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uldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und benLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

)r. Hetz über ZenkrumspoNNk.

erkenswerke Ausführungen über häufig erörterte und wenig begriffene politische Grundfragen.

die Sozialdemokratie, so wie der törichte Herr Hu- genberg das immer wieder als Schluß seiner poli­tischen Weisheit ausposaunt, auf der ganzen Linie in die Opposition gehen ließe, wo diese heute schon mit den Kommunisten zusammen über 40 Prozent aller Wähler stellt. Aber alles hat seine Grenzen!

Dem Zentrum kann nicht zugemutet werden, daß es demokratischer sein soll als die Sozialdemo­kratie. Eben deshalb hab ich mich auf der letzten Reichsparteivorstandssitzung zu der Forderung für durchaus berechtigt gehalten, daß die Sozialdemo­kratie im Reichstag ihre ganze politische Arbeits­methode einer grundsätzlichen Aenderung unter­ziehen müsse. Tut sie das nicht, so bringt sie einen Bruch in die demokratische Phalanx, über dessen Auswirkungen sie sich nur keinen Täuschungen hin­geben soll. Und es ist auch die allerhöchste Zeit, daß ihre Kampfform dem Zentrum und seinem Kanzler Brüning gegenüber endlich ein etwas an­deres Aussehen bekommt. In einem Wahlkampf wird selbstredend scharf geschossen. Die Geschosse brauchen darum nicht vergiftet zu sein.

Die Der'.tschnationalen teilen sich mit den So­zialdemokraten in die Verantwortung für diesen Wahlkamipf. Lächerlich muß es ja auf jeden Ken­ner der Verhältnisse wirken, wenn Herr Hugenberg dem Zentrum damit Abbruch tun zu müssen glaubt, daß er ihm wegen seiner politischen Arbeitsgemein­schaft mit den Sozialdemokraten „Verrat am Christentum" nachruft. Ausgerechnet Herr Hugenberg! Dabei waren die ersten Massen­austritte aus seiner Partei damit begründet, daß die deutschnationale Volkspartei m i t ch r i st l i ch er Kultur und Sozialpolitik nicht das mindeste mehr zu tun habe. Die Hugen- bergpresse hat sich allerdings gehütet, diese Begrün­dung ihren Lesern bekannt zu geben. Und was vorgestern zu den Füßen Hugenbergs im Sport­palast gesessen hat, weiß offenbar auch nichts da­von; sonst hätte es den Verleger und Kino­besitzer Hugenberg als Bannerträger des Christentums ablehnen müssen.

Herr Hugenberg empört sich über den sozial- demokratischen Kultusminister. Die Meinung der preußischen Zentrumsfraktion über diesen Fall haben wir deutlich zum Ausdruck ge­bracht. Aber wie kommt Herr Hugenberg zu seiner Empörung, nachdem die evangelische Generalfynode unmittelbar nach der Ernen­nung des sozialdemokratischen Kultusministers durch den Generalsperintendenten Dr. Die. belius einen warmen Apell an Dr. Grimme als Glied der evangelischen Kirche gerichtet hat, und nachdem der Hugen- bergsche Lokalanzeiger diesen Apell damals in auf­fallendem Fettdruck gebracht hat.

Wir kennen die Mentalität der deutschnatio­nalen Wählerschichten den Katholiken gegenüber zur Genüge. Die Erfahrungen beim Ko n- k o r d a t werden wir nicht sobald vergessen. Und die Erfahrungen, die wir in der jahrzehntelangen Geschichte des preußischen Schulkampfes mit den Konservativen von gestern gemacht haben, las­sen unser gesundes Mißtrauen mehr als bedründet erscheinen.

Die Stellung des Zentrums als der politischen Organisation der deutschen Katholiken ist übrigens heute genau dieselbe wie früher. Die neue demokratische Staatsverfassung gibt uns zwar grundsätzliche Gleichberechtigung und breiteste Be­wegungsfreiheit. Aber was wir inzwischen durch­gesetzt haben, das haben wir uns nach rechts so gut wie nach links erkämpfen müssen. Und wir tun auf Grund einer Wäß­rigen parlamentarischen Erfahrung gut daran, un­sere taktische Stellung in diesem Kampf selbst zu wählen, anstatt sie uns von Herrn Hugen­berg aufzwängen zu lassen. Zu der letzten Rede Hugenbergs in allen Einzel­heiten Stellung zu nehmen, wäre Zeitvergeudung. Man kann Deutschlands Lage in der Welt und man kann seine eigene innerpolitische Situation nicht gut noch schiefer sehen als er es tut. Zumal die Vorstellungen, die er vom Zentrum, feiner Politik und feiner Wählerschaft hat, sind derart verschroben und vom Monde geholt, daß es keinen Sinn mehr hat, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Daß die Rechte im neuen Staat die Oppositiöns- stellung bezog, war selbstverständlich. Aber die Art und Weise, wie die Deutschnationalen den neuen Staat, seine Führer und seine Symbole vor der ganzen Welt heruntergerissen haben, und wie sie durch ihre maßlosen Verhetzungen jene gewitterschwüle Atmosphäre schaffen,ausderschließlichderMord- blitz he runterfuhr, das konnte nur dann zum Zusammengehen mit ihnen führen, wenn man aus der Not eine Tugend zu machen gezwungen war. „Es steigt etwas Neues in Deutschland auf", sagt Herr Hugenberg. Das hoffen auch wir; allerdings in etwas anderem Sinne als er. Auch wir hoffen, daß aus der Zertrümmerung der großen deutsch- nationalen Partei, die ihm so glänzend gelungen ist, ein neues staatspolitisches Gebilde entsteht, das durch die Mitte eine ganz wesentliche Stärkung erfährt. Einstweilen hat Herr Hugen­berg allerdings durch seine politische Talentlosigkeit der Sozialdemokratie zu einer Stärke verhalfen, die sie noch nie. gehabt hat. Das ist ein durch und durch ungesunder Zustand. In einem von so vielen poli- tischein Strömungen durchzogenen Staatswesen wie Deutschland darf der Staat nicht bedingungslos auf diese oder jene Gruppe angewiesen sein.

Im übrign ist die Situation in diesem W a h l - kämpf für das Zentrum ausgezeich­

In Berlin fand eine stark besuchte Kundgebung „Berliner Zentrumswählerfchllst statt, ein Auf­takt zur Wahlarbeit. Der Vorsitzende der Preus- Men Zentrumsfraktion Dr. H e ß hielt den Haupt- ! Ertrag. Er sagte u. a.:

Vorgestern hat Herr Geheimrat Hugenberg tat Sportpalast seine Programmrede gehalten, die aufaebau^ ist auf einer langatmigen Keiferei, auch wieder nicht ohne Taktlosigkeit gegen den toten i Stresimann. Die ganzen Darlegungen Hugenbergs M entweder als Ablenkungsmanöver von der scheußlichen Situation gedacht, in die Hu- aenberg die einst so stolze und starke deutschnatio- mle Opposition hineingeritten hat, oder Herr Aunenberg hat immer noch nicht begriffen, was M ihn herum vor sich geht. Das letztere halte ich nach den primitiven Ungereimtheiten seiner Aus­führungen nicht für ausgeschlossen. Ich werde auf die Rede noch zurückgreifen. Den originellsten neuen Einfall Hugenbergs aber möchte ich vorweg­nehmen. Er schlägt „für das nach Deutschland ! reisende Auslandspublikum ein paar 100 Millionen Reparationstribute" vor; denn „Deutsch­land ist ein Land, das den Fremden aus reicheren, aber minder kultivierteren Gebieten reizt". Das I ganze wäre furchtbar einfach zu machen und nur keine Sache der richtig aufgezogenen Propaganda. Dann schlage ich vor, Herrn Hugenberg als Pro - s pagandachef nach dem „minderkulti­vierten" Amerika zu schicken. Und nun zur Sache.

Es ist zweifellos eine große politische Dummheit - geraten, daß die Opposition den letzten Reichstag zur Auflösung getrieben hat. Man sollte aber den Eegnem der demokratischen Staatsidee ihre bei k solchen Gelegenheiten immer wieder vorgetragene i Weisheit nicht so gedankenlos nachbeten, daß es ■ dem deutschen Volke überhaupt an politischer Be­gabung fehlt. Denn dieser Gedanke endet regel­mäßig damit, daß die demokratische Staatsform für Deutschland nicht paßt.

Das deutsche Volk ist politisch nicht unbegabter als andere Rationen.

Das hat die ganze Art gezeigt, mit der es sich aus einem Trümmerhaufen seinen neuen Staat aufgebaut hat. Hoffentlich lernt das demokratische Deutschland endlich ein für allemal aus der törichten Politik seiner letzten Monate. Vielleicht ist es ein Fehler gewesen, daß das Zen­trum damals beim Noungplan nicht mit brutaler Rücksichtslosigkeit und auf Biegen oder Brechen an I feiner Forderung festgehalten hat, den Poungplan nur .in automatischer Verbindung mit seinen finanzpolitischen Konse - Uenzen zu verabschieden. Denn was wir so urchtet hatten, setzte unmittelbar hinterher ein: b55 widerwärtige Feilschen um Viertelprozente, ®°65 sich doch darum handelte, einem ganzen *®Ite hundertprozentig zu helfen.

Die politische Interessengemeinschaft z w i s ch en «r e i t s ch e i d und Hugenberg ist die tollste »röteste, die sich der junge Volksstaat überhaupt Wen konnte. Wenn man nicht annehmen will, Ri die Sozialdemokratie sich der Verantwortung 5*. E-jiehen wollen, bleibt ihr Verhalten einfach wtselhaft. Denn auf Grund der denkbar genauesten ; aller Vorgänge kann ich es für absolut f «h er^ären, daß Brüning die Sozialdemokratie ,™s Regierung habe hinausmanöverieren mol« Sh behaupte weiter, daß es in der So- ««wemotratie auch führende Leute gegeben hat, *c "ber den Sinn der Brüningschen Regierung wh iy.orm'ert waren. Nachträglich soll allerlei |eJ --Mißverständnisse" hinausgespielt werden. mCrtn. uian etwas nicht klar verstanden hat, soll tStarVF°$cn' statt dessen gibt man vertrauliche

?Eungen preis, deren Sinn man nicht ein« WQl begriffen Hai!

|&f1^rr Dr. Breitscheid verwahrt sich dagegen, daß Sozialdemokratie vor der Verantwortung ;nnru5” habe. Den guten Glauben eines Mannes Ilten i Stellung und Qualität Breitscheids hat ‘ »i. °h"e weiteres zu unterstellen. Andererseits Hferr- $err ®r- iöreitscheid nicht übersehen, daß hins^o^iuldemokratie in diesem kritischen Falle iNorf e^5 öum erstenmal an der aktiven Verant- i ju rHn9 — sagen wir einmal — unbeteiligt • -Urauf habe ich bereits auf dem Preußentage Mgewfes ' "'cht ohne Absicht sehr nachdrücklich

uolksparteilicher Seite ist in den letzten h»nt Q‘en wiederholt und in auffallender Form be= färben, eine Regierung ohne die itzg-^uidemokratie sei in Deutschland nach er Sache möglich. Wenn es der Sozial- E*rratte nur darauf ankommt, diese These als Bll, ® 3u beweisen, dann ist ja dieser Beweis ohne P&enn jungen. Das war aber kein Kunststück! K tnx Zentrum dieselbe These auf sich anwen- Mckli » - ' s" würde ihm auch der Beweis ihrer BjLfJteit spielend leicht fein. Wenn aber eine ihrer politischen Unentbehrlich- Mirirm r rzeugt ist, so hat sie daraus auch be- staatspolitische Verpflichtungen dem Staat r 8U ziehen. Das Zentrum hat sich nicht Eyr*' solche Verpflichtungen bis zur fe.^Se der Unpopularität in seinen KZ j.n e n Reihen, und gelegentlich ■L’*ber hinaus, auf sich zu nehmen, fc»nV*1 man das von der Sozial- ■^ra t i e nicht auch verlangen

Mache kein Hehl daraus, daß ich es für ein e” Mr Deutschland halten würde, wenn man

net. Alles, was an nicht sozialistischen, politisch ernst zu nehmenden Parteien um uns herumsteht, geht in Auslösung, in Umbildung und Verwirrung in den Wahlkampf hinein. Was dabei heraus­kommt, weiß niemand. Alles das verdankt das „Bürgertum" der glorreichen Tätigkeit des Herrn Hugenberg. Nur das von ihm so inbrünstig gehaßte Zentrum steht fest und geeint auf seinen Füßen. Und warum? Niemals ist klarer in die Erscheinung getreten, als bet den Vorgängen der letzten Mo­nate, daß die Wurzeln unserer Kraft auf der dog- menhaften Festigkeit unserer Weltan­schauung beruhen. Und so soll es bleiben!

Wirths Wahlreformvorschlag.

162 Stimmbezirke.

Das Reichskabinett wird sich in feiner Diens- tagssitznng mit dem großen Reformprogramm be­schäftigen, das dem nächsten Reichstag vorgelegt werden soll. In der Sitzung wird auch die Vor­lage des Reichsinnenministeriums über die Reform des Wahlrechts eine besondere Rolle spielen. Dr. Wirth hat nämlich seine Vorarbeiten soweit ge­leistet, daß er dem Kabinett Vorschläge unterbreiten tarnt. Sein Entwurf kann natürlich noch nicht als ein Definitivum angesprochen werden. Von einer H e r a uf s etzun.g des Wahlalters wird abgesehen, wohl nicht zuletzt wegen der damit verbundenen Verfassungsänderung, die nur mit Zweidrittelmehrheit vom Reichstag beschlossen wer­den kann.

Nach den Vorschlägen des Reichsinnenminsters soll die Wahlreform im Rahmen des Artikels 22 der Reichsverfassung durchgeführt werden. Drei Punkte sind von besonderer Bedeutung, nämlich 1. Verkleinerung der Wahlkreise, 2. Wegfall der Reichsliste, wodurch 3. erreicht wird, daß d i e Splitterparteien verringert werden. Was die Verkleinerung des Wahlkreises anbelangt, so fei zunächst darauf hingewiesen, daß es gegen­wärtig 35 Wahlkreise gibt. Die kleinsten Wahl­kreise Mecklenburg und Pfalz haben eine Bevölke­rungszahl von rund 1 Million, die größeren da­gegen, wie Ostpreußen, Westfalen-Nord und -Süd. Oberbayern-Schwaben, Franken und Württemberg eine solche von mehr als 2,5 Millionen. Diese Zahlen waren 1925 festgestellt, sind aber inzwischen überholt.

3n dem Entwurf des Innenministeriums wird nun die Bildung von 16 2 Stimmkreisen vorgeschlagen mit einer Bevölkerungszahl von 300 000. Dadurch würden bei dem gegenwärtigen Wahlalter jeder Stimmkreis mit 250 000 Wahlbe­rechtigten rund 200 000 Wähler zählen, wenn die Wahlbeteiligung zum mindesten 80 v. H. beträgt. Über diesen 162 Stimmkreisen würden aber wieder sogenannte Wahlkreise und über diesen wahrschein­lich ein sogenannter Länderkreis stehen. Diese Län­derkreise sollen die letzte Instanz zur Verteilung der Reststimmen fein. Damit wäre der Wegfall der Reichs liste erzielt. Durch die Herauf­setzung des Wahlkoeffizienten soll auch eine Ver­ringerung der Abgeordnetenzahl angeftrebt werden. Das Reichsfinanzministerium hatte schon bei früherer Gelegenheit die Zahl von 80000 vorge­schlagen, sie beträgt jetzt 60 000, sodaß man also sich auf einer mittleren Linie, vielleicht auf 7 0 000, einigen dürfte. Durch den Wegfall der Reichslifte, die eine Verminderung der Splitter­parteien im Gefolge haben müsse, hofft das Innen­ministerium stabilere Regierungsverhältnisse zu schaffen und auch die Mehrheitsbildung im Par­lament erleichtern zu können. Aller Voraussicht nach werden also, wenn der neue Reichstag den Mut zur Wahlreform endlich findet, bei der jetzigen Wahl zum letzten MalAbge- ordnete in den Reichstag gelangen, die nur auf der Reichswahlliste gestanden haben. Bei der letzten Wahl im Mai 1928 waren nicht weniger als 75 Abgeordnete auf Grund der Reichslifte in das Parlament gekommen.

In unterrichteten Kreisen hofft man, daß die ersten Besprechungen über die Reformpläne bis zum Ende der Woche abgeschlossen sind, zumal Reichskanzler Brüning infolge einer längeren Wahlreise in den nächsten Wochen von Berlin ab­wesend sein wird.

*

CND. Berlin, 19. August. (Gig. Meld.) Das Reichskabinett ist heute vormittag zu der angekün­digten Sitzung zusammen getreten, um den Ent­wurf des Reichsinnenmrnisters zur Wahlresorm zu beraten. An den amtlichen Stellen wird über die Einzelheiten Stillschweigen bewahrt; man darf aber annehmen, daß die Meldungen, die bisher in der Presse erschienen sind, den Entwurf unge­fähr richtig wiedergeben. Das Kabinett wird sich heute auch mit dem Finanzpro­gramm beschäftigen. Allerdings wird man heute nur soweit kommen, daß Reichsfinanzminster Dietrich in großen Zügen seine Pläne entwickelt, sodaß also die Ausgestaltung des Programms in den Einzelheiten späteren Sitzungen des Kabinetts Vorbehalten bleibt. In den politischen Kreisen rechnet man damit, daß die Beratungen des Ka­binetts den ganzen Tag in Anspruch nehmen wer­den.

Zeukrums-Reichsliste.

Im Reichstage trat der Reichspart eivor- ftanb der Zentrumspartei zusammen, um die letzten Vorbereitungen für den kommenden Wahlkampf zu treffen. Die Verhandlungen wür­ben vom Vorsitzenden, Prälaten Kaas, geleitet.

Die vom Parteivorstande beschlossene Reichs­liste trägt folgende Namen:

1. Reichskanzler Dr. Brüning.

2. Prälat Dr. Kaas.

3. Reichskanzler a. D. Dr. Mar x.

4. Reichsinnenminister Dr. Wirth.

5. Geh. Finanzrat a. D. Bürgers, Köln.

6. Oberkehrer Hofmann, Ludwigshafen.

7. Ministerialrat Wegmann, Oldenburg.

80—90 Mand. 70—80 ,, 40—50 „ 30—40 „ 30—40 „

Zentrum und Bayr. Dolksp. die konservativen Gruppen Deutsche Staatspartei Deutsche Volkspartei Wirtschaftspartei

* Glückwünsche des Reichstarizlers an Staats­sekretär z. D. Lewald. Der Reichskanzler hat zu­gleich im Namen der Reichsregierung dem Präsi­denten der Hochschule für Leibesübungen, Staats­sekretär z. D. Dr. Lewald, zur Vollendung des 70. Lebensjahres telegraphisch die herzlich­sten Glückwünsche übermittelt.

* Lustgesetz erst in zwei Jahren. Das Reicks- verkehrsministerium hat sich jetzt bereit erklärt, Die Schaffung eines Luftamtes nach Möglichkeit zu be­schleunigen. Ein solches Luftamt ist bereits im neuen Luftgesetz vorgesehen, das an die Stelle des im Jahre 1922 geschaffenen treten soll. Wie die „Vossi Ztg." mitteilt, werden aber noch mindestens zwei Jahre vergehen, bis dieses neue Luftgesetz in Kraft treten wird, weil bei der verhältnismäßig jungen Materie des Luftverkehrs noch mancherlei rechtliche Schwierigkeiten zu überwinden find, da das neue Gesetz dem internationalen Lustrecht an­gepaßt werden muß.

Kommunisten Hugxnbergianer Nationalsozialisten

* In Polen scheint es augenblicklich auch nicht gerade gemütlich zuzugehen. Bei der Grundstein­legung eines Arbeiterhauses in Warschau hielt der Sejm-Marschall Daszynski eine Rede, die vom „Robotnik" veröffentlicht wird. Dar Elend, so führte Daszynski aus, hätte Polen gegenwärtig feinen Stempel aufgedrückt. Der Kauf- mann banterottiere, Fabriken würden geschlossen und bie Staatsbeamten hungerten. Aber zur glei­chen Zeit sei der Sejm geschlossen und die Regie­rung schweige. Ob ein friedlicher Ausweg aus bie» er Situation gefunden werden könne, hänge zum großen Teil von Pilsudski ab. Daszynski übte bann eine scharfe Kritik an bem heutigen Regierungs­ystems Polens, bas Verbrechen und Rechtlosigkeit erzeuge. Polen werbe regiert, als ob es ein im Kriege besiegtes Land wäre.

* Demission des spanischen Finanzministers. Aus Mabrid wird gemelbet: Finanzminister Ar­guelles ist zurückgetreten.

insgesamt 250—300 Maud.

Diese Wahlkalkulation ist in mehr als einer Hinsicht äußerst interessant. Sie zeigt vornehmlich, baß gegenwärtig die Aussichten der Regierungs­parteien und der Opposition ungefähr gleich sind. Sie halten sich die Wagschale. Die Frage ist jetzt bie, wer bas Uebergewicht gewinnt und sich im Wahlkampfe so burchsetzt, daß er am 14. Septbr. den Sieg erringt. Wenn die bürgerlichen Par­teien, vornehmlich bas in sozialer und staats- politischer Hinsicht fortschrittlich gesinnte Bür­gertum, am Wahltag nicht unter bie Räber tom* men will, bann wird es allmählich höchste Zeit, daß es aus seinem politischen Schlafe erwacht. Ein Wahlerfolg ist für die Regierungsparteien aber nur dann möglich, wenn es gelingt, die politische R e- feroearmee, die in einer Störte von über 10 Millionen Wählern vorhanden ist, zu mobilisieren.

Wahlaufruf der Konfervakiveu.

Die Konservative Volkspartei veröffentlicht jetzt ihren Wahlaufruf. Die Konservativen fordern Wehrfreiheit als die Voraussetzung echter Staatshoheit.

„Wir bringen auf eine Revision der Tributla- ften", heißt es in dem Aufruf, unb „auf bie Wie- bergutmachung ber ungerechten Grenzziehung im Osten." Dazu Abrüstung ber Siegerstaaten zur Herstellung ber Rüstungsgleichheit, „Befreiung von jedem moralischen Makel". Die Reichsgewalt soll gestärkt, aber das geschichtlich und landschaftlich begründete Eigenleben der deutschen Stämme be­achtet werden. Agrar- und Osthilfe und ber Schutz bes selbstständigen Gewerbes werden gefor­dert.

Zum Schluß heißt es: Wir lehnckn es ab, einem ringenden Volke und einer suchenden Jugend die Steine zukunftferner Versprechungen anstelle bes Brotes pflichterfüllter Arbeit zu reichen.

insgesamt 250—300 Mand.

2. Oppositionsparteien: Sozialdemokratische Partei 140—150 Mand.,

Wahl-Kalkulation.

Viel mehr als bei uns pflegt bei den Angelsach­sen das Wahlergebnis während des Wahlkampfes kalkuliert zu werden. Es ist eine ganz selbstver­ständliche Erscheinung, daß das Aus und Ab der Wahlbewegung in den angelsächsischen Wahlkalku­lationen regelmäßig zum Ausdruck kommt. Auch bei uns scheint sich langsam das angelsächsische Ver­fahren einzubürgern, wenngleich wir noch längst nicht so weit sind, daß Wetten, eine Art Totalisator- Betrieb, für das Wahlergebnis eröffnet werden.

Dafür spricht wenigstens eine vergleichende Sta­tistik des Wahlergebnisses, die gegenwärtig in Ber­liner politischen Kreisen zirkuliert. Sie steht also

1. Regierungsparteien:

8. Florian Glöckner.

9. Fräulein Dr. Peerenboom, Düsseldorf.

10. August Winkler, Vorsitzender des Reichsjugend­ausschusses ber deutschen Zentrumspartei,Köln.

11. Kuhnen, Vertreter des Saarzentrums.

12. Generalsekretär Vockel, Diaspora.

13. Bauer-Lübke, Vertreter der Kleinbauern.

Da die ersten vier Persönlichkeiten auch in den Wahlkreisen an sicherer Stelle kandidieren, werden höchstwahrscheinlich die nächsten? ande­ren Persönlichkeiten der Reichsliste in den Reichs­tag einziehen.

50— 70 „

30—40 N

30— 40 „

Mittwoch, 20. August 1930.

57. Mk,

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Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- .. leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::