Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Well
Freitag, 15. August 1930
-ÄO im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag 18ö sei Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- 11 KO SttiThnar 9Ti4t0tthritdh>r*t 11KH imh 11K1
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Bielefeld, Baugewerksmeister, Recklinghausen
Borneseld-Ettmann, Landwirt Beckum R i e s e n e r, Arbeitersekretär, Gladbeck K a m p f s ch u l t e, Postsetretär, Münster Frau Driesen, Bocholt
Schlüter, Schuhmachermeister, Godelheim Heeke, Gewerkschaftssekretär, Münster und sieben weitere Kandidaten.
3m Wahlkreis Westfalen-Süd:
Imbusch, Bergarbeiterführer, Essen Schmelzer, Landwirt, Oberhundem
Nicht wieder aufgestellt wurden in Westfalen- Süd Landwirt Schulz-Gahmen und Frau Amtsgerichtsrat Neuhaus. An ihre Stelle traten Landwirt Schmelzer, der sein Mandat im Preußischen Landtag niederlegen wird, und Fräulein Z i l l k e n s. Somit ist auch den Wünschen der jüngeren Generation Rechnung getragen. Ebenso ist das flache Land bedeutend besser berücksichtigt worden als bei der letzten Reichstagswahl im Jahre 1928.
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Weiser, Kaufmann, Buer
Dr. H o r st e r, Fabrikant, Altena
Mengelkamp, Arbeitersekretär, Dortmund K o r t l ä n d e r, Schulrat, Bochum und neun andere Kandidaten.
Wie dem Nordbayerischen Sonderdienst des Süddeutschen Correspondenz-Bureaus um 1 Uhr nachts auf Anfrage im Städtischen Krankenhaus mitgeteilt wird, wurden insgesamt 14 b e i d e n S ch l ä- gereien Verletzte ins Krankenhaus gebracht, von denen elf nach kurzer Zeit ihre Mahnungen aufsuchen konnten. Drei Schwerverletzte blieben im Krankenhaus; Lebensgefahr besteht bei keinem. Wie verlautet, befinden sich u n- ter den Verletzten auch die drei nationalsozialistischen Führer Streicher. Holz und L i e b l.
Stürmische Wahlversammlung in Lüneburg.
END. Lüneburg, 14. Aug. (Eig. Meldg.). In einer nationalsozialistischen Versammlung im Bahnhofsviertel kam es gestern abend zu einer S ch I ä- g er et zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. Nach Beendigung der Rede des Nationalsozialisten verlangte ein Kommunist das Wort. Die Frage, ob es stimme, daß Moskau Befehl gegeben habe, die Nationalsozialisten tot zu schlagen, wo immer es ginge, wurde mit ja beantwortet. Daraufhin wurde dem Kommunist das Wort nicht erteilt. Als er von seinem Platz aus sprechen wollte, griff der sehr starke Saalschutz ein und es entspann sich eine schwere Schlägerei, bei der mehrere Personen erheblich verletzt wurden. Ein starkes Polizeiaufgebot stellte die Ordnung mit Hilfe des Gummiknüppels wieder her.
Lecker Johannes, Arnsberg
4. Z i l l k e n s, Frl., Wohlfahrtsleiterin, Dort-
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Anzeiger für die Stadl Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
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Zu späte Reue.
In die verödeten Räume des deutschnationalen Parteihauses beginnt mit der Erkenntnis, was Hugenberg durch seinen sturen Radikalismus angerichtet hat, nun auch die Angst davor einzuziehen, was aus der Partei werden soll. Hugenbergs unentwegter Trompeter, der deutsch- nationale „Schnelldienst" hält es infolgedessen für gut, einmal einen Artikel zu veröffentlichen, durch den eine „klare Trennungslinie" gegen die Nationalsozialisten gezogen werden soll,-damit die Welt endlich von der Ansicht kuriert werde, daß der kümmerliche Rest der Deutschnationalen mit Haut und Haaren, wohl oder übel dem Nattonalsozialismus verfallen sei. Es wird dort gesagt, daß, „wer Sozialist sei, zu Hitler, wer nicht Sozialist sei, zu Hugenberg" gehöre. Man entdeckt jetzt sogar bei Hitlers Mannen „klassenkämpferische Tendenz" und die gefährliche Absicht, Sozialisierungsmaßnahme n in Gang zu bringen. Ueberhaupt: „Strömungen von zum Teil einander entgegengesetzter Art hemmen die Stoßkraft. Während Göbbels und Strasser in Berlin gegen alle landwtrt- s ch a f t l i ch e n Z ö l l e wettern und den Arbeitern billige Lebensrnittel versprechen, verheißen ihre Redner auf dem Lande Zoll schütz und günstigelandwirtschaftlicheHandels- v e r t r ä g e". Erschütternde Entdeckungen, wenn man sie so spät, viel zu spät macht, um auch nur die geringste Aussicht zu haben, das Verhängnis noch abwenden zu können. Auch mit dem Argument, das der „Schnelldienst" für Hugenberg in die Wagschale wirft, daß er „eine klare Kampfes- stsllung gegen Zentrum und Marxismus" eingenommen habe, während der Nationalsozialismus nur gegen den Marxismus kämpfe, wird kein Dummer mehr einzufangen sein. Wohl aber kann dieser Versuch, den Wahlkampf wieder einmal auf eine konfessionelle Hetzformel abzustellen, die Formel nämlich, daß das Zentrum mit dem Marxismus denselben Feind habe; das „nationale evangelische Deutschland", noch eine gute Anzahl nicht ganz Unbelehrbarer zum Abschwenken nach anderen Gruppen bewegen, die etwas mehr das Recht haben, sich n a t i o n a l und bürgerlich zu nennen.
Zentrums-Kandidaturen.
Westfalen, Nord und Süd.
Auf der in H a m m abgehaltenen Konferenz der Wahlmänner der beiden Wahlkreise Westfalen- Nord und Westfalen-Süd wurden die Kandidaten des Zentrums für die Reichstagswahl aufgestellt.
Fabrikant Raestrnp-Oelde leitete mit viel Geschick die überfüllte Sitzung. In Abwesenheit der bisherigen Abgeordneten wurde nach eingehender Erörterung beschlossen, die b i s h e r i g e n A b- geordneten durch Akklamation wiederzuwählen. Auch die Nominierung der neuen Kandidaten vollzog sich im allgemeinen reibungslos. Die Namen der Kandidaten sind:
3m Wahlkreis Westfalen-Nord:
1. Dr. Herold, Landesökonomierat, Lovencloe bei Münster
2. Dr. S t e g e r w a l d Reichsarbeitsminister Berlin
3. Dr. Schreiber, Universitätsprof., Münster
* Die Banaler Schwaben gegen Südslawien. Aus Bukarest wird gemeldet: Der der deutschen Minderheit angehörende Abgeordnete Kreuter hat dem interimistischen Außenminister Vaida Voevod eine Denkschrift überreicht, in der darauf hingewiesen wird, daß die an der Südgrenze wohnhaften Banater Schwaben rumänischer Staatsangehörigkeit nach vergeblichen Beschwerden bei den südslawischen Behörden eine Klage gegen den südslawischen Staat beim Völkerbund anhängig gemacht haben, weil Südslawien die auf seinem Gebiet liegenden Felder der rumänischen Grenzbewohner enteignet und serbischen Bauern übergeben habe.
Volksparteiler.
Er wurde gefragt, inwieweit die Soziali- n ein Verschulden trifft an der Entwick- zur Auflösung hin. Er antwortete: „Wenn die "Sozialisten sich anders verhalten hätten, dann wäre es nicht so weit gekommen." — Warum aber trieben sie dahin? Glauben denn die Sozialisten im Herbst bessere Wahlen zu machen? — Nein, antwortete Joos, im Gegenteil. Dann wird mög- licherweiser die Zahl der Arbeitslosen noch größer und die allgemeinen Schwierigkeiten verstärkt sein. — Also, warum haben die Sozialisten so gehandelt? — Weil sie der Verantwortung ausweichen wollten, weil sie nicht den Mut hatten, die notwendigen Maßnahmen zur finan- üellen Gesundung zu übernehmen. Die Sozialisten wollten an sich keine Neuwahl. Aber sie glaubet, daß die Rechtsparteien von sich aus das Aeu- ßache-verhindem würden. Ihre Rechnung war Wh. Sie haben eine Dummheit gemacht.
. Der Vertreter der Libre Belgique fragte Joos über die mutmaßlichen Ergebnisse der Wahlen für die Zentrumspartei. „Wird sie nicht", so fragte er, „unter ihrer Verantwortung zu leiden haben, da neue Steuern immer unpopulär sind? Fürchten "le, "icht,^ unter der Arbeiterschaft Anhänger zu verlieren?" Joos antwortete (wir geben den Inhalt so wieder, wie wir ihn in der Zeitung fin- d«, d. h. so, wie ihn der Zeitungsberichterstatter Mgefaßt hat):
.^T^lveifellos hat es auch unter der Arbeiter- Ichost Bedenken gegeben, nicht so sehr wegen der neuen Steuern, sondern im Hinblick auf die not- vendigen Reformen in der S o z i a l g e s e tz g e- ?un 9- Funktionärs der Arbeiterbewegung ha- "en Unzufriedenheit bekundet. Aber ich zweifle W baren, daß die katholische Arbeiterschaft in
Gesamtheit ihr Vertrauen zu Brüning be- Nsi hat. Sie sind überzeugt davon, und mit /TT' "aß er niemals seine Auffassungen und In- mlwnen hinsichtlich einer sozialen Einstellung der Mitik aufgeben wird. Sie sind sich klar daniber, W alle seine Maßnahmen finanzpolitischer und Mlpolitischer Art notwendig waren, um eine «tu- ^r Reichsfinanzen herbeizuführen, die F1 "en sozialpolitischen Fortschritt zu garan- j*«n vermag. Ich glaube, daß das Zentrum diese ®®?ien viel besser überstehen wird, als seine Geg» glauben machen wollen. IchbinvollVer- "°uen."
^»Trotzdem", bemerkt der Befrager, „dieser ’M wird hart werden."
Joo§ antwortete: „Was das angeht, ja, und tum £)n?eren Parteien härter als für das Zen-
Wir werden uns gefaßt machen müssen auf ES! $QmPf' der non beiden Seiten mit einer geführt wird, wie wir sie kaum je in tz-, ^h^^.chPsen der letzten Jahre gekannt ha- Ei» r2r fehlen alle, daß aus diesen Wahlen eine $7;f*** entwickeln kann, in der es um di- hat b m b es Staates selbst geht. Man ÄroAQS ®ort vom möglichen Bolschewismus ge- »g^en- Das ist übertrieben. Reden wir allge- er "an einer gefährlichen Bewegung."
übrigen Fragen und Antworten bezogen Sto« H-I,e Anwendung des Artikels 48, in denen verfehlte, geltend zu machen, daß die "°vng des Artikels von der linken wie von ’enrn Seite bestritten wird, wobei die Rechts- —ET^en lediglich bemängeln, daß nicht einer ^«YNgen diesen Artikel handhabt, wie sie es wol- SÄ fta*?« haben leider die Situation ttn ee8riffen und haben mit ihrer Einstellung de- Tplel mit unterstützt.
Sfa/L ö^gen: Wo ist hier die „ziemlich pessimi- ^ndenz über die Wahlaussichten des Zen- «uT; stnd die Zentrumskreise, „die über /°"uug des Zentrums enttäuscht sind"? Man °n d^ sozialdemokratischen Presse nichts B,es- -^^angen, als daß sie das ganze Interview »wt, so trie es in der Libre Belgique zu .W. Damit gäbe sie ihren eigenen Lesern C emen Einblick in die Methoden der Wahl- hQ, die sie aus ihrer verzweifelten Situa- , GUs für gut hält: Man verdreht die Tat- fcift' das Gegenteil dessen, was
■h*!- Wir werden den Herrschaften genau auf 0'Nger sehen müssen!
Das Preisabbau-Gutachten.
Die von der Zwölferkommiffion des Wirtschaftspolitischen Ausschusses des vorläufigen Reichswirtschaftsrates eingesetzte Kommission zur Ausarbeitung der Antwort an die Reichsregierung über die Möglichkeiten einer Anwendung der durch die Kartell-Notverordnung gegebenen gesetzlichen Einflußnahme auf die Preisgestaltung hat seine Arbeiten beendigt. Die Reichsregierung hatte die Antwort des Ausschusses für Mittwoch, den 13. August, erbeten. Die Antwort wird ihr heute übergeben werden. Unter den verschiedenen Fragen, die dem Reichswirtschaftsrat vorgelegt worden sind, besaht der Reichswirtschaftsrat die Notwendigkeit und auch die Möglichkest der Senkung der Preise für die Lebens- und Genuß- mitteI des täglichen Bedarfes. Der Reichswirtschaftsrat hat seine Untersuchungen im wesentlichen auf die Preisspanne abgestellt und macht hier der Regierung Vorschläge. Auf Grund des Gutachtens des Reichswirtschaftsrates wird sich nun die Regierung mit den zuständigen Preiskartellen des Handels und der Fabrikation in Verbindung setzen, um eme freiwillige Senkung der Spanne nach Möglichkeit zu erreichen. Wenn aber die betreffenden Kartells freiwillig diese Preissenkung nicht durchführen, dann wird die Regierung auch von dem Mittel der Notverordnung rücksichtslos Gebrauch machen.
Schöne Zustände.
Kommunisten und Nationalsozialisten prügeln sich in Nürnberg. — 70 verletzte. — Der angefangen hat, ist schwer feftzustellen. — 3m Saal alles kurz und klein. — Die Feuerwehr trennt mit Wasserstrahlen die Kämpfer. — Befähigungsnachweis zur Führung des Volkes?
WTB. meldet aus Nürnberg: '
Mittwoch abend fand eine von den Kommunisten nach dem Herkules-Velodrom einberufene öffentliche Versammlung statt, zu der alle Parteien aufgefordert worden waren. Die Nationalsozialisten hatten sich zahlreich eingefunden. Von den Kommunisten sprach Remmele. Als er den nationalsozialistischen Führern vorwarf, daß sie zu hohe Gehälter in ihre Tasche fließen ließen, antroortete ein Nationalsozialist, der Kommunist Büchs habe 100000 Rm. veruntreut. Remmele erwiderte, diese 100 000 Rm. hätten zur Unterstützung der Pattei Verwendung gefunden. Ueber die dann einsetzende Schlägerei gehen die Aussagen auseinander. Nach einer Version soll vom Podium aus mit Biergläsern nach den nationalsozialistischen Führern geworfen worben sein. Daraufhin entwickelte sich eine regelrechte Schlacht zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten mit Biergläsern, Stühlen und abgebrochenen Tischbeinen. Da die Ausgänge den ins Freie eilenden Versammlungsbesuchern nicht genügten, kletterte eine größere Anzahl aus den Fenstern. In dem Saal blieb nichts ganz. Die Polizei griff ein, und die ebenfalls herbeigerufene Feuerwehr trennte die Kämpfenden durch kräftige Wasserstrahlen. Die Schlägerei setzte sich dann aber auf der Straße fort, wobei die Streitenden Zaunlatten als Hiebwaffen benutzten. Die Schlägerei war um 10.25 Uhr abends in dem Saal ausgebrochen, und noch lange nachher mußte die Polizei in den angrenzenden Straßen und auf dem Bahnhofsplatz mit dem Gummiknüppel vorgehen. Insgesamt wurden 65—70 Personen verletzt.
e Frage der Wahlaussichten. vesstmisrnus im Zentrum. — Die Sozial- en versuchen vergeblich unseren Glauben an einen Erfolg zu erschütlern.
a-ktbin ging unter dem Stichwort „Auch das
>ntrurn in Nöten" eine Notiz durch die so- kratifche Presse. Sie enthielt einen Drahtes Brüssel und gab Kenntnis von einem iem das der Abgeordnete Joos einem Re- ber Brüsseler katholischen Zeitung Libre .Uwe aeaeben hat. Danach hätte sich Joos emlich pessimistisch über die Wahl- ^-sichten des Zentrums geäußert".
hätte zugegeben, daß manche Zentrumskreise die Haltung des Zentrums enttäuscht seien", gelte weniger wegen der neuen Steuern, als der Einschränkung der Soziallasten durch Regierung Brüning."
Das ausführliche Interview ist enthalten in der Lonnragsausgabe vom 27. Juli 1930 der Libre Belgique (Nr. 208). Selbstverständlich wird man harin vergeblich nach der Stelle und der pessimistischen Tendenz suchen, die der sozialistische Berichterstatter da herausgeklaubt hat. Entweder kann er nicht französisch, oder hat er den Sinn Interviews bewußt ins Gegenteil verkehrt.
Das Interview nahm folgenden Verlauf: JooLM «b auf Befragen zunächst einen Ueberblick über* die parlamentarischen Kräfteverhältnisse vor der Auflösung und charakterisierte die Kommunisten, Mionalsozialisten, Deutschnationalen, Sozialisten
Der Wahlreform im Reich, die ja schon seit Jahren zur Debatte steht, sind eine so große Zahl von Hemmungen, die mit der Partei-Bürokratie und ähnlichem zusammenhängen, im Wege, daß wir an die baldige Verwirklichung nicht gut glauben können. Wenn der Reichstag gewählt sein wird, dürfte in Sachen Wahlrechtsreform wieder die herkömmliche Ruhe eintreten.
Die Botschaft hör ich wohl....
Kommt wirklich eine Reichswahlreform?
In der Versammlung der Wahlkreisvertreter der Zentrumspartei von Westfalen-Nord wurde vor der Aufftellung der Kandidaten-Liste folgender Antrag Dr. Stricker- Münster angenommen:
„Sämtliche Kandidaten werden nur unter der Voraussetzung aufgestellt, daß sie zusichern, mit größter Energie für eine Wahlreform einzutteten, die eine enge persönliche Verbindung zwischen Abgeordneten und Wählern sicherskellt und den wert der Persönlichkeit mehr zur Geltung kommen läßt."
Prälat Dr. Schreiber erklärte hierzu, daß Reichskanzler Dr. Brüning entschlossen sei, eine Wahlreform durchzuführM. Reichsinnenminister Dr. Wirth sei beauftragt, einen Wahlreformentwurf möglichst bald dem Reichstag vorzulegen. Die Reformen sollen sich im Rahmen dessen halten, was ohne Aendernng der Verfassung möglich ist. An eine Neufestsetzung des Wahlalters ist somit nicht gedacht.
In einer Kleinen Anfrage der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei war unter Hinweis auf die Verminderung der Zahl der Abgeordneten in Braunschweig, Thüringen und Mecklenburg- Schwerin gefragt worden, ob das Staatsministerium bereit sei, für Preußen Wahlgesetz oorzulegen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Minister des Innern geantwortet, daß die Fragen der Wahlreform für Preußen zurückgestellt werden müßten, bis über eine Reform des Wahlrechts int
Treviranus stellt richtig.
Meinung eines Front-Soldaten über Kamerad- schaftlichkeit, Krieg und Frieden.
. In einer Unterredung mit dem Chefredakteur des „Berliner Börsen-Courier" äußerte sich Reichs- minifter Treviranus am Dienstagabend im Rundfunk über den Sinn feiner am Sonntag gehaltenen Rede- Er gab feiner Verwunderung Ausdruck über die Auslegung, die feine Worte gefunden hatten. In diesem Zusammenhänge kam er u. a. auch auf das Wesen des Frontsoldaten zu sprechen. Wer den Frontgeist nur in äußerlichen Dingen des Tragens von großen und kleinen Stahlhelmen versteht, und wer sich unter diesem Geist nut maffenftarrenbe Krieger vorstellt, die keinen sehnlicheren Wunsch haben als wieder in den Krieg zu zi e h en, der läuft allerdings Gefahr, jede Handlung und jedes Wort von uns in einem völlig falschen Sinne zu deuten. Das Erlebnis, das uns' geformt hat, geformt zu etwas anderem als wir sonst geworden wären, ist doch nichts anderes als das edelste Gefühl größerer Kameradschaftlichkeit und stärkerer Verbundenheit zunächst einmal zu denen, mit denen wir Schulter an Schulter diese ungeheuren schweren Jahre durchgemacht haben. Aber bas, was wir Kameradschaft nennen, hat auch seine Bedeutung auch über die Gräben und Grenzen hinweg gehabt. Ich habe verschiedentlich gesagt: der Weltkrieg wird nur von Frontsoldaten liquidiert werden. Das mag vielleicht ein etwas überheblicher Ausspruch sein. Wir meinen es aber in dem Sinne, daß es uns leichter fein muß, ü b erb i e Grenzen und Gräben hinweg, Mann zu Mann offen und ehrlich das auszufprechen, was in unseren Herzen ist. Die Frontsoldaten sind ja vielfach, gerade bei den Nachbarn diejenigen, die jetzt sehr viel aktiver als in den letzten vier oder fünf Jahren in die politische Front hineingehen, mit der Absicht, nicht nur gegeneinander zu stehen, nein, gerade zueinander zu kommen. Dafür will ich auch weiter einstehen.
Zu dem Inhalt und der ihr verschiedentlich gewordenen Ausdeutung seiner Rede bemerkte Treoiranus u. a.: „Woher sollen wir die Waffen nehmen, mit denen wir den angeblichen Erobe- rungszug durchhalten und vollenden wollen? Gerade uns Frontsoldaten ist doch eine viel nüchterne Betrachtung aller Möglichkeiten viel eher gegeben als vielen anderen Volksgenossen, die ich vielleicht Pazifisten nenne; ich weiß nicht, ob mit größerem Rechte". Er ging dann eingehend auf die Politik Stresemanns, auf die Bedeutung von Locarno und den in diesem Vertrag eindeutig festgelegten und auch von ©trefemann ausdrücklich hervorgehobenen Unterschied zwischen den Bestimmungen über die Westqrenzen und den Verhältnissen im Osten ein. Nachdrücklich verwies er auf den das Versailler-Vertragswerk einleitenden Völkerbundpakt und die von den Urhebern des Vertrages selbst niederqelegten Bestimmungen über die Möglichkeit der Revision unanwendbar gewordener Verträge in Artikel 19. Er bekannte sich dazu, daß geschloffene Verträge selbstverständlich völkerrechtlich bindend seien und sein müßten. Er selbst sei überzeugt gewesen, daß feine Ausführungen eine Friedensrede und nicht eine Kriegsrede gewesen seien. Ich bin überzeugt, daß wir, waffenlos, ohne irgendwelche Hilfsmittel, die sich im entferntesten mit den Rüftungsmöglichkeiten der Nachbarn vergleichen lassen, inmitten Europas, .also in dieser ganz besonderen Lage, alles andere zu tun haben, als darüber Unklarheit zu lassen, daß für uns der Friede die Voraussetzung der Lebensmöglichkei- ten ist. Allerdings ein Friede, der ehrlich, der rein und klar fein muß. In diesem Sinne glaube ich
Mr deutsch-polnische Verständigung.
Reichstagspräsident Lobe über die Deutsch- Polnischen Beziehungen.
wtb. Warschau, 14. Aug. (Eig. Meld.) Das Krakauer Blatt „Nowy Dylennik" veröffentlicht ein Jnterwiev mit dem Reichstagspräsidenten Löb» über außenpolitische Fragen. Löbe ertlärt, daß Deutschland nicht nur gegen Frankreich, sondern auch gegen Polen zu einer friedlichen Politik gezwungen sei. Sowohl inDeutsch- land, als auch in Polen fei die nationalistische Aktion noch sehr stark, weshalb die Zeit zu einer sachlichen Zusammenarbeit zwischen den beiden Völkern noch nicht gekommen sei. Vor allem müsse jetzt die wirtschaftliche Annäherung angestrebt werden, denn da, wo wirtschaftliche Fragen, die Lebensnotwendigkeiten bestimmend, auftauchten, kühlten sich die politischen Leidenschaften langsam ab. Deshalb müsse der deutf chp o ln ische Handelsvertrag gegenwärtig als die einzig mögliche Brücke für eine deutschpolnische Verständigung angesehen werden.