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Mik Zungbauern auf Siedlungssahrt
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Dieser Brief spricht für sich. Aus ihm spricht die tung des überwältigenden Teils der katholischen Iu die zur politischen Entscheidung überhaupt, und ba zur Mitarbeit an einer Partei berufen ist.
d e s h e i m legten die Besten der katholischen Junglehrer ein spontanes Bekenntnis zu Volk und Staat ob und forderten die ihnen nahestehenden Parteien auf, die Junglehrer im Kampfe um Lebensrecht und Lebensinteressen der katholischen Volksschule und Jugendbildung zu unterstützen. Dieses Bekenntnis ist umso erfreulicher, als viele Tausende von katholischen Junglehrern schon seit vielen Jahren keine Möglichkeit finden, ihren Beruf auszuüben. Immer wieder haben sie sich vertrösten lassen, haben versucht, sich irgendwo durchs Leben zu schlagen, bis sie in den Schuldienst endgültig eingestellt würden. Umso größer war die Bestürzung, als man erfahren mußte, wie die von den Akademien kommenden kaum 20 Jahre alten Lehrer ihnen, die seit 10 Jahren auf Anstellung warten, vorgezogen wurden und werden. Das ist ein Unrecht. Man hätte den Junglehrern dann keine Hoffnung machen dürfen. Diese Bevorzugung der akademisch gebildeten Lehrer muß verschwinden. Sie können ruhig einige Jahre warten, bis alle brauchbaren älteren Junglehrer den Beruf ausüben. Daß man versuchsweise die ersten Lehrgänge der Akademien anstellte, kann man verstehen. Man mußte erproben, wie sie sich in der Praxis bewähren. Dieser Grund fällt aber jetzt weg. Deshalb wäre es unerhört, wenn der Unterschied weiter gemacht würde.
Man kann fast begreifen, daß einige Junglehrer mit dem Nationalsozialismus liebäugeln. Der Schritt ihres Kollegen Jordan, aus demSchuldienst auszuscheiden und nationalsozialistischer Agitator zu werden, mag manchem wirtschaftlich ganz klug erscheinen. Er brauchte kein Opfer zu bringen. So wie die Aussichten der Junglehrer jetzt scheinbar stehen, hätte er im Schuldienst noch lange warten müssen, als nationalsozialistischer Agitator ist er schon Kommunallandtagsabgeordneter geworden. Vielleicht bringt er es in unserer tollen Zeit auch noch für einige Jahre etwas weiter.
Das enthebt uns aber nicht der Pflicht, für die Beseitigung eines Unrechtes einzutreten.
über Hamburg.
Von T
Pfing st montag, den 9. Juni.
zu einem derben Schimpfwort öffnen, als mir rechtzeitig einfällt, daß die Frühaufsteher nicht so schnell aus ihrer Gewohnheit kommen können. Zu Hause werden sie im Sommer wohl selten länger als bis 5 Uhr oder 4 Uhr morgens schlafen. Wohl oder übel beginne auch ich langsam aufzustehen.
Um 7 Uhr ist hl. Messe in der kleinen katholischen Kirche, die inmitten der Auswandererstadt liegt. Einige geschmacklose Bilder mit polnischen Inschriften lassen erkennen, daß hier wohl meistens fremde Lieder gesungen werden.
Kaffee wird wieder in der großen Kantine getrunken. Vor ihr haben sich auch die Insassen des Auswanderer- Heims eingefunden. Es mögen einige Hundert sein; eine bunt zusammengewürfelte Gesellschaft. Dem Aussehen und der Haltung nach kommen sie fast alle aus dem Osten und Süden Europas.
Lange Zeit zur Betrachtung bleibt uns nicht. In Eiltempo gehts zum Bahnhof. Der Vorortzug bringt uns in das Zentrum der Stadt. Wir pilgern zu Fuß los. Es geht durch viele Straßen. Sie sehen so gleichförmig aus wie Großstadtstraßen eben sind. Wir haben einige Mühe, bei dem regen Verkehr uns nicht zu verlieren. Als einige einmal zurückbleiben müssen, werden an jeder Straßenecke Posten aufgestellt, so daß sich niemand verlaufen kann. Endlich sind wir bei den Hamburger Hochhäusern, dem weltbekannten Chile- und Albert Vallin-Haus. Diese 10 und mehr Stockwerke hohen, wundervoll geliederten Ge- bäudemassen machen einen überwältigenden Eindruck. Bald werden hier noch mehr dieser deutschen „Wolkenkratzer" stehen. Schon sind ganze Straßenblocks niedergerissen. Wie Schlachtfelder sehen die öden Trümmerhaufen aus.
Ein schmaler Arm des Hafens führte uns unserem Ziel, dem Anlegeplatz der Dampfer für die Hafenrundfahrt, zu. Kleine Dampfer ziehen riesige Schleppkähne. Ihre Sirenen erschüttern das Trommelfell.
Bald sind wir alle in einem Schiff verstaut. Die Rundfahrt beginnt. Unsere Erwartungen werden übertroffen. In viele breiten Buchten und Kanäle verästelt sich der größte deutsche Seehafen. Ueberall ist reges Leben. Große Ueberseedampfer haben an den Kais festgemacht und cht-
führte, waren im weiteren Sinne C h r i st l i ch - s o- ziale Gedankengänge. Es trat derselbe Gegensatz zu der politischen Opportunitätsarbeit des Zentrums in Erscheinung, den wir schon so oft in diesen Blättern ausgezeichnet hatten. Das wissen die jungen Menschen. Mehr noch! Sie erleben es förmlich, daß bei ihrem aktiven Eintreten in die Politik das „Zentrum" ausgespielt haben wird; denn Jungborn-Jdeen und Zen- trumsbonzenwirtschast stehen sich gegenüber wie Feuer und Wasser."
Diese und ähnliche Gedankengänge finde ich in der Fuldaer Ausgabe vom „Neuen Volk" (2. Aug. 30). Daß mich diese Schlußfolgerungen an mein Referat nicht wenig überrascht haben, werden sowohl meine Freunde im Jungborn als auch die Fuldaer Zentrumsleute verstehen. Dem Artikelschreiber, der von seinen Anhängern sicher sehr schlecht beraten war (vielleicht war auch der Wunsch der Vater des Gedankens), sei es aber verraten, d a ß i ch gar nicht daran denke, von meiner Zentrumsgesinnung auch nur ein Jota aufzugeben. Dafür zeugt schon meine langjährige Tätigkeit als Gen.-Sekretär der Nassauischen Zentrumspartei. Mein Vortrag konnte deshalb auch keine „christlich-sozialen Gedankengänge" enthalten. Allerdings liegt mit dieser Behauptung des Leitartiklers vom „Neuen Volk" der Verdacht nahe, daß hier gegenüber dem Zentrum Dämme aufgeworfen werden, die doch bei gleichen „Gedankengängen" sinnlos sind. Es lag mir aber an jenem Freitagabend ganz fern, ein Bekenntnis zu dieser oder jener Partei abzulegen. Der Rahmen, in dem mein Referat stand, war viel größer. Mir ging es darum, unseren Freunden und Gästen ein Bild unseres Ringens und Schaffens während der Fuldaer Tagung zu geben. Diese Tagung stand mitten in der Krisenzeit von Wirtschaft, Staat und Volk, konnte also an diesen Fragen nicht vorbeigehen. Und diese Tagung brachte auch ein starkes Einschwenten der jungen Menschen in bie Front derer, bie Verantwortung in Staat unb Wirtschasttragen wollen. Dieses Wollen in bie Öffentlichkeit zu stellen unb umRaumzurAr- beit für unsere Jugenb zu rufen, mußte bar- um auch meine Aufgabe fein. Daß babei vor allem bie Sorge um unsere berufs- unb erwerbslose Jugenb im Vorbergrunb ber Betrachtung staub, war Selbstverstänb- lichkeit. Dabei habe ich z. T. Forberungen unb
Der Zug raste weiter auf Hamburg zu. In einem Vorort muhten wir umfteigen. Auf dem Bahnsteig stießen wir auf über 100 Hamburger katholische Jungen. Sie waren alle in bunter Wanberkluft. Es war ein Teil ber Hamburger Sturmscharen, bie von einer großen Fahrt unb aus ihrem Lager zurückkehrten. Ein brausendes Heil hieß uns willkommen. Wir antworteten mit einem Lied. Dann zwängten wir uns in den übervollen Vorortzug. In ber zweiten Klasse konnte man noch einige Stehplätze erobern.
Aus ber Ferne sahen wir ben Hamburger Hasen. Ein Gewirr van Schloten unb Masten. Eine graue, von ber Abenbsonne vergolbete Dunstschicht lag über dem Hafengebiet.
Endlich war die Endstation erreicht. In langem Zuge ging es in das Auswandererheim der Hapag, in dem wir bie Nacht verbringen sollten. Mit unseren Köfferchen unb Rucksäcken sahen wir ganz wie Heimatlose aus. Unb un» fer großer Trupp erregte auf ber Straße einiges Auf- feljen. Da geht wieber eine Menge strammer, junger Leute über bas Meer, buchten bie Leute, ja bie Arbeitslosigkeit! Gott sei Dank, wollte aber keiner von uns bie Fahrt ins Ausland machen.
Das Heim für bie Auswanderer ist ein durch Mau- ern und Zäune von ber Nachbarschaft abgetrenntes gro» fjcs Dorf. Hinter ben umfangreichen Verwaltungsgebäuden liegen bie massiven Baracken, in benen bie Aus- wanberer untergebracht werben, bis ihr Schiff zur Abfahrt bereit ist. Wir erhalten drei große Schlafräume angewiesen. In jedem stehen etwa 50 Betten. Sie sind frisch überzogen. Alles ist sauber. Nur riecht es etwas nach einem Desinfektionsstosf. Nachdem wir uns einigermaßen eingerichtet haben, unb jeber bas Bett beschlagnahmt hat, bas ihm bas beste scheint, geht es zur riesigen Kantine bes Heims. Wir sitzen an langen, weiß
Erkenntnisse wieberholt, bie vor Q ber Reichsjugenbausschuß ber Zentra Partei mit Erfolg bei ben Fraktionen treten hatte.
Dann gingen meine Worte an biefem Abend erst an unsere jungen Menschen selbst, über allem blematifieren nicht bie praktische Arbeit zu vergesse^
Das Gleiche galt für ben politischen Teil meiner 9 sührungen. Auch hier kein Parteibekenntnis. Alle baer Katholiken hatten wir ja gelaßen. Aber poli Verantwortlichkeit jebes Einzelnen mufet»' forbern. Sie steht aber n i ch t i rn l u f t l e e r e n R » Vor mir ftanb vielmehr
ber Kampf um bie Entscheibung am 14. September.
Das Ringen um bas Schicksal von Staat und In biefem Ringen steht auch bie kath. Jugend in vorher st er Front. In positiver Arbeit. Für setzende, fruchtlose Kritik ist jetzt kein Raum, wenn Lebensfundament im Volk in Gefahr. Wir brauchen dü aufbauenden Kräfte. Daß dann, wenn bie kath. in biefe Front bes politischen Kampfes eingeschwe „bas Zentrum ausgefpielt haben wird", ist ja nicht Der beste Beweis dafür war die Fuldaer Tagung, Aelteren-Arbeitskreife von aktiven Zentrumsleuten geleitet wurden. Unb ber eine Kreisleiter war kein Unbe. tannter; es war ber Spitzenkanbibat der Zentrum in Hessen-Nassau, Prof. Dr. Dessauer. Es ist all» auch nicht wahr, was im „Neuen Volk" zu lesen ist; Zentrum kommt bei diesen Jungbornveranstaltungen dämmt schlecht weg." Zudem ist diese Behauptung eil Verkehrung des Sinnes der ganzen Tagung. Die einandersetzungen in den Arbeitskreisen gingen zunö und in ihrer ganzen Breite um die Fragendes religiösen und sittlichen Zerfalles im kath. Volk. Unb um bie Krise in der Wirtscha nung. Selbstverständlich, daß bei letzterer Frage Dessauers W ir t s ch af t s p r o g r a m m, also auch Zentrumsprogramm, im Mittelpunkt der Aussprache stand und so auch politische Entschei der letzten Wochen. Aber keine Auseinandersetzung i die Partei.
Es hätte für die Kreisleiter nahe gelegen, in Kreis die Entscheidungen der Zentrumspartei in den bergrunb zu stellen. Sie finb nicht ben Weg bes „N Volkes" am Freitagadenb gegangen. Unb wenn sich end) ber Leitartikler borüber beklagt, bie Verteilun g s eine r Zeitung nach ber öffentlichen Kund- gebung war eine „Taktlosigkeit". Damit mußte ja ber Eindruck entstehen, als wolle der Jungbow 1 für die „Christlich-soziale Reichspartei" in Fulda roerben, | Wir waren es vor allem Dessauer schuldig, daß dieser Eindruck nicht aufkam. Alle Führer der Bundesleitung waren sich einig darüber, daß wir auch in der Öffentlichkeit diesen Eindruck vermeiden mußten. Aus dieser tuntion kam dann auch die Erklärung in der Fulda Zeitung.
Ich habe diesen Ausklang der Fuldaer Tagung dauert, weil damit zum Schluß noch Spannungen örtlicher Natur hinein getragen wurden, die in Arbeitskreisen nicht bestanden. Ich muß es nun d bedauern, daß auch meine Worte vom Freitag eine |i Deutung fanden. Daß sie trotzdem in jeder Formulie weiter bestehen, ist selbstverständlich. Genau so sei verständlich ist auch mein starkes Bekei nis zur Zentrumspartei. Als junger Katyn als Jungborner. Und ich weiß um die große Mehr der Aelteren im Jungborn, die mit mir einig im gl politischen Bekenntnis sind, die Tag für Tag aufs in die Front der Zentrumspartei hineinwachsen, «ö fere Freunde im Jungborn!"
Willy Wolfermann, Düsseld
gedeckten Tischen und sind sehr lustig. Das Essen ist einfach, aber gut.
Inzwischen ist es schon spät geworden. Doch verspürt man noch keine Lust, sich ins Bett zu legen. Es fehlt der Raum, in dem man sich noch etwas hätte gemütlich zusammensetzen können. Man weiß nicht recht, was man anfangen soll. Es kommt etwas von der Langeweile über mich, die auf den Auswanderern lasten mag, die hier viele Tage auf ihr Schiff warten. Im Vorraum zu den Schlafsälen sitzen einige und schreiben. Sie führen brav und energisch ihr Tagebuch. In einer Ecke dreschen drei mit Hingabe einen Skat. Wir schlendern durch die dunklen Lagergassen. Vor einer Baracke sitzen noch einige Männer. An ihrem Aeußeren schon erkennt man, daß sie aus den östlichen Teilen Europas kommen. Da die Leute deutsch reden, entfpinnt sich ein Gespräch. Es sind deutsche Flüchtlinge aus Rußland. Das Gespräch führt meist ein blonder junger Mann mit einem intelligenten Gesicht, das trotzdem den charakteristischen Zug hat, der die Menschen aus dem Osten kennzeichnet. Ich hatte schon oft von der Bedrückung der Bauern durch die Bolschewisten in ben Zeitungen gelesen, bie Melbungen aber für die üblichen Uebertreibun« gen gehalten. Die schlichten tendenzlosen Erzählungen des einfachen, deutschen Bauern aus ber Krim überzeugten mehr. Er war mit seiner Frau unb einem kleinen Kinb bei Nacht unb Nebel über bie russische Grenze geflohen, weil bie Bolschewisten ihn, ben Großbauern, verfolgten. Sein Bruder sitzt jetzt in irgendeinem russischen Gefängnis. Er selbst zieht wieder Heimat- und mittellos in ein fremdes Land, um für fein Geschlecht einen neuen Bauernhof zu erarbeiten.
Nachdenklich gingen wir unserer Baracke zu. Die meisten hatten sich schon niedergelegt. Auch wir waren bald ermüdet eingeschlafen . . .
Dienstag, den 10. Juni.
Ich werde wach, weil mein Nachbar mit ziemlichem Geräusch in seinen Sachen herumrumort. Ein Blick auf die Uhr. Es ist noch lange nicht die sechste Stunde. Ich hätte noch fast eine Stunde schlafen können, da wir erst um 6.15 aufstehen sollten. Mein Mund will sich gerade
Wie lange wollt Ihr warten?
Aus dem kleinen Kreis der neuen kath. Jugend im Fuldaer Land wird uns geschrieben:
Was hat es eigentlich für einen großen Wert, immer wieder mit großen Worten festzustellen, daß „die glaubenslose, rsligionsfeindliche Front marschiere" und anschließend dann Erweckungsreden an die „Schlafmützen" im kathol. Lager zu halten, daß es an der Zeit sei, aufzuwachen und sich zu sammeln? Es ist sicher notwendig, vor ben Reichstagswahlen auf das geschlossene Zusammenstehen aller Katholiken hinzuarbeiten. Aber in dieser Rührigkeit und diesem äußern Aktivismus immer wieder das Wesen der kathol. Aktion zu erblicken, bedeute doch eine starke Gefährdung für die Innerlichkeit der Bewegung, deren begeistertster Träger ber gegenwärtige Papst selbst ist. Soll benn bie kathol. Aktion zur bloßen Abwehrbewegung werben, wie es die Ku'- turkampfbewegung war, die sich zu sehr staats- und kirchenpolitischer Mittel bedienen mußte und dafür aber den ungeheuren geistigen Säkularisationsprozeß auch innerhalb usserer Reihen nicht fruchtbar unterbinden konnte? Es ist Tätigkeit auf weite Sicht, wenn sie nach innen geht. So müßte die kath. Aktion beginnen zunächst im einzelnen Menschen jene Spaltung von Religion und Leben zu beseitigen, wieber ben ganzen Menschen mit seinem Denken und Handeln in die Uebernahir hineinzustellen. Die Hoffnung liegt bei der Jugend. Darum müßte auch hier der Schwerpunkt der kathol. Aktion liegen.
Wenn man hineinschaut in die katholische Jugend des Fuldaer Landes, so kann man viele erfreuliche A n- sätze zum Aufbruch fftstellen. Aber dies Arbeiten, diese Erweckung der Jugend müßte sie nicht noch systematischer, planvoller mit Einbeziehung aller Ortschaften vor sich gehen? Gewiß die Bereisung des Fuldaer Gebiets durch David Gathen und Aloys S e y o ck stellte schon ein Anfang dar. Wer müßte dies nicht viel intensiver betrieben werden? Könnte man nicht regelrechte Schulungsksurfe einrichten für Jungfüh- rer, die man sich aus den einzelnen Gemeinden auswählt, und die bann wieber wie ein Sauerteig unter der Jugend wirkten? Es fehlt in unserem Fuldaer Gebiet an einer Burg, die man als 3ugenb- heim einrichten tonnte. Die Diözese Limburg erwarb ein einsam stehendes Bauernhaus in Kirchähr, im Westerwald, das sie für derartige Zwecke bereithält, Man könnte gewiß auch ein Zeltlagerdraben auf ber Rhön aufschlagen. Jedenfalls müßte man diese jungen Menschen, die für die „neue kathol. Jugend" begeistert werden sollen, in einem entsprechenden Kreise einige Tage gemeinsam verleben lassen. Vorträge mit Aussprache müßten einen Blick in die Notlage der Zeit gewähren unb bie Verantwortung unb Aufgaben der Jugend in ihr auf- zeigen. Die ganze Atmosphäre, bie diese Schulungstage umgäbe, müßte einsühren in den Geist der neuen Jugend. Vielleicht könnte eine schwungvolle Sturmschargruppe aus einer Stadt mit dazukommen, die in Lied unb Spiel bas Nötige dazu gäbe, aber vor allem unserer Landjugend die ganz andere, frischere Art einmal lebendig vorlebte.
In vielen Gemeinden schläft man bis jetzt noch einen sanften Schlaf. Trotz Aufrufen und von oben ungeordneten Jugendfonntagen, und was sonst noch alles geschieht, ist dort von Leben noch wenig zu merken. Man sehe sich doch bloß diese Jugend in ihrer Freizeit an! Wie sehr ist sie doch in vielen Gemeinden, wo ihr der Führer fehlt, auf das Wirtshaus, aufs Tanzvergnügen, Skat- fpiel, Trinken und Rauchen direkt angewiesen. Es werden ihr ja keine schöneren Freuden gezeigt, kein schönres Ideal vorgestellt. Aber irgendetwas muß die Jugend doch erfüllen. So sind es diese zweifelhaften Güter. Aber dahinter steht doch ein gewisses Unbefriedigtsein, eine ziemliche Leere. Man kann es heraushören, wenn man sich mit einem jungen Menschen dieser noch nicht aufgeweckten Jugend unterhält. Es erwacht die Sehn- i sucht, etwas zu haben, wofür sie sich einsetzen können, I wohinein sich ihr Idealismus, ihre Jugendkraft auspuffen kann. Wenn man ihnen erzählt etwa von frohen Fahrten und Zeltlagern, von begeisterten Tagungen, da möchten sie einschlagen und mitmachen. Es ist bestimmt große Bereitschaft unter unserer Fuldaer Landjugend. Sie wartet bloß auf ben großen Führer, ber sie sammelt, der auch ihrem Jugenbleben Fülle und Inhalt gibt. Soli dieser Führer der Sozialismus oder Nationalsozialismus fein ober sonst eine ejtreme Gruppe? Gerabe ber Katholizismus kann den jungen Menschen soviel Freude geben, kann ihre Jugend so sehr mit Inhalt füllen. Wer einmal eine Jugend tagung eines katholischen Bundes erlebte, den religiösen Feiern und Gottesdiensten beiwohnte, der konnte sich bann erklären, warum biefe jungen Menschen so begeistert zu ihrem Ideal stehen, währenb boch so viele an«
Der „Jungborn", bie abstinente werktätige Jugenb katholischen Glaubens, hielt seinen biesjährigen Bunbestag kürzlich in Fulba ab. Mit Absicht trat man babei weniger in bie Oeffentlichkeit, sondern setzte sich in kleineren Arbeitskreisen mit ben Ideen von Pros. Dessauer auseinanber, dessen tiefgründiger Versuch, der Wirtschaft neuen Sinn und das rechte Ziel aus christlichem Geiste zu geben, besonders in der katholischen Jugend begeisterte Zustimmung gefunden hat. Nur einmal luden die Jungborner die Fuldaer Bürgerschaft zu einem Vortragsabend in ben Stabtfaal ein. Willy Wolfermann vom Jugenbhaus in Düffel» borf sprach über bas Thema: „Religiöse Krise im katholischen Volk". Er hielt sich dabei bewußt von jeder parteipolitischen Stellungnahme fern. Um so erstaunlicher war es deshalb, daß die Fuldaer Christlich-Sozialen Mihm und Willigsecker feine Worte wie überhaupt den Geist der Tagung für ihr Parteigrüppchen auszumünzen versuchten. Sie stellten babei Behauptungen auf, bie wir eigentlich schon namens ber gesamten katholischen Jugendbewegung hätten zurück- weisen müssen, wenn wir uns hätten sagen können, baß auf Seiten ber Fulbaer Ausgabe bes „Neuen Volkes" geistige Kräfte stäuben, mit benen eine sachliche Ausein» anberfetzung über bie Frage der Katholischen A k- t i o n— die auch für das politische Leben Bedeutung hat — möglich ist. Wir gingen deshalb, wie jeder verstehen wird, über die Behauptungen der Christlich-Sozialen — die übrigens, was häufig geschieht, nicht mit dem Chr ist- l i ch-S ozialen Volksdienst zu identisizieren find' — zur Tagesordnung über. Es entsprach auch durchaus nicht dem Geiste der Tagung, daß man ben „Jungborn" in bie Tagespolitik hineinzog. Nun bittet uns aber Willi Wolfermann, eine Erwiderung von ihm zu veröffentlichen, bie er zur Klarstellung für notwendig hält, zumal er durch das „Neue Volk" in ein ganz schiefes Licht gekommen ist.
„Unsere Freunde im Iungborn".
(Eine Erwiderung an das „Neue Dolk".)
„Die kath. Jugendbewegung zeigt starke Kräfte, bie über bie verlorene Dekabenz im Zentrum hinweg bie Bahn freimachen helfen für bie Erlösung ber Menschheit von leiblicher unb geistiger Not. Was ber Reimer vom „Jungborn" am Freitagabend im Stabtfaal aus
laben ihren kostbaren Inhalt in bie riesigen Lager ober in Schleppkähne. Viele hunbert große Kröne sorgen biefe schwere Arbeit, bie früher von Mensche wochenlangem, mühseligem Schleppen getan muhte. Die großen Werften recken ihre Eisengerä die Luft. In den Docks liegen Ozeanriefen zur Re tur. Kleine, flinke Motorboote huschen hin und Ueberall ist man an der Arbeit. Dabei herrscht Hast. Dazu ist die Umgebung wohl zu gewaltig.
Das Sonnenlicht überflutet die grandiose Arbeite mit ihren warmen Strahlen. Das schmutzige Hasenw glitzert in ber Sonne. In ber Ferne tauchen Ozeanriei von ber Norbsee tommenb, auf.
Unser Dampfer biegt in eine Bucht ein, in ber v Schiffe festgemacht haben. Sie tragen alle ben gle Anstrich. Die gelben Schlote mit bem quertauf Banb ber beutschen Seeflagge schwarz-weiß-rot zeigen baß es bie Schiffe ber Hamdur g-A«i erika-Li" finb. Wir verlassen unseren braven Dampfer, uip 1 Ozeanriesen „Albert Ballin" zu besichtigen, kleinen Trupps werben wir burch bie vielen Passa räume bes Schiffes geführt. Man kennt hier noch ® verschiebens Klassen. Eine sehr luxuriös ausgesta erste Klasse ist für bie reichen Leute bestimmt. Gesch: volle Kabinen bienen ben „Touristen" und endlich fache, aber immer noch wohnliche Räume ben Leuten, mit jebem Pfennig rechnen müssen, Auswanberern u.a? lichen Menschengruppen. Auch in ber brüten Klasse ken man heute nur noch bie Einzelkabine, währenb fru^| viele Dutzenbe von Menschen in einem Raum zusamme gepfercht würben.
Den meisten Platz haben natürlich die Passagiere dek. ersten Klasse. Rauchsalon, Tanzdiele, Lesezimmer, | prachtvoller Speisesaal. Sogar Tennis können bie j schäften auf bem Deck spielen.
Wir finb von bem Herumlaufen ziemlich müde u _ | hungrig. Man sehnt sich nach bem Mittagessen, das u | auch im Speisesaal ber Touristenklasse von einem SuBtaI Steroarbs serviert wirb. Eine Kapelle spielt. Wir P Gäste ber Hapag.
sFortfekuna Mnty
bere in demselben Alter mit größter Ablehnung allem Religiösen gegenüberstehen.
Es ist die Zeit der Ernte, die elfte Stunde und niemand sucht energisch all die müßig am Markt herurn- stehenden für die Reichsgottesarbeit zu gewinnen. — Aber kannst du dir auch nicht selbst helfen, kathol. Landjugend? Wenn dich niemand ruft, poche selbst stark an bie Tore ber Jungmännerbewegung, ober der Kolpingsibee! Ihr seid brei, vier Freunde, habt aus dem „Blatt ber Jugenb" schon eine Ahnung von bem Neuen, bas da wächst, erhalten. Ihr wollt Euch über das geistig verarmte Niveau Eurer Dorfjugend erheben, wollt einen tieferen Sinn, eine geistigere Formung Eurer Jugend! Habt Ihr noch keine Jugendgemeinschaft an Eurem Ort, ist kein Kaplan da, der Euch als Führer vor- angehen kann, findet Ihr kein Verständnis bei Eurem Pfarrer, bann helft Euch selbst! Wenbet Euch an den Diözesanpräses Kind. Marborn oder an das Jugenbhaus in Düsfelborf, daß es einem ober zweien ermöglicht wird, einen Schulungskursus ober eine Führertagung in Altenberg mitzumachen, oder an ben Diözesan-Gesellenpräses Becker in Fulda. Hier werdet Ihr erst einmal sehen, wie der Wind geht, was kathol. Jugend wlll und kann. Vielleicht habt Ihr auch einen jüngeren Lehrer im Dorf, der gerne mittäte, vielleicht kommt er mit zu einer Tagung. Was dann weiter zu tun ist, werdet Ihr dann selbst erfahren unb sehen. Nur müßt Ihr Mut mitbrin- gcn, dürst Euch nicht gleich enttäuschen lassen! Seht, so kann es nicht weiter gehen, daß Ihr tatenlos zuschaut, wie die letzte entscheidende Stunde in unferm Fuldaer Land immer mehr für den Katholizismus verloren geht. — Brich auf, kathol. Jugend! Schlag den Feind aus dem Land und schaffe in Verbundenheit mit der lieber» natur ein starkes, reiches Volkstum!
Die Jungtehrer-Aok.
Die Bevorzugung der akademisch gebildeten Lehrer vor den stellungslosen Junglehrern ist ein schreiendes Unrecht.
Auf der Bundeskonferenz des Katholischen Junglehrerbundes am 2. und 3. August in H il-
Es geht um etwas anderes als um moment nahmen. Es geht um bie Notwendigkeit, bett ber Verfassung unbbie Aufgaben! I a m e n t s jetzt, nachbem gewisse Uebergan ber Inflation überrounben finb unb wir auß. tisch in einen neuen Abschnitt hineinkow vor aller Oeffentlichkeit in ben parlamentarischen e fen zu verwirklichen, unb biefe parlamentarischen »s so burchzusühren, baß bas Volk ein volles 23erftäi für biefe ersten unb wichtigsten Aufgaben bes nä< Jahres bekommt.
Reichskanzler Dr. Briiniy
Nn Auchworl zur »JutigbonT-Iagung
Wo steht Willy Wolfermann?