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57. Zahrg

Donnerstag, 14. August 1930

Vas Wler sagt, und was er nicht sagt!

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* Einmarsch türkischer Truppen in Persien. Tür­kische Truppen haben die persische Grenze über­schritten und am Ostabhang der Arrarat ein be­reits in ziemlicher Entfernung von der Grenze lie­gendes persisches Territorium besetzt.

* Lhinareise Vanderveldes. Aus Brüssel wird gemeldet: Der sozialistische belgische Parteiführer Vandervelde hat in Begleitung seiner Gattin eine Reise nach China angetreten, wo beide eine Reihe von Vorträgen halten werden.

* Hinrichtung chinesischer Kommunisten. Nach einer Havasmeldung aus Hankau hat der Gouver­neur von Hunan fast 250 verdächtige Kommunisten hinrichten lassen. Die kommunistischen Elemente sollen erklärt haben, daß sie, um sich zu rächen, sämtliche Personen zwischen 15 und 35 Jahren niedermetzeln würden.

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Bayern schafft Ordnung.

Verhaftung bewaffneter Nationalsozialisten.

wtb. München, 13. August. (Eig. Meld.) Bei der gestrigen Versammlung der Nationalsozialisten tm Zirkus Krone wurden etwa 40 Teilnehmern Waffen, darunter feststehende Messer, Stahlrutm und Schlagringe, abgenommen. Die Waffen wur­den beschlagnahmt. Gegen die Besitzer wird auf Grund der Notverordnung über Waffenmißbrauch gerichtlich vorgegangen.

Aus der russischen Wirtschaft.

Von unserem besonderen Mitarbeiter:

Der Fünf-Jahres-Plan Stalins ist, wie sich im­mer mehr herausgestellt, einfach nicht durchführbar, zumal sich die großen wirtschaftlichen Pläne der Sowjetregierung, die auch einen engeren Anschluß an die übrige Weltwirtschaft zum Ziele haben, sich auch nicht verwirklichen lassen, und zwar in­folge der immer mehr erkannten bolschewistische kommunistischen Propagandagefahr. Verschiedent­lich werden die Geschäftsbeziehungen schon wieder abgebrochen. Das Mißtrauen gegenüber den rus­sischen Versprechungen wächst immer mehr.

Wenn wir die Zahlen ohne Deutschland be­rücksichtigen, so fällt unser Blick zuerst auf Amerika. Die Aufträge der Handelsvertretung an Amerika sind von 12,4 Millionen Dollar im Januar auf 3.1 Millionen Dollar im Mai gesunken. Hier ist nicht die Zurückhaltung Rußlands ausschlaggebend, son­dern vielmehr fehlt es eben in den Vereinigten Staaten an der Bereitwilligkeit zur weiteren Fl-

Der in der Abwehr der nationalsozialistischen Angriffe besonders erfolgreiche Leiter des frän­kischen Volksblattes" in Würzburg fchreibt iq sei­nem Blatte:

Der Führer der Nationalsozialisten spricht zur Zeit in den größeren Städten über die Weltan­schauung seiner Partei. Er sprach auch in Frank­furt a. M. und in Würzburg in überfüllten Ver­sammlungen. Wenn auch überall verboten wurde, die Rede mitzuschreiben, so geben doch die Berichte der Zeitungen, welche in den Hauptpunkten über­einstimmen, ein zuverlässiges Bild seiner Dar­legungen. Wir wollen die wichtigsten Sätze auf ihre Berechtigung prüfen.

Hitler bezeichnet das Hauptziel eines gesunden Volkes, daß dasselbe bereit sein müsse, für seine wachsende Bevölkerung sich neues Land mit Gewalt zu erobern durch kriegerische Unter­nehmungen. Es sei ein Zeichen der Schwäche, trenn ein Volk seine Söhne auswandern lasse. Hit­ler würde also, wenn er in die Lage käme, Deutsch­land zu regieren, als erste Staatsaufgabe es be­trachten, einen Eroberungskrieg vorzu­bereiten. Für die begeisterungsfähige Jugend lautet das sehr verlockend. Aber vernünftige Men­schen werden doch einige Fragen stellen müssen: wo ist das Land, das Hitler erobern will? Europa selbst ist übervölkert. Jedes eroberte Land hätte seine eigene Bevölkerung. Was wollte Hitler mit diesem eingesessenen Volk anfangen, wenn er Platz schaffen will für deutsche Auswanderer? In wel­chem fremden Erdteil will er Siedlungsland er­obern? Weder Asien noch Afrika ist für deutsche Auswanderer geeignet. Will Hitler ein Stück von Amerika „erobern", nachdem dies das einzige Land ist, das bisher noch Auswanderern Brot und Ver­dienst geben konnte? Es genügt, diese praktischen Fragen zu stellen, um die Torheit der Ge­dankengänge und Pläne Hitlers zu erkennen. Er kann sich dabei nicht einmal auf das Beispiel von Italien berufen. Denn Nordafrika, das von Ita­lien für sich beansprucht wird, ist tatsächlich mehr von Italienern als von Franzosen bewohnt und wird von demselben Mehr umgrenzt, das Italien umgibt. Es gibt kein Land der Welt, welches durch ähnliche Bande mit Deutschland verbunden wäre, so daß daraus ein Anspruch Deutschlands konstruiert werden könnte.

Was aber die offene Drohung Hitlers mit einem Eroberungskriege besonders verhängnisvoll macht, ist der Umstand, daß er dadurch die Menschheit auf das Niveau früherer Jahrhunderte zurückschrauben will u. daß er, wenn seine Meinung sich durchsetzen würde, Deutschland aufs neue verdäch­tig undverhaßt machen würde in der ganzen Welt. Kein vernünftiger Mensch kann leugnen, daß sich in der öffentlichen Meinung der Welt das Urteil gebildet hat, daß der Krieg ein Unglück ist und daß der, welcher einen Krieg vom Zaune bricht, ein Feind der Menschheit sein müsse Darum haben die Diplomaten aller Länder, welche Krieg führten, schon seit 100 Jahren immer ein Gewicht darauf gelegt, zu erreichen, daß die Welt den Ein­druck gewinnen sollte, daß es sich um einen Verteidigungskrieg handele. Es ist der schwerste Vorwurf, den man den deutschen Poli­tikern und Diplomaten des Jahres 1914 machen kann und muß, daß sie um des Schliesfen'schen Operationsplanes willen zuerst den Krieg erklärten und so den Anschein erweckten, daß Deutschland der Angreifer sei. Aber wenn sie auch schwer gefehlt hatten, so sind doch ihre politischen Fehler ein

Mik dem Zentrum für St. Brüning!

Ein Aufruf aus der katholischen Jugendbewegung zur Reichstagswahl.

Der Berliner Arbeitskreis der Aelteren aus der katholischen Jugendbewegung, dem berufstätige Menschen aus Quickborn, Hochland, Jungborn und Jungkreuzbund, den Kreuzfahrern, den Normann- ftcinern und der Großdeutschen Jugend angehören, ist in eingehender Aussprache über die politische Situation zu folgenden Ergebnissen gelangt:

1. Angesichts der Parlaments-, Wirtschafts-, So­zial- und Sulturkrise haben bei der Wahl am 14.September alle Einzelfragen (Panzerkreuzer, Kriegsbeschädigte, Bodenreform, Wahlreform u. a. m.) zurückzustehen. Nicht allein über Finanzrefor­men wird diese Wahl entscheiden. Es geht um Sein und Nichtsein unseres Staatslebens über» Haupt. Hinter einem Wahlausgang, der das Par­lament regierungsunfähig machen sollte, stehen Fa­schismus und Bolschewismus, steht das Ende ge­ordneter Verhältnisse.

2. Auch wir teilen die Sorgen und Röte auf den verschiedenen Teilgebieten der Außenpolitik, des Sozialen, der Verfassung, die zu den vielerlei Absplitterungen gerade in den Kreisen der katho­lischen Jugendbewegung geführt haben. Wenn da­her durch die Wahlen am 14. September die posi­tive Weiterarbeit gesichert ist, müssen wir die Ge­währ haben, an diesen Einzelfragen mitwirken zu können. Wir setzen uns daher dafür ein, daß die Zentrumspartei Kandidaten aus der katholischen Jugend an aussichtsreicher Stelle aufstellt.

3. Wir jungen Staatsbürger aus der katholi­schen Jugendbewegung haben in diesem Wahlkampf eine besondere Aufgabe. Viele von uns haben in den letzten Jahren der Zentrumspartei den Rük- ken gekehrt. Sie taten es aus dem Gefühl per­sönlicher Vemntwortung. Alle dies« rufen wir dringend auf, in dieser entscheidenden Stunde ihre Einzelbedenken zurückzustellen und miteinzutreten in die Front der staatserhaltenden Kräfte. Gerade wir halten uns verpflichtet, unabhängig von der

harmloses Kinderspiel im Vergleich zu der Torheit, daß Hitler die Welt aufs neue herausfordern will, nachdem Deutschland noch nicht einmal die Wunden des letzten Krieges geheilt hat. Wenn es schon mit Rücksicht auf die Mentali­tät der Welt heutzutage überhaupt ein verhängnis­volle Sache ist, mit dem Säbel zu raffeln, so ist es erst recht ein unvernünftiges Spiel, mit einem Säbel zu rasseln, den man gar nicht hat, und mit einem Krieg zu drohen, den man nicht führen kann. Denn daß Deutschland weder finanziell noch militärisch in der Lage ist, in absehbarer Zeit einen Krieg zu führen, ist wohl über jeden Zweifel er­haben. Wenn man das Unglück des letzten Krieges betrachtet und bedenkt, daß der Luft- und Gaskrieg in Zukunft noch verhängnisvoller fein wird und das ganze Land mit allen seinen Bewohnern in Mitleidenschaft gezogen wird, dann möchte man er­schrecken über die Urteilslosigkeit und Leichtfertig­keit, mit der ein Teil der Jugend den Tiraden Hitlers zujubelt.

Ein weiteres Argument Hitlers entbehrt ebenso aller Vernunft, nämlich die Folgerung, der Natio­nalsozialismus müsse die Folgen der Revolution von 1918 durch eine neue Revolution wieder gutmachen. Der Verlust des Weltkrieges ist nicht mehr gut zu machen, auch nicht durch neue Revolutionen. Daß die Revolution von 1918 erst den Verlust des Krieges herbeiführte, ist eine Ge­schick t s f ä l s ch u n g. Der Krieg war nach dem Urteil aller Sachverständigen schon verloren im Juli 1918 und war erst recht völlig aussichtslos geworden nach dem völligen Zusammen­bruch von Bulgarien, der Türkei und O e st e r r e i ch. Die Deutsche Revolution kam erst nachher. Daß sie die Lage Deutschlands ganz hoff­nungslos gestaltete, ist wahr. Sie war darum in jenem Augenblick eine unglaubliche Torheit auch vom Standpunkte jener, die sie verursachten, und ein Verbrechen am deutschen Volk. Aber wo war denn damals Herr Hitler? Ein Teil seiner eifrigsten Mitarbeiter hat bei der Revo­lution mitgeholfen. Er selbst hat seine tapferen Reden damals für sich behalten. Damals hätte er reden sollen! Wenn das deutsche Heer gewollt hätte, dann hätte es mit dem Kaiser an der Spitze die Revolution leicht Niederschlagen können. Aber es wollte nicht und ließ dem Kaiser sagen, daß es nicht weiter unter seiner Leitung marschieren und erst recht nicht gegen die Revolution kämpfen wolle. Wo wardamals HerrHitler?

An der Stelle des Chaos, das durch die Revolu­tion geschaffen war, hat sich das deutsche Volk mit Zweidrittelmehrheit in der Verfassung von Weimar ein neues Haus gebaut. Wenn dieses Haus Mängel hat, was von niemand bestritten wird, so müssen die Fehler beseitigt wer­den. Aber nicht durch eine neue Revolution, die nur neue Trümmer schaffen würde Und erst recht nicht nach den phantastischen Plänen eines Großsprechers, der aus dem Kriege nicht­gelernt hat und all» Fehler der früheren Diplo­maten in zehnfacher Vergrößerung wiederholen möchte. Wir wollen Herrn Hitler nicht zum Führer, denn er würde Deutsch­land in neues, noch größeres Unglück führen! Wer ihm zujubelt, macht sich fürseine Verirrungen auch selb st ha ft- har.

Parteiorganisation die aktiven politischen Kräfte der Jugendbewegung aufzurufen.

4. Wir wählen am 14. September Zentrum. Nach Erzberger, Wirth, nach Marx übernahm Brü­ning, wiederum ein Mann des Zentrums, im Augenblick der Not die Führung des Staates. Er hat unser Vertrauen. Zwar mußten wichtige Ein­zelziele für den Augenblick zurückgestellt werden, die uns innerste Angelegenheit sind, und es bleiben werden. Trotzdem besitzt Brüning unser Vertrauen. Er besitzt es, weil wir bei ihm den ganz großen Einsatz der Persönlichkeit spüren, und weil wir ihn unserer Generation verwandt wissen.

Darum rufen wir Euch auf:

Am 14. September mit dem Zentrum für Brünings

Für den Arbeitskreis:

Dr. Lorenz Fischer, Dr Franz Kloidt, Kurt Witt, Erich Reisch, Felix Raddatz, Ernst Fuhry, Dr. Josef Wagenbach, Dr. Viktor Schamoni, Heinrich Bach­mann, Johannes Maier, Dr. Johannes Maasfen.

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Wir begrüßen diesen Aufruf aus den Reihen der katholischen Jugendbewegung. Mr teilen mit ihm das Urteil, über den Ernst unserer wirtschaft­lichen und politischen Lage sowie über die Notwen­digkeit eines Einsatzes der gesamten Kräfte der katholischen Jugend bei dieser Wahl. An diesen Aufruf knüpfen wir die Hoffnung, daß er in den Kreisen der katholischen Jugendbewegung volle Auf­merksamkeit findet und der Anstoß zu weiteren Auseinandersetzungen über die politische Gegen­wart wird, die dem Ernkt der Lage und der Be­deutung des 14. September gerecht werden.

Wir zweifeln nicht, daß die Geschlossenheit und Stoßkraft der katholischen Jugend, wie wir sie im Gegensatz zu den Wahlen 1928 diesesmal feststellen können, durch diesen Aufruf eine große Förderung erfährt. _____________

* Glückwünsche des Auslandes zum Verfassungs­tag. Anläßlich6es Verfassungstages hat der Prä­sident der Vereinigten Staaten von Amerika dem Herrn Reichspräsidenten durch ein in herzlichen Worten gehaltenes Telegramm feine Glückwünsche übermittelt. Ebenso haben Glückwunschtelegramme übersandt der König von Aegypten, der Schah von Persien sowie die Prä­sidenten von Bolivien, China, Kolumbien und Kuba. Eine große Zahl der in Berlin beglaubig­ten Missionschefs hat persönlich im Präsidenten- palais vorgesprochen, um die Glückwünsche ihrer Staatsoberhäupter zum Ausdruck zu bringen. Auch zahlreiche deutsche Auslandskolonien haben gelegen» lich der von ihnen abgehaltenen Verfassungsfeiern des Herrn Reichspräsidenten in Begrüßungstele­grammen gedacht.

* Die Abreise des Königs Stftfal aus Berlin. König Faisal vom Irak hat Berlin verlassen und die Reise nach Paris angetreten.

* Mändatsniederlogung Gottwalds. Der lang­jährige, verdienstvolle Abgeordnete der Zentrums- partei des Wahlkreises Liegnitz, Regierungs- und Schulrat Gottwald aus Berlin, ein geborener Schlesier, der ja schon seit längerer Zeit erkrankt ist, hat aus Gesundheitsrücksichten sein Land­tagsmandat nfeb ergelegt. Sein Nach­folger, Studienrat Honig, genießt in der Zen­trumspartei Niederschlesiens allgemeines Verträum.

Aeue Sammlungsversuche.

Aus Berlin wird uns geschrieben:

e§ uicht wahr ist, daß der Führer ^kschnservativen, Herr Treviranus, auf o<iuft die Parteien, die nach dem Scheitern yerbanblungen mit der Staatspartei etwas stehen, zum Versuch einer Ml"" Sammlungsaktion eingeladen hat, O1’™ sicher eine Atmosphäre, in der Zu- br & i verlangt werden. Es ist natürlich ■ ü0!t den Volks konservativen aus genau *. Wroietig mit der Volkspartei zu einer Einigung ?^wmmen, wie es vorher Herrn Scholz mißlang, grundsätzliche im Weltanschaulichen tour» zwischen Konservativen und Libe- bcs (s 'U ja>. und es ist nicht sehr wahrscheinlich, n AEviranus feinen früher deutschnationa- te^Wrn, denen er schon vieles zumuten ,v, auch noch die Gesinnungsverwandtschaft mit r •Leutidjen Volkspartei einreden könnte, zumal - annehmen darf, daß auch bei Herrn Minister M. ^urtms die Ausfassungen über Treviranus "^?ststschen Husarenritt vom Sonntag sich nicht ^.^rejtloses Einverständnis deuten lassen. Die Sammlungsmöglichkeit war und ist, so Henn KE' itnmer noch die, die Dr. Höpker-Aschosf Scholz- angeboten hat und mit der ja auch Koch-Weser, sondern offensichtlich weite Kreise stark sympathisieren. Das irr- ^ch die Meldungen aus Süddeutschland. h^t^n.Eemberg haben Volkspartei und Staats- V JIco zu gemeinsamer Kandidaten-Ausstellung h„en; "nd wenn man die den beiden Parteien . t steten Wahl zugefallenen Stimmen auch i n^-,^rsichtig in Rechnung stellt, so muß man x ^""st'ges Gesamtergebnis erwarten, das bei 8 genwärtigen parlamentarischen Konstellation ch-» ^.om Zentrum nur recht sein kann. In .scheinen ähnliche Verhandlungen vor dem zu stehen. Auch in der Parteileitung der .Partei macht sich eine Art von Silberstreifen ts. ”?at> toenn man die Nationalliberale Sorte» . in den letzten Wochen nicht gerade ^-?nEstisches Meisterstück bewiesen hat, richtig hu, ■ - Scholz allerdings veröffentlicht einen iL s» ^er ftiner Partei den Kampf auf > chnung angekündigt. Aber selbst er spricht on etwaigen nach den Wahlen sich ergeben» . oguchkeiten. Man hat, je länger man dieses lajon wochenlang dauernde Spiel beobachtet, ».starker den Eindruck, hier im Kleinen ein hJ b Konterfei deutschen Parteilebens vor sich Er» •’ "Ns sich so verhängnisvoll in den letzten t m •ltn Reichstag ausgewirkt hat. Sie können Wammen kommen, weil unmöglich der eine

Hier dürfte unausgesprochenermaßen schon wöh- renö der Ratstagung der Schwerpunkt der 2:s- rufltcner: — und zwar nicht nur derjenigen, die hinter den Kulissen stattfinden, — liegen, sodaß man dieser 60. Ratstagung, insbesondere natürlich w ihr folgenden Vollversammlung, trotz £?r ,m großen und ganzen wenig bedeutsamen Aoßcsorbnung mit großerSpannung entgegensehen

uldaerZertung

Anzeiger für die Stabt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches kreisblatk.

die sämtliche« Empfindlichkeiten des anderen im Kopfe haben und berücksichtigen kann. Aber der eine zeigt sich dann leider ebenso leicht gekränkt. Auf diese Weise kann man vielleicht ein blü­hendes Vereinsleben auf kleinstädti­scher Grundlage organisieren, aber keine Par­tei auffteHen und führen, die den Beruf haben soll, maßgeblich deutsche ReichspMtik mitzuge­stalten.

Ekak und Finanzreform.

Die Reichsressorts sind zur Zeit damit beschäf­tigt, die Vorarbeiten für die Aufstellung des Haus­halts 1931 zu leisten. Die Ausstellung dieses Etats wird unter Bedingungen allerstrengster Sparsam­keit vor sich gehen. In Zusammenhang damit stehen die Arbeiten für die Vorbereitung der Finanzreform. Wie der „Germania" zufolge ver­lautet, wird sich das Reichskabinett Anfang näch­ster Woche in Berlin versammeln, um über diese Frage zu beraten.

Ein rheinischer Mahnruf!

Am Verfassungstage erließ der Reich^ommis- far Ernst Freiherr Langwerth o. Simmern einen Mahnruf „An alle Deutschen, die guten Wil­lens sind". Der Verfasser weist auf das Anschwel­len der radikalen Parteien hin. Wir laufen Ge­fahr, bei einem Kampfe aller gegen alle zu enden .. . Es gibt auf dieser Erde nur eine Möglichkeit, zu dauernder Freiheit zu gelangen: Frei werden von allem fremden Zwange, aber sich freiwillig unterordnen den von Gott gesetzten sittlichen Ge­boten. „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst", in diesem Christusworte sind die Möglich­keiten und die Grenzen aller menschlichen Freiheit begriffen . . . Möchte die große wirtschaftliche Not, in der mir stecken, uns zum Nachdenken über uns selbst bringen, zum Nachdenken aber auch über die Wirklichkeit der Dinge und über die damit zusam­menhängenden realen Möglichkeiten! Die Not der Gegenwart ist so groß, wie sie es vielleicht seit den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges nicht gewesen rst. Möchten innere Wahrhaftigkeit und Entschluß­kraft uns dazu befähigen, mit Gottes Hilfe alle Nöte zu überwinden!

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Well jm Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag iS V Der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrist- v .. leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::

müssen, weil die vorbereitende Kommission für die auf den 1. Dezember ds. Js. angefetzte Rauschgift- Konferenz ihren Bericht noch nicht fertiggestellt hat, was ganz zweifellos nur zum geringsten Teil mit pr Schwierigkeit der Materie zusammenhängt. MWnrsch-titauischen Verkehrsstreitigkeiten und die Erledigung der griechisch-bulgarischen Flücht- kmgsstage gehören endlich schon zum eisernen Be­stand der Ratstagungen und dürften keinerlei sen­sationelle Auseinandersetzungen zeitigen. Dage­gen darf man annehmen, daß bei verschiedenen die­ser Materien und wahrscheinlich auch noch in be« ""derer Debatte die grundlegenden europäischen rtschasts- und Verkehrsprobleme zur Sprache kommen werden, so weit ihre Behandlung als Vor- oereitung auf die Paneuropadebatte der Vollversammlung notwendig ist oder gelten kann.

Sechzigste Hals-Zagung.

5 September beginnt unter dem Vorsitz ewlaners Zumeta die 60.Tagung des V öl- u'n d s r a te s, deren vorläufige Tagesord- loeben bekannt gegeben worden ist. Im we- n gilt die Tagung der Vorbereitung der 'hunds-Vollversammlung, die 5 Tage später entreten wird. Die Tagesordnung des Ra- 'n'thält 23 Punkte, darunter die schon obligat jene Beratung von oberschlesischen Minder- hutzfragen, über die — entsprechend dem nun geltenden schematischen Berichterstattertur- 1 her Vertreter Japans berichten wird. Da- ,n m von besonderem Interesse die Frage der er Verfassungsänderung, wozu allerdings VAkerbundsrat nur der diesbezügliche Bericht mmisfars angenommen werden kann, wäh- , hie Inkraftsetzung der neuen Verfassung erst len kann, wenn die Vollversammlung des Völ- _ des sie billigt. Der Vertreter Deutschlands über die Beratungen des Wirtschaftsausschusses, im Juni ds. Js. tagte, zu berichten. Endlich noch die Berichte über die Ergebnisse der üsse für das Völkerbundsinstitut für inter» ionale geistige Zusammenarbeit und über die erbundsoerwaltung zur Beratung. _____

Ein weltpolitisch wichtiger Komplex wird mit demBerichtderMandatskorn Mission in Angriff genommen, den der Vertreter Finnlands en wird. Wenn man auch mit der Wahl absolut neutralen Vertreters die Tendenz wiesen hat, der zu erwartenden Auseinanderset- nach Möglichkeit jede Schärfe zu nehmen, so man sich doch auf ernste Auseinandersetzun­gen gefaßt machen dürfen, da die Behandlung der vorjährigen Unruhen in Palästina nicht umgangen werden kann. Es ist nicht sonderlich rühmlich für den Völkerbundsrat, daß die Behandlung der Opiumfrage abermals wird aufgeschoben werden