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Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt)._______Mittwoch, den 3. September 1939.

fehlen, wird nicht als der deutsche Willensausdruck gewertet.

Wir richten den Ruf an die Partei der Nlcht- wähler: Diesmal greift «in! Vielen Lesern sind wir Führer gewesen auf den fernab von aller Politik liegenden kulturellen Gebieten. Mö­gen uns diese Leser den Glauben schenken, daß wir keiner Partei das Wort reden. Der Reichstag muß ein neues Gepräge haben, dem die Intelligenz ihren Stempel aufdrückt.

Graf von Arco, Berlin; Geh. Med.-Rat Prof. Dr. A. Bier, Berlin; Rudolf G. B i n d i n g, Buchschlag in Hessen; Dr. Elsa von Boni», Schloß Brettin; Waldemar Bonfels, Ambach; Ludwig Finckh, Gaienhofen; Bruno Brank, München; Leonhard Frank, Berlin-Char­lottenburg; Gusta Frenssen, Barlt in Holstein; Geh. Rat Leo Frgbenius, Frankfurt a. M.; Paula Grogger, Oeblarn (Steiermark); Gerhart Hauptmann, Agneten- dorf; Prof. Dr. K. Haushofer, Generalmajor a. D., München; Rudolf Herzog, Rheinbreitbach a. Rh.; Ri­carda Huch, Berlin-Charlottenburg; Bernhard Kellsr- mann, Werder a. d. Havel; Prof. Dr. H. Konen, Bonn; Max Liebermann, Berlin; Heinrich Mann, München, Thomas Mann, z. Zt. Ridden; Walter von Molo, Ber­lin; Geh. Hofrat Prof. Dr. Hermann Oncken, Berlin; Alfons Paquet, Frankfurt a. M.; Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Max Planck, Berlin; Joseph Ponten, München; Rudolf Presber, Rehbrücke; Dr. Ilse Reicke, Berlin; Heinrich XLV. Erbprinz Neuß, Gera; Geh. Hofrat Dr. F. Sauerbach, Berlin; Wilhelm von Scholz, Zürich; Dr. Walther Schönbrunn, Berlin; Max Sleoogt, Berlin; Prof. Dr. Eduard Spränget, Berlin; Friß von Unruh, Oranien; Clara Viebig, Berlin; Geh. Rat Prof. Dr. Karl Boßler, München; Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Hein­rich WAfflin, Zürich; Carl Zuckmayer, Berlin.

vom Rathaus.

Oberbürgermeister Dr. Danzebrink ist vom Sommer-Urlaub zurückgekehrt und hat die 2 i e n ft» geschäftewiederübernommen.

Als Mitglieder der Handwerkskammer in Lasset sind, da nur ein Vorschlag eingereicht war, die vom Handwerkerbund vorgeschlagenen Herren ge­wählt worden, darunter als Mitglieder: Malermei­ster Friß Fuchs- Fulda, Friseurobermeister Karl Richter- Fulda, Sattlerobermeist. C. C. Hod es- Hünfeld; als Stellvertreter: Malerobermeist. Sou» ler - Fulda, Schneidermeister Karl Schum, Dietershausen, Kreis Fulda. Die Zahl der Mit­glieder und diejenige der Stellvertreter beträgt je 30.

Zur Geschichte des Fneiadligm Stifts Watllmstrm.

Die Stiftsverwaltung schreibt uns: DLs in der Nr. 200 vom 30. August 1930 unter der lieber« schrift: „90. Geburtstag" erwähnte freiadlige Stift Wallenstein hat mit W i I h e l m von O r a n i r n und der Säkulararisation nichts zu tun. Das Stift ist eine letztwMge, private Stiftung einer Gräfin Görtz, geb. von Wallen­stein der Letzten des Wallenstein'schen Ge­schlechtes, nach welchem das Stift seinen Namen führt. Das Stift, 1759 gegründet, hatte ursprüng­lich seinen Sitz in Homberg und siedelte erst 1832 nach Fulda über, wo das hiesige, jetzt im Besitz des Stiftes befindlich« Privatgrundstück vom Amtsgericht zum Verkauf ausgeschrieben war. — Der Irrtum, der dem Schreiber der Notiz in Nr. 200 unterlaufen war, ist wohl darauf Mrückzuführen, das das Heim des Stifts, das sog. Bastheimsche Haus in der Geschichte der Fuldaer Zeit des Oraniers insofern eine Rolle gespielt hat, als hier der letzte Fuldaer Fürstabt, Adalbert von Harstall, nach der Durchführung der Säkularisatton, von 1803 bis 1814, gewohnt hat.

24 Wohnungen

in drei Häusern zu je acht Wohnungen beabsich­tigt die Erbbaugenossenfchaft m. b. H. Fulda noch im Laufe dieses Jahres zu errichten. Dis Hessische Heimstätte, die die Ausführungen übernahm, hat bereits die Arbeiten öffentlich ausgeschrieben. Die Bauten werden in der verlängerten Straße am Waldschlößchen errichtet, in Fortsetzung der über dem Finanzamt früher von der Erbbaugenossen- schaft errichteten Beamten-Häuser.

Die Wahlversammlung der „Deutschen Slaats- parkei".

die gestern abend im evangelischen Gemeindehaus stattfand und von etwa 100 Personen besucht war, wurde von dem früher der Demokratischen Partei angehörenden Rechtsanwalt Dr. B ü t t n e r er­öffnet und geleitet. Als Redner sprach zunächst Hauptmann a. D. S t ö ß n e r, Mitglied des jung­deutschen Ordens. Er legte in einem etwa 1'^stün­digen Referat die Ziel« der neugegründeten Deut­schen Staatspartei dar. Diktatur oder Selbst­verwaltung, darum gehe der diesmalige Wahlkampf. Die Diktatur sei aber die Sta-ttssorm der politischen Analphabeten. Diejenigen Menschen riefen heute nach Diktatur, die entweder keinen

Verstand hätten oder aus egoistischen Sonderinte­ressen heraus dem deutschen Volke die Selbstver­waltung seines Schicksals aus der Hand nehmen wollten. Die Staatspartei erstrebe die Sammlung aller staatsbejaherchen Deutschen zur Erneuerung des Volksstaates durch aktive aufbauende Mitarbeit. Als zweite Rednerin sprach Frl. Erna M e a> o l d - Arolsen über das Thema „Die Frau im Staat" im Sinne des Jungdeutschen Ordens. Die Ver­sammlung fand, ohne daß es zu einer Aussprache kam, gegen VAX Uhr abends ihr Ende.

Vor 85 Jahren.

Man schreibt uns: Am 3. September 1845 weilte Königin Viktoria von England mit Prinzgemahl, Albert von Koburg in Fulda auf der Durchreise nach Frankfurt und an den Rhein. Die Hanauer Zeitung vom 6. September 1845 gab davon nachstehende Beschreibung, die von kulturhistorischem Jiteresse ist:

„Fulda, 3. Sevt. Seine König!. Hoheit unser gnä­digster Kurprinz-Mitregent trafen gestern Abend nach 5 Uhr mit General, Offizieren und Kammerherrn in hie­siger Stadt zur unverhofften Freude deren Bewohner ein. Nachtmusik und großer Zapfenstreich von Seiten des Musikkorps des hiesigen Regiments verherrlichten die Höchste Ankunft. Heute" war große Revue mit Evolu­tionen und große Tafel. Gegen 7 Uhr abends verlie­ßen Se. Königliche Roheit gefolgt von der Generalität und den Hofchargen, das Schloß und empfingen um 7.30 Uhr Ihre Maiesiät die Königin Viktoria im Gafthaule zum Kurfürsten, das mit Laubwerk u Blumen festlich geschmückt war und über dessen Portale V A. in prachtvoller Beleuchtung unter einer Krone flammten und beiderseits von Fahnen in brit. Farben umwallt waren. Vor dem Gasthause war das hiesige Regiment mit flatternden, in Merkmalen angestammter Tavferkeit prangenden Fahnen ausgestellt und das Musikkorps spielte das englische „God save the Queen!" Der Don­ner der Kanonen wurde von dem begrüßen­den Jauchzen einer ungeheueren, den großen Platz und alle Nebenstraßen und benachbarten Häuser füllen­den Menschenmassen, so wie von dem Geläute aller Glocken übertäubt. Eine Menge Fremder füllte die Stadt, alle begierig, die aus deutschem Blute ent­sprossene Herrscherin der Meere zu schauen.

*

Fulda, 4. Sept. Heute Morgen gegen 8 Uhr er­folgte die Abreise der Königin von England und des Prinzen Albert. Ihre Majestät hat nicht geruht, das schöne Bonifatius-Denkmal, den Dom etc. in Augenschein zu nehmen. Desto fleißiger strömte das Publikum nach dem Gasthaufe zum Kurfürsten, um die herrlichen De­korationen und die glänzenden Einrichtungen in Au­genschein zu nehmen, besonders auch, um zu sehen, wo die Königin gesessen, gespeist. — O süße Neugierde! In dem Saale befinden sich die Porträts aller hohen Herr­schaften, die bereits darin abgestiegen sind. Derselbe hat nun eine Bereicherung erhalten; aber die gemalte will der leibhaftigen Königin nicht recht gleichen. Die Maje­stät anerkannte die großen Bemühungen des Gastgebers, Allerhöchstihren kurzen Aufenthalt möglichst zu ver­schönern und bezeigte besonders noch der wackern Wir­tin, die deutsche Gesundheit bewundernd, die allerhöchste Zufriedenheit.

Fulda, 4. Sept. Heute Nachmittag gegen 1 Uhr ver­ließen Se. königl. Hoheit der Kurprinz-Mitregent unsere Mauern, Höchstihre Rückreise über Hanau nehmend.

Jetzt nach 85 Jahren dürste es für manchen Fuldaer von Interesse sein zu sehen, wie damals hohe Fürstlichkeiten zu wohnen pflegten. Hotelbe­sitzer Franz August Müller besitzt noch Teile der von der Königin von England benutzten Möbel, be­sonders das altertümliche Bett mit einigen seidenen Kissenüberzügen, welche nächster Tage in den Schaufenstern der Firma Gebr. Schultheis Frie­drichstraße, gelegentlich einer Schaufensterdekora­tion „Einst und jetzt" gezeigt werden sollen. (Ebenso interessant wie diese Möbelstücke sind aber sicherlich die oben wiedergegebenen Berichte, in ihrer ori­ginellen Ausdrucksweise. Sie dürften aus der Feder eines Mannes stammen, der sich innerlich über den Bpzantismus lustig machte, der bald nach dem ge­schilderten Besuch, im Jahre 1848, ja einen starken Stoß erfuhr. D. Schriftl.)

Herr Jordans „Kronzeuge".

Die Gegner des Zentrums haben Mangel an katholischen Kronzeugen für ihre ebenso lächerlich- wie böswillige Behauptung, die Zentrums­politik fei nicht national und ein Ver­rat am Christentum. Zu Vitus Heller wird nun der geheimnisvolle „Pater Raymundus gesellt, jener ehemalige Priester der Diözese Pader­born, der sich jahrelang unter verschiedenen Deck­namen an der Hetze der völkischen Presse gegen das Zentrum beteiligt hat und bei allcn Wahlen im­mer wieder auftaucht. Jetzt scheint dieser „Pfarrer Karl König", den sonst niemand mehr «rnst nimmt, ebenfalls bei den National- s o z i a l i st e n gelandet zu sein, denn diese ver­öffentlichen nach dem Vorgang des Herrn

Jordan-Fulda in ihrer Presse und i n F l u g b l ä t» te rn unter der Ueberschrift „Ein k atholi- scher Pfarrer über das Zentrum" das Schreiben, das König im Januar dieses Jahres an Kardinal Frühwirth in Rom gerichtet haben will und in dem er sich zur „Errichtung der Katholischen Aktion für ganz Deutschland" anbot!

Das von den verworrensten Vorwürfen gegen das Zentrum strotzende Schreiben ist sofort, nach­dem es bekannt geworden war, in der katholischen Presse gebührend gekennzeichnet worden, natürlich mit dem Mitleid, das jeder Katholik mit einem solchen bedauernswerten Manne empfinden muß. Sachlich auseinandersstzen kann man sich weder mit ihm, noch mit seinen neuesten „Schützlingen". Nur eine Tatsache wollen wir hier festhalten: Auch die Behauptung des Briefschreibers, er sei „von den Berliner Katholiken gebeten worden", das Büro Dr. Sonnenscheins ..mit allen seinen großen religiösen und sozialen Arbeiten zu übernehmen", ist unrichtig. Keiner ein.uaen zuständigen Ber­liner Stelle ist von einem solchen Angebot irgend etwas bekannt. Die Augsburger Postzeitung sagt

Wie wird das Wetter?

Durch den raschen Verfall des Hochdruckgebiets über Osteuropa und das Entstehen eines anderen über Eng­land ist die Wetterlage stark verändert. Mitteleuropa wird von kühlen maritimen Luftmassen überströmt und steht teils unter dem Einfluß des westlichen Hochs, teils unter dem Einfluß von im Osten vorüberziehenden Tief­druckstörungen. Wir haben daher bewölktes, aber nur wenig zu Regen neigendes Wetter zu erwarten.

Witterunsausfichten für Mittwoch: Noch fein stö­rungsfreies Wetter.

Temperatur- und Varomelerskand tu Hulda.

Mitgeteitt von Diplom-Optiker Sauerborn.

Barometerstand

(auf Meereshöh, reduziert!

Thermo­meterstand

1. 9. 6 Uhr abenbs

2. 9. 8 Uhr morgens

2. 9.12 Uhr mittags

Höchste Temperatur im S<

Höchste Temperatur in ber Niedrigste Temperatur

Niederschlag vom 1.9.811.ti

765,0 mm

769,0 mm

769,0 mm

hatten am 1. 9.

Sonne am 1. 9.

feit 1. 9.

norg. — 2.9.8 U. motf

4-17,0° C 4-11,0° C

4-11,5° C

+ 19,5’ C +20,0° C 4- 6,5° C . 0,00 mm

Der D. N,» KunstschiltBe

(Det Schutt im Gicht!)

HEfflTGFTr^fNlRÄTHlföENßEfiS) HAr DEN EHRGEIZ STETS INS , ZENTRUM 20 TREFFER WMitttR ” ABER NIE GELtNöT*

An die Parkei der Aichkwähler. Nn bemerkenswerker Mufruf. „Sie alle haben noch nicht bedacht, daß sie vor einer Notwendigkeit die Augen schlossen".

,. E!n „R e c l a m s Universum" veröffent- e rP hervorragende Persönlichkeiten aus ^tunst, Wissenschaft und Literatur folgenden Aus­ruf:

e. wissen, daß viele deutsche Männer und vrauen, deren Urteil Achtung verdient, aus Abnei­gung gegen das politische Getriebe bisher den ‘"“Men fernblieben. Sie alle haben noch nicht bedacht, daß sie vor einer Notwen­digkeit die Augen schlossen.

Die Partei der Nichtwähler hat dadurch ver- YlNdett, daß die verantwortungsbewuß- l«n Parteien verstärkt und zu neuen, wirklichen Machtfaktoren wurden. Die Folge ist, «aß unserer gesamten Politik das Rückgrat man« Ein Reichstag, dem fo gewichtige Stimmen

zur Abwehr der Nationalsozialisten. Blätter wie die „Kasseler Post", scheinen innerlich ganz auf Sei- - fen der Nationalsozialistischen Arbei­terpartei zu stehen. Auf diese Gruppen kön­nen wir uns nicht verlassen. Nur was wir selbst in die Wagschale zu werfen haben, am 14. September, das gilt. Und das gilt auch allein nach dem Wahltag. Deshalb heißt jetzt in diesen Tagen die Parole: alles muß aufgerüttelt werden! Die politische Aktivität muß das Letzte bergeben! Wir wollen mit reinem Gewissen da- stehen und uns sagen können: wir haben aus Näch­stenliebe und Gottesliebe heraus alles getan, um von unserem lieben deutschen Volk und Vaterland neues schweres Unglück, Zeiten blutiger Vernich­tungskämpfe zwischen Links- und Rechtsradikalen, abzuwenden.

Futda. »en 2 September 1030

Auf «ns allein gestellt!

- tatsächlich in Stadt und auf dem Land ^Katholiken geben, die sagen: „wir wählen ' baupt nicht mehr. Es wird ja doch i „nhors" Ein Standpunkt, der für einen LjLn der sich mit Recht katholisch nennt, nickt'in Frage kommt! Dürfen wir es den »heren überlassen, über unser Schicksal zu be» •iiun? Dürfen wir es den Radikalen ermög- Än den Nationalsozialisten und den Kommuni- » nach dem 14. September die Mach; zu ergrei­fe'um entweder im Sinne Moskaus oder im '?' « der Staatsomnipotenz, wie sie im Kultur- tomnf der Dismarckzeit zu Tage getreten ist, mit Am christlichen Gewissen umzuspringen? Dürfen wir zulassen, daß geistige Freiheit, christ- sicke Gesinnung und christliche Lie­ks s t a t verdrängt werden durch brutale und asia- LZm Knechtschaft, fanatischen Rassen- und Klassen- i Geist und Körper mordenden neuen Krieg? R« nationalsozialistische Zeitschrift „Neues Leben" "Leibt (zitiert in der „Schlesischen Volkszeitung" vom 15. November 1929):

ffienn Herkules ober Siegfried — etwa im Weltkrieg _ eine Kompanie hätten führen müssen — sie hätten es Ilkonnt Aber Jesus Christus? Nach den Grundsätzen der Bergpredigt? Ich wage jetzt zu sagen, daß die Chri­stenlehre gottlos ist."

Aus solcher Einstellung kommt der Nattonal- sozialismus. Was aus Moskau kommt, haben wir anläßlich des Protestes des Heiligen Vaters gegen die Glaubensverfolgung in Rußland schaudernd vernommen. Darf man solche Tatsachen kennen und dann sagen: Kommen lassen?

Nein, das darf nicht kommen. Jeder Katho­lik muß sch über die Bedeutung des 14. September im klaren sein und muß sein Bestes tun, um die Schutzwehr katholischer Weltauffassung, die Zen­trumspartei, zu stärken. Dabei sind wir auf uns allein gestellt. Aus den evangelischen Be­zirken des Vaterlands klingen die Wahlkampfmel- dungen nicht sonderlich zuversichtlich. National­sozialisten auf der einen und Kommunisten auf der anderen Seite beherrschen das Feld. Das sog. „BLr- gettum" ist infolge des Zerfalls der Deutschnationa­len Partei und der Umformung der Demokratischen Partei völlig aus den Fugen. Es herrscht eine große Verwirrung und infolgedessen ein« po­litische Lethargie. In Frankfurt hat der Führer der Konservativen, der Reichsminister Treviranus am Samstag knapp 500 Zuhörer gefunden. Aehn- liche Erscheinungen sind aus anderen Städten be­kannt. Die Rechtspresse tut kaum etwas

ig» ne- ris en. sch- ,ng

AeRachedesHongEhungLll

Von Ottwell Binns.

421 ____________

ti

Gr drückte sie noch einmal an sich, küßte sie, und vann gingen sie beide nach der Hütte zurück. Nachdem "ick dem Tibetaner von feiner Entdeckung erzählt hatte, 8>ng er mit ihm wieder hinaus. Als Nima den roten Stimmenden Punkt sah, nickte er zustimmend.

--2a, es ist ohne Zweifel ein Lagerfeuer, mein ureunb, und der Mann, der sich die Füße daran wärmt, kann unmöglich der Arraktrinker fein, denn dazu ist Eb zu weit entfernt. Vielleicht ist es der Lama, der v>ch im Dunkeln zu erstechen versuchte."

"2a, das glaube ich auch."

, --Wäre es näher, könnten wir uns an ihn heran- Ichleichen und kurzen Prozeß machen. Aber es ist wohl fatfam, vorsichtig zu fein, mein Freund. Jenes Feuer R vielleicht ein Lockmittel, oder es soll uns täuschen. •0er Mann ist womöglich in unserer Nähe, ober ber verrückte Narr, ber bich in ben Abgrund stieß, kann sich ptotzlich entschlossen haben, zurückzukehren, als er fand, » ? er Dakfutter statt Tsamba mitgenommen hat. Ein «^flling hat oft Mut, wenn er hungrig ist. Heute nacht

;’en wir fo wachsam fein wie nie zuvor."

Nick Shervington übernahm die zweite Hälfte der rächt die Wache Währenddessen überlegte er sich seine J>9e. Auf vollkommen ehrenhafte Weise hatte er die lebe des jungen Mädchens gewonnen, das nun so ruhig n ber Hütte schlief, aber konnte er sie bitten, ihn zu heiraten? Sie war — wenn Husky Craybon nicht über« leben hatte — ungeheuer reich, während er ein mit« f.e.Mer Mann war. ben sie in ben Straßen einer chine- i'lgien Stabt aufgelesen hatte. Während ihn dieser Ge- ante beschäftigte, hätte man im Licht des Wachtfeuers r?en lief bekümmerten Ausdruck auf feinem Gesicht !ven können. Es gäbe einen Ausweg, überlegte er, ober dieser__

.... plötzlich hörte er ein Geräusch, das er sich nicht er« oren konnte, und er stand leise auf, um die Ursache e tzustellen. Die Sterne funkelten hell, und in dem

Widerschein, den der Schnee zurückwarf, war die nächste Umgebung ber Hütte beutlich zu erkennen. Er konnte aber nichts entdecken, was das Geräusch erklärt hätte, und war gerade im Begriff, nach dem Lagerfeuer zurück­zukehren, als er spürte, daß sich hinter ihm etwas be­wegte. Er sah sich rasch um und sah, wie einer der Paks, dessen Vorderbeine gefesselt waren, hustend und grunzend in ben Schnee fiel. Seine Lage erschien Nick fo seltsam, baß er hinging, um sich bas Tier anzusehen. Ms er sich ihm näherte, erhob sich eine Gestalt in ber Nähe ber anberen Paks unb lief baoon. Wie ein Blitz nahm Nick sein Gewehr, zielte unb feuerte.

Er hatte anscheinend das Ziel verfehlt, denn ber Flüchtling lief weiter, unb ehe Nick wieder schießen konnte, war der andere hinter einem Felsen verschwun­den. Fast in derselben Sekunde erschien Nima in der Tür der Hütte, das Gewehr in ber Hanb.

„Was ist geschehen?" fragte er schnell. „War es der Arraktrinker oder einer der Teufel dieser Berge?"

„Es war ein Mann, der sich mit den Paks zu schaf­fen machte," erwiderte Shervington. „Eins von den Tieren fiel hin, da liegt es noch im Schnee. Ich feuerte, sowie der Schuft anfing zu laufen — —"

„Es hat keinen Zweck, ihm nachzujagen, denn wir würden todsicher in eine Falle geraten, die jeder Narr von weitem wittern kann. Komm, wir wollen lieber ben Pak ansehen."

Die b eiben Männer gingen auf bas Tier zu, unb als sie neben ihm stauben, fiel ihnen sofort ein Fleck im Schnee auf, ber in bem gespensterhasten Licht schwarz aussah. Das Tier machte ein seltsam pfeifendes Ge­räusch. Nima-Tashi fluchte vor sich hin.

„Die Luftröhre des Tieres ist durchschnitten worden. Der Kerl hat anscheinend die Schlagader gesucht."

Er nahm sein Gewehr und erlöste bas arme Tier von seinen Schmerzen, bann sah er sich um. „Viel­leicht war es der Schuft, dex Arraktrinker--"

„Nein, dazu war die Gestalt zu klein," unterbrach ihn Shervington.

„Dann war es ein anderer. Aber wer, mein Freund? Daß es nicht ber Mann war, ber sich Stargard nennt, steht fest. Aber einer feiner Leute wirb es gewesen fein. Wir dürfen nicht vergessen, daß wir von meh­

reren verfolgt werden. Sie kreisen uns vielleicht jetzt ein."

„Es sieht so aus."

„Unb als erstes werben sie unsere Paks nehmen. Aber warum hat ber Narr bie Tiere nicht einfach losgebunben? Damit hätte er dasselbe erreicht, als wenn er die armen Tiere abschlachtet. Wenn sie sich in diesen Bergen ver­streut hätten, wäre keine Möglichkeit gewesen, sie wieder zusammenzubekommen. Er hat jedenfalls das versucht, was ber Arraktrinker zu tun beabsichtigte, wenn man ihm nicht bas Spiel verborben hätte. Das kann ein Zeichen fein, baß ber Arraktrinker bereits bei feinen Freunden ist, das heißt unseren Feinden."

Shervington nickte. Er überlegte noch die Worte des Tibetaners, als dieser sagte: „Wir müssen die Paks nun bis Tagesanbruch streng bewachen. Der Morgen wird aber sehr bald da fein, die Sterne fangen schon an zu verblassen."

Der andere sah hinauf. Die Sterne verblaßten tat­sächlich bereits. Während sich die beiden Männer berieten, halt: das Licht den gespensterhasten Schein fast verloren. Nick unb sein Freunb erklärten bie Nacht für beinahe ver­gangen unb den Morgen für gekommen.

„Komm," sagte Nima, „wir wollen die anderen wecken und Tee kochen, damit wir bald aufbrechen können. Viel­leicht können mir bann jene Lamaserie vor Einbruch der Nacht erreichen. Wir wollen den Paktreiber hinaus- schicken, damit er die Tiere bewacht, während wir früh­stücken."

Als sie auf die Hütte zugingen, sahen sie Janet Cray- don in der Türe stehen. Sie rief Shervington zu:

„Ich hörte die Schüsse. Was ist vorgefallen, Nick?"

„Jemand wollte unseres Paks abschlachten--

„Doch nicht Husky?" unterbrach sie ihn.

„Nein, ich glaube nicht. Wer es auch gewesen sein mag, er hat ein Tier umgebracht, aber wir haben gott­lob noch genug. Wir wollen versuchen, die Lamaserie heute zu erreichen."

„Ach glaubst du, daß wir jemals hinkommen werden?" flüsterte sie. „Wenn s nicht Husky war, bedeutet es, daß es andere gibt, die — die--"

„Die verhindern wollen, daß wir unfer Ziel erreichen, willst du sagen? Ja, das stimmt, fürchte ich, aber wir 1

werden doch hinkommen, heute noch, hoffe ich, wenn wir Glück haben."

„Das hoffe ich auch," flüsterte das junge Mädchen unb starrte über bas buntle Tal vor ihnen.

Sheroington schaute auch in bieselbe Richtung hin­über. Die Nacht schien sich zusehenbs zurückzuziehen. Einige Sterne waren bereits in be.m zunehmenben Licht ganz verschwunben, unb währenb das Paar schweigend von seinem erhöhten Platz aus über das noch dunkle Tal schaute, funkelte plötzlich jenseits davon etwas auf wie ein Lichtstrahl, der auf eine Glasscheibe fällt und zurück­geworfen wird. Dann erhob sich klar und deutlich aus bem Morgennnebel eine Turmspitze, bie aus purem Sil­ber zu sein schien, so blitzte sie im Lichte ber aufgehenben Sonne.

„Sieh!" rief Nick. „Dort ist unser Leuchtturm! Die Turmspitze ber Lamaserie, auf bie bie Sonne fällt. Ein gutes Omen!"

„Gott gebe es!" erroiberte bas junge Mäbchen, als sie in bie Hütte zurückkehrten.

Eine Stunbe später hatten sie ihren Marsch von neuem ausgenommen. Nima-Tashi ging wieder an der Spitze der Kavalkade, um nach Zeichen irgendeines im Hinterhalt lauernden Feindes Ausschau zu hatten. An­fangs war nichts zu sehen. Die Sonne hatte schon ben Nebel aus bem Tal unb auch von ben Bergen vertrieben, unb nun konnten sie deutlich den Berg in seiner vollen Höhe und die darauf stehende Lamaserie in ihrem ganzen Umfang erblicken. Einmal glaubte Shervington die fer­nen dumpfen Töne von Gongs zu hören, aber er sagte sich, daß es unmöglich fei, es müsse nur eine Einbildung sein, aber bann vernahmen sie es roieber burch bie kristall­klare Lust, unb biesmal unverkennbar. Er roanbte sich an Janet unb sah, daß auch sie die Töne gehört hatte.

„Hörtest du--" begann er, aber Nima-Tashis

Stimme unterbrach ihn, die ihm aufgeregt etwas zurief.

„Warte!" schrie er unb begann zu laufen, um ben Tibetaner einzuholen. „Komme erst, wenn ich bich rufe!" rief er Janet zu.

(Fortsetzung folgt.)