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NILS

17. August

Beilage zur Fuldaer Zeitung

MW W

®ie Sotffinher über Jeden denken.

Kinderaufsätze sind reizvolle Dinge, wenn sie wahr £7?" ®er von UNS hätte früher gewagt, zu schreiben, von "Echt gern in die Schule ginge? Oder daß er nichts »ä r-cr ^beit wissen wolle? Das wäre wohl kaum Such gewesen, denn ein Kind hatte gern in die Schule Sehen und gern zu arbeiten.

schreiben die Kinder frischweg, wie es ihnen Vie uEst« und darum sind so manche ihrer Aufsätze tun t « e ^enfterlein, die uns einen Blick in ihre Seele z» ,n' Uni) einige solcher Fenster möge die folgende nglose Auswahl von Aufsätzen aus einer Dorfschule

ta ®uten Tag, ihr Ferien! Jetzt kommt ihr bald, und U, 9Qbe schon lange gelauert auf euch. Ich habe mich nickt D°r*9e A^oche gefreut, denn in die Schule gehe ich Serne. Ich kann gar nicht die Zeit ablauern, so freue E . 'ch- Jetzt freut man sich, daß es Ferien gibt. Wenn finb sind' ist man zornig, weil keine Ferien mehr Niel.' D'sto mit Allem. Die Schule ärgert mich sehr fiern ~®nn man muß aufpassen, und das tue ich nicht " Lieber lege ich mich ins Bett.

fa (i ^d)on lange warte ich auf die Sommerferien, denn »eis, b* am schönsten und längsten. Ich will auch das sitzen 7°,tn abmachen helfen. Wenn man in der Schule soll und hört unten auf der Straße die Maschinen, g mirb es einem langweilig. Ich freue mich auf im fi5ta9 lWenn dann die Schule aus ist, dann geht es kan»n ben Rain hinunter, und ich denke:So, jetzt *>a4 6 U ba °ben allein sitzen". Mit Freuden geht es Wenn man auf das Feld kommt und sieht, fast t ^eute weiten und die Lerchen in der Morgen- r r,Uern, dann bekommt man guten Mut.

| ' ^ch freue mich sehr, daß es Ferien gibt, denn da

V«s bedeutet ms Schul,emetuschast.

Bon Egidius Post.

Wort Gemeinschaft hört und liest man heute so so mannigfachen Verbindungen, daß böse Zun- »i* ",r,it3 behauptet haben, dies wäre das sicherste An- P." bafür wie wenig Gemeinschaft und Gemein- Lnnn lebendig seien. Denn jede Zeit spräche am en von dem, was sie nicht oder nicht mehr besitze, mi- dem auch sein mag, es scheint doch, als ob Gemein- schast ein köstliches Gut sei, das eine nähere Betrachtung lohnt

Woran denken wir eigentlich, wenn wir dieses Wort -»brauchen? Halten wir z. B. das für eine Gemeinschaft, ' wenn sich Leute zusammentun, ein geschäftliches Unter- «firnen in die Höhe zu bringen? Da steckt der eine sein : Jjjrmögen der andere seinen Namen, der dritte und »ierte seine Kenntnisse und Erfahrungen, der nächste und bie noch folgenden ihre Arbeitskraft, ihre Geschicklichkeit und was weiß ich alles hinein. Das alles sieht schön nach Gemeinschaft aus. Was aber wollen sie alle miteinander ^wahrscheinlich? In erster Linie Geld verdienen, eine hohe Rente herauszuwirtschaften, womöglich andern Unternehmungen den Rang ablaufen, um aus Wettbe- werb und Wettkampf als erste hervorzugehen und damit maßgebend und garallmächtig" zu werden.

Diese Arbeits- und Werkgemeinschaft, wie wir sie ein­mal nennen wollen, wird von Beweggründen geleitet, die bch nach Maß, Zahl, Geschäft, Gewinn, Nutzen und Scha- den bestimmen lassen. Man verfolgt einen ganz zwei­deutigen Zweck, und alles geht gut, solange die Geschichte klappt und dieser Zweck erreicht wird. Wenn es aber eines schönen Tages nicht mehr klappen sollte? Was dann? Dann zieht man sich möglichst beizeiten zurück, und wer den Braten zuerst gerochen und rechtzeitig sein Schäfchen ins Trockene gebracht hat, der wird als der Schlaue angesehen und darobbewundert". Er lacht schließlich dieDummen" aus, die die Zeche bezahlen müssen. Nicht wahr, Leute, die so handeln, sind gar nicht ©fieber einer Gemeinschaft, sondern nur Teilnehmer einer Gesellschaft, die von ganz anderen Gesetzen getragen und von anderen Kräften geformt wird. Die Gesellschaft be­steht eines Zweckes willen und lebt aus reinen Vernunst- erwägungen, die Gemeinschaft aber verwirklicht einen Sinn, der jenseits des nüchternen Verstandes sein Reich besitzt.

Es dürfte klar sein, daß hier der Deutlichkeit zuliebe bas Bild der Gesellschaft und des geschäftlichen Unterneh­mens besonders kraß und einseitig gezeichnet worden ist. Wir wissen alle aus der Erfahrung, daß es genug gesell­schaftliche Unternehmungen gibt, die von durchaus ge­meinnützigem Geist durchdrungen sind, die keinen auf die Straße setzen, wenn es nicht unabwendbar nötig werden foltte. Beide, Gesellschaft und Gemeinschaft, müssen sein, jede aus ihrem Platze. Das gesellschaftliche und das ge- meinschastliche Denken besitzen beide ihre Berechtigung und müssen einander ergänzen und berichtigen.

Sehen wir uns einmal in einer Gemeinschaft um! Da ist eine Familie. Vater, Mutter und Kinder sind nicht aus geschäftlichen Erwägungen zusammengekommen. Die geheimnisvollen Mächte der Liebe gestalten sie und schaffen aus der Familie die Arbeits-, Schutz- und Geistesgemeinschaft, kurz, die Le­bensgemeinschaft. Diese Familie trifft ein Unglück, ein so schweres, daß der kalte Menschenverstand sagen müßte: Nein, hier ist meines Bleibens nicht länger, anderswo kann ich es besser haben als bei der kranken Mutter, dem arbeitslosen Vater, dem gebrechlichen Sohn, der leichtfer­tigen Tochter. Ich wandere aus, lasse Eltern, Geschwister, Familie im Stich, oder ich jage zum Hause hinaus, die mir Kosten und Verdruß machen! Würden wir ein Glied ~er Familie, das so dächte und handelte, auch bewundern, schlau heißen, oder würden wir es niederträchtig und ge- tnein nennen? Wollten wir als anständige Menschen ^>t so einem noch was zu schaffen haben? Gerade in der Rot bewährt sich die Gemeinschaft, sei es die Gemein- fchaft der Familie, der Nachbarschaft, des Dorfes, derOrts- pnd Pfarrgemeinde, des Volkes. Eine Gemeinschaft lebt was Gewissen und Verantwortung, aus den Kräften des Glaubens, der Treue und gegenseitigen Hingabe. Wie sich einer neidlos mit dem andern freut, so leiden alle Zueinander und spürt dessen Not als eigene Not.

Wer also von Schulgemeinschaft spricht, wird daran enken, daß dem Lehrer seine Schule und seine Kinder ehr als bloße Erwerbsgelegenheit bedeuten, daß sie ihm '«mehr, wie in der echten Familie, eine heilige Aufgabe Ino, woran er sich Himmel und Hölle verdienen kann.

daran denken, daß euch Eltern die Schule und Zuletzt Lehrer und Lehrerin auf euer Gewissen ge- "ud, und daß der Lohn, den sie ausbezahlt bekom­

men, euch nicht der sittlichen Mitverantwortung für beide entheben kann. Er wird auch daran denken, daß bür­gerliche und kirchliche Gemeinde ihre großen Pflichten der Schule gegenüber haben, die ihnen auferlegen, ihr zu geben, was ihr gebührt. Noch sinnen Schule und Schul­gemeinde ein wenig darüber nach, was sie einander schul­dig sind, sie wissen zu wenig voneinander, obschon es kaum allzu große Schwierigkeiten verursachen könnte, sich besser kennen und mehr achten und lieben zu lernen.

Ein Beispiel zur Erläuterung. Nehmen wir an, eine Schule mache einen weiten Ausflug, meinetwegen zu Schiff. Die Eltern sind eingeladen, mitzutun und viele sind dem Ruse mit ftoher Erwartung gefolgt. Was würden wir nun sagen, wenn etwa die Lehrer die gün­stige Gelegenheit benutzten und die ganze Reise hin und her sich zurückzögen und miteinander Karten spiel­ten: es sind ja Eltern genug da, die können ja auf» passen! Du wirst ganz entrüstet meinen: So etwas kann gar nicht Vorkommen, und ich bin ganz deiner An­sicht. Wer möchte wohl die Schulgemeinschaft auf eine solch schwere Probe stellen und Mißbrauch mit ihr trei­ben? Und was hätten wir zu sagen, wenn in einer Gemeinde der oder die Lehrer sich redliche Mühe gäben, eure Kinder zu ganzen Menschen zu machen, wenn sie sich Mühe gäben, mit euch Eltern gemeinsam um ernste Fragen der Erziehung und Bildung zu ringen, und ihr würdet bann ausbleiben: Ach Gott, laßt uns doch in Ruhe, ihr Herrschaften tut ja doch, was ihr wollt! Nicht wahr, das wäre eben so schlimm, wie das andere und sollte eben so wenig vorkommen.

Wer einmal des Geistes rechter Gemeinschaft Inne» geworden, wer den Geist auch der Schulgemeinschaft begriffen hat, der ist nicht verlegen darüber, was zu ihm gehört, wie sie sich äußert und betätigt. Das letz­tere ist ja das Wichtigste. Diese Beilage zu eurer Zei­tung ist doch eigens gegründet, um Gelegenheiten und Verwirklichungen der Schulgemeinschaft zu zeigen. Sie glaubt mit aller Ueberzeugtheit, daß nur die Gesinnung der Gemeinschaft unsere Schule wirklich und von innen her zu fördern und zu verbessern vermag. Sie wird sich nicht davon abhalten lassen, die Schwierigkeiten auf diesemWege zu erkennen und zu Helsen, sie auszuräumen. Darüber müssen wir uns klar sein: Hier liegt eine große Aufgabe vor uns, die wie alle Aufgaben nicht mit Weich­lichkeit zu lösen ist und die uns keine Annehmlichkeiten

verspricht. Wer Ja zu dieser Ausgabe sagt, wird be­herzt und doch behutsam zugreifen und nicht lange war­ten, daß und ob die Gegenseite den ersten Schritt tut.

Schulgemeinschaft kann nicht verordnet und erzwun­gen werden. Sie muß und wird wachsen überall da, wo Menschen zur Verantwortung erwacht sind.

Die Schulklasse als Arbeiks- und Bildungs-Gemeinschaft.

Von Jos. Mertens.

Manchem mag es so scheinen, als ob die Tatsache, daß die Kinder zu 30 und 40 in einer Klasse zusammen unterrichtlich und erziehlich betreut werden, nur eine Notlösung sei. Es wäre bann bas Vollkommenste, daß, wenn Staat und Volk oder die Eltern Geld genug dazu hätten, jedem Kinde ein eigner Lehrer bestellt würde. Man möchte jedoch kaum wagen auszusprechen, wohin es nach solchidealen Wegen" mit unserem Volke gehen würde. Jnbezug auf da sWissen und Können der Schü­ler würde ein starker Rückgang eintreten; die Erziehung würde. Jnbezug auf das Wissen und Können der Schü- sammensein mit andern Kindern liegt, verlieren. Es ist daher nicht uninteressant, dem verborgenen fiebert und gegenseitigen Fördern und Helfen einer Schulklasse in ihrer Bedeutung für den Unterricht und die Erziehung etwas nachzugehen.

Wenn in den Schulakten steht, die Schulklasse hat 30 Kinder, so ist bas für bie Bürokratie richtig, päda­gogisch ist es zumindest eine unpassende Ausdrucksweise. Ebenso, wie man nicht sagt, der Mensch besteht aus 20, 30 oder wer weiß es wieviel Gliedern, oder eine Familie ist die Zusammenfügung von 4, 5 ober 6 Men­schen, so ist auch eine Schulklasse nicht eine Summe von 30 ober 40 Kindern. Sie ist ein Ganzes, ein geistig, in der gemeinsamen Aufgabe des Unterrichts und der Erziehung Zusammengewachsenes; sie ist ein lebendiger Körper, wie der Mensch, sie hat wie dieser ein geistiges Zentrum, Herz und Glieder. Sie hat etwas Familien­haftes in sich, ein Zusammen-, Mit- und Füreinander- leben ist in ihr, wenn auch in verschiedenen Klassen in [verschiedenem Grade. Es ist Aufgabe der gesamten Ar­beit und des ganzen Schullebens, diesen familienhaften

Liebe Mutter!

Zunächst möchte ich Dir ein kleines Erlebnis meiner Kinderzeit erzählen. Mitten in einer Herbstnacht ertön­ten in unserem Dorfe bie Glocken, es brannte. Schnell eilten auch wir Sinber dazu. Grausig schön war es uns, bie Flammen so lichterloh gegen ben dunklen Nachthim­mel emporlobern zu sehen. Unter einem Nußbaum sahen wir ben alten Vater ganz gebrochen sitzen, neben ihm stillweinenb feine erwachsene Tochter. Als wir Kinber uns näher heranwagten, konnten wir beobachten, wie viele fleißige Hänbe sich regten, um zu helfen. Einen ber helfenben Männer kann ich heute noch nicht vergessen. Er stieg in bie Fenster, er ftanb mitten im Qualm. Un­ermüdlich reichte er einen Sack Korn nach dem andern aus dem brennenden Hause. Wo die Arbeit am schwer­sten und gefährlichsten war, da war er zu finden. Und als wir Kleinen im Morgengrauen noch einmal zur Brandstätte eilten, da war ber Mann noch immer am Werk.

Von ber Stunde an schaute kch mit stiller Bewunde­rung auf zu diesem Mann. In der Nacht hatte ich erlebt, wie rechte Dorfgemeinschaft sich auswirkt in der Stunde der Not, und in diesem Manne schien mir die Nächsten­liebe und Hilfsbereitschaft verkörpert. Noch heute habe ich mir dieses Bild von ihm bewahrt, zumal er später bei Arbeiten in Wiese und Feld noch oft bewies, daß er das Herz auf dem rechten Flecke hatte.

Zu diesem Gemeinschaftssinne, der in der Stunde der Not sowohl als auch im Alltage hilfsbereit ist, sollen wir unsere Kinder erziehen, heute mehr denn je. Du in der Familie, ich in der Schule. Wie ich es versuche, will ich Dir zeigen.

In meiner Klasse sitzen 37 Sechs- und Siebenjährige, dazu 12 ältere Mädchen ber Oberstufe. Daß bie Kleinen befonbers nach Ostern sich recht brollig ober recht unge­schickt benehmen, ist klar. Aber Auslachen wäre Gift. Da versuche ich ben Großen in ruhiger Ueberlegung klarzu­machen, wie weh bas Verspotten und Verlachen tut, und aus diesem Bewußtsein heraus nehmen sie sich sehr zu­sammen. Da ist der kleine Viktor, dem fällt namentlich das Schreiben in die Linien so schwer. Ich selbst kann ihm nicht immer helfen, weil noch so viele andere auf

mich warten.Wer will dem kleinen Viktor beim Schrei- ben helfen?" Mit Freuden sind die Mädchen dazu bereit. Gerade in der Mithilfe den Kleinen gegenüber bieten sich taufend Gelegenheiten, bie Kinder zur Hilfsbereitschaft zu erziehen. Auch bas muß ben Großen in ruhiger lieber» legung klar werben: Wenn wir uns nicht fügen, barf man es niemals von ben Kleinen erwarten.

Wir finb beim Spiel. Es wirb ben Kleinen schwer, einen Kreis zu machen. Die Großen helfen ihnen, inbem sie sich unter ihre Schützlinge mischen, so baß jebe von ihnen zwei bis brei Kleine um sich hat.

Es ist November. So ganz still unb heimlich kommen die großen Mädchen zu mir:Kommt der Nikolaus auch wieder in die Schule?"3a, das weiß ich nicht, das müßt ihr wissen".Wir gehen sammeln. Wir backen. Wir machen die Düten. Wir lernen Lieder unb Gedichte". Und nun ist es eine helle Freude, ihnen zuzusehen, wie sie mit Eifer von Haus zu Haus eilen, die Gaben einzu­sammeln, wie sie 4 Wochen nacheinander jeden Dienstag in ber Kochstunbe formen unb backen, unb erst recht groß ist ber Eifer ein- ober zwei Tage vor ber Ankunft bes heiligen Mannes. Da können bie Englein, bie bem Christkinb bei den Weihnachtsoorbereitungen helfen, nicht schaffensfreudiger fein.

So ergeben sich Gelegenheiten, in treuer Hilfsbereit­schaft zueinander zu stehen, wohl täglich genug unb über­genug. Unb boch frage ich mich oft mit bangem Zagen, ob biefer Geist auch über bie Schulmauern hinaus in ihnen wach bleiben wird. Unb in manch einem Gebet er­bitte ich Stärkung dieses Geistes für alle, die einmal vor mir in diesen Schulbänken gesessen haben und für die ich vor Gott verantwortlich bin.

Am Schluß meines Briefes hätte ich aber an Dich, liebe Mutter, eine Bitte. Schon manchesmal habe ich Dir und Deinen Mitfchwestern in dieser Zeitung geschrie­ben. Wie fein wäre es, und wie würde ich mich freuen, wenn ich auch einmal einen Brief von euch in Händen halten dürfte. Dann würden auch wir allmählich zu einer Gemeinschaft verwachsen.

In dieser Hoffnung ein herzliches Grüß Gott!

Eure Landlehrerin.

kann man sich richtig ausschlafen und kann auch mehr spielen als sonst. Ja, die ersten Tage geht es schon. Dann aber muß man mit ins Feld. Da ist der schöne Spaß schon vorbei. Da möchte man gern wieder in die Schule, denn da braucht man morgens nichts zu schaffen. Wenn es den ersten Tag in die Schule geht, freut man sich. Ader bann möchte man wieder gerne Ferien haben.

4. Ich freue mich, daß es bald Ferien gibt, denn da kann man sich einmal richtig ausschlafen. Einmal sagte ich zu meiner Mutter: .Wenn es erst Ferien gibt, schlafe ich jeden Tag bis zehn Uhr". Sie antwortete mir aber nicht schön, denn sie sagte:Um zehn Uhr bist du schon auf der Weide gewesen". Da sagte ich zornig:Wozu haben wir denn Ferien bekommen?" Sie sagte lächelnd: Damit du morgens an die Kuhweide fahren kannst".

5. Ich freue mich gar nicht, denn man muß morgens früh heraus und muß schaffen helfen. Wenn mich mein Vater so früh ruft, dann murmele ich immer:3a, mor­gens muß man immer gleich aufftefjen und muß helfen, und abends kommt man nicht ins Bett, bis die Katze kräht". Wenn ich nun glücklich heraus bin, muß ich auch gleich den Schleifstein drehen. Da verziehe ich schon das Gesicht, daß man meint, ich hätte Mäuse verschluckt.

6. 3ch bin so zornig, daß es Ferien gibt, denn da muß man viel schaffen. Aber ausschlafen tue ich boch erst. Wenn ich an bie Gänseweibe fahren barf, bin ich glücklich, sonst will ich nichts von ben Ferien wissen. Viel Freube herrscht im Herzen, wenn ich aber an bie Arbeit denke, vergeht mir ber ganze Spaß.

7. 3ch freue mich nicht auf bie Sommerferien, benn man muß Seile binden und das Kornfeld rechen. 3eben zwei­ten Morgen muß ich Klee holen, bazu muß ich früh auf» stehen. Ich wollte lieber bie ganzen Sommerferien ben Winter haben, benn ba kann man länger schlafen und kann Schlitten fahren. Da geht es viel schöner als im Sommer, -w.

Franz.

Von 3oseph Bremer.

Franz ist ein kreuzbraver Kerl, so kreuzbrav unb ehr­lich, baß es mich fast traurig macht, wenn sich Ostern bie Schultüre hinter ihm schließt und unsere Wege aus- einanbergehen. Nur ein Jahr ist er aus ganz befonberer Hulb unb ©nabe Schüler ber Obertlaffe, damit ihn ins Leben das erhebende und schöne Gefühl begleitet: Auch ich war ein Schüler der Oberprima! Franz lieft zwar geläufig, versteht jedoch nicht viel mehr von bem Gele­senen, als ber Kämmerer von Aethiopien von der heili­gen Schrift. Die allereinfachsten Rechenaufgaben machen ihm unendliche Schwierigkeiten. Einen kleinen Satz selb­ständig formen und niederschreiben, ist für ihn eine an­erkennenswerte Leistung. Franzens Bufenfteund, ber DurchfchnittsfchülerWllhelm, kommt tagtäglich zu ihm ins Haus, um nach bes Schultagewerkes Last unb Mühe mit ihm in kameradschaftlicher Arbeitsgemeinschaft die Schul­arbeiten zu erledigen. 3n der Schule sitzen bie beiben nebeneinander, damit die Brosamen, die der magergeistige Franz zu seinem wissenschaftlichen Leben nötig hat, im­mer vom nämlichen geistigen Nährvater kommen.

Mehrere Monate ist Franz auf keine einzige meiner noch so kindertümlichen Anregungen eingegangen und hat auf keine meiner Fragen geantwortet. Wenn ich ihn etwas fragte, stand er mit freundlichem Lächeln auf, ließ seine Denkerstirne leuchten, wandte die Augen zur Decke, als wolle er inbrünstig Kraft aus der Höhe herabrufen, und verharrte so in hartnäckigem Schweigen. Er blieb stumm wie ein Fisch. Sein Gesicht glänzte aber geradezu wie verklärt, wenn er sich wieder setzen durfte. Endlich, endlich, nach langer, langer Zeit geschah bas Unerwartete. Franz sollte einen deutschen Minister nennen, ber stets an ben Verhanblungen mit unseren Gegnern aus bem

Geist, bas Gefühl, eine kleine Gemeinbe zu sein, immer stärker und tiefer zu bilden.

Der Lehrer gehört zur Schulklasse, in den Akten müßte es darum richtig heißen, 40 Kinder und ein Lehrer. Er gehört zu ihr, wie Vater und Mutter zur Familie gehören. Das ist ein Geheimnis der echten Lehrerpersönlichkeit, daß sie, ob Mann ober Frau, vä­terliches unb mütterliches Wirken aus einer Person gibt Der Lehrer ist bie Seele unb zugleich das antrieb­gebende Herz in diesem Körper Schulklasse, er ist der zielweisende, sorgende unb verantwortliche Vater und zugleich die liebevoll pflegende und betreuende Mutter der Familie Schulklasse. 3n ihm ist ein lebendiges Bild von dem, was er will, er trägt den Wegplan in sich mit den Straßen unb Wegen, bie zu biesem Ziele füh­ren, er trägt bas Material in seine Klasse hinein, mit bem soviele Bilder wie Kinder da sind und ein großes Bild, dasFamilie, Volk, Menschheit" heißt, gestaltet werden sollen.

Wo solch ein Lehrer, ein Geist, ein Herz unb eine Liebe ist, ba regt es sich in den Gliedern, in jedem nach seiner Art. Unb bas ist wichtig, daß viele Arten von Gliedern, von Kindern, nach geistiger und körper­licher Anlage, nach Temperament, nach sozialer Her­kunft unb kindgemäßer Erfahrung in einer Schulklasse zusammen finb. Von ihrem geistigen Zentrum unb Herzen in lebenbigen Antrieb gesetzt, setzt jenes leben- bige Schaffen, Formen unb Gestalten ein, wie es sich bei ben Gliedern des Leibes vollzieht, wenn eine ge­sunde Seele und ein starkes Herz in ihm wohnt, da kom­men jene frohen und freudigen Stunden der Arbeit und Feier, wie sie in der Familie entstehen, in der gesunde Liebe Mit- und Füreinanderleben zu Hause ist. Der Kluge und Begabte stürmt voran, ber Schwächere hAt ihn auf, baß alles in der guten Mittelstraße bleibt; der Tüchtige und Fleißige wird zu lebendigen kindgemäßen Beispiel, das die Mittelmäßigen und die Letzten mit­zieht; der Willensstärke und die Führernatur ziehen eine Gefolgschaft auf unb an sich, unb Arm und Reich sehen unb verstehen sich unb lernen miteinanberleben.

Eine Schulklasse, in ber ein guter Geist der Gemein­schaft lebendig geworden ist, schließt sich nicht wie ein Fremdkörper ab, sie hält treue Nachbarschaft zur Fa­milie, zur Gemeinde und zum Volk. Die ersten Keime anteilnehmender Liebe und freudigen Mitwirkens macht sie in sich lebendig und pflegt und hütet ihr gutes Wach­sen.

So ist eine Schulklasse eine Familie, ein lebendiges kleines Kindervolk, sie ist ein Abbild, eine Zelle unb Wiege, in der unser großes Volk in der Zukunft leben­dig werden kann und muß.

Heiteres aus der Schute.

Es fft Bei den Kleinsten. Sie haben gerade Singen unb unterhalten sich mit dem Lehrer über die Lieder, die ihnen am besten gefallen. Dabei kommen sie auch auf die Kirche und das Orgelspiel, und treuherzig meint ein Mädchen:Tm mußt aber auch einmal spiele», Eine Kugel kam geflogen; das höre ich so gern!"

*

Der Lehrer sitzt am Pulle und wartet auf bie Beendigung einer schriftlichen Arbeit. Sein Blick fft anscheinend gleichgültig geradeaus gerichtet. Ab und zu ruft er einen Schüler Beim Namen, der ein Schwätzchen Beginnen, ab sehen, unter der Bank verschwinden oder umgaffen will. Die Schüler schauen ihn an wie einen Zauberer, der alles sieht, ohne daß er hinzuschauen braucht. Auf seine Frage, wie dieses Kunststück wohl möglich fei, erhebt sich ein Dreikäsemann und antwortet keck und kühn,Das fft doch ganz einfach! Sie gucken scheel!» e :

Der Lehrer sieht die Hausaufgaben durch. Heinrich scheint ihm mit fremder Hilfe gearbeitet zu haben. Zn seiner Familie gehört em Bruder ber Mutter, ber sich dann und wann seiner wissenschaftlichen Not amnmmt. So war es auch in diesem Falle. Ans die Frage, wev ihm geholfen habe, antwortet Heini schallend und kreuz- ehrlich,Mein Schwiegervater!»

Die Lehrerin mahnt die Kleinsten zur Ruhe. Ms sie zum zweiten Male mahnen muß, entfliegt ihr die furchtbare Drohung:Wenn ihr nicht ruhig seid, holt euch der Kuckuck!" Hilarius entwaffnet sie mit der schlagfertigen Antwort:Fräulein, das ist aber nicht schlimm, den kleinen Kerl schlagen wir tot!»

*

Lehrer?Wer kann mir sagen, was ein Saurier fft?" Die kleine Sascha (nach einem Moment des Nachden­kens):Der Saurier ist ber Mann von der Sau!"

Weltkriege teilnimmt. Und siehe ba! Franz stayb auf, sah mich an wie ein Mensch mit einem erstklassig guten Gewissen, öffnete feinen bis bah in stummen Mund und sprach wissend und weise: Der Finanzminister I

Der Finanzminister muß wahrhaftig ein sehr volks­tümlicher Mann sein, wenn sogar der Franz ihn kennt! Vielleicht aber ist dieser Name auch deshalb in Franzens Ohr haften geblieben, weil Finanz und Franz so schon zusammenklingt. Kurz und gut, ich ließ den Franz wegen dieser Glanzleistung an mein Putt kommen unb klopfte ihm mit ausgesuchten Lobesworten auf die Schütter, wie man einen treuen Gaul klopft, der gut im Geschirr geht. Das war mehr, als Franz erwartet hatte. Sein Gesicht strahlte wie eine arme Seele, die nach langer Pein ins Himmelreich eingehen darf. Die Augen aller seiner Mit­schüler verklärten sich in ehrlicher Mitfreude.

Einige Tage später klagte der Franz mir ein meer- tiefes Leid. Ein böser Mund habe ihn Finanzminister geschimpft. Busenfreund Wilhelm aber erklärte mir, daß der Franz selber schuld daran fei, weil er diesen Namen oft lächelnd unb wie im Traum vor sich hinmurmele. So sehr also hatte ihn bie richtige Antwort auf meine Frage gefreut! Ich habe Sorge getragen, baß kein loses Maul fürderhin diesen Ehrennamen entehrte.

Seit diesem wichtigen Geschehnis in Franzens arm- geistigem Leben gelang ihm überraschend oft eine brauch­bare Antwort, die natürlich jedesmal gebührend gelobt und belohnt wird. Franz ist in zwölfter Stunde ein täti­ges Mitglied ber Schulgemeinschaft geworden. Er und ich verstehen uns darob ausgezeichnet. Wir werden uns auch bann noch gut verstehen, wenn sich bie Schultüre hinter ihm geschloffen haben wirb.

VerbeksürdieZelkung