepflegten Wirtschaftsteil m« umfangreichen Preisnotierungen für landwirtschaftliche Erzeugnisse aufmerksam gemacht.
Wer die „Fuldaer Zeitung",
die unvergleichlich wohlfeil ist,
nicht liest, schadet sich selbd
• Die größte Auswahl in Radio- Apparaten u. Zubehör ■ finde ich im Spezialgeschäft
Tei. 412 Funkhaus Leibold Mittelstr. 42.
Flughafen Merzbruck. In großen Kurven schraubt sich die Maschine tiefer, ein gelinde spürbares Aufsetzen, und schon rollt das Flugzeug auf die Flughallcn zu. Schade! 40 Minuten waren wir unterwegs.
Mit Herrn Folkerts, einem eleganten Sportsmannstyp, dem Schwiegersohn Dom Professor Junkers, sitzen wir nachher zusammen beim Mittagessen. WM hören von ihm, daß der Typ unserer Maschine F 1’ der Typ des ersten Passagierflugzeuges, herausgekommen 1919, darstellt. Aehnlich war der Flug- apparat, mit dem Köhl und Hünefeld den Ozean überquerten.
Von einem idealistischen Förderer der Luftfahrt und Flugzeugindustrie hören wir interessante Momentbilder. | Von Professor Junkers, dem 72jährigen, dsd morgens um 5 Uhr sein Tagewerk beginnt mit sportlicher Hebung, selbst noch mit Turnen am Reck. bei Wind und Wetter mit seinem Leibpiloten fliegt. Del. den Gewinn seines Badeöfenwerkes verwendet zur Um terhaltung und Förderung seiner gewiß heute noch nicht rentablen Flugzeugindustrie. Und der — vielleicht bleibt uns das am lebhaftesten in der Erinnerung — heute nom 11 lebende Kinder im Alter zwischen 8 und 3- Jahren hat.
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Mein zweiter Flug, mein erster im Verkehrsflugzeug. Jedesmal wieder ein Hochgenuß, ein Erlebnis. Wer dieses Erlebnis einmal hatte, wird sich nach; einer Wiederholung geradezu sehnen. Es schafft Vertrauen zur Luftfahrt. Und wenn die Flugpreise erst einmal dem Geldbeutel des Durchschnittsbürgers mehr angepaß-! sind, dann werden wir bald alle mit größter Selbstycr-^ ständlichkeit fliegen. Das ist meine feste Ueberzeugung-