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Deutsches Volk, deutsches Land.

Leuchte, scheine golüne Sonne über dieses schöne Land, Felder, Wälder, Berge hülle in dein Helles Licht­gewand.

Laß die weiten Aecker reifen und die kleinen Gärten blühn,

Leuchte hell in die Fabriken, wo wir uns im Schatten mühn :

Leuchte, goldne Sonne, scheine, spende deines Segens Kraft!

Bruder, deine Hand, hier meine! Arbeitsbrüder, uns vereine eine heilge Leidenschaft .

Tausend laute Räder brausen, Städte tönen strom- entlang

Ziehn die schwerbeladnen Schiffe, braust der Eisen­bahn Gesang.

Gesang.

Neuer Wille, neuer Glaube, Tat allein kann uns befrein:

Was des Volkes Hände schaffen, soll des Volkes eigen sein!

Land und Freiheit unser eigen, Menschenwürde unser Recht,

Kraft soll sich der Schwachheit neigen, brüderlich ein­ander zeigen: Keiner Herr und keiner Knecht!

Leuchte, scheine, goldne Sonne über diese ganze Welt. Bis sich einst in allen Zonen Mensch um Mensch an Händen hält.

Bis sich schwarze, braune, weiße Menschen brüderlich einander nahn

Und die keinem andern Geiste als der Liebe untertan. Drum, mein Hammer, schwing und schalle, läute

Frieden Hammerschlag!

Ruf mit deinem Stahlgesange Stadtvolk, Landvolk, Brüder alle in den neuen Arbeitstag.

Heinrich Lersch.

Iugendkag in Soisdorf.

Man muß den Bericht über die Bannerweihe des Iungmännervereins Soisdorf und die Gründung des Bezirks Vorderrhön der DIK. notgedrungen so beginnen wie es die Artikelschrei­ber nach einem seit Jahrzehnten bewährten Schema tun. Denn es sah tatsächlich am Samstag und noch am Sonn­tag morgen so aus, als ob das Fest gründlich verregnen sollte. Als aber die ersten Festgäste in das alte Bauern­dorf mit seinen stattlichen, von dicken Mauern umgrenz­ten Höfen einzogen, hellte sich der Himmel auf. Es gab das gewünschte sonnige Festwetter.

' Gegen 10% Uhr zogen die Abordnungen der verschie­denen Jungmännervereine aus der Vorderrhön mit ihren Kolpings- und Christusbannern unter dem Geläute der Glocken, geführt von dem Jungmänneroerein Soisdorf in die alte Kirche ein, die ringsum von hohen Mauern umschlossen ist, den leider nicht sehr gut erhaltenen Ueberresten der Wehrkirche. Diözesanpräses Kind- Marborn hielt den Fsstgottesdienst. In einer pak- kenden Ansprache forderte er zur T r e u e z u C h r i st us auf, unter dessen Zeichen sich die katholische Jugend Deutschlands zuerst in den Städten und jetzt auch auf dem Lande bewußt und kampfesfroh zusammengeschart habe. Dann sprach er die Segensworte über das neue Banner des Soisdorfer Jugend- und Jungmännerver­eins.

Nach dem Gottesdienst verteilten sich die auswärtigen Gäste in die einzelnen Häuser, wo sie gastfreundlich aus­genommen wurden. Um 1 Uhr versammelten sich dann gegen 100 junge Spörtler im Saale der Dorfwirtschaft zur Bezirksoersammlung der DIK., die unter Leitung des Gau- und Bezirksleiters Lehrer Kim­mel- Soisdorf stand, die Gründung des Bezirks Vor­derrhön der DIK. genehmigte und die notwendigen or­ganisatorischen Fragen in erfreulicher Einmütigkeit re­gelte.

Kaum war der Nachmittagsgottesdienst beendet, so zogen die Gesellen und Jungmänner mit ihren Bannern hinauf auf die Höhe zwischen Soisdorf und Treischfeld, wo der Sportplatz der DIK. liegt. Auf hohen Masten flattern die Reichs- und Landesflaggen im Winde. Ku- ratus Kind- Marborn trat vor die Hunderte junger und alter Menschen hin und sprach in begeisternden Wor­ten von dem Sinn dieser Kundgebung auf der Höhe der Vorderrhön. Man wolle ein Bekenntnis zur katholi­schen Iungmännerbewcgung, ein Bekenntnis zu Volk und

Staat, em Bekenntnis für die Ordnung und gegen das Chaos, das von den Radikalen rechts und links drohe, ablegen. Seine zeitnahen Ausführungen fanden stürmi­schen Beifall. Spontan stimmten die Anwesenden in das Deutschlandlied ein. Im Anschluß daran spielte der Ju­gendverein Hünfeld das Tellspiel von Johannes W e i n r i ch. Der Kampf der Schweizer Bauern gegen die brutale Gewalt des Landogots und seiner Knechte hat symbolische Bedeutung. Auch jetzt soll das Volk durch List und Gewalt um seine Freiheit betrogen wer­den. Gegen diese Gewaltmenschen muß sich das gläubige, der Natur nahe Volk zusammenschließen und kleinliche Zwietracht vergessen. Die noch sehr jungen Spieler wa­ren mit Hingabe beim Spiel.

Das Spiel und damit die Kundgebung endete mit dem Gelöbnis:

Wir schwören bei Gott diesen heiligen Schwur: Wir wollen schützen Gebirge und Flur!

Wir schwören bei Gottes Ewigkeit: Nie wollen wir untereinander Streit! Wir schwören der heiligen Engelschar: Wir stehen zusammen in Not und Gesas Wir schwören: in uns die Tyrannen — Schlagen wir alle zusammen!

Die bösen Gelüst' und die Sünden

Sollen uns nicht mehr knechten und binden!

Gott und der nächtliche Wind uns hören: Wir fdjmören!' Wir schwören! Wir schwören!

M die katholische Zugendgemeinschafl!

Die Bewegung zur Gemeinschaft und Zusammen­arbeit der katholischen Jugend wächst. In einer Reihe von Orten hat sich die örtliche katholische Jugendgemein­schaft gebildet. Bis jetzt bestehen diese Zusammenschlüsse in folgenden Städten: Aachen, Augsburg, Berlin, Bo­chum, Bonn, Breslau, Dresden, Düsseldorf, Essen, Essen- Steele, Fulda, Karlsruhe, Kassel, Krefeld, Mann­heim, München, Münster i. W., Nürnberg, Recklinghau­sen, Oberhausen, Passau, Straubing, Stuttgart.

Wenn auch nicht in allen Städten die Jugendgemein­schaft sich entsprechend der Katholischen Jugend Deutsch­land zusammensetzt, so ist sicher überall ein guter Anfang gemacht. In nicht wenigen der Jugendgemeinschaften wird bereits seit Jahren sehr lebendige und gute Arbeit geleistet.

Es liegt sicher im Sinn der großen Aufgaben katho­lischer Jugend, wenn sie sich am Ort und auch in der Pfarrgemeinde aus allen Verbänden und Bünden zur Iugendgemeinschaft zusammentut. Keiner der Vereine und Bünde katholischer Jugend soll sich ausschließen. Alle tun mit, die Mannesjugend und die Frauenjugend; die werktätige und studierende Jugend, an den Univer­sitätsstädten auch die Studentenverbände.

Dem Werden starker, lebendiger Gemeinschaft gilt das Zusammenstehen aller Bünde in der örtlichen katho­lischen Jugendgemeinschaft; einer wirklich sachlichen, groß­zügigen Bewältigung der Aufgaben und Aktionen, wie sie der Jugend einer Stadt heute ge­meinsam zufallen; dem Aufbau der Front einer jungen katholischen Generation in Stadt und Gemeinde. Es drängt katholische Jugend von innen her zu solcher Ge­meinschaft; von außen ruft die Situation und Aufgabe der modernen Stadt gebieterisch nach ihr.

Wer Auskunft und Anregung über Gründung oder Arbeit in der örtlichen katholischen Jugendgemeinschaft wünscht, der kann sich an die Geschäftsstelle der Katho­lischen Jugend Deutschlands, Düsseldorf, Jugendhaus, wenden.

Brüder und Schwestern katholischer Jugend überall im Land, Präsides und Jungführer, junge Frauen und Jungmänner aller Bünde, steht zusammen, schafft die katholische Jugendgemeinschaft!

Wisches zum „Fuldaer Futzball".

Aus dem Leserkreis des „Blatt der Jugend" wird uns geschrieben:

Betrieb auf allen Plätzen! Sogar am Werktag neben eifrigem Training, Verfassungswettspiele ju­gendlicher Mannschaften u. Freundschaftsspiele. Ueberall Ausproben neuer Kräfte. — Einspielen der alten. Abteilungsleiter und Vorstände haben voll zu tun, dabei heißts klaren Kopf und feste Hand behalten! Es werden erfreulicherweise immer mehr, die in geord­neten Spielbetrieb eingereiht sein wollen. Macht den

jungen Bürschchen dieses Wollen nicht zu leicht und haltet euch sauber von den „Fahnenflüchtigen"! Das muß Ehrensache werden grab im Fußballsport aus wohlgemeinten Gründen.

Bald geht es richtig los! Etwas Fieber beim 1. Vsr- bandsspiel, angefangsn von der E-Klasse bis zur Liga. Noch steht keine Mannschaft im Hagelregen der Kritik — sie träumt vielmehr von Sieg und Tabelle — und ist I unter sich — noch einig. Warum es nicht so bleibt, sind oft nur kleine Menschenschwächen schuld; echte Kameradschaft überwinde t alles, auch ver­diente Niederlage!

Wollte doch das Fuldaer Publikum nicht immer nur den Sieg--— gar selbst erringen helfen — mir

scheint, das führt am End zu Niederlagen draußen. Sieg oder Niederlage; wir wünschen Kampf­spiele mit imponierender Mannschaft in jedem Fall, gleich, auf welchem Platz sie ausgetragen werden! Schön und zugkräftig war es sicherlich, wenn da, wo es ange­bracht, im kleinen Torhäuschen „Preissenkungsaktion" -n Gang käme; es mag schwer sein — doch zeitgemäß, einer muß nun mal den Anfang machen, vielleicht brächt es die Masse wieder ein; wenn das Gegenteil erwiesen, bleibt es ja wohl ein schöner Wunsch! Schön ist auch das rege, bunte Fußballtreiben auf unserer städtischen Bleiche, die allsonntäglich viele Mannschaften im Kampf sicht und immer mehr Zuschauer bei meistens freiem Zutritt anlockt.

Die Sportbewegung wächst! Und es ist gut so — in unserer schweren Zeit ist es erst recht gesunde Ablenkung von vielem, was nichts taugt — ein Der - gefsenlassen der Not und A l l t a g s s o r g e n — manchmal, so sagt man, auch der Pflichten. —

Da läuft eben das Gerücht aus schadenfrohem Mund zu Mund: „wieder gezogen" — „Sperre verhängt" — „mit Geldstrafe für den Verein". — „Sehr richtig! — Ich denke nicht so! Die Parole ist: Gegenseitige Achtung, Friede im Fußball-Lager, auch wenn es zum gefürch­teten „L o k a l t r e f f e n" kommt. Gibt es denn was Schöneres für den hiesigen Fußballfreund? Warum so gehässig? Sportsleute, auf die es dabei ankommt, den­ken gar nicht daran. Das nur nebenbei! Die Meinung müßte sich durchsetzen, jeden Spieler ungeschmäht, auch nicht angclockt, da zu lassen, wo er steht, wo es ihm ge­fällt; das „Talent" strebt allerdings nach feinem Plag, der ihm gebührt. Das rechtfertigt vielleicht im Einzsl- fall auch mal den Uebertritt im Stadtgebiet. Nun zum Gerücht: „Don Lokalpatriotismus doch keine Spur, wenn jeder einstimmt in fremdstädtisches Zetergeschrei, weil hier und da fremde „Kanonen" auftauchen im Kampf um Fuldas Farben. Erfreulicher wäre es, wenn der Nachwuchs keinen Platz für solche offen ließ — wo liegt die Schuld? Doch was nicht ist, kann ja noch werden! Hoffen wir!

Sine neue Zugendherberge für Fulda!

Die Gaue und Ortsgruppen im Jugendherbergswerk rüsten mit allen Freunden der Jugend und den Ju­gendgruppen, um den erstmalig seit Bestehen des Ju­gendherbergswerks geplanten Reichswerbetag am Sonntag, 21. September, zu begehen. Der Zweck der Veranstaltung soll sein, daß in der breiten Oeffentlichkeit der Jugendherbergsgedanke und die För­derung des Jugendwanderns neue Anhänger findet. In fast allen größeren Orten sollen Vorträge und Werbe­kundgebungen stattfinden. Die Jugend aller Richtun­gen wird zu Werbeumzügen aufmarschieren. Filme und Lichtbilder aus dem Jugendherbergsleben sollen gezeigt werden. An möglichst vielen Orten sollen außer­dem Straßen- und Haussammlungen statt­finden.

Das Jugendherbergswerk findet immer neue Freunde. Man hat erkannt, wie segensreich es in unserer zerrisse­nen Zeit wirken kann. Man darf daher auch erwarten, daß die breite Oeffentlichkeit sich in weitgehendem Maße an dem Reichswerbetag beteiligen wird. In F n l b a muß man das um so mehr erwarten, da es bi«' r nur vereinzelte Menschen waren, die sich um die Jugend­herberge kümmerten. Sie errichteten in den schweren Jahren nach dem Kriege auf dem Dachboden des Schlos­ses auch eine Herberge, die den geringen Ansprüchen, die man damals stellte, vollauf genügte. Heute ist man wieder verwöhnter geworden und hat sich viele Bedürf­nisse zugelegt, die man in Deutschlands größter Notzeit ganz vergessen hatte. Die Jugendherbergen in Deutsch­land haben sich deshalb auch wandeln müssen. Ueberall

Mil Zungbuirern aus Siedlungsfahrl

nach Brandenburg und Pommer«.

5) Von T

Berlin, den 11. Juni.

Vor 6 Uhr mußten wir schon wieder aus den Ber­ten. Eine kräftige kalte Brause trieb schnell alle Mü­digkeit aus dem Körper, und bald saßen wir munter und guter Dinge beim Morgenkaffee in dem geräumigen Eßsaal des Gesellenhauses, von dem man einen schönen Blick auf die vorbeifließende Spree hatte. Dann ging es zum Bahnhof. Wir fuhren nach K ü str i n. Endlich lagen die schmutzigen Häuser Berlins wieder hinter uns. Weithin dehnten sich die Felder. Wieder nichts als Sand, mit Korn spärlich bewachsen. Nur die Kartoffeln standen gut. Noch sahen wir keine sehr großen Güter. Je weiter wir aber nach Osten fuhren, umso größer wur­den die Pläne. Nur ganz vereinzelt lag irgenwo verlo­ren ein großer Gutshof. Der Boden wurde strichweise besser; er schien auch besser bewirtschaftet. Doch machten diese weiten, gleichförmigen, nur leicht gewellten Felder einen trostlosen Eindruck.

Küstrin. Der Zug brauste auf einer großen Stahl­brücke über die Ober. Einige alte Bastionen an ben Ufern erinnerten daran, daß die Stadt einst eine ausge­sprochene Militärstadt und alte Festung der Preußen­könige war. In einer dieser Kasematten wurde Satte, der treue Freund des jungen Friedrich des Großen er­schossen. Soweit reichten unsere Geschichtskenntnisse doch noch, daß wir uns an diese Episode im Leben des alten Fritz erinnerten.

Wir mußten in die Kleinbahn nach Lippehne um- fteigen. Nach kurzem Aufenthalt ging es weiter. Aus dem Bahnsteig waren ein Direktor der Siedlungsgesell­schaft, deren Siedlungen wir besuchen wollten, und Dr. Schäfer, der Leiter der Westdeutschen Siedlervermitt­lungsstelle in Düsseldorf, zu uns gestoßen. Wir hatten jetzt fachkundige Führer. Der Zug führte uns in nord­östlicher Richtung an die Grenze von Brandenburg und Pommern. Die Landschaft ist nicht mehr so eintönig. Ab und zu tauchen schon die roten Ziegeldächer der neuen Siedlungen auf. Die Siedlungsgesellschaften scheinen hier bereits schöne Arbeit geleistet zu haben. Doch überwiegt der Großgrundbesitz noch sehr.

In Glasow verlassen wir den Zug. Früher war hier ein einige Tausend Morgen großes Gut. Jetzt sitzen hier wohl dreißig Bauernfamilien und ebenso viele

Arbeiter und Handwerker. Viellelcht ist die Zahl der Arbeiter im Verhältnis zu den Bauern zu groß. Die Siedler, die feit einigen Jahren hier arbeiten, sind mei­stens vertriebene Deutsche aus Polen. Der Boden scheint nicht schlecht zu fein, da das Getreide besser steht, als wir nach unseren Eindrücken vom Zuge aus angenom­men hatten.

Vor dem Bahnhof warten drei Wage« auf uns. Sie sollen uns nach der ungefähr 5 Kilometer entfernten Siedlung Giesenbrügge bringen, wo sich vor zwei Jahren katholische Siedler aus dem Emsland, Westfa­len und Oldenburg niedergelassen haben. Die Führer der Wagen begrüßen uns herzlich und sind glücklich, als sie hören, daß einige Landsleute von ihnen in der Gruppe sind. Wir fahren zunächst ein kurzes Stück über eine breite, mit Steinpflaster befestigte breite Straße. Rechts und links liegen in größeren Abständen die Häuser der Siedler. Wir staunen. Das sieht wirk­lich sauber aus.

Dann müssen wir von der Autostraße abbiegen. Wir sollten jetzt die gewöhnlichen Straßen im Osten kennen lernen. Man muß sie beschreiben. Zunächst sind diese Straßen sehr breit; es liegen eigentlich zwei ober drei Wege nebeneinander. In der Mitte ein holperiges Pflaster aus den harten Findlingen, die man dort oben als Ueberrefte aus der Eiszeit überall findet. Das Pfla­ster wurde offenbar in der Weife hergerichtet, daß man die Steine unbehauen irgendwie in die Erde rammte. Man bekommt eine leichte Gehirnerschütterung, wenn man auf einem ungefederten Bauernwagen über diese Straße fährt. Natürlich nimmt sie die Pferde und Wagen auch stark mit. Man benutzt diese Pflasterung deshalb auch selten, sondern fährt rechts und links neben ihr. Da diese Seitenwege nicht befestigt sind, und der Boden sehr leicht ist, werden dabei natürlich unglaublich dichte Staubwolken aufaewirbelb Ick saß im letzten Wagen. Die vorderen Wagen waren in einem dichten Qualm, der wie eine Rauchsäule zum Himmel aufstieg, vollkommen verschwunden. Natürlich bot unser Wagen denselben Anblick, und unsere Kleider überzogen sich mit einer grauen Staubschicht. Wir haben ziemlich Staub geschluckt, da wir so übermütig waren, in dieser „reinen" Landluft auch noch zu fingen. Rechts und links des We­ges standen Kirschbäume. Die Kirschen hingen uns buch­stäblich in den Mund. Doch konnten wir keine nennens­werte Beute machen, da der Besitzer gerade selbst den Segen in großen Körben barg.

Endlich ist Giesenbrügge erreicht. In dem Dorfkrug wird Halt gemacht. Die Wirtin hat eine nahrhafte Erb­

sensuppe gekocht. Die ist zuerst ziemlich mürrisch, wird aber langsam zugänglicher und taut ganz auf, als wir wegen der Hitze einen Riesendurst entwickeln.

Am Nachmittag beginnt die Führung durch das Dorf. Zunächst wird Alt-Giesenbrügge besichtigt. Um den gro­ßen Gutshof liegen einige Bauernhöfe auf denen die Familien schon seit Generationen ansässig sind. Die Wirtschaftsgebäude des Gutshofs sind zu Siedlungsstel­len umgebaut worden. Das große Herrenhaus wird als Schule eingerichtet. Bald können der neue katholi­sche und der evangelische Lehrer in ihre neuen Wohnun­gen einziehen.

Wenn alle Dörfer so eine Schule hätten! Hinter dem Gebäude breitet sich ein 12 Hektar großer Park mit uralten Bäumen aus. Es ist anzuerkennen, daß die Siedlungsgesellschaft diesen alten Park weiter bestehen läßt. Auch das Siedlungsdorf braucht eine Erholungs­stätte, zumal größere Waldbestände in der dortigen Gegend nicht allzu häufig anzutreffen sind. Der Park grenzt an einen großen See. In dem dichten Schilf des Ufers leben Wildenten in großer Zahl. Sogar ein Fischreiher kreist über dem jenseitigen Ufer.

Neu-Giesenbrügge ist anders. Die roten Backstein- häuser der Siedlerhäuser liegen noch etwas zu unifor­miert und nüchtern in der Landschaft, Ein Anwesen gleicht wie ein Ei dem andern. Als Haustyp hat man versuchsweise den hochgiebeligen friesischen gewählt, der sehr gut aussieht. Wohnung, Stallung und Scheune sind in der Weise unter einem Dach vereinigt, daß die Scheuer über der Stallung liegt. Diese Bauweise hat sich nicht bewährt, da es zu viel Arbeit macht, Heu und Stroh auf den Boden zu schaffen. Die meisten Siedler wollen deshalb auch noch eine besondere Scheuer errichten. Ei­nige Siedler haben schon junge Bäume um ihr Haus ge­pflanzt. So wird in einigen Jahren sich das Bild bald verändern.

Die Häuser sind so geräumig, daß der Siedler für die ersten Jahrzehnte für seine Familie genügend R <um haben wird. Der Stall ist sehr zweckmäßig aufgeteilt. Die Siedler versichern uns, daß sie zufrieden sind. Ihre Lage sei besser als in ihrer alten Heimat im Westen. Freilich gebe es viele Arbeit. Das Land sei lange schlecht bewirtschaftet worden und ausgehungert; der Bod-m sei gut, wenn auch an manchen Stellen'sandia. Eln Sied­ler ist etwas mißmutig. Er habe zuviel Sandboden be­kommen, und nicht den guten Weizenboden, den man ihm versprochen habe. Das ist aber die einzige Klage die wir hören. Der Mann, ein Oldenburger, scheint auch kein besonders tüchtiger Wirtschafter zu sein. Wir schüt-

sind neue, große, mit allen Bequemlichkeiten tete Jugendhäuser entstanden. Alle Städte Nachbarschaft sind diesem Beispiel gefolgt I» in Hersfeld wurden neue Herbergen einqeri Gersfeld wird ein neues Haus gebaut. Nur i macht man keine Anstalten. Die Jugendherb, wie sie war und ist deshalb auch roeniq hei ; berern beliebt.

Der Reichswerbetag für die Jugendherber, deshalb gerade in Fulda zur rechten Zeit. §r Ziel haben: Eine neue Jugendherbe Fulda. Eine Straßensammlung muß den r eines Fonds für diesen Zweck schaffen. Die Körperschaften müssen sich auch einmal mit d jeft befassen. Gewiß fehlt es heute an Geld 1 notwendige Dinge. Aber, so fragt man warum können an anderen Orten immer i zügige Werte für die Jugend geschaffen mei ein Wille ist, da findet sich ein Weg.

Die Jugendvereine Fuldas sollten am 21. i ihre ganze Werbekraft dafür einsetzen, daß u Jahren auch in Fulda eine neue Herberge wird. Wir werden ja nicht dauernd in ein schaftskrise stehen. HDR

Liebe ohne Pathos.

Hinableuchten will ich in die Speicher eurer und nach ihr suchen. Nach der Siebe, die ich mc Liebe ohne Pathos. Und vor jedem, in dessen ich sie finde, will ich tief mich beugen.

Unsere Zeit lechzt nach ihr, an Mangel an Liebe siechen die Tage früchtelos dahin.

Großtaten des Geistes, der Technik, der For was sollen sie der Welt, der es an Taten der Liebe bricht.

Wissen wir denn noch, was Siebe ist? Denken bei diesem Worte nicht zuerst an die Siebe der ter, an Siebestragöbien, Eifersucht, Qual und Der« lung mit Selbstmord, ja Doppelselbstmord als C An den Liebesaffekt, die pathetische Siebe?

Von der Siebe um der Siebe willen, der Siebe Pathos wissen wir wenig und hören wir nichts.

Und gerade um dieser Siebe willen würde uns vergeben werden.

Von dieser Siebe schreibt Paulus im 1. Brief an die Korinther 13, 1—13.

„Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte die Siebe nicht, so wäre ich ein tönen­des Erz oder eine klingende Schelle.

Und wenn ich weissagen könnte und wüßte all« ®e- Heimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen ©tauben, also daß ich die Berge versetzte und hätte die Siebe nicht, so wäre ich nichts."

Und die unmittelbar darauffolgenden Worte das Wesen dieser Siebe am schönsten erstrahlen, dem Mitleid, zeigen sie, darf die Siebe entspringen, auch Mitleid ist Pathos.

„Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe mb ließe meinen Selb brennen und hätte die Siebe nicht so wäre mir nichts nütze."

Siebe um der Siebe willen, Siebe ohne Pathos kam allein uns retten.

Dichter und Seelenhirten! Nicht genug Pathos steht euch zu Gebote um die Siebe ohne Pathos in den Her­zen der Menschen wachzurufen.

Seuchtet hinab in die Speicher der Gefühle, nach ihr zu suchen.

Und vor jedem, in dessen Herzen man sie findet, wird die Welt sich beugen. Denn Siebe ohne Pathos bezwingt alte und alles.

Karl Trümmer.

» ft» »-.»L U

teilen etwas mit den Köpfen, als wir die dicken Sp schwarten an der Decke des Stalles hängen sahen. J*» der Stall als passender Aufbewahrungsort für das Jt cherfleifch angesehen wird, war uns neu. Smntt 9 waren wir durch die Klagen des Mannes und I«1 Frau etwas mißtrauisch geworden und erkundigten auch bei den Einheimischen, wie sie die Lage uno Aussichten der Siedler beurteilten. Man meinte OB mein, daß tüchtige Bauern schon vorwäriskomm könnten.

In Giesenbrügge find etwa dreißig gJ

ernaus Westdeutschland angesiedelt. Meistens _

„SBollbauernfteilen", d. h. 60—70 Mo einige, die nur wenig Bargeld hatten, eine „H b a ü e r n ft c 11 e", d. h. 30-35 Morgen. Auch emr protestantische Bauern und etwa ein Dutzend epem Outsarbeiter haben sich angesiedelt. Es besteht nog'g die durchaus verständliche Bestimmung, daß mischen bei jeder Aufteilung eines Gutes in Siedi»V stellen das Vorrecht genießen.

Das Verhältnis zwischen den Einheimischen uni katholischen Siedlern war anfangs etwas gefpann - bei sollen die wirklich komischen Vorstellungen, ol in den abgelegenen protestantischen Gegenden vo Katholiken hat, eine große Rolle gespielt haben bei den Erzählungen der Siedler viel gelach Wirtin wollte z. B. anfangs den Siedlern fern Bier geben, wenn sie nicht vorher bezahlten, -vi in den Katholiken offenbar Diebe und Strolche, u v aber bald eines besseren belehren, als die kach Bauern aus dem Westen sich in vielen Dingen sor j licher zeigten als die Einheimischen. Daß man do die Katholiken als minderwertige Menschen aniay, ran mag einerseits die konfessionelle Hetze unö bildung der Leute, andererseits aber auch der mitgespielt haben, daß man seither nur die po Landarbeiter als katholisch kannte, sodaß 01 chung deutsch-protestantisch, katYo polnisch herausbildete.

Die tapferen katholischen Siedler haben sich 9eSe*1 diesen Schwierigkeiten durchgesetzt. Sie hatten « fangs schwer. Heute haben sie jeden Sonntag ta schen Gottesdienst. Ein katholischer Geistlicher au nahen Kreisstadt kommt Zu ihnen. Das alte Bren gebäude'des Gutshofes soll zum kathol. Gotteshaus gebaut werden.

Am Nachmittag nahmen wir Abschied. Die “ brachten uns wieder zur Bahnstation.

Katholische Zagend und Reichslagswahl.

Zu einem politischen Ausspracheabend hat die katholische Jugendgemeinschaft Fulda und der Fuldaer Windthorstbund die männliche und weiblich« Jugend auf Mittwoch abend in die „Harmonie" emge- laben. Reichstagskandidat Anton Schmitt wird ein» leitend sprechen.

Verantwortlich für „Das Blatt der Jugend": Dr. publ. Joseph Sauer- Fulda.