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Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Well

Freitag, 15. August 1930

-ÄO im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag 18ö sei Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- 11 KO SttiThnar 9Ti4t0tthritdh>r*t 11KH imh 11K1

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Bielefeld, Baugewerksmeister, Reckling­hausen

Borneseld-Ettmann, Landwirt Beckum R i e s e n e r, Arbeitersekretär, Gladbeck K a m p f s ch u l t e, Postsetretär, Münster Frau Driesen, Bocholt

Schlüter, Schuhmachermeister, Godelheim Heeke, Gewerkschaftssekretär, Münster und sieben weitere Kandidaten.

3m Wahlkreis Westfalen-Süd:

Imbusch, Bergarbeiterführer, Essen Schmelzer, Landwirt, Oberhundem

Nicht wieder aufgestellt wurden in Westfalen- Süd Landwirt Schulz-Gahmen und Frau Amtsgerichtsrat Neuhaus. An ihre Stelle tra­ten Landwirt Schmelzer, der sein Mandat im Preußischen Landtag niederlegen wird, und Fräulein Z i l l k e n s. Somit ist auch den Wün­schen der jüngeren Generation Rechnung ge­tragen. Ebenso ist das flache Land bedeutend bes­ser berücksichtigt worden als bei der letzten Reichs­tagswahl im Jahre 1928.

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Weiser, Kaufmann, Buer

Dr. H o r st e r, Fabrikant, Altena

Mengelkamp, Arbeitersekretär, Dortmund K o r t l ä n d e r, Schulrat, Bochum und neun andere Kandidaten.

Wie dem Nordbayerischen Sonderdienst des Süd­deutschen Correspondenz-Bureaus um 1 Uhr nachts auf Anfrage im Städtischen Krankenhaus mitge­teilt wird, wurden insgesamt 14 b e i d e n S ch l ä- gereien Verletzte ins Krankenhaus gebracht, von denen elf nach kurzer Zeit ihre Mah­nungen aufsuchen konnten. Drei Schwerver­letzte blieben im Krankenhaus; Lebensgefahr besteht bei keinem. Wie verlautet, befinden sich u n- ter den Verletzten auch die drei national­sozialistischen Führer Streicher. Holz und L i e b l.

Stürmische Wahlversammlung in Lüneburg.

END. Lüneburg, 14. Aug. (Eig. Meldg.). In einer nationalsozialistischen Versammlung im Bahn­hofsviertel kam es gestern abend zu einer S ch I ä- g er et zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. Nach Beendigung der Rede des Nationalsozialisten verlangte ein Kom­munist das Wort. Die Frage, ob es stimme, daß Moskau Befehl gegeben habe, die Nationalsozia­listen tot zu schlagen, wo immer es ginge, wurde mit ja beantwortet. Daraufhin wurde dem Kom­munist das Wort nicht erteilt. Als er von seinem Platz aus sprechen wollte, griff der sehr starke Saalschutz ein und es entspann sich eine schwere Schlägerei, bei der mehrere Personen er­heblich verletzt wurden. Ein starkes Poli­zeiaufgebot stellte die Ordnung mit Hilfe des Gummiknüppels wieder her.

Lecker Johannes, Arnsberg

4. Z i l l k e n s, Frl., Wohlfahrtsleiterin, Dort-

M a erZ ertun g

Anzeiger für die Stadl Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Monatlich 1,80 einfchließl. Postgebühr (48 Pfg.) ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col.) lokal 0,15 JUl, auswärts 0,20 /JUL Reklamezeile: lokal 0,60 Mt, auswärts 0,80 JUt. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheck!. Franks, a. M. 4051.

Zu späte Reue.

In die verödeten Räume des deutschnationalen Parteihauses beginnt mit der Erkenntnis, was Hugenberg durch seinen sturen Radikalismus an­gerichtet hat, nun auch die Angst davor einzu­ziehen, was aus der Partei werden soll. Hugenbergs unentwegter Trompeter, der deutsch- nationale „Schnelldienst" hält es infolgedessen für gut, einmal einen Artikel zu veröffentlichen, durch den eine „klare Trennungslinie" ge­gen die Nationalsozialisten gezogen werden soll,-damit die Welt endlich von der An­sicht kuriert werde, daß der kümmerliche Rest der Deutschnationalen mit Haut und Haaren, wohl oder übel dem Nattonalsozialismus verfallen sei. Es wird dort gesagt, daß, „wer Sozialist sei, zu Hitler, wer nicht Sozialist sei, zu Hugenberg" ge­höre. Man entdeckt jetzt sogar bei Hitlers Man­nen „klassenkämpferische Tendenz" und die gefähr­liche Absicht, Sozialisierungsmaßnah­me n in Gang zu bringen. Ueberhaupt: „Strö­mungen von zum Teil einander entgegengesetzter Art hemmen die Stoßkraft. Während Göbbels und Strasser in Berlin gegen alle landwtrt- s ch a f t l i ch e n Z ö l l e wettern und den Arbeitern billige Lebensrnittel versprechen, verheißen ihre Redner auf dem Lande Zoll schütz und günstigelandwirtschaftlicheHandels- v e r t r ä g e". Erschütternde Entdeckungen, wenn man sie so spät, viel zu spät macht, um auch nur die geringste Aussicht zu haben, das Verhängnis noch abwenden zu können. Auch mit dem Argu­ment, das der „Schnelldienst" für Hugenberg in die Wagschale wirft, daß er „eine klare Kampfes- stsllung gegen Zentrum und Marxismus" einge­nommen habe, während der Nationalsozialismus nur gegen den Marxismus kämpfe, wird kein Dummer mehr einzufangen sein. Wohl aber kann dieser Versuch, den Wahlkampf wieder einmal auf eine konfessionelle Hetzformel abzu­stellen, die Formel nämlich, daß das Zentrum mit dem Marxismus denselben Feind habe; das „na­tionale evangelische Deutschland", noch eine gute Anzahl nicht ganz Unbelehrbarer zum Abschwenken nach anderen Gruppen bewegen, die etwas mehr das Recht haben, sich n a t i o n a l und bürgerlich zu nennen.

Zentrums-Kandidaturen.

Westfalen, Nord und Süd.

Auf der in H a m m abgehaltenen Konferenz der Wahlmänner der beiden Wahlkreise Westfalen- Nord und Westfalen-Süd wurden die Kandidaten des Zentrums für die Reichstagswahl aufgestellt.

Fabrikant Raestrnp-Oelde leitete mit viel Ge­schick die überfüllte Sitzung. In Abwesenheit der bisherigen Abgeordneten wurde nach eingehen­der Erörterung beschlossen, die b i s h e r i g e n A b- geordneten durch Akklamation wie­derzuwählen. Auch die Nominierung der neuen Kandidaten vollzog sich im allgemeinen rei­bungslos. Die Namen der Kandidaten sind:

3m Wahlkreis Westfalen-Nord:

1. Dr. Herold, Landesökonomierat, Lovencloe bei Münster

2. Dr. S t e g e r w a l d Reichsarbeitsminister Berlin

3. Dr. Schreiber, Universitätsprof., Münster

* Die Banaler Schwaben gegen Südslawien. Aus Bukarest wird gemeldet: Der der deutschen Minderheit angehörende Abgeordnete Kreuter hat dem interimistischen Außenminister Vaida Voevod eine Denkschrift überreicht, in der darauf hinge­wiesen wird, daß die an der Südgrenze wohn­haften Banater Schwaben rumänischer Staatsan­gehörigkeit nach vergeblichen Beschwerden bei den südslawischen Behörden eine Klage gegen den süd­slawischen Staat beim Völkerbund anhängig ge­macht haben, weil Südslawien die auf seinem Ge­biet liegenden Felder der rumänischen Grenzbe­wohner enteignet und serbischen Bauern übergeben habe.

Volksparteiler.

Er wurde gefragt, inwieweit die Soziali- n ein Verschulden trifft an der Entwick- zur Auflösung hin. Er antwortete: „Wenn die "Sozialisten sich anders verhalten hätten, dann wäre es nicht so weit gekommen." — Warum aber trieben sie dahin? Glauben denn die Sozialisten im Herbst bessere Wahlen zu machen? — Nein, antwortete Joos, im Gegenteil. Dann wird mög- licherweiser die Zahl der Arbeitslosen noch grö­ßer und die allgemeinen Schwierigkeiten verstärkt sein. — Also, warum haben die Sozialisten so ge­handelt? — Weil sie der Verantwortung aus­weichen wollten, weil sie nicht den Mut hatten, die notwendigen Maßnahmen zur finan- üellen Gesundung zu übernehmen. Die Soziali­sten wollten an sich keine Neuwahl. Aber sie glaub­et, daß die Rechtsparteien von sich aus das Aeu- ßache-verhindem würden. Ihre Rechnung war Wh. Sie haben eine Dummheit ge­macht.

. Der Vertreter der Libre Belgique fragte Joos über die mutmaßlichen Ergebnisse der Wahlen für die Zentrumspartei. „Wird sie nicht", so fragte er, „unter ihrer Verantwortung zu leiden haben, da neue Steuern immer unpopulär sind? Fürchten "le, "icht,^ unter der Arbeiterschaft Anhänger zu verlieren?" Joos antwortete (wir geben den In­halt so wieder, wie wir ihn in der Zeitung fin- d«, d. h. so, wie ihn der Zeitungsberichterstatter Mgefaßt hat):

.^T^lveifellos hat es auch unter der Arbeiter- Ichost Bedenken gegeben, nicht so sehr wegen der neuen Steuern, sondern im Hinblick auf die not- vendigen Reformen in der S o z i a l g e s e tz g e- ?un 9- Funktionärs der Arbeiterbewegung ha- "en Unzufriedenheit bekundet. Aber ich zweifle W baren, daß die katholische Arbeiterschaft in

Gesamtheit ihr Vertrauen zu Brüning be- Nsi hat. Sie sind überzeugt davon, und mit /TT' "aß er niemals seine Auffassungen und In- mlwnen hinsichtlich einer sozialen Einstellung der Mitik aufgeben wird. Sie sind sich klar daniber, W alle seine Maßnahmen finanzpolitischer und Mlpolitischer Art notwendig waren, um eine «tu- ^r Reichsfinanzen herbeizuführen, die F1 "en sozialpolitischen Fortschritt zu garan- j*«n vermag. Ich glaube, daß das Zentrum diese ®®?ien viel besser überstehen wird, als seine Geg» glauben machen wollen. IchbinvollVer- "°uen."

^»Trotzdem", bemerkt der Befrager, „dieser ’M wird hart werden."

Joo§ antwortete: „Was das angeht, ja, und tum £)n?eren Parteien härter als für das Zen-

Wir werden uns gefaßt machen müssen auf ES! $QmPf' der non beiden Seiten mit einer geführt wird, wie wir sie kaum je in tz-, ^h^^.chPsen der letzten Jahre gekannt ha- Ei» r2r fehlen alle, daß aus diesen Wahlen eine $7;f*** entwickeln kann, in der es um di- hat b m b es Staates selbst geht. Man ÄroAQS ®ort vom möglichen Bolschewismus ge- »g^en- Das ist übertrieben. Reden wir allge- er "an einer gefährlichen Bewegung."

übrigen Fragen und Antworten bezogen Sto« H-I,e Anwendung des Artikels 48, in denen verfehlte, geltend zu machen, daß die "°vng des Artikels von der linken wie von ’enrn Seite bestritten wird, wobei die Rechts- —ET^en lediglich bemängeln, daß nicht einer ^«YNgen diesen Artikel handhabt, wie sie es wol- SÄ fta*?« haben leider die Situation ttn ee8riffen und haben mit ihrer Einstellung de- Tplel mit unterstützt.

Sfa/L ö^gen: Wo ist hier die „ziemlich pessimi- ^ndenz über die Wahlaussichten des Zen- «uT; stnd die Zentrumskreise, „die über /°"uug des Zentrums enttäuscht sind"? Man °n d^ sozialdemokratischen Presse nichts B,es- -^^angen, als daß sie das ganze Interview »wt, so trie es in der Libre Belgique zu .W. Damit gäbe sie ihren eigenen Lesern C emen Einblick in die Methoden der Wahl- hQ, die sie aus ihrer verzweifelten Situa- , GUs für gut hält: Man verdreht die Tat- fcift' das Gegenteil dessen, was

■h*!- Wir werden den Herrschaften genau auf 0'Nger sehen müssen!

Das Preisabbau-Gutachten.

Die von der Zwölferkommiffion des Wirt­schaftspolitischen Ausschusses des vorläufigen Reichswirtschaftsrates eingesetzte Kommission zur Ausarbeitung der Antwort an die Reichsregierung über die Möglichkeiten einer Anwendung der durch die Kartell-Notverordnung gegebenen gesetzlichen Einflußnahme auf die Preisgestaltung hat seine Arbeiten beendigt. Die Reichsregierung hatte die Antwort des Ausschusses für Mittwoch, den 13. August, erbeten. Die Antwort wird ihr heute übergeben werden. Unter den verschiedenen Fra­gen, die dem Reichswirtschaftsrat vorgelegt wor­den sind, besaht der Reichswirtschaftsrat die Not­wendigkeit und auch die Möglichkest der Senkung der Preise für die Lebens- und Genuß- mitteI des täglichen Bedarfes. Der Reichswirtschaftsrat hat seine Untersuchungen im wesentlichen auf die Preisspanne abgestellt und macht hier der Regierung Vorschläge. Auf Grund des Gutachtens des Reichswirtschaftsrates wird sich nun die Regierung mit den zuständigen Preiskartellen des Handels und der Fabri­kation in Verbindung setzen, um eme freiwillige Senkung der Spanne nach Möglichkeit zu errei­chen. Wenn aber die betreffenden Kartells frei­willig diese Preissenkung nicht durchführen, dann wird die Regierung auch von dem Mittel der Not­verordnung rücksichtslos Gebrauch machen.

Schöne Zustände.

Kommunisten und Nationalsozialisten prügeln sich in Nürnberg. — 70 verletzte. — Der angefangen hat, ist schwer feftzustellen. — 3m Saal alles kurz und klein. — Die Feuerwehr trennt mit Wasser­strahlen die Kämpfer. — Befähigungsnachweis zur Führung des Volkes?

WTB. meldet aus Nürnberg: '

Mittwoch abend fand eine von den Kommuni­sten nach dem Herkules-Velodrom einberufene öf­fentliche Versammlung statt, zu der alle Parteien aufgefordert worden waren. Die National­sozialisten hatten sich zahlreich eingefunden. Von den Kommunisten sprach Remmele. Als er den nationalsozialistischen Führern vorwarf, daß sie zu hohe Gehälter in ihre Tasche fließen lie­ßen, antroortete ein Nationalsozialist, der Kom­munist Büchs habe 100000 Rm. verun­treut. Remmele erwiderte, diese 100 000 Rm. hätten zur Unterstützung der Pattei Verwendung gefunden. Ueber die dann einsetzende Schlägerei gehen die Aussagen auseinander. Nach einer Ver­sion soll vom Podium aus mit Biergläsern nach den nationalsozialistischen Führern geworfen worben sein. Daraufhin entwickelte sich eine re­gelrechte Schlacht zwischen Kommu­nisten und Nationalsozialisten mit Biergläsern, Stühlen und abgebro­chenen Tischbeinen. Da die Ausgänge den ins Freie eilenden Versammlungsbesuchern nicht genügten, kletterte eine größere Anzahl aus den Fenstern. In dem Saal blieb nichts ganz. Die Polizei griff ein, und die ebenfalls herbeigerufene Feuerwehr trennte die Kämp­fenden durch kräftige Wasserstrahlen. Die Schlägerei setzte sich dann aber auf der Straße fort, wobei die Streitenden Zaunlatten als Hiebwaffen benutzten. Die Schlägerei war um 10.25 Uhr abends in dem Saal ausgebrochen, und noch lange nachher mußte die Polizei in den angrenzenden Straßen und auf dem Bahnhofsplatz mit dem Gummiknüppel vorgehen. Insgesamt wur­den 65—70 Personen verletzt.

e Frage der Wahlaussichten. vesstmisrnus im Zentrum. — Die Sozial- en versuchen vergeblich unseren Glauben an einen Erfolg zu erschütlern.

a-ktbin ging unter dem Stichwort „Auch das

>ntrurn in Nöten" eine Notiz durch die so- kratifche Presse. Sie enthielt einen Draht­es Brüssel und gab Kenntnis von einem iem das der Abgeordnete Joos einem Re- ber Brüsseler katholischen Zeitung Libre .Uwe aeaeben hat. Danach hätte sich Joos emlich pessimistisch über die Wahl- ^-sichten des Zentrums geäußert".

hätte zugegeben, daß manche Zentrumskreise die Haltung des Zentrums enttäuscht seien", gelte weniger wegen der neuen Steuern, als der Einschränkung der Soziallasten durch Regierung Brüning."

Das ausführliche Interview ist enthalten in der Lonnragsausgabe vom 27. Juli 1930 der Libre Belgique (Nr. 208). Selbstverständlich wird man harin vergeblich nach der Stelle und der pessimi­stischen Tendenz suchen, die der sozialistische Be­richterstatter da herausgeklaubt hat. Entweder kann er nicht französisch, oder hat er den Sinn Interviews bewußt ins Gegenteil verkehrt.

Das Interview nahm folgenden Verlauf: JooLM «b auf Befragen zunächst einen Ueberblick über* die parlamentarischen Kräfteverhältnisse vor der Auflösung und charakterisierte die Kommunisten, Mionalsozialisten, Deutschnationalen, Sozialisten

Der Wahlreform im Reich, die ja schon seit Jah­ren zur Debatte steht, sind eine so große Zahl von Hemmungen, die mit der Partei-Bürokratie und ähnlichem zusammenhängen, im Wege, daß wir an die baldige Verwirklichung nicht gut glauben kön­nen. Wenn der Reichstag gewählt sein wird, dürfte in Sachen Wahlrechtsreform wieder die her­kömmliche Ruhe eintreten.

Die Botschaft hör ich wohl....

Kommt wirklich eine Reichswahlreform?

In der Versammlung der Wahlkreisvertreter der Zentrumspartei von Westfalen-Nord wurde vor der Aufftellung der Kandidaten-Liste folgender Antrag Dr. Stricker- Münster ange­nommen:

„Sämtliche Kandidaten werden nur unter der Voraussetzung aufgestellt, daß sie zusichern, mit größter Energie für eine Wahlreform einzutteten, die eine enge persönliche Verbindung zwischen Ab­geordneten und Wählern sicherskellt und den wert der Persönlichkeit mehr zur Geltung kommen läßt."

Prälat Dr. Schreiber erklärte hierzu, daß Reichskanzler Dr. Brüning entschlossen sei, eine Wahlreform durchzuführM. Reichsinnenminister Dr. Wirth sei beauftragt, einen Wahlreformentwurf möglichst bald dem Reichstag vorzulegen. Die Re­formen sollen sich im Rahmen dessen halten, was ohne Aendernng der Verfassung möglich ist. An eine Neufestsetzung des Wahlalters ist somit nicht ge­dacht.

In einer Kleinen Anfrage der Nationalsozialisti­schen Deutschen Arbeiterpartei war unter Hinweis auf die Verminderung der Zahl der Abgeordneten in Braunschweig, Thüringen und Mecklenburg- Schwerin gefragt worden, ob das Staatsministe­rium bereit sei, für Preußen Wahlgesetz oorzulegen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preußische Minister des Innern geantwortet, daß die Fragen der Wahlreform für Preußen zurückgestellt werden müßten, bis über eine Reform des Wahlrechts int

Treviranus stellt richtig.

Meinung eines Front-Soldaten über Kamerad- schaftlichkeit, Krieg und Frieden.

. In einer Unterredung mit dem Chefredakteur des „Berliner Börsen-Courier" äußerte sich Reichs- minifter Treviranus am Dienstagabend im Rund­funk über den Sinn feiner am Sonntag gehalte­nen Rede- Er gab feiner Verwunderung Ausdruck über die Auslegung, die feine Worte gefunden hat­ten. In diesem Zusammenhänge kam er u. a. auch auf das Wesen des Frontsoldaten zu spre­chen. Wer den Frontgeist nur in äußerlichen Din­gen des Tragens von großen und kleinen Stahl­helmen versteht, und wer sich unter diesem Geist nut maffenftarrenbe Krieger vorstellt, die keinen sehn­licheren Wunsch haben als wieder in den Krieg zu zi e h en, der läuft allerdings Gefahr, jede Handlung und jedes Wort von uns in einem völlig falschen Sinne zu deuten. Das Erlebnis, das uns' geformt hat, geformt zu etwas anderem als wir sonst geworden wären, ist doch nichts ande­res als das edelste Gefühl größerer Kame­radschaftlichkeit und stärkerer Ver­bundenheit zunächst einmal zu denen, mit de­nen wir Schulter an Schulter diese ungeheuren schweren Jahre durchgemacht haben. Aber bas, was wir Kameradschaft nennen, hat auch seine Be­deutung auch über die Gräben und Grenzen hin­weg gehabt. Ich habe verschiedentlich gesagt: der Weltkrieg wird nur von Frontsoldaten liquidiert werden. Das mag vielleicht ein etwas überheblicher Ausspruch sein. Wir meinen es aber in dem Sinne, daß es uns leichter fein muß, ü b erb i e Gren­zen und Gräben hinweg, Mann zu Mann offen und ehrlich das auszufprechen, was in unse­ren Herzen ist. Die Frontsoldaten sind ja vielfach, gerade bei den Nachbarn diejenigen, die jetzt sehr viel aktiver als in den letzten vier oder fünf Jah­ren in die politische Front hineingehen, mit der Absicht, nicht nur gegeneinander zu stehen, nein, gerade zueinander zu kommen. Dafür will ich auch weiter einstehen.

Zu dem Inhalt und der ihr verschiedentlich gewordenen Ausdeutung seiner Rede bemerkte Treoiranus u. a.: „Woher sollen wir die Waffen nehmen, mit denen wir den angeblichen Erobe- rungszug durchhalten und vollenden wollen? Ge­rade uns Frontsoldaten ist doch eine viel nüch­terne Betrachtung aller Möglichkeiten viel eher gegeben als vielen anderen Volksgenossen, die ich vielleicht Pazifisten nenne; ich weiß nicht, ob mit größerem Rechte". Er ging dann eingehend auf die Politik Stresemanns, auf die Bedeutung von Locarno und den in diesem Vertrag eindeutig fest­gelegten und auch von ©trefemann ausdrücklich hervorgehobenen Unterschied zwischen den Bestim­mungen über die Westqrenzen und den Verhältnis­sen im Osten ein. Nachdrücklich verwies er auf den das Versailler-Vertragswerk einleitenden Völker­bundpakt und die von den Urhebern des Vertrages selbst niederqelegten Bestimmungen über die Mög­lichkeit der Revision unanwendbar gewordener Verträge in Artikel 19. Er bekannte sich dazu, daß geschloffene Verträge selbstverständlich völkerrecht­lich bindend seien und sein müßten. Er selbst sei überzeugt gewesen, daß feine Ausführungen eine Friedensrede und nicht eine Kriegsrede gewesen seien. Ich bin überzeugt, daß wir, waffenlos, ohne irgendwelche Hilfsmittel, die sich im entferntesten mit den Rüftungsmöglichkeiten der Nachbarn ver­gleichen lassen, inmitten Europas, .also in dieser ganz besonderen Lage, alles andere zu tun haben, als darüber Unklarheit zu lassen, daß für uns der Friede die Voraussetzung der Lebensmöglichkei- ten ist. Allerdings ein Friede, der ehrlich, der rein und klar fein muß. In diesem Sinne glaube ich

Mr deutsch-polnische Verständigung.

Reichstagspräsident Lobe über die Deutsch- Polnischen Beziehungen.

wtb. Warschau, 14. Aug. (Eig. Meld.) Das Krakauer Blatt „Nowy Dylennik" veröffentlicht ein Jnterwiev mit dem Reichstagspräsidenten Löb» über außenpolitische Fragen. Löbe ertlärt, daß Deutschland nicht nur gegen Frankreich, sondern auch gegen Polen zu einer friedlichen Politik gezwungen sei. Sowohl inDeutsch- land, als auch in Polen fei die nationalistische Aktion noch sehr stark, weshalb die Zeit zu einer sachlichen Zusammenarbeit zwischen den beiden Völkern noch nicht gekommen sei. Vor allem müsse jetzt die wirtschaftliche Annäherung ange­strebt werden, denn da, wo wirtschaftliche Fragen, die Lebensnotwendigkeiten bestimmend, auftauch­ten, kühlten sich die politischen Leidenschaften lang­sam ab. Deshalb müsse der deutf chp o ln ische Handelsvertrag gegenwärtig als die einzig mögliche Brücke für eine deutschpolnische Verständi­gung angesehen werden.