Die Milseburgstunde katholischer Zugend.
Wie haben vor dem Kreuze droben Für Gott und Christus uns bekannt. Nun gilts, die Treue zu geloben Auch dem geliebten Vaterland.
Cs blutet noch aus tausend Wunden. Die ihm der harte Weltkrieg schlug, Und schmerzlich hat es neu empfungen Der deutschen Zwietracht alten Fluch.
Was Krieg und Zwietracht uns zerschlagen, Sei von der Eintracht neu erbaut.
Das Schicksal wird in wenig Tagen Auch euren Losen anvertraut.
O laßt euch nicht vom Haß betören, Don Lüge nicht und Leidenschaft, Laßt von der Blindheit nicht zerstören Die Christenwurzeln deutscher Kraft.
O deutsche Jugend nun verstehe Was Recht und Pflicht, hörs heut und hier! Bedenkt, der Zukunft Wohl und Wehe Liegt bei uns all, liegt auch bei Dir!
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Diesen gedankentiefen und formvollendeten Vor- spruch hatte der Milseburg-Pfarrer Ludwig Nüd- l i n g der kath. Jugend zu ihrem Milseburg-Treffen geschenkt. Er hatte ihn selbst am Sonntag vormittag am Abrahamsfelsen sprechen wollen, aber der ost wolkenbruchartig niederklatschende Regen, in dem er während des Gottesdienstes auf der Bergesspitze aushalten mußte, zwang ihn zur früheren Rückkehr.
Ja, die Milseburg ist tückisch. Hunderte von jungen Menschen aus Fulda und Umgebung waren am Morgen mit dem Zuge zur Milseburg gefahren, obwohl schwere Wolken am Himmel hingen. Die Wandergruppen und Sturmscharen waren schon am Samstag in die Rhön gezogen und hatten irgendwo in Zelten oder Scheunen übernachtet. Und in den Rhöndörfern hatten sich die jungen Burschen und Mädchen gerüstet, um, sich mit ihren Brüdern und Schwestern aus der Stadt auf dem schönsten Berg der Heimat zu treffen. Gemeinsam wollte man ein Bekenntnis der Liebe zur Heimat, ein Gelöbnis der Treue zueinander ablegen. Unser katholisches Fuldaer Land ist heute von vielen offenen und heimlichen Feinden bedroht. Die Dorfgemeinschaft der alten Zeit ist weitgehend zersetzt, die katholische Tradition verschwindet immer schneller. Da hilft kein Schimpfen und kein Jammern. Rein, die Jugend muß den falschen Propheten, die durch das Land ziehen, und eine planmäßige Wühlarbeit leisten, die Stirn bieten. Wir schützen die Heimat gegen diese unter fremden und dem deutschen und christlichen Volkstum feindlichen Einflüssen stehenden Hetzer. Wir sehen nicht tatenlos mit zu, wie eine kath. Dorfgemeinschaft, nach der anderen unterwühlt wird. Die Kräfte, die schlummerten, werden wach. Das kath. Jungvolk fühlt, welche Macht es ist, wenn es zusammenhält, einig im Glauben und einig in der Liebe zu Volk und H e bm a t. Die katholische Jugend will keine Gewalt gegen Andersdenkende anwenden, aber sie wird ihre ganze Kraft geschlossen für die Gestaltung des deutschen Staates einsetzen. Sie wird sich nicht durch eixe brutale Diktatur hemmungsloser Nationalisten oder Kapitalisten oder entwurzelter Massen der Großstadt knechten lassen, sondern für einen freien, des mündigen und deutschen Menschen allein würdigen Volks st aates kämpfen. Dieser moderne deutsche Staat wird sich nicht von heute auf morgen entwickeln, es ist dazu eine lange politische Bildungsarbeit notwendig.
Das ist die Haltung der jungen bewußt katholischen Generation, die zu einer Kundgebung auf der Milseburg drängte.
Strömender Regen empfing die Scharen, die in Bieberstein und Milseburg den Zug verliehen. Die Mutigsten ließen sich nicht verdrießen und marschierten zum Gottesdienst auf die Spitze des Berges. Die anderen warteten ab, ob sich das Wetter bessern würde. Der Regen strömte eine Stunde, zwei Stunden. Der Zeitpunkt, an dem die Kundgebung stattfinden sollte, rückte heran. In wasserdichte Zeltbahnen gehüllt zog man zum Abrahamsfelsen. Die Milseburg war hinter schweren Wolkenmassen verschwunden. Aus dem Dunkel
Vom Leben im Zeltlager.
Erste Nacht im Zeltlager. Groß und düster steht die Dunkelheit über uns. Wir sind müde. Müde vom Zeltbau! Nun liegen wir geborgen auf weichem Stroh. Gar manche Gedanken mögen in dieser Stunde heimwärts eilen. Einer von uns erzählt. Geschichten von Spukgeftalten und Gespenstern. Immer ferner ertönen die Worte. Fast unwirklich erscheinen sie. Wie aus einer anderen Welt. Sie verhallen . . . immer weiter, immer ferner .... Und dann schlafen wir...
Da ... ich schrecke hoch. Was ist das? Vor dem Zelt wildes Stimmengewirr. Ucberall an den Zel wänden kribbelt und krabbelt es. Dann wieder ist es, als ob man etwas zerreiße oder zerschneide. Meine Aufregung wächst. Ganz deutlich höre ich mein Herz hämmern und pochen. Wer könnte es sein? Jetzt mitten in der Nacht? Unser Zelt einreißen? Der Lärm draußen wird toller. Einer ruft nach einem Messer. Uns wird die Sache ungemütlich. Schon wollen wir aufspringen. Kampflos geben wir unser Werk nicht preis. Da wirds ganz plötzlich stille. Jetzt kommt die Entscheidung. Und da — erschallt ein donnerndes Heil. Mitten in die Stille der Nacht. Freudigen Herzens antworten wir ihnen. Es sind unsere Freunde, unsere Brüder aus dem Norden. Sie wollten erst morgen kommen. Nun sind sie schon bei uns. Unser Lager kann beginnen.
„Hallo, aufstehen! Meine Herrn, aufstehen! Raus!" Traumschwer und müde lösen sich fünfzehn Menschenleiber von der Erde. Ach so, wir sind ja im Zeltlager. Ein Recken und schwerfälliges Dehnen noch . . . dann stehen wir am rauschenden Fluß und schauen mit frohen Augen in die erwachende Welt. Man spürt ordentlich in allen Gliedern den erfrischenden Zug des jungen Morgens. Wie ist doch noch alles so unternehmend und tatenfroh in der Frühe des Tages! Dann treten wir im Kreis um unser Lagerkreug, Unser Führer betet den Morgenspruch: Die Nacht entschwindet. Die Finsternis weicht. Licht bricht herein. Christus erscheint. Ihm, dem ewigen König, sei Ehre und Preis in alle Zeit und in der Zeiten Zeit, Amen.
Kirchgang. Wir wandern durch taufeuchtes Gras. Ueber dem Fluß brauen die Nebel. Keiner I von uns spricht. Jeder soll in dieser Morgenstunde mit sich allein sein. Mit sich und seinem Gott. Man |
drangen die Melodien der Kirchenlieder zu uns herab, die während des Gottesdienstes gesungen wurden. „D Maria hilf!"
Es ist bei diesem Wetter wohl kaum möglich, zusammenzukommen, denken alle. Man verliert sich im Nebel. Da, wie durch ein Zauberwort, hört der Regen auf. Ueber dem Fuldaer Land sieht man auch schon den blauen Himmel. Die Sonne malt einige helle Flecken in das dunkle Landschaftsbild. Schon hat der Wind die Wolkenmassen zerrissen und zerstreut. Wir stehen auf einmal im Sonnenlicht.
Schon sind auch wieder einige hundert Menschen da. Man sammelt sich. Vom Abrahamsfelsen flattert ein weißes Banner mit dem schwarzen Kreuz. Das Kol- pingsbanner leuchtet auf. Das Lied „Vorerst so wollen wir loben, Mariann' die reine Magd'" setzt sich gegen den brausenden Sturm durch. Der Vorspruch umreißt in knapper Form den Sinn der Kundgebung. Nach einem weiteren Lied tritt Dr. Kramer-Fulda in den schnell anwachsenden Kreis junger Menschen. In einer kurzen, zündenden Ansprache spricht er von der Siebe zur Heimat, dem Kampf für die deutsche Freiheit, der Bereitschaft des kath. Volksteils, sich unter der Führung Brünings für Deutschlands Rettung aus der jetzigen schweren Not einzusetzen. Als er geendet hat, bricht lauter Beifall los, spontan wird das Deutschlandlied angestimmt. Man vergißt, daß man halb durchnäßt ist, daß der Sturmwind tobt. Auch über Deutschland werden wieder sonnige Tage kommen, wenn das Volk in stürmischen und trüben Zeiten zusammenhält.
Dann spielen die Fuldaer Normannsteiner das Spiel von dem Freiheitskampf der Schweizer Bauern gegen brutale Diktatur und Gewalt. Und der Schwur, allzeit die Heimat zu schützen, klingt in aller Herzen mit. Alle nehmen das Gelöbnis mit zu Tal, Kämpfer für christliche und deutsche Lebensart in unserer engeren Heimat und dem gesamten deutschen Vaterland zu fein. Für die Entscheidung am 14. September heißt das, daß die kath. Jugend des Fuldaer Landes die Männer unterstützt, die den Mut zur Führung haben: Brüning, Stegerwald und Wirth.
Zur Klarstellung.
Die Fuldaer Christlich-Sozi alen mühen sich, die katholische junge Generation in Gegensatz zur Zentrumspartei zu bringen. Sie Haden das schon einmal anläßlich der Jungborn-Tagung in wenig taktvoller Weise getan. Jetzt behaupten sie wieder die katholische Jugend werde in einigen Jahren bei ihnen sein. Dazu ist zu sagen, daß es vielleicht vor zwei Jahren so schien, als ob weite Kreise der kath. Jugendbewegung zur christlich-sozialen Reichspartei abschwenken würden.
Damals hatten sich Nikolaus Ehlen und Johannes Dorste als Kandidaten für den deutschen Reichstag und preußischen Landtag von Vitus Heller aufstellen lassen. Viele Tausende junger Katholiken wählten deshalb bei den Wahlen im Jahre 1928 christlich-sozial, weil sie glaubten, beim Zentrum kein Gehör finden zu können. Heute ist das anders. Immer deutlicher stellt sich heraus, daß die Christlich-Sozialen sich verirrt haben, daß ihre Führer vielfach den Boden des.positiven Christentums verlassen. Das sind Tatsachen, die auch durch wüste Schimpfereien nicht mehr verdunkelt werden können. Cs ist deshalb kein Wunder, daß die Kreise der katholischen Jugendbewegung, die einstmals sich für christlich-soziale Gedankengänge begeisterten, weil sie radikal-katholisch fein wollen, heute eindeutig hinter Brüning stehen. Wenn die jungen Katholiken auch mit manchem unzufrieden sind, so glauben sie doch, den geschlossenen Einsatz des kathol. Volksteils für Deutschlands Rettung aus Unordnung und Wirtschaftskrise nicht durch Spaltung und nutzlose Kritik erschweren zu dürfen. Gerade die Kreife der kathol. Jugendbewegung, die früher in schärfster Opposition zum Zentrum standen, erklären sich heute zur positiven Mitarbeit in der katholischen Volkspartei Deutschlands bereit. Wir erinnern an einen kürzlich in der „Fuldaer Zeitung" veröffentlichten Aufruf der älteren Kreuzfahrer, Junghorner, Normannsteiner und Quickborner. Ueberhaupt sind bei diesem Wahlkampf sämtliche katholische Jugenoerbände mit seltener Begeisterung für Brüning und sein Reformwerk ins Feuer gegangen.
Diese Tatsachen müssen gegenüber den Ausstreuungen radikaler Blätter noch einmal klar herausgestellt werden. Gerade der fanatische Haß und die hemmungslose Wut, die besonders in den jedenfalls von Herrn
fühlt, wie beruhigend dieses Schweigen wirkt. Wie die Seele sich innerlich löst und entspannt. Wie sie frei wird und weit und empfänglich. Und dann knien wir im schlichten Dorfkirchlein. Inmitten der Gemeinde. Es sind einfache Menschen. Man sieht ihnen an, daß sie hart arbeiten müssen. Daß ihr Werktag nicht leicht ist. Ihre gefalteten Hände sind zerfurcht und ^erarbeitet. Aber es ist noch ein frommes Volk. Es beginnt den herben Alltag noch mit dem Herrgott. Die Kirche ist noch Mittelpunkt des Dorfes.
Der Priester schreitet zum Altar. Wir beten und fingen mit der Gemeinde.
Ein jeder Tag beginnt so. Unser Lager und unser Tagewerk erhält dadurch Form und Gestalt, eine Weihe und sein Gepräge. Ein Zeltlager kann nur allzuleicht schlampig und unordentlich werden. In e i n Zeltlager gehört Zucht und Schneid. Einer muß Führer fein. Der Einzelne wieder muß sich unterordnen können. Muß fein Bestes der Gemeinschaft schenken. Muß int geeigneten Augenblick verzichten und opfern können. So und nur so wird ein Lager junger Menschen. Nur so wird Gemeinschaft. Zeltlager heißt nicht, daß zufällig einige Menschen in Zelten leben und schlafen. Zeltlager, kathol. Zeltlager besagt: Hier ist Gemeinschaft. Hier weiß einer um den anderen. Hier dient einer dem anderen in starker Bruderliebe. Nicht ohne tieferen Sinn steht mitten unter uns das Lagerkreuz. Christi Zeichen weht von unserem Banner. Alle sollen es sehen: Hier ist kathol. Zeltlager. Kein sozialistisches, kein kommunistisches. Uns ist Mittelpunkt nicht die rote Fahne, sondern das Kreuz.
Unser Zeltplatz ist eine kleine Halbinsel. Hinter uns steigt jäh und steil der Wald auf. Der Fluß trennt uns von der großen Heerstraße, von Städten und Menschen. Wir bauen uns hier in der Einsamkeit der Natur, in dem Schweigen der Wälder eine neue Welt. Heil einem Leben, wo verblaßt, was wertlos ist und innerlich morsch! Vor der Echtheit der. Natur besteht fein Glanz der Städte. Alle Mache, alle Firnis hilft hier nicht. Keine noch so schöne Fassade verdeckt die schlechtgebauten Zelte. Alle hohle Kultur verschwindet von der Härte und Herbheit des ungebundenen Lebens. Hier gibt es fein gemütliches Ausruhen auf Vergangenem, kein Aufbauen auf einer bequemen Tradition. Das Lager muß immer wieder neu gestaltet und neu geschaffen werden. Tag für Tag. Was da steht, ist das
W i l l i g s e t e r verfaßten Leitartikeln des „Neuen Volk" zum Ausbruch kommen, haben das katholische Jungvolk, das klüger ist, als die Gegner annehmen, rechtzeitig daran erinnert, daß die Kraft des katholischen Volksteils in der Geschlossenheit liegt. Das katholische Jungvolk lacht über die ewigen Kritikaster, die von der Dummheit der Menschen leben und die Not der Mitmenschen für ihre politischen Geschäfte auszunutzen suchen. Leute dieser Art werden den Zentrumsturm, der seit 60 Jahren unerschüttert steht, nicht erobern. Ihre Anstrengungen werden im Gegenteil auch im Lager des kathol. Dolksteils die noch schlummernden Kräfte wecken. T
Dom Lesen.
Den Vierzehn- Fünfzehnjährigen erfaßt vielfach eine wahre Lesewut. Es sind die Jahre der Zigeunerromantik, des Abenteuers. Dann kommen die kleinen Heftchen mit den knalligen Umschlägen gerade recht. Auch durch die lange Reihe der Karl-May-Bände wird sich hindurchgefressen. Aber dann kommt eine Zeit, die an solcher Lektüre keinen Geschmack mehr hat. Es ist die sog. geistige Pubertät, wo der junge Mensch mit den Umwälzungen beim Aufbau des Körpers fertig, sich mit dem Reich des Geistes auseinanderzusetzen beginnt. Vorher nahm er alles hin, wie es ihm gesagt wurde, jetzt beginnt er kritisch zu allem Stellung zu nehmen und sucht die seither vertretenen Grundsätze auch verständlich zu unterbauen. In dieser Periode befindet sich der junge Mensch auf dem Scheideweg, hier werden die Fundamente zur Persönlichkeit gelegt. In dieser Zeit greift er gerne nach dem Buche und bevorzugt oft das ernsten und schweren Inhalts.
Es ist zunächst das Erlebnis des eigenen Unvermögens, der eigenen Beschränktheit und Kleinheit, das dem jungen Menschen ein gewaltiges Bildungsstreben einpflanzen kann. Es sieht überall, wie unwissend er ist, wie andere viel mehr wissen als er. Es kann sich das direkt zu einem növersen Bildungsfimmel auswachfen. Wenn er hört, daß andere ein Buch kennen, das er noch nicht gelesen hat, dann läßt es ihm keine Ruhe, bis auch er es verschlungen hat. Es steht der jugendliche Geltungsdrang dahinter. Man möchte auch mitreben können.
Zwei Gedanken müssen wir demgegenüber im Auge behalten. Einmal: es wird heute furchtbar viel geschrieben, und das meifte davon ist wertlos. Jeder, der eine Idee zu haben glaubt, meint gleich ein Buch schreiben zu müssen. Darum können wir nicht und hat es keinen Sinn, alles zu lesen, was uns unter die Finger kommt. Wir müssen also vernünftig auswählen. Auch von den wertvollen Büchern kann der kleine Menfchengeist in dieser kleinen Lebensspanne nur weniges bewältigen. Es öffnet sich hier ein Ausblick ms Unendliche. Es ist dies eine der vielen Erkenntnisse, traft deren der Menschengeist von innen heraus das ewige Leben fordert
Zweitens: Wir lesen nicht, um etwas gelesen zu haben, sondern um uns zu bilden. Das tun mir aber nur dann, wenn wir ohne Hast, mit Liebe den Gedankengängen des Schriftstellers nachgehen. Wir müssen uns Zeit lassen, wir dürfen nicht mit verschwommenem Ermahnen des Inhalt weitereilen. Wir müssen in die Tiefe steigen, indem wir das Gelesene bedenken, im Notfälle nochmal umkehren, um ein zweites, drittes Mal zu lesen. Es ist ein altes, wahres Wort, das uns immer vor Augen stehen sollte: „Den Leser eines Buches fürchte ich."
Eine sehr wertvolle Gewohnheit ist es, sich die feinsten Gedanken, die einem am meisten packten, kurz in ein Heft zu notieren. Auch sprachlich glänzend formulierte, tiefe Gedanken wird man sich mit Nutzen aufzeichnen. Eine solche Sammlung geistiger Werte mag einem auch in späteren Jahren noch mal lieb und teuer werden. Denn man kann es später immer wieder nachlesen, wie man nach und nach gewachsen, welche Gedanken einem beschäftigt und begeistert haben, wie die geistige Kurve allmählich gestiegen ist. Vielleicht kann uns dann, wenn das Leben uns schon viel abgestumpft hat ein wenig von dem Idealismus der Jugendzeit zurückkehren. Wenn man so mit Bedacht und Ruhe liest, wird man auch viel kritischer an das Gelesene herantreten und nicht alles Gedruckte für ein Evangelium hinnehmen.
Gewiß soll man sich Zeit lassen zum Lesen. Aber es wäre auch einseitig, den Wert der Lesung nur danach zu bemessen, was einem davon später noch deutlich erinnerlich ist. Vieles steigt ins Gedächtnis hinab und wird dem ganzen Wissen organisch eingebaut. Wenn
es sich nun ergibt, dann steigt es in uns wieder nr ein Gedanke auf, ohne daß wir nun noch feine fünft oder das ganze Gedankengefüge der Sefu wüßten. Und wäre uns auch gar nichts in Erinnern? geblieben, so hätte es doch unfern Verstand geschult pS Gedankengänge eines anderen mitgedacht zu Jedes Erleben, das uns erschüttert, macht unsere finduug reicher und tiefer. Wenn sich die Menschs im Umgang gegenseitig schon so beeinflussen, um toi? viel mehr die Bücher, denen wir uns immer' wieder i ganz öffnen.
Aber in diesem Wissensdurst des Jungmanns sie« im Letzten und Tiefsten etwas ganz Großes und Schz. nes. Es ist der ganze jugendliche Idealismus undTs» tendrang, die Sehnsucht, sein Leben recht wertvoll ™ gestalten. Er möchte einbringen in die weiten Rei^ des Geistes, um wenigstens mit ahnendem Blick große Unendlichkeit des Alls staunend zu schauen. <x. sucht und verliebt sich in Vorbilder, nach denen er werden kann. Manchen erfaßt das wilde Sehnen des Fernwehs und er wil lwenigstens im Geiste einmal hin, schweifen über ferne Meere, zu fernen Landen uiü Menschen. Mancher will einmal seine kleinen sozialen Verhältnisse vergessen, die Aussichtslosigkeit feines Aufstiegs. Eine Gefahr könnte hier sich einstellen: bä Flucht aus der Wirklichkeit in erträumte Scheinwelten. Gerade das Gegenteil aber sollte uns unsere Lektüre geben, nämlich die Kraft, unsere Verhältnisse zu meistern und den Willen, stets voranzustreben.
Wenn wir hieran denken, werden wir auch nicht e i n e v o n den Quellen zur einzigen machen. Wir dor der jungen Generation wollten es ja nicht vergessen, auch im Buche der Natur zu lesen. Auch das Leben' wie es uns Tag für Tag umgibt, es kann uns manches sagen und lehren. Werden wir wache, auf. merksame Beobachter und hüten wir uns unter die kritiklosen P apiermenschen zu gehen, die so ganz abhängig sind von der offen!« lichen Meinung und dem Schlagwort des Tages.
Iungen-Ierienlager.
Von Franz Sieber.
Es ist selbstverständlich, daß das — Zeltlager als Wohnstadt — nicht dasselbe wie die — Idee Zeltlager — ist. Dem Ersten könnte man ablehnend oder un- interessant gegenüberstehen; nur das Zweite fordert heute die unbedingte Bejahung. Wir haben es beim Lager mit einer Lebensform zu tun, die wieder alle Urkräfte der Kultur weckt und formt. Klar ist, daß bas Lager nicht d i e neue Lebensform ist und fein kann, aber' es wird und muß als Mittel zu ihr hinführen und als Freizeit ein vom Ganzen unabtrennbares Teilstück sein. Die Grundidee des Zeltlagers ist die: das Kind in seiner vollsten Totalität zu erfassen, geistig und körperlich zur Gesundung zu bringen, und darüber hinaus zur christlichen Volksgemeinschaft zu erziehen. Daß in dieser Totalität der — katholische Mensch — bas Entscheidende ist, ist natürlich. Das Lager selbst muß und wird nur als Wetterführung und Höhepunkt Teilstück der Gesamtkinderarbeit sein. Als solches ist es aber auch nicht zu überschlagen, weil dadurch eine unausfüllbare Lücke entstehen würde.
In der praktischen Arbeit ist zunächst die Vorbereitung bas Wichtigste. Hauptsachen derselben finit:
Eingliederung des Zeltlagers in den Gesamtplan bet Gruppenarbeit. Vorbereitung der Kinder durch Zeltfahrten usw.; ebenso durch Sparen der Kinder selbst. <
Wie in allen anderen Arbeiten, so ist auch hier wichtig, frühzeitig Verbindung mit der Elternschaft herzustel- len und sie zur Mitarbeit heranzuziehen.
Beschaffung des Zeltstadtmaterials für die Lagerzelt, evtl. Über die Arbeitsgemeinschaft „Kinderwohl", in Verbindung mit dem Dekanat ober durch die einzelnen Gruppen der Kinderarbeit, die für das Lager in Frage kommen oder durch die Gruppen der Jugendbewegung. _
Sicherung eines geeigneten Lagerplatzes, des genügenden Lagerpersonals und der Lagerführerschaft.
Erfahrung von Finanzierungsquellen (öffentlich« Mittel, Pfarrmittel, Mittel aus der Elternschaft usw.), und frühzeitige Eingaben usw. zur Erreichung derselben.
Fertigstellung des ganz ausführlichen Arbeitsplanes und den damit verbundenen Einzelheiten und Schulung der Führerschaft.
Das Lager an sich wächst dann ganz organisch aus der vorbereitenden Arbeit heraus.
Verantwortlich für „Das Blatt der Jugend": Dr. oth publ. Joseph Sauer- Fulda. J
Werk unserer Hände. Es zeigt unsere Kraft, unser Starksein, zeigt aber auch unsere Schwachheiten, unsere Mängel.
Das Leben im Zeltlager ist gewiß ein freies und frohes Leben, ober ein freies Leben in Zucht und Selbstbeherrschung. Bei allen Arbeiten zeigt sich das, beim Kochen, beim Holzlesen, beim Wasserholen. Sie können recht unangenehm werden, besonders wenn es regnet. Aber gerade hier zeigt sich, ob alle der Geist dienender Liebe erfüllt ober ob nicht doch die Worte von Gemeinschaft bloß schöne Phrasen sind. Es hat keinen Sinn, im Zeltlager groß von Gemeinschaft zu reden. Wer sie hier nicht erlebt und mit feinem ganzen Sein dann lebt, wird nie erfassen und begreifen, was Gemeinschaft ist. Hier verstummt das Wort. Das Werk steht vor uns. Und das will getan fein.
Zu einem echten und rechten Zeltlager gehört das Erlebnis! Man kann ihrer allerlei erleben. Liegen wir da eines Nachmittags still und friedlich im Zelt. Den ganzen Vormittag hatte es geregnet und nur dadurch, daß wir um unsere Feuerstelle Zeltbahnen gehängt hatten, war uns ein Kochen möglich gewesen. Alles war naß und unfreundlich. Was soll man da viel unternehmen? Das Beste ist, man legt sich auf die faule Haut und schläft. Also taten wir. Draußen tickt der Regen an das Zelt. Wir schlummern sanft und denken an nichts Arges. Da schreit plötzlich einer von uns, der zufällig draußen weilt: „Kerls, raus! Schnell raus! Unsere Zeltbahnen brennen!" Wir stürmen hoch, stürzen hinaus. Noch halb schlaftrunken. Wahrhaftig. Die Zeltbahnen um unsere Feuerstelle brennen. Lichterloh. Eine riesige Flamme schlägt zum Himmel. Einer reißt den Zeltstock heraus. Taucht die brennenden Bahnen in den Fluß. Zu spät. Nur verbrannte, rußig schwarze Fetzen hat er noch in den Händen. Wie gebannt stehen wir vor den Trümmern unserer Habe. Im Bruchteil einer Sekunde ist das Werk geschehen. Zeltlagerfreud, Zeltlagerleid. Doch „uns geht die Sonne nicht unter."
Große Sensation! W ir bekommen Besuch. Ein dicker, beleibter Herr mit einem gut bürgerlichen Schmerbauch kommt mit zwei Kollegen vom Walde herab. „Grüß Gott, Kinnä. Dao haobt ihr jao ä richtig Zelt. Kinnä, is dös fabelhaft. Sogar ä Grabe haobt l ihr ausgehobe? Meine gaanz speziälle Hochachtung. Nä, dös is herrlich. Nur eins fehlt. Dös Bier. Dann l
wärs gaanz gemitlich. Haobt ihr aach ä Stampfer! un Fiederl dao? Großartig, Kinnä. Ich will euch waol äns zum Beste gebe". Und dann ginge los. Erst „klassische Musik", dann ein „Zigeunerwalzer" oder „Schnadahüpferl". Der gute Mann mit dem wohlge« rundeten Vollmondsgesicht lebte sichtlich bei uns auf. Er war in seinem „Element" und unaufhörlich floß der Strom seiner Rede. Noch tagelang haben wir gelacht über den Mann, dem zur Gemütlichkeit des Lagers nur eins fehlte, das „Lagerbier".
Ist der Vormittag ganz angefüllt mit technischen Arbeiten und Ausgaben — es sind ihrer mehr, als man denkt — so gehört der Nachmittag ganz dem Leib und der Seele. Den Körper entspannen, ihn lösen und frei' machen von all den Bindungen und Hemmungen de« Alltags, ihn wieder einmal ganz ein getaucht sein loH sen in Licht und Luft und Sonne, das wollen wir. viel Licht und Luft und Sonne brauchen wir. ßet, schäumt der Fluß auf, wenn wir uns in ihn stürzen- Wie die Wellen spielen. Wie sie locken. Wie sie leicht' beschwingt uns dahin tragen. Wie umflutet die Sonne unseren Leib! Wir sind glücklich, überglücklich und überreich. Und dann sitzen wir im Kreis um unsere Lagerflagge und fingen. Lieder unserer Ahnen, Lieder aus längst versunkenen Jahrhunderten. Dann wieder die frohen Kanones mit ihrem wogenden Auf und Ab. Oder wir sprechen von Dingen aus unserem Leben, au« unserer Gemeinschaft, sprechen von unserer Zeit und dem neuen Menschen, den sie fordert.
Nur allzuschnell verrinnt der Tag. Der Abend kommt. Die Nacht bricht an. Schwarz und düster ft«' hen die Wälder. Wie sie in den klaren Abendhimniel^ wachsen! Wir sitzen um das Lagerfeuer. Hellauf loht die feurige Glut. Gespenstisch zucken die Flammen in die : Nacht. Wir lesen das Spiel vom Tod und vom Acker- mann aus Böhmen. Unsere Stimmen hallen wider von den Bergen. Der Fluß rauscht und singt st® ewig Lied.
„Nun wollen wir fingen das Abendlied Und bitten, daß Gott uns behüt."
Wieder stehen wir um unser Lagerkreuz. Wir danken Gott für den verflossenen Tag und bitten U® seinen Schutz. Die Sterne ziehen ins Feld. Kühl wehks der Abendwind. Am Horizont ballen sich dunkle Wolken i jufammen. Morgen wird es regnen , », * _ , A