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57. Mn

Samstag, 6. September 1930

Mskanzler K Brüning über die Lage

sa

Bringt Radikalismus Rettung?

Wer radikal wShlk, schädigt sich selbst and das ganze Volk.

Feierliches Glockengeläuts von allen Türmen der reichgeschmückten Stadt leitete den zweiten Tag der' 69. Generalversammlung der deutschen Katholiken ein. Nach einer Generalversammlung der katholischen Priester Deutschlands sprach w den etwa 4000 münsterischen Kindern im Dom der chine­sische Missionarbischof Buddebrok über die schwere Arbeit in den ausländischen Missionen, für die er die Kinder beaeistern wollte. Auch Bischof Dr. Pog» genberg-Münster fand herzliche Begrüßungsworte, worauf ein Umzug des Allerheiligsten die würdige Feierstunde beschloß.

In der Universität tagten die Künstler und Kunstfreunde. D. Pater Anselm Winzenho-

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Der LathoNken-Tag.

Die alte Bischofsstadt Münster steht in diesen Tagen im Zeichen des Deutschen Katholikentages, der auf seiner Wanderung durch Deutschland zum vierten Male in Münster tagt. Die denkwürdige Versammlung im Jahre 1914 blieb in den Vorbe­reitungen stecken, da der Krieg kurz vor dem angc- setzten Beginn der Versammlung ausbrach. Zum diesjährigen 69. Katholikentag ist die Stadt festlich gerüstet. Der Schmuck in den Straßen wird noch vervollständigt und namentlich zum Sonntag durch­geführt, an dem die Tagung mit dem Gottesdienst auf dem Hindenburgplatz und mit der Schlußver­sammlung im Freien an der gleichen Stelle ihren Höhepunkt findet. Den Gottesdienst wird der Apo­stolische Nuntius halten, der am Freitag in Mün­ster eintristt. In der Schlußversammlung sprich! der Kardinal Faulhaber.

Den Auftakt der Tagung bildete am Mittwoch morgen eine P o n t i f i k ä l m e s s e im hohen Dom, in dem um 12 Uhr die altberühmte Domuhr, die im letzten Jahre wieder in Gang gesetzt ist, zum ersten Male wieder in Tätigkeit trat. Es han­delt sich um ein altes Kunstwerk, das um 12 Uhr die Heiligen Drei Könige erscheinen läßt, die vor der Gottesmutter eine Verneigung machen, wäh­rend zu gleicher Zeit das Glockenspiel durch meh­rere Figuren die Stunden anzeigt.

füllen." Seine kirchenfeindliche Gesinnung spricht besonders aus dem Satze:Der unselige Kampf Roms begann mit der Mission seit Bonifatius. Er läuft wie ein roter Faden durch das ganze Mittelalter und erreichte seinen Höhepunkt in der Reformation und während des Kulturkampfes Ein Friede mit der Kirche ist ebenso unmöglich, wie ein Friede mit Frankreich."

Herrn Born ist ein Parteigänger Hitlers und Ludendorffs.

In dem württembergifchen Städtchen Nagold hielt der nationalsozialistische Mittelschul- Professor Mergenthaler, der n o ch im Amte ist, eine Rede und erklärte:

Die Nationalsozialisten sind erzbereit. Auch die Reichswehr macht mit, denn die Aera Gröner ist in Bälde endgültig vorbei. Dann steht die Reichswehr der Diktatur der NSDAP, zur Ver­fügung. Dann gibt es in Deutschland nur noch zweierlei: wir kommandieren und die anderen gehorchen. Wer nicht gehorcht, kommt an die Wand, vorweg die Pazifisten. Wer nur von weitem nach Landesverrat riecht, wird erschossen. Denn wir sind Realpolitiker und ha­ben keinen Raum für Sentimentalitäten. Wir werden diesen verluderten Staat zerschlagen und das Dritte Reich aufrichten . . ."

Wir sind der Auffassung, daß dieser Pädagoge so anrüchig ist. daß es Hörste Zeit wird, die ihm anvertrauten Knaben zu schützen und ihn aus sei­nem Amte zu entfernen.

Hindenburg und Hugenberg.

Herr Hugenberg läßt von seinen Angestellten »m Lande ausstreuen, er habe kurz vor der Reichstags­auflösung den Versuch gemacht, sich mit dem Reichspräsidenten direkt zu verständigen. Die­ser, wie er behaupten läßt, ernst gemeinte Versuch sei durch Quertreibereien des Präsidentenbüros ver­eitelt worden. Von maßgebender Stelle teilt man uns mit:

Antworten.

hen mußten, daß zu viele Versprechun­gen nur Lockmittel für den Wahltag wa­ren, diesesmal ihre Wahlpflicht erfüllen. Wir ha­ben nichts Unmögliches versprochen. Wir fordern eben deutschen Staatsbürger auf, über unsere Taten zu urteilen. Wir haben Wege >n bie nahe Zukunft gewiesen und keine Schönfärberei für die Gegenwart getrieben. Was wir wollen, haben wir nicht in überreicher Sprache in Aussiclst ge­teilt, sondern im nüchternen Gesetzestext der Oeffentlichkeit unterbreitet oder in Entwürfen und Richtlinien kundgetan. Jeder hat es schwarz auf weiß, was wir getan haben und was wir noch tun wollen. Jeder wird sich entscheiden, ob er uns folgen will oder nicht. Der Wähler hat dieses Mal über bereits vollzogene Tatsachen zu entscheiden und nicht über Wech­sel auf die Zukunft. Deswegen ist jeder, der nicht wählt, nicht nur verantwortungslos, son­dern gewissenlos.

Frage: Glauben Sie, Herr Reichskanzler, mit dem kommenden Reichstag Ihr Programm verwirklichen zu können?

Antwort: Die Entscheidung darüber liegt nicht bei mir und dem Reichskabinett. Sie liegt in der Hand des Wählers am 14. September. Er wird darüber zu entscheiden haben, ob dieses in großen Umrissen gezeichnete Reformprogramm der Reichsregierung Wirklichkeit werden soll oder nicht. Ich vertraue darauf, daß eine große Stunde kein kleines Geschlecht finden toirb. Ich vertraue aus *ben gesunden staatsbürgerlichen Sinn des deutschen Volkes. Die Entscheidung geht um Auf­lösung und Niedergang oder Gesundung und Wie­deraufstieg. Wer dieser Entscheidung durch Fern­bleiben von der Wahlurne ausweicht, der ist der Ehre, ein deutscher Staatsbürger zu sein, nicht wert. Höher als das Wahlrecht steht die Vev'- pflichtung, von diesem Rechte Gebrauch zu machen.

Auslandsgel- für Arbeitsbeschaffung.

Wie wir erfahren, hat das Reichsarbeitsmini­sterium soeben eine wichtige Enquete beendet. Die Enquete bezieht sich auf die produktive Erwerbs­losenfürsorge. Vor etwa vier Wochen richtete das Arbeitsministerium an die Länder und Gemeinden das Ersuchen, mitzuteilen, in welchem th'ifange bei ihnen die Möglichkeit eines Ausbaus der produk­tiven Erwerbslosenfürsorge gegeben sei. Nachdem jetzt beinahe-alle Antworten eingetroffen sind, kann man das Ergebnis der Enquete überblicken. Die Länder und auch die Gemeinden teilten einmütig mit, daß die Möglichkeiten zusätzliche Arbeiten im Sinne der produktiven Erwerbslosenfürsorge wohl sehr große seien, daß ihnen aber die Mittel fehl­ten, um zusammen mit dem Reich eine verstärkte Erwerbslosenfürsorge außerhalb der Etatgrenzen zu finanzieren.

Die im Etat bereitgestellten Mittel für die pro­duktive Erwerbslosenfürsorge sind aber seit Jahren immer mehr eingeschrumpft und jetzt bei 40 Millio­nen Mark angelangt. Das Ergebnis der Enquete hat das Reichsarbeitsmististerium davon über­zeugt, daß Länder und Gemeinden die Probleme der Arbeitsbeschaffung aus eigener Kraft nicht ein­mal angreifen, geschweige denn lösen können. Aus diesem Grunde hat es sich zu einer Maßnahme ent­schlossen, die non der bisherigen Praxis Wesentlich abweicht. Es hat im Rahmen der Arbeitsbeschaf- fungs AG. einen Kreditausschuß geschaffen, der von nun an als die Zentralstelle für die Anleiheunter­nehmen zur Förderung der produktiven Erwerbs- loftnfürsorge angesehen werden muß. Während bis­her das Arbeitsbeschaffungsprogramm und die pro­duktive Erwerbslosenfürsorge nebeneinander her­liefen, sind die beiden Aufgaben in dem gebil­deten Kreditausschuß jetzt zentralisiert worden. Durch diesen Kreditausschuß werden von jetzt ab alle in- und ausländischen Anleihevorhaben zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung behandelt werden.

Der Kreditausschuß wird nunmehr in kürzester Zeit eine Anleihe in Höhe von 100 Millionen Mark endgültig zum Abschluß bringen. Auf b;efe An­leihe smd schon in erheblichem Maße Vorschüsse genommen worden. Darüber hinaus verhandelt der Kreditausschuß mit günstigen Aussichten über einen weiteren Auslandskredit in Höhe von 50 bis 100 Millionen Mark.

Von Seiten des Reichsarbeitsmimsteriums wird betont, daß die Reichstagsauflösung eine Wirt­schaftsunsicherheit hervorgebracht habe und als Folge davon mindestens 300 000 neue Arbeitslose geschaffen habe. 300 000 Arbeitslose wollte man aber gerade 'durch die Verwirklichung des Ar- deitsbeschaffungsprogramms der Reichsregierung in Höhe von 1 Milliarde Mark beseitigen. Zunächst ist also festzustellen, daß das Reichsarheitsministe- rium feine Bemühungen jetzt nur darauf abstel­len kann, die durch die Reichstagsauflösung hervor­gerufene zusätzliche Erwerbslosigkeit zu beseitigen, doch wird angenommen, daß Wahlen, die eine po­litische Beruhigung schaffen, weitere Entlastungen auf dem Arbeitsmarkt herbeiführen werden.

Ein Rom- und AathoNkenhasser übelster Art ist der Ingenieur Born, berüchtigt durch seine Hetzrede auf der Nürnberger Tagung des Evangelischen Bundes 1924.Wir haben den Feind tatsächlich im Lande. Darüber täusche uns dieser Spekulationspatriotismus nicht, wie ihn die Herren H,e t m, Held und K a r d l n a l F a u l - Haber (!) vertreten . . . Wir haben ja diesen Kirchenfürsten auf seiner Amerikareise in öligen und schmierigen Roden (!) eine undeutsche Haltung einnehmen sehen."Lassen Sie sich nicht täu- , schen, wenn bei Regimentsfejern katholische Priester noch so zündende Reden halten. Bedenken Sie, daß cs keine größeren Schauspieler gibt, als diese Je-

Von einem unserer langjährigen Mitarbeiter, der gegenwärtig Gelegenheit hat, die Entwicklung des Wahlkampfes im Lande aus eigener An­schauung zu beobachten, geht uns folgender beher­zigenswerter Appell an die Vernunft zu, dem wir dringlichste Beachtung wünschen möchten:

Wer in diesen Wochen und Tagen durch deut­sches Land kommt, empfindet doppelt schwer den Gegensatz zwischen der Schönheit und A b g e k l ärt- h e i t unserer deutschen Heimat und dem Frie­den und der R u h e der Natur, die sich zur Reife rüstet.....

und ein tiefes Weh erfaßt den echten Dater- landsfreund, wenn er durch Städte und Dörfer kommt und hier den Radikalismus, hüben und drü­ben, am Werk sieht, der Zerstörun g und Ver­nichtungpredigt....

Kein Tag vergeht, ohne daß nicht in den Groß­städten das Blut eigener Volksgenossen vergossen wird. Mit Erschütterung nimmt man zumal in den Großstädten ein Maß von Verblendung, von Zerstörungssucht und Bernichtungswillen, eigenem Blute und eigenem Gute gegenüber wahr, das ei­nem erschrecken macht.

Und man fragt sich: Kann der Radikalismus wirklich Rettung bringen? Ist er die Rettung?

Nein, und abermals nein. Wer radikal wählt schädigt sich selbst, sein eigenes Vaterland, sein eigenes Volk.

Und warum?

Hört nur das eine: Seit dem Tage der Reichs­tagsauflösung hat die deutsche Wirtschaft fast über­haupt keinGeldmehrausdemAusland bekommen. Sie mußte daher bis in die jüngsten Tage hinein weitere Betriebseinschränkun­gen vornehmen und abermals Tausende von Ar­beitern entlassen. In diesem mangelnden Zufluß an Auslandsgeld liegt die Hauptursache der gegen­wärtigen Arbeitslosigkeit. Das Ausland ist eben mißtrauisch geworden und es will den Aus­gang der Wahlen abwarten. Aber einem Deutsch­land und einer deutschen Wirtschaft, die unter dem Druck eines niederreißcnden Radikalismus stehen, einem Radikalismus, der die Entwicklung der Wirt­schaft gefährdet, wird das Ausland keinen Pfennig Geld geben.

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Der Katholikentagung voraus geht eine 23er- tretertagung, die sich mit den Fragen oer chnst- lichen Erziehung auf Grund des Rundschreibens Papst Pius XL vom 31. Dezember 1929 über die christliche Erziehung der Jugend befaßte. Die Vertretertagung teilt sich in neun Gruppen. Be­vor jedoch die einzelnen Gruppen ihre Beratungen begannen, fand eine gemeinsame Versammlung statt, in der wie schon gemeldet, die Herren Pater Schröteler. Düsseldorf, und Pater Desiderius Brei­tenstein, Freiburg, sprachen.

Den Schluß des Abends bildete eine stark be­suchte Frauenversammlung, in der die Abgeordnete Frau Helene Weber das Referat hielt.

Fragen und

ig. Meld.) Der Brüning empfing heute den eur des Mb. zu einer Aussprache über Znttlcke Lage. Hierbei beantwortete er ver- mit dem Wahlkampf zusammenhängende

. Wie beurteilen Sie, Herr Reichs- die Aussichten der bevorstehen- Reichstagswahl?

Wer an das deutsche Volk glaubt, Mtrauen zur deutschen Wirtschaft hat, wer Arbeitswillen des Deutschen kennt und hoch- i-7» gelernt hat, der wird auch m i t e i n i g e r L" ficht dem 14. September ent- dürfen. Ein Volk, das 12 Jahre rite Not ertragen hat und nicht verzweifelt 'wird an dem Tage, an dem es berufen ist, Zukunft zu sichern, nicht versagen. Hierbei . _ -ch allerdings eines hervorheben: Allemus-

K&ftre Pflicht 'tun. Es geht nicht an, daß, wie K üüheren Wahlen, Millionen Deut- ' er beiseite stehen und der Wahlurne E bleiben. Wie Ihnen gewiß nicht unbekannt ist die sogenannte Partei der Nichtwähler «zrk'te Partei des deutschen Volkes. Beim Male hatten über 10 Millionen deut- und Männer ihre Wahlpflicht ver^ M-was einen Ausfall von rund 177 Reichs­labgeordneten bedeutet. Das sind, wie Sie MWwiß zugeben, geradezu ungeheuerliche Zah­len Die schwere Not der Gesamtheit ist die Not jedes einzelnen. Kritik zu üben und dann, wenn Miaraus 'ankommt, nicht positiv mitzuarbeiten, Ä «toiffenloS. In einem demokratischen Staat fr e Has Wahlrecht in erster Linie Wahlpflicht, diese Pflicht nicht erfüllt, verfälscht das Bild I -es Volkswillens. Diejenigen, die am abfällig- | «tn über das Versagen des letzten Reichstages | «urteilt haben, mögen sich die Frage vorlegen, t ab nicht gerade sie es waren, die aus Bequem- MlAMt oder Jnteressenlosigkeit an diesem Ver­sagen mit schuld gewesen sind. Gerade diejenigen Parteien, die die schwere Last der Verantwortung getragen haben, litten besonders unter der Wahl­enthaltung.

Frage: In welchem Lager wird nach Ihrer Suffaffuna. R'Herr Reichskanzler, diesmal d i e - größte Zahl der Nichtwähler zu finden i' Antwort: Das ist schwer zu sagen. Ich habe | «brr die Hoffnung, daß die Erkenntnis der unge- hemm Wichtigkeit gerade dieses Wahlganges den t hinter der Regierung stehenden Parteien einen fr Wrächtlichen Zuzug aus dem Heer der I Aichtwähler beschaffen wird. Die gegenwärtige ß Regierung hat, ohne daß ich mit dieser Feststellung t W scharfe Kritik an ihren Vorgängern übte, positive Arbeit geleistet. Sie hat alle die Probleme angepackt, die in früheren Zeiten keine Lösung fanden, weil man sich nur ungern an unpopuläre Maßnah­men heranwagte. Wir haben es getan. Ein Kran- ? str muß wissen, was ihm fehlt, damit er dir Mittel anwenden kann, die zu seiner Gesundung f führen. Das deutsche Volk hat ein Recht, die Mehrheit zu wissen und ist auch reif genug, zu I fuhren, wo Mißstände sind und wie sie beseitigt werden können.

Frage: Werden aber nicht gerade diese Regie- ^ngsmaßnahmen Herr Reichskanzler, die Arbeit -er hinter ihr stehenden Parteien erschweren?

-- Antwort: Das Gegenteil müßte der Fall I fkin, wenn man noch cm einen politischen Wdnstinkt des deutschen Volkes glauben °°rf. Die Maßnahmen der Reichsregierung er» | «iweren nicht die Arbeit der hinter der Regierung : üchenden Parteien, sondern erleichtern diese Ar- Mt. Wir hatten eine Zerrüttung der Finanzen WWefunden, deren Ursachen weit zurückliegen. Die M Regierung hat den Haushaltsplan in U Ordnung gebracht, soweit dies in den ge- I HMwärtigen Zeiten einer kaum dagewesenen r l>eldwirtschaftskrife überhaupt möglich war. Die >!"ulvolle Sorge früherer Monate, ob die * ^p'iichtungen des Staates am Ende eines Mo- überhaupt noch erfüllt werden können, b e - |*ett nicht mehr. Die Regierung hat Ord- 'n die Staatsfinanzen gebracht, die es dem I 2"fw2nden Reichstage ermöglicht, die bekannten I Mormvorichläge der Regierung in Ruhe durchzu- i k ^n" ®5 'st gelungen, über 1 Milliarde Mark IWixf) das Arbeitsbeschaffungsprogramm zusätzlich | deutschen Wirtschaft zuzuführen. Dadurch 1 100 000 Arbeitern Brot verschafft und dadurch

J"}5 Arbeitslosigkeit vermindert, teils ihr Anwach- | rl yebemmt. Durch ein großzügiges Programm, I Durchführung im besten Gange ist, haben wir - icf-roer leidenden Osten wirkliche Hilfe anaedei- IX lassen. Wir haben nicht von Sparsamkeit ge- Qber wir haben sparsame Haushaits- 'l altung in die Tat um gesetzt. Sie aoen vielleicht auch die große gestrige Rede des t (<Prrn Vizekanzlers Dietrich gelesen, wonach nach M^nen vom Kabinett gebilligten Vorschlägen der 8 "O°rbereitung befindliche Haushaltsplan 19311 rsparnis von über 300 Mill, ge» | L'?uber dem Entwurf 1930 bringen wird. Wer die I Uae kennt, namentlich die vielen Zwangsläufla- [ und etatsgesetzlichen Festlegungen, wird mit i '".r darin eine sehr wertvolle politische Arbeit cr- K-n- Freilich! Wir haben manchem weh- E o.Kn w üssen, aber wir haben der Gesamtheit und das Vertrauen im Auslande in die Wirtschaft und zur deutschen Arbeit ge- x!?". ' Der gesunde Sinn des Deutschen wird er» [ r nen daß solche Maßnahmen die beste Grund- Aäu -l!nb die erste Voraussetzung gesunder Ver- Staat und Wirtschaft sind. Deswegen BK" ? auch baß viele, die früher der Wahl- r:-1' weil sie immer wieder se-

Das müssen doch diejenigen bedenken, die glau­ben, wenn sie Fensterscheiben zertrümmern und sich gegenseitig die Köpfe einschlagen, würde es besser. Wenn der Radikalismus in Deutschland zum Siege käme, würde die Arbeitslosigkeit nicht geringer, son­dern viel größer.

Der Hunger der Massen würde nicht gestillt. Von Redensarten und Phrasen ist noch kein Mensch satt geworden, und wäs man in den Versammlungen der Radikalen rechts und links hört, f i n d öde Phrasen, nzit denen man die Menge betrunken macht, und denen auch nicht ein einziger positiver Vorschlag, wie man es anders und besser machen kann, gegenübersteht.

Bekäme also der Radikalismus die Oberhand, dann würde die Produktion gestört, weil eben das internationale Kapital sich auf Experimente nicht einläßt und kein Geld dafür gibt. Und die Folge dieses ja jetzt schon zu beobachtenden Zustandes wäre, daß die Wirtschaft in ihren wichtigsten, wert­vollsten Teilen brach gelegt würde, und das bedeu­tet für Hunderttausende neuer, verstärkter Hunger.

Ein Reichstag mit radikalem Uebergewicht würde das Todesurteil bedeuten für weite Zweige der Wirtschaft, aber auch für die ganz besonders unter den Schwierigkeiten der Kapitalbeschaffung leidenden Gemeinden, die gleichfalls seit der Reichs­tagsauflösung fast kein Geld mehr vom Auslande erhalten haben, und für Millionen deutscher gegen- roartig noch schaffender, aber auch dann rettungs­los der Arbeitslosigkeit anheimfallender Menschen.

Wer radikal wählt, begeht also sozusagen w i r t- schastlichen Selbstmord, weil er die Exi­stenzgrundlagen der deutschen Wirtschaft und damit seine'eigenen zerstört. .

Wer radikal wählt, handelt unklug und toncht, denn er wütet gegen sich selber.

Wer radikal wählt, schädigt das ganze deutsche Volk und bringt das deutsche Land selbst in Ge­fahr.

Radikalismus bringt nicht Rettung, Radikalis­mus ist Zerstörung und Untergang.

Es gibt keine Wahl zwischen Radikalismus und vernünftigem Aufbau. Es gibt nur eines:

Alle Hände und Hirne für des deutschen Volke» und der deutschen Heimat Kraft und Zukunft.

Es ist richtig, daß Herr Geheimrat Hugenberg An- fang Juli um einen Empfang bei dem Herrn Reichsprä­sidenten nachgesucht hat. Herr Staatssekretär Meißner hat dieses Gesuch dem Herrn Reichspräsidenten d o r ge­tragen. Der Herr Reichspräsident hat persönlich ent­schieden. daß er diesen Empfang ob le hn e. Herr Ge­heimrat Hugenberg hat den Herrn Reichspräsidenten während des Kampfes um den Youngplan mehriach und nach Verabschiedung des Youngplanes einmal besucht. Nach dem Verlauf dieser Unterhaltungen mit Geheimrat Hugenberg konnte sich der Reichspräsident von einer er­neuten Unterhaltung mit ihm nichts versprechen. Aus diesem Grunde lehnte er den Besuch ab."

Fahrlässig oder böswillig?

Nazis und Sozis sorgen dafür, daß in diesem Wahlkampf auch der Humor nicht gar zu kurz kommt. Besonders die sozialdemokratischenFlug­blatt-Verfasser" draußen in der Provinz sind in die­ser Beziehung recht produktiv. Ergreift da neulich einer von ihnen die Feder, um das Zentrum als Partei der Sozialdemokraten und der Geldsack­interessennachzuweisen", und im blinden Elser schreibt er drauf los:

Nicht an Wels von der SPD., sondern an Hitler von den Nazis schrieb der Zentrumsmillionär Klöckner:Mein lieber Herr Hitler, zurückgekehrt von Nürnberg, drängt es mich. Ihnen meine Begeiste­rung zu schildern über den herrlichen Aufmarsch Ihrer Partei dort . . . ." Wie nett. Einer der gehässigsten Unternehmerscharfmacher begrüßt schon eineArbeiter­partei."

Leute, die Flugblätter schreiben, sollten wenig­stens in der neuesten politischen Geschichte so weit Bescheid wissen, daß sie nicht Klöckner mit K i r- dorfverwechseln könnten. Denn der zitterte Brief stammt von dem Scharfmacher Kirdorf, der aus seiner Bewunderung für Hitler und aus seinen engen Beziehungen zu ihm kein Hehl macht, jetzt allerdings wiedertreu zu Hugenberg" stehen will. Es ist aber nichts so dumm, es findet doch fein Publikum, und darum weiß man doch nicht so recht, ob man für den betreffenden Flugblatt-Ver­fasser auffahrlässig" oderböswillig" plädieren soll.

uldaerZeituug

Anzeiger für die Stabt Julba unb benLanbkr.eis Fuiba. Amtliches Kreisblatt.