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1 Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt

jm Bild' undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag 19-5 der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- » leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

57. Zahrg

HMer oder Brüning?

BeamteIlotopfer-Wahlen.

Von einem Beamten wird uns geschrieben:

In einer Zeit, in der so viel begreifliche und berechtigte Unzufriedenheit und Verbitterung die Gemüter der deutschen Beamtenschaft aufwallen läßt und wie das in solcher Lage meist geschieht das ruhige und klare Denken und Ueberlegen beim Durchschnittsmenschen mehr oder weniger ausschaltet, ist es doppelt erfreulich, in der Zeit- schrift einer parteipolitisch neutralen Beamtem gewerkschaft einen schönen Beweis klaren ruhigen Denkens zu finden.

DieDeutsche Postzeitung" schreibt in einem LeitartikelReichstagsauflösung" (Nr. 30 vom 25. Juli 1930):Wie soll sich nun die Beamten­schaft in dem kommenden Wahlkampf den Parteien gegenüber verhalten? Es liegt nahe, daß sie dir einzelnen Parteien daraufhin prüfen wird, wie sie sich zum Beamtennotopfer verhalten haben. Aber eine solche Beurteilung wäre weder erschöpfend noch gerecht, denn die Gesetzesvorlagen werden nicht immer aus rein sachlichen Motiven und aus Ueberzeugung abgelehnt. Die unvermeidliche Tak­tik spielt dabei manchmal eine ausschlaggebende Rolle .Auch wird es einer Oppositionspartei leich­ter fallen, eine Vorlage abzulehnen, wenn sie die Gewißheit hat, daß die Regierungsparteien sie durchbringen werden. Die Beurteilung einer Par­tei nach einer solchen mehr zufälligen als über- zeugungsgemäßen Abstimmung würde also in den meisten Fällen zu Fehlschlüssen führen. Zu einer gerechten und auch im Interesse der eigenen Sache liegenden Würdigung wird man nur kommen, wenn man auf die Erundeinstellung, auf die Eesamtbetrachtung der Parteien zu Beamtensragen zurückgeht."

Es ist tatsächlich so. Es gibt leider viele Beamte, es gibt auch Beamtenorganisationen und Beamtenzeitungen, die bei der Suche nach der ihnen genehmen Partei als einziges Merkmal und ausschlaggebendes Moment die Stellungnahmeder Parteien zum Beamtennotopfer betrachten. Das ist grundfalsch. Ich kann mir denken, daß beamtenfreundliche Parteien und Abgeordnete aus allgemeinen staatspolitischen Erwägungen heraus sich für das Gesamtsanierungspwgramm der Regie­rung, also auch für das Notopfer bezw. für die Reichshilfe der Beamten, entscheiden mußten. Ja die Beamtenschaft selber hat in allen ihren maß­gebenden Vertretungen sich bereit erklärt, an der Reichshilfe sich zu beteiligen. Wohl hat die Beamtenschaft mit Recht gefordert, daß alle leistungsfähigen Kreise des Volkes zur Sanierung der Kassenlage des Reiches herangezogen werden sollen. Wenn also die Beamtenschaft selber bereit war, dem Reiche zu helfen in seiner Not, dann muß man es als unverständlich und für das An­sehen der Beamtenschaft als schädlich und ge­fährlich bezeichnen, wenn in der heutigen furcht-

Jahren zielbewußt und zäh gegen die Grundposi­tionen der Kirche und ihrer Wohlfahrtseinrichtun­gen anzurennen versucht. Ein stiller Kulturkampf hat stch entwickelt, der vielfach in den Gemeinde­parlamenten ausgefochten werden muß, wo sich die Sozialdemokratie nicht scheut, mit den reaktionären chugenbergleuten, dabei deren liberal-antiklerika­len Instinkte ausnutzend, zusammenzuarbeiten.

Es sei uns gestattet, Herr Breitscyeids Gedächt­nis etwas aufzufrischen. Seine Ausführungen auf dem Magdeburger Parteitage widerlegen fein? Köl­ner Rede von selbst. Breitscheid führte in Magde­burg u. a. aus:Ich habe nicht gesagt, daß wir gegenüber den Kirchen als Organisationen Tole­ranz üben sollen, sondern gegenüber religiösen und antireligiösen Bekundungen der Einzelnen. Zwi­schen Kirche und Religion ist ein Unterschied zu machen. Wenn sich die Kirche anmaßt, ihre Rechte auf Gebiete auszudehnen, die unserer Ansicht nach dem Staate vorbehalten sein sollen, dann haben

demokratischen Partei in den kommenden Wochen des Wahlkampfes nicht ersparen können. Es wird Dr. Breitscheid nicht gelingen, die ausgesproche­nen politischen, gegen die verantwortungslose Tak­tik der Sozialisten sich richtenden Tendenzen dieses Wahlkampfes zu verwischen.

Allerdings, wenn Dr. Breitscheid dem Flugblatt des Volksoereins gegenüber sich empathisch und künstlich entrüstet, so muß er unseren unbeding­testen Widerspruch auch zu seinen religiös- kulturellen Behauptungen herausfordern. Hat denn der Volksverein etwa unrecht, wenn er dem So­zialismus eine feindliche Haltung gegen die Kirchs und die christlich-sittlichen Grundlagen unseres Fa­milienlebens vorwirft? Hat die Zentrumspartei irgendeinen plausiblen Grund, von diesem Flug­blatt des Dolksvereins abzurücken? Rein und aber­mals nein! Der Sozialismus, vor allem der Kul­tursozialismus von Frau Prof. Anna Siemsen, Dr. Kurt Löwenstein und anderen hat in den letzten

Die Streittage in Frankreich.

8m Bv». itlungsvorschlag des Arbeitsministers.

wtb. Paris, 20. August. (Eig. Meld.) Der itsminister Laval hat gestern den Vertretern der Arbeitgeber einen Vermittlungsvor­

schlag überreicht, der sich auf den Vorschlag der Arbeitnehmervertreter aufbauen soll. Danach ist die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit vor- r, falls die Arbeitgeber sich formell vev- . zum 1. Oktober eine Lohnerhöhung l«f Grund der Lebenshaltungsindex- r vvrzunehmen. Dieses Angebot scheint von i Arbeltgebervertretern nicht besonders güw= ausgenommen worden zu sein. Ein Mitglied Delegation erklärte: Wir können angesichts irrigen Lage unserer Industrie keine Lohn- ohung bewilligen. Don Arbeitnehmerseite wurde rt, daß die Arbeitgeber eine bedauerliche nsigenz gezeigt hätten.

.Inzwischen kommt aus Armentieres eine unstiger lautende Nachricht. Dort hat der tgeberverband den Streikenden den Vorschlag t, einer rückwirkenden Angleichung der zuzustimmen, falls die Indexziffer am 1. ber höher als 7.16 ist. Die Delegierten der kenden haben diesen Vorschlag entgegenge- men, und man rechnet damit, daß er als rund läge auch für die Verständigung den Arbeitgebern und Arbeitnehmern in dienen und zur baldigen Beendigung des erks führen wird.

Die^Str ei klage selbst ist gegenwärtig nach ,,Journal" folgende: In Roubaix streiken -5050, in Tourcoing 19 900, in Halluin .- m Wattrelos 5 370, in Wervicq 2 300, in omiitcs. 2120, in Croix 1756, in Lannoy 1715, 1370, in Lys 1120, und in den übri- 991 Gemeinden der Gegend 2 769.

zusperren, dann hätte auch Köln das Wetter­leuchten von Kämpfen erleben können, die aus dem beiderseitigen Appell an Verzweiflung und Leiden­schaften von nationalsozialistischer und kommu­nistischer Seite entbrennen müssen, wenn es den beiden radikalen Gruppen gelänge, die Staats­autorität und die im Volke tragenden Gruppen zu unterhöhlen.

Hitlers Worte bedürfen einer Folie. Er selbst mag noch von legalen Mitteln sprechen. Wer aber an die Leidenschaften, appelliert, muß sich darauf gefaßt machen, daß er Kräfte weckt, die zum Schluß nicht mehr zu bändigen sind, daß seine Worte im Lautsprecher feiner Parteifreunde vergröbert wer­den, und daß schließlich in der Agitation draußen mit Zielsetzungen gearbeitet wird, die Hitler viel­leicht selber nicht wollte, die aber eine notwendige Folge seiner Politik sind u. erst das wahre Gesicht des Nationalsozialismus enthüllen, so wie es Ernst Jünger in seinem Tagebuche zeichnete:Die Ord­nung ist der gemeinsame Feind . . . Zerstörung ist das Mittel, das dem Nationalsozialismus dem augenblicklichen Zustande gegenüber allein ange­messen erscheint. Der erste Teil seiner Aufgabe ist anarchistischer Natur." Hitler sagt Aehn- liches, nur in feiner abgewogenen Worten, als er von dem vermorschten Walde sprach, der nicht mehr gerettet werden könne, sondern aus dem nur noch ein neues Reis erwachsen könne, der junge Zwektz bes Nationalsozialismus. Wie gesagt, die Worte sind feiner gewogen, als die der Unterführer, im Endeffekt kommt es auf das gleiche heraus: den Irrwahn, durch Zerstörung zum Aufbau schreiten zu können.

Im Mittelpunkt der Ausführungen Hitlers stand seine Polemik gegen den Poungplan. Einen tat­sächlichen Irrtum oder eine bewußte Demagogie gilt es gleich zu zerstören. Wenn alle Arbeitslosig­keit in Deutschland wohlgemerkt alle Folge des Doungplanes sein soll, woher rührt dann die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten, in England, in Italien? Hier muß einer, welcher der Führer Deutschlands sein will, deutlicher sehen und die volle Wahrheit sagen, eben die Wahrheit von der Weltwirtschaftskrise, die nicht eine Folge des Poungplanes ist, wiewohl der Poungplan die Verhältnisse für uns erschwert, sondern eine Folg.e des Krieges. Wer will einen solchen Krieg leickstsertig heraufbeschwören? Etwa Herr Hitler? Er scheint vor der letzten Konsequenz ferner Worte zurückzuschrecken, da er als Front­soldat das Grauen der Materialschlachten kennen­gelernt hat, wo kein Mut mehr hilft und keine per­sönliche Tapferkeit, sondern von Eisen, Stahl und chemische Produkte zermalmend ihren Weg sich bahnen. Aber wieder wirken seine Worte schärfer, als er sie formuliert, und entzünden die Masse Mensch, in der, wenn einmal ruhige Ueberlegung ausgeschaltet ist, die politische Leidenschaft zu einem Motor ohne Bremse wird. Deutschlands Freiheit. Deutschlands Stärke ist auch unser Ziel. Daraus hat Hitler kein Monopol. Aber über den Weg gehen unsere Ansichten diametral auseinander. Weiß der Nationalsozialismus überhaupt einen? Wir haben von Hitler keinen gehört. Denn daß einfaches Nein nicht genügt, darüber dürfte auch Herr Hitler sich klar fein. Denn aus dem Nein würden sich zwangsläufig Konsequenzen er­geben. Will Herr Hitler diese Konsequenz auf sich nehmen? Eine wirtschaftliche Krisis, die weit, weit die vorhandene hinter sich läßt? Oder auch den Appell an die Waffen und den Ausbruch eines neuen Krieges, der das Ende der europäischen Kul­tur sein würde?

Die Frage aber, die am 14. September ent­schieden werden muß, ist die: Will das deutsche Volk mit dem Nationalsozialimus aus Ent­täuschung über gegenwärtige Schwierigkeiten Selbstmord verüben oder nicht? Mll es der Pa­role Brüning ober der Parole Hitler folgen? Um diese Entscheidung muß hart und entschieden ge­rungen werden. Dann aber ist es notwendig, daß wir, die mir Brüning folgen und Hitler ablehnen, einen gleich starken Fanatismus der Sachlichkeit entfachen, einen gleich starken Fanatismus der Ver­nunft, der Verantwortung und der politischen Tat. Es geht um letzte Entscheidungen. Wo Nationalso­zialismus wacht, dürfen mir nicht schlafen. Dem Glauben an Hitler müssen wir den stärkeren Glau­ben an Brüning entgegensetzen, und aus diesem Glauben haben wir zu handeln, zu werben, zu agitieren allüberall. Am Opfer entscheidet sich die Kraft des Glaubens. Soll uns der Nationalso­zialismus übertreffen? Nein und abermals nein. Denk an Kind und Zukunft" stand in der Rhein­landhalle. Jawohl, mir denken daran und wollen deshalb das Chaos verhüten. Auf zur positiven Arbeit, auf zur Rettung Deutschlands unter Brü­nings Führung.

Nicht nur Burg-Friede?

ei» gemeinsamer Wahlaufruf dergemäßigten Rechten".

Besprechungen der Konservativen Volkspartei, Deutschen Volkspartei und der WirtschaftÄ- i, die den Zweck hatten, bin einheitliches hen im Wahlkampf sicherzustellen, haben laut"Berliner Börsenzeitung" stattgefunden. Das Blatt berichtet, baß ein völliges Einvernehmen der Unterhändler erzielt worden sei. Man habe sich auf einen gemeinsamen Wahlaufruf, der nicht nur die Zusage des gemeinschaftlichen Vorgehens enthalte, sondern darüber hinaus auch für später ein enges Zusammenarbeiten verspreche, geeinigt.

Unterhändler hätten nur für ihre eigene Pev- ihr Einverständnis erklären können. Nach nznahme mit ihren Parteifreunden soll die ihandlung weitergehen.

In bemerkenswerter Weise nimmt im Anschluß an eine Rebe, bie ber Führer der Nationalsozia­listen, Adolf Hitler, in Köln gehalten hat, bie Köl­nische Volkszeitung zu ber Frage Stellung: Hitler ober Brüning? Sie schreibt:

Der nächste Morgen sieht mich als Sieger ober tot." So sprach Hitler am Vorabenb seines No- vemberputsches 1923 im Münchener Löwenbräu- keller. Aber ber nächste Morgen sah ihn weder tot noch als Sieger. Vielmehr flüchtete er bei den ersten Schüssen in einem Auto in bie Villa ber Frau Hanfstängl unb hielt sich bort verborgen, bis er verhaftet mürbe. Fast sieben Jahre nach biesen Ereignissen sprach er nun, alsFührer Deutsch­lands" von seinen rheinischen Parteifreunden be­grüßt, gestern abend in der Rheinlandhalle. Die gewaltige Halle war überfüllt, und in der Mehr­zahl waren die Anhänger keine Neugierige, son­dern fanatische Anhänger des Nationalsozialismus aus Köln und der engeren und weiteren Umgebung. Das muß ganz fachlich festgestellt werden, um keine falschen Illusionen über die gegenwärtige Auf­triebskraft des Nationalsozialismus aufkommen zu lassen. Hitlers Anhänger smd Leute, die von einer Idee besessen sind. Unter einem Blumenregen schritt er durch den Saal, am Podium begrüßt von einer Ehrenjungfrau und kleinen Kindern, während Heilrufe wie ein Orkan durch die Halle brausten und Tausende von Händen im Faschistengruß sich ihm entgegenstreckten. Beim Reden wirkt er aller­dings ermüdend. Seine Stimme klingt besonders im Lautsprecher etwas knarrend und bleibt bei manchen Worten unverständlich. Daher und iw folge der Hitze, die in der Halle bei dieser Men- schenzusammenballung herrschte, kam es, daß sich die oberen Reihen der Galerie beim zweiten Teil seiner Rede hier und da lichteten. Man hatte scheinbar doch mehr erwartet.

Hitlers Rede war ein Appell an die Ent­täuschten. Er sprach von der Revolution unb ihren Versprechungen. Was er bem entgegensetzte, mar aber nicht der Aufruf des politischen Menschen, sondern nur ein anderes Vorzeichen desselben Appells an die Enttäuschung und Verzweiflung, mit der bie Revolutionäre von 1918 gearbeitet hatten. Hier wie bort nur Versprechungen, Ver­heißungen für den Fall der restlosen Ueberminbung bestehender Verhältnisse, ohne Rücksicht auf Wirk­lichkeit und überlegende Vernunft. Damals im Zeichen schrankenloser Snternationalität, heute im Zeichen eines bis in die letzten Konsequenzen vor- getriebenen Nationalismus. Und damals wie heute folgen Menschen als politischer Heimatlosigkeit und großen Entäuschungen heraus diesen glückver­heißenden Parolen um ihnen bald darauf wie­der ebenso gründlich abzuschwören. Denn das ist ber Fluch aller Politik, die sich nur auf Volksstim­mungen aufbaut unb sich nur an bie Leibenschasten wenbet, baß sie nichts Bestänbiges barstellt, sondern wie Flut und Ebbe das Volk hin- unb herzerrt.

Die Rebe Hitlers hat die Fronten dieses Wahl­kampfes noch deutlicher absteckt als es bisher der Fall war. Er sprach vom Ganzen, von der Volks­gemeinschaft, von der Nation, vom Staate. Wir tun es auch. Er sprach von der Rettung der ftt- lichen Volkskräste, von der restlosen Hingabe an bie Gemeinschaft. Wir tun es auch. Er stellt bie letzten entscheidenden Fragen des Volks- und Staatsschicksals über alle Einzelfragen der Tages­politik. Wir tun es auch. Und trotzdem trennt uns eine Kluft von ihm. Darum, ob am 14. Sep­tember das Volk diesseits oder jenseits der Kluft stehen wird, geht jetzt der Kampf. Darum, ob der Fanatismus der Leidenschaften die Politik bestim­men soll, ober der Fanatismus der Vernunft unb Sachlichkeit, barum, ob int Revolutionären das Heil ber Zukunft liegt ober in einer restlosen Hin­gabe an bie Verantwortung vor Volk und Staat, barum, ob bessere Zukunft aus Bürgerkrieg und Trümmern erwachsen kann, ober ob sie aus einer sich selbst verzehrenben Arbeit für Ruhe unb Ord- nung erwachsen muß. Wir kennen bie Zeiten von 1920 unb 1923, Zeiten, bie in ihren krisenhaften Zuständen den heutigen gleichen, ja in ihren Schwierigkeiten nicht einmal an sie heranreichen. Sollen diese Zeiten wiederkehren, in denen 1920 in Berlin bie Kappisten stauben unb im Ruhrgebiet bie Rote Arrnex, in denen 1923 in München der Hitlerputsch die Brandfackel der Unruhen ins Volk warf und in Mitteldeutschland der Bolschewismus diese Brandfackel auffing, um das Rote Feuer des deutschen Chaos damit zu entzünden? Im Nürn­berger Versammlungssaal mit seinem Trümmer­feld von zersplitterten Bierseideln und zerschlagenen Stuhlbeinen, mit seinen 70 Verletzten haben mir bereits wieder ein Vorahnen kommender Kämpfe gesehen. Und wenn gestern nicht die Kölner Poli­zei den letzten Beamten aufgeboten hätte, um die Rheinlandhalle gleich einer belagerten Festung ab­

wir gegen einen solchen Angriff der Kirche mit al­ler Entschiedenheit Front zu machen."Wir müs­sen uns auf Grund unserer Weltanschauung stark genug fühlen, den Kampf gegen etwaige lieber« griffe der katholischen Kirche und des Klerikalis- mus selbst bei Vorhandensein eines Konkordates zu führen." Ist das etwa keine sozialdemokra­tische Kampfansage gegen die Kirche? Frau Prof. Anna Siemsen erklärte gleichfalls in Magdeburg: . . . Darüber" (wie die Kirche über gesellschaft­liche Frage bes Diesseits denkt. D. Reb.)hat die Kirche ihre sehr bestimmten Ansichten, bie durch- aus nicht mit sozialistischen Ansichten vereinbar sind . . . Wenn wir bie Fähigkeit erwecken wollen, biefe Gesellschaft umzugestalten, müssen wir ein neues einheitliches Bewußtsein schaffen. An biefer Grenze muß sich bie Toleranz brechen." In Kon­sequenz dessen forderte Frau Siemsen im Abend- Vorwärts vorn 27. Nov. 1929 bie Aufhebung der gesetzlichen Vorzugsstellung der Konfessionen. Frau Torhorst führte in Magdeburg zum Preußenkon- kordat aus: Wir als überzeugte Sozialisten fürch­ten, daß dieser Vorstoß der Kirche eine Schmäle­rung der politischen unb gesellschaftlichen Macht­position des Sozialismus bedeutet. Politische Er­folge der Kirche haben die Beeinflussung des Kul­turlebens in ihrem Sinne zur Folge. Deshalb erklärte Salengro, ber Bürgermeister von Lille, mit Recht: der Antiklerikalisrnus fei nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil des Klassenkampfes. Ist das kein sozialdemokratischer Kampf gegen bie Kirche unb ihre Einrichtungen, Herr Breitscheib? In einem Vortrag der Freien Sozialistischen Hoch­schule, Berlin, legte die sozialdemokratische Abge­ordnete Frau Toni Pfüff auseinander:Politisch unb ökonomisch haben wir uns von der bürger­lichen Ideologie befreit, dagegen nicht in Fragen der Sittlichkeit unb Moral ... Die wichtigste Wurzel des Eherechts ist bie kapitalistische . . . Das heutige Eherecht basiert auf rein klerikalen An­schauungen. Durch die katholische Kirche wurde das Prinzip der Monogamie, das bis zum 12. Jahrhundert für Männer keine absolute Gültigkeit besaß, anerkannt, und die Ehe war auf dem Kon­zil von Trient 1564 als Sakrament geheiligt." Ist das keine Kampfansage gegen christliche, katho­lische Ehefassung, wenn man sittlich-moralische Emanzipation von denveralteten Ansichten" der katholischen Kirche fordert? Erklärte nicht der so- zialdemokrat. Reichsarbeitsminister Wissell:Eine Boseitigung des unbedingtenGebärzwangs" ist im Interesse ber Volksgesundheit und bes sozia­len Aufstiegs zweifellos geboten"? Unb forbertc nicht ber sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Ro­senberg bie Straffreiheit für Inzeßverhältnisse un­ter Geschwistern? Nein. Dr. Vreitscheid hat kei­nen Grunb, sich zu beklagen. Leider sind bie Vor­würfe bes Volksvereins nur zu begrünbet, sie las­sen sich schwarz auf weiß beweisen. Deshalb ha­ben bie Katholiken das Recht, sich gegen die ge­heimen Unterminierungsversuche des Sozialismus und feiner Partei kräftig zur Wehr zu fetzen: sie werden sich dieses Recht durch Herrn Dreitscheid nicht nehmen ober einschränken lassen.

«eaierimgskrise in Sayern

SRsgiertttig Held kündigt ihren Rücktritt am.

""rt. München, 20. August. (Eig. Meldg.) Mini- Mdent Held erklärte in ber heutigen Aus- , über die Schlachtsteuer-Notverordnung und ' ünqsvorlage im Plenum des bayrischen JeS wenn die Mehrheit des Landtages hnenden Standpunkt gegenüber der Not- ünq auch heute in der Abstimmung zum ck bringe, so wäre die Staalsregierung t"mehr in der Lage, die Verantwortung zu tragen. Sie müßte in der Ablehnung "von ihr vorgeschlagenen Steuermaßnahmen gleich die Kundgebung des Mißtrauens der rheit des Landtages erblicken und das gesamte ilterium würde hieraus die Folgerungen

Erwiderung an Vreitscheid.

sozialdemokratische Kampf gegen Kirche und

Familie.

u, . sozialdemokratische Abg. Dr. Breitscheid d« Nch in feiner Kölner Rede mit den Vorwürfen setzt, die die Zentrumsführer Kaas ff! Heß, vor allem auch der Reichskanzler Dr. £?tt,n9 gegen die Politik der Sozialdemokratie gebracht hatten. Bei dieser Gelegenheit kam er u? Och ein Flugblatt des Volksvereins für das fe» Ht. Deutschland zu sprechen, in bem zu le» ^Ns:Sozialisten und Kommunisten haben einen ^emsamen Schlachtruf: Vernichtung der Kirche %ul n-bie richten ihre Angriffe gegen Kirche, Ehe, Familie, kurz gegen alles, was uns unb heilig ist." Diese Darlegungen des jjwJ^rein5 bezeichnet Breitscheib, ohne innere 8ene =trn®en $u empsinben, als eine Unwahrheit.

^"ghlattmethoben seien ein beklagenswerter uners Echeaungswerter Rückfall in vergangene, len h u Seiten. Die Sozialbemokraten wür- Zentrum nicht von ber religiös-konfessio- feb h ?e*te her angreifen.Wir halten daran miigion Privatfache des einzelnen Men-

Diese Ausführungen Breitscheids dürfen nicht riprochen hingenommen werden. Zunächst ^.oustellen, daß die Zentrumspartei diesen ?Pf rein sachlich und mit rein politischen nt "orungen begonnen hat. Sowohl Dr. . b auch Reichskanzler Dr. Brüning haben in 'Normativen Reden die einzigartige poli- /°ebeutung dieses Wahlkampfes in besonders «Sucher Weise betont. Wenn nun Dr. Breit- Hand eines Flugblattes des Dolksver- «achweisen will, das Zentrum fei mangels j «5 politischer Ideen und Gründe genötigt, ,mPf "ur mit den alten religiös-kultu- "totipen zu führen, so dürfte er bei dem swählervolk wenig Glauben finden. Ge- Je Zentrumsführung hat gewichtige poli- ^ormürfe gegen das Verhalten ber Sozial-

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Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

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