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Wir stehen hinter Brüning!

Eine Wahtrede gegen meine besten Freunde

es.

Zugend-Kundgebung ausderMseburg

am kommenden Sonntag

Sie katholische Zagend muß an die Front!

Die Kundgebung steht unter dem Leitwort:

Katholische Jugend und Staat

7. Lied: Wann wir schreiten . . .

Getreide- und die Kartoffelfelder sahen meist sehr

Mil Zungbauern ans Sledlungssahrk

6)

September Staates

Am Schuhengelfest, Sonntag, den 7. September, findet nach Schluß des Festgottesdienstes auf der Milseburg beim Abrahamsfelsen um 11 Ahr vormittags eine große Kundgebung der katholischen Jugend des Fuldaer Lander und der Rhön statt. Die katholische Jugend wird dort klar und eindeutig ihren politischen Willen zum Ausdruck bringen. Der 14. September fordert stärksten Einsatz aller staatserhaltenden und zukunftsfreudigen Kräfte gegen die Interessentengruppen und Katastrophenpolitiker.

Verantwortlich für „Das Blatt der Jugend": Dr. oec, publ. Joseph Sauer- Fulda.

Zu der Kundgebung ist die gesamte männliche und weibliche Jugend katholischen Glaubens aus Stadt und Land herzlich eingeladen. Erscheint in Massen ! Wir stehen vor einer schweren Entscheidung.

Lied: Ich habe Lust . . .

Ansprachen.

Lied: Und wenn wir maschieren . . .

Tellspiel der Schweizer-Bauem von Franz Johannes Weinrich.

mische.

Eben weil an dem schicksalsschweren 14. Partei Politik das Fiasko des

nach Pommern.

Bon T

schule trägt die erste Szene aus Schillers „Teil" vor. Das Stück mir seiner edlen Heldengestalt paßt vortreff­lich in den Rahmen der Tagung.

Die jugendlichen Spieler des neuen Diözesanjugend­sekretärs Junglehrer Gesang bringen mit ihrem köst­lichen „Der Teufel im Baum" noch mehr Humor und Freude und Sonne in die Herzen der Menschen. — Und die Sonne strahlt darüber! —

und Volkes bedeutet, muß ich euch aus gleicher reli­giöser Inbrunst auf die Staatspolitik des Füh­rers verpflichten. Deswegen euch die Maske herunter­reißen, die ihr für eure eigene Haut haltet, als könne der Glaube, der uns der einzig absolute Wert ist, uns in dieser ganz konkreten politischen Situation von einer Welt offenkundigen und geschlossenen politischen Ent­scheidung fernhalten oder sogar zur sog. Neutralität ver- pslichten. Aus Glaube ents cheiden wir.

Für sich persönlich wird die Mehrzahl von uns ohne weiteres zugeben, daß sie in der Zentrumspar-

aus. Wie wir später erfuhren, hatten die Siedler dur weg guten Baden erhalten. Schönow war ftüher 1 Rübensamen-Zuchtgut gewesen.

Ein kurzes Schlußwort. Eine packende Aufforderung zum Zusammenstehen, herzlichen Dank an alle, das Lied „Deutschland, Deutschland über alles", ein Musik­stück der Domkapelle und die Tagung ist zu Ende. —

Im Purpurglanze der scheidenden Abendsonne ziehen die einzelnen Scharen, Gruppen und Vereine singend wieder der Heimat zu im Herzen den frohen Entschluß „Und wir bauen sie doch."

Gegen 1000 hatten sich eingesunden. Auf allen Wegen, durch schattige Waldschneisen, auf schmalen Feldpfaden kamen sie herangezogen in Einzeltrupps und geschlosse- nen Vereinen, mit Musik und Gesang, umflattert von Wimpel und Banner. Hin zum idyllisch gelegenen Hei­ligtum wanderten sie Gesellen und Jungmänner, Jung­frauen und Jungführer und Führer der Jugend aus dem Priester- und Laienstande. Schon am Vormittage waren die Dörner zu ihrem Familienausslug herausge- kommen.

Es war ein fröhliches Treiben, ein Jauchzen und Ru­fen, ein Singen und Klingen. Licht und Freude und Sonne im Herzen und in der Natur. Wolkenlos der Himmel, tiefblau das Firmament, überall Sonne, so recht ein Jugendtag.

Gegen 3 Uhr rief das Glöcklein mit feinem hellen Läuten zur Segensandacht. Nur einen geringen Teil der jugendlichen Beter konnte das Kirchlein fassen. Dann traf man sich unter der altehrwürdigen Buche. Das Raunen und Rauschen der Blätter erzählt aus fer­ner Vergangenheit von manch frohem Fest und manch schwerer Stunde. In ihrem kühlen Schatten, inmitten der blühenden Heide lagerten sie sich die jungen blühen­den Menschenkinder. Das ganze herrliche Bild umrahmte der dunkle Kiefernwald und darüber leuchtet die Sonne!

Die Musikkapelle der Dörner spielt ein flottes Stück. Der Diözesanobmann ruft int Vorspruch der Jugend be- geistert zu „Und wir bauen sie doch", die neue Zeit. Ein jugendlicher Präses spricht den Willkommgruß. Der Höhepunkt der Tagung ist die formschöne und feinabge­wogene Rede des Kaplans Schmand. Jugend und Staat ist fein Thema. Das deutsche Volk ist in Not, bedrückt von außen, krank und zerrissen im Innern. Katholische Jugend steht in dieser Not zu seinem Volk und seiner Verfassung. Von jugendlichem Feuer und starker Begeisterung getragen will kathol. Jugend mitbauen an der Gestaltung und Formung des Volks- ganzen. Diesen Aufbau will sie nicht auf revolutionä­rem Wege, sondern mit den Mitteln des Staates. Kacho­lische Jugend lehnt alle Bestrebungen ab, die durch fal­sche Reform den Bestand des Staates unterwühlen. S i e lehnt jede Parteidiktatur ab und kämpft für den freien demokratischen Volksstaat auf christlicher Grundlage. Das ist die Bedeutung des 14. September: Chaos oder Aufbau! Katholische Jugend ist für den Aufbau, den Aufbau in wirtschaftlicher und sozialer Hin­sicht, für ein freies, gesundes Volk voll Gottgläubigkeit, für einen Aufbau, wie ihn die jetzige Regierung, wie ihn Dr. Brüning und das Zentrum erstrebt. Der Redner schließt mit einem Treu Heil auf das deutsche Volk.

„Wann wir schreiten Seit' an Seit'", stimmen die Jugendscharen an. Die obere Knabenklasse der Dom«

tei ihren fin.ngemäßen politischen Aus­druck sieht. Viele werden das gleiche denken, aber nur, weil es für sie eine „kritiklos brave Selbstverständ­lichkeit und erfürchtig ererbte Vätertradition" ist. In den Bezirken des Bundes aber werden sie viele Mög­lichkeiten platonisch diskutieren, wie ein Christ sich po­litisch entscheiden könne. All das will ich weder in allem gutheißen noch verwerfen. Aber eindeutig will ich -,u verstehen geben: heute, d. h. am 14. September gibt es nur eine sehr begrenzte Möglich­keit, uns politisch einzusetzen, und die heißt Heinrich Brüning.

Nicht lang und breit den Inhalt der Notverordnung hier begründend zu bieten, ist meine Absicht. Einen po­litischen Führer mitsamt seinen begabten Führern und einer treuen Gefolgschaft, will ich euch zeigen. Wir er­lebten mit großer Ergriffenheit, wie dieser kluge Fi­nanzkundige und lautere Mensch die Führung des Reiches in Notzeit übernahm. Wie feine kurze, aus Geist und Wille gespeiste Kanzlerschaft uns rücksichtslos die Haltung der Volksvertretung demaskierte. Hier steht der reine, selbstlose und deshalb allein selbstsichere Führer, den unsere jugendlich bren­nenden Augen an fernen Horizonten suchten, der den Mut und die Kraft hat, ohne jeden Schimmer von De­magogie, mit unliebsam erhöhten Steuern, mit bis zu krasser Jmpopularitüt getriebener Wahrhaftigkeit vor bas Volk zu treten und dies« Spannung auf das Aeu- ßerste zu treiben, weil ohne diese Sachlichkeit „die demo­kratische Republik und das deutsche Volk vor die Hunde gehen."

Der Interessenklüngel eines verantwortungsscheuen Parlaments hat ihn und seine Mitstreiter int Stich ge­lassen; einer hoffte vom anderen, er werde durch seine Stimme die unpopuläre, aber so bitter notwendige Ver­ordnung ermöglichen. Die jungendliche Initiative eines unverbrauchten Brüning hat ihnen durch sein Handeln gezeigt, daß die Demokratie nur möglich ist, wenn ihre Träger das Korrelat der Freiheit: diePflicht kennen. Und da dieses sich selbst verlöschende Interessenkonglome- rat genannt „alter Reichstag", diese Kraft in seiner sitt-

zwischen den Kartaffelsträuchern hindurchgeführt werden. Aus der anderen Seite des Weges wogt ein riesiges Kornfeld wie ein Meer. Die Frucht steht gut. Man sieht, daß der Boden schwer und fruchtbar ist und gut bewirtschaftet wird. Wir sind überrascht, da wir vom Zug aus so manche schlecht bestellten großen Strecken gesehen hatten.

Die Pferde trotten langsam ihres Weges. Wir lassen uns die Knochen zusammenschütteln, sind aber lustig und guter Dinge. Es ist ein schöner Sommer-Abend. Links von uns verbirgt sich die untergehende Sonne hin­ter einem kleinen Wäldchen. Die Landschaft liegt müde und unbewegt.

Ich sitze im ersten Wagen. Wir haben vielleicht ein Drittel des Weges hinter uns. In der Ferne wird ein von alten Bäumen Überschatteter großer Gutshof sichtbar. Wir denken schon, es sei Schönow. Da erhebt sich kurz hinter uns im zweiten Wagen ein lautes Lachen und Ge­schrei. Das Vorderrad des Wagens hatte den Reifen ver­loren und drohte zusammenzubrechen. Fluchtartig spran­gen die Insassen auf die Straße. Wir lachten schaden­froh aus vollem Halse, prüften aber zur Vorsicht auch unseren Wagen. Man sollte es kaum für möglich hal­ten, aber unser Wagen war ebenfalls am Zusammen­brechen. Wären wir noch einige hundert Meter gefahren, hätte er uns sicher unsanft auf die Straße gesetzt. Also alles aussteigen! Nun lag noch eine gute Stunde Fuß­marsch vor uns.

Was hatte dieser Streik der Wagen zu bedeuten? Nun, die Erklärung ist ganz einfach. Schönow befand sich im Uebergangsftabium. Die Siedlerstellen waren schon von westdeutschen Bauern seit wenigen Monaten besetzt, der Gutsbetrieb war aber noch nicht restlos auf­gelöst, da die Siedlungsgefellfchaft noch manche Arbei­ten zu verrichten hatte. Ein großer Teil der Wagen und Pferde war schon an die Siedler abgegeben. Was an Gerätschaften übrig geblieben war, scheint nicht be­sonders gut gewesen zu fein. Man mußte sich mit ihnen schlecht und recht bis zur endgültigen Auflösung des Restbetriebes durchhelfen. Der Umstand, daß gleich

Des Wandergesellen Heimweh.

Das Bündel geschnürt, in der Faust den Stab, Bin ich gewandert landauf, landab

Viel Tage und Jahre, und viel fremdes Land Hab ich durchstreift. — Freudabgewandt.

Ging's weiter im Welschland als Wandergeselle.

Bei Kälte und Hitze war ich zur Stelle

Am Amboß, mit Werkzeug. Ost müde int Herzen Wollt ich bei Menschen vergessen die Schmerzen.

Doch fremder Trost klingt fremd in der Seele Und macht nicht frei, schnürt zu die Kehle.

Im Leid drückt ich stumm das Haupt in die Hände: O Heimat, o daß ich dich wiedersände!

Und sieh da, aus holdseliger Jugendzeit Rahen sich Bilder. O Heimat, wie weit Bist du, mit der Eltern friedlichem Haus, Wo froh ich als Kind ging ein und aus.

Wo mir blühte ein Glück, und ich ahnte es nicht, Wo der Kleine der Mutter Gebet nachspricht, Wo ich spielte am Waldrand mit schuldlosem Lachen. Du, Heimat, kannst heut noch ganz froh mich machen.

Dann band ich mein Werkzeug und griff nach bemStabe Und bald war ich wieder der Wanderknabe, Und suchte ein Singen in der bebenden Brust;

O Heimat, du meiner Jugend Lust!

So klangen im Welschland die Heimatweisen, Und trieben die Füße, noch schneller zu reifen. Bald bin ich daheim, und gelobe dir Treu.

Dir, Deutschland, dir, Heimat, gehör ich aufs neu.

I. Uhl.

Schönow, (Pommern), d. 11. Juni 30.

Die Kleinbahn setzte uns bei einem kleinen pommer- fchen Dorf ab. So eine Siedlung steht natürlich ganz anders aus wie ein hessisches Bauerndorf. Es gibt in Pommern zwar auch Bauern. In jedem Dorf find ei­nige. Neben jedem großen Gutshof liegen gewöhnlich ein paar Bauernanwefen. Der größte Teil der Bewoh­ner eines ostelbischen Dorfes sind aber meist Landarbei­ter, die von dem Gutsherrn abgängig sind. Die besseren und seßhaften Arbeiter wohnen in kleinen Häuschen, die selten ihr Eigentum sind. Die Wanderarbeiter die man vor allem für die Erntearbeiten im Sommer braucht, sind in einem großen, nüchternen Gebäude, der feg. „Schnitterkaserne" zusammengepfercht. Was für Verhältnisse in so einer Kaserne herrschen, in der Man­ner und Weiber, junge Burschen und Mädchen zusam­men hausen, kann sich jeder denken. Sie spotten jeder Beschreibung. . ,

Von der Bahnstation, deren Namen mir entfallen ist, sollten uns zwei große Gutswagen nach der über zwei Stunden entfernten neuen Siedlung Schönow bringen. Sie tarnen mit einiger Verspätung an. Es waren schwere Wagen mit großen, breiten Rädern, die sonst wohl zur Beförderung von Kartoffeln und Zuckerrüben gedient hatten. Wir vertrauten uns ihnen an und fuh­ren singend durch das Dorf an zwei großen Gutshöfen vorbei unserem Ziel entgegen. Am Wege entlang lagen hie Gleise einer Feldbahn, die zur Beförderung der Lasten von Schönow nach der Bahnstation dienten.

Recht und links dehnten sich die Felder schier ins Un­endliche. Auf der einen Seite ein einige hundert Mor­gen großer Plan mit Kartoffeln. Sie sind mit der Ma­schine gestopft und liegen in langen schnurgeraden Rei­hen. Der Hackpflug kann nach jeder beliebigen Richtung

lichen Brust nicht hatte, mußte der Herr Rei den Reichstag auflösen. Und der Führer fragt" Volk, ob es in seiner Entscheidung die deuisi bitt mit dieser sittlichen Kraft stützen oder kommenden Winter die Frucht einer u n g e tj e Demagogie erleben wolle: Aufruhr ein nicht mehr materiell zu erhaltenden Arbeitslo von nahezu drei Millionen (ohne die Notver fehlten nach Stegerwald 800 000 000 Mark Massen), Einbruch des roten Ostens, Zusaminenk» ferer finanziellen und staatlichen Hoheit. Wo land, das mit uns und allen Industriestaaten d schmerzlich ringt, sich alle drei Parteien zu gern Beratung und Hilfe um die eine Regierung muß der ehrliche und auch unter dieser Tatsache deutsche Kanzler erleben, daß die Katastrophe von rechts und links immer mehr pflichtverges finnungsgenoffen bekommen, wie auch besonne rer der Sozialdemokratie von Demagogen geif gefressen werden. Der Reichskanzler funkt mit nen Zahlen S. O. S. übers Land und die törii geschwätzigen Schreiber erörtern diese Zahlen tik auf vielen Seiten, statt für das sinkende S Rettungsmannschaft zu werben! Brüning keine Phrasen machen, das macht uns stimmt uns aber düster, wenn wir an die Ents des 14. September dieses Jahres denken, das Volk, wird die Jugend die Sache über Wort stellen, wird sie dem Führer folgen, der Volk am Rande des Abgrundes die nur für S freie verständigen Worte zuruft: „Die ehrwürdigst« gelegenheit des Parlaments ist Ausgabenbew Man muß sich aber die Pflicht vorhalten, die ®ru dafür in die Beschaffung der Mittel zu legen. Das ist Parlamentarismus". Brüning hofft auf uns.

Werden auch wir ihn enttäuschen, wo wir ii solgschaft einmal kostbare Worte sanden? Worte ben es. Brüning hat geführt, er redet wenig, nutzen uns religiöse Erneuerungsprogramme, wenn konkrete Leben endlich Entscheidung verlangt? wir sie vertagen? Wollen wir den Demagogen Radikalisten, den Phrasenhelden und Bestochenen Staat als Tummelplatz für ihre Partei ober ihre mende Gesellschaft, für ihre beschrankte Rasse oder egoistischen wirtschaftsinleressen überlassen, oder Staat als übergeordnete, zweckbestimmte menschliche meinschast aus dem religiösen her erfüllen? Die S für diese Tat ist da. Kann es sittlich sein, dieser P auszuweichen? Kann es sittlich sein, ruhig zu fein, i Bund zu schweigen, wenn andere systematisch das und die Jugend vergiften, sie immun machen nicht diskutierbare Steuern, sondern gegen Staat, Volk Verantwortung? Kann es fragwürdig sein, auf welch« Seite dieser gesunde christliche demokratische Staat lich, nicht erst in Programmen entwickelt (wie bei u seren programmatischen Erklärungen oder in dem fi nen Sammelruf von einer Staats- und Reichspa sondern in der Tat, in Fleisch und Blut, in Beran tung und Große, in Demut und Leid verwirklicht Nein.

Heinrich Brüning und feine Freunde leben führen.

wir leben auch und folgen.

Wer um den kommenden Staat am meisten der verdient ihn und der erringt ihn auch.

Jugendtreffen in Klein-Heilig-kreuz

Eine machtvolle Kundgebung war

Programm: 1. Lied: Vorerst so wollen wir loben . .

2. Vorspruch.

beide Wagen sich weigerten, uns zur Siedlung zu brin­gen, wurde von uns aber symbolisch gedeutet, einer meinte, man erkenne daraus, welche Schwierigkeiten dem westdeutschen Siedler hier gemacht würden, sogar die Materie lehne sich gegen ihn auf. Diese Deutung fand jedoch keine Zustimmung, vielmehr sahen die meisten in dem spaßhaften Vorgang die Bestätigung unserer Meinung, daß der Gutsbetrieb dem deutschen Bauern nicht gewachsen sei.

Wir marschierten im Eilschritt los. Bald hatten wir den Gutshof erreicht. Daß er nicht Schönow hieß, er­kannten wir schon daran, daß man izicht die charakteristi­schen Siedlerhäuser aus rotem Backstein sah. Also wei­ter. Endlich tauchte ein Kirchturm auf. Bald lag eine lange Reihe von neuen Häusern vor uns. Das mußte Schönow sein. An den Haustüren standen die Siedler. Man hatte uns erwartet und begrüßte uns äußerst freundlich.

Im Hause des Verwalters war für uns ein kräftiges Mahl bereitet. Dann verteilten wir uns in die einzel­nen Siedlerhäuser. Fast jede Familie hatte sich bereit erklärt, einen Gast zu beherbergen. Ich tarn mit einem Kameraden zu einem Oldenburger. Der Oldenburger ist sehr schwerfällig. Unser Gastgeber war es besonders stark. Die Familie bestand aus Mann, Frau und dem Vater, sowie einer Schwester des Hausherrn. Die Leute saßen in der großen Wohnstube und unterhielten sich in ihrem Dialekt, von dem wir kein Wdrt verstanden. Wir ver­suchten ein Gespräch mit dem Manne anzuknüpsen, aber das hatte feine Schwierigkeiten. Ich war deshalb froh, als die Zeit des Schlafengehens gekommen war. $8;r schliefen zu zweit in einem riesigen Bett. Eine dicke und schwere Bettdecke lastete auf unseren müden Lei­bern, die dringend der Ruhe bedurften.

Donnerstag, den 12. Juni.

Wir waren sehr früh wach, wuschen uns im Stall und unternahmen einen Spaziergang durch die taufeuch­ten Felder. Wiesen und Weiden sehen wir selten, da­für aber große Pläne Klee. Er stand prächtig. Auch die

In den „Stimmen der Jugend", der führenden Zeitschrift der jungen katholischen Ge­neration veröffentlicht Karl H o l z a m e r folgen­den frischen Aufruf, der sich besonders an die jungen Katholiken aus der Jugendbewegung rich­tet. Das Augustheft der Zeitschrift, das die Be­deutung des 14. September für Staat und Volk klar umreißt, sollte jedermann lesen:

Weil ich euch liebe, Freunde, muß ich manchen ent­täuschen; weil ich eure heiligsten Gedanken zu verste­hen glaube, muß ich euch wachrütteln zu einer offenen und allgemeinen Entscheidung, die viele aus vermeintlicher Grundsatztreue mit einer ehrlichen Entrüstung bislang zurückweisen:

wir stellen uns in dieser Wahl geschlossen und ohne wenn und Aber hinter unfern Führer und Reichskanzler Dr. Heinrich Brüning.

In nie erlebter (Erregung umsteht ihr mich. Ihr schüttelt die Köpfe, daß auch ich unter die hoffnungs­losen Agitatoren und Fanatiker geraten bin, ihr ruft mir fast bebend zu, daß ich das Forum der „Stim­men der Jugend" dazu mißbrauche, Parteipolitik zu treiben; manche gar scheinen ohne Wort und Gruß von mir Abschied nehmen zu wollen, weil ich die uns tra> genbe religiöse Inbrunst und Gnade zum Schaden der Religion und Politik mit dem politischen Tageslärm

Gegen 7 Uhr sanden wir uns zum Kaffeetrinken ov dem Gutshof ein. Dann ging es unter fachkundiger M rung an die Besichtigung der Siedlung. Schönow n>s

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schon früher eine größere Ortschaft; auch eine evangen sche Kirche- war vorhanden. Infolge der Aufteilun waren die Gutsarbeiter, die nicht siedeln wollten, wandert. Dafür waren 60 Bauernfamilien aus WH deutschlcmd seßhaft geworden. Sie waren katholisch UN hatten sich in der ehemaligen Schnitterkaserne eine M. kirche eingerichtet. Die westdeutschen Siebter waren tu auf ganz geringe Ausnahmen prächtige Leute. Manch Frauen hatten freilich, da sie erst 2—3 Monate hier we ten, bas Heimweh noch nicht ganz überwunden. HI lich wischte sich eine junge Frau mit der Schürze u® die Augen, als einer von der Heimat erzählte. In all steckt aber der zähe Wille, sich einen eigenen Has 3 erwerben; sie sind hoffnungsfreudig und versichern, ” sie es schon schassen würben, Die Siedler hatten 3 Hause gewöhnlich nur eine Zwergwirtschaft gehabt, ® Hüttner ober Kätner, daher auch ihre Schaffensfrem in der Siedlung, die ihnen die Möglichkeit zumErive eines Bauernhofes gab. Die Anzahlung, die sie ley mußten, war verhältnismäßig gering. Sie betrug einer Stallbauernstelle von 60—70 Morgen 4—5W

Mark, die jährliche Rente, die zirka 50 Jahre lang i zahlen war, 20 Mark pro Morgen.

Nach dem Mittagessen blieb uns noch etwas um unter dem Schatten der uralten Bäume des partes ein kurzes Mittagsschläfchen zu machen, dem wir uns von den Siedlern und der gaftfreunt

kleine Mitteilungen. |

(Eiferntag in der Rhön.

Am vergangenen Sonntag hatten die Fuldaer mannfteiner ihre Eltern und Freunde auf die kuppe eingeladen, wo bet Gesang und Spiel ein Sonntagnachmittag verlebt wurde. Den Abschluß bill bas Tellspiel.

Einweihung des Limburger Hauses der Jugend.

Das von dem Frankfurter Architekten Jüngst worfene Haus der Jugend in Limburg ist am per genen Sonntag feierlich eingeweiht worden. Die Jugendherberge, die dem Andenken an die Gefallet des Weltkrieges geirobmet ist, stellt ein schmuckes, ij feine städtebauliche Umgebung gefällig eingefügtes Land­haus dar, das in feinem Innern allen Erfordernissen et> ner Jugendherberge in zweckmäßiger Raumgestaltung gft recht wird. Insgesamt können 124 Wanderer in der Jugendherberge übernachten. Nachdem bereits am Samstag eine Abendfeier mit Dombeleuchtung ftattge* funben hatte, wurde der Einweihungstag mit Gottes? bienften in ber katholischen unb in ber evangelische« Kirche eingeleitet. Nach Spielen und Tänzen auf dek Spielwiese, einer Auffahrt ber Ruber- und Paddel« vereine auf ber Lahn und nach einem Festzug folgte am Nachmittag die Einweihungsfeier, bei der Bürgermei­ster Dr. Krüsmann die Weiherebe hielt.

Wenn es richtig angepackt wird, kann auch iy 31*’"" in einigen Jahren ein „Haus ber Jugend" eingeweu) werden.

Siedlungsgesellschaft verabschiedet hatten, brachten zwei Gutswagen zur Bahnstation zurück. Wied waren wir in dichte Staubwolken gehüllt, sodaß 1 vorzog, vor ben Wagen herzulaufen.

(Fortsetzung folgt.)