NILS
7. September
VeUage zur Fuldaer Zeitung
3 793 3107 stehen.
Wenn du noch nicht in jenen Räumen, Woher du kämest, dich ergingst?"
Und Lenau, der düster-schwermütige Dichter, weiht einem schlafenden Kinde folgende Verse:
„Ein schlafend Kind! O still! In diesen Zügen Könnt ihr das Paradies zurückbeschwören;
Es lächelt sütz, als lauscht es Engelchören, Den Mund umsäuselt himmlisches Vergnügen.
O schweige Welt, mit deinen lauten Lügen
Die Wahrheit dieses Traumes nicht zu stören!
Laß mich das Kind im Traume sprechen hören, Und mich vergessend in die Unschuld fügen!
Das Kind, nicht ahnend mein bewegtes Lauschen, Mit dunklen Lauten hat mein Herz gesegnet Mehr als im stillen Wald des Baumes Rauschen, Ein tiefres Heimweh hat mich überfallen. Als wenn es auf die stille Heide regnet, Wenn im Gebirg die stillen Glocken hallen."
Ein ungemein ansprechendes Bild zeichnet Johann Heinrich V o ß in einer seiner „Idyllen": In einer Familie ist eben ein Kind zur Welt gekommen. Das kleine. Wesen wird beguckt von groß und klein. Namentlich die Geschwister umdrängen die Wiege: sie wollen alle das Schwesterlein sehen. Als sie unruhig werden, mahnt man mit einem „Horch!" zur Stille, und da hört man denn den leisen Gesang zweier Engel, die das kleine Kind umschweben. Selbst vor Blitzschlag gewährt so ein Kleines Schutz vermöge des Schutzengels: „Bricht des Nachts ein Gewitter los, so mag alles im Hause aufstehen, nur wecke man das Jüngste nicht; solange dieses fortschläft, hat man das Einschlagen eines Blitzes nicht zu fürchten." An diese sinnige Volksmeinung, daß ein kleines Kind der beste Blitzschutz ist, erinnert der
aus derselben Quelle, der er den Bericht über die Verkündigung des Engels an Maria, den Besuch Marias bei Elisabeth und die Geburt des Jesuskindes u. a. entnahm. Diese Quelle war gewiß keine andere als die Mutter Gottes selber.
Warum aber dann das Schweigen? Gewiß nicht ohne wichtige Gründe und ohne die weiseste Absicht Gotes. Ich denke mir, daß Maria selbst und der den Evangelisten inspirierende Heilige Geist darüber nichts mitgeteilt wissen wollten! Alles aus dem Leben der allerseligsten Jungfrau sollte und mußte verblassen vor dem Sterne, von Bethlehem, der ihre Gottesmutterschaft bestrahlte. Daher aus ihrer Zeit vorher so gut wie nichts, und aus der Zeit nachher nur wenig. Man kann sagen, Maria behält trotz alles Großen, das der „Mächtige" an ihr getan hat, die Rolle fest, die sie einmal übernommen hat, als sie sprach: „Siehe, ich bin eine Magd des Herrn!"
Nicht viel mehr als die Hl. Schrift berichtet die Tradition über das Leben der allertfeligften Jungfrau. Nach der Ueberlieferung hießen die Eltern der Gottesmutter Joachim und Anna. Ihre Ehe war lange Zeit kinderlos. Da aber eine kinderlose Ehe bei den Juden als große Schande galt, so ging des Ehepaares Sinn und Sehnen dahin, der Herr möge ihre Ehe mit einem Kinde segnen. Sie machten dabei das Gelübde, das ihnen ge-, schenkte Kind ganz dem Dienste Gottes zu überlassen. Nach Jahren, als schon nach menschlicher Voraussicht an eine Nachkommenschaft nicht mehr zu denken war, brachte nach einer Legende ein Engel des Himmels der betrübten Anna die Freudebotschaft, daß sie eine Tochter empfangen und ihr den Namen „Maria" geben solle. Und also geschah es
Den Geburtsort, die Gsburtsstadt der Mutter Gottes aber kündet auch die Tradition nicht zweifelsfrei. Gewöhnlich wird Nazareth genannt. Diese Annahme liegt allerdings sehr nahe, weil die Nachkommen der davidischen Königsfamilie, zu der auch Joachim und Anna gehörten, in berechtigter Sorge sich in die Stille von Nazareth zurückgezogen hatten, als in Herodes ein dem Volke wesensfremder König aufkam. Andere Meinungen indeß gehen dahin, daß Maria in Jerusalem das Licht der Welt erblickt habe.
Der Mangel an zuverlässigen Angaben aus dem Leben der Mutter Gottes ist vielleicht Miturfache, daß die erstchristliche Zeit keine Feiertage zu Ehren der allerseligsten Jungfrau kannte. So entstand
Das Anslallswirken des SeuWen Carikasverbaudes.
Der Karitasverlag in Freiburg gibt soeben ein Beiheft zur Zeitschrift „Karitas" heraus, in dem Karitasdirektor I. van CkeN-Köln eingehend das katholische karitative Anstaltswesen in der Gegenwart behandelt. Seine Darlegungen verdienen in weitesten Kreisen bekannt zu werden. Sie zeigen in nüchternen Berichten und Zahlen, was die katholische Karitas in stiller, unermüdlicher Arbeit im Dienste an den hilfsbedürftigen Menschen leistet Das Anstaltswefen ist nur ein Teil der gesamten karitativen Tätigkeit. Aber die wohlsahrtspflege- rischen Anstalten sind Brennpunkte des christlichen Hauptgebotes. Sie sind in moderne Formen und Ausmaßen übertragenen Einrichtungen, die der Bischof der frühchristlichen Gemeinde und später das frühmittelalterliche Kloster für die Hilfsbedürftigen zur Verfügung hielt, um den Obdachlosen, Kranken, Greisen, Waisen, Findlingen und Notleidenden aller Art im Namen Christi Aufnahme und Pflege zu gewähren. Was die katholische Karitas in dieser Hinsicht heute leistet, zeigen folgende Zahlen:
Dem Karitasverban.de gehören an 2091 Anstalten der Gesundheitsfürsorge (Krankenhäuser, Heil- anitalten, Mütterheime, Kinderheime, Genesungsheime ufw.) mit 150 812 Betten und 42815 Kräften-, 1189 Anstalten der Erziehungsfürsorge (Erzieh- unasheime, Psychopatenheime, Anstalten für Berufstätige usw.) mit 81 072 Betten und 16115 Kräften; 513 Einrichtungen der wirtschaftlichen Fürsorge (Pfründner-Heime, Heime für Strafentlassene, Obdachlose, Wandernde, Heime der Bahnbofshilfe usw.) mit 7 564 Betten
Dichter Johann Peter Hebel im „Gewitter". Die Bewohner eines Bauernhofes sind während eines heftigen Unwetters in großen Aengften, nur das jüngste Knäblein, der kleine „Friederli" schlummert ruhig weiter. Wie nun die besorgte Mutter ihr Kind ansieht, das unbekümmert um Wetter und Sturm weiterschläft, da wird es ihr leichter ums Herz und sie spricht:
„O, geb is Gott e Chindersinn!
's sich grocker Trost und Sege drin, Sie schlafe wohl und traue Gott, Wenn's Spieß und Nägel regne mott, Und er macht auch sie Sprüchli wahr Mit sinen Englen in der G'sohr!"
Aber nicht nur Blitz und Ungewitter verschonen ein Haus um des Schutzengels der Kinder willen, selbst der böse Wolf und die falsche Schlange verleugnen ihre Natur: der Wolf wird sogar in einem Falle zur Kinds- rnagd, und die Schlange teilt ihr Mahl mit einem hungrigen Kinde.
Wohl allgemein ist der Glaube verbreitet, daß früh verstorbene Kinder Engel, und zwar die Schutzengel der Familie werden. Wem käme da nicht Eichendorffs „Auf meines Kindes Tod" in den Sinn;
„Mein liebes Kind, ade!
Ich könnt' ade nicht sagen. Als sie dich fortgetragen, Vor tiefem, tiefem Weh.
Jetzt auf lichtgrünem Plan Stehst du im Myrthenkranze Und lächelst aus dem Glanz« Mich still voll Unschuld an.
Und Jahre nahn und gehn —
Wie bald bin ich verstoben — —
und 3107 Kräften. Also im Ganzen Anstalten mit 239 448 Betten und Kräften, die im Dienste der Nächstenliebe Außer diesen geschlossenen Anstalten gehören dem Deutschen Karitasverbande 28 516 Einrichtungen der halboffenen und offenen Gesundheitsfürsorge, Erziehungsfürsorge und wirtschaftlichen Fürsorge an Diese Zahlen geben eine Vorstellung von dem Umfange und der Vielseitigkeit des kirchlichen Anstaltswirkens. Sie reden lauter, als Worte es vermögen, von der gewaltigen Lebenskraft, die auch in unserer. Zeit noch die Idee der christlichen, helfenden Bruderliebe im katholischen Volk besitzt
Neben den religiös-ethischen Werten der kari- taftven Anstaltstätigkeit ist aber auch deren volkswirtschaftliche Beden.tung sehr beachtenswert. Die Ausprägung des sittlichen Dienstgedankens im karitativen Wircken ist in ihrer Auswirkung auf das gesamte Wirtschaftsleben viel zu wenig bekannt. Vor allem tritt die durch das karitative Anstaltswesen bedinate Ersparnis greifbar vor Augen.
Der Verfasser der Schrift hat in dieser Hinsicht sorgfältige und höchst lehrreiche Berechnungen an- gestellt. Er weist einwandfrei nach, daß die frei? Wohlfahrtspflege heute, in einer Zeit, da die abnormale Wirtschaftslage mit aller Wucht auf größere Sparsamkeit in der Fürsorge drängt, auf unmittelbare Ersparnisse größten Ausmaßes Hinweisen kann. Unter Zugrundelegung des für das Jahr 1929 vorliegenden Zahlenmaterials kommt er zu dem Ergebnis, daß eine reichsdurchschnittliche Mindestersp-arnis von 2,10 Mk. je Pflegetag
Des Kindes Schutzengel in der Dichtung.
ist ein allgemein verbreiteter Glaube und zu- , gleich Lehre der katholischen Kirche, daß jeder Mensch leinen besonderen Schutzgeist habe, der ihm beistehe in ®uen Gefahren des Leibes und der Seele.
Von unübertrefflicher Herzlichkeit und zarter Jnnig- V? sind jene volkstümlichen Anschauungen, die sich auf ®le Schutzengel der Kleinen beziehem Kein Wunder, ?®6 die Dichter aus ihnen reiche Anregung für ihr fünft- erif<t)e5 Schaffen erhielten.
„Wenn kleine Kinder lange auf ein und dieselbe ; stelle Hinschauen, ohne daß da etwas ist, so sehen sie ' *-)ren Schutzengel" und „Lächeln die Kinder im Schlaf, !? lagt ihnen der Schutzengel ein Freudlein ins Ohr" ',nb Meinungen, die in ganz Deutschland verbreitet und °°n den Dichtern vielfach auch verwertet sind. So Der« fi'Bt der große Dramatiker Friedrich Hebbel, der im ,. "den wahrhaftig vom Schicksal wenig begünstigt war, nn der Wiege eines ruhig schlummernden Kindes, das ‘m Traume selig vor sich hinlächelt, der Erde Last und , *-eib und findet die tief empfundene Worte:
»Wenn ich, o Kindlein, vor dir stehe,
I, $ßenn ich im Traum dich lächeln sehe, Wenn du erglühst so wunderbar, k' Da ahne ich mit süßem Grauen:
Dürst ich in deine Träume schauen, wär' mir alles, alles klar.
Dir ist die Erde noch verschlossen, Du hast noch keine Lust genossen, ^nch ist kein Glück, was du empfingst: Wie könntest du so süß denn träumen,
denn auch das Fest „Mariä Geburt" wahrscheinlich erst im 5. Jahrhundert (Konzil v. Ephesus 431), und zwar im Morgenlande. Daß das Fest in der morgenländiischen Kirche früher eingeführt wurde als in der abendländischen, findet seine Erklärung darin, daß dort infolge der Irrlehre des Nestorius, der die Gottesmutterschaft Mariä bestritt, ein Ma- rienkult besonders angebracht war. Unter den Kirchen des Abendlandes ist es jedenfalls die römische, die das Fest „Mariä Geburt" zuerst gefeiert hat. Papst Eelasius I. (492—496) bestimmte als Tag des Festes den 8. September. Papst Gregor der Große (590—604) verfaßte eine eigene Präsation für die Festmesse. Papst Innozenz IV. (1243—1254) fügte anläßlich seiner Wahl dem Feste eine Oktav an, und das kam so: Als Papst Cölestin IV. gestorben war, konnten die Kardinäle wegen vielfacher Behinderung durch den Kaiser Friedrich II. 21 Monate lang nicht zusammentreten, um zur Neuwahl zu schreiten. Sie legten daher zu Ehren der Mutter Gottes das Gelübde ab, dem Feste Mariä Geburt eine Oktav verleihen zu wollen, wenn durch ihre Vermittlung am Throne Gottes die Hindernisse beseitigt würden, die einer Papstwahl entgegenstünden. Die Bitte wurde erhört: Papst Innozenz IV. wurde einstimmig gewählt (1243) und erfüllte gleich im ersten Jahre seines Pontifikates das Gelübde.
Warum das Fest gerade auf den 8. September gelegt wurde, entzieht sich unserer Kenntnis, ist aber auch weiter nicht von Bedeutung. Das katholische Volk feiert es an dem auf den 8. September folgenden Sonntage, falls nicht der 8. September selbst gerade ein Sonntag ist.
„Mariä Geburt" ist ein Freudenfest. Der Freudencharakter erhellt nirgends klarer als aus dem Jubelruf der Kirche in der Antiphon zum „Magnificat": „Deine Geburt, o Jungfrau und Gottesgebärerin, hat der ganzen Welt Freude verkündet; denn aus dir ist hervorgegangen die Sonne der Gerechtigkeit, Jesus Christus, unser Gott, der uns den Fluch gelöst und den Segen gebracht den Tod vernichtet und das ewige Leben geschenkt hat
Freuen wir uns heute und in dem Geiste der Kirche! Grüßen wir einmal aus Herzensgrund diejenige, ohne deren Geburt uns kein Heiland geboren,' sondern nach dem Heilsplane Gottes die Menschheit noch immer unerlöst wäre. Ave Maria!
O bitt für mich da droben, Daß wir uns Wiedersehn!"
Und Jeremias Gott Helf, der große schweizerische Volksschriftsteller, läßt in seiner Person die Worte sagen: „Kinder, die viel vom Schutzengel sprechen, werden bald selbst solche."
Vielerorts lebt auch noch die Meinung, daß bet Schutzengel kleinen Kindern, die nicht mehr lange leben, erscheint und mit ihnen spielt, mitten im Spiele aber einhält und seine Gespielen und Gespielinnen einen Blick tun läßt in die Freuden des Himmels. In der Gegend von Unna, so berichtet die Sage, verirrte sich einmal ein Kind mitten im Winter, als es sich mit feinem Engel unterhielt. Erst spät in der Nacht fanbes sich heim unb würbe von ber Mutter gescholten, baß es so lange ausgeblieben war. Das Kind war tief traurig. Da erscheint ihm der Engel und überreicht ihm einen blühen- den Rosenzweig als Ausweis für die Mutter, daß es so lange beim Engel gewesen, läßt aber zugleich mitteilen, daß er das Kind für immer abholen werde, wenn auf Erden die Rosen zu blühen begännen. Die Brüder Grimm haben diese Sage in ihre Hausmärchen aufgenommen, und Julius Mosen hat sie in der „Rosen- knospe" poetisch verwertet.
Zum Schlüsse fei erinnert an die zahllosen Bilden und Lieder, die das Wirken des Schutzengels versinnbildlichen und verherrlichen. Ich nenne nur einen Namen, Ludwig Richter, ich erinnere nur an ein Gedicht: „Es geht durch alle Lande ..."
Möge der liebe heilige Schutzengel allezeit der Freund unserer Kleinen bleiben, damit sich an ihnen immer wieder die Worte des königlichen Sängers erfüllen: „Gott hat feinen Engel deinetwegen befohlen, daß sie dich behüten auf allen deinen Wege nl" (Pf. 90, 11). Vikar F.
Sonntag nach Pfingsten.
mgangsto. (W ”, 20, 19 u»d 23.)
_. h nn o Herr, deinen Bund und vergiß nicht e ® seiner Annen. Stehe aus, Herr, bringe I ff*5 «nckie vors Gericht, vergiß nicht derer, die : de.'" Ä dich suchen. (Ps. ebb. 1.) O weh, l Lhfct du auf immer uns von dir? Lodert I dein Zorn über den Schafen deiner Weide?
Ehre sei usw.
Evangelium. (Ouk. 17, 11 19.)
iener Zeit, als Jesus nach Jerusalem reiste, •t mitten durch Samaria und Galiläa. Als in einen Mecken kam, begegneten ihm zehn o, ''shiae Sie blieben von Feme stehen unb -k-n mit lauter Stimme: Jesus, Meister, erbarme imS' Da er sie sah, sprach er: Geht hin, ■ euch'den Priestern. Während sie hingingen. Sen sie rein. Als einer von ihnen sah, daß er I (ei kehrte er um und lobte Gott mit lauter Klimme- er fiel Jesu zu Füßen aufs Angesicht und tanfte ihm. Dieser war ein Samariter. Jesus I frflöte- Sind nicht zehn rein geworden; wo sind I EjL die' neun? Findet sich keiner, der zurückkäme ^ und Gott die Ehre gäbe, als dieser Fremde? Dann ■ hra* er zu ihm: Steh auf und geh, dem Glaube hat dir geholfen.
Mariä Geburt.
Von Sacerdos.
Wenn die katholische Kirche alljährlich das Ge- I burtsfest der allerseligsten Jungfrau unb Gottes- mutter feiert, so bedeutet das eine ganz besondere ©hre und Auszeichnung für Maria, wie sie unter I allen Heiligen außer 'hr nur noch dem hl. Johannes, dem Täufer, zuteil wird. Denn bei den anderen Heiligen wird immer nur ihr Sterbetag., als der Tag ihrer „Geburt für den Himmel", gefeiert, weil das bloß „für die Eide" ober, noch den Worten ber Hl. Schrift, das „in Sünden" Ge- borensein, wie es am Tage ber Geburt eines Menschen geschieht, schwerlich ein großes Glück ist, weder für den Geborenen selbst, noch auch für die menschliche Gesellschaft. Erft das „Wiedergeborenwerden aus dem Wasser und dem Heiligen Geiste" verleiht dem Menschen seine Würde unb erschließt ihm den Weg zum wahren Glück.
. Maria nun und ber hl. Täufer waren von bem allgemeinen Gesetze ber „Sünde" ausgenommen, erstere, weil sie von bem ersten Augenblicke des irdischen Daseins an von jeder Makel der Erbsünde freß war, letzterer, weil er zwar nicht von Anfang an, aber doch schon vor seiner Geburt, „im Mutterleibs", geheiligt wurde.
Somit konnte also die Kirche auch schon den Eintritt Marias in diese Welt festlich begehen, wenn gleich ihr das Datum dieses Tages unbekannt ist. Das mag auf den ersten Blick befremden; es ist wenigstens begreiflich, daß wir Menschen gerne wissen möchten, welches denn der glückliche Tag, welches die glückliche Stunde gewesen, da uns in der Geburt Mariä das Morgenrot der Erlösung entgegenleuchtete, wie wir ja überhaupt gern mehr, gern viel mehr von der Mutter Gottes, die ja auch unsere himmlische Mutter ist, von ihrer Kind- , heit, ihrer Jugend, von ihrem Leben und ihrem Sterben erfahren möchten, als uns von alledem bekannt ist. Die Hl. Schrift aber läßt, uns darüber fast ganz im Dunkeln: die Erangelien berichten äußerst wenig von Maria. Nicht einmal das Evangelium der Festmesse, wo wir doch am ehesten Altskunst über all die Fragen erwarten könnten, nennt uns den Geburtsort, ober die Eltern der Gottesmutter, sondern gibt uns statt besten eine scheinbar nur dürre Reihe von Namen, die aber den Kenner der Hl. Schrift Blut unb Leben bekommen, weil sie ihm eine verkürzte Geschichte des jüdischen Volkes darstellen und darin mit Rie- sen'chritten entgegeneilen und entgegenführen Jo- stph, dem Manne Mariens, be qua natus est Je- >us, aus der Jesus geboren ist.
Doch da drängt sich uns unwillkürlich eine ufcge auf: Konnte denn ber Evangelist nichts ®flen ober in Erfahrung bringen aus ber uns am heutigen Tage viel mehr interestierenben Geschichte der Mutter Gattes? Das ist kaum anzunehmen. f hätte gewiß auch noch tiefer schöpfen können
ber Betreuten für Anstalten der Gesundheitsfürsorge und ein Ersparnissatz von 1,30 für Anstalten der Erziehungs-, Erholungs- und wirtschaftlichen Fürsorge angenommen werden kann. Daraus ergibt sich unter Berücksichtigung der übrigen maßgebenden Faktoren für das katholisch-religiös bediente Anstaltswesen gegenüber dem behördlichen eine jährliche Mindestersparnis von 150 Millionen Mark. Leider kann heute der Ersparniswert der offenen und halbofsenen freien Fürsorge noch nicht berechnet werden. „Sicherlich aber", schreibt van Acken, „übersteigt bei jährliche Gesamtbetrag ber volkswirtschaftlichen Er- sparnis burch bte freie Wohlfahrtspflege weit dis Summe ber im Winter und tm Frühjahr 1929=30 in so zahlreichen stürmischen Reichstagssitzungen umkämpften unb unter Drohung ber Reichstagsauflösung unb ber Anwendung des Ausnahmeparagraphen durchgesetzen neuen Steuern."
Angesichts dieser Tatsachen ist es verständlich, baß sogar ein linksgerichteter Mann wie Albert Thomas, ber Direktor des Internationalen Arbeitsamtes kürzlich erklären mußte, b i e internatio- nalenWohlfahrtsbestrebungenseien auf bie Mitwirkung ber katholischen Organisationen angewiesen. Und es gehört schon bte ganze eng stimmige sozia. l i st i s ch e Jb eologie mit ihrem Kollektivego- ismus bazu, bis freie Wohlfahrtspflege nun noch burch politische Gewalt oder Jnteressemacht zu bekämpfen. Man kann bem Verfasser ber aufschlußreichen Schrift nur beipflichten, wenn er am Schluß seiner Ausführungen betont: „Wir werden Sorge tragen müssen, daß unser Volk, das bis weit in bie Kreise unterer Programmgegner hinein bte karitative Wohlfahrtspflege ehrt unb liebt, an der Hand genauer Berechnungen für das Reich auch ein klares volkswirtschaftliches Bild dieser Fürsorge erhalt.
H. F
Aeüsiss-Wiffeufcha^We Mlröze
in Tsiarburz.
Arn ersten Sonntag im Se-! über wurde durch den Vortrag von P. Köther, S. I., über das Thema: „Ist politische Betätigung religiöse Pflicht?" rine mehrere Monate umfaßende Vortragsreihe eröffnet, die allmonatlich einen reltgtos=miffen- fchaftlichen Vortrag der bekannten Düsseldorfer Jesuiten- patres bringen wird. Seit über 25 Jahren besteht nun schon diese Einrichtung der „Düsseldorfer Vortrage , bte vor allem in den katholischen Diasporagegenden Deutschlands große Beachtung und eine außerordentlich segensreiche Wirkung hinterlassen haben. Da bte Vorträge grundsätzlich nur in der Kirche gehalten werden, ist bie tiefere religiös-sittliche Bedeutung derselben gewährleistet. Gerade in der heutigen Zeit einer restlosen Verwirrung unb gefahrdrohenden Auslosung aller moralischen und sittlichen Normen des öffentlichen und privaten Lebens, wird es die in diese furchtbare Krisis hineingestellte katholische Bevölkerung doppelt dankbar begrüßen, wenn ihr in gemeinverständlich-wissenschaftlicher Weife eine zeitgemäße Begründung unb Ausbeutung katholischer Lebenswahrheiten unb Kulturwerte geboten wirb. Dies scheint heute um so bringlicher not- roenbig, weil bie materialistische Zerstörungstenbenz bes mobernen Kulturboschewismus auch bereits im Lebensraum katholischen Familien- unb Gemeinbelebens ihre unheilvollen Einflüsse geltenb zu machen versucht. Hier kann neben ber Waffe bes Gebets unb persönlich ver- Hefter Religiösität gerabe bie Besinnung auf bte katho- Eschen Lebens- unb Kulturwerte unb bas ihnen innewohnende Ethos wahrhaftiger christlicher Weltanfchau- ung als sicherster Weg zur inneren Gesundung unb Stärkung nicht ernsthaft genug empfohlen werben. Im Lebensraum ber katholischen Diaspora scheint uns btefe Forberung am bringlichsten gegeben. Unb so muß es denn auch unser erstes Streben sein, in den kommenden Monaten durch regelmäßigen Besuch dieser Vortrage den uns bargebotenen Weg ernsthafter Hilfestellung für ben persönliche nunb alltäglichen Kampf um bie Wahrung unserer katholischen Weltanschauung tatkräftig und erfolgreich zu beschreiten. Marburgs Katholiken, in benen seit langem im besten Sinne ber Geist kirchlicher Gemeinschaft unb Verantwortung lebenbig ist, werben auch biefen Vorträgen ihr besonderes Interesse zuwenden. Alex Emmerich, Marburg.
Gedankensplitter.
Von sich auf andere zu schließen, ist ber größte Fehler, den man begehen kann. Ist man schlechter als bie anberen, zieht man bessere Menschen herab. Ist man besser als sie, bann erwartet man zu viel von ihnen.