Turnen und Sport
Modernes Bane« in Leipzig
Set große Leichlalhlelilländerlampf Seulschlanv-Ztanlteich
Der Vorstand.
I ich allein die fast endlos scheinende Rue Lafayette ent- 1 lang zum Gare du Nord.
Ein Work an die Jugend!
Von Prälat Dr. Schäfer- Vaden.
Es mehren sich die erfreulichen Zeichen, daß die Jugend vorab die wahlfähige Jugend aufsteht und dem Vaterland zu Hilfe eilt. Nicht Revolution, sondern Kirche und Ordnung, das ist die Parole. Ich greife so ein lichtes Zeichen heraus. Es kommt von der Mannheimer katholifchjen Jugend. In ihrem prächtigen Aufruf lese ich:
„Freunde! Es geht um die Ordnung im Staat! Um die Fundamente unseres staatlichen Lebens! Um die Grundlage unserer Existenz! Es geht um unsere, der heutigen Jungmänner Zukunft!! Diese Jugend sieht Aar, Ihr Urteil ehrt sie!
Die Erkenntnis wird ihr zur Tat. Die „Führer" stehen zu „ihrer Gewissenspflicht" und fordern ihre Mannschaften auf, „mit aller Kraft für die katholische Volksportei, für das Zentrum einzutreten als für die Partei der Ordnung und tret Verantwortung, der ehrlichen Arbeit und der pflichtbewußten Führung".
„Das Wort ist gesprochen! Es leben die Tat!"
Darum freudig gerüstet!
Die Reihen geschlossen!
Heran an den Feind!
Uns ruft das Vaterland zum Schutze feiner Ehre. Uns ruft das Volk zur Rettung aus der Not! Schmach über den, der feig und lässig säumt! Frisch auf zum Kampf!
Frisch auf zum Sieg!
ten Cafe La Paix, wo sich so ziemlich alle Fremden treffen, trinken wir noch ein Gläschen Bier. Dann gehe
— vom Dompfarrlichen Jungmännerverein. Nächsten Sonntag haben wir unseren üblichen Familienausflug nach Klein-Heiligkreuz. Abmarsch mit Musik 6.45 Uhr vom Vereinshaus in der Kronhofstraße. Nach Ankunft ist Gottesdienst in der Hl. Kreuzkapelle. Nachmittags sorgen frohe Spiele jeder Art für Unterhaltung. Zur Hin- und Rückfahrt steht auch ein Post- auto zur Verfügung, das 8.30 Uhr am „Bayerischen Hof" abfährt. Teilnehmer der Omnibusfahrt mögen sich bis Freitag abend im Zigarrenhaus „zur Türkei" in die aufliegende Liste .einzeichnen. Alle Mitglieder, Angehörige und Freunde des Vereins sind herzlich zum Ausflug der „Dörner" eingeladen.
Die neue Siedlung „Rundling" in Leipzig-Lößning
stellt wiederum einen interessanten Versuch dar, modernste Bauformen der Städtearchitektur nußbar zu machen. Die Häuserzeilen, die sich konzent risch um eine freie Mittelfläche erstrecken, empfang«, von allen Seiten Licht und Lust. Die Siedlung ist von dem Architekten Hubert Ritter erbaut wor^n
* Der Entwurf zur Reichsvrform. Aus Berlin wird gemeldet: Der in Berliner Blättern erschienene Entwurf über die Reichsreform stellt, wie wir hören, eine private Arbeit der Ministerialdirektoren Brecht und Poetzsch-Heffter dar, die beide der Länderkonserenz angehören. Der Entwurf ist sämtlichen Mitgliedern der Länderkonferenz zugestellt worden. Eine Beratung des Kabinetts über diesen Entwurf ist z u n ä ch st noch nicht vorgesehen. . '
bandsleitung ersucht wird, bei allen maßgeblichen Stellen dahin zu wirken, daß bei Vergebung von kleinen Verkaufsstellen, Kantinen, Kiosken ufw. in erster Linie Kriegsopfer berücksichtigt werden sollen und die Vergebungsbedingungen der Leistungsfähigkeit dieser Kreise angepaßt werden.
großartigen Volksgärten, von politischen Gebäuden usw. Ich will es mir aber ersparen.
Nur eines sei noch erwähnt: das riesige Bauwerk des genialen Konstrukteurs Ciffel, der nach ihm benannte Eiffelturm. Man wird stumm, wenn man nach der minutenlangen Auffahrt im geräumigen Lift auf die 285 Meter hoch liegende Plattform tritt.
Da liegt sie vor einem, die Riesenstadt, aus der die bekannten Monumentalbauten herausragen. Zu Füßen zieht sich in weitem Bogen das Silberband der Seine mit den zahlreichen Brücken. Die wie Käfer anmutenden Autos scheinen da unten nur langsam zu schleichen. Der Blick geht über das Häusermeer bis zum fernen Horizont, bis nach Versailles, über dem ein Fesselballon steht. Immer wieder schaut man, trunkenen Blickes. Man kann sich kaum von dem faszinierenden Bild losreißen.
Beim ersten Blick in die schwindelnde Tiefe spüre ich ein leises Kribbeln in den Fußsohlen. Doch das vergeht bald. Man ist von einem ganz eigenen Hochgefühl erfüllt, wie ich es einmal ähnlich nur in einem Flugzeug erlebte.
Eine Fülle von Eindrücken empfange ich auch beim Besuch des Schlößchens Malmasion und des Prunkschlosses zu
heimwärls
geht es wieder. Ein älterer Herr aus Berlin begleitet mich abends, als ich abschiednehmend noch einmal über die Avenue des Champs-Elysees und durch das brausende Leben der Boulevards schreite. Vor dem bekann-
Dersailles
mit seinen wundervollen Gärten. Eigenartige Gefühle bewegen einen, wenn man im Spiegelsaal steht, wo die Einigkeit des Deutschen Reiches 1871 durch Krönung Wilhelms I. zum deutschen Kaiser und noch nicht ein halbes Jahrhundert später das derzeitige Elend Deutschlands durch den schmachvollen Friedenspakt begründet wurden. Welche Gegensätze von einschneidender Bedeutung für unser geliebtes Vaterland. Auch hier versagt die Feder, um all das Gesehene und Erlebte «le- derzuschreiben.
Auf der Fahrt nach Versailles hat sich übrigens in unserem Omnibus beinahe ein „Völkerbund" zusammen-
„Für Wahrheit, Freiheit und Recht."
Wahrhaftig, der Aufruf hat mich gepackt! Wenn die Jugend diesen Geist wieder zeigt, dann muß es gelingen. Dieser Geist wird bei uns Alten wecken und mitreißen. Die alte sturmerprobte Fahne soll neue Siege sehen!
Die Mannheimer stehen nicht allein. Es regt sich im ganzen Land! Mit Stolz darf ich's melden.
Wenn man einstens in der Geschichte vom harten Jahre 1930 schreibt, soll man erzählen, vvm Feste Kreuz-Erhöhung als dem Ruhmestag des katholischen Volkes, vorab der katholischen Jugend. Die alte Fahne rief und alle, alle kamen und setzten sich ein fürs Vaterland, das Teure!
Mit Ergriffenheit anerkenne ich die wackere Haltung unserer Jugend vor aller Oeffentlichkeit. Noch wenige Tage und die Schlacht ist geschlagen! Kein Ort darf da versagen! Zu unserer Väter Zeit haben sie mit 90 und 95 Prozent, ja mit hundert gewählt! So war's im Frankenlqnd. mit seinen prächtigen politischen Truppen, so war's bet den lebendigen Pfälzern, den bedächtigen Alemannen und Schwaben!
So soll's auch am 14. September 1930 wieder sein! Sie sollen's in Berlin erfahren:
Das Volk will Ordnung!
Das Volk will Ruhe! Das Volk will Hilfe in der Not!
Das Volk will ein aufsteigendes Vaterland!
gefunden: ein englisches und ein spanisches Ehepaar, ein nordamerikanischer Geistlicher (er stammt von deutschen Eltern ab und erklärte mir, er freue sich auf die deutsche Küche), eine junge Frau aus Wien und ich „Fulder" als Vertreter Deutschlands. Eine solche Gesellschaft ist natürlich interessanter, als wenn sie nur aus Deutschen besteht. Ein geschäftstüchtiger Photograph knipst uns und bietet uns einige Stunden später, als wir zum Nachmittagstee im Städtchen gemütlich beisammensitzen, die fertigen Bilder an. Trotz der Höhe des Preises, — er verlangt 5 Franken —, kaufe ich mir eine Photo, die mir eine der interessantesten Erinnerungen bedeutet.
In Paris trifft man auf die verschiedensten Nationalitäten, auch sehr viele Deutsche. Nicht alle geben sich so, daß sie in guter Ginnerting bleiben. Von meinen Erfahrungen in dieser Hinsicht möchte ich schweigen. Die feinsten Menschen, die ich kennen lerne, sind eine Dame und ein Herr aus Schweden. Diese gutgewachsenen Nordländer offenbaren einen erstaunlichen Grad von Kultur und Bildung. Der schwedische Herr, der von einem längeren Aufenthalt in England kommt, gibt mir gegenüber feiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß trotz der schlechten Wirtschaftslage Deutschlands so viele deutsche Vergnügungsreisende im Ausland anzutreffen sind. Ich kläre ihn auf über die Sehnsucht unseres Volksstammes nach der Fremde, für die mancher selbst in bescheidenen Verhältnissen lebende Volksgenosse gern einmal spart, um sie in seinen Ferien verwirklichen zu können.
— Die Größe der Planeten. Die Erde hat einen Ae- suatorialdurchmesfer von 12 755 Kilometer. In der Größe kommt ihr am nächsten die Venus mit einem Durchmesser von 12 603 Kilometer. Wesentlich kleiner ist der Mars mit 6 752 Kilometer. Der Durchmesser des Merkur beträgt 4 900 Kilometer. Die übrigen 4 Planeten sind weit größer als die Erde. Der Durchmesser des Neptun mißt 55 000 Kilometer, der des Uranus 60 000 Kilometer. Der Saturn hat einen Durchmesser von 118 700 Kilometer und der Jupiter gar einen solchen von 145172 Kilometer.
Hauptstützen der deutschen Mannschaft:
1. Wegener (Stabhochsprung), 2. Troßbach (110 Mir. Hürden), 3. Rosenthal (Hochsprung)^ '4 Köchermann (Westsprung),.5. Uebler (Kugelstoßen), 6. Engelhard (800 Mtr.), 7. Weimann (SpeeS wurf), 8. Körnig (100 Mtr. und 200 Mtr.).
Am 31. August findet in Hannover der mit größter Spannung erwartete Leichtatlethik-Ländet kämpf Deutschland-Frankreich statt. Deutschland, das am gleichen Tage auch gegen die Schwei! kämpft, muß voraussichtlich ohne Peltzer, Köpke, Hirschfeld antreten und wird gegen die beträchtliö verbesserten Franzosen einen schweren Stand haben. . Z
Werbesportfest in Geisa.
Unter zahlreichem Andrang der Bevölkerung Geisas und der umliegenden Ortschaften nahm am vergangenen Sonntag auf dem Sportplatz das angekündigte Werbe- Sportfest feinen Verlauf. Die
Dreikämpfe
hatten folgende Ergebnisse (soweit nicht anders bezeichnet, stammen die Preisgekrönten aus Geisa):
Zöglinge: 1. Anton Fleck 52 Punkte, 1. Theo Rohm 52 P., 2. Herrn. Jörges, Tann 48 P., 3. Willy Kirsch 46 P., 4. Robert Winter 43 P., 5. W. Henkel 41 P., 6. Martin Stern 40 P., 6. Beruh. Wehner 40 P.
1. Klasse: Nennstiel 53 P., 2. L. Roth 50 P., 3. Ernst Segel 45 P., 4. Moys Etzel 44 P., 5. Karl Pecks, Tann 41 P.
Einzelkämpfe:
1. Klaffe: (Schleuderball): 1. Segel 43.7 Meter, 2. Aloys Etzel 39.1 Meter.
Zöglinge: (Schleuderball): 1. W. Segel 32.9 Meter, 2. Theo Rohm 29 Meter.
Speeroerfen: 1. W. Ebert 33 Meter.
Das sich an die leichtathletischen Kämpfe anschließende Fußballspiel zwischen der 1. M. des Turn- und Sportvereins Geisa und der Liga-Reserve Borussia Eisenach nahm einen fesselnden Verlaus und zeitigte für Geisa ein überraschendes Ergebnis. Ein zum mindesten gleichwertiges Spiel Geisas konnte feftgefteUt werden, wenn man voraussetzt, daß der Schiedsrichter abpfeifen konnte oder mußte, als das eine Tor zu un- gunften Geisas unter Lebensgefahr der Spieler (!) fiel. Ergebnis 1:0 für Eisenach.
Das darauf folgende Fußballspiel der Jugendmannschaft Geisa gegen die Jugendmannschaft Großentaft endigte mit dem Ergebnis 3:1 für Geisa. F—
Deutsche Zentrumsparkei
(Ortsgruppe Fulda).
1. Bezirk:
Umfaßt die Straßen: Abtstor, Am Hopfengarten, Iohannisstr., Königstr., Lengsfeldergasse, Löherstr., Hinter den Löhern, Am Pröbel, Am Rosengarten, Hintere Schleifersgasse, Vordere Schleifersgasse, Simpliziusbrunnen.
Dienstag, den 2. September, abends 8 Uhr im Speisesaale des HeMggeisthospltales
wichtige Versammlung!
Wir bitten unsere Parteifreunde, recht zahlreich zu erscheinen.
Fulda, den 27. August 1930.
Vou den Kriegsopfern.
— wirkschastsdepression und Kriegsopfer. Von der durch die allgemein schlechte Wirtschaftslage bedingten Arbeitslosigkeit und der ständigen Zunahme neuer Kündigungen werden am härtesten die Kreise der Kriegsbeschädigten betroffen. Die mehr oder weniger starke Beeinträchtigung ihrer Erwerbsfähigkeit schließt eine alsbaldige Neuoermittlung aus. Wenn auch durch gesetzliche Maßnahmen die Arbeitgeber gezwungen sind, eine gewisse Pflichtzahl von Schwerbeschädigten zu beschäftigen, so ist der Prozentsatz doch mit 2 v. H. so niedrig gehalten, daß die Unterbringung keineswegs in ausreichendem Maße damit ermöglicht wird. Wie uns vom Reichsverband Deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinterbliebener hierzu mitgeteilt wird, bestehen seit langem Bestrebungen, den Prozentsatz zu erhöhen, zumindest den behördlichen Arbeitgeber in stärkerem Maße heranzuziehen. Anläßlich der im Reichstage unlängst abgehaltenen Verbandstagung des Reichsverbandes Deutscher Kriegsbeschädigter ist auch einem Anträge zugestimmt worden, nach welchem die Ver-
DIK-Spork.
Kerzell I—Reuenberg I 1:3 (1:1).
Am Sonntag trafen sich obengenannte Mannschaften zum fälligen Verbandsspiel in Kerzell. Das herrliche Wetter am Nachmittag hatte eine große Zuschauermenge nach dem herrlich gelegenen Sportplatz am Steinberg gelockt. Der Platz trägt den Namen Waldeck
mit Recht; er liegt oben am Rande des ©iefeler Forstes, von drei Seiten vom Wald eingeschlossen; die freie Seite gewährt einen großartigen Ausblick auf die ganze Rhön mit ihren schönen Bergen. Es ist wirklich ein Genuß, hier zu sitzen. Man kann dem Verein nur gratulieren zu diesem Fleckchen Erde, das auch der Ausdehnung nach Raum noch für Hundertmeterbahn und Sprunggruben hergibt.
Genannte Mannschaften sind Spitienr»u„ . Sonderklasse, und das Spiel mußte den h scheiden. In der ersten Halbzeit war hL @ .ltel geglichen für beide Parteien. Kerzell aeht 'xPle{ schöne Flanke des Linksaußen in Führuna schießt einen Elfmeter ein. 1:1 Halbzeit. *ieUet
Man war allgemein der Ansicht, daß mit fr fultat das Spiel ausging. In den ersten 9n drücke Kerzell stark auf das Neuenberaer Tn, , der N. Tormann tüchtig Arbeit bekam Der t hielt aber ausgezeichnet, so daß K. zu keinem^ kam. Nun kam das Unglück für Kerzell, und ® durch seinen Tormann, der sonst gut die Bälle?^ war seiner Sache zu sicher, ging bis an die Mm in den Spielraum und suchte seine Mannschaft - nach vorn zu drängen. Neuenberg kann zw^mni? brechen und der schwach geschossene Ball läuft im. langsam in das feere Kerzeller Tor. Kerzell ift mutigt, es war ja nicht mehr zu retten, und naA gen uninteressanten Minuten erlöste der SchlußM
Kritik: Die beiden Mannschaften sind ziemlick <* wertig, und der gerechte Ausgang wäre unbebmot Unentschieden gewesen. Neuenberg spielt nibio rend Kerzell in den beiden Außenstürmern üben* Beide Mannschaften berechtigen zu guten Hoffnung werden in die A-Klasse aufrücken. Kerzell man Niederlage verschmerzen in dem Gedanken, dM Mannschaft den Ausgang nicht verschuldet hat'uns a bärtig neben Neuenberg steht.
Den Schiri, Herrn Lange zu loben, erübrigt fi* leitete ganz ausgezeichnet und wußte das man* harte Spiel durch schnelle und aturate Entscheide immer auf fairer Höhe zu halten. Es zeigte fi* , hier wieder der große Vorteil der richtig getjanbbal Zeitrausstellung.
Zwei Herren der Bezirksleitung blieben noch eh Stunden in dem gastlichen Hause des Herrn Lei» Agricola und besprachen mit dem Vereinsvorstand Angelegenheiten des Vereins. Kerzell wird mit l Mannschaften in die kommende Verbandsserie eintre Der DJK. Kerzell zu weiterem Ausstieg und Neuen! zum Siege.
— Sportfest in der Vorderrhön. Wie aus Brei (Rhön) mitgeteilt wird, veranstaltet am Sonntag, 31. August, der „Rasensportverein Bremen 1921" diesjähriges Sportfest, wozu zahlreiche Vereine aus Umgebung eingeladen sind. Das Programm fetzt zusammen aus Diplomspielen und leichtathletisl Hebungen, wie 100 Meterlauf, Weitsprung, Höchste Stafetten, Zielstoßen usw. Da bereits viele Ben ihre Teilnahme zugesichert haben und das Wetter äug günstig zu werden verspricht, wird die forgfältig , bereitete Veranstaltung zu einem großen sportlichen eignis der Vorderrhön werden.
Hebet Fulda nach Vans.
Von Joseph Gutberlet.
(Schluß) IV.
„Sacrö-coeur", die auf dem Montmartre die ganze Riesenstadt überragende fast orientalisch anmutende Kirche mit dem großartigen Terassenvorbau ist auch im Innern äußerst stimmungsvoll. Zwei kleine Anekdoten, die ich hier erlebte, möge nden französischen, oder vielleicht besser romanischen, Katholizismus beleuchten. Eine Dame unserer Gesellschaft mit Herrenschnitt und ärmellosem Kleid wird von einer einfachen Bürgersfrau darauf aufmerksam gemacht, daß es sich nicht schicke, ohne Aermel und ohne Hut ein Gotteshaus zu betreten. Und ein Kirchenschweizer weist sie schließlich hinaus. Das gleiche Schicksal wird einem anderen hutlosen Mädel zuteil. Uebertrieben? Vielleicht. Aber sollte man nicht gerade bezüglich der Kleidung etwas zu viel als zu wenig anständig sein? Was meinen unsere Frauen dazu? Bei uns werden ja die anständigen leichter zum Gespött als die unanständigen, gar schamlosen. Der Pastor von „Sacre-coeur" durchschreitet die Kirche, überall die Stimme der Besichtigenden dämpfend, trotzdem zur Zeit kein Gottesdienst ist. Auch das spricht für sich.
Ich könnte noch viel erzählen, z. B. von der einem prächtigen Tempel nachgebildeten Kirche „La Madeleine", von dem eigenartigen Pantheon, in dem sich Denkmäler weltlicher Großen und Bilder aus der Kirchenlegende so seltsam zusammengefunden haben, von einem Nachtbummel über den Montmartre und die nächtlichen Vergnügungsstätten, an denen die französische Hauptstadt ja sehr reich ist, von den berühmten Friedhöfen Päre Lachaise und Montmartre mit ihren Ruhestätten berühmter Persönlichkeiten und ihrer uns so unsympathisch berührenden dichten Häufung von Grab- üeinen, vom machtvollen Rathaus, vom Justizpalast mit 'er Gonciergerie und der wunderschönen Saint-Chapelle, >on der Sorbonne, von den einzelnen Boulevards, von
i Die letzten paar Franken setze ich um in einige Z I garren und zwei deutsche Zeitungen. Dann besteig ich den „Polenzug" (bekanntlich erlebte derselbe Zug >* vergangenen Jahre in Buir im Rheinland eine furch bare Gisenbahnkatastrophe durch Entgleisung). „Pvler zug" nennt man ihn, weil dieser von Paris nach Wai schau gehende Zug stets in der Hauptsache mit Po« besetzt ist.
In meinem Abteil befinden sich vier polnische Lam arbeitet, zwei Männer und zwei Frauen, die direkt au Kanada kommen, sowie ein Russe. Gegen 23 Uhr roll der Zug aus der keineswegs imponierenden Halle t die dunkle, heiße Nacht. Paris verabschiedet sich ® Wetterleuchten.
Diese Nachtfahrt ist alles andere als ein Genuß. Di Wagen sind mit echt polnischen, nicht gerade angeneh men Gerüchen durchsetzt. Dazu ist es sehr schwül. 3“ stelle mich einmal ans Fenster, an dem die Silhouellei der Landschaft gespenstrisch vorüberhuschen, ich sehe bei Polen beim Mühlespiel zu, ich versuche zu lesen uro versuche auch zu schlafen. Gs bleibt allerdings bei« Versuch. Die Stunden dehnen sich fast bis zu Ewig feiten. Bis endlich die französisch-belgische Zollgrenz eine Abwechselung bringt.
Während der Kontrolle darf niemand den Zug °et lassen. Aber dann stürzen mir mit wahrer Gier au das Wägelchen eines geschäftstüchtigen Bahnhofshan lers zu und erstehen ein Fläschchen Mineralwasser, Ba nanen ober etwas Schokolade. Bei dem furchtbare Durst fragt man nicht nach dem Preis.
Nach dem ziemlich lauwarmen Schluck fühle ich richtig erfrischt. Der Tag graut, und die Fahrt wir da man wieder mehr von der Landschaft sieht, erjag' licher. So geht es durch Belgien über Aachen wieo nach Deutschland, — nach Hause.
Zwei wunderschöne Ferienetappen liegen hinter w> gekennzeichnet durch die Namen Fulda und Paris. Kei davon möchte ich missen.
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