Einzelbild herunterladen
 

r. ISS

Friedlich Rächt sich Wie das Wie das

Abendgefühl.

bekämpfen und Tag. zu dämpfen, zu lösen vermag!

bedrückte,

Vas Bakkerienschiff

Ein Roman in 7 Tagen.

Hellmuth Quast-Peregrin.

M, ^opyrigth by Greiner u. Co., Berlin.

hi^-mitri Urgejowitsch stand an der Reeling und starrte tau,te*" )um Ankerspill, wo ein Matrose, seine Pfeife jB?1* auf einer Taurolle hockte. Er sah, wie be- bnrt. v ^Qnn dem Genüsse des Tabaks fröhnte, schien sein. *^n der Inbegriff alles Begehrenswerten zu Leut? • ri. stöhnte auf. 0 kleines Glück der kleinen to'. wie billig bist du zu erwerben.

Igj. Ie ®enig kraus mochten die Gedanken des ein» diu, -"tnnnes sein, wie primitiv sein Seelenleben. Di- Ikgen p^tdete den Matrosen und fühlte eine Art Haß ■ShJ1* selbst, gegen sein eigenes Handeln und Tun. ^gt1| rum hatte er Totes wieder auferstehen lassen? C?/1 toar er um Seros Willen an Bord dieses Schif- pj &Sangen? Weil er sie liebte, weil er sie begehrte fc^r verlangenden Inbrunst des alternden ikndli^' -er.nac^ Langentbehrtem in aufflammender Ju- BMi ^Erzehrt. Er dachte an Seros Lied, dos i£n 2. ctunn ihn fortgeriffen in Sphären eines gött- eith ^Umlandes, aus dem ihn das Wort des Inders dmausgefchleudert.

jf-wuni.“

Htela Cr roar e*n Muni des Guta von Boro-Budor. BtJ? ftatte er gemäß der beschworenen Satzungen W» S ^(flicf; und zufrieden gewesen im rnönchi- Mk Mbehren und Entsagen — bis mit Seras (Er» fogj.. öa® Begehren, der rasende Wahn in ihm wieder tehh,6’ nun war er gebunden, hatte das Mönchs- oer Buddhisten getan.

Morgen, Dimitri." l'Procfcn fuhr er herum.

: 5era°’ ®ie ^mmen zu mir? Worum das?"

K»4 ®u^e befangen. Alles, was sie fühlte, und &en roar erstickt, aber sie überwand

M^?ri, ich wollte Ihnen danken für das, was Sie " 8 '‘ern erleben ließen."

Vie Sprache als Chamäleon.

Son Dr. Kurt Pieper.

Mancherlei Worte, die „banal" oder „trivial" er­scheinen und vielfach gedankenlos gebraucht werden, ha- fen eine so sonderbare Herkunft und waren so merk­würdigen Wandlungen unterworfen, daß es wohl ver- ijhnt, einen Blick darauf zu werfen. So bedeutet „ba­nal" ursprünglich jeden Gegenstand, der Eigentum des Grundherren war und zu dessen Benutzung die Be­wohner verpflichtet waren (mit dem deutschen Wort Lann" wie in „Heerbann" verwandt.) Daraus ent» Melle sich die Bedeutung, daß „banal" etwas fei, was jedermann zur Serfügung stehe, zunächst materiell, bann M geistig. Was nun in geistiger Beziehung allen Äw Gebote steht, ist nicht gerade sehr hochwertig, sondern eben — banal! Und ähnlich ist es mit „trivial". Dieses hängt mit der Unterrichtseinteilung der mittelal- -teklichen Universitäten zusammen. Dieser Unterricht zerfiel in das Trivium, die Anfangsunterweisung (Gram- malit, Rhetorik und Dialektik), und den späteren Unter­richt, das Quadrivium (Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie). Daher nannte man allmählich das, was in den unteren Klaffen gelehrt wurde, „trivial", und dieses Wort wurde gleichbedeutend mit allergangbar- jtem, abgedroschenem Geistesgut.

Noch heute ist mit dem Begriff der Universität der Name „alma mater" verbunden. Diese Worte heißen eigentlich „segenspendenden Mutter" und waren ein Bei­name der Göttin Ceres als Göttin des Getreides. In das geistliche Gebiet fällt dis merkwürdige Begriffsüber­tragung vom „Kapitel" geistlicher Schriften, die in einem tchknmten Raume der Klöster gelesen wurden, auf die jenigen Personen zu übertragen, welche diese Sorte» jungen anhörten, woraus dann der Begriff „Domka- püel" wurde. Auch dos Wort „Domino" kommt von der Geistlicbkeit her: Die Priester trugen im Winter über dem Chvrrock einen schwarzen Tuchrock, der Domino ge­nannt wurde. Son diesem Rocke wanderte die Bezeich­nung auf die schwarzen, während des Karnevals getra­genen Ueberroürfe, und wahrscheinlich ging von der ein­heitlichen schwarzen Farbe dieser „Dominos" der Be­griff aus das Spiel über, da die Steine ja unten auch einheitlich schwarz sind. Sicher ist dieser Zusammenhang allerdings nicht, denn von anderer Seite wird behaup­tet, daß ein Abbö Dominio Erfinder des Spieles ge­wesen sei.

Nicht der Karneval, aber die Gestalt des „Narren" Hai einem anderen deutschen Begriff das Leben gegeben, uamlich der „Marotte". Diese ist nichts anderes als der -.eine Puppenkopf auf dem Narrenzepter. Weil der Karr das Zepter dauernd in der Hand trug, so wurde eine Idee, mit der sich jemand ununterbrochen beschäf- a 'm gewissermaßen immer geistig vor Augen hatte, ms „Marotte" bezeichnet. Son der Marotte ist es nicht eu bi» zu den „Luftschlössern". In der deutschen prache findet sich das Wort seit zwei Jahrhunderten, ^'ein Geringerer als Bismarck hat ihm einmal eine “tft reizvolle Definition gegeben. Er schrieb einer

^nglänberin ins Album: „Hüten Sie sich stets, , m Kind, Luftscblösser ,yi bauen, denn bas sind jene

Der mich - • „

Schläfst du schon, Schmerz?

Sto mich beglückte, Sage, was war's doch, mein Herz?

«reube wie Kummer,

Fühl ich, zerrann, Aber den Schlummer Führten sie leise heran.

Und im Entschweben,

Immer empor, Kommt mir das Leben Ganz wie ein Schlummerlied vor.

Hebbel.

Beilage zur Fuldaer Zeitung

24. August

Gebäude, die am leichtesten errichtet und am schwer­sten demoliert werden können."

Interessanter noch ist der entsprechende französische Begriff, die Chateau d'Espagne, die schon im 13. Jahr­hundert auftreten. Dieser Begriff ist wohl darauf zu­rückzuführen, daß es zu gewissen Zeiten in Spanien ver­boten war, Schlösser zu errichten — um nicht den Mau­ren die Möglichkeit zu geben, sich darin gegen die Chri­sten zu verschanzen. Aber das moderne Festungswesen wurde nicht in Spanien, sondern in Frankreich ent­wickelt, und von hier kommt der Begriff „Redoute", ur­sprünglich ein vollkommen abgeschlossenes Festungs­werk ohne einspringende Winkel, ein Ort, wohin man sich zurückzieht und sammelt und von anderen fern ist. Der Begriff wurde auf Tänze und Festlichkeiten in öffentlichen Erholungsorten übertragen und nahm dann speziell den Sinn von „Maskenball" an. Eine merkwür­dige Übertragung einer Personalbezeichnung auf Ein­richtungen innerhalb des militärischen Gebietes findet sich bei dem Begriff „Kaserne". Dieses Wort entwickelte sich aus dem lateinischen Wort Quaterna, das wahr­scheinlich drei Mann mit einem Sorgefetjten bezeichnet, welche die Wache bezogen. Diesen waren auf den Wäl­len kleine Schutzhäuser errichtet — provenzalisch cazern, entsprechend dem lateinischen quaterna —, und von die­sen Häuschen, die nach den Insassen genannt waren, wurde das Wort auf die moderne Kaserne übertragen.

In vielen deutschen Kasernen, die zurzeit ihrem ei­gentlichen Zwecke nicht mehr dienen, hat man Büros un­tergebracht. Dieses Wort, das noch vor wenigen Jah­ren im Deutschen allgemein in der ursprünglichen Form „Bureau" geschrieben wurde, hat wiederum eine ganz eigenartige Herkunft. Denn „bur" oder „bureau" hieß ursprünglich ein grober, rötlicher Wollstoff, der zu Klei­dungsstücken verwandt wurde. Ein grün gefärbtes Stück „bureau" lag auf dem kleinen Pult der Präsiden­ten in den französischen Gerichtshöfen und gab ihm den Namen. Dieser Name wurde bald auf den Tisch, den Raum, die Angestellten übertragen, und es bildeten sich für alle möglichen Verwaltung?- und Privatzwecke Bü­ros. Mit dem Einzug der Frau in das Berufsleben ist

schließlich auch die Koketterie" in die Amtsräume ein­gedrungen. Dieses Wort, wie auch kokett und kokettie­ren, stammverwandt mit „Kokarde" kommt von „coq", der Hahn, und bedeutet „sich brüsten wie ein Hahn, ge­fallsüchtig sein". Wenn auch die Koketterie einer Welt­dame vom Wesen eines Hahnes meist weiter entfernt sein dürfte als vom Gebaren einer Gans, so läßt sich der Zusammenhang zwischen Hahn und Kokarde (im Sinne von Hutschmuck, was Kokarde zunächst bedeutete) leich­ter Herstellen, wenn man bedenkt, daß bei manchen au- ßerdeutschen Truppen, vor dem Kriege wenigstens. Federschmuck der Kopfbedeckungen üblich mar, z. B. bei den Bersaglieri In der Tat war eine Kokarde ursprüng­lich ein Busch von Hahnenfedern, den sich die Soldaten auf den Hut steckten. Erst später wurde hieraus die mo­derne Kokarde, ein rundes Abzeichen in den National- farben.

Doch der Raum, der einem „Feuilleton" zugemessen wird, ist nahezu erschöpft. Das Feuilleton war ur­sprünglich ein Heftchen von acht Seiten. Als erstes er­schien eine Erzählung Marmontels im 18. Jahrhundert im „Mercure de France" Man hatte nicht genügend Stoff, um die nächste Nummer des Blattes zu füllen, und druckte die Erzählung, die jedoch nur zum Teil in der einen Nummer Platz fand, ab, aber so, daß man sie gesondert falten konnte. Beides war gleich neuartig: Zeitschriften brachten damals keine Erzählungen und ferner nur vollständig abgeschlossene Artikel. Das Feuilletonwesen hat sich dann in Frankreich glänzend entwickelt, während es in Deutschland zurückblieb, hier und da geradezu auf Widerstand stieß, wie bei Goethe, der, auf „Tausend und eine Nacht" anspielend, in den Sprüchen in Prosa erklärt: „Wenn ich lese, will ich mich sammeln und nicht wie jener Sultan von Indien durch abgerupfte Märchen hingehalten fein — Gustav Freytag roar wohl einer der schärfsten Gegner des modernen Feuilletonwesens; er ließ sich nie dazu bewegen, einen Zeitungsroman zu schreiben, und wandte sich entschieden dagegen, daß des Morgens zum Kaffee nicht nur Weißbrot und Butter, sondern auch „eine Schnitte Roman" oder dergleichen aufgetragen wurde.

heute in feiner Abgeschiedenheit vielleicht stärker als je zuvor.

Westwärts wendet sich die Straße nach Steingaden. Das Wetter klart auf, in der Sonne ist das Voralpen- land doppelt schön. Nach kurzer Fahrt erblicken wir links auf einem Grasplatz unter üppigen Linden ein weißes Kirchlein mit eigentümlichen Querfdjiffbauten. Es ist die Wallfahrtskirche Ilgen, ein sehr früher Ba­rockbau, wie die zarte und zurückhaltende Stuckdekora­tion erkennen läßt. Leider ist das Innere in starkem Verfall, es fehlt hier augenblicklich an der richtigen Pflege.

Nun grüßt bald die doppeltürmige Kirche von Steingaden herüber, wie Rottenbuch eine Gründung der Welfenherzöge. Dehio zählt Steingaden zu den be­deutendsten romanischen Bauten im Alpenvorlande. Das Aeußere ist noch ziemlich gut im alten Charakter erhal­ten: obwohl die Türme mit ihren Klangarkaden wie die bafilitale Anlage der Kirche und die Apsis mit den Blendbogen. Im Innern aber haben mancherlei Um­wälzungen ein merkwürdiges Bild hervorgebracht: das Chor ist besonders in seiner Deckenausbildung renaif- sancemäßig dekoriert, ein wenig flau und flach, wäh­rend das Schiff einheitlich barockisiert ist. Aber was man in Rottenbuch bestaunte und mit Entzücken schwär­merisch verkostete — hier stört es, hier bedauert man diese „Verzapfung", die nicht zum Wesen des Raumes und nicht zum Äeußern passen will. .In den Seiten­schiffen schauen unten an den Pfeilern noch die romani­schen Basen heraus, nein, diese Umgestaltung wirkt peinlich, weniger wäre mehr gewesen! Im einzelnen ist natürlich vieles vortrefflich, so das Chorgestühl in der zarten reinen Frührenaissance, nicht minder die in Blei gegossenen Welfendenkmäler, auch das Baptisterium am Eingang, der kleine romanische Rundbau, der heute als Grabkapelle dient.

Steingaden ist das Pfarrdorf für eine ganze Reihe von umliegenden Weilern und Einödshöfen. Es hak aber in feiner Umgebung noch einen Schatz, einen Wun- bertrau, den aufzuspüren jegliche Mühe und Anstreng­ung lohnt. Heute mit dem Kraftwagen ist es ja leicht gemacht, eigentlich zu leicht, und man fürchtet fast um die. einsame Schönheit dieser Stätte, man tut ihr fast ein Leid's an, wenn man sie beschreiben und auf sie Hinweisen soll. Aber anderseits ist es undenkbar, daß nicht ein jeder, der mit aufgeschlossenen Sinnen hier­herkommt, ein ganz großes Erlebnis empfängt. Und das allein rechtfertigt diesen Hinweis.

Wandern müßte man zur Wieskirche — so heißt sie: Kirche in der Wies — stundenlang durch Wald und über die blumigen Wiesen, bis dann plötzlich an der letzten Wegbiegung das weiße Wunder dieser Kirche erscheint. Aber auch dem, der mit dem Wagen von Steingaden über Kohlhofen herankommt, auch dem leuch­tet plötzlich, wenn er den Wald verläßt, dies Bauwerk fast wie eine Märchenerscheinung entgegen. Schlicht ge­nug das Aeußere, lediglich die sanfte Schwellung des Mittelbaues läßt wohl zentralisierende Tendenzen er­kennen. Aber dann folgt ein langes Chor und am Ende ein Turm, der den Anschluß an den kleinen zweislüg- iigen Klostertrakt vermittelt. Vor dem (Eingang steht eine Baumgruppe, anscheinend Lärchen; ein paar Säu­len und ziemlich zwecklose Giebelchen betonen diese Vor­derfront, wie man beim Näherkommen feststem. Ei­nige Häuser stehen umher, die unvermeidlichen Ver­kaufsbuden dazu, — nichts aber verrät dem Fremden, welche Welt von Schönheit die schlichte Schale dieses Aeußeren verbirgt.

In der „Wies" wird der gegeißelte Heiland verehrt, der Schmerzensmann. Vielleicht würde man ihm heute einen dunkel wuchtenden Raum bauen, würde die Sprache der Architekten ganz auf den Ausdruck des

Begegnung mit einem Reh.

Von Rudolf Hans Brandt.

Ins Auge sah ich einem Reh.

Es hob den Kopf im Blattwerk wilder Rosen und stand erschrocken, seine Nüstern bebten, die dunklen Augen zuckten jäh aus einem Traum. Wer bist du? — sprach der schmale Kopf.

Ich hätte ihn mit beiden Händen fassen mögen, um einer Unschuld tief ins scheue Äug' zu sehn. Wer bist du? — sieh, dann wandt' es sich und floh, --als graust' ihm vor der Antwort auf die Frage.

„Verzeihung, wenn ich störe. Mister Urgejowitsch, ich möchte Sie bitten, mir in meine Kabine zu folgen, ich habe Ihnen eine Mitteilung zu machen."

Dimitri war bleich geworden.

„Ich gehe mit Ihnen, Herr Kapitän. Miß Tscher- ftafina, wollen Sie mich gütigst entschuldigen. Und das, worüber wir soeben sprachen, ist tot — nie gesprochen, leben Sie wohl."

Er ergriff die Hand der völlig Uederraschten und zog sie an die Lippen.

Wie entgeistert blickte Dera den sich entfernenden Männern nach. Ein Angstgefühl kroch würgend 'm ihr empor, etwas Unheimliches, Schauerliches, Ekelhaftes schien langsam heranzukriechen, legte sich lastend, läh­mend auf ihr Denken. Ein Zittern durchrüttelte sie und sie konnte sich nicht Rechenschaft geben über das Emp­finden, das unklar und dumpf von ihr Besitz ergriffen hatte.

10.

Mit langsamen, müden Schritten ging Vera zum List, um sich zum Speisesaal fahren zu lassen, als ihr plötzlich Mac Sean, Harrisons Sekretär, begegnete.

„Good morning, Gnädigste, ich suchte Sie bereits. Darf ich Sie wenige Minuten unter vier Augen spre­chen?"

„Bitte, Sir, wir sind hier oben allein."

„Ich danke Ihnen, gehen wir dabei auf und ab, es weht eine kühle Brise."

„Der Morgenwind."

„Ja, ich bin überrascht. Sie, Gnädigste, schon an Deck zu finden, ich war bereits in Ihrer Kabine, aber die Kammerfrau konnte mir nichts über Ihren Ver­bleib sagen . . ."

„Kommen Sie zur Sache, Sir. Daß Sie mich ge- sucht haben, wollen Sie mir sicher nicht erzählen."

„Nein, Gnädigste. Ich habe einen Auftrag aus­zuführen, der mir eigentlich recht peinlich ist."

„Von Mister Harrison?"

„Ja. Aber vom Vater . . ."

„Ich verstehe. Nun, was läßt mir der gnädige Herr Mitteilen?" »

„Meine Gnädige, ich möchte Sie bitten, mir nicht zu

Runstsahrl in Oberbayern.

Von Dr. K. F r e ck m a n n.

Es begann gleichgültig und alltäglich, steigerte sich aber sehr schnell ins Ungemeine und klang aus in einem erneuten Erlebnis von seltener Größe.

Wir haben die Fahrt von Mittenwald aus gemacht. Man kann sie aber ebenso gut von Murnau, Füssen ober irgendeinem anderen Punkt aus antreten. Vor­bedingung ist ein Kraftwagen, der überall in Oberbag­ern um ein Geringes gemietet werden kann. Von Mit­tenwald über Klais nach Partenkirchen und dann im Loifachtal abwärts über Farchant nach Oberau: die Straße ist zu bekannt, als daß man sie zu beschreiben brauchte. Von Oberau den (Ettaler Berg hinauf win­det sich heute die vielleicht beste Fahrstraße Bayerns. Eine sympathische Neuerung: die Fernsprechhäuschen alle 1000 Meter zur raschen Meldung von Unglücks­fällen. (Ettal mit seinem herrlichen Münster lockt zu kurzer Rast. Kaiser Ludwig der Bayer war der Grün­der, und die ungewöhnliche Anlage der Kirche geht auf die gotische Rotunde jener frühen Zeit zurück. Knoller, der Meister von Neresheim, ist auch hier an den Dek- kenfresken beteiligt. An der Sturfierung arbeiteten die besten Kräfte der Zeit wie Schmuzer und Uebelhör. Der ganze Raum ist wohlig gerundet, in allen Einzel­heiten prachtvoll und schön, reich und festlich. Die neuen Klosterbauten der Benediktiner und bas gute Hotel ver­vollständigen den angenehmen Eindruck.

Vor Oberammergau, das bald erreicht ist, se­hen wir rechts und links der Straße Kraftwagenunter- stände von riesigen Ausmaßen. Einer davon ist groß und geschmacklos als „Passionsgarage" bezeichnet. Im Dorf ein vorwiegend angelsächsisches Leben und Treiben, auch an diesem Nach {pieltage. Wie mag es erst an den Hauptspieltagen aussehen? Die fremden Autos jeder Art und Größe fordern unser Interesse heraus. Aber ein schwerer französischer Verkehrsomnibus, der die Straße nicht freigibt, verleidet uns schließlich das Lieb­äugeln mit den Ausländern gründlich. Endlich biegt er ab nach Bad Kohlgrub, wir aber fahren über Baierfoien

und die neue Echelsbacher Brücke, die hoch über die wildfchäumende Ammer gebaut ist, nach Rottenbuch. Es ist der Hauptort des sog. bayrischen Paffenwinkels und voll alter Kultur wie das ganze weite Land zwischen Lech und Loisach. Dies Voralpengebiet, etwa nördlich der Linie Füssen-Mumau, die alte Moränenlandschaft, hat nicht das aufdringliche Pathos der Hochalpen, son­dern ist voll stillerer Reize, ift gleichsam geruhsamer und beruhigender. Wir biegen in einen weiten Klosterhof ein und sehen uns dem Kirchturm gegenüber, der wie ein Kampanile allein steht und mit feiner barocken und schließlich doch spitzen Haube ein wenig maskiert er­scheint, da er fein ehrwürdiges Alter — 1439! — nicht ganz verbergen kann. Lehrreich und nachahmenswert die Baugefchichte auf den Tafeln in der Vorhalle der Kirche. Ihr Inneres, ursprünglich eine dreischiffige gotische Basilika, wirkt verwirrend genug! Es strahlt und glitzert, zuckt und züngelt, daß man stark beklom­men ist von solchem Reichtum, der hier ganz unerwartet hereinbricht. Ioh. Mich. Feichtmayr, einer der Mei­ster aus den Stucfatorenfamilien des benachbarten Wessobrunn, war der geniale Künstler, Matthäus Günd- ter dazu als der Maler, dem vielleicht die Hauptrolle und das Hauptverdienst an der Vollendung des Wer­kes zuzuschreiben ift. Allmählich löst sich die Beklom­menheit in befreienden Jubel über die Kraft des Kön­nens dieser Meister, deren Kunst nichts unerreichbar blieb. Fast schöner noch als der Blick zum Hochaltar will die Ansicht der Orgelempore erscheinen. Entzückende Putten stehen dort oben, jeder spielt irgendein Musik­instrument. Das Braun des Holzwerkes, die zarten Töne der Stuftierung, das Weiß der Figuren, das Gold der Dekorationen, alles fügt sich harmonisch ineinander und wird mit dem Silberglanz der Orgelpfeifen zu ei­nem brausenden Akkord der Freude.

Draußen die hohen alten Bäume, die Speicher- und Brauereigebäude, die Weite und Ruhe der ganzen An­lage, alles atmet noch den Geist des Klosterfriedens —

Er überhörte geflissentlich ihre Rede und musterte prüfend ihre Erscheinung, die vorteilhaft wirkte in dem schnittigen Tailormadekostüm, er sah nur die hauchweiße Orchidee aufleuchten.

Ein Gefühl des Zornes quoll in ihm auf — das roar eine der Blüten aus dem kostbaren Blumengeschenk des Amerikaners.

Veras Stimme unterbrach feinen Gedankengang.

„Ich muß Ihr Können bewundern."

Dimitri machte eine wegwerfende Handbewegung.

„Alles nur Bluff, nichts weiter."

„Ziehen Sie doch das Geheimnisvolle nicht selbst in den Schmutz."

Er drehte sich kurz um und starrte wieder hinunter auf das Backdeck. Zögernd trat Vera dicht neben ihn.

„Dimitri, ich verstehe Sie nicht."

„Mir geht es auch nicht anders, Vera," und er sah sie an mit einem Lächeln, das harmlos sein sollte und doch schmerzverzerrt roar.

„Vera, ich bin sehr unglücklich . . ."

„Ich fühle es und wünschte, ich könnte Ihrem Leide Linderung bringen."

„Lassen Sie alles ruhen, was tot ist, soll tot bleiben. Aber werfen Sie sich nicht fort an jemand, der Ihrer nicht wert ist, Vera."

Wieder fand fein Blick die weiße Orchidee. Vera errötete, Dimitri nickte mit dem Kopfe.

„Sie tragen feine Blume, Sie tun gut daran, Vera. Er ist jung, reich, mächtig und ich — bin ein alter Mann."

„Warum müssen Sie mich kränken, Dimitri?"

„Verzeihen Sie es meiner Liebe, die verblutend den glücklichen Nebenbuhler haßt, hassen muß. Vera —" er reckte sich auf, wie einer der alten Propheten stand er vor ihr, „Vera, ich hasse mich und alles um mich herum, denn alles hat mir gelogen. Hätte nicht schon die Lüge an meiner Wiege gestanden, ich konnte glücklich sein, glücklich wie jene kleinen Menschen, die Unscheinbaren, die in der Sonne spielenden Staubpartikel. Sie nehmen diesen Augenblick Leben und freuen sich feiner und alle die schauerlichen großen Zusammenhänge des Geschehens bleiben ihnen fremd. Und fremd bleibt ihnen das große Leid der Vergänglichkeit, das würgende erstickende, zer­malmende Erkennen."

„Dimitri, mit jedem Worte, das Sie sprechen, zeigen Sie, daß Sie in Geheimnisse eingebrungen sind, die Sie über Ihre Umwelt herausheben und Sie lästern das, was Sie als ein Göttergeschenk erkennen und greifen soll­ten."

„Göttergeschenk? Nein, Vera, Fluch und Last ist alles Wissen, glücklich kann nur der Kleine, der Beschränkte sein . . . Aber wozu bas alles, Vera, ich bin am Enbe meiner Kraft. Warum mußten Sie noch einmal in mein Leben treten?"

„Ich verstehe Sie nicht, wie anbers reben Sie heute, wie anbers waren Sie gestern . . ."

„Hahaha — eine lange bange Nacht liegt zwischen heute unb gestern . . ."

„Ein Mann ftanb vor mir, ein Sieger, ein lieber- roinber. Heute ein Mutloser, ein Verzweifelnder."

„(Ein zerschmetterter Ikarus. Vera, wenn dieses und jenes nicht gewesen wäre und wenn man mir nicht schon bei der Geburt so maßlos gesündigt hätte, ich wäre heute noch ein Sieghafter, ein Liebling des Glückes."

„Dimitri, ich glaube, Sie stellen Ihre Forderungen zu hoch. Ihren Lebensweg hatten Götterhände weise ge­ebnet. Sie selbst haben alles umgeroorfen . . ."

„Lassen wir bas, Vera, bie Götterhanb hätte mir Vaterhanb fein müssen."

„Ihr Vater hätte boch das nie für Sie tun können, was der Fürst Trubetzkoi für Sie tat . . ."

„Der edle Gönner hat nichts weiter geleistet, als was feinte Pflicht war. Und bas noch mangelhaft."

„Sie sprechen in Rätseln, Dimitri!"

„Der alte Urgejowitsch, ber vor ber Welt als mein Vater gilt — haha — ber Gute gab mir nichts als fei­nen Namen. Hätte er mir fein Talent vererben können, ein gemächlich bahintrottenber Arbeitsgaul zu fein, nun, bann hätte ich wohl in Ruhe ein Glück ber kleinen Leute genießen bürfen. Aber er konnte mir nichts vererben, benn mit ihm verbindet mich nichts mehr wie mit mei­nem Rock . . ."

„Ist Urgejowitsch nicht Ihr Vater?"

„Nein, mein Vater ist der Fürst."

„Gestatten bie Herrschaften," erklang plötzlich hinter ihnen bie tiefe Stimme des Kapitäns; unbemerkt war Oliver Sidney herangekommen.

Erschrocken fuhren bie beiden auseinander. ,