57. Z-Hrg
Freitag, 19* September 1930
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schung der Leidenschaften verdanken. In München hat soeben Hitler in einer Versammlung seinen Getreuen zugerufen: „Nicht verzweifeln!" Herrscht also schon verzweifelte Stimmung unter den Nationalsozialisten? Das ist ja wirklich sehr interessant.
Wir glauben auf das bestimmteste, daß die Nationalsozialisten, wenn am nächsten Sonntag die Reichstagswahlen wiederholt würden, Hunderttausende derer, die ihnen jetzt nachgelaufen sind, verlieren würden. Denn wenn die Wähler jetzt sehen, wie diese „Retter" sich schon um Posten und Pöstchen raufen, wenn sie sehen, daß nun auf einmal die Nationalsozialisten sich als die eifrigsten Hüter der Verfassung, die sie bisher als den Ausbund der Teufelei und der Schlechtigkeit in Grund und Boden donnerten, aufspielen, wenn sie sehen, daß die Nationalsozialisten unter Berufung auf dieselbe von ihnen geschmähte Verfassung nun auf einmal vom „demokratischen Prinzip" reden, bad den Kanzler Brüning verpflichte, sofort abzutreten und die Regierung in die Hände der Nationalsozialisten zu legen, so müßte man doch an dem Rest gesunder Vernunft dieser nationlistischen Wähler verzweifeln, wenn sie sich nicht von Ekel geschüttelt, von solchem Treiben abwenden würden.
Man kann ein demokratisches Prinzip auch zu Tode reiten und mit seiner Ileberspitzung Staat und Volk ruinieren. Aber die Nationalsozialisten irren sich. Sie sind ja nicht die stärkste Partei und haben gar nicht die Mehrheit. Und wenn sie sie wirklich bekämen, würde es sehr still werden mit dem „Zerreißen des Versailler Vertrags" und dem „Zerreißen des Poungplans" und dergleichen, denn 24 Stunden später würden Rheinland und das Ruhrgebiet in den Händen der bewaffneten feindlichen Mächte fein. Haben sich die 6’/i Millionen Menschen, die nationalsozialistisch wählten, das auch einmal überlegt? Wenn man jeden einzelnen von ihnen fragen würde, würde ein ganz anderes Volksurteil herauskommen als dasjenige, das jetzt in dem nationalsozialistischen Wahlerfolg herausgekommen ist-
Die Regierung muß bleiben. Sie muß ihr Programm durchzusetzen versuchen, weil seine Verwirklichung eine bittere Notwendigkeit und der einzige Weg ist, um Wirtschaft, Volk und Land vor dem schlimmsten zu bewahren.
Preußen.
Notverordnung vom preußischen Staatsminisierium verabschiedet.
Wie das „B. T." meldet, hat das preußische Staatsministerium in einer Sitzung die Notverordnung des Reichspräsidenten über die E i n f u h- rnng der Gemeindegetränke st euer und der Bürger st euer verabschiedet. Am 30. September wird nunmehr der Preußische Staatsrat über die Vorlagen weiter entscheiden.
Aus Polen.
wtb. Warschau, 18. Sept. (Gig. Meldg.). Die Abg. Frau K o s c o w s k a (Wyzwolenie), die während der Demonstrationen am Sonntag in Lublin verhaftet wurde, ist gestern nachmittag vom Lubliner Bezirksgericht wegen Beleidigung des Marschalls Piksudskis zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden.
* Die Feier des 200. Geburtstages von Steu- bens in Amerika. Der 200. Geburtstag des Generals von Steuben wurde am Mittwoch in ganz Amerika feierlich begangen. In den Schulen wurde ein besonderer Festakt abgehalten.
So ist es recht!
Aus parlamentarischen Kreisen wird uns geschrieben:
Das Reichskabinett hat einmütig beschlossen, auf seinem Posten zu verbleiben und das von ihm eingeleitete finanzielle und wirtschaftliche Gesundungsprogramm trotz allem durchzusetzen.
So ist es recht! Die Regierung kann und darf in diesem Augenblick ihre Position gar nicht aufgeben. Sie würde nicht nur unverantwortlich, sondern geradezu feige handeln, wenn sie sich von dem nationalsozialistischen Augenblickserfolge irgendwie behelligen ließe. Im übrigen kommt es ja ganz auf dasselbe hinaus, ob wir 150 Hugen- bergianer oder 150 Hitlerianer im Reichstag hätten, der Faden ist derselbe, nur die Nummer etwas gröber!
Die Reichsregierung muß die Zügel in der Hand behalten. Man kann schließlich keine Narren regieren lassen, und der Reichstag ist uns als Kaltwasserheilanstalt zu schade. Den Nationalsozialisten wird es ja jetzt schon angst und bange vor ihrem Erfolg, den sie nur einer wüsten Aufpeit-
Wie wir erfahren, wird in Regierungskreisen ein außenpolitischer Schritt von großer Bedeutung erwogen, der im Verlauf der Sanierungsarbeit des Reichs ka binett s tattfinden soll. Die Reichsregierung will bekanntlich in den nächsten Monaten alles aufbieten, um die Sicherheit der öffentlichen Finanzen zu gewährleisten. Sie will dann aber darauf Hinweisen, welche Schäden diese Bemühungen in sozialer Beziehung in Deutschland Hervorrufen, ohne daß die Aussicht besteht, diese Beschränkung des Lebensstandards des deutschen Volkes könnte auf die Dauer aufrecht erhalten werden. Auf diese Weise oll eine neue internationale Diskussion über die deutschen Kriegslasten eingeleitet werden. In Kreisen der Reichsreg:erung ist man der Meinung, daß von deutscher Seite in dieser Diskussion von vornherein unanfechtbares Material vorgebracht werden muß. Es müsse einer- eits nachgewiesen werden, daß die Reichsregierung die Steuerkraft in Deutschland bis zum Äußersten ausschöpft, das aber mit wirtschaftlichem Niedergang ein Nachlassen der Steuerkraft einsetze. In der Rede, die Reichsinnenminister Dr. Wirth im Rundfunk gehalten hat, ist der Teil feiner au- zenpolilischen Ausführungen nicht genügend beachtet worden, der sich mit diesen Dingen befaßt. Dr. Wirth erklärte, das Ausland müsse sich überlegen, ob es die Radikalisierung in Deutschland durch Aufrechterhaltung einer Entschädigungsforderungen im bisherigen Umfang weiter fördern wolle. Die Kriegslasten brächten in Deutschland zwangsläufig soziales Elend mit sich. Ein Volk ohne Hoffnung aber werde unpolitischradikal. In ähnlicher Weise hat übrigens Dr. Cur- tius in Genf in Gesprächen mit Vertretern der Alliierten zum Wahlergebnis Stellung genommen.
Genf.
Die neuen nichkftändigen Mitglieder des Völker- bundsrals.
Die Völkerbundsversammlung hat anstelle der ausscbeidenden nichtständigen Ratsmitglieder Kanada,' Cuba und Finnland für die nächsten drei Jahre Guatemala, Norwegen und Irland zu Mitgliedern des Dölkerbundsrats gewählt. Guatemala erhielt 43, Norwegen 38 und Irland 36 Stimmen. Portugal hatte bei der Abstimmung 30 Stimmen erhalten. '
Die Minderheitenfrage vor dem Völkerbund.
Der französische Berichterstatter des „Daily Telegraph" meldet aus Genf, es werde vielleicht ein Schritt zur Bildung eines ständigen Völkerbund kontrollausfchusfes zum Schutze der Minderheiten in ganz Europa angenommen werden. Ein Mitglied der britischen Delegation werde mit Bestimmtheit im Zusammenhang mit diesem Vorschlag genannt.
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wtb. Genf, 18. Sept. (Gig. Meldg.). Der Rat des Völkerbundes, der sich gestern durch die Neuwahl der drei nicht ständigen Mitglieder neu konstituiert hat, wirb heute nachmittag zu dem Rücktritt des Präsidenten der gemischten Kommst-
ien oder jenen Parteiführer die ernste Frage richten, welchem Ziel die Herren im Wahlkampf letzbch zugesteuert sind. Gs sieht fast schon wieder nach Parteiklüngel aus, was im Augenblick geraunt wird. ______________________
Weg mit den Riesen-Gehältern»
Die Ersparnisschrilie des Kabinetts Brüning.
In der „K. V." lesen wir: Die Nationalsozialisten haben im Berliner Rathaus beantragt, die Gehälter der Direktoren der Berliner Verkehrsgesellschaft auf 10000 Mark jährlich herabzusetzen. Diese Gehälter sind in der Tat außerordentlich hoch, 75 000 Mark , und mehr. Sie über ft eigen also die Mini- stergehälter bei weitem, und das wird sich im Vergleich noch krasser kundgeben, wenn die Ersparnisabsichten des Kabinetts Brüning noch weiter durchgeführt fein werden. Es ist ja auch längst kein Geheimnis mehr, wo die höchsten und darum am stärksten aufreizend wirkenden Spitzen» gehälter zu finden sind: nächst gewissen privatkapitalistischen Großbetrieben in einer Reihe von Großkommunen, die solche Besoldungshöhen mit der Konkurrenz um die lei- lenden Beamten durch die Privatwirtschaft zu be- gründen suchen. Es ist aber nicht zu bestreiten, daß diese gegenseitige Ueberbietung zu ganz u n g e su n d e n M i ß v e r h ä ltn i s se n geführt hat, die namentlich in einer schweren Notzeit wie der gegenwärtigen schlechterdings nicht zu rechtfertigen sind. Der Zentrumsführer Kaas hat daher in feiner großen Rede mit Recht erklärt, daß die auf d e n Z i n - neu Stehenden in der Opferbereitschaft demVolke mit gutemBeispiel vor angehen müssen. Ueberhaupt hat das Zentrum keinen Zweifel daran gelassen, daß es notwendig ist, auch auf diesem Gebiet eine Ordnung zu schaffen, die mit der allgemeinen Lage Deutschlands in Ginklang steht. Man braucht also wirklich nicht Nationalsozialist zu lein, um gewisse Mammutgehälter als anstößig zu betrachten. Bezeichnend ist nur, daß die Nationalsozialisten, deren Kriegsfonds selbst aus großkapitalistischen Quellen gespeist wurde, sich weiterhin ihrem Volke als besonders handgreifliche Bekämpfen großkapitalistischer Auswüchse präsentieren. Uebrigens sind die führenden privatwirtschaftlichen Kreise — von einigen Verblendeten abgesehen — sich wohl längst darüber klar, daß das Wort „sozialistisch" in der nationalsozialistischen Firma nicht ganz von ungefähr steht und seine demagogische Wirkung nicht verfehlte. $ ,
Man wird Bei dem Kampf gegen die hohen Gehälter freilich nicht vergessen dürfen, daß diejenigen, die jetzt mit den Nationalsozialisten auf diese hohen Gehälter, schimpfen, auch die ersten sein würden, die in dem Falle, daß bei weniger ausreichender Bezahlung einmal Mißhelligkeiten Vorkommen, die Behauptung aufstellen würde, die fraglichen Posten seien zu gering bezahlt gewesen. Wer Gelegenheit hat, den Volksmund auf diesem Gebiet zu vernehmen, — man braucht zu solchen Beobachtungen keine Reise zu machen und kann ruhig in Fulda Bleiben — wird unsere Meinung Bestätigt finden. Einmal so, einmal so! Logik ist nicht volkstümlich.
* Regierungspräsident i. R. Dr. Belzer in Sigmaringen ist int Alter von 71 Jahren gestorben. Dr. Belzer war viele Jahre im Hohenzollern'schen Kommunallandtag und Landesausschuß tätig und von 1919 bis zu ferner Zurruhesetzung 1926 Regierungspräsident des preußischen Regierung^ Bezirks Sigmaringen und Staatskommissar beim Hohenzollern'schen Kommunallandtag. Von 1906 Bis 1913 gehörte Dr. Belzer als Mitglied der Zentrumsfraktion dem preußischen Landtag, von 1906 bis 1918 dem Reichstag an, seit 1922 bis zu seinem Tode war er Mitglied des Preußischen Staatsrats.
* Ein StudiendirektÄr begeht Selbstmord aus Gram über den WÄhl-Ausfäll. In Schwerin a. d. W. wurde in der Nähe der Badeanstalt der Leiter der dortigen Aufbauschule, Studiendirektor Werner Rack, erschossen aufgefunden. Es liegt Selbstmord vor. Rack war seit etwa vier Jahren in Schwerin tätig. Vor der Wahl übernahm Rack die Organisation der neu- gegründeten Staatspartei. Er haste gehofft, daß diese Partei in Stadt und Kreis Schwerin große Erfolge erzielen würde. Die Stimmen der Staatspartei gingen jedoch im Kreise Schwerin von 296 auf 99 und in Schwerin-Stadt von 135 auf 65 zurück. Von der Polizei wird als Grund für den Selbstmord Racks Nervenzusammenbruch und seelische Depression wegen des Wahlausfalls angegeben.
Begienmgsatflon gegen den Soungplan
Unmögliches kann nicht geleistet werden.
Kombinationen.
deutsche Volk ist immer noch erregt ob des ^nnas der Reichstagswah'.en. Oder soll man nn aufgeregt? Was jetzt alles kombimert, er- erörtert, diskutiert, vorgeschlagen und ab- wirb das kann ein durchschnittlicher ■Isbürger 'schon nicht mehr auseinanderhalten. Im meisten Kopfzerbrechen verursacht die Halles Reichskanzlers Dr. Brunmg. Warum
Selbstverständlich ist zuzugeben, daß Wabergebnis auch den Kanzler in seinen Gr« mnaen enttäuscht hat. Mit diesem erschrecklichen -wellen der obstruktiven Flut hatte auch er aerechnet. Wohl aber hat er durchaus recht ften wenn er geglaubt hat, die Sozialdemo- e werde für ihre jüngste Politik nicht restloses tändnis im Volke finden. So ist es gekom-
Die größte deutsche Partei hat nicht nur 10 ibate eingebüßt, sondern ist auch von der stär- Wahlbeteiligung nicht berührt worden. Wenn ft, jetzt dauernd dem Zentrum vorrechnet, sein Ge- minn fei nur absolut, nicht aber relativ zu wer- tatt so sind das nur Manöver, mit denen sie die Mmerffamfeii ihrer Wähler von der eigenen klappe ablenken toill. Was könnte Dr. Brüning Mn» Em auch noch so lockeres Bündnis mit den Nationalsozialisten scheidet aus. Gs ist erfreulich, j auch Minister Dr. Wirth dies in seiner Rund- tfrebe am Dienstag klar zum Ausdruck gebracht
Die Große Koalition? Das, was man bis- darunter verstanden hat, würde gegenüber dem ureibunb Goebbels, Hugenberg, Thälmann nicht ausreichen. Die verschiedenen Splittergruppen der Rechten und die Wirtschaftspartei müßten hinzu- qenomtnen werden. Ob sie zur Beteiligung bereit waren, steht noch dahin. Die Wirtschaftspartei zu mindesten ist wie immer unenschlossen. Als ausschließliche Interessentengruppe vermag sie ja auch im Augenblick noch nicht endgültig abzuschätzen, in welcher Kombination das, was sie für die Interessen ihrer Wähler hält, am besten aufgehoben wäre. Auch die kleinen Parteien rechts von der Deutschnationalen Volkspartei, die in der Mehrzahl ihrer Abgeordneten früher bei Hugenberg gedient haben, werden nicht ganz leicht sich an die Vorstellung gewöhnen können, demnächst mit Breitscheib auf ber Regierungsbank zu sitzen. Und die Deutsche Volkspartei hat den Wahlkampf so ausschließlich gegen die Sozialdemokratie geführt, daß sie sicherlich längere Zeit brauchen würde, bis sie das Steuer wieder herumgeworfen hätte. Zudem liegen die inneren Verhältnisse um Dr. Scholz herum nicht ganz klar. Man munkelt von seinem Rücktritt, und diesen Gntschluß eines - Parteiführers, der mit allen seinen Absichten gescheitert ist, könnte man wohl verstehen.
Selbst wenn also die Sozialbemokratie bereit wäre, die Notverordnungen und das auf ihr basierende Gesamtprogramm des Kanzlers zu übernehmen, wäre die Große Koalition noch nicht ohne weiteres zu begründen, denn es müßte ja doch wotzl auch überlegt werden, ob man die dafür wenigstens im Augenblick nicht in Betracht kommenden Gruppen, die aber ebensowenig sich einer von den Kommunisten abhängigen Opposition anschließen könnten, in einen Schmollwinkel abbrängen bürste. Niemand weiß im Augenblick, wie die Fraktionen, unter ihnen auch die nicht zu unterschätzenden Cvan- gelisch-Sozialen, sich entscheiden werden. Sie wissen es ja selbst noch nicht. Ginem Kanzler also, der nichts weiteres will, als die Katastrophe vermeiden, bleibt nur übrig, was Dr. Brüning mit seinen Ministerkollegen zur Zeit tut. Gr bleibt und arbeitet. Dem Reichstag, der in vier Wochen zusammentritt, wird er bann eine Reihe von Ge- letzesvorlagen unterbreiten, an denen sich die weitsten Dinge entscheiden müßten. Selbstverstänb- l>ch ist es bann ber Opposition sowohl wie ber Sozialdemokratie, die sich doch wohl nicht noch einmal jnit dem Kleeblatt vom 18. Juli in die gleiche Reihe stellen möchte, möglich, durch einen Mißtrauensantrag die Regierung zu stürzen. Was aber bann geschehen? Wenn bie Verfassung nur aine Formalie märe, könnte ber Reichspräsident stn Nationalsozialisten die Regierungsbildung übertragen, weil sie zweifellos den stärksten Wahl- °st°lg zu verzeichnen haben. Hitler scheint an sine solche Möglichkeit zu glauben, denn er hat loeben in München versichert, feine Partei werde ">e Verfassung achten. Die Nazis seien nicht Re- Nstutionäre ber Gewalt, sondern des Geistes. Das '"Ngt zwar nicht schlecht, aber es hat sich schon jhehr von dem, was Hitler und seine Leute versprachen, nachher als trügerisch erwiesen. Und Niemand wird dem Reichspräsidenten zumuten, j>iler, der schon einmal die Verfassung mit den Mitteln der Gewalt beseitigen wollte, Glauben zu schenken. ' ,
Gine weitere Möglichkeit nach dem Rücktritt der Regierung Brüning wäre die Betrauung der Sozialdemokratie. Aber mit wem sollte sie bann ?!e Regierung bilden? Uns scheint, als ob selbst die schier übermenschliche Geduld des Zentrums einmal eine Grenze finden könnte. Gs ist eine ^cherliche Behauptung, bie man aber feltfamer- ?ekje sowohl in ber deutschnalionalen wie in ber sozialdemokratischen Presse findet, Brüning tue so, ,*5 fei ber 14. September nicht gewesen, als sei uoerhaupt nichts geschehen. Nein, so tut ber Kanz- gar nicht. Er hat aber durch den Wahlerfolg he= ?'esen, daß seinePartei geschlossen hinter ihm , ht. Wenn die bürgerliche Mitte nicht einig wurde und schwere Verluste erlitt, so ist das nicht schuld des Zentrums, und noch weniger °es Kanzlers. Gin gewisses Abwarten freilich scheint uns nicht unklug zu sein. Ginige Dinge sich schon heute ganz anders an als in der AmMacht. Auch wird es sich empfehlen, genau BP™ Vorgänge zu beobachten, die sich auf der Rech- en anzukündigen scheinen. Ist es richtig, daß man ■Ogar mit einer fraktionellen Zusarn- enf°ffung aller ehemaligen H n - e r g i a n e r rechnet, um sich in dieser ge- 'TOoifenen Gruppe dem Zentrum gegenüber siche- et Zu fühlen? Vielleicht muß der Kanzler an bie«
sion für Oberschlesien, Galonber, Stellung nehmen. Es sind Bemühungen im Gange, Galonber, dessen unparteiische und gerechte Amtsführung äußerst anerkannt wird, zur Zurücknahme seines Rücktrittes zu bewegen. Zu diesem Zweck habe der polnische Außenminister, wie kürzlich gemeldet, beim Präsidenten des Völkerbundsrates einen Schritt unternommen.
Zur V ölkerv erstäudlgung.
Von Dr. Franz Wetzling, Münster.
Auf dem Wege der Völkerannäherung und zur Befriedung der Welt bedeutet der Münsterifche Katholikentag mit feinem Bestreben, auch hervorragende Persönlichkeiten des katholischen Auslandes als Gäste zur Generalversammlung der deutschen Katholiken heranzuziehen, zweifellos einen Markstein.
Mehr als auf den bisherigen Kattzolikenlagun- gen, konnten zahlreiche katholische Ausländer begrüßt werden. Man nahm sich ihrer besonders fürsorglich und mit feinem psychologischem Verständnis an. In besonderen Veranstaltungen wurde daran gedacht, die Ausländer zum persönlichen g e- genf eilig en Gedankenaustausch zu- sammenzuführen.
Der Leiter der Kommission für Ausländer konnte stets eine erfreuliche Teilnahme seitens der ausländischen Herren verzeichnen, von denen u. a. die Bischöfe Robu von Iasfy, Müller von Schweden, Henninghaus aus China, Mfgr. Pucci aus Rom, der Herzog von Beauffort, der Vizepräsident des ungarischen Parlaments Dr. Czettler und die ungarischen Abgeordneten Prälat Ernszt und Prälat Tun aus Budapest, Professor Griera aus Barcelona, ferner Herren und Damen aus Rumänien, Jugoslawien, Dänemark, Holland, Schweiz, Luxemburg, Frankreich, Amerika, Chile und dem übrigen katholischen Ausland vertreten waren. In Ansprachen des Leiters der Kommission für Ausländer sowie u. a. der Herren Msgr. Pucci aus Rom, Griera aus Barcelona, Crnszt aus Budapest und Bischof Henninghaus aus China wurde mit großer Freude die vorn Katholikentag in Münster gezeichnete Linie einer internationalen Zusammenarbeit anerkannt. Der Sprachenaustausch vollzog sich im wesentlichen, deutsch, französisch und italienisch.
Als Höhepunkt der Sonberveranstaltungen für die ausländischen Gäste wird man die Burgenfahrt bezeichnen dürfen, auf der die Teilnehmer durch die westfälische Landschaft und damit an die westfälische ©eele herangeführt wurden.
In freundlichen Ansprachen kam zum Ausdruck, wie stark ber Cinbruck nicht nur der westfälischen Hauptstabt, sonbern auch ber westfälischen Lanb- schaft und des gerade im Kreis Lüdinghausen so stark verwurzelten westfälischen Volkstums auf bie Gäste gewesen war. Die Herren Msgr. Pucci unb Bischof Müller von Schweden betonten, wie sehr auf bem Münsterischen Katholikentag die Gesamt- verbunbenheit der katholischen Welt empfunden worden sei, und daß man es als eine besondere Aufgabe ber Zukunft ansehen müsse, weiter auf dem Wege dieses gelungenen erstmaligen Versuches zu einer immer umfassenderen Sammlung des
— Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt . ■ im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag 214 der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift.
.. leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
Mahl-Nachklänge.
Verschiebung
eines Vlandals bei den Deutschnalionalen.
Innerhalb der d e u t s chn a t i o n a len Mandate tritt infolge eines Additionsfehlers eine ganz interessante Verschiebung des Wahlergebnisses ein. Die Deutschnationalen hatten nach dem Wahlergebnis im Wahlkreise Düsseldorf-West 61189 Stimmen erhalten, so daß der Spitzenkandidat des Kreiswahloorschlages, Senatspräsident Seer- Berg-Berlin als gewählt galt. Nun ist aber festgesiellt worden, daß bei ber Abdition berKre- fe l b e r Stimmen ein Fehler unterlaufen ist und die deutschnationale Stimmenzahl nur 5S995 beträgt. Dadurch fällt das Kreiswahlmandat fort unb bie Deutschnalionalen erhalten einen Sitz mehr auf der Reichsliste.
-uldaerZettung
Anzeiger für die Stadl Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.