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Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt

Freitag, 29. August 1930

57. Zahrz

der noch gläubigen nicht freidenkerischen Genossen zu werben.

So sieht Otto Bauer, der sich selbst als religiöser Sozialist bezeichnet, die Aufgabe der sozialistischen Partei und insbesondere der Freidenkerorganisa­tion. Hier werden die katholischen Arbeiter auf eine Stufe gestellt mit den Alkoholikern. Gleich wie Kindermifihandlung und Alkoholismus ist ihm die religiöse Auffassung eine Rückständigkeit, die zu den „Lastern der Unterdrückten" gehört.

Eine bessere Kennzeichnuna der Wertung des Religiösen im Sozialismus hätte Bauer nicht ge­ben können. Jetzt wird Herr Sollmann auch wis­sen, warum die katholischen Arbeiter nicht zur So­zialdemokratie kommen und nicht kommen können. Er wird am 14. September erneut bestätigt finden, daß sein Werben um die katholischen Arbeiterstim­men vergeblich ist.

liegen würde. Die Wahl am 14. September wird in ihrem Ergebnis ein Prüfstein dafür sein, ob die Mehrheit in Deutschland noch Sinn für Logik und Gefühl für nationale Pflichten hat oder nicht.

gewahrt, auf eine solche Einladung zu warten. Amerika, Italien und England haben schon seit Jahren deutsche Offiziere eingeladen und entsenden deshalb ihre Militärattaches zu den deutschen Manövern. Belgien, Frankreich und Polen haben eine solche Einladung bisher nicht für nötig gehalten, und können sich deshalb nicht wundern, wenn Deutschland ihre Attaches zu seinen Masövern nicht hinzuzieht.

„köpfe rollen in den Sand

I demokrat-" - Bresse keineswegs geeignet, eine po­sitive Lösung zu erleichtern. Der Zentrumsabge- I ordnete Ersing konnte bei der Beratung der Groß- I pensionskürzungsanträge im Haushaltsausschuß des Reichstages im Juli d. Js. mit vollem Recht sagen:

Er wisse nicht, ob die Art und Weise, wie diese Frage seit Jahren im „Vorwärts" behandelt sei, geeignet ist, der Republik zu dienen. Ihm sei auch nicht bekannt, ob die Kommunisten schon Groß- I Pensionäre in ihren Reihen hätten. Bei allen an« I deren Parteien sei dies jedenfalls der Fall. Die» I jenigen politischen Kräfte, denen daran liege, daß I das Ansehen der führenden Staatsmänner und der I Führer im Staate herabgewürdigt werde, hätten I ein Interesse an einer solchen Prlemik. Man könnte diesen Männern, die ihre Pflicht getan bat­ten, wenn sie nachher vom parlamentarischen Schicksal ereilt würden und gehen müßten, doch keinen Vorwurf daraus machen, daß sie die be­stehenden Gesetze auch für sich in Anspruch nehmen.

Tatsächlich habe es im Zentrum auch niemand I z. B. den sozialdemokratischen Ministern verdacht, I daß sie bei ihrem Abschied nicht „sich selbst unter I Ausnahmerecht stellen" wollten. Wohl hat man es I in sozialdemokratischen Arbeiterkreisen vielfach nicht I verstanden, daß die sozialdemokratische Partei den I starken Einfluß, den sie doch mindestens in dem I letzten Kabinett Müller besaß, nicht benutzte, um I dem liebel der Riesengehälter und oementsprechend I dem Mißstande der Riesenpensionen endlich einmal I an die Wurzel zu gehen, daß sie vor allem durch I 72 000 Mark-Gehälter wie das des Sozirldemokra- I ten Brokat, der ohne Fachkenntnisse Direktor der I Berliner Verkehrsgesellschaft wurde, ein sehr schlech- I tes Beispiel gab und noch immer gibt. Zum Mag­deburger Parteitage der Sozialdemokratie hatten I Berliner Genossen einen Antrag gestellt, der ssth I gegen die übermäßig hohe Bezahlung von Sozial- I demokraten in leitenden Stellungen städtischer Be- I triebe richtete. Der Antrag wurde unschädlich ge­macht und mit einer Hetze gegen die Pensionen der I alten Offiziere usw. beantwortet! Als die sozial­demokratische Reichstagsfraktion in diesem Jahre I nach ihrem Austritt aus der Koalition den bekann- I ten Pensions-Kürzungsantrag einbrackte, war es I kein geringerer als ihr eigenes Mitglied Braun, preußischer Minister-Präsident, der im Reichstags­ausschuh durch seinen Beauftragten „die schwersten beamtenpolitischen Bedenken" gegen diesen, ganz ungenügend durchdachten sozialdemokratischen An­trag geltend machen ließ. Die Zentrumsfraktion aber bemühte sich, den an sich berechtigten und von ihr schon immer vertretenen Grundgedanken des Antrages nutzbar und wirksam zu machen, in­dem sie die Doppelverdiener gerecht erfassen und auch die Großpensionäre der Länder und Gemein- ! den in das Gesetz einbeziehen wollte. Der damalige | sozialdemokratische Initiativantrag und seine im wesentlichen durch das Zentrum im Reichßtags» ausschuß erzielten Verbesserungen sind durch die Reichstagsauflösung, die von der Sozialdemvkratie mitverschuldet worden ist, fürs erste hinfällig ge­worden. Doch hat die Regierung Brüning in Aus­sicht genommen, auch das Problem der Pensions­kürzung im Rahmen ihres großen Herbstprogram- mes in Angriff nehmen lasten, und dieser Tage hat der Reichsfinanzminister öffentlich bestätigt, daß er einen Entwurf zu einem Penfionskürzungs- Gesctz in Vorbereitung habe.

Wir gehen, wie gesagt, nicht so weit, den Her­ren Severing, Robert Schmidt, Wistell usw. einen Vorwurf daraus zu machen, daß sie auch für ihre Pensionen von den bestehenden Gesetzen Gebrauch machen. Sie sollten nun aber nicht so tun, als wenn sie gegenüber dem Reiche noch nobel ge­handelt hätten So hat Severing, als in der Oef- sentlichkeit angesichts der sozialdemokratischen un- wahrhaftigen Polemik über die Riesenpensionen der Spieß umgedreht und die ehemaligen sozial­demokratischen Minister an ihre eigenen hohen „Ruhegehälter" erinnert wurden, der sozialdemo­kratischen Presse geschrieben, daß sich jeder einzelne ehemalige sozialdemokratische Reichsminister mit derjenigen Regelung der Versorgungsansprüche be­gnügt habe, die für ihn am ungünstigsten sei. Er brauchte sich jedoch nicht zu wundern, daß ihm z. B. die „Deutsche Tageszeitung" folgende „Gegen- rechnung aufmachte:

„Immerhin bezieht Severing als einstmaliger Reichsminister bis Ende 1933 monatlich die Klei- nrgkeit von 1650 Mark. Rach Ablauf dieser Zeit erhält er wieder seine Pension als früherer preus-

ein Kleinrentner sein Leid geklagt und ihn gefragt habe, ob wohl das Wenige, was ihm noch verblieben sei, auch noch kaput gehe. Er fei aus Verärgerung die ganzen Jahre nicht zur Wahl ge­gangen und werde jetzt erst recht nicht mehr gehen. Die Antwort Dr. Heims lautete:

„Fahren sie nur so fort, dann ist ihr Geld be­stimmt kaput."

Der nationalsozialistischen Kata- st r o p h e n p o l i t i k, die erst alles in Trümmer schlagen und dann angeblich aufbauen will, stellte Dr. Heim folgenden drastischen, aber zutreffenden Vergleich gegenüber: Wenn es einem Bau­ern schlecht geht, dann geht er doch auch nicht her und schlägt seinen Dreschkasten kaputt, verstümmelt das wenige ihm noch gebliebene Vieh, um bann zu sagen, s o, jetzt will ich an fan­gen wieder hoch zu kommen.

Hugenberg und die Kommunisten.

Im „Deutschen Schnelldkenst", einer Hugen- berg-Korrespondenz, heißt es:

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag ISS ocr Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

* Dor der Senkung der Kartellpreise? Der Reichswirtschaftsrat hat eine Reihe von Unter­suchungsausschüssen eingefetzt, die eine Antwort auf fcie von der Reichsregierung geforderten Preis­herabsetzungsvorschläge für kartellierte Waren fin­den sollen. Wie wir hören, ist man an den zustän­digen Regierungsstellen der Auffassung, daß diese Entscheidungen bald g'e fällt werden müssen. Die Reichsstellen seien entschlossen, unter Umstän­den auf Grund der Notverordnung des Reichsprä­sidenten von sieb aus vorzugehen, ohne eine Ver­ständigung der beteiligten Instanzen abzuwarten.

* Die fremden Offiziere bei den deutschen 2Ranö- wem. Ein nationalsozialistisches französisches Hetz­blatt beklagt sich darüber, daß zu den deutschen Manövern französische, belgische und polnische Mili­tärattaches keine Einladung erhalten hätten. Das Platt vermutet, daß der Grund m der noch be­stehenden Besetzung des Saargebietes, in der Anek- tion von Eupen und Malmedy und den polnischen Grenzübergriffen bestehe. Zwar ist das Vorhan­densein dieser Gründe von den zuständigen Stellen nicht geleugnet worden. Die Dinge liegen aber in Wirklichkeit einfacher. Deutschland zieht diejenigen Staaten, bczw. deren Militärattaches zu seinen Manövern hinzu, die deutsche Offiziere zu ihre n Manövern einladen und zwar hat Deutschland gegenüber den früheren Kriegsgegnern die Uebung

Das ..Doppelgesichk" der Sozialdemokratie.

Im jetzigen Wahlkampf wirbt die Sozialdemo- I kratie insbesondere um die Stimmen der katholi- I scheu Arbeiter. Vergeblich hat sie versucht in den vergangenen Monaten einen Keil zwischen katholi­sche Arbeiterschaft und Dr. Brüning zu treiben. Nachdem das nicht gelungen ist, versucht man es auf andere Weise, die katholischen Arbeiter zu sich her- überzuziehen. Die sozialistische Presse, allen voran die „Rheinische Zeitung", bemüht sich, den katholi­schen Arbeitern klar zu machen, daß weltanschaulich den katholischen Arbeiter von der Sozialdemokra­tie nichts mehr trenne. Unter der Fahne des So­zialismus sollen alle vereinigt werden, ob Chri­sten, ob Heiden, ob Freidenker oder Katholik, da ja nach der Parole ber' Sozialdemokratie Religion Privatsache sein soll. Wie aber diese Freiheit in Wirklichkeit aussieht, darüber äußert sich der So­zialist Otto Bauer in seinem Buch „Sozialdemokra­tie", Religion und Kirche". Es heißt da u. w:

Da die sozialdemokratische Partei die Mehrheit im Staate erobern müsse, um zur Macht zu gelan­gen, könnte sie nicht auf die rückständigen Proleta­rierschichten verzichten, die noch „mit den Lastern der Unterdrückten" behaftet seien. Die Partei könne nicht auf die Alkoholiker verzichten aus diesem Grunde. Wohl sei es die Aufgabe der fortgeschrit­tenen Arbeiter, auf die Alkoholiker erzieherisch zu wirken und zwar mit Hilfe des Arbeiterabstinenten­bundes. Bauer fetzt nun feinen Gedankengang fort. Die Partei könne nicht auf die pädagogisch rückstän­digen Arbeiter verzichten, die ihre Kinder noch mißhandeln. Die Aufgabe der Kinberfreunbebewe- gung sei es, hier durch gutes Vorbild zu beeinflus­sen. Die Partei könne auch nicht auf die noch gläu­bigen, re l i g i ö s r ü tf ft ä n b t g e n Proletarier verzichten, weil biefe zur Erlangung ber Mehrheit notroenbig sind. Aufgabe ber Freibenkerorganifa- tion fei es, bic geistig regsamsten Arbeiter auf ber Basis einer neuen Weltanschauung zu sammeln, kulturell vorbildlich zu wirken und' auf diese Weise mehr missionierend überzeugend um die Seelen

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„Diese Programmerklärung der deutschen Kom­munisten ist in ber Tat darüber hinaus von sen- latiioneUer Art, denn in ganz ungewöhnlich scharfer Weise wird in ihr der Kamps gegen den Versailler Gewaltfrieden, gegen die territoriale Vergewaltigung und Ausplünderung Deutschlands und gegen den Po ung-Plan erklärt. Wenn man noch so sehr der Meinung ist, daß der deutsche Bolschewismus heute solche For­derungen erhebt, weil er den Zeig der Zeit erkennt und sich gezwungen sieht, gegen den An­sturm der Nationalsozialisten sich zu wehren, so ist doch nicht zu verkennen, daß das Anschlägen so sich er nationalen Töne ein Beweis dafür ist, daß es allmählich auch in dem vrv- hetztesten Teil der deutschen Arbeiterschaft däm­mert ..."

Das ist allerdings eine groteske politi­sche Kameraderie von Kommunisten, Deut sch nationalen und National­sozialisten, bei der man sich abwechselnd mit flammenden Kampfansagen und Sympathiebezeu­gungen gegenseitig bedenkt. Ihre rechte Weihe erhält sie freilich erst durch die Nachricht, daß auch jene merkwürdige und von Fragwürdigkeiten durchaus nicht freie S efte d e s He rrn Wei­ßenberg in Berlin nunmehr einen Aufruf zur Wahl der Listen des Geheimrats Hugenberg er­lassen hat.

Herr Weißenberg, der unrühmlich bekannte Sektenführer, der „göttliche Meister", wie er sich nennen läßt, hat in Nr. 34 ferner Zeitschrift „Der weiße Berg" vom 24. August seine „Gläubigen" zur Wahl des „Retters Hugenberg" aufgerüfen.

Warum? Weil Hugenberg in seiner religiösen Einstellung den „evangelisch-fohannischen Gedan­ken" Weißenbergs nahekomme, weil Hugenberg den „suror evangelicus" entfacht habe, die hei­lige evangelische Entrüstung über das Zentrum. Hugenbergs Wahlziel liege int Sinne „unseres göttlichen Meisters", so heißt es in dem Sekten­blättchen, „der sein im religiösen Sinne zu beuten­des schwarz-weiß-rotes Prophetenbanner entrollt" habe.

Die Dummheit des Herrn Weißenberg küm­mert uns nicht. Aber Herr»: Hugenberg müssen wir unseren Glückwunsch zu dieser Bundesgenos­senschaft doch freundlichst übermitteln.

Nicht erst jetzt in ber Wahlzeit, schon währenb ber letzten vergangenen Jahre ist es hinreichend bc= I kamst geworben, baß die Nationalsozialisten mit allen Mitteln bie Herbeiführung einer neuen R e- I volution erstreben.

I Am 15. Mai 1929 lesen wir im 22. Heft ber I „Nationalsozialistischen Briefe":

I „Die kommenbe Revolution kann unb wirb I nichts anberes als eine nationalsozialistische sein!"

I Auch Hitler, ber kommenbe RevolutionShäupt- I ling, gibt biefe Zielsetzung seiner Partei unumwun- I den zu, wenn er sagt:

„Köpfe werben in biesem Kampf in ben Sanb I rollen, entweder die unseren ober bie anberen, also sorgen wir dafür, daß die anderen rollen."

5m „Reichswart" (Nr. 16 vom 19. April 1930) schrieb Graf Reventlow:

„Wir Nationalsozialisten erblicken im Bür­gertum, wie es in Deutschland ist und sein will, etwas, das verschwinden muß, zum Unter­gänge reif ist . . . Wir Nationalsozialisten wollen keine Reform, sondern wir wollen, wie es hier feit vielen Jahren gesagt wird, eine grundlegende und grundstürzende Umwälzung".

In ber Broschüre „Die zweite Revolution" schrieb ber wegen seiner Beleidigungen des Reichs­präsidenten bekannte Berliner Hitler-Führer Dr. Goebbels:

„Wir werden bann ans Ziel gelangen, wenn wir Mut genug haben, lächelnb zu zerstören, zu zertrümmern, was uns heilig war als Trabition, als Erziehung, als Freundschaft und menschliche Liebe."

Georg Strasser schreibt in Nr. 23 der „Natio­nalsozialistischen Briese" u. a.:

„ . . . Wir treiben Katastrophenpolitik, weil nur die Katastrophenpolitik, bas ist der Zusammenbruch, den Weg frei macht für jeden neuen Aufbau, ben wir Nationalsozialismus nennen."

Der bekannte thüringische Minister Frick erklärte am 27. Februar 1929:

„An ben Galgen mit ben Verbrechern, bie uns seit 10 Jahren rnißregiert haben!"

Unb schließlich noch eine nationalistische Stimme aus dem Lanbe Baben, nämlich bes Lanbtagsabge- orbneten Krafft, feines Zeichens sogar Professor, ber in einer Sitzung bes Lanbtags zu bem Kultus­minister Dr. Leers erklärt hat: „Sie können einmal in bie Lage kommen, darüber zu wählen, ob sie erschossen, gehängt ober geschlichtet werben wollen."

Am 8, Oktober 1929 erklärte ein-

stischer Agitator K- Maier in einer Versammlung in ber Babener Gemeinbe Ihringen.

„Es ist ganz gleich, wenn eine Größe, die heute oben sitzt, burch Bomben beseitigt wirb."

Das sind nur einige Proben aus ber Fülle des Materials, bas uns vorliegt über bie Revolutions­absichten ber Nationalsozialisten, bereu Verwirk­lichung ein ungeheuerliches katastro­phales Unglück für Deutschlanb wäre, bei ber bas ganze beutsche Volk bie Zeche zahlen müßte. Darum roenben wir uns in schärf­stem Kampfe gegen bissen wilben Radikalismus und rufen das deutsche Volk unter der Zentrums­parole zur Ordnung und Freiheit des Volkes unb bes Reiches auf.

Am die Grstzpensionäre.

Sozialdemokratische Dahlmache am fauchen Objekt.

In einem von ber Zentralleitung der sozial­demokratischen Partei ausgegebenen Wahlflugblatt wird u. c. behauptet: „Alle bürgerlichen Parteien, einschließlich der Hakenkreuzler, treten im Gegen­satz zur Sozialdemokratie für Riesenpensionen ein." Diese Behauptung wird im Zusammenhang mit ber zunehmenden Erwerbslosigkeit gebracht unb soll somit im wesentlichen ein Köder für die Erwerbs­losen sein. Sie ist in jeder Beziehung unwahr. Was insbesondere bas Zentrum angeht, so hat un­sere Partei seit langem die Frage brr hohen Pen­sionen mit aller Aufmerksamkeit unb allem Ernst verfolgt unb alles getan, um dieses schwierige Pro­blem einer gerechten unb parlamentarisch mög­lichen Lösung entgegenzuführen. Dagegen war bie Behandlung der Angelegenheit burch die sozial­demokratische Reichstagsfraktion und durch die

Deuifche Kämpfer.

Im« wir seinerzeit die Feme-Mordprozesse er- fpaitete sich sofort bie öffentliche Meinung L- npi Hälften. Die einen forderten rücksichtslose KX«funa der Schuldigen — und an dieser For- K^na ist ja die letzte Amnestie gescheitert —, die Eueren stellten die Angeklagten als patriotische rwSrfnrer und ihre Ankläger und Richter als ehr- k t f« Gesindel hin. Vielleicht hat die Wahrheit in F Witie gelegen, vielleicht waren unter den E’ die Untergebene kalten Blutes hinmeu- Erfn liefen, wirklich solche, die zwar verroht und viehischer Grausamkeit entartet waren, im ober doch ihre Handlungen aus nationalen herleiteten. Wenn es so war, bann ■tante man über ihre Amnestie reden, und es ist l^auch darüber geredet worden, selbst von solchen, ELüber den Verdacht nationalistischer Verbohrtheit «chaden waren. Ader freilich mußte trotzdem ^^sgestellt werden, was war: daß nämlich un- »eiuqte'sch hier ben Richterspruch über Menschen- gnmaßten unb mit Menschenleben wie mit

WHumtellen umgingen.

®enn man damals die Presse der Rechten ver- ■Ubtiät, so ist einem aufgefallen, daß für sie die ^MMMörber ganz selbstverständlich und grundsätz- | [j(j) unschuldig waren, unb man ist ja soweit ge- KLen, unter beteibigenben Titeln Unterstützungs- KMs für diese Menschen zu schaffen, deren Bnch- Mhnmg in der Presse noch bie Anhänger anberer Bluffaffungen zu Lumpen stempeln wollte. Gegen­wärtig haben wir Gelegenheit, in ben Prozeß MerÄltonaer Bombe nlager ähnliche Ge- Mimungen zu beobachten, wie sie bie Feme-Mörber unb roieberum ist z. B. die Presse Kjgenbergs von vornherein bei ber Hcmb, um Kbumnfg zu machen in bem Sinne, baß bie An­geklagten von Altona ehrenwerte, brave, nationale I ßeute seien, bie nur aus reinem Patriotismus unb Baus furchtbarer wirtschaftlicher Not gehanbelt Metten. Selbstverständlich sind die Zeitungen der Linke« genau entgegengesetzter Meinung, doch Mten sie den Vorteil, sich ihr Urteil auf Grund |ber Tatsachen, bie bereits feststehen, zu bilben, si während die Gegenseite so tut, als hätten diese Feststellungen nichts zu bedeuten, genau so wie Miller es sich vor einiger Zeit vor Gericht gestatten x durste, in dem Falle ber Ulmer Reichswehroffiziere bie Mitteilungen bes Ministers Gröner als be­langlos M einem Achselzucken abzutun.

Wr haben nicht bie Absicht, wie man so sagt, t |p ein schwevenbes Verfahren einzugreifen. Das Gericht wirb die Schuld der Angeklagten fesllegen und die Strafen, schweren Strafen, werden nicht ausbfeiben. Es werden wiederum eine Reihe von Mem'chen auf Jahre hinaus ins Unglück gehen muffen, bas ist ber Grund, weshalb wir eine Be- Mtung über die Bombenleger für nützlich halten. Wenn man ihren Rebensarten glauben barf, bann W sie aus rein nationalen Beweggründen zu , ™re™ Verbrechen gekommen. „Wir sind ein ge- ; ^offener Kampfkörper für bie Befreiung Deutsch- sagt ber Haupfangeklagte Herbert Volck.

bas klingt. Aber was ist benn dieser deutsche EWer für ein Mann? Ein Abenteurer, ber sich ■ «^..Schriftsteller nennt, unb der ber Reihe noch r • r ' Antiquitätenhändler, Landwirt, Agitator, «Wer war. Er hält vor dem Gericht eine Pro- I für das, was er ben nationalen I BftWen nennt und spürt nicht, wie lächerlich er ■ feinen Phrasen macht. Er wollte, so sagte I ' oh '^urch kleine Sprengkörper, die ■Sj1' che t verletz e n , sondern nur mög - I ■gPJ* fai’.t knallen sollten, ben beut-

Unterhänblern im Haag ben I | 35” stärken. Er hat ben Bauern, benen schlecht ergangen sein mag, oorgerebet, I tfa“ 005 System — damit ist ber gegenwärtige

— an ihrem Elenb schuld sei unb I zur Freiheit durch das Gefängnis Km -V ^at ihnen pon Sklavenhalterei geredet I ®mst was sonst für Dunst ihnen ihre I ti^g.-.^^anfen vernebelt, sodaß, als der Ge- I E**’°rfÜ5enbe nach den Motiven für die Ver- I nagte, nicht einmal eine einheitliche Ant- I «flärtU cr*an9en war. Ein anderer Angeklagter I Egte16' " sehe mit seinen Genossen in dem Gericht I E’ fPoncnten eines ihm feindlichen Systems unb gjöpenbar garnicht, welchen Unsinn ober auch I Rk»i-k ^Estnarstänblichkeit er damit ausspricht. Kl rl das Entscheidende: diese Leute I in lOjähriger Praxis daran gewöhnt, RTfenA Ausdrücken auf ihre Umgebung einzu- I

O b e t was dahinter st e h t, ist KJL, *4? 9 ü 11 i g , und die Hörer unb Leser, fcreio? ■ ®en’g eigenes Urteil besitzen, wie bie I K5re h 'e bft.Jinb allmählich tief in eine Atmo- I je 5 Mißtrauens hineingetrieben worden, I aus ein sicherer Blick für bie Tatsachen I | «n "pt nicht mehr möglich ist.

tatter v ^Mt die Schuld an solcher Entwicklung, I Et. Nachgerade ganze Bevölkerungs- |tet J m n leiden? Wir möchten nicht in der Haut I El ^seye-Diktatoren stecken, auf deren Kom- I Elens Jahre hindurch schon die Lüge ö e n Staat bewußt und systema -

»Uch öächtet wird. Es ist überall dasselbe «A i^ E Nationalsozialisten leben von ber Lüge he fto-^uurirtgen muß es sich gefallen lassen, daß | kett, in ber Koalition sitzenden Par-

' Wirtschaftspartei, ihn wegen seines I fclibio sn®8r.ei3e5 unb wegen ber Unwahrheiten ■r*„-portei(]en0fjen zu seinen Gunsten ver- U ^ur Rebe stellt. Es macht ihm nichts. I pa >1, 2 Neuwähler begründete uns feine Nei- tMriiVf- » .r und Goebbels, als wir ihn auf bie i h : J weit feiner Politik hinwiesen, bamit, baß j r.^se r Politik gelogen werben ; K’ Bismarck habe bas schon getan, j *tenet1 '^ien die Nazis sich derselben Methode , J l°!d}en’o? gut um bas deutsche Volk, wenn 1 r Deduktionen in größerem Umfange er«

Sehr witzig hat ber bekannte Bauern-Doktor Heimmit seiner bajuvarischen Derbheit ben Nazi- Sozi heimgeleuchtet. Er sprach auf ber großen Bauernverfammlung in Frankenhausen unb be­tonte mit größter Eindringlichkeit bie Bebeutung ber Wahl unb bie Notwendigkeit der Wahlpflicht. Er erzählte dabei, daß ihm dieser Tage erst wieder