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Das junge Mädchen von henke

Don Rosa Frei- Scherrer.

lllit ZWgbauern auf Siedlungsfahrt

Und wir wissen, daß frei sind vor Gott und vor uns, dem Volke, die Menschen, die mutig selber sich binden an die Gesetze des Friedens, die aufwärts führen. Wir grüßen in ihnen die Brüder der Zukunft, die über die Enge des Jchs hinüber die Brücke bauen zum Wir und zum Reich.

Und wir bauen sie doch, und wir sprengen die Ketten; denn wir glauben an uns und unseren Staat! In uns ist Zukunft und Reife der Frucht.

Wir glauben daran, daß gleich ist im Werte vor Gott und vor uns ein jeder, der schafft.

Fußmarsch zum katholischen Jugendhaus an. Ueber eine halbe Stunde trotteten wir etwas müde und mißgestimmt durch die Berliner Straßen. Vom Jugendhaus ging es weiter zu dem großen kath. Gesellenhaus an der Spree. Es war allmählich schon spät geworden. Wir fanden im Dachgeschoß saubere Betten. Auch eine Brause war da, sodaß wir uns den Reisestaub gründlich von den Leibern waschen konnten. Und dann schliefen wir beglückt und befriedigt ein.-----

Unser Weg geht durch Nacht und durch Kampf und durch Not, doch wir fassen uns an, und fallen nicht ab, sind treu unserem Volk, weil wir selber uns treu. Und wir bauen sie doch mit Hand und Hirn und Herz trotz Not und trotz Sturm und ttotz Nacht den Staat und die Zukunft: Wir bauen sie doch!

Paul Joseph o o n d e v H e i d e (in der „Werkjugend".)

Verantwortlich für „Das Blatt der Jugend": 2>r' * publ. Joseph Säuer- Fulda.

Für die Spinnstuben und Kränzchen chrer Großmütter haben die arbeitenden Mädchen von heute fehle Zeit mehr übrig, sie hören davon erzählen, und es mutet sie an wie ein Märchen. Sie sehnen sich auch nicht darnach, denn sie haben einen glänzenden Ersatz dafür in ihrem Beruf und wissen es, daß sie mit Ernst und treuer Pflicht­erfüllung der Menschheit nützen. Und darauf sind unsere heutigen modernen Mädchen ebenso stolz, wie es ihre Großmütter auf ihr selbstgesponnenes Leinen waren.

Nicht Prahlerei und die Sucht nach Ausleben, sondern vielmehr die bittere Notwendigkeit zwingt die Mädchen von heute, nach einem Berufe zu greifen. Heute stehen eine große Anzahl Mädchen fest und treu auf ihren oft verantwortungsvollen Posten, Seite an Seite mit den männlichen Kollegen, und kämpfen mit ihren Jugend­genossen den zwar unblutigen, aber oft nicht minder bit­teren Kampf des Lebens. Sie haben gemeinsame Bür­den, aber auch die Freude am gemeinsamen Erfolge. Sie schließen Freundschaften mit den Genossen ihrer Ju­gend, und ich bin der fröhlichen Hoffnung, daß diese Bande, die geknüpft wurden im regen Betrieb des All­tagslebens, wo tausend gemeinsame Interessen, Sorgen und Freuden zusammengetragen wurden, sich ebenso le­bensfähig erweisen mögen, wie die unserer Vorfahren Daß sich derartige Kameradschaften schon in vielen Fäl- lm zur Liebe vertieft haben, bedarf nicht erst der Er­wähnung. Und solche Ehen, die gegründet wurden auf gegenseitiger Wertschätzung, tragen in sich Gewähr für

Unsere gegenwärtige Zeit bedarf einer reinen, Wil­lensstärken und herzwarmen Jugend, aus der sie Kämp­fer erziehen und Sieger prägen kann, die in dieser not» durchzitterten Welt dem Licht und der Wahrheit zum Durchbruch verhelfen. Und da denke ich an die kampf­srohe und siegesfreudige JungmädchenwÄt, an jene Hel­dinnen des Alltags, die mit größter Aufopferung und Pflichttteue stark und treu wirken, tragen und aushar­ren, die nie verbittert und hart werden, sondern durch alles Dunkele und Schwere hindurch siegreich ihre Sonne in das Leben des Nächsten tragen. Wohl finden wir in unserer heutigen Jugend leider auch gar viele, die trotz der furchtbaren Sturmflut des Weltlaufes nicht gelernt haben, ihr Wollen und Begehren abzulenken von all dem nichtigen und kleinlichen Tand, die kein Empfinden haben ür den Herzschlag der Zeit und die in all der zitternden Not dastehen wie geblendete Nachtfalter. Aber es gibt auch immer noch eine große Schar jener Lichtkinder, die mit ihrem Sonnenhunger und ihrem Sehnen nach Höhenluft da und dort ein armes, verirrtes Menschen­kind aus seinem trägen Schlummer erwecken, daß es den Staub von den längstvergessenen Flügeln schüttelt und sich aufschwingt, fein verlorenes Krönlein zu suchen. Es wird gerade dem heutigen modernen Mädchen der Vor­wurf gemacht, daß es für den Höhenflug nichts tauge, und es gilt gerade für die jetzige, im Alltagskampf ste­hende Jugend, zielbewußt und sicheren Blickes zu steuern, um die begonnene Fahrt zum glücklichen Ende zu führen.

über Hamburg.

Von T

Hamburg, den 10. Juni.

Wir marschierten zum Bahnhof zurück. Es war ein drückend heißer Nachmittag. Die Luft war mit Staub und Rauch geschwängert und kaum zu atmen. Endlich standen wir vor dem Tunnel, das unter dem Bette des einige hundert Meter breiten Elb- f l u f f e s die Menschen und Fahrzeuge auf das andere Ufer führt. Ein Aufzug bringt uns in die Tiefe. Unten ist es angenehm kühl; die Lüftung ist gut. Unser Tritt hallt von den Wänden wieder. Plötzlich fängt einer an zu fingen. Die anderen fallen ein, und wir ziehen singend unter der Elbe durch.

Dann kam die Trennungsstunde. Da es ganz unmög­lich war, daß wir hundert Mann stark in ein Siedlungs­dors einfielen, waren wir schon zu Beginn der Fahrt in drei ®ruppen eingeteilt worden. Eine reifte nach Mecklenburg, wo vor allem die katholische Siedlung Matgendorf besichtigt werden sollte, die andere in die katholischen Siedlungen nach Pommern und die brüte schließlich nach Brandenburg. Ich gehörte zu der Gruppe Pommern. Da mir die weiteste Reise vor uns hatten, mußten wir noch am gleichen Nachmittag nach Berlin Weiterreisen, während die beiden anderen Gruppen noch in Hamburg blieben und sich am Abend mit der katholischen Jugend zu einer Kundgebung trafen, auf der Aloys Seyock über Stadtoolk und Landvolk sprach.

Der Schnellzug raste in fast gerader Richtung durch die norddeutsche Tiefebene auf Berlin zu. Für uns waren im letzten Wagen vier Abteile reserviert. Die Landschaft, durch die wir fuhren, war nicht besonders verlockend. Eine kahle Ebene mit schlechten Wiesen und mageren Aeckern. Ab und zu sah man ein größeres Gut. Die großen Felder um den Hof herum schienen besseren Boden zu haben und auch besser bestellt zu sein. Die Zeit verging wie im Flug. Schon tauchten die mächtigen Funktürme von Nauen vor uns auf. An Laubenkolonien und Gartenstädten ging es vorüber. Ost waren es nur armselige Bretterbuden, in denen diese Menschen an der Peripherie der Großstadt hausten, aber sie leben noch in der Natur, haben ein Stückchen Land. — Zwar ist es nur märkischer Sand, aber bei richtiger Pflege scheinen auf ihm auch Obstbäume und Gemiüse zu gedeihen. Da­zwischen liegen wieder öde Sandstrecken, die selten von einer farblosen Grasnarbe überzogen sind, und kleine Kiefernhaine. Das Häusermeer schiebt sich heran. Große, schmutzig aussehende, mehrstöckige Häuser. Ihre Rück­seite, die sie uns zukehren, sieht besonders abweisend und trostlos aus.

Wir sind am Ziel. Es ist irgend einer der großen Berliner Bahnhöfe. Wir sollten am Zuge abgeholt wer­den. Es war aber niemand zur Stelle. Wir traten törichterweise mit unseren Rucksäcken und Köfferchen den

And wir bauen sie doch!

Und wir bauen sie doch: die Zukunft des Volkes, die Zukunft unseres Staates wir, die Jungen, Zum Trotze denen, die seine Form verlästern, weil Not und Sturm und Nacht fein Wachsen und Reifen mit Ketten am Boden fesselt.

Wir wollen Männer werden: christlichen Herdes Hort, darum gilt uns Frauenehre und Familienglück.

Wir wollen Männer werden: ernst und stark, darum ist die Arbeit uns heiliger Beruf.

Dir wollen Männer werden: deutsch und frei, darum stehen wir opferbereit im Dienst von Heimat Volk und Staat.

Katholische Jugend, nun gilt es, den Dienst an der Heimat, am Volk und Staat zu leisten. Aus der katho­lischen Jugend muß eine mutige Kampftruppe werden.

Seiber ist die Erkenntnis nur zu begründet, daß im katholischen Volk vieles schläft, während ringsum feind­liche Kräfte verheerend schaffen und wühlen und die Jugend zu begeistern suchen und zu Kampftruppen für kommende Entscheidungen stählen in Sport und Spiel, in großen Lagern und Treffen. Leider haben wir viele Katholiken, die, obwohl sie noch positiv katholisch sein wollen, doch durch ihr Leben in der Gemeinschaft zeigen, daß sie weit entfernt sind von echt katholischem Leben. Dcttiei aber klagt und schimpft man so über b i e Jugend — „ja die Jugend von heute, die ist schlecht, die lügt, betrügt, macht alle Feste mit, muß überall dabei sein. Wir waren nicht so, wir „waren anders". Wir blieben abends zu Hause. — O, ihr habt recht. Es ist so, es war so. Aber wen trifft die Schuld? Nun müßte das „Mea culpa" kommen, aber diese Er­kenntnis des Schuldseins fehlt. Die Jugend steht in der Entscheidung von gut und bös. Wird sie sich zum Bö­sen entscheiden, so trifft die Umwell die Schuld, denn dort ist das B e i f p i e l, die Gelegenheit, die Augenlust, die Hoffart. Ist es da ein Wunder, wenn tausende junger Menschen sich für das Böse entscheiden. — Wir stehen am Abgrund — aber nicht die Jugend ist schuld daran, sondern die Allen selbst, weil man sich selbst nichts versagen kann. Hart ist die Anklage — aber wahr.

Was nützen uns heute im politischen Leben alle die Interessenvertretungen eines jeden Standes, sei es die der Landwirtschaft, der Handwerker- und des Beamten­tums? Im politischen Leben gilt es nicht die Interes­sen eines Standes zu fördern — sondern Volks- wohl muß obenan stehen. Das Dolkswohl in feiner Gesamtheit umsaßt die Interessen eines jeden Standes, umfaßt aber auch das geistige Wohl des Volkes, umfaßt für uns Katholiken auch die geachtete Hebung der Kirche. '

Immer näher rückt der Zeitpunkt der Cnffcheidun- gen. Der neue Wahltag ist es noch nicht, aber es ist die erste Machtprobe im Kampf der Welt­

anschauungen — hier der ch r i st l i ch e n und dort der sozialistisch-neuheidnischen, unter welchen Namen sie sich auch verbergen mögen. Rüsten wir uns darum, damit wir in kommenden Zeiten die Entscheidung tref­fen können. Man redet von einer neuen Zeit und einer neuen Jugend. Es sind dies nicht leere Worte. Sie haben ihre harte Begründung. Die neue Jugend lebt in einer neuen sturmbewegten Zeit, in der sie nicht mehr so fein behütet ist vom Elternhaus wie früher. Die Jugend ist mehr denn je hinein gestellt in den Kampf ums Dasein. Die neue Zeit bildet die neue Jugend in der Arbeit, in den Fabriken und Werkstätten. Dort werden die Kämpfe um die jungen Seelen geführt und ausgefochten. Die neue Jugend steht allein im Kampfe um ihre Seele. Sie weiß es. Sie hat offene Augen. Der Selbsterhaltungstrieb führt zum Zusammenschluß, führt zum Kampfgeist für die Ideale der neuen katholi­schen Jugend. Nun heißt es zum ersten Male den Kampf, der bei den Reichstagswahlen geführt wird, auf­zunehmen und siegreich zu führen. Vielleicht sind wir für diesen Kampf noch nicht genügend vorbereitet. Das soll uns aber am 14. September nicht wankend machen. Die katholische Jugend wird geschlossen ein Bekenntnis für die Partei ablegen, die in den letzten Jahren am un­eigennützigsten für bas Wohl aller Volksge­nossen gearbeitet hat, bie Zentrumspartei. Sie tut bas in der klaren Erkenntnis, daß ihr bei den Ver­hältnissen in Deutschland nur dieser Weg bleibt: die Katholiken müssen auch bei politischen Entscheidungen ihre gesammelte Kraft zur Sicherung des Staates und der Ordnung in die Wagschale werfen. Diesen Entschluß kann keine Schmähung und gemeine Verdächti­gung — man treibe mit der Religion politische Ge­schäfte — wankend machen. Bei allem Einspruch gegen die manchmal zu geringe Rücksichtnahme der untergeord­neten Parteiinstanzen auf das Wollen der Jungen bleibt doch die klare Erkenntnis, daß für uns katholische Jun­gen die Entscheidung für die Zentrums­partei die einzig mögliche ist. Sie bleibt es, wenn auch manche sagen, die Zentrumspartei ist für uns das kleinere Hebel.

Noch eine praktische Erkenntnis für die Jugend­arbeit hat der jetzige Kampf gebracht. Die katholischen Jugendverbänbe dürfen nicht auseinonöerftreben, viel­leicht sogar gegen einander arbeiten. Nein, alle Kräfte müssen zusammengefaßt werd-n, an den einzelnen Orten und schließlich in der ganzen Diözese zur Iugendgemeinschaft der Diözese Fulda.

Frick.

Nach dem gerne'.iijamen Mittagessen auf dem Dampfer „Albert B a l l i n" begrüßte uns ein Vertreter der Hamburg-Amerika-Linie. Er sprach sehr anschaulich über den Wiederaufbau der deutschen Handelsflotte in der Nachkriegszeit. Deutschland mußte nach dem Zusammen­bruch fast die gesamte Handelsflotte abliefern. Wir be­hielten nur noch einige kleine, veraltete Kähne. Um so erstaunlicher ist es deshalb, daß wir heute wieder eine Flotte haben, die sich sehen lassen kann. Fahren doch die größten und schnellsten Dampfer unter deutscher Flagge. Das alles wurde in wenigen Jahren geschaffen, in denen Deutschlands Wirtschaft keineswegs in Blüte stand. Die Zahlen, die der Sprecher nannte, machten auf uns, die wir auf einem der neuen, leistungsfähigen Schiffe waren, einen überwältigenden Eindruck. Laßt die Mißmacher und bezahlten Aufwiegler nur schwatzen und schimpfen, der deutsche Wiederaufbau wird weitergehen, wenn die Regierung den Mut hat, die notwendigen Maß­nahmen ohne Rücksicht auf Lob und Tadel zu tun, und wenn deutsche Menschen sich zu stiller, zäher Arbeit immer wieder die Hand reichen. Nur nicht die Nerven und den Glauben verlieren.

Auch von dem Handelsverkehr im Hamburger Hafen wurde gesprochen. Seine Bedeutung wird wohl jedem einleuchten, der hört, daß dort alle 10 Minuten ein großer Seedampfer ein- oder ausläuft.

Allzuschnell mußten wir Abschied von dem gastlichen Dampfer nehmen. Er lag erst seit wenigen Tagen wie­der im Heimathafen. Die Kabinen harrten schon der neuen Gäste. Man war eifrig beschäftigt, die Schiffs­ladung zu bergen . Mächtige Krane holten aus dem Rie­senleib des Schiffes große Blöcke Roheisen heraus und setzten sie am Ufer ab. An einer anderen Stelle reichte ein mächtiger Schlauch bis hinunter in die Eingeweide des Riefendampfers. Wir wußten erst nicht, was dies bedeuten solle, bis wir neben dem „Albert Baltin" einen schon halb mit goldgelben Weizenkörnern gefüllten, gro­ßen Kahn liegen sahen. Durch einen Saugapparat wurde das Getreide bequem und schnell aus dem Heberfeedamp» fer in Schleppkähne, die bis tief in bas Innere Deutsch­lands einbringen ,umgeschüttet. Das verbilligt bie Trans- porttoften sehr. Kein Wunder, daß das Getreide aus den überseeischen Ländern eine überstarke Konkurrenz der landwirtschaftlichen Erzeugung in Deutschland barstellt. —,

Es geht um eine ganz große Sache. Der ■ ist erreicht, wo man den letzten Versuch muß, um mit der gegenwärtigen Versals, wirkliche und verantwortungsvol m o f r a t i e zu retten und lebendig zu erta geht aber weiter darum, unverzüglich die Ma zu sichern, bie bem deutschen Volk bei weg der Rettung aus der Not erschlies wirb schwerer zu bewältigen unb folgenreicher nen, als die Not des Jahres 1923.

Reichskanzler Dr. Brü

Katholische Jugend und Reichskagswahl.

Aus den führenden Kreisen der Deuffchen Iu- gendkraft wirb dem Blatt der Jugend aus Anlaß der bevorstehenden Reichstagswahl geschrieben:

Unser Vaterland steht am Rande des Chaos. Die Volksvertreter im Reichstag haben versagt. Jnteressen- wirtschast geht vor Dolkswohl. Parteiwirtschaft, Stre­ben nach der Futterkrippe, Verantwortungslosigkeit trübt den Sinn für Gemeinschaft und Aufbau. Was sind da die Bestrebungen weniger Männer, die noch erfüllt sind von echter Siebe zum Volk, bie aufbauen unb retten wol­len? Klar und beutlich haben bie Geschehnisse im Reichstag gezeigt, baß dieser in der alten Zusammen­setzung zu einer immerwahrenden Unfruchtbarkeit ver­urteilt war. Darum begrüßen wir die Auflösung.

Der Tag der Auflösung des Reichstages war ein Tag der Befriedigung für bie große Masse des Volkes — nicht zuletzt auch für bie Jugend. Die Jugend steht mehr im Leben als man ahnt. Sie beschäftigte sich schon seit langem auch mit den Fragen der Politik. Bei ihren Zusammenkünften ist die Rede von der Familie, ihrem Aufbau und Zerfall, vom Beruf, von der Wirtschaft, von der Religion. Es wird da nicht nur vom Sport geredet, nicht nur von Freude und Vergnügen. Ernste Reden sind es, ernste Gedanken von Volkswohl und Volksge­meinschaft, von Volkszerrüttung und Volksknechtschaft. Die Jugend selbst hat sich aus dem modernisierten, tech­nisierten und politisierenden Leben die Natürlichkeit, Einfachheit, Schlichtheit, ein bewußtes Talleben erhalten. Positiv ist ihre Einstellung. Sie faßt die Wirklichkeit an, wie sie kommt. Sie mußte es, denn sie war mitten hineingestellt in die Zeit der Umwälzungen, der inneren Kämpfe. Und gerade heute heißt es, zeigen, was wir wollen. Vor allem muß die katholisch« Jugend ihr starkes Wollen, ihr Mitgestaltenwollen zeigen.

Katholische Jugend, besonders jetzt gilt der Ruf: an die Front! Wir haben am Feste Peter und Paul des Jahres 1924 in der Bonifatiusgruft zu Fulda unser Bekenntnis geschaffen, das wir nun hinausrufen, müssen in die Öffentlichkeit:

Wir wollen katholisch sein bis ins Mark.

Wir wollen jung sein, heilig unb rein, bemütig und wahr, frisch und froh.

einen glücklichen Ausgang. Jene vielleicht ibeaW^^H „die bem Zug verwandter Herzen entsprungen" k für bie Sonntagskinder trotzdem bestehen, aber fie »äs heute unb in Zukunft so selten sein, wie zu Großmi^M Zeiten.

Es ist keine Gefahr vorhanden, daß ein nie»-, nes Mädchen von heule ihre Pflichten als Frau H)en2 treu erfüllt, als unsere Mütter und Großmütter- h?* draußen im Leben wird pünktliche Pflichterfüllung langt, auch da, wo eine solche nicht immer bequem 13 Wie sollte sie nun dort, wo die Liebe die Pflicht hilfa« 1 weniger treu und beflissen fein? Die Frau, bie als chen im öffentlichen Leben gestanden hat, ist an zücht gewöhnt, weil sie stets an sich arbeiten mußte u» 1 mit der Allgemeinheit auszukommen.

Die echte Weiblichkeit werden auch die mofcer» nen Mädchen jederzeit als ihren höchsten Schmuck be­wahren, und kein wirklich echtes, wenn auch noch modernes Mädchen, wird sich die Grenzen von Moral mch Sitte selbständig erweitern. Frei soll sie der Berus M. chen, aber nicht frei von Moral und Sitte, auch nicht, wie es oft ebenso hochtrabend und albern heißt, frei mu Manne, sondern frei von Fehlern und Schwachh^^A Wir brauchen geistig starke und bewußte Frauen, die nicht angewiesen sind aus erniedrigenden Heiratsmarkt, sondern ihre Persönlichkeit nur frei dem zu eigen geben, der auch ihre Siebe besitzt, sonst aber keinem und um keiner Votteile und keiner Versorgung willen. Wir brauchen Mädchen, bie sich selbst treu sind und bie ihre heiligsten und heften ■ Güter nicht an ben Meistbietenden verkaufen; Mädchen, die es wagen, lieber allein durchs Beben zu gehen, als sich um jeden Preis einer, wenn auch oft noch so arm« . seligen Führung anzuvertrauen. Diese Mädchen MH Grundsteine reiner, ungetrübter Ehen, aus denen starke und gesunde Kräfte ausströmen in unser Volk unb Land. Und wenn einmal die gesamte Jugend sich unter das Banner dieser Sonnenkinder und Lichtbringer fielst, wenn sie mit heiligem Willen und fester Treue den Kampf um die höchsten und edelsten Güter des Lebens wagt, wenn sie mit heiliger, herzwarrner Liebe nicht nur Hand in Hand, sondern Seele in Seele ihrer gemeinsamen Hei­mat zupilgert, von wo der Ewige als seine Lichtlein sie ausgesandt, bann — ja, bann wird unsere erkrankte Menschheit wieder genesen und aus der Wirrnis einem neuen Lebensfrühling entgegengehen.

Auf, laßt die Fahnen wehen!

In vielen Gauen Deuffchlands wehen die Senner über katholische Jungen-Ferienlager, s»--; der Eifel, im Sauerland, im Wispertal bei Lorch a. in der Mark Brandenburg, im Schlesierland, im Ruhr- I gebiet und an anderen Orten. Nach stiller Vorberei­tung tritt die Reichsarbeitsgemeinschaft „Kinderwohl" in Verbindung mit einer frol)flem»|| ten Schar aus ben Reihen der Junglehrer, der sturm- icharen und jüngerer Theologen mit neun kath o u» jdjen, von jungen Priestern geleiteten Ferienla­ger n auf ben Plan. Gesicht, Eigenart und Sinn «W katholischen Zeltlager werben anschaulich dargestellt m einer soeben von der Arbeitsstelle der Reichsarbeüsgt-H rneinschaft „Kinberwohl" herausgegebenen BroschAI „Auf, laßt die Fahnen wehen!" Jeder I- tholische Erzieher, der sich der Zeit unb dem Willen unserer Jugend verbunden weiß, wird diele j Schrift mit reichem Gewinn lesen und sich dadurch em maßvolles und gerechtes Urteil über diese neue | gogffche Provinz" bilden können. Die Broschüre m durch die Reichsarbeitsstelle, Düsseldorf, Reichsstrahe S J oroie im Buchhandel zum Preise von Rm. 0.50 zu ziehen.

An lauen Abenden Konzerte im Grün, lustwandeln < Leute. Serenaden im Brunnenhos der Residenz: abgeschlossene Kulisse deutscher Renaissance.

Mozart und harsender Spitzweg. Posaunen vom 3

Aber vergessen wir nicht Nymphenburg, jene wie«■* ; einer absolutistischen Geste hingepslanzte Anlage, Manz stück fürstlichen Barocks. Hauptachse, Nebenachse! in schnurgerade Fernen. Spiegelnde Wände. Für ; frohe Bilder. Seitlich davon aber — ein Idyll der | — Wäldchen, regellose Seen, schilfige Gestade, SdjIW** | mit chinesischen Tapeten, Spieltischen, kleinen BalkM^^V köstlichem Blick auf ein Stück zarten Rasens, Busch Bach.

München — das ist mehr als Hofbräu, Paulaner _ Pfchorr, mehr als ein Bierbauch und ein breites Sp>ev^ | tum. Man mag es ein großes Dorf nennen; bann ist es das schönste, was es gibt.

München — es hat keinen Zweck alles aufzuzad^ j was es bietet — die Prunkmessen in St. Michael und __ j Allerheiligen Hof-Kirche, die Galerien, die Museen --

Ich bin in ben Zug gestiegen. Fast geräuschlos , er ab. Ich schaue zum Fenster hinaus unb mtnwM I schaue jeben Quabratmeter an, ber von mir forteut- | es wirb mir schwer, mich von ihm zu trennen, reihen sich über uns bie elektrischen Leitungen. Je w . | man kommt, desto schmaler werden sie. Ich lehne zurück und schließe für eine Weile die Augen.

Jetzt werde ich nicht mehr allmorgentlich den „ * I schreier" im Hose hören, wenn er ruft: „Birnen U. M Vierzgerl, Kirschen um a Zwanzgerl!" keine „ZenZ> . 1 fortan mit süßem Lächeln den Maßkrug vor mir Pr tieren und schweigen werden alle Laute, bie einem traut unb nachahmenswert würben. —

Schon weit liegt bie Stabt hinter mir, wie ein Sr°^ 1 Pfannekuchen über bas Plateau gebreitet, unb bie TU ber Frauenkirche verschwimmen in ber trüben Lust.

Unb in meiner Wehmut benke ich an den I zurück, ber mit feiner Maß in ber Nähe bes Bohns . | faß unb an feinem Rabi schnitt. Ich wünsche | ihm hin, ich möchte mit ihm Radi schneiden und | Salz der Freundschaft streuen. Dann würde ich 3“ sagen, als sei er die Stadt München: „Du mufit^ I verzeihen, wenn ich nicht schön von dir gedacht als ich kam. Entschuldige. Es soll nicht mehr vor | men." Und was wird er wohl darauf antworten. lögst di nida" oder „Dös mocht fei nix" oder „3 JL, di flamm!" Jedenfalls würde ich ihm die Hand kein und rufen: „Pfüat di Gott, München!"

Günther Willni& 1

Abschied von München.

Jetzt bin ich schon auf dem „Stachus". Mittelpunkt befes großen Ameisenhaufens. Schmerzenskind der Ver­kehrspolizisten. Rendez-vous aller Trambahnen. Da er­scheint die 1., ihr Schild vor der Stirn: Nymphenburg, bie 6., bie 3., bie 16., bie von Schwabing herbeigeläutet find, die 30., die ins grüne Isartal fährt und die 9., die von ber Theresienwiese kommt. Sie alle haben etwas Schweres, Behäbiges, sie fahren nicht schnell unb rollen so gutmütig wie Bierfässer. Sie läuten mir jetzt zum Abschieb unb ber Schaffner meint: „Dös wenn i g'wußt Hütt!".

Zum letzten Male lieft man bie vielen Ladenschilber, labies anb gentlemen, English spoken und pario italiano, und eine weißblaue Fahne nach der anderen entschwindet dem trauernden Auge.

Es ist merkwürdig, daß man bann, wenn man einen Ort verläßt, ber einem lange als Aufenthalt biente, an ben Tag feiner Ankunft zurückbenkt. Ja, bamals: Regen. Gassen. Schmutz. Auf bie Füße treten. „Entschuldigens!" Eine ebenso habgierige wie mürrische Wirtin. Spülwasser statt Tee. Harte Matratze. Feuchte, kalte, lärmende Nacht. Bahnhofsreminiszenzen: „Ausspucken verboten!" „Nicht hinauslehnen!". Jedenfalls schlief ich nicht, dachte nur: „München? — Schauderhaft!"

Daran denke ich zurück. Und jetzt ist wieder der Him­mel grau, der rußige Bahnhof runzelt mich an und die Leute treten mir auf die Füße. Aber ich schimpfe nicht mehr auf München; denn ich nehme Abschied von ihm und lernte es schätzen.

Diese Stadt muß man lieben; denn sie ist wunder­schön bei klarer Luft und warmer Sonne. Erst das füllt ganz die Weite ihrer Straßen, ihrer Gärten, ihrer Bau­ten. Nichts ist bei ihr das Detail, alles das Gesamt: der Raum, die Anlage. Die wunderbar zwischen Sieges­tor und Feldherrnhalle hingespannte Ludwigstraße mit dem Fluß der einfach-wuchtiaen Gebäude zu ihren Sei­ten, rauschende, wasservergeubende Brunnen auf blumi­gen Plätzen. Der heitere Schwung bes Englischen Gar­tens: Hügel, Mesen, Bäume, Wasser unb Blumen.

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