Einzelbild herunterladen
 

57. Mrg.

Freitag, 5. September 1930.

_ — SH HO UHU „JC'UU/VHVIUUV* . ^iviuuv.wviuu -VS*'«''

105 her Fuldaer Actiendruckerei in ftulbo. Fernrufe: Schrift- **v .. leituna 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

■^ricfceinl sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt ün Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Berlar

Monatlich 1,80 einfchlietzl. Postgebühr,48 Pfg.» ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile ((Sol.) lokal 0,15 JUl, auswärts 0,20 .fUt Rellamezeile: lokal 0,60 JU<, auswärts 0,80 JUl. Bei Wiederholungen Rabatt. Postfcheckk. Frankf. a M. 4051

" 1 WzeMMier io Vfg. (mir IM. Beilage 15 Vlg>

MdaerZertung

M' Anzeiger für die Stabt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreis blatt.

oickelt, um gegen ihren eigenen deutschen Kunden- "nmi Stellung zu nehmen, ist wahrhaftig erstaun- Es dürfte dies ein Vorgang ganz neuer und .rwöhylicher Art fein, daß ein Verkäufer feine

8nh. ft •3u ,^aI*en- Die Intensivierung unserer r(r die einseitige Jndustriealisierung unse- ^^?Eswirtschaft hat die anderen Berufe, na- lostei , Landwirtschaft und Mittelstand nicht ent- schasf'p '"^dern Millionen neuer Erwerbslosen ge- täglich legen neue Maschinen alte Ar- brach. Warum auf der einen Seite ffi p-'. auf der anderen Massenelend und Ar- »ongkeit in der Stadt? Fragen zu ernstem ""senken!

»i^kn wir den Mut einzugestehen, daß uns lick zum reinen Industriestaat sicher-

« m-1 ü0^es Elück und volle Wohlfahrt brin- ■“itmpn’k ^ann haben wir auch die Pflicht zu be- MM'''daß der deutsche Binnenmarkt entschlossen ^-lfUfrichtig zu pflegen ist. Einer weiteren Jn- schgf. krung unserer Industrie kann die Landwirt- nUm-^'e Parole entgegenfetzen „Extensivie-

. Wir können bei dem Austausch deutscher .'eerzeugnisse und ausländischer Agrarpro- ^rnb r ■ Handlanger sein, durch verstärkte ne,tl?n Angebot und Nachfrage noch weiter *uat sm ed,tern- Di« deutsche Milchwirtschaft er- trW h .rte von 3 Milliarden Mark und über- tz, die Erzeugnisse an Kohle. Stoppt m^, diesem Falle wäre es nur ein Gebe zu ^e.'bfterhaltung, zur extensiven Wirtschaftsweise Wr-k n’ so gehen dabei Werte verloren, die der Volkswirtschaft eine empfindliche Wunde tin« c Vr’n verweigerter Zollschutz muß und kann Borm •b'tf,iIfe der Milchwirtschaft weder in der IjL, e,tter Mehrerzeugung noch einer Dualitäts- fahr» Urt® auslösen. Ersteres wie festeres hat er- Und ?.^aemäß den Markt in der Vergangenhest nicht Vorliebe für ausländische Produkte leider Mr»» etnfIu6t Also bleibt auch uns nur eine fcnbifn, Oon Angebot und Nachfrage. Jndustrie- ^einhp-t ^^en dazu ermunternde für die Allge- y tt offen zugestanden feine schönen Vorbilder.

|.'= i8olk aus eigener Scholle ernähren will, son- s ~Gtn man will den Güteraustausch, will Maschinen »egen Lebensmittel verkaufen.

f^.^ntensioierung unserer Betriebe, die Steigerung Werer Erzeugung hat nur dann Sinn und Zweck, 1*0? ein gewolltes Mißverhältnis zwi- : F™ Angebot und Nachfrage schafft und dabei Mkenoen Verdienst für uns bringt, sondern, wenn ■ fc. “ns volkswirtschaftlich nützt, unabhängig vom W^? .nd macht und eine Ersparnis an den heute k, ”!5 Ausland wandernden 4 bis 5 Milliarden

|Pr«?. u^e Lebensmittel bringt.

u ?'e 8wße Linie unserer letztjährigen Wirt- h^bpolitik kann uns nicht sonderlich imponieren.

den man uns durch Steigerung des J~u'trieärporte5 versprach, der großenteils außer k an ^r gren3e jfe(fen geblieben ist, die Erfah- Ifflh enrm^ ^en deutschen Äktiensitzen im Ausland |L*em benachbarten Lichtenstein sitzen 140 K^Woffburos) können uns nicht ermuntern, die j^fr’ge volkswirtschaftliche Marschrichtung für die

uferschicht in solcher Weise brüskiert. Nachdem man der Milchwirtschaft mit zollpolitischen Maß- mchmen nicht helfen will, kehren die alten Schlag­morte wieder: Intensivierung, Ernährung des Volkes aus eigener Scholle. Wir müssen betennen, »<r glauben an diese Schlagwörter nicht mehr. ®*r Aouben ernstlich nicht mehr daran, daß man

Md Reichskagswahlen. gr^Vrf.rtphenbe Arbeit verdanken wir bem auf der Württembergifchen Zentrumspartei 1 der x jck,er Stelle stehenden Kandidaten an 2 ^r D5tat F a r n a y.^ut Dürren. Mit dellen Wahl, wie gesagt, sicher ist, zieht ttXr Landwirt mit besonderen Kennt- - und Erfahrungen in den Reichstag ein. > Snf0 wichtiger ist es, was diese Persönlichkeit ~ P^luffe ber Aussuhrungen zu seinen Stanbes- ° n.hririaen über die Umwerbung des Bauern- Ss durch Nationalsozialisten und Kommunisten Ehtn Zusammenhang damit über die Bedeutung jet kommenden Wahlen sagt.

I «-Ahem der Tiefstand der deutschen Agrar- irnb deren Folgeerscheinungen auf dem Bm- weitere Berufskreise des deutschen Vol- i,nd der deutschen Industrie die Notwend, pin-r raschen Hilfe einsehen ließ, wurden von, L^Mnen Reichstag eine Reihe zollpolitifcher »^nähmen durchgesührt, die den verschiedensten «prufsiweiasn der Landwirtschast, namentlich dem ^^idebau eine fühlbare Entlastung brachten. »Mals wurde allerdings von den Gegnern dieser ^wlitischen Maßnahmen, besonders von der MMdemokratie und Demokratie das Schlagwort Eratt daß es sich hierbei nur um eine Hilfe M die' .Großen" handle, während das Schicksal MLein'eren und mittleren Bauern deshalb nicht Mchntlich beeinflußt würde. Der einzige Wirt- Ldaftsiweig. der von den zollpolitifchen Maßnah- Een unberührt blieb, war die Milchwirtschaft. Sie M« bis heute geblieben, obwohl diese die ur= riaenfte Domäne des mittleren und kleineren Bauerntums ist.

| No bleibt die Logik, wo die Schlußfolgerung kws dem früheren Vorwurf?

| Die Schlüsselstellung zur zollpolitischen Behand- Mpg der Milchwirtschaft liegt bekanntlich im Miksch-finnischen Handelsvertrag. Scharfe Wider- Wnde machen sich gegen die Kündigung des Ver- von einem Teil der Industrie geltend. Man Heint im In- und Ausland darauf zu spekulieren, daß die innenpolitischen Kräfte, deren die deutsche Milchwirtschaft zu ihrem Schutze bedarf, zu schwach ; Bären, um eine Aenderung herbeizuführen. Wie stark der Widerstand gegen unsere Wünsche gewor­den ist, zeigt das Verhalten der deutschen Land- maschmenindustrie, die in einem geheimen Rund­schreiben an ihre Mitglieder selbst diese auffordert, gegen eine Kündigung des deutsch-finnischen Han- WWMwes Front zu machen. Der Mut, den die Landmaschinenindustrie in diesem Falle ent-

Was kommt?

Mmistrrpräsident Dr. Braun über die Dersnt- wortimgsbereitschaft der Soziaidemokratir.

Der preußische Ministerpräsident Dr. Braun sprach in einer überfüllten Versammlung inSens« bürg (Ostpreußen) über die bevorstehenden Wah­len. Er beschäftigte sich mit der negativen Poli­tik der extremen Parteien und ging dann auf die Möglichkeiten der Kabinettsneubildung ein. In diesem Zusammenhang erklärte er, daß die So­zialdemokratie sich in entscheidenden und schweren Augenblicken der deutschen Geschichte der Nach­kriegszeit niemals gescheut habe, Verantwor­tung zu übernehmen. Es gehe aber nicht so, wie es manche bürgerlichen Parteien gern haben woll­ten, daß sie die Verhältnisse nach ihren Grund- säßen regelten und sie der Sozialdemokratie zu- muteten, lediglich d i e Verantwortung zu übernehmen. Nach der Wahl werde es sich darum handeln, entweder mit der Sozialdemo­kratie oder mit Herrn Hugenberg und den Natio­nalsozialisten eine Regierung zu bilden. Aber es sei auf die Dauer nicht möglich, gegen die So­zialdemokratie zu regieren, weil sie auf einer völlig geschlossenen einheitlichen Front dastehe, was man außer dem Zentrum von kei­ner der anderen politischen Gruppen sagen könne.

Hoffentlich muß Herr Braun nicht eines Tages feststellen, daß die Partei-Funktionäre der S.P. D., die in Demagogie das Heil erblicken, stärker sind als sein Bekenntnis zur Verantwortung.

Hugenberg geht zum Film.

Bislang kündeten Plakate: „Hugenberg spricht! Wer ihn hören will, der komme!" Und sie kamen and waren —---enttäuscht. Trotz aller Re­

klame, trotz der pomphaften Vorankündigung. Cb« gleich „Hugenberg sprach".

Was darunter zu verstehen ist, sagt uns der Hugenberg'sche Schnelldienst. Man verzeihe den Ausdruck, aber es ist schon so: Beinahe wie im Zirkus: „Immer das gleiche Bild: kurz vor 8 Uhr abends der größte Saal polizeilich geschlossen . - , und draußen stehen Reihenweise die Menschen. Beim Betreten des Paales brausender Beifall, Hochrufe auf Hugenberg . . . und dann spricht Hu­genberg . . . Kommt wirklich einmal ein Zwischen­ruf, so wird er aus der Versammlung niederge« schrien: Ruhe! denn Hugenberg spricht . . . Di« Veranstaltung ist zu Ende, alles drängt um das Rednerpult, jeder will den Führer aus der Nahe sehen, viele wollen ihm die Hand drücken. Jeher Händedruck ist ein Dank für die Ausführungen... So ist es überall: wenn Hugenberg spricht!"

Da ist es denn auch kein Wunder, daß ein sol­cher Mann zum Film geht. Er wird auch dort weiter sprechen. Nur. daß er setzt nicht mehr die enttäuschten Gesichter zu sehen haben wird. Und so erscheint Hugenberg als Tonsilmbild der Ufa, die ja ihm gehört, in dem kleinen Ufa-Pavillon- Tbeater.

Jetzt braucht er keine Angst mehr zu haben, daß ihn Zwischenrufe stören und aus der Fassung brin­gen, jetzt ist auch das rednerische Problem gelost. Mit seinen „Millionen leerlauiender Hände" kann er das Gelächter der Hörer kitzeln, ohne stzh dar- über zu ärgern. Aber eines geniest er nicht mehr --das Händedrücken!

Und ein Gutes hat Hugenberg im Film. Durch die Reproduktion auf der Leinwand wird manchem klar, was das Original selbst zu verschleiern ver- stand.

Der frühere deutschnationale Pfarrer D. Mumm über Hugenberg.

Als Pfarrer D. Mumm noch Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei war, hat er sich schon sehr scharf gegen Hugenberg und dessen kulturpoli­tische Einstellung gewandt, hat die Geschäftswelse Hugenbergs sehr schroff gegeifelt. Jetzt gehört D. Mumm dem Christlich - Sozialen Volksdienst und dessen Organ schreibt u. a.: „Man kann nicht ein Volk mit denselben Methoden regieren, wie man einen großkapitalistischen Konzern regiert! Man kann nicht ein christliches Parteipro­gramm haben und sein Geld mit dem Vertrieb schmutziger Zeitungen und schmieriger Fllme ver- dienen."

Das Urteil ist hart, aber gerecht, wenn man Hugenberg als Politiker neben Hugenberg als ge­schäftstüchtigen Unternehmer stellt.

Hugenberg in Münster.

Der Führer der Deutschnationalen Volkspartei Geheimrat Hugenberg, der, wie gemeldet, am Montag in Bochum infolge Erkrankung am Sprechen gehindert war, sprach am Dienstag abend in einer von mehreren tausend Personen besuchten Versammlung, die wegen überaus starkem Andrang später polizeilich gesperrt wurde, m Mun­ster. Geheimrat Hugenberg verbreitete sich über Fragen der deutschen Innenpolitik und wandte sich insbesondere gegen das Zentrum. Es müsse im Reiche und in Preußen scharf und entschieden gegen die „Marxisten regiert werden. Die Darlegungen des Redners würden von den Anhängern mit Beifall, von den Gegnern mit Zischen, aufgenommen.

Nationalsozialistische Wahlkundgebungen in Braun- schweig.

Die Nationalsozialisten hatten für Dienstag in den drei größeren Sälen der Stadt Braunschweig Versammlungen einberufen, in denen Adolf Hitler sprechen sollte. Die Versammlungen waren über­füllt. Die Versammlungsleiter teilten zu Beginn mit, daß Hitler infolge Ueberanftren« gung sehr abgespannt fei, so daß es ihm nicht möglich gewesen sei, nach Braunschweig zu kommen. Für ihn sprach Reichstagsabgeordneter Göring. Nachmit»

Gens und die deutsche Autzenpolim.

Von unserem außenpolitischen Mitarbeiter:

Die Tatsache, daß das Reichskabinett zu einer besonderen Sitzung zufammentrat, um zu der am Montag, den 8. September, beginnenden gro­ßen Herbsttagung des Völkerbundes Stellung zu nehmen, läßt die große Bedeutung dieser Ta­gung erkennen.

Mit der Völkerbundstagung verbunden ist nämlich auch die von dem französischen Außen­minister Briand einberufene Paneuropa-Konfe- renz, an der die Vertreter von 26 Staaten teil- nehmen werden. Es wäre verkehrt, irgendein Urteil über den möglichen Ausgang dieser Konfe­renz fällen zu wollen. Wir wissen, daß der Briand'sche Plan bei vielen Staaten auf Wider­stand stößt, daß diese auf keinen Fall die franzö­sische These anerkennen wollen. Doch sind für diese Staaten Gründe ausschlaggebend, welche sich nur schwach mit den deutschen Interessen be­rühren, sodaß wir für unsere Stellungnahme wahrscheinlich in der großen Zielsetzung keine Bundesgenossen finden werden.

Die deutsche Regierung hat in ihrer damaligen Antwort zum 15. Juki die französische Regierung eindeutig klar orientiert über die einzigmögliche Haltung des Reichskabinetts gegenüber den Vor­schlägen Briands. Sie wird aber auf der Pam- europa-Konserenz noch deutlicher sprechen müs­sen. Der Revisionsgedanke wird dabei eine be­sondere Rolle zu spielen haben, wobei wir aller­dings befürchten, daß es einer geschickren. Konfe­renzleitung gelingen könnte, die Revisionsfrage aus der öffentUchen Diskussion auszuschalten. Es würde hier darauf ankommen, daß Italien und England die deutschen Forderungen unterstützen, zumal diese Staaten in ihren Antworten eben­

falls von einer Revision der Verträge als unbe­dingte Voraussetzung für eine weitere Diskussion über das Briand'sche Memorandum gesprochen haben. Dann wäre der Weg frei, doch bis zu einem Ziele bleibt er immer noch weit mit Dornen besät. Immerhin würde den deutschen Interessen schon bedeutend damit gedient sein, daß überhaupt die Revisionsfrage ins Rollen kommt.

Im übrigen erwarten wir keinerlei Uebev- raschungen. Man wird wohl ein Paneuropa-Sta- tut ausarbeiten, wird dieses dann zu einer für spätere Zeiten vorgesehenen neuen Konferenz vor- diskutieren lassen. Beschlüsse werden wohl kaum, wenigstens nicht bestimmender Art gefaßt.

Aber auch die Herbsttagung des Völkerbundes selbst wird ernsteste Entscheidungen bringen. Die Frage der Minderheiten ist diesesmal sehr akut geworden, sowohl durch die Klagen Memels, wie Danzigs, und wie noch bei allen Völkerbunds­sitzungen auch die der deutschen Minderheiten in Ost-Oberschlesien. Dazu kommt in diesem Jahre noch die littauische Rechtsbeugung, so daß für unsere Delegierten eine ungentetn schwere Aufgabe zu lösen ist, um die deutschen Rechte im Osten nicht nur zu schützen, sondern sie nach den Der-- trägen auch zu erweitern. Und hier wirb wieder naturnotwendig die Frage der Revision mit. in die Diskussion einzuflechten sein.

Wir sind überzeugt davon, daß die deutsche Vertretung in Gens ihre volle Pflicht erfüllen und das unter den nun einmal zu berücksichtigen­den Verhältnissen Bestmögliche für Deutschland herauszuholen bestrebt ist.

Die Grundlagen für die Lösung des Arbeikslosenproblems.

Stegerwalds Antwort an Wifsell.

Der frühere Reichsarbeitsminister Wissell hat geglaubt, durch eine Schmährede, die er in voriger Woche in Köln gegen die Regierung Brüning und namentlich gegen seinen Nachfolger Stegerwald hielt, die Verärgerung der sozialdemokratischen Ar­beiterschaft von sich und seiner . Partei ablenken zu können. Er hat fit) aber auch diese Sache zu leicht gemacht. Die „Köln. Ztg." sagte im Anschluß an ihren Versammlungbericht u. a.:

„Wissels Verteidigungsrede betraf nur die Haltung feiner Person und der Sozialdemokratie; er sand kein einziges Wort des Verständnisses für die wirtschaftliche Sage, in der sich Deutschland be­findet, kein Wort für die Notwendigkeit einer Er­neuerung des wirtschaftlichen Lebens mit entschie­denen und durchgreifenden Maßnahmen . . . Wenn die Sozialdemokratie wieder regierungsfähig wer­den will, so wird sie unter Verzicht auf leicht auf- stellbare demagogische Forderungen auf die Inte­ressen des gesamten Volkes viel mehr Rücksicht neh­men müssen als bisher. Mit dem sturen Festhalten an jeder Einzelheit eines Systems der Sozialpoiltlk, rot» wir es augenblicklich haben, kann keinem ein­zigen Erwerbslosen ein Arbeitsplatz beschafft wer­den." _

Stegerwalds Antwort auf die Kölner Rede Wisiells waren grundsätzliche Ausführungen, die der jetzige Reichsarbeitsminifter am Montag in einer Massenversammlung der Duisburger Zen- trumspartei machte:

Wir reden gegenwärtig in Deutschland eine Sprache wie beim babylonischen Turmbau: Wir verstehen einander nicht mehr. Wir betreiben seit mehr als 50 Jahren Sozialpolitik und streiten uns gegenwärtig darüber, was Sozialpolitik ist. Die Linke sagt,' der Wahlkampf gehe um Sein oder Nichtsein'der Sozialpolitik. Dabei ist das Kernstück der Sozialpolitik in den nächsten Jahren nicht etwa die Kranken- und Invalidenversicherung, sondern die Arbeitslosenfrage.

In der Mittelbeschaffung für die Arbeitslosen ist in den letzten Monaten so viel geschehen, wie noch zu keiner Zeit vorher. In den 5 Monaten, in denen ich Arbeitsminister bin, sind rund 1,2 Mil­liarden Mark neu für die Unterstützung der Ar­beitslosen und daneben nahezu 1 Milliarde Mark Darlehen für die Arbeitsbeschaffung durch das Reich beichaist worden.

Volks- und nationalwirUchaftlich kann ein solcher Ausweg nur in äußerster Notwehr gestaltet wer­den und darum haben wir den Wunsch, daß hie deutsche Handelspolitik so geführt werde, daß es nicht so weit kommt.

In dieser Hoffnung appellieren wir diesmal an den gefunden und vernünftigen Wahlentscheid bis Landvolkes und des Mttelstandes. Wir werden im Wahlkampf die Parteien nach ihrem klaren Bekenntnis zu diesen Fragen anreden müssen.

Wieder kommen Provheten aufs Land und ver­sprechen den deutschen Bauern Hilfe, an die wir nickt glauben. Man muß darüber staunen, wie langmütig und geduldig das Bauernvolk ist. Selbst Kommunisten und Nationalsozialisten, in ihrem Wirtschastsprogramm ziemlich dicke Freunde, be­sitzen den Mut, sich um die Stimme des Land­volks zu bewerben. Unerschütterlich und konseauent hat man in den vergangenen Jahren jede mUpoli- tische Aktion zugunsten der Landwirtschaft im Reichstag abgelehnt. Im Parteiprogramm hat man die dem Bauern so roefensfrembe Sozialisierung in der Reinkultur. Die Nationalsozialisten ver«

Das Arbeitslofenproblem an sich kann nicht ge­löst werden durch Reformen an der Arbeitslosen­versicherung und der Arbeitslosenunterstützung, auch nicht mit Arbeitsbeschaffung durch Reich, Länder und Gemeinden. Mindestens 85 Prozent aller deutfck>en Arbeitnehmer find in der Privatwirtschaft beschäftigt. Wie im Privathaushalt, so kann auch in der Volkswirtschaft eines Landes das Geld nur einmal ausgegeben werden. Das Geld, das die öffentliche Hand für Arbeitsbeschaffung verausgabt, wird der übrigen Wirtschaft entzogen, wirkt daher nicht mehr zinsdrückend und zinsermäßigend und fehlt indessen für die Belebung der Privatwirtschaft. An die eigentliche Arbeitslosenfrage kommen wir nur fundamental heran durch eine nüchterne, plan­mäßige und organische innere und äußere Wirt­schaftspolitik, durch größte Sparsamkeit in allen öffentlichen Körperschaften, durch Vereinfachung und Verbilligung der Staatsführung, durch Preis­abbau, durch Verminderung der produktionshem­menden Steuern, durch die Jnordnungbringung der Finanzen in Reich, Ländern und Gemeinden. Ohne geordnete öffentliche Finanzen ist keine dau­ernde Kreditwürdigkeit eines Landes zu erreichen, ist eine kreditstärkende und kreditbefruchtende Wirt- fchafts- und Produktionspolitik nicht möglich.

Diese Ziele sind so klar, daß nur der Mut und die Entschlossenheit aufgebracht werden müssen, sie zu verwirklichen. Nach der Wahl finden sich keine Menschen mehr, die einen Namen zu verlieren ha­ben zur Annahme eines Ministeriums, wenn nicht die Durchführung dieses Sanierungsprogramms garantiert und gesichert wird. Gegenüber diesen großen Aufgaben und Zielen, bei denen Staats-, Wirtlchafts- und Sozialpolitik eine Einheit darstel- len, ist das „Gemecker" über soziale Reaktion, über Krankenscheine usw. politisch geradezu beschämend weil damit das verwischt wird, worauf es gegen­wärtig nicht bloß für das deusicke Volk, fonbem auch für die gesamte deutsche Arbeiterschaft an­kommt. Und das ist die Frage: Wie gliedern wir die große Armee der Arbeitslosen wieder ein in den Produktionsprozeß und wie unterstützen wir jene, denen Arbeit nicht beschafft werden kann, ohne daß dabei das deutsche Volk im ganzen und mit ihm die gesamte Arbeiterschaft immer mehr verarmt und verelendet? Das ist für mich wenig­stens die Kernfrage der deutschen inneren Politik und fom;i nuck der 5mirff*|1f+c= nnh So’irUnopftf

schweigen geflissentlich dem Bauern den ganzen Firmentitel zu sagen, daß man National-Soziali­stische Deutsche Arbeiterpartei heißt Man speku­liert direkt auf die Dummheit des Bauern. Man rechnet damit, daß er dieses alles nicht weiß, oder daß er in der uferlosen Hetze trommetfeuerftarfer Schimpfkanonaden das Ventil der eigenen Unzu­friedenheit findetz So dumm u. fo politisch-urteilslos ist die große Masse unseres Bauernvolkes denn dock; nicht mehr.

Freund und Berufskollege, paß auf am 14. Sep­tember, paß auf, daß Du nicht den falschen Wahl­zettel unterschreibst. Unterschreibst Du den falschen, fo hast Du einen Wechsel unterschrieben, der be­stimmt vielleicht schon im November zu Protest geht. Der Vrotest in diesem Falle nützt nichts, die Partie ist bann verspielt.

Darum: Die Stimme des Baue r n am 14. September derjenigen Vartei, die feit ihrem Be­stehen bewiesen hat, daß sie für das Bauerntum, feine Erhaltung und Kräftigung ihre ganze Kraft einsetzt:

Dem Zentrum!