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Donnerstag, den 28. August 1930.

Fuldaer Zeitung (Amtliches kreisblatt)

sie vor der

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Eindrücke kam ich gegen %3 Uhr bei meinen Mitbrüdern I schen Liedern: es läßt sich überhaupt fein ungarisch

singen!

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Städte, von Gott geschützt und den Menschen ver­teidigt, stehen noch jetzt. — Nach Augustins Tod indes wurde Hippo von seinen Bewohnern endgül­tig aufgegeben und von den Feinden eingeäschert. Bei all diesen Drangsalen und Heimsuchungen trö­stete sich Augustin mit dem Wort eines Weisen, der da sagt: „Der ist nicht groß, der es für etwas gar Bedeutsames hält, wenn Bäume und Steine fallen und Menschen sterben".

wieder an.

Gegen 5 Uhr waren wir wieder frisch und fuhren nach Buda zum Besuche der Matthias-Corvinus-Krönungs- kirche, nicht weit von der königlichen Burg; sie beherrscht mit dieser das Weichbild der weitgelagerten Doppelstadt.

Bela IV. erbaute sie im 13. Jahrhunderte in guter Gotik. Matthias Corvinus baute den Turm aus; sein Wappen, mit der Jahreszahl 1470 schmückt den Turm. Das Innere ist reich ausgestattet, mit Gemälden des un­garischen Malers Lotz aus der wildbewegten Geschichte der Magyaren. Kunstwerke sind das Marmorgrabdenk­mal des Arpadurkönigs Bela (t 1196) und seiner Ge­mahlin Anna von Antiochien (t 1183) eine große gotische Madonna, ein Madonnenbild von Lucas Cranach. Bor der Kirche, auf einem großen Platze, steht eine baroke Dreifaltigkeitssäule; nach der Donau hin ist der Platz durch eine mächtige Bastei begrenzt mit einem großen Denkmal des Ungarhelden Johannes Hunyadi, der 1456 mit seinem Freunde St. Johannes Kapistran Belgrad in einem herrlichen Siege befreite. Calixt III. verordnete deshalb für die ganze Kirche das Aveläuten zunächst für den Mittag. Bei der Kirche trafen wir viele Tiroler, die ganz begeistert mit einem frohen „Grüß Gott!" unseren Gruß erwiderten — trotz des „sakrischen Durstes", über den sich ein paar leise beklagten. Sie werden auch dafür schließlich ein Mittel gefunden haben.

Am Abend, um 8 Uhr, besuchte ich noch die Ter- ziarenversammlung der ungarischen Brüder und Schwe­stern. Bischof Dr. Hannauer von Bac präsidierte, er freute sich, einen Franziskaner aus Fulda, vom Grabe des Apostels Deutschlands, begrüßen zu können. Die Feier hatte eine eigene, echt franziskanische Note und war auch darin franziskanisch, daß sie, wie St. Franzis­kus wünscht, ein „abgekürztes Wort machte". Sie war in gut 1/4 Stunden zu Ende. P. Dominikus Horrvath sprach über den Geist des hl. Franziskus als katholischen Geist, P. Stanislaus Bende über den hl. Emmerich als Vorbild der Terziaren, vor allem des Jungterziaren, P. Provinzial Oswald Oslay über den Terziaren im Leben der Pfarrei. Ich verstand ja die Reden nicht, dennoch war es für mich ein Genuß: Aktion und Diktion der Red­ner waren staunenswert frei und vornehm. Alles um­rahmte ein Jungterziarenchor mit feinen klangvoll fri-

Als ich gegen %10 Uhr heimkam, ging eben ein gran­dioses Feuerwerk hoch, ich war aber so müde, daß ich gern auf seinen Anblick verzichtete und bald mit einem Tage Schluß machte — in innigem Dank gegen Gott! — den ich so groß kaum je wieder erleben werde.

Für den nächsten Tag, den 21., hatte ich als Haupt­programm am Abend des 20. „Ruhe!" aufgestellt. Als ich aber am anderen Morgen feststellen mußte, daß sell-st die St. Emmerich-Ausstellung am Nachmittag geschlossen war, fuhr ich gegen 10 Uhr dorthin. Die Ausstellung ist am Millenium-Denkmal, gegenüber dem Museum der Kunst, untergebracht. Es ist für den Deutschen einfach unmöglich, sich an Hand des ungarischen Katalogs —einen solchen gibt es nur — zurecht zu finden. Sollte ich nun ein St. Emmerich-Jubiläum erleben und wieder einge­laden werden, ich würde wohl trotz des Großen und Herr­lichen, das ich geschaut, nicht wieder hingehen, aber mich als de u t s ch e n Beirat des vorbereitenden Komitees an­tragen. Die deutschen Besucher — es waren sehr viele — würdens mir sehr danken; ich weiß das ganz bestimmt. Nicht mal Bildchen des Heiligen mit deutscher Auf­schrift konnte ich auftreiben.

Die Ausstellung ist mehr eine Schau neuerer kirch­licher Kunst in Ungarn. Nicht nur Emmerichsbilder sieht man, sondern auch der anderen ungarischen Heiligen, Bil­der aus der ungarischen Kirchengeschichte. Ja überhaupt Heiligenbilder, gemalt und geschnitzt. In einer großen Rotunde hängen 12 gewaltige Apostelköpfe in einer eigen­artigen Zeichnung und Farbengebung. In einem Saale sah ich eindrucksvolle Köpfe des hl. Franziskus, Anto­nius, Capiftran. Auch ein sehr gutes Porträt des Kar­dinals Seredi ist ausgestellt; es gibt den Kirchenfürsten außerordentlich charakteristisch wieder.

Eins fiel mir sehr stark auf: Es ist kein einziges grö­ßeres Werk expressionistischer Art ausgestellt; ich verstehe jetzt sehr gut, warum solche Werke in Ungarn keinen An­klang finden. Jetzt sicher noch nicht. Ob später? Ich be­zweifle es. Auch die kirchl. Neubauten, die ich sah, kennen scheint es, nicht unsere mehr oder minder gelungenen Ver­

lügen, um sie mehr als zuftieden zu stellen. „Grüß Gott!" verabschiedete ich mich; einige grüßten ebenso, einige rie­fen „Elfen!" und alle schritten stramm weiter.

P. HipMyjus Böhlen, OFM.

und erst wieder die Abteilung der „Neuerer" ansah, machte ich die gleiche Erfahrung. Die Historien- und Por- trätmalerei herrscht vor. Von den Ungarn ist natürlich Munkacsy am stärksten vertreten: Der bekannte „Dorf- lump" „Armensünderstube", das seinen Weltruf begrün­dete. Die deutsche Abteilung hat gute Stücke von Len- bad), Böcklin, Stuck, Zügel, auch das sonstige Ausland ist mit guten, charakteristischen Stücken vertreten — aber auch hier sah ich kaum ein expressionistisches Bild.

Die Abteilung be; alten Kunst habe ich nur ganz flüch- tig gesehen; sie ist sehr reich, hat auch viele Sachen von Künstlern großen Stils: Rubens, Rembrandt, van Dyk, altdeutscher Meister, Rafsael, Murillo, Goya usw. Wer München, Florenz und Rom in seinen großen Galerien gesehen, wird ohne Schaden hier schnell durchgehen. Ich war auch zu müde, um noch länger zu schauen.

Als ich auf dem volksbelebten Milleniumsplatz stand, kam mir der Gedanke, den Weg zum Franziskanerplatz zu Fuß zu machen; es hat mich trotz des stundenlangen Weges nicht gereut. Ich sah so den Betrieb der Großstadt Budapest mal aus nächster Nähe: er ist in manchem doch anders als der einer deutschen Großstadt. Sehr oft wurde ich gegrüßt mit dem Gruße: „Diesertessek a Jesus Kri» stus!" Ich erwiderte: „Mindörökke! Amen!" Ich habe dies und ein paar andere Ausdrücke gelernt, z. B. Jo et sagatt (Guten Abend), Jo reggelt (Guten Morgen!) Jo napot (Guten Tag!) Köszönöm szepen (Danke schön). Weiter habe ichs nicht gebracht; die Sprache liegt uns eben gar nicht, und man steht ratlos vor allen In- und Aufschriften wie sonst kaum in einem fremden Lande.

Ich blieb öfter stehen, um mich nach meinem Stadt­plan weiterzufinden. Sofort kam dann aber gleich ein Ungar freundlich, redete mich deutsch an und gab mir die Richtung an. So traf ich mit einer Schar Pfadfinder zusammen, prächtige Kerle, sie erinnerten mich an meine Fuldaer Normannsteiner; sie stammten aus der Provinz, sprachen aber fast alle deutsch, waren echt katholische Kerle, be7-'stert für „Szent Imre herceg" für den hl. Herzog Emmerich; zum Schluffe fragten sie auch ganz altklug: „Wie gefällte Ihnen bei uns?" Ich brauchte nicht zu

Zettschristen.

= Der Anteil bet Katholiken am akademischen Lehr­amt Nr. 2 der Akademischen Bonifatius-Korespondenz vom 15. Juli (hg. von der Akademischen Bomfaims- Einigung, Paderborn,) enthält einen sehr aufschlußreichen, gründlichen und sachlich abwägenden Beitrag °°n Gene­ralsekretär Dr. Segge über den Anteil der Katholiken am akademischen Lehramt in Deutschland. Unter sorg­fältiger Befragung der kritisch gewürdigten Statistik kommt der Verfasser zu em Ergebnis, daß die ®eteth- qunq der Katholiken am akademischen Lehramt noch bel weitem nicht der katholischen Bevolke- runqsziffer oder, was noch entscheidender ins Ge­wicht fällt, der Zahl der katholischen Studierenden ent- spricht. Auch wenn man nicht der Ansicht ist, daß die Frage der Parität in der Auswahl der Dozenten das erste und letzte Wort zu sprechen hat, ist klar, daß hier eine schwere, aus den Traditionen der heutigen deut­schen Universität und den mit ihnen gegebenen affeften, gegen. den Katholizismus erfließende Ben acht eili- qungderdeutfchenKatholiken vorliegt. Wik empfehlen den wichtigen und verdienstvollen Beitrag der Aufmerksamkeit aller am Hochschulwesen interessierten Kreise. Er wird die Grundlage sorgfältiger Erwägungen bilden müssen, wie dieser Ungerechtigkeit sinnvoll gesteuert werden kann.

der Christenheit — ,----- .

neuem bewundert, sein Name gefeiert, seine Tu­gend und Geistesgröße gerühmt wird, darf eines nicht übersehen werden: Augustin ist für seine Zeit und alle nachfolgenden Zeitalter groß gewor­den durch die Kirche, der er sich im Ringen um sichere Wahrheitserkenntnis und sittlichen Halt vorbehaltlos hingab, nachdem er sie als hochacht­bare, ja allerhöchste Autorität, als gottbestellte und gotterleuchtete Führerin der Gott suchenden Mensch- heit kennen gelernt hatte. — In seiner Schrift „lieber den Nutzen des Glaubens" (17, 35) spricht er von „süßen Banden", durch die er sich allezeit an die katholische Kirche gefesselt sehe. Dort be­kennt er auch den selbstweisen Manichäern, daß ihn die Kirche in all den vielen Fragen der Religion und des Lebens tiefgründig und überzeugend un­terrichtet habe. — Nur als treuer Sohn der Kirche wurde Augustin in den Stand gesetzt, der Kirche späterer Zeiten ein geistiger Vater zu sein. Was wäre Augustin ohne die Kirche? Em Meteor, eine nächtliche Sternschnuppe, tue den Erd­bewohnern einige Augenblicke leuchtet, um alsbald im grenzenlosen All wieder zu verschwinden. — so aber ist Augustin, indem er das Gotteslicht oeci Kirche in sich aufnahm, dem katholischen Erdkreis auf Jahrhunderte, auf Jahrtausende ein hell und freundlich leuchtendes Tagesgestirn geworden für all die Himmelspilger auf dunklen Lebensfaden. — Das ist der Lohn, das ist der Segen des demütigen, weisheitsvollen Glaubens an Gottes Wort und Gottes Reich auf Erden, die eine, heilige, katholi- fche und apostolische Kirche.

Wenn nun in diesem Jubiläumsjahr inmitten Augustins Genius von

Hippo und Z i r t a. Gottes gnädige Hand hatte Zerstörung bewahrt. Die genannten Gott geschützt und den Menschen ver-

Bewegt und tatenreich war Augustins Leben. Es war das Leben eines aufrichtigen Gottsuchers, den in den Jugendjahren wilde Leidenschaft, aber auch Glücks- und Wahrheitsdurst verzehrte, das Leben eines großen Geistesmannes, der lebens­länglich mit ernster Wissenschaft in regster Füh­lung stand, wie ein Orakel um Rat und Aufschluß in tausend Fragen und Nöten des Lebens von allen Seiten angegangen wurde, in klösterlicher Strenge und Weltabgeschiedenheit dem Gebet und Studium der Heiligen Schrift oblag, dabei als Bi­schof das Amt eines Richters, Armenvaters, und Verwalters der Kirchengüter versah und wider eigene Neigung mit vielem Weltlichen behelligt wurde.

Nach den Worten der Heiligen Schrift (Sir. 11, 29) offenbart das Lebensende des Men­schen Lebenswerk. — St. Augustin starb eines Todes, der eines großen Weisen, aber auch eines großen Heiligen würdig war. Da zeigte und be­währte sich noch einmal und endgültig feine innige Frömmigkeit und Bußgesinnung, fein unentwegtes Gottvertrauen, feine Treue gegen heilige Amts­pflichten, feine Liebe zu der ihm anvertrauten Herde der Gläubigen. —

Augustins Lebensende fällt in die Schreckens­zeit der Vandale n. Gar manche Priester und selbst Bischöfe dachten an Flucht. Sie beriefen sich auf die Mahnung Jesu im Evangelium: „Wenn sie euch in einer Stadt verfolgen, so fliehet in eine an­dere". Wiederholt wurde Augustin in dieser Ge­wissensfrage von feinen Amtsbrüdern um Rat an­gegangen.' In feiner Antwort verweist er auf das Gleichnis bei Johannes vom Mietling, der da flieht, wenn er den Wolf kommen sieht. Sein Standpunkt war: Die Seelenhirten, die durch hei­lige Bande mit ihrer gottanvertrauten Herde ver­bunden sind, dürfen diese nicht verlassen, um ihr eigenes Leben zu retten, wenn die Gläubigen ihrer bedürfen. — Er selbst handelte danach. Als i. I. 430 die Vandalen heranrückten und seine Bi- fchofsstadt Hippo belagerten, blieb er mit seinem Klerus beherzt und auf alle widrigen Schickungen gefaßt auf seinem Posten und sprach den Verteidi­gern der Stadt Mut zu, tröstete und bestärkte die bei ihm weilenden Geistlichen im Vertrauen auf Gottes liebevolle Vorsehung. — Unter diesen be­fand sich auch sein vertrauter Freund, Bischof P o s- 1 i t) i u s, dessen Bischofsstadt Calama von den Vandalen bereits in einen Trümmerhaufen verwan­delt war. Er leistete in treuer Freundschaft Augu­stin in seiner letzten Krankheit teilnahmsvollen Beistand. Noch während der Belagerung Hippos ging er daran, eine kurze Lebensbeschreibung Au­gustins abzufassen. Darin beschreibt er auch in einem der letzten Kapitel die allgemeine Not und Drangsal, in deren Mitte Augustin aus dem Leben schied. Da lesen wir: „Mehr wie alle übrigen Lebenstage waren die letzten Tage seines Greisen­alters angefüllt mit Bitterkeit und Trauer der teil­nehmenden Seele. — Der Anblick, den seine Umge­bung bot, war niederdrückend. Er sah: Städte durch Feuersbrunst zerstört, die Bewohner verjagt oder vom Feind hingemordet, Kirchen ihrer Priester und Diener beraubt, gottgeweihte Jungfrauen und Männer der Enthaltsamkeit allerorts vertrieben. Einige von ihnen waren den Folterqualen erlegen, andere durch das Schwert umgebracht. Wieder andere hatten in der Gefangenschaft die Makello­sigkeit der Seele und des Leibes und die Reinheit des Glaubens eingebüßt und schmachteten nun bei ihren Feinden in harter Sklaverei.

Hymnen und Gotteslob waren in den Kirchen verstummt, die fast allerorts in Schutt und Asche lagen. Das feierliche, Gott gebührende Opfer war an seinen Weihestätten eingestellt. Die heiligen Sa­kramente begehrte man nicht mehr, und wenn man sie begehrte, fand sich nur schwer ein Spender. Die Leute versteckten sich in Gebirgswäldern, Fel­senhöhlen und anderen Schlupfwinkeln oder $ogen sich in befestigte Plätze zurück. Da wurden die ei« nen gefangen und getötet, die anderen so des nöti­gen Lebensunterhaltes beraubt, daß sie Hungers dahinstarben. Die Vorsteher der Kirche und Geist­lichen, die durch Gottes gütige Führung den Fein­den entweder nicht in die Hände fielen, oder ihnen, wenn sie gefangen worden, wieder entkamen, wa­ren all ihrer Habseligkeiten beraubt und mußten in bitterster Not betteln gehen. Es war unmöglich, allen auch nur die notwendigste Hilfe zu bringen,.

Von den ungezählten Kirchen waren nur drei übrig geblieben, nämlich die von Karthago,

All diese Vorgänge beklagte er täglich bitter. Er war ja ein großer Weiser. — Zu all seinem Leid und Schmerz kam noch hinzu, daß die Feinde heranrückten, um nun auch das noch stehende Hippo zu belagern. Die Verteidigung der Stadt war dem Truppenbefehlshaber Bonifatius anvertraut, dem ein Heer verbündeter Gothen zur Seite stand. Fast vierzehn Monate hielten die Feinde Hippo umzingelt. Auch den Zugang zum Meere hatten sie den Einwohnern abgeschnitten.

Dorthin hatten wir uns mit benachbarten Mit­bischöfen geflüchtet und weilten während der gan­zen Belagerung in der Stadt. So hatten wir Gelegenheit uns oft miteinander zu unterhalten und die schrecklichen Gerichte Gottes, die sich vor unseren Augen abspielten, zu betrachten. Häufig sprachen wir: „Gerecht bist du, o Herr, und gerecht ist dein Gericht" (Ps. 118, 137). So klagten und meinten wir zusammen und flehten zum Vater der Erbarmung und Gott alles Trostes, auf daß er sich würdige, uns in solcher Trübsal aufzurichten.

Unseres Heiligen langes gottgeschenktes Leben zählte sechsund sieb zig Jahre. Es ver­zehrte sich ganz in der Sorge um das Wohlerge­hen und Glück der hl. Kirche. Beinahe vierzig Jahre Priesterleben im Bischofsamte waren ihm befchieden.

Wiederholt äußerte Augustin in traulicher Un­terredung: Auch anerkannt eifrige Christen, Prie­ster nicht ausgenommen, dürfen, ungeachtet ihrer Taufe, nicht ohne wahre und aufrichtige Bußgesin­nung aus diesem Leben scheiden. Er selbst handelte nach diesem Grundsatz während seiner letzten, zum Tode führenden Krankheit. Er ließ sich nämlich die Bußpsalmen Davids abschreiben und die beschrie­benen Blätter gegenüber seinem Bett an die Wand heften. Fortgesetzt schaute er in den Tagen seiner Krankheit auf sie hin, las sie betend ab, und vergoß dabei reichliche Tränen. Um so ganz ungestört und gesammelt zu bleiben, gab er uns in trautem Zu­sammensein die Weisung, ungefähr 10 Tage vor seinem Hinscheiden, es solle niemand zu ihm ins Gemach treten, ausgenommen die Stunde, da die Aerzte zur Untersuchung kommen, oder das Essen gebracht wird. Die ganze nun folgende Zeit ver­wandte Augustin aufs Gebet. Bis in die Tage seiner letzten Krankheit unterließ er nicht die Ver­kündigung des Wortes Gottes. Er predigte noch am Lebensabend frohgemut und kraftvoll. Ver­blieben war ihm auch die Klarheit des Geistes und die Gabe weisheitsvollen Rates.

Er war noch gesund und unversehrt an allen Gliedern seines Leibes. Er sah und hörte gut bis zu der Stunde, da er in unserem Beisein, von um seren Gebeten begleitet, wie geschrieben steht (1. Chor. 28, 29) in einem schönen Alter heimging zu seinen Vätern. — In unserem Beisein wurde das heilige Opfer für seine Seelenruhe dargebracht. Und dann folgte das Begräbnis.

Ein Testament hat der Arme Gottes nicht gemacht. Er hatte ja nichts, worüber er verfügen konnte . . . Seiner Kirche hinterließ Augustin ei­nen zahlreichen tüchtigen Klerus, vollbesetzte Män­ner- und Frauenklöster mit ihren Obern, alle im Stande der Enthaltsamkeit. Dazu Büchereien, die Bücher und Abhandlungen aus seiner Feder und von anderen heiligen Männern enthielten. Aus diesen seinen Schriften erhellt die überragende Be­deutung, Augustins für die Kirche, ein Werk der göttlichen Gnade. In ihnen tritt Augustin den Gläubigen immer aufs neue lebendig vor die Seele. Aus ihnen ersehen wir, daß der Gott wohlgefällige und den Menschen unvergeßliche Priester Augustin geraden und aufrichtigen Sinnes ein Leben führte, das ganz Glaube, Hoffnung und Liebe war." So weit Pofsidius. —

St. Augustin, vor 1500 Jahren gestorben, lebt nach den Worten feines Freundes Pofsidius weiter inmitten der Christenheit durch den Ruf seiner Hei­ligkeit, durch den Lichtglanz seiner Gelehrsamkeit,

. h sind es 1500 Jahre, daß St. 21 u« der große Heilige und gelehrte Bischof Nordafrika aus diesem Leben schied, »ntbolische Erdkreis steht im Zeichen des -nnuÄubiläums. Zu seiner .Eröffnung i Pjus XI. ein umfangreiches Rund-

an die Christenheit. Darin kündet und W4®,- oruauftinus Tugendbeispiel, Verdienste um und den Frieden der Kirche, Starkmut der Trübsal, Sinn und Eifer für das religiöse, Ute?’® a r a g ° versammelte der eucharistische . seine glaubensfrohen Heerscharen zur An- i göttlichen Welterlösers, zugleich zur Er-

| des Andenkens an Afrikas größten Hei- fri9<L?^a v^i a^führen Pilgerfahrten zur Ver- der Gebeine des Heiligen, die ein kost- l »r ecbrein auf herrlichem Marmoraltar birgt. Ktfhon Kanzeln wird St. Augustinus Lob ver- | die Siegeskraft der göttlichen Gnade gefchil- und gepriesen, die aus dem jungen genuß- iw-iaen und ehrgeizigen Augustin einen großen iCifiaen und wissensreichen Kirchenlehrer machte. " Allerorts wird seit Monaten Augustins ; «^Mtnis in festlichen Veranstaltungen gefeiert, J06e5 Verdienst um die abendländische christ- Geisteskultur aufgezeigt, feine ganz einzige Restes- und Seelengröße gewürdigt. — Auch m hrt Sanifatiusftabt bereitet sich, wie verlautet, eine akademische St. Augustinus-Gedenkfeier vor.

Die katholische Gelehrtenwelt veröffentlicht Au- austinus-Festschriften und bringt in zahlreichen S-melschristen und wissenschaftlichen Abhandlungen Auaustinus Lehre, Leben und Person in neuem 2iit zur Darstellung.

Auch hervorragende protestantische Ge- Mte haben Auqustin's überragender Persönlich­keit den Tribut ihrer Verehrung entrichtet. So unt von ihm der Philosovb und Literat Wilhelm Dilthey, er sei der tiefste Denker seiner Zeit, UMeich der mächtigste Scbr^teller der ganzen älteren Welt. Der vor wenigen Jahren verstor­bene Philosoph R. Eucken (Jena) schreibt: „Au- Min faßt alle Wirkungen der Vergangenheit und alle Anregungen der eigenen Zeit in sich, um Neues und Größeres aus ihnen zu machen." A. H a r- , der jüngst verstorbene Führer der freisinni­gen protestantischen Theologen, nennt Augustin m ersten modernen Menschen".

Augustin gilt als Begründer der abendländischen Ideologie und als größter unter, all ihren Mei­stern. Keiner vor ihm und nach ihm hat an tief­gehender Einwirkung auf die Geistesgrößen aller nachfolgenden Jahrhunderte ihn übertroffen. Die Kirchenlehrer des Mittelalters, die berühmten Häupter der Scholastik find feine Schüler. Auch ungezählte Denker, Geistesmenschen, Gottsucher vm heute forschen in Augustinus Schriften nach Antwort aus wichtige Lebensfragen, die ihnen auf die Seele brennen.

Augustin ist der Erbe aller Geistesgüter des klassischen, griechisch-römischen Altertums. Er ist vertraut mit dem Idealismus der platonischen Phi­losophie vom Wahren, Guten und Schönen wie mft der nüchternen Pslichtenlehre der römischen Stoi­ker. Er meistert und formt in vollendeter Kunst der Rede die lateinische Sprache, die er, wie er einmal bemerkt, bereits als Kind unter den Lieb­kosungen feiner Amme und Erzieherin gelernt hatte, so schuf er für die «christliche Philosophie und Theo­logie einen reichen Schatz von Worten und Aus­drucksweisen, die dem genauen und tieferen Ver­ständnis des überlieferten kirchlichen Dogmas wert­volle Dienste leisteten und der christlichen Nachwelt getreue und maßgebende Formen für den Glau­bensinhalt wurden. In der Glut feiner christlichen lieber,zeugung schmiedete er das köstliche Erbe des noisifchen Altertums zugleich zu Werkzeugen und «assen der christlichen Weltanschauung in ihrem Kamps mit heidnischen Geistssmächten

6t. Augustin, eine gewaltige, ursprüngliche, «illmsstarke Persönlichkeit mit durchdringendem «erstände, reichstem Wissen und zartem, für alle wesühlsemdrücke empfänglichen Gemüte. — St. Augustin, groß unter den Heiligen, reich an Tu- nenb und Verdiensten im Reiche Gottes auf der hinieden und im Himmel droben, ein verläs- W, erfolgreicher Führer des Christenvolkes bei 'enter Ausschau nach den höchsten und letzten Zie­len des Menschenlebens, auf feiner Suche nach Gott, Oem vollkommenen Gut und ewigen Heil.

lebt weiter von Geschlecht zu Geschlecht durch seine zahlreichen Schriften, die da lautes, eindrucksvolles Zeugnis ablegen von feiner Gesinnung, feinen Werken, seinen Erfolgen. Um Augustins Schrift­tum hat sein genannter Freund und Biograph P o ss i d i u s die größten Verdienste. Bald nach Augustins Hingang ging er daran, die hinterlas­senen Schriften zu ordnen, auf Umfang und Echt­heit zu prüfen, sie zu zählen, zu sammeln, zu ord­nen. Er fertigte ein Gesamtverzeichnis an und beschließt dies mit den Worten: „Vom Heiligen Geiste getrieben, hat der heilige Bischof Augusti­nus seligen Andenkens in der heiligen katholischen Kirche zur Unterweisung der Seelen an Büchern, Abhandlungen und Briefen geschrieben: Eintau­send und dreißig, außer jenen, die nicht ge­zählt werden können, weil er selber ihre Zahl nicht angegeben hat."

Dieses umfangreiche Schrifttum, tausendmal abgetrieben, vervielfältigt, gedruckt, rechtfertigt noch heute Augustins Ehrentitel: Kirchenva- ter, Kirchenlehrer, macht auch heute eine altchristliche Inschrift wahr. — In den Ueberreften des alten Lateranpalastes wurde unter Papst Leo xm. em dem sechsten Jahrhundert angehöriges Freskoge- mälbe entdeckt, das Augustin am Lesepult die Hl. Schrist erklärend darstellt. In Versen sagt die Unterschrift: „Während andere Väter Einzelnes lehrten, behandelt Augustinus alle Fragen der Gottesgelehrtheit."

tnlSOOj äfjrigenfMuguftinus-Jubiläum

51. Augustins letzte Lebenslage und seliger Tod (28. Ang. 430).

Von P. Dr. Kapistran Romeis O. F. M.

Meine Ferienfahrk.

VI. V

Diese Stephansprozession, die jedes Jahr einen großen für Ungarn bedeutet, war in diesem Jahre nach dem Neil Berufener das Größte, was Ungarn je sah. Solche, den glanzvollen Wiener Eucharistischen Kongreß j?ven, waren überrascht durch diese Offenbarung des kath. Ungarns, der kath. Welt. Ich selbst habe das Bonifa- , Aubilaum 1905 zu Fulda gesehen, den Eucharistischen ■®i*gref) zu Amsterdam, alles das übertraf der 20. August tnm ’n Budapest. Die Pfarreien Ungarns, soweit die flamen konnten mit ihren verschiedenen Vereinen, zum .xe‘l 'n ganz herrlichen Trachten, die 1200 Tiroler in neuartigen Landestracht, jedes Tal eine andere, riesigen Kreuzbild von Bachlechner in der Mitte, bip c en Zug, bann folgten die Schulen Budapests, „ (^'"inarien der einzelnen Diözesen, de Orden in ihrer ber ® Kleidung, dann die Prälaten aus allen Ländern » Welt, mehrere Hundert, bann bie Bischöfe mit den . chuien des heiligen Labislaus, Stephans, Emmerichs ^.^rrlichen Behältern, bann folgten bie Karbinäle mit in Gefolge, bann ber Reichsverweser Horthy mit sei- larbenschmucken Leibgarbe, bann bie Magnaten Un- s' bie Mitglieber beiber Häuser, alle in prächtigen Seit u änbern‘ Eine enblose Reihe zog burch bie y-, • “aumbeftanbene Andrassystraße durch eine fpolier« dam? Menge, bie nach niebriger Schätzung über eine Million zählte.

das Läuten der Glocken, das Singen der Riesen- bi, *' .bas Spiel der Musikkapellen: alles zusammen eußerung eines frohen, eines jubelnden Glaubens, eintn a.5 steldenleden großer heiliger Menschen vor sich, fett.* Ees Erdenschwere vergißt und in dem lebt, was

ber 3ug von 12—1 % Uhr zum Riesenplatz 4..^^"'umbenkmals, wo die Reliquien auf herrlich u Altären niedergesetzt wurden. Der Päpstliche ^,8ab feierlichst den Segen, ein begeisterter Jubel unübersehbaren Menge, und gegen 2 Uhr löste jL Prozession in staunenswerter Ordnung Verhältnis- MMrell auf. Wohl sehr müde, aber voll der größten

suche auf diesem Gebiete. *

Und als ich dann hinüberging zum Museum der Kunst |

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