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Donnerstag, den 4. September 1930.
Fuldaer Zeitung (Amtliches kreisblatt)
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Die neue konservative Bewegung.
Grundsätzliches vom Zentrumsstandpunkt aus.
in dieser staatlichen Ordnung offenbaren muß. Er lebt ganz in der Hierarchie der Werte, die den ganzen Kosmos stufenweise bis zum Thron des Allerhöchsten aufbaut. Gerade über diefem Katholikentag wird der Geist Augustinus schweben, des letzten Römers, des ersten christlichen Staatsphilosophen, der jene Kraft der Antike christlich adelte, die noch in großen Formen denkt und nicht in leeren Begriffen.
Obwohl wir aber in solchen geistigen Linien das gesamte Dasein geordnet denken, so sind diese Linien doch nicht starr, wie so oft in faschistischen und überhaupt terroristischen Systemen. Sieh doch, wie jener Baum seine Krone wiegt! Alles an ihm ist Ordnung, alles der Idee seines Wesens ff maß, aber alles zugleich auch wachsend und blühend. Im Leben Gottes wurzelnd, ist der Katholizismus allem Leben nahe und verwandt. Der Ordnung entsprechend gestaltet er, aber aus der Liebe heraus, aus dem Wurzelboden. Nichts erhofft er von Systemen, die man äußerlich an den Menschen heranträgt, alles aber von den Kräften, die innerlich in ihm wachsen. Darum ist der Katholizismus mit dem Volkstum verbunden, darum kennt er den Wert des Symbols, darum ist er eine Reliaion der Künste, darum kann er das Antlitz der Erde erneuern. Die katholische Kirche steht beim Volke. Sie hat noch Städte und Dörfer, in denen heiliges Vätererbe aus fruchtbarer Scholle blüht, in denen religiöse Weihe über Haus und Familie liegt, in denen der Klang der Glocken und der Schlag des Menschenherzens eines
smd. Sagen wir Volkstum, io sprechen wir damit ein Wort aus, das nicht nur in der Kirche, sondern auch im Staate unsere große Hoffnung ist. Sagen wir Volkstum, fo sprechen wir es aus mir der ganzen Größe, die es im Munde einer j a h r - t n u s e n d e a l t e n Kultur annimmt. Wir find nicht von gestern, wie iene, die sich heute mit völkischen Reden zieren. Wir waren da, als Walther von der Vogelweide sein Deutschlandlied sang. Wir waren da, als Volkstum und Religion in deutschen Landen den ewigen Bund schlossen. Wir sind da seit den Tagen des heiligen Bonifatius und Ludgerus. Wir wissen, was Volkstum ist und was Deutschtum. Das wußten wir schon, als jene völkischen Theorien von heute noch in keines Menschen Hirn entstanden waren, weil man überhaupt keinen Anlaß hatte über Dinge zu sprechen, die man als Heiligstes der Seele in ehrfürchtigem Schweigen bewahrt. Wir wisfen, zu welchen Leistungen das Christentum unser deutsches Wesen befähigt hat. Wir wissen, wie Recht und Liebe und Ideal aus dem christlichen Deutschen heraus
Der Dom zu Münster, der im Mittelpunkt des Deutschen Katholikentags (4.-7. Sept.) steht.
Zweck, ihr zu sagen, daß der Tote der Yakräuber dieser Nacht war, aus den er geschossen hatte.
Von jetzt ab verlief der Tag ohne Zwischenfälle. Als sie anfingen, das Tal zu durchqueren, das eine ziemlich weite Ebene bildete, riet Nima zur Vorsicht.
„Hier müssen wir auf der Hut sein, mein Freund, denn auf diesen offenen Schneeseldern sind wir für jeden sichtbar".
Aber obwohl die Berge manchem wachsamen Schützen als Versteck hätten dienen können, wurde kein Schuß abgefeuert. Die Reisenden kamen bald darauf auf einen Weg, der breiter war als alle bisherigen. Zu Beginn des Weges standen zwei Obos, von denen Gebetsfahnen flatterten. Als die Karawane den Weg betrat, zeigte Nima auf den Schnee, der vollkommen unberührt war.
„Unser Freund mit dem Maulesel ist diesen Weg noch nicht gekommen," sagte er mit feinem tiefen Lachen. „Vielleicht wartet er irgendwo in den Bergen dort drüben auf seine Freunde," fügte er hinzu und zeigte nach den Bergmassen, die links von ihnen lagen.
Shervington schaute jedoch kaum hin. Der Gedanke, daß sie nun endlich die letzte Etappe ihrer beschwerlichen Reise angetreten hatten, beschäftigte ihn so, daß er Nima nur mit halbem Ohr zuhörte. Als er in Janets Augen blickte, las er dieselbe Erregung darin, die ihn bewegte, und selbst Nima war nicht ganz frei davon.
„Wenn wir keine weiteren Zwischenfälle erleben, erreichen wir die Lamaserie des weihen Lama noch vor Sonnenuntergang," rief er lachend, und sein Lachen klang triumphierend.
Der Weg war anscheinend vor langen, langen Jahren von Ingenieuren erbaut worden, denn er war kein gewöhnlicher Bergpfad. Vielleicht, dachte Shervington, war diese Lamaserie einmal früher ein Ziel für Pilgerfahrten, und unzählige Füße hatten schon den steilen, mühsamen Weg erklommen. Die Straße machte plötzlich eine Wendung nach links und stieg dann jäh in die Höhe, denn an dieser Stelle wurden die Felsen von einer tiefen Schlucht geteilt, welche aussah, als hätte ein Riese vor langen Zeiten einen titanischen Keil hineingestoßen und den Fuß des Berges gespalten. Die Reisenden klommen immer höher, und die Straße führte so weit nach links, daß Nima-Tashi sich besorgt umsah, denn er dachte, sie hätten den Weg nach der Lamaseri« doch zuletzt verfehlt. Aber bei der letzten Wendung der Straße stieß er ein
-- Hauptredner des diesjährigen deutschen Katholikentags. Oben: Reichskanzler a. D. Dr. Marx und Prof. D. Dr. Mausbach.
Unten: Ministerialrätin von Gebsattel und Kardinal Faulhaber-München.
Sprache, in der Muttersprache, in der Melodie unserer Dichter, aus den Tiefen unserer Kultur.
Nennst du das Romantik? Wäre es das, die blaue Blume weckt auch heute noch unsere deutsche Sehnsucht. Aber es ist nicht nur Romantik, es ist Gegenwart, es ist Wirklichkeit. Die Kräfte des Volkstums und feiner Urzelle, der Familie, allein werden uns die soziale Ordnung bringen, die heute so sehr erschüttert ist. Was hilft uns das Wort vom Rationalisieren? Es hilft jo wenig, wie eine Maifeier dem Baum, besten Wurzeln vertrocknet sind. Was nützen noch fo richtige Mahnungen vom Ankurbeln der Wirtschaft, Nichts, so wenig, wie das Ankurbeln eines Autos, wenn kein Benzin mehr im Behälter ist. Wachsen muß dieses alles aus einem Wurzelboden, den Gesetzen des Wachsens gemäß, und das sollte die menschliche Vernunft endlich gemerkt haben, daß es nicht ihre Aufgabe ist, eine neue Menfchenwell und eins komplizierte Wirtichaftrtheorie zu entdecken, sondern einzig die Gottesgedanken in der Welt und auch in der Wirtschaft bescheiden nachzudenken, und sie nach bestem Können zu verwirklichen. Werden diese natürlichen Kräfte wieder mehr eingesetzt, so wird von selbst eine gerechtere Güterveüeilung kommen. Denn so gewiß mancher Aktienbesitzer nicht des Paketes wert ist, das er im Tresor eines Bankkonzern bewahren läßt, so gewiß ist der Arbeiter seines Lohnes wert.
Katholikentag und Politik? Sie haben ioviel miteinander zu tun wie der Gottesdienst im Hohen Dom mit den Jnteressenkämpfen des Tages. Dort um den Altar find alle die Streiter beisammen. Dort knien sie vor dem höchsten Gut. Dort zanken sie nicht, sondern beten sie und singen sie gemeinsam. Ein einziges göttliches Gefühl ist über sie gekommen. Ein Glaube, eine Liebe, eine Hoffnung erfüllt fx alle. Im höchsten Jntereste des Lebens sind alle andern untergegangen. Welch ein Bild in dieser unserer Zeit. Als ungeheueres Gemälde wird es sich auf dem Katholikentag entfalten. Bild der Einheit aus einem Glauben heraus. Bild des Lebens aus den Quellen der Sakramente. Bild der Freuds aus der ewigen Gottssfreude. Bild des Friedens aus dem Frieden des Tabernakellichtes. Zur Fahne entrollt sich dieses Gemälde. Es ist die Fahne, die deutscher Geschichte vorangeleuch tet hat in schwersten Tagen. Auf dem Lechfeld hat sie geweht in der Hunnenschlacht und vor den Mauern von Wien im Türkenkrieg. Diese Fahn- erheben wir von neuem heute in dieser Zeit, und so gewaltig wird sie im Sturme wehen, so weit über alle Städte und Landschaften hin wie der deutsche Himmel selber, wenn er sein Sonnenbanner in strahlender Schönheit entfaltet. Die Fahne der Religion ist es, des Volkstums, der am ewigen Lebensquell erneuerten Menschheit.
Ae Sachedes Hong Chung Lu
Von Ottwell Binns.
athottkenkag und Wahlkampf.
L Generalversammlung der deutschen Katholiken in Münster i.W
Von Friedrich Muckermann S. J.
Rolle gespielt hat. Es liegt uns ferne, die junge, mit vielen Hoffnungen begleitete konservative Partei mit den erwähnten altpreußischen Traditionen zu belasten. Die Deutfchkonservative Partei Und der Hauptverein der Konservativen, die sich im Rahmen der nationalistischen Hugenbergpartei — trotz ihres behaupteten Konservatismus — noch immer wohl fühlen, haben zudem die Kontinuität jener altpreußisch konservativen Parteitraditionen für sich in Anspruch genommen, und der neuen Parteigründung das Recht bestritten, die Bezeichnung konservativ zu führen. Durch diesen „klugen Schritt der deutschnationalen Deutschkonservativen darf sich die neue konservative Partei merklich entlastet fühlen. Der Trennungsstrich gegenüber den mehr nationalistischen als konservativen Elementen ist damit in jeder nur wünschenswerten Weise ge-
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Der Tibetaner war hinter einem vorspringenden Fel- nn verschwunden. Nick lief rasch weiter, während er sein Gewehr schußbereit machte. Als er um den Felsen kam, Ivh er, wie Nima sich über etwas im Schnee bückte. Als auf ihn zueilte, schaute dieser auf, und beim Anblick
** schußbereiten Gewehres lachte er.
„Das tut nicht mehr not, mein Freund. Es hat diese °cht seine Pflicht getan. Siehe!"
Shervington sah auf den toten Mann, über den Nima W gebeugt hatte, und als er das magere Gesicht erblickte, t Mhr er zusammen. Ich hatte mich also nicht geirrt, wie ^ siehst," sagte der Tibetaner. „Es ist das Gesicht der "s'n°n chinesischen Ratte aus Tachien-lu, der der Arrak- "uiker alles verriet. Habe ich nicht recht?"
«Ohne Zweifel," antwortete Shervington, während er vos leblose Gesicht starrte.
1' hi k Kugel traf die Schulter. Offenbar ist er bis t Klausen, um sich seinen Freunden wieder anzu- ußen und brach dann infolge von Blutverlust zusammen, und die Kälte gab ihm den Rest. Nun ist doch ein ^.^n^rischxr Hund weniger auf der Welt. Wir wollen le Weiche fortschaffen, damit die Dame sie nicht sieht." . Der Tibetaner bückte sich, hob den mageren Körper es Toten auf, trug ihn eine kurze Strecke und warf ihn nn hinter einen Schneehaufen. Darauf kam er zu Sher- mgton zurück und sagte:
")^tzt ist die Lust rein für eine Dame."
k . ^nervington ging zurück und winkte Janet und dem 6 M wr wartenden Yaktreiber. Das junge Mädchen eilte
• Ack zu. „Was —" begann sie besorgt.
br * e ^iche eines Mannes lag über dem Weg", unter« er sie. „Nima hat sie schon weggeschasft."
Leiche eines Mannes!" rief sie entsetzt. „Doch
■■ Huskys?"
..Nein!" erwiderte er rasch, als er die Angst in ihren in T*1 ”®s roar der kleine Chinese, mit dem Husky
i D^chien-lu plauderte: er gehörte, glaube ich, zu un« ' re*! Feinden."
ij zu verhindern, daß sie weitere Fragen stellte, - "gie er sie zur Eile; denn er sagte sich, es hätte keinen
Die Auseinandersetzungen innerhalb der Deutsch- nationalen Volkspartei haben zu der Neubildung einer Konservativen Volkspartei geführt. Damit tritt wieder ein Parteiname sichtbar in die parlamentarische Geschichte ein, der im alten Preußen des Herren von Heydebrand, aber auch unter Bis- eigenwillige, zum Teil verhängnisvolle eit hat. Es liegt uns ferne, die junge,
zogen worden
Die von prominenten Zentrumsführern begrüßte Klärung im Rechtslager befindet sich in vollster Entwicklung. Die geistigen Standorte der verschiedenen Gruppen und Richtungen heben sich immer deutlicher voneinander ab und erleichtern Entscheidungen und Stellungnahme. Die Herauskristallisierung einer wirklichen, wesensrechten konservativen Partei darf von Zentrumsseite im Interesse des Staatsganzen durchaus begrüßt werden- Jede konservative Stärkung der staatspolitischen Mitte bedeutet einen Fortschritt im Kampf gegen wahres Triumphgeheul aus. Ganz außer sich vor Erregung gestikulierte er und spornte die Nachkommenden zur Eile an. Shervington lief hinzu und sah eine Kettenbrücke, die über die Schlucht führte. Am Eingang stand eine riesige Buddha-Statue, die den Propheten, unter einem Baum sitzend, darstellte. Steinerne Ruhe lag auf dem Gesicht, und die Augen starrten, wie sie seit Jahrhunderten die schneebedeckten Berge angestarrt hatten.
Hinter der Brücke lag ein schmales Plateau, das jetzt mit Schnee bedeckt war: ob es ein natürliches oder von Menschenhand geschaffenes war, konnte Shervington nicht sagen, aber er vermutete das letztere; denn es erstreckte sich wie eine lange Felsenspalte am Berg entlang und sah zu gleichmäßig aus, um eine natürliche Bildung zu fein. Einen halben Kilometer von ihnen entfernt lag die Lamaserie selbst, ein gewaltiges Steingebäude, bas mit dem Berg zusammengewachsen zu sein schien. Hunderte von Gebetsfahnen flatterten im eisigen Wind, und während die Wanderer hineinblickten, drangen die tiefen Töne von großen Gongs zu ihnen hinüber.
Janet Croydon sah ihren Verlobten an, und erleichtert rief sie: „Endlich!"
„Vorwärts!" rief der Tibetaner und ging voran über die Brücke, unter welcher fo tief, daß er unsichtbar roar, ein reißender Gebirgsbach rauschte, der von dem schmelzenden Schnee genährt wurde.
Die Reisenden konnten schon dunkle Gestalten vor dem großen Gebäude umhergehen sehen und merkten bald, daß sie bereits gesehen worden waren; denn die in lange Gewänder gekleideten Lamas begannen sich in Gruppen zusammenzutun und zu ihnen hinüberzublicken. Bald waren sie so nah, daß die Gesichter der Lamas deutlich zu erkennen waren. Dann geschah etwas Seltsames. Gerade vor ihnen, ungefähr zwanzig Meter entfernt, erhob sich ein in einem roten Gewand bekleideter Lama von der Erde, streckte die Arme über den Kopf in die Höhe, die Handflächen aneinander, kniete wieder in den Schnee, legte sich der Länge nach aufs Gesicht, die Arme ausgestreckt vor sich, darauf bewegte er eine Hand und stand auf. Alsdann machte er drei Schritte und wiederholte die gleichen Bewegungen. Janet Craydon starrte erstaunt auf den Mann, während er diese Hebungen zum dritten Male ausführte.
„Was in aller Welt macht er?" flüsterte sie.
„Er ist wahrscheinlich ein Santa, der eine Bußübung
Radikalismus und Extremismus. Bedauerlich bleibt allerdings die vollkommene Zersplitterung der konservativen Bewegung, die sie im Kampf gegen Nationalismus und Liberalismus nicht recht aufkommen lassen wird. Auch die konservativen Gruppen, die sich von Hugenberg losgelöst haben, sind von den Nebeln unserer Zeit angesressen. Ein überspitztes Interessentenwesen hat eine einige und ge- schlossene konservative Bewegung nicht möglich gemacht. Die Landvolkpartei geht die Wege ihres engsten Wirtschastsinterefses. Der Christlich-soziale Volksdienst bleibt vielfach in eigentümlich religiös gefärbten, unwirklichen Wirtschaftsauffassungen stecken und bezeugt damit seinen eigentlichen unpolitischen Charakter. Die Konservative Volkspartei besitzt keine klare, innere Linie. Man kann jetzt schon stark unterschiedliche Richtungen zwischen Westarp und Treviranus feststellen. Die Inkonsequenz der neuen konservativen Partei hat sich auch gezeigt, als sie sich zu einem indirekten Wahl- bündnis mit der Deutschen Volkspartei des Herrn Scholz und mit der Wirtschaftspartei bereiftinden ließ. Wie will eine konservative Partei ihr Wollen dem Volke klarmachen, wenn sie schon gleich zu Beginn ihres öffentlichen Auftretens die prinzipiellen Grenzlinien verwischt und mit dem schwer- industriellen und kleingewerblichen Wirtschasts- liberalismus anbändelt?
Der Hauvtfehler unserer Zeit ist die mangelnde Prinzipieirfestigkeit, die Durcheinandermanschung von Begriffen, Programmen und Haltungen. Wir haben es erlebt, daß ein großer Iugendbund, der Iunadeutsche Orden, der bislang seine konservative, antiliberale Haltung nicht genugsam betonen konnte, sich plötzlich der Partei des ausgesprochensten Kulturliberalismus, der Demokratischen Par- tet, in die Arme warf, daß liberale Politiker überraschend ihr konservatives Herz entdeckten. In einer'solchen Situation hätte eine aufrechte konservative Partei zu der ideenmäßigen Grenzverwischung nicht noch durch ein Wahlbündnis mit dem Liberalismus beitragen dürfen. Das ist ja immer für den deutschen Konservatismus die Ge- fahr gewesen, daß er, um zeitgemäß zu sein, sich bemühte, in nationalen Dingen kulturellen Angelegenheiten jedoch liberal angehaucht zu sein. Die Zentrumsvartei hat allen Anlaß, auf diese ®e- fahrmöglichkeiten eindringlich hinzuweisen, auch wenn sie sich am politischen Horizont erst undeutlich abzeichnen. m •
Wenn die Zentrumspartei das Werden und die Entwicklung einer konservativen Gruppe mit gewissen Sympathien verfolgt hat, so tonnen dies doch nicht so weit gehen, daß sie darüber ihrer eigenen Prinzipien und der zwischen ihren und den konservativen Anschauungen bestehenden Unterschiede vergäße. Die Zentrumspartei kann dis spezifisch konservative Staatsauftassung nicht teilen, weil in ihr das Wesen und die Rechte 8er Einzel» Persönlichkeit zu kurz kommen.
Der Konservatismus schätzt den Staat gleich einem lebenden Organismus ein, dem gegenüber das Individium nur ein unselbständiges Glied ist. Der Staat steht vor und über dem Individuum; ec ist das Werk einer höheren, dem Willen der Ein» zelperfönlichkeit enthobenen Macht, das infolgebei-1 fen dem Zugriff der Einzelnen entzogen bleibt. Eine solche Staatsauffassung muß notgedrungen^ bei der Verkündung der Staatsomnipotenz enden,, die aber von der Zentrumspartei stets aus das entschiedenste abgelehnt worden ist. In der konservativen Staatsauffassung sind Rechte und Pflich-j ten der Einzelperfönlichkeiten vor allem in ihrem Verhältnis zur Gemeinschaft nicht richtig abgeschätzt« Allzu leicht taucht die Einzelpersönlichkeit in der Volksgemeinschaft unter und gerät in em rein vegetatives Gliedverhältnis, in eine Abhängigkeit« die beinahe eine eigene geistige und funktionelle Existenz unmöglich macht. Wie stark derart „organisch" konservative Auffassungen auch in Kreisen nachwirken, die sonst alles eher als konservativ sind, beweisen die Darlegungen in Nr. 179 des „Völkischen Beobachters":
„Grundsätzlich steht daher der Natwnalsozialis-! mus auf dem Standpunkt, daß nicht der Einzel- menfch das Ziel der Schöpfung ist und daher nicht die Grundlage für die Betrachtung über die Ein- richtung eines Volkes bilden kann. Der Einzel- menfch ist das Produkt des analysierenden Verstandes, denn die Wirklichkeit kennt diesen Einzelmen- scheu nicht ... Das Volk erscheint so gesehen als em wachsender Organismus, als ein mächtiger Baum, der durch die Jahrhunderte wohl seine Form, aber nicht seine Art ändert .... Jedes Glied eines Volkes hat nur Daseinsberechtigung, sofern feine Existenz die Gesundheit des Dolkskör- pers nicht hindert, — ja fördert."
Bis auf den letzten etwas zu kraßformulierten
um die ganze Lamaferie macht, um sich Verdienste zu erwerben," antwortete Shervington.
„Um dieses riesige Gebäude will er auf solche Weise gehen — im Schnee?"
„Mehrere Male wahrscheinlich."
Als sie sich dem Büßer näherten, grinste Nima. Aber dann erstarb ihm das Lachen auf den Lippey. Mit entsetzten Augen wandte er sich rasch an Sheroington. Dieser nickte ihm zu und sah wieder den Lama an. Anscheinend hatte der fromme Mann ihre Nähe gar nicht gemerkt, je- denfalls hatte er sie mit keinem Blick gestreift, wenigstens nicht, daß sie es wußten. Er lag auch jetzt wieder auf den Knien, und während Shervington ihn beobachtete, streckte er sich von neuem im Schnee aus.
Siebzehntes Kapitel.
Furchtbare Rache.
„Hast du das gesehen, mein Freund?" flüsterte Nima. „Ja, gewiß!" .
„Es ist der hochheilige Mann von Berg Omei, der in Schanghai als Hong Chung Lu bekannt ist!"
„Ja, ohne Zweifel. Und er ist vor uns hier! Da muß er einen anderen kürzeren Weg genommen haben."
„Vielleicht." Der Tibetaner sah nach dem Platz zurück, wo der Mann, von dem sie sprachen, wieder der Läng« nach auf dem Gesicht im Schnee lag, dann lachte er grimmig. „Sem Vorsprung wird ihm nicht viel nützen, wenn er die nächsten drei Tage damit verbringt, seine Größe im Schnee auszumessen. Aber still, mein Freund, eS kommen Lamas auf uns zu. Ihr könnt euren weißen Heiligen suchen, während ich mit diesen hier weise rede*
Einige zwanzig Lamas, von denen die meisten jung waren, kamen auf die Reisenden zu. Trotz ihrer freiwilligen Absperrung von der Welt machten sie einen ganz lebensfrohen Eindruck. Aber hinter diesen ersteren tarnen andere, ältere, manche mit ganz verrunzelten alten Gesichtern und einem abwesenden Ausdruck in den Augen, andere wiederum hatten einen hämischen Blick. Nima begrüßte die Ankommenden, indem er die Zunge aus- streckte, und sofort tarnen sämtliche Zungen der Lamas zum Vorschein. Dann sprach er einige Augenblicke mit den Mönchen, und bald daraus machte Nima der tleinen
I Karawane ein Zeichen, vorwärtszugehen.
(Fortsetzung folgt)
»„wirbiaer Gegensatz: In Münster herrscht ^.ma freudiger Erwartung. Der neue I ** ^Tbebnt eine Front in der Hellen Sonne, s B^^lfben sich an, Wohnungen werden bereit» I S-ste -new« , unb eingerichtet, das Lokal- ■pkÖt Au „nermüdlick in all seinen oerschie- I t°mI Abteilungen. Man weiß, man dient der KW!"1’man arbeitet für die Kirche, man wird I rkligwn. I Herrgott, und das ist bei aller Au- I »in schönes, beglückendes Gefühl, das ist 1 -uWA vor Pfingsten, das ist Feier und »it eI Reich aber tobt die Wahlschlacht. Das W Lieb«- c Oeiben^aften ist m feinen letzten Tiefen ■B-mühlF Unruhe und Fieberhitze allenthalben.
-uMwu' - bie Gewichte heran, die er hoffend 1 3eber’rimetfelnb auf die Waage des deutschen J^^als roirft Interesse herrscht vor, Parteihader, f ^ Plattheit. Amerika scheint uns die übelsten «hoben seiner Demagogie vermacht zu haben. ^^Wauck freilich erhebend, wieviel Idealismus, — • Hingabe der Besten sich in diese fücchter- l^sirena stürzt, die Bestie herrscht vor, die
Vt W,e das Raubtiergebiß, nicht wahr? Aber Ge- Lmfiike berühren sich.
■r®it Recht hat der Oberhirte der Stadt Mün- 1-.L für diese Frage maßgebende Stelle und - frrfnrität darauf hingewiesen, daß der Katholiken- SuTrin' lag „religifer Einkehr und
so m m I u n g" fein soll. Der Nachfolger der 5 stel auf dem altehrwürdigen Bischofssitz des | JE* n Ludgerus spricht von den „stillen Kräften
h Gebetes, der Gnade, der Sakramente, der Treue zu Christus." Markig sein Wort: „Wenn »dr uns nickt selber mit Christus erneuern, so wer- wir weder unsere eigenen Reihen noch über- £Lnt die Welt in Christus erneuern können." Das Ad Bischofsworte, in denen die beste Tradition l . deutschen Katholikentage weiterwirkt. Wird hier aber das Wort von der Erneuerung gefpra- Lt so erfaßt es den ganzen Menschen, das ganze o^n mithin auch die Tiefenkräste, die in aller «„link und in jedem Staatswesen entscheidend sind. 3n dieser Tiefe berühren sich in der Tat Religion und Kultur, Staat und Kirche, Katholikentag und Wahlschlacht.
Unser Staat hält eigentlich heute nur noch zu- ■ Jammen durch den Apparat seiner Einricht'.ingen, die vielfach nur mechanisch funktionieren. Um dieses Gestänge herum stürmt es und wogt es, als B^^Bfcen die eisernen Pfeiler brechen und alles ein einziger Trümmerhaufen werden. Der Katholikentag weiß, daß es sich hier nicht nur um Gerüste staatlicher Technik handelt, sondern daß die staatliche Ordnung in die große Gottesord- . „.J------ --------- • - _ ,
nung der Welt eingebaut ist. Er tft | gewachsen sind. Sprechen wir unser katholisches für den Geist des Rechtes und der Liebe, der sich 1 Credo in Münster, so sprechen wir es in unserer