MW M-MMM
enge Ring vom Finger entfernen läßt.
kelchige Gläser sind das sogar, richtig aufgebaut, gesundheitliche Forderung Schönheit der Tafel und zehrten Früchte mühelos
Eingewachsene Ringe vom Finger zu entferne«. Mitunter ist es notwendig, zu eng gewordene Ringe vom Finger zu entfernen. Ehe man diese Ringe nun vom Goldschmied aufzwicken läßt, versuche man es mit sol- gendem außerordentlich praktischen und wirksamen Mit- tel: Aus Butterbrotpergamentpapier macht man sich zwei kleine Eisbeutel, die mit einem Tuch fest um ben betreffenden Finger gebunden werden. Dann hält man die Hand etwa 15 Minuten hoch, nimmt die Eisbeute! ab und wird erstaunt sein, wie leicht und sicher sich der
henden Heimat werden kann, wenn sie ihrer!»«, einen großen Schatz mütterlicher Liebe verficht 8
Mancherorts werden mutterlose Kinder von m tern und Verwandten verwöhnt, sodaß sich hj. im späteren Leben recht unliebsam bemerkbar und vor allem für die Stiefmutter recht verhänan^ werden können. Weil sie eben Stiefmutter ist die nötige Strenge nicht walten lassen und muß u , Friedens willen und zum Schaden des zu erstes Kindes stillschweigend über manche Fehler Ijtnweati Es ist fürwahr kein Leichtes, zweite Mutter >u! und abgesehen von den wirklich „bösen" gibt es dock ’ wirklich gute Wesen mit wahrhaft mütterlichen (L; len und zum stillen Dank an ihre selbstlose Auwvlen sollte zur Rechtfertigung der Stiefmütter allez M werden, das eingewurzelte Vorurteil zu besiegen h» sie aus geebneten Wegen und freudigen Herzens ib Aufgabe des Mutterseins gerecht werden können.
Obst vor dem Germtz abspüle
Sicherlich ist nichts unangebrachter, als sich jeden I nuß durch übergroße Aengstlichkest zu beeinirää>ti° Es gibt aber eine Reihe von Vorsichtsmaßregeln ” ganz leicht zu befolgen und darum nicht lästig finb. ’ 5 zu gehört das Abspülen desjenigen Obstes, das der ' gel nach mit der Schale genossen wird unmsttelbar i dem Verzehren. Also Kirschen- und Pflaumenart Weintrauben und dergleichen sollten immer erst unn telbar vor dem Verspeisen kurz abgespült werden, genügt dazu, sie in ein Gefäß mit Wasser einzutauö und darin ein paarmal hin- und herzubewegen. A weiß jede Hausfrau, daß gewaschenes Obst "sich lei! weniger gut hält als nicht gewaschenes. Darum brn man das Obst ruhig ungewaschen auf den Tisch 1 sorge nur dafür, daß jeder Tischgast ein geeignetes ( fäß mit frischem Wasser zur Verfügung hat. Scha nach Art der Fingerspülschalen oder auch große, m
geeignete hierfür und zt die Tafel. So läßt sich mit den Forderungen der Erhaltung der nicht in Einklang bringen.
Die Frau in der Lüche.
Gefüllte Schweinerippe. (Für 4 Personen, 2 Stun« den). Zutaten: 1 Kg. Schweinerippe, Salz, 300 Er. 8p* elschnitze, 1 Eßlöffel Zucker, 4 Eßlöffel geriebenes Schwarzbrot, 1 Messerspitze gemahlenen Zimt und 1 Messerspitze gemahlenen Piment, 20 Gr. Pretzheft Gr. Kartoffelmehl, 10 Tropfen Maggis Würze. < bereitung: Die Schweinerippen werden entweder geknickt, so daß man sie zusammennähen kann, oder man schneidet vorsichtig eine sogenannte „Tasche" hinein, reibt das Fleisch innen und außen mit Salz ein und füllt mit folgender, gut verrührter Mischung: Lp'-'!- chnitze, Zucker, geriebenes Schwarzbrot, Zimt und Piment. Daraus näht man die Oessnung zu und brät die Rippen in zirka 1% Stunde unter Zusatz von Mass« gar. In die Tunke gibt man dann die Preßhefe, bim« te leicht mit dem Kartoffelmehl und verfeinert den Ee> chmack mit Maggis Würze.
Panierte Koteletts. (Für 4 Personen). Zutaten! 4 Kalbs- oder Schweinekotteletts, Vt Eßlöffel Salz, 1 Prise Pfeffer, 1 Ei, Weckmehl. Zum Braten: 30 Gr. Butter, 1 Zwiebel, gut 1 Eßlöffel Mehl, % Liter Flei.ch- brühe aus 1 Maggi-Fleischbrühwürfel. Zuberel « rung: Die Koteletts werden geklopft, mit Salz und Pfeffer bestreut, in verquirltem Ei und Weckmehl gewendet und in der heißen Butter in 15 Minuten auf beiden Seiten schön braun gebraten. Aus der Seite de Pfanne röstet man gleichzeitig das Mehl und die 3®,e* bei braun, löscht, nachdem die Koteletts entfernt im warm gestellt sind, mit der Fleischbrühe ab. Die Satz kocht man 5 Minuten durch und gießt sie beim Anrichten über die Koteletts. A. S-'"
beseitigen. Die Pflicht stand ihr obenan, und sie seufzte im Stillen über das weichmütige, an Selbstverleugnung nicht gewöhnte Hannchen, das sich so viel um sich selbst drehte. Sie wollte ja nur ihr Bestes, wenn sie die Ael- teste dann und wann scharf anfaßte. Mehr und mehr verschärfte sich der Zwiespalt und der Vater litt sehr darunter.
„Ich hätte hier Hausfrau und Herrin sein können, wenn jene mir nicht den Platz genommen. Ich war alt genug, um die Wirtschaft zu führen, warum brauchte der Vater jene andere?" Das war der Gedanke, der sie nicht mehr los ließ, und der eine große Bitterkeit in ihr junges Leben brachte. Heute kam nun die Sache zum Austrag, die Mutter war ausgegangen, nachdem ernstliche Meinungsverschiedenheit Hannchen bis zu dem trotzigen Ausruf veranlaßt hatte: „Und ich lasse mir nichts von dir gefallen!" Mit diesem bösen Wort hatte sie sich selbst eine Wunde im Gewissen geschlagen, nun war es aus, sie würde gehen. Wohin? Erst zu einer Tante nach Berlin, sie wußte, daß sie in deren kinderlosem Heim gerne ausgenommen würde. Da wollte sie Krankenpflege lernen, sich für einen Beruf ausbilden, der ihr Selbständigkeit gab. Cs war kein unrichtiger Gedanke von Hannchen, daß vielleicht durch eine längere Abwesenheit von Hause sich das Verhältnis zu der zweiten Muller wohltuender gestalten würde, und wurde derselbe zunächst auch im Trotz eines unvernünftigen Mädchenherzens gefaßt, so stimmte der Vater nach mancher Einwendung zu und gab Erlaubnis, den neuen Weg zu gehen.
Alles kam, wie Hannchen es gewünscht hatte, nur eines war ganz anders im „Beruf". Selbständigkeit, die sie erstrebte — ja das dauerte lange, bis sie die erreichte. Im Krankenhaus gab es erst recht ein Sich- Fügen und Parieren, da wurde man nicht weich und zartfühlend behandelt. Die Oberin war noch viel strenger als die Mutter daheim und von den Schwestern mußte sie gar viel hören und annehmen. Wie oft war sie auf dem Punkte, die Flinte ins Korn zu werfen und reuig heimzukehren mit Ausruf: „Da bin ich wieder, bei euch ist es doch noch am schönsten!" Dennoch hielt sie durch und lernte draußen, was sie daheim nicht hatte einsehen wollen, daß demütige Fügsamkeit der Weg zum Glück werden kann. Oft kam Hannchen später in Ferienzeiten nach Hause und das waren immer schöne, unvergeßliche Tage. Wie schätzte sie jetzt des Vaters Liebe so ganz anders und die Mutter erschien ihr viel milder und weicher. In reiferen Jahren bahnte sich zwischen den beiden Frauennaturen ein Verständnis an, das man nie für möglich gehalten hätte und über den gewonnenen Sieg war niemand glücklicher als der Vater.
Leider aber gibt es Verhältnisse, die keinen so friedlichen Ausgleich nehmen. Das Problem der Stiefkinder und Stiefmuttertragik ist mancherorts ein bitteres Los. Stiefkind fein hat nie als Vorzugsrecht gegolten, der Stiefkinderstand wurde zu allen Zeiten bemitleidet und bedauert. Die Kinder werden leider oft von unberufener Seite darauf vorbereitet, daß sie nun bald eine Stiefmutter bekommen werden. „O, ihr armen Ge- schöpfe" und derlei Beileidsbezeugungen sind gerade dazu angetan, das Kind argwöhnisch gegen die neue Mutter zu machen. Wenn dann die Frau, die an den fremden Kindern Mutterstelle vertreten will, sich ihren Schütz-
Sejen Kopfschuppen und Haarausfall
verwenden Sie nicht dieses oder jenes, sondern verlangen Sie ein Mittel, das wissenschaftlich erprobt ist und seit 50 Jahren unvergleichliche Erfolge zu verzeichnen hat.
Dr. Dralle’s Birkenwasser
Orlglnilflasche RM. 2.40 Doppelflasche RM. 4 20
lingen in Vertrauen und Siebe nähert, so wird sie doch zurückgewiesen und bitter weh muß ihr die Kluft tun, die sich zwischen chr und den Kindern aufgetan. Wie ganz anders wird ein Kind der Stiefmutter beim Eintritt in ihre neue Heimat begegnen, wenn ein verständiger Vater als erster zu feinem Kinde über die neue Mutter spricht. Wer er sie ihm vorstellt als die vertraute Freundin der lieben verstorbenen Mutter, die es lieb’ haben will und sorgen wie ein rechtes, gutes Mütterlein. Und wenn der Vater erst dem Kinde ans Herz legt, daß te zusammen die neue Mutter liebhaben wollen daß sie recht lange bei ihnen bleibt, dann wird im jungen Herzen ein warmes Plätzchen bereit stehen, das der Cinzie-
Sommerenbe.
Don Hans Gäfgen - Wiesbaden.
Korallen glühen in dem Strauch, Und aus den Feldern steigt der Rauch Wie eine blaue Fahne auf.
Die Schwalben sitzen dicht zuhauf Und haben viel sich zu erzählen. Ob sie zum Reiseziel sich wählen Den Ganges ober gar den Nil ... . Es weht schon bunter Blätterspiel.
Und wenn auch noch die Lüfte kosen, Es blühen schon die Herbstzeitlosen . . .
Es wird, 0 Mensch, dir wenig frommen, Wenn dir die bittren Tränen kommen, Doch wird es klug und weise fein, Wenn du noch einmal dich am Rain Im Gräserwogen dich verstrickst Und froh in letzte Fülle blickst, Das Leuchten in dir birgst, das helle, Wie eine ewig junge Quelle, Aus der Erquickung strömt und Freud' Auch in der trüben, grauen Zeit.
Sei recht bedachtsam, still und weise. Die Schwalben rüsten sich zur Reise. Und wenn auch noch die Lüfte kosen, Es blühen schon die Herbstzeitlosen . . .
Frau und Reichstags«» ahl.
Vor uns liegt die Aufgabe der neuen Reichstagswahl. äet jeder Wahl geht es um Entscheidungen, die ihre großen Konsequenzen nach sich ziehen. Dieses Mal aber greift die Entscheidung, die getroffen werden soll, bis an Sie Wurzeln der Existenz. Wenn man sich im deutschen Volk umschaut, dann scheint es freilich, als hätten nur wenige begriffen, wie außerordentlich bedenklich unsere Lage ist. Sehr vielen geht es wie dem Reiter über den Bodensee, der die Gefahr erst erkannte, als sie hinter ihm lag. Einnahmen und Ausgaben unseres Volkes wollen nicht in Einklang kommen. Was das im bürgerlichen Leben bedeutet, ermißt sich leicht. Es kommt bann eben ?um Zusammenbruch. Geht nicht das Leben immer nach diesen Gesetzen, gleichviel ob es sich um den Betrieb eines Kaufmannes ober um ein größeres Gemeinwesen handelt? Es scheint, als ob von vielen bie Ernsthaftigkeit der Gefahr nicht geglaubt wird, weil die Vorstellung eines derartigen Zusammenbruches fehll. Aber es muß letzt aus allen Kanälen die Volkskraft und der Volkswille dem Ziele zufließen, daß wieder solide, aufbauende Ordnung geschaffen werden muß!
Wir haben in den letzten Jahren unsere wirklichen Verhältnisse nur verschleiert gesehen. Das äußere Bild, Ser Aufwand, der getrieben wurde und ben Ausländer frappierte, stand in keinem Verhältnis zu der überall unter der Oberfläche liegenden Not und Sorge. Einmal aber muß statt dieses Mißverhältnisses wieder die organische Entwicklung Platz greifen. Wir sind jetzt an dem Punkt, wo das beginnen kann und soll. Daß es nicht ohne Opfer geht, sieht jeder ein, der das Leben kennt. In der Regierung sitzen Männer, die unter Einsatz ihrer ganzen Kraft die Ordnung der Finanzen versuchen wollen. Ihr Wollen muß jedoch durch ben konsequenten Willen des Volkes gestützt unb gefördert werden.
Ebenso riesenhaft wie die Ordnung der Finanzen und mit dieser aufs engste verknüpft ist die Aufgabe des Arbeitslosenproblems. Hier liegt ein ganz entscheidender Schnittpunkt des Wirtschastslebens. Aber nicht nur des Wirtschaftslebens! Wer will ermessen, was es für die ganze seelische unb moralische Gesundheit des Volkes ausmacht, wenn so viel Menschen ohne geordnete Beschäftigung, ohne bestimmten Erwerb, ohne festes Ziel sind? Daß zielbewußtes und freudiges Streben heute nur zu oft gebrochen wirb, daß Tatkraft erlischt, gesunde Freude schweigt, ist kein Wunder, wenn man die Unsicherheit in den verschiedenen Berufen sieht. Wieviel brachliegende Menschenkraft, wieviel getrübtes Menschenglück, wieviel zerstörte Initiative und schwindendes Verantwortungsgefühl! Ein jeder, der die Dinge so sieht, wird jede Bestrebung unterstützen müssen, die auf diesem Gebiete dem Bessern zugewandt ist.
Wir stehen in einer Umformung des gesamten Lebens, die über die Grenzen unseres Staates hinausgeht und die ganze Welt erfaßt. Vielleicht aber dürfen wir diese Umschichtung nicht immer nur nach der pessimistischen Seite sehen. Interessant ist die kürzlich herausgegebene Denkschrift der Wirtschafts- und Finanz-
t abietlung des Völkerbundes. Diese weist nach, baß sich I die Produktion der Lebensmittel unb Rohstoffe in Eu- I ropa (ohne Berücksichtigung ber für sich zu betrachtenden I Verhältnisse Rußlands) von 1923 bis 1928 gesteigert hat, I während die Nordamerikas zurückgegangen ist. Der Ent- I Wicklung der Produktion entspricht der Handel. — Auch I Reichskanzler Dr. Brüning sieht in den Zeichen der I Zeit unter den Wirren und Schwierigkeiten dennoch An- I sätze zum Bessern. Es handelt sich also jetzt darum, daß I diese Ansätze rechtzeitig erkannt und fruchtbar gemacht I werden. Nicht aber darf bas beutsche Volk wertvolle I Zeit unb Kraft verlieren im Hader unb Zank um Dinge, I I die neben diesen großen Aufgaben nichtig erscheinen.
I Gerade wenn die Welle des Wahlkampfes hoch geht, wer- I den wir uns immer erinnern müssen, was denn das I Notwendige für uns ist.
I Eine Vorbereitung zur Wahl, die einen guten Teil I von Frauenkraft erfordert, ist noch zu leisten. Nichts im I Leben ist groß, ohne daß es behaftet wäre von ben Un- I Vollkommenheiten des irdischen Daseins. Jeder große I Charakter hat seine Schattenseiten; jede große Idee wird I nicht nur vertreten durch ihre überzeugten Vorkämpfer, I sondern gleichzeitig durch ein Heer von Mitläufern und I solchen, die sich davon einen Vorteil versprechen. Aber I daß es tatsächlich doch noch Großes und Lebenswertes I inmitten des verwickelten Lebens gibt, bas sollte vor I allem die Frau wissen, sie, die — zur Mutter und Er- I zieherin bestimmt — in ihren Kindern den guten Kern I erkennt unb zu entwickeln hat unb doch weiß, daß keines I ihrer Kinder ohne Fehler ist. Gerade sie müßte mit ziel- I bewußter Geduld — wie in der Erziehung ihrer Kinder I — und mit sicherem Gefühl die Wirrnisse zu lösen, das I Wertvolle zu schützen und das Niedere zu dämpfen wts- I sen. Sie müßte den lebensvollen Glauben an ein großes I Ziel und an ein edles Wollen auch innerhalb ihrer Dolks- familie aufbringen. Gleichzeitig aber müßte sie sich den kritischen Blick bewahren. So, mit ber Kraft des Geistes und des Herzens, müßte die deutsche Frau an bie Entscheidung Herangehen, die jetzt von unserem Volk zu treffen ist und deren Wirkung von außerordentlicher Bedeu- tuna für die Gegenwart ist, aber auch hineinströmt in bie Zukunft, in bie Tage der kommenden Generation!
M. D.
Die Stiefmutter.
Don Rosa Frei-Scherrer -St. Gallen.
„Vater, warum hast du es getan? Nun habe ich kein Heim mehr, keinen Lebensberuf, denn siehe, deine Frau, — Muller kann ich sie ja nicht nennen —, sie versteht mich nicht, sie ist so anders als meine eigene geliebte Mutter war, ich bin ihr im Wege, sie will dich allein haben, drum laß mich fort, ich halte es daheim nicht mehr aus!" Hannchen war vor dem Vater niedergesunken und brach in Tränen aus.
Auch für den Vater war es eine schwere Stunde. Er hatte sich alles so anders gedacht. Nicht unbedachtsam war er nach langem Kampf und Zögern in eine neue Verbindung eingetreten, nachdem er vor drei Jahren nach langem Leiden feine treue Gattin verloren halle. Damals war ja Hannchen noch ein Kind gewesen und drei jüngere Geschwister empfanden die Lücke im Familienkreis bitterer als sie es selbst wußten. Dienstboten konnten die Stelle nicht ausfüllen, und die älteste sechzehnjährige Tochter bedurfte selber noch so sehr der Erziehung. Der Haushall ging zurück, so vieles war nicht, wie es hülle fein sollen. Da, als dem betrübten Manne eine edle, reife Frauengestalt entgegentrat, war sein Entschluß gefaßt, er wollte sie zur Mutter seiner Kinder machen. Das war nicht ohne Hannchens Zustimmung geschehen. An derselben Stelle, wo jetzt bas Töchterchen so trostlos kniete, waren sie vor einem Jahr zur gemeinsamen Beratung zusammengekommen, unb fast jubelnb hatte bas junge Mädchen des Vaters Entschluß begrüßt, denn auch ihm schien die Erwählte als ein Ideal aller Weiblichkeit, und es würde herrlich sein, dies Zusammenarbeiten im Haushalt, die gemeinsame Fürsorge für die kleinen Geschwister, so hatte die Tochter damals gedacht.
Schade nur, daß sich in Wirklichkeit manches, was in der Ferne golden aussieht, grau und schwierig erweist. Nun stimmten die Charaktere doch nicht zusammen, nun tarnen täglich schmerzliche Reibungen vor. Hannchen war zu lange mutterlos gewesen, es wurde ihm schwer, sich zu fügen. Wie anders war die neue Mutter als ihre Heimgegangene, sanfte, liebe Mutter. Sie war eine energische durchgreifende Natur, die mit Ernst darnach trachtete, die eingerissenen Mißstände im Hause zu
Die Rache des Hong Chung Lu
Don Ottwell Binns.
441 —----
„Wir können weiter, mein Freund," flüsterte er. „Ich habe ihnen gesagt, daß Ihr weiße Sucher des wahren Weges seid, Verwandte des weißen Lamas, der vor Jahren herkam. lieber ihn habe ich noch nichts erfahren können, aber zweifellos werden wir schon etwas hören, iobalb wir unser Opfer dargebracht haben. Die einzige Schwierigkeit ist die Dame. Keine Frau hat jemals die Dze-chu-Lamaserie betreten, und ein schwarzes Zelt auf dem Hofe ist bie letzte Grenze, bis zu der sie gehen darf."
„Dann werden zwei Zelte da sein, Nima, denn ich lasse |ie nicht allein."
„Das habe ich dem alten Widder schon mitgeteilt, unb sr hat wenigstens nicht „nein" gesagt. Ich erzählte ihm, daß ihr Kinder desselben Vaters seid. — Ich werde in der Lamaserie schlafen, damit ich über ihren weißen Heiligen etwas erfahre, und auch über jenen heiligen Pilger aus Berg Dm ei, der sich den Bauch im Schnee kühlt; denn es wäre ratsam, so viel von ihm zu wissen, wie nur möglich."
Die kleine Reisegesellschaft setzte sich wieder in Bewegung, von Lamas umgeben, die sie anstarrten, als wären sie Wesen von einem anderen Stern. Als sie das Tor erreichten, mußten sie einen Augenblick stehenbleiben. Shervington nahm die Gelegenheit wahr, um einen raschen Blick über die Schulter nach dem Lama zu werfen, den er als Stargard erkannt hatte, stand nun aufrecht und schaute mit unverhohlenem Interesse auf die Gruppe vor dem Eingang der Lamaserie. Nick fragte sich, was wohl m dem Kopf dieses Mannes vorging, ob er hoffte, daß Janet und er sich nun in ein Wespennest begäben? In diesem Augenblick wurde das Tor geöffnet, und alles strömte in den Hof der Lamaserie hinein.
Es war ein recht großer Hof. Auf zwei Seiten waren Säulengänge, und auf der dritten, dem Tor direkt gegenüber, stand ein sehr großes Gebäude mit einem breiten und hohen Portal. Nick vermutete, daß dieses die Kapelle 1 oder der Tempel ber Lamaserie sei. An beiden Seiten 1
des Einganges, in Nischen, die anscheinend speziell für bie Hüter gebaut waren, befanden sich Lamas, Hüter des Tempels; jeder hatte eine große Trommel neben sich, unb während der eine anscheinend in tiefes Nachdenken versunken war, drehte der andere ein Gebetsrad aus getriebenem Silber. Keiner von beiden nahm die geringste Notiz von den Fremden, ber Nachdenkliche starrte mit ebenso leeren Blicken vor sich hin wie die steinerne Buddha-Statue, und der andere drehte unermüdlich sein Gebetsrad.
Ein bejahrter Ganta, ber seinem Gewand nach zu urteilen der Abt der Lamaserie war, näherte sich nun der kleinen Karawane. Diesem gab ber Santa, der die Erlaubnis, die Lamaserie zu betreten, erteilt hatte, eine wortreiche Erklärung. Der Abt hörte mit unbeweglichem Gesicht zu, nichtsdestoweniger schoß einmal ein Blick aus den alten plierigen Augen zu Janet Craydon hinüber. Zum Schluß der Erklärung neigte der Alte den Kopf, sprach ein paar Worte unb wandte sich ab.
Der führende Lama rief etwas mit Stentorstimme, unb ein Dutzend ber auf dem Hof befindlichen Männer eilten fort. Eine Viertelstunde später kehrten sie lachend und schreiend zurück und begannen zwei kleine schwarze Zelte zu errichten, solche, wie sie von den Nomaden gebraucht werden.
„vielleicht wäre es ratsam, wenn wir jetzt schon unser Opfer darbrächten, mein Freund, bie Dame auch!" sagte Nima und fügte spöttisch lachend hinzu: „Silber wird von beiden Geschlechtern angenommen!"
Shervington erklärte Janet, was Nima gesagt hatte, und einige Minuten darauf traten beide auf ben ihnen am nächsten befindlichen Tempelhüter unb legten eine Hand voll Silbergeld auf seine Trommel. Mokant lächelnd brachte Nima-Talsh! ein kleineres Opfer dar, während der Daktreiber, ber ebenso skeptisch tote fein Herr war, sich mit einer einzigen Münze begnügte. Der Lama, dem man sie anoertraut hatte, starrte erstaunt auf das Silber. Die Reisenden waren sichtbar in seiner Achtung gestiegen, denn sein Benehmen wurde entschieden ehrerbietiger, und er spornte bie Männer, welche die Zelte errichteten, zu größerer Eile an.
Die Nachricht von ber Ankunft einer Karawane hatte sich offenbar schnell verbreitet, denn Dutzende von Lamas strömten in ben Hof herein, unb lachten unb schwatzten
। wie aus der Schule entlassene Knaben. Janet ließ einen Blick über den ganzen Hof schweifen, denn sie suchte nach einem Gesicht, das sich von ben anderen unterscheiden würde, in der Hoffnung, das Gesicht ihres Vaters zu erkennen.
Shervington begann auch all die Männer prüfend zu betrachten; denn er sagte sich, die Nachricht, daß Weiße angekommen seien, würde sicher den einzigen weißen Mann, den diese Mauern bargen, hervorlocken. Es waren unzählige Gesichter dort, bie meisten unbeschreiblich schmutzig, aber sie hatten alle den mongolischen Typus, fast alle waren sie dunkeläugig, kein einziger von ihnen, der einer anderen Rasse anzugehören schien. Da sie sich alle ziemlich ähnlich sahen, begann Nick, ihre Augen zu betrachten, denn er wußte, daß Eliot Craydon blaue Augen hatte, und unter all diesen schwarzen Augen- paaren würden blaue sofort auffallen. Aber hierbei hatte er ebensowenig Erfolg. Nirgends war ein blaues Augenpaar zu erblicken. Janet flüsterte ihm in diesem Moment zu:
,Zch kann ihn nirgends finden."
„Ich auch nicht," erwiderte er ebenso leise. „Aber bedenke doch, daß es mehrere hundert Lamas in dieser Lamaserie gibt, und sie sind nicht alle auf dem Hofe versammelt. Dann darfst du noch etwas nicht vergessen."
„Und bas wäre?"
„Daß dein Vater ben Rus hat, ein Heiliger zu fein. Das bedeutet, daß er zu ben Asketen gehört; es ist daher sehr wahrscheinlich, daß er sich in irgendeiner abgelegenen Zelle befindet, wohin selbst dieser Lärm nicht bringt."
„Unb wenn er nicht hier fein sollte?" fragte sie mit bebenben Sippen.
„Er ist bestimmt hier. Nima unb ich haben es uns in ber anberen Samaferie bestätigen lassen. Habe keine Angst, wir werben ihn schon finben." Er sprach zwar zuversichtlich, aber im Herzen hatte er nicht bas vertrauen, bas er zur Schau trug; denn bie Worte des jungen Novizen in ber Samaferie, in ber sie übernachtet hatten, wollten ihm nicht aus bem Sinn. Der junge Man hatte doch gesagt, daß sie den weißen Heiligen niemals würden sehen können; denn er sprach mit niemanden und hielt sich streng von aller Welt abgeschlossen. Wenn das stimmte, würde auch bie Kunde von ber Ankunft ber Europäer nicht zu ihm gebrungen fein. Alles I
bies gab Shervington viel zu benken, aber er teilte Janet seine Besorgnisse nicht mit. Am Abend sprach er jedoch mit Nima darüber, als dieser in sein Zelt geschlichen kam.
Der Tibetaner hatte, erzählte er, bereits zwei der niedriger stehenden Mönche ausgehorcht unb hatte erfahren, baß sich ein weißer Sama tatsächlich in der Lamaserie befänbe, ein Mann von ganz außerordentliche Heiligkeit, aber er hatte nicht mehr herausbekomme können.
„Nein," war die Antwort auf die Frage, ob man wohl mit einem so heiligen Manne sprechen könne, „nein, spricht mit niemanden." Dann hatte es Nima mit eine zweiten Frage versucht: Ob man den großen Heilige wenigstens würde anschauen dürfen, damit man de Segen, den ein solcher Anblick unbedingt bringen mm, , empfänge? Und wieder war die Antwort: „Nein, de weiße Heilige kann niemand sehen und auch von nieman gesehen werden."
Nima fluchte gehörig, als er ben Mißerfolg feiner mühungen mitteilt. Nach einer kleinen Pause stieß er 0 Frage hervor:
„Warum macht Hong Chung Lu eigentlich die BE Übungen im Schnee?"
„Wohl, weil er ben Ruf eines Heiligen von Berg Omei aufrechterhalfen muß, nehme ich an."
„Ja, ja! Das mag fein! Vielleicht macht er es, we es ihm auch nicht gelungen ist, ben weißen Samo 8“ sprechen unb er sich auf biefe Weise Zutritt verschalle" will?"
Shervington schrak bei biefem Gebauten zusamnie „Vielleicht hast bu recht," sagte er bekümmert. u®* fragte er:
. „Wo ist eigentlich Stargard jetzt?"
„Dieser sehr heilige Mann setzt seine Bußübunge bei Mondschein fort. Ich erblickte ihn vorhin. Er f1^ aus wie ein großer Affe, der bei Mondlicht tanzt. j ich verspürte große Lust, mein Gewehr zu neh unb---"
„Um Gottes willen, Nima! Das barfft bu auf keii Fall tun. Diese Lama hier würben uns töten, sie---"
(Fortsetzung folgt)