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Mittwoch, 3. September 1930

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Frankreich und Brüning.

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(frjdjcint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild' undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leituna 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

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Das erste Todesopser Brünings"!

tampfmitlel, deren sich die Sozialdemokratie schämen sollte

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Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Durchführung dieser Verordnung fanden k den Krankenkassenspitzenverbänden und Auätschen Apothekerverein am 9. und 13. Ky*1 Verhandlungen im Reichsarbeitsmini- sm:statt, die von einem hohen Beamten des ^»Nlerinms geleitet wurden. Es kamen zwi­schen ar Benannten Verbänden und dem Deut- stand.^°.^ekerverein folgende Vereinbarungen zu- dvrnmen^w 'h ^ichsarbeitsministerium ange- n^^^otheker verpflichten sich, den Beitrag § 182a RVO. einzuziehen. Ist der Bei- r °^,Bon dem Versicherten nicht zu erlangen, mJ®11 die Kasse den vollen Kostenbettag der quga bezahlen, wenn es sich um nachts aus h e*^e Verordnungen handelt, oder wenn ist h 6 Verordnung unzweideutig zu erkennen sm;44°°p die Nichtanwendung des vewrdneten fe brnst-6 5 ?a§ Leben des Kranken ernstlich be- i f °der wenn die Zahlung nach gewissen­

wendigen Büro-Arbeiten ausreichten. Auch der Ueberfall auf das Parteibüro in Berlin Hal nach den Erklärungen der zuständigen Führer seine Gründe nicht in allgemeinen Differenzen, sondern nur. in einer Gehorsamsverweigerung der wachhabenden Sturmabteilung, die sich nicht ablösen lassen wollte. Die Miü- gliedsbeiträge wurden auf monatlich 20Pfg. erhöht, die restlos den Sturmabtei­lungen zur Verfügung gestellt wer­den sollen.

Die Zenttumspartei Groß-Duisburg ver­anstaltete im Großen Saal der Städtischen Ton­halle ihre zweite große Wahlkundgebung, zu der Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald ge­wonnen war. Reichskanzler Dr..Brüning, der auf seiner Wahlreise ins Ruhrgebiet in Duisburg erschien, richtete an die Massenversamm­lung zunächst herzliche Worte der Begrüßung.

Nach 'den mit stürmischem Beifall aufgenomt- menen Worten des Kanzlers sprach Arbeitsmini­ster Dr. Stegerwald über Wirtschafts- und s o z i a l p o I i t i s ch e Fragen. Wir betreiben, so führte er aus, seit mehr als 50 Jahren Sozial­politik und streiten uns gegenseitig darüber, was Sozialpolitik ist. Das Kernstück der Sozialpolitik in den nächsten Jähren ist nicht etwa die Kran­ken- und Invalidenversicherung, sondern d i e A r- beitslosenfrage. In der Mittelbeschaffung für die Arbeitslosen ist in den letzten Monaten so viel geschehen, wie noch zu. keiner Zett vorher. An die eigentliche Arbeitslosenfrage kommen wir fundamental nur heran durch eine nüchterne, planmäßige und organische innere und äußere Wirtschaftspolitik, durch größte Sparsamkeit dr alten' öffentlichen Körperschaften, durch Verein­fachung und Verbilligung der Lebensführung, durch Preisabbau, durch Verminderung der pro­duktionshemmenden Steuern, durch das Jnord- nungbringen der Finanzen in Reich, Ländern und Gemeinden. Diese Ziele sind so klar, daß nur der Mut zur Entschlossenheit aufgebracht werden muß, sie zu verwirklichen. Und das ist die Hauptfrage: Wie gliedern wir die große Armee der Arbeitslosen wieder ein in den Pro­duktionsprozeß, und wie unterstützen .wir jene, denen Arbeit nicht beschafft werden kann, ohne daß dabei das deutsche Volk im ganzen und mit ihm die gesamte Arbeiterschaft immer mehr verarmt und verelendet? Das ist für mich wenigstens die Kernfrage der deutschen inne­ren Politik und somit auch der Mirtschafts- und Sozialpolitik.

s sprechungen der Rede des Reichskanzlers Brüning in Trier.

Echo de Paris" schreibt u. a., die Rede des Reichskanzlers sei in einem anderen Ton gei- halten als die Reden von Treviranus. Die­ser habe vor allem innerpolitische Ziele im Auge gehabt und den Leidenschaften seiner Landsleute schmeicheln wollen. Der Reichskanzler habe sich vor solchen Uebertreibungen wohl ge­hütet. Aber die im Tone gewollte Mäßigung lasse die Beständigkeit des Gedankens umso beut« licher hervortteten. Die Reden von Treviranus seien an die Deutschen, die Rede Brünings an das Ausland gerichtet, aber der gleiche Atem be­seele sie beide. Deutschland rücke Schritt für Schritt dem Ziele näher, das es sich gestellt habe, und dieses Ziel sei die völlige Revision der Verträge. Um es zu erreichen, bediene sich Deutschland der Politik, zu der Briand selbst es aufgefordert habe. Die maßvolle Rede Brünings dürfe keine Illusionen erwecken.

DerFigaro" schreibt, Brüning weigere sich, außenpolitische Abenteuer zu riskieren, ebenso tote auch Curtius sich weigert. Aber Brüning stimme mit Treviranus darin überein, daß die deutsche Außenpolitik künftighin einen bestimmteren Charak­ter ttagen müsse. Der Verzicht Frankreichs auf das Rheinlandpfand erlaube ihm das. Das Pro­gramm der deutschen Wahlen von 1930 sei die Vernichtung des Sieges Frank­reichs.

Aber dann roitbs ernst.

daran hängen. Es war die Zeit, wo jede Ent­rüstung endete mit der Redensart:Es muß einmal Krieg kommen". Der Bauer, der beim Kuhkauf vom Händler betrogen worden war, sagte:Es muß einmal Krieg kommen." Wenn man in den Zeitungen von tollen Vergnügungen in den Städ­ten las:Es muß einmal Krieg kommen." Alle sagten es, wenn etwas ihnen nicht recht war.

In meinem Gehirn ballte sich alles dies zusam­men zu einem geheimnisvollen grausigen Etwas. Krieg". Er wird alles umstürzen; wir sind ihm ausgeliefert, er ist Strafe, Rächer, Vergelter. Vernichter zugleich. Rach ihm wird alles anders fein. Man kann sich ihm nicht entziehen, wenn er da ist. Was ist Krieg?

Srcufe Wirklichkeit.

Es dauerte nicht lange, da wurde die Redens­art:Es muß einmal Krieg kommen" zu grausiger Wirklichkeit. Er riß auseinander; er stürzte um; wir weinten um die Toten; sahen die Verkrüppel­ten; litten Hunger; jammerten um Kleidung. Und als wir unter der Zuchtrute des Krieges seufzten, kam die neue Redensart:Es muß Revolution kommen, wir müssen alles zerschlagen." Kraft, Würde, Schönheit des Lebens wurde für die Zu­kunft versprochen, aber erst Umsturz! Er kam und riß weiter auseinander. Was Krieg und Revo­lution noch nicht zerstört hatten, vernichtete brutal die Inflation. Und immer härter wurde die Qual und das Ringen um die eigene Existenz und die des Volkes.

Ich möchte einmal alle die, die damals mit einer starken selbstgerechten Geste riefen:Es muß einmal Krieg kommen"' fragen dürfen, ob sich Ihre Hoffnungen erfüllt haben. Der Krieg und seine Folgen sind uns für immer in das Leben gezeichnet, in das Leben des Einzelnen, der Familie, des Volkes, des Staates. Wir kommen zeitlebens in Generationen nicht mehr davon los. Die etwas

Der Berliner Polizeipräsident teilt mit: Arn 31. August d. I. wurde kurz nach 2.30 Uhr Ueberfallkornrnando nach den Räumen des Gl Großberlin der Nationalsozialisten gerufen. (Es liegt in der Heckmannstraße in der Nähe des An­halterbahnhofs und besteht aus 32 Räumen, die früher das Reichsentschädigungsamt bewohnte). Etwa 2530 Anhänger der Nationalsozialistischen Partei, zum großen Teil Mitglieder der sogenann­ten Sturmabteilungen, waren dort einge- brungen. Angeblich zur Besetzung der Räume des nasionalsozialiftischen Gaues von ihrem obersten S.-A.-Führer Stennen befohlen, hatten sie die E i n g a n g s t ü re n ei n ge sch l a ge n, und waren in die Geschäftszimmer des Gaues gestürmt, nachdem ihnen von den dort befindlichen Mitglie- dern der sogenannten Schutzstaffel Widerstand ent­gegengesetzt worden war. Zwei Schutzstaffelleute haben hierbei Kopfwunden davöngetragen. Bei dem Rückzug der Schutzstaffelangehörigen wurden von den Sturmabteilungsmännern fast alle Glastüren zerschlagen. Durch die ein­greifende Polizei konnten weitere Ausschreitungen verhindert werden. Die 25 Angehörigen der Sturm­abteilungen wurden dem Vernehmungsrichter im Polizeipräsidium vorgeführt.

Hafter Prüfung durch den Apotheker im Augen­blick und auch bei kurzfristiger Stundung über die Kräfte des Versicherten hinausgeht. Diese Fälle sind der Krankenkasse in der Regel wöchentlich mitzuteilen.

Wie aus den vorstehenden Vereinbarungen hervorgeht, ist Vorsorge getroffen "worden, daß Versicherte, die nicht in der Sage sind, den Arz­neikostenanteil von 50 Pfennig für eine Verord­nung zu enttichten, diesen Betrag nicht zu zah­len brauchen, sondern daß er von der Kranken­kasse getragen wird. Die Vereinbarung bedeutet also eine ganz erhebliche Abschwächung des § 182a der Verordnung des Reichspräsidenten.

Hugenberg erkrankt.

Etwa 3000 Personen waren am Montagabend im Schützenhof in Bochum erschienen, um den Führer der Deutschnationalen Volksparte!, Geheim­rat Hugenberg, in einer Wahlrede zu hören. Die Polizei hatte umfangreiche Sicherungen getroffen, um einen ruhigen Verlauf der Kundgebung zu ge­währleisten. Es kam jedoch nicht zu der erwar­teten Rede des Führers der Deutschnationalen Volkspartei. Nach einer längeren Verzögerung er­öffnete der Vorsitzende des Kreisvereins Bochums der D.N.Vp. die Versammlung und erklärte, daß Geheimrat Hugenberg zwar um 7 Uhr abends in Bochum eingetroffen, daß er aber wegen einer Erkrankung am Reden verhindert sei. Der hinzugezogene Arzt Professor Reichmann habe eine Fiebertemperatur von 39 Grad festge­stellt und ihm die Teilnahme an der Versammlung untersagt. Für ihn sprachen Superintendent Koch und Kapitän Scheide!, die sich mit dem Programm der Seutfrfmattonalen Volkspartei in längeren Ausführungen beschäftigten.

Hiller und die Bayern.

Hitler hat nach demVölkischen Beobachter" (Nr. 207) in einer nationalsozialistischen Versamm­lung besonders gegen die Bayerische Volkspartei losgezogen. Er mochte absolut nichts an Tat­sachenmaterial gegen die Bayerische Volkspartei vorzubringen, fon&ern begnügt sich mit der Der- unolimvfuna der Führer. Dabei leistet er s*ch fol­gende Frechheit:

Was sind diese 17 (gemeint die Reichstags­abgeordneten der Bayer. Vvt.) Mann im deutschen Reichstag? Hier in München sehen sie noch nach Löwen aus, solange genü­gend Bier vorhanden ist. In Ber- lin aber werden sie zu winselnden Pin­schern, sie wollen nicht mehr kämpfen, sie schmie­gen sich sonst an die Größeren an, sie tun dort an­ders als hierzulande . .

Die bayerische Bevölkerung weiß, was sie ge­rade den Abgeordneten der Bayerischen Volkspar- tei, nicht nur im eigenen Staate, sondern auch durch deren Tätigkeit im Reichstage verdankt und wird sich durch ein Htilergeschwätz nicht beeinflussen las­sen. Erst recht werden die Bayern in Treue zur Bayer. Dpt. stehen und dem, der so schnöde das Eastrecht mißbraucht, dem Hitler und seinen Tra­banten, nach Bayernart d i e T ü r e weisen.

Hm den Bruch zu killen-.

Kampf im Gau-Büro der Berliner Nationalsozia­listischen Arbeiterpartei.

Gemeinheit dieser sozialdemokratischen mache liegt darin, daß sich ihre Urheber von teilt darüber klar sein mußten, daßdie einen Haken haben" mußte,, daß sie die ng Ausgaben, ohne den Tatbestand geprüft zu haben, und daß sie hätten wissen müssen, daß bei Innehaltung der Vorschriften der Fall anders liegen muhte, als er ihnen dargestellt worden war. Sie hätten wissen müssen, daß schon nach den Vorschriften der Reichsvjersicherungsordnung in dringenden Krankheitsfällen die ärztliche Be­handlung auch ohne Vorlage eines Krankenscheines gewährt werden kann. Daran hat die Notver­ordnung vom 26. 7. 30 nichts geändert. Die Ausführungsbestimmungen des Reichsarbeitsmini­sters zu dieser Notverordnung heben im Gegen!- teil noch ausdrücklich hervor, daß die Vorschriften über die Krankenscheingebühr keine Voraussetzung für die Gewährung der Krankenhilfe begründen und daß in dringenden Fällen die Krankenscheini- gebühr nachttäglich entrichtet werden kann. Das ^^Mchen kann also gar nicht einOpfer der Krantenscheingebühr" geworden sein. Die Er­mittlungen haben zudem ergeben, daß das Mäd­chen weder bei feinen Eltern noch bei der Kra;»- Wasse über ernste Schmerzen geklagt hat und auch 'nicht sofort zu einem Arzt gegangen bezüv. von seinen Eltern geschickt worden ist. Die Ev- krankung selbst rührte von einem hohlen Zahn her. Ob sie nicht tödlich verlaufen wäre, wenn das Mädchen einen Tag früher in ärztliche Bel- Handlung gekommen wäre, läßt sich auch von den l besten Fachärzten nicht sagen.

Wenn der Anlaß nicht so traurig wäre, könnte man die ganze Zweckmeldung des sozialdemo- i «anschen Pressedienstes mit einem Achselzucken j abtun und dem Fluche der Lächerlichkeit überlas­sen. Jedenfalls ist für jeden Unbefangenem ohne I Eueres klar, daß die Behauptung, ein Krankew- | bescherter könne Gefahr laufen, nicht rechtzeitig Im Behandlung zu kommen, weil die | b" Pfennige für den Krankenschein fehlen könnt- | absolut unsinnig und lächerlich ist. Die Kran- | Mscheingebühr, die bekanntlich seit langem ge,- rade voy sozialdemokratischen Sozialpolitikern emp- lvhien worden war, kann in keinem Falle irgend s jb^che Folgen für die Behandlung eines Krank- venssalles haben. Der Sozialdemokratische Presse- o at abermals wider besseres Wissen i oiveckmeldung verbreitet und sich einer eben- 'ypel'lofen wie pietätlosen Wahllüge schuldig gemacht!

I die geringfügige Beteiligung der Kran- ^oerpcherten an den

Wort der Empörung kann stark genug das neueste Stück sozialdemokratischer Wahlmache gebührend zu kennzeichnen, rialdemokratische Pressedienst hatte über -e Reich eine Nachricht verbreitet, daß e Angestellte eines Berliner Warenhauses -lbtzeitig einen Krankenschein erhalten habe, bei der Anttagsstellung in der Kranken- durch die Notverordnung der Regierung vorgeschriebene Krankenscheingebühr von nigen nicht bei sich gehabt habe, und daß lgedesfen erst zu spät in ärztliche und klinü- ndlung gekommen sei. Der agitatorische _ der Mitteilung war durch ihre gange Form «Mch genug gemacht und durch den Schlußsatz besonders unterstrichen:Um 50 Pfennige ben Tod! Vielleicht kommt der Regierung ining und ihrem Arbeitsminister nun doch lang- mm Bewußtsein, was sie angerichtet haben." sozialdemokratische Presse versah die Mittei- natürlich mit denzweckentsprechenden" riften toteRegierungsmord",Das erste sopfer Brünings" und dergl. Und so etwas Herr Breitscheid anständige Kampfesweise?

Erst kommt eine Geschichte.

Es war in den Jahren 1910 bis 1914. Ich war ein kleines Mädchen mit immer wilden, strähnigen Haaren. Da madtfe ich in einer tobenden Gewit­ternacht zum ersten Male bewußt die Bekanntschaft mit dem WortKrieg". Mutter hatte uns alle sechs aus den Betten geholt, weil es gar so wetterte. Und so saßen wir verschlafen und verängstigt in un­serer großen guten Stube. Unser einsames Haus im Sauerland gittene unter den Stürmen und Donnerschlägen. Die Schiefersteine klapperten, die Blitze rissen am Himmel. Mutter hatte ein paar nm Palmsonntag geweiht« Kätzchen verbrannt. Vater betete vor: Zuerst das rätselvolle Evange­liumIm Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort". Wir waren von den Naturgewalten durchschüttelt und nun dies abgrundtiefe, uns unverständliche Gebet. Dann folgte die Allerheiligenlitanei; und ich spür« es noch wie heute, wie bei jeder unserer Antwort ein Stückchen Mut wiederkehrte. Jeder Heilige war ein neuer Schutzmantel, in den wir uns gläubig und wohlig bargen. Nun mußten wir antworten: Bewahre uns, o Herr!" Bei den vielen Nöten und Leiden, die da folgten, fingen wir schon wieder an, unsere Gedanken spazieren gehen zu lassen, zu­mal weil das Wetter nachließ und schon in einer gewissen Ferne grollte.

Das Gebet ist zu Ende. Einer meiner Brüder ist schon mit dem Mäulchen da:Sag' Vater, dies da:Vor Pest, Hungersnot und Krieg, bewahre uns o Herr!", das könnte man doch eigentlich aus der Litanei streichen; das gibt's doch nicht mehr." Ich fand, daß mein Bruder recht hatte und war ganz erstaunt, als mein Vater sehr ernst und kurz sagte:Ihr werdet's schon noch erleben." Ich konnte es nicht recht glauben, und als ich schon längst in meinem Bettchen lag, da lief mir das Wort:Krieg, Krieg, Krieg", nach in den beginnen­den Schlaf.

Von da an hörte ich es häufig mit Bewußtsein und immer blieb der kindliche Sinn ein Weilchen

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Ja, ja, die Schwärmerei für dieLands­knechte" übersieht die realen Tatsachen, die mit dem Landsknechttum verknüpft zu sein pflegen.

Gut gesagt!

Generaloberst Heye übermittelt der Oeffentlich- keit folgende Erklärung:

Um den Ge r ü ch t e n, die sich um meinen bevor­stehenden Rücktritt gebildet haben, und die sich all­mählich zum Schaden des Reichsheeres auswirken, ein Ende zu machen, sehe ich mich zu folgender Erklärung veranlaßt:

1. Anfang Juni des Jahres habe ich aus eigenem Entschluß heraus den Herrn Reichspräsidenten und den Reichswehrminister um Zustimmung gebeten, nach Ab­schluß der großen Rahmenübung 1930 mein Ab­schiedsgesuch einreichen zu dürfen. Diese Zustim­mung habe ich erhalten.

2. Den Zeitpunkt meines Ausscheidens aus dem Dienst habe ich daraufhin den Belangen des Reichsheeres ent­sprechend, Uebergabe der Geschäfte usw., auf den 3 0. November 1930 festgesetzt.

3. Wer wie ich über 42 Jahre der Armee gewidmet hat, davon 20 in schweren verantwortungsvollen Stellen, in Krieg und Frieden, wird meinen Wunsch verstehen, die Führung des Reichsheeres einer jungen Kraft zu überlassen. Mit politischen Fragen hat mein Rücktritt nicht das Geringste zu tun.

4. Ich habe mich über den Rahmen meines Dienstes n i e mit Parteipolitik beschäftigt und beabsichtige auch jedenfalls nicht, dies zu tun. Ich habe stets versucht ledig als Soldat, dem das Vaterland weit über allen Parteien steht, meiner Lebensaufgabe dem Heere zu die­nen.

5. Für das, was während meiner Amtszeit als Chef der Heeresleitung von meinen unterstellten Offizieren ge­sagt oder getan wurde, habe ich allein die Verant­wortung. Die Zeitungsangriffe gegen solche Offi­ziere sind deshalb fachlich unrichtig und wirken für das Heer fchädlich.

6. Ebenso stehe ich dafür ein, daß die Führung des Reichsheeres nach den Richtlinien des Reichs- w e h r m i n i st e r s, als dem verantwortlichen Mitglied der Reichsre'gierung erfolgt ist. Bon einer Sonderpolitik des Heeres ober einzelner Offiziere zu sprechen, kommt deshalb bewußt ober unbewußt einer Irreführung ber öffentlichen Meinung gleich. Ich barf erwarten, baß burch biefe Erklärung ber Zeitungska m pf gegen bas Reichsheer unb einzelne Offiziere a b g e f ch l o f s en ist, minbestens sich nur gegen bie Person richtet, bie bie Verantwortung trägt, also gegen mich.

7. Hierzu barf ich noch folgenbes Allgemeine bemer­ken: Bei meinem Ausscheiben nehme ich als feste lieber« zeugung mit, baß bas Reichsheer in allen feinen Glie­dern selbstlos und treu seinen Dienst an Land und Volk ausübt. Wenn diese Tatsache bei öffentlicher sachlicher Kritik mehr als bisher gewürdigt würbe, würbe nicht nur ber Armee, fonbern auch ben Interessen bes Ganzen bes­ser gedient. gez. Heye, Generaloberst.

Unrichtige Gerüchte über ein deutsches Ulififätbünb- nis mit Italien, Ungarn und Bulgarien.

In einem englischen Sonntagsblatt ist ein Ar­tikel erschienen, der von einem Militärbündnis zwischen Deutschland, Italien, Ungarn unb Bul­garien spricht. Das Blatt ist politisch nicht sonder­lich ernst zu nehmen, bat aber doch eine gewisse Bedeutung, da es eine sehr große Auflage hat. Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, ist an den Behauptungen kein wahres Wort.

Losten der Arznei

^ne große Rolle in der Hetze der Sozial- ten k-en unb ihrer kommunistischenBrüder" b gen die Regierung Brüning und insbesondere Aus- ' Lsne.n,°eit Reichsarbeitsminister Stegerwald. Wir fnr« k n "ber der sozialdemokratischen Presse ^Lendes zur genauen Kenntnisnahme, bevor sie don ihrem Pressedienst wieder einmal mit

WahMgehereinlegen" läßt:

Senk'5 Verordnung des Reichspräsidenten über ^noerungen in der Krankenversicherung vom Aulr 1930 bestimmt im § 182 a:

-Bei Abgabe von Arznei-, Heil- und Stär­kungsmitteln hat der Versicherte von den Kosten i ver Verordnung den Betrag von 50 Reichs- P enntg, jedoch nicht mehr als die wirklichen an die abgebende Stelle zu zahlen.

^nihalt das Verordnungsblatt mehr als eine Eordnung, so ist der Bettag nur einmal zu «ntridjten.

Schon am Samstag waren Zwischenfälle im Gaubüro vorgekommen, da sich auf den Treppen unzufriedene Mitglieder der Sturmabteilungen an- gesammelt hatten, die Sprechchöre bildeten und in heftige Verwünschungen gegen die Parteileitung ausbrachen. Hitler ist, wie weiter verlautet, nach Berlin gekommen, um den Bruch zu kitten.

_ Wieder Frieden.

cnb. Berlin, 2. Sept. (Eig. Meld.) Durch die gestrigen internen Besprechungen zwischen Hitler, der eigens zu diesem Zwecke aus Mün­chen gekommen war, sowie dem Leiter der Sturm­abteilungen Ost, Hauptmann a. D. Sten- nes, ist der Konflikt innerhalb der Berliner nattonal-sozialistischen Partei wieder beigelegt wor­den. Der Etat für die Sturmabteilun­gen, die sich im Osten des Reiches im letzten Jahr zum Teil versechsfacht haben, wurde erhöht, da die bisher zur Verfügung gestellten Gelder kaum noch zur Durchführung der not-