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Julba, den 11. August 1930

Verfassungskag.

« r heutige 11. August erinnert uns wieder I s^ders deutlich an die unheilvollen Tage, da ' nalt aus dem völligen Zusammenbruch des ' 1918 Deutschland als Staat zu I Der blutige Krieg, in dm wir mit der nren Welt geraten waren und infolgedessen un- £*r,Len mußten, hatte uns außenpolitisch ^»mächtig gemacht, die unter dem Eindruck der Si-ieasnote und der zahlreichen, meist mit dem ^I-pasühren verbundenen Mißstände und Miß- , ^jucke hatten die innerpolitischen Verhältnisse so »rMnittert, daß der Bolschewismus, der ja ^Runland unter ähnlichen Verhältnissen den Sieg daoongetragen hatte, auch bei uns drohte. Die Verfassung von Weimar war ine Ret- ^.nas nsel vor dem Bolschewismus. Sie war auch Ausgangspunkt für die a l l m ä h l i che Zurück- aewinnung außenpolitischer Bedeutung für Deutsch- Der Rhein ist frei! Dieser Tatsache eines sichtbaren außenpolitischen Erfolges wird Heuer am 11- August besonders gedacht. Ernste und vernünftige Menschen sehen die Zusammenhänge „nd würdigen die Bedeutung des Tages. Phanta­sten Toren und Zeitgenossen, die man eigentlich niit' noch härteren Worten kennzeichnen müßte, verhindern es, daß die Verfassung sich so segens­reich auswirken kann, wie es möglich wäre. Zu lärmender Festesfreude ist natürlich heute kein Anlaß. Aber zu einem innigen Gebet zu Gott, er | wjjge Deutschland vor neuen wilden blutigen Schick­salsschlägen bewahren und die Herzen der Volks- qenossen mit ruhig wägender Vernunft begaben und fie vor verhängnisvollem Irrwahn be­schützen, der unser Volk ins Verderben stürzen roürde. *

Während von den öffentlichen Gebäuden die Fahnen des Reiches wehen, hatten die Schulen heute vormittag stimmungsvolle Feiern. Eine be­sondere Note erhielt die Verfassungsfeier imStadL- schulgebäude dadurch, daß sie zum ersten Male die gesamte Schule in der schön geschmückten Aula vereinigte. Das ist die Kapelle des ehemali­gen Iesuitenklosters und Päpstlichen Seminars, die bisher als Museumsraum diente und durch ihre wertvollen Deckengemälde sowie den künstlerischen Stuck eine Perle in dem sonst so nüchternen Bau der „Alten Kaserne" ist. Die Volksschule ist der Stadtverwaltung für die Ueberlassung dieses histo­rischen Raumes zu solchen und ähnlichen Feiern sehr dankbar.

Die Verfassungsfeier der Wi n f r i e d s ch u l e fand aus besonderen Gründen bereits am Sams- '' tag statt. In der Frühe war Festgottesdienst. Beim Festakt am Nachmittag in der Aula gedachte Stu­diendirektor Franz der Rheinlandbefreiunq und verlieh seiner Freude Ausdruck über die Ehre, den Anstaltsdezernenten Herrn Vizepräsidenten Dr. S o n d a g als Gast begrüßen zu dürfen. Seine K Anwesenheit gab der Feier eine besondere Note. -t 5n eindrucksvollen warmherzigen Ausführungen - sprach der Präsident des Prooinzialschulkollegiums zu den Winftiedschülern vom Sinne der Volksge- virinfchaft und den Pflichten der Studierenden gegenüber dem Volksganzen. Im Auftrage des Herrn Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volks­bildung überreichte er zur Erinnerung an den Ver­fassungstag eine wertvolle Buchgabe an den Ober­primaner Josef Albinger. Die von fefselnden ge­schichtlichen Ueberblicken durchzogene Festrede hielt Etudienrat F e u ß n e r. Die Ansprachen wurden umrahmt von einer virtuos dargebotenen Orgel­sonate und frischen vaterländischen Ehören sowie einem flott gespielten Marsch des Schülerorchesters

Fuldaer Aellung (Amtliches Kreisblakk).

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Dienstag, den 12. August 1930.

unter der meisterlichen Führung von Studienrat Z i l l i k e n.

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Heute abend von Uhr ab spielt anläßlich des Verfassungstages bei gutem Wetter die Artil­leriekapelle im Schloßgarten. Um 8 Uhr beginnt im Stadtsaal die offizielle Verfassungs-Feier der Stadt Fulda, bei der alle in Fulda ansässigen Be­behörden vertreten sind und zu der auch die gesamte Bürgerschaft eingeladen ist.

Schul-personennachrichken.

Ernannt zum Konrektor wurde Lehrer Grün in Großauheim, Landkreis Hanau. Endgültig an­gestellt: Lehrer Unverzagt in Hofaschenbach, Kreis Hünfeld, Wasser in Kammerbach, Kreis Wit­zenhausen; die Lehrerin Anna zu Bergen in Ulmbach, Kreis Schlüchtern. Einstweilig angestellt: die Schulamtsbewerber: Bolze in Rodenbach, Kr. Gersfeld, Gottschalk in Wüstwillenroth und Eck­hardt in Kirchbracht, Kreis Gelnhausen. Versetzt: Lehrer: Vlacha von Rabenstein, Kreis Schlüchtern, nach Oberrode, Landkreis Fulda.

Zu den Zenkrumswählern der Stadl Fulda

wird am Mittwoch, dem 3. September, der bis­herige Vizepräsident des Deutschen Reichstages, der bekannte Vorsitzende des So­zialpolitischen Ausschusses, ThomasEsser, spre­chen. Es ist sicher, daß die Fuldaer Zentrumswäh­lerschaft dewi Besuch des rheinischen Volksmannes, der in Arbeiter- wie in Mittelstandsfragen in glei­cher Weise erfahren ist und dazu als trefflicher Red­ner gilt, mit Interesse entgegensieht.

3m Ernste nicht daran zu denken

ist, — was gegenüber gewissen Ausstreuungen auf Grund genauer Information hier festgestellt sein soll —-, an einen Abbau der Fuldaer Städtischen Oberrealschule. Es liegen feiner!ei Anhaltspunkte dafür vor,daß in den zuständigen Körperschaften, die sich bei der Haus­haltsberatung selbstverständlich auch über die Ober­realschule eingehend besprochen haben, von den für eine Beschlußfassung wesent- l ich e n Kreisen daran gedacht wird, die um die Förderung des Bildungswesens der Stadt Fulda so bedeutsame Anstalt in ihren Wirkungsmöglich-. feiten zu beschränken. Im Gegenteil sollen Ver­suche unternommen werden, um die finanzielle Grundlage dieser für Fulda so wichtigen Lehranstalt zu verstärken, ohne daß die ©teuerfraft dabei über Gebühr in Anspruch genommen werden muß. An dem ungestörten Weiterbestehen der Anstalt ist irgend ein Zweifel völlig abwegig und nur geeignet, eine erfolgreiche und segensreiche Bil­dungs-Einrichtung unserer Stadt zu schädigen.

Die Pest-Wallfahrt,

die aDiährlich in Begleitung des Allerheiligsten von der Stadtpfarrkirche zum "Frauenberg hinaufzieht in Erfüllung eines Gelöbnisses, das in Zeiten schwerster Heimsuchung durch die Pest die Bürger­schaft Fuldas gegeben hat, fand gestern statt. Zahlreich nahmen vor allem auch die katholischen Männer daran teil. In der Klosterkirche auf dem Frauenberg war nach Eintreffen der Prozession Hochamt und Predigt.

Destailderres Examen.

An der Forstakademie zu Eberswalde bestand der Abiturient Karl Selig, Sohn des Lehrers a. D. Peter Selig zu Fulda, das Examen als Diplo m - Forstw irt mit der Gesamtnote „gut". Mit 18 Jahren war Karl Selig bei Aus­bruch des Krieges ins Feld gezogen, machte die ersten Kämpfe int Osten mit und wurde bereits im März 1915 Offizier. Nach mehrmaliger Verwun­dung ging er zu den Fliegern und kämpfte bis KriegsfchLlß int Westen. Er blieb dann bei der Reichswehr, bis er 1926 durch einen schweren Sturz dienstuntauglich wurde und den Abschied nehmen mußte. Doch wurde ihm, obwohl er das gesetzliche Alter für das Studium des höheren Forstdienstes

überschritten hatte, die Erlaubnis zum Besuche der Fvrstakademie erteilt, wo er nun fein Ziel erreicht hat.

Lehrgang zur Ausbildung in den vorbeugenden und ausgleichenden Leibesübungen.

Das Institut für Leibesübungen an der Unioer- fität Marburg veranstaltet in der Zeit vom 13. bis 24. Oktober 1930 einen Lehrgang zur Ausbildung in den vorbeugenden Leibesübungen für Turn­lehrer und Turnlehrerinnen. Den Teilnehmern und Teilnehmerinnen von außerhalb Marburgs werden die Kosten der Hin- und Rückreise in der 3. Wagenklasse erstattet sowie für die Dauer der Teilnahme am Lehrgang einschließlich für je einen Tag der Hin- und Rückreise eine Beihilfe von täg­lich 3 Mark gezahlt. Der Lehrgang kann mit der Ablegung der Prüfung in den vorbeugenden und ausgleichenden Leibesübungen abgefchloffen wer­den. Meldungen zur Teilnahme am Lehrgang sind bis 20. September an das Institut für Leibesübun­gen an der Universität in Marburg zu richten.

Lin zeitgemäßes Thema

wird morgen — Dienstag abend — am Vereins- abend des K. K. V. in der Harmonie behandelt. Der allen am wirtschaftlichen Leben interessierten Lesern der Fuldaer Zeitung wohlbekannte Frankfurter Handelsschriftsteller Dr. A. N o l l - Frankfurt a. M. spricht über das Thema „Grün de und Aussichten der Weltwirtschafts­krise unter besonderer Berücksichti­gung der deutschen Verhältnisse". An den Vortrag schließt sich eine Aussprache an. Vor allem auch die selbständigen älteren Mitglie­der werden neben den Angestellten-Mitgliedern sicherlich diesen Vortragsabend beachten.

Das Tragen feststehender Messer ist verboten.

Der Reichsausfchuß der deutschen Jugendver- bände macht alle Gruppen- und Einzelwanderer darauf aufmerksam, daß die Landesbestimmungen über das Tragen feststehender Messer durch die Verordnung des Reichspräsidenten und des Reichs­ministers des Innern gegen Waffenmißbrauch vom

25. Juli 1930 außer Kraft gesetzt sind^ Rach der neuen Reichsverordnung ist auch das Mitführen der sogenannten Fahrtenmesser verboten und wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr, wenn mindernde Umstände vvrliegen, mit Geldstrafe bestraft. Es wird deshalb allen Wan­derern dringend empfohlen, derartige Fahrtenmesser nicht mit sich zu führen und sich lediglich der Messer mit umlegbarer Klinge zu bedienen.

Vorsicht in D-Zügen vor Taschendieben!

Bei mehreren Reichsbahndirektionen laufen seit einiger Zeit täglich Verlustanzeigen von Brief­taschen mit mitunter sehr hohen Beträgen ein. Be­sonders werden die internationalen D-Züge auf den Rheinstrecken in Mitleidenschaft gezogen. Es han­delt sich allem Anschein nach um eine organisierte Bande internationaler Taschendiebe.

Geregnet

hat es in Fulda auch am Sonntag, wenn auch nur in drei kurzen Schauern. Die neue Woche hat mit kräftigen längeren Güssen die Regierung angetreten. Eigentliche Sommerwochen haben wir nun wohl gar nicht mehr zu erwarten. Von Mariä Himmelfahrt ab, dem Mariensest, das am Freitag dieser Woche als Feiertag im Fuldaer Land be­gangen wird, besteht nach alten Erfahrungen in unserer Rhönheimat die Möglichkeit zu Schneefall und Frost. Es kann allerdings auch noch einmal warm werden. Wir wollen sttzteres hoffen.

Kraftpost Fulda-Märia-Ehrenberg.

Anläßlich des Festgottesdienstes verkehrt Frei­tag, inen 15. August, eine Kraftsonderpost zwischen Fulda und Maria-Ehrenberg. Abfahrt ab Postamt Fulda 5.30 Uhr, Rückfahrt ab Motten 14.30 Uhr. Fahrpreis für Hin- und Rückfahrt je Person 2.80 Mark. Fahrkartenvorverkauf am Schalter 2 des Postamts, sowie beim Kraftpostbetriebswerk, Pe­tersbergerstr. 76.

Die Kraftpost Hünfeld-Gsisa

wird bis auf weiteres wegen Straßenarbei­ten eingestellt.

AnMnisterial-LrlaßzumVerussschulwesen Der preußische Gewerbe- und Handelsminisker für hauptamtliche Berufsschullehrer. — Die Absichten der Fuldaer Stadtverwaltung im Einklang mit den Anschauungen des Ministers.

Der für das Berufsschulwesen zuständige preu­ßische Handelsminister Dr. Schreiber hat folgenden Erlaß herausgegeben:

Das immer stärker werdende Bedürfnis der Wirtschaft an tüchtigen, beruflich gut geschulten und geistig beweglichen Facharbeitern, die sich bei wirtschaftlicher Umstellung eines Betrie­bes oder notwendigem Wechsel der Arbeitsstelle veränderten Arbeits- und Fabrikationsverhält­nissen schnell anpassen können, ist von jeher Ge­genstand meiner besonderen Aufmerksamkeit. In den kommenden Jahren, in denen sich der Ge­burtenrückgang der Kriegsjahre im Wirt­schaftsleben auswirken muß, wird das Probvem der fachlichen und beruflichen Schulung der werk­tätig .n Jugend besonders sorgfältiger Behand­lung bedürfen.

Nach den Erfcchrungen der letzten 10 Jahre ist es nicht zweifelhaft, daß die Berufsschule hierbei eine wichtige Aufgabe zu erfüllen hat. Sie muß sowohl im Pflichtunterricht der Jugendlichen wie in den freiwilligen Lehrgängen für Gesellen und Meister, die sich in steigendem Maße den Berufsschulen angliedern, durch theoretische Be­lehrung und durch Anleitung zu praktischer Arbeit in Demonstrationswerkstätten in einer systemati­schen Ergänzungs- und Zusatzausbildung diejeni­gen Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln, die Betrieb und Werkstatt unter veränderten Ar­beitsverhältnissen nicht mehr zu geben vermögen.

Auch die Forderungen der Hauswirt sch a ft müssen von der Berufsschule für die weibliche Jugend nach wie vor berücksichtigt werden. Die Fortschritte in der Technisierung und Rationali­sierung des Haushalts, die Forschungsergebnisse der Ernährungswissenschaft und der Hygiene sind für die hauswirtschaftliche Bildung und Erziehung der Mädchen auszuwerten.

Diese wichtige Bildungsaufgabe, zu der noch die volkswirtschaftliche und staats­bürgerliche Schulung des Nachwuchses tritt, kann nur von Lehrkräften gelöst werden, die d a- sür besonders vorgebildet sind. Diese Erkenntnis hat sich, wie die starke Zunahme der hauptamtlichen Stellen an den Berufsschulen zeigt, in den letzten Jahren immer mehr verbreitet. Trotzdem wurden im Jahre 1929 an den mir un­terstehenden Berufsschulen noch immer wöchent­lich 85 271 Stunden von nebenamtlichen, für den Berufsschulunterricht meistens nicht vor­gebildeten Lehrkräften erteilt. 'Im Interesse der wichtigen Aufgaben der Berufsschule muß ich ge­rade in der jetzigen Zeit erhöhtes Gewicht darauf legen, daß überall da, wo es möglich ist, ord­nungsmäßig vorgebildete Ge werbe - und Handelslehrer und -lehrerinnen eingestellt werden. Leider hat die allgemeine Finanznot die Gemeinden in letzter Zeit gehindert, die Anstellung hauptamtlicher Lehrkräfte twtz des zeitweisen Ueberangebots an ordnungsmäßig vor-

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MAGGI5 Fleischbrühwürfel

Die RachedesHong Chung Lu

Von Dttroetl Binns.

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. Ein nachdenklicher Ausdruck glitt über ihr Gesicht. Sie schwieg einige Sekunden, dann streckte sie ihm impulsiv "je Hand entgegen und legte sie auf seinen Arm. „Herr Shervington," sagte sie schnell mit etwas zitternder Stirn» ®e- „ich habe eine Bitte an Sie. Sie können meinen fetter nicht leiden. Ich weiß zwar nicht, warum, aber hoffe, Sie werden mir zuliebe Freunde sein. Ich weiß was über Husky gekommen ist, aber in den letzten Tagen

Ein lautes Husten klang aus dem Hause, als wenn lemand Rauch geschluckt hätte, und als Shervington Über l’e Schulter des jungen Mädchens blickte, sah er, daß chr Vetter in der Tür stand und sie beide mit wütenden ^ugen betrachtete. Aber ehe Nick ihn herbeirufen konnte, or er in das Haus wieder verschwunden. Janet Cray­on merkte Shervington an, daß etwas vorgefallen war, sie begann schnell: „Da ist etwa . . . was . . ."

»Ahr Vetter stand in der Tür und beobachtete uns. fäi*n nicht sehr erfreut. Ich glaube, er — hm — er eSU die Situation falsch aus--"

Er brach ab und sah auf die kleine Hand, die noch । feinem Arm lag. Das junge Mädchen fing den Blick I und errötete tief, dann sagte sie schnell: „Das war gedankenlos von mir. Entschuldigen Sie bitte. Ich jetzt gehen und Frieden mit Husky machen."

Sie war fort, ehe er sprechen konnte, und als er sie l®Qs Haus gehen sah, brannte ihm das Herz vor (Eifer» Frieden mit Husky? Wie? Eine Zorneswelle ^uttelte ihn bei dem Gedanken, daß sie von einem sol- Hund so sprechen konnte. Aber in den Zorn mischte die leidenschaftliche Siebe für das Mädchen, die ihr «rnt ^er Charakter sowie ihre große Schönheit in ihm kQpetft hatten. Dann lachte er bitter, als er daran dachte, kJ3 in abhängiger Stellung von ihr sei. Er war » "°ettIer> den sie auf der Straße aufgelesen hatte und sch $r faQnn den Gedankey nicht weiter. Seine Blicke prüften zu den mit Schnee bedeckten Gipfeln hinüber.

die der aufgehenden, aber noch unsichtbaren Sonne be­reits entgegenglühten. Dann lachte er wieder, aber die­ses Mal war ein jubelnder Klang in dem Lachen. Denn weit oben hinter den Gebirgspässen, in den Tiefen der düsteren Berge war es Mannesmut, das wußte er, und nicht Geld, was zählte, und das könnte selbst zugunsten eines Bettlers ausschlaggebend (ein.

Zehntes Kapitel.

Auf dem schneebedeckten Abhang.

Acht Tage später, bei Tagesanbruch, stand Nick Sher­vington auf dem Hofe von Nima-Tashis Haus und be­trachtete die kleine Karawane, welche die in den Bergen am Dze-chu-Fluß liegende Lamaserie suchen sollte. Sieben beladene Jaks warteten geduldig, während einer der von Nima-Tashi gemieteten ?)aftreiber die Zügel eines Maul­esels hielt, der für Janet bestimmt war.

Wie es sich für einen Karawanenführer geziemte, ging Nima-Tashi von Pak zu Pak und prüfte die Riemen und die Bündel. Er sah nach, ob nichts versäumt ober vergessen worden war. Trotz des trüben Morgens war Nima in heiterster Laune. Husky Craydon stand rau­chend ein wenig abseits und sah ihm mißvergnügt zu. Von Zeit zu Zeit warf er einen verstohlenen Blick auf Shervington, der nicht einmal zu ihm hinübersah.

Nachdm Nima-Tashi sich vergewissert hatte, daß alles in Ordnung war, ging er mit lauten Hallorufen auf das Haus zu. Einen Augenblick darauf erschien Janet Cray­don, wie eine Tibetanerin gekleidet, in der Tür. Ihr sonst blosses Gesicht war leicht gerötet und ihre Augen funkelten vor Erwartung. Trotz ihrer ungeschickten Stie­sel, wie sie die Eingeborenen tragen, schwebte sie eher als sie ging, auf ihren Maulesel zu. Sowohl Shervington wie ihr Vetter eilten ihr, entgegen, um ihr behilflich zu sein, aber ehe sie sie erreichten, hatte Nima-Tashi sie mit dröhnendem Gelächter in die Arme genommen und in den Sattel gehoben, als wäre sie ein Kind.

Das junge Mädchen dankte ihm lachend, Nima grinste, und nachdem er einen letzten Blick auf die wartenden Paks geworfen hatte, gab er das Zeichen zum Aufbruch. Einen Augenblick später setzte sich das erste Tier in Be­wegung, das zweite folgte, und als das dritte vorwärts schritt, flüsterte Janet Shervington erregt zu:

„Endlich! Endlich brechen wir auf!"

Er nickte ihr lächelnd zu; denn er verstand ihre Er­regung, aber er wurde wieder ernst, als sie den Hof ver­lassen hatten. Auf allen Bergen hingen die Wolken tief hinunter, und ein eisig kalter Wind ließ die Reisenden erschauern. Diesre so düstere Beginn des Tages schien Nick kein gutes Omen, und lange konnte er dieses Gefühl nicht los werden.

Nima Tashi, der mit dem führenden Dak voranging, war in strahlender Laune und fluchte fortwährend laut lachend über fein Tier. Sein Daktreiber war ebenso hei­ter. Janet Craydon war auch in vergnügter Stimmung, wie ihr silberhelles Lachen Nick bewies, und ihr Vetter wurde durch die frohe Laune der anderen augenscheinlich angesteckt; denn bald konnte Shervington, der die kleine Kavalkade beschloß, das Lachen Craydons zwischen dem Janets heraushören. Dieses alles verstärkte nur feine bedrückte Stimmung. Die Berge schienen ihm trostlos und öde, das Land machte einen feindseligen Eindruck, als ob es nur darauf wartete, feine Pläne zu durch­kreuzen.

Er überließ sich trübseligen Grübeleien. Ob sie wohl das Kloster am Dze-chu-Fluß finden würden, und wenn sie es entdecken sollten, würde der Mann noch da sein, der dorthin geflüchtet sein sollte, um sich vor Freund und Feind zu verbergen? Das würde die Zukunft lehren. Jedenfalls waren, sie erst am Anfang und noch weit vom Ende der Reise, die nach Nima-Tashis Meinung eine äußerst mühsame werden würde, sobald sie den gewöhn­lichen Karawanenzug hinter sich gelassen hatten, um einen beschwerlichen Pfad durch die Berge zu verfolgen.

Nick kannte ja die Gefahren eines solchen Unterneh­mens und hätte ihnen sonst mit leichtem Herzen getrotzt, aber die Verantwortung, Janet Craydon dabei zu haben, lastete schwer auf ihm, außerdem machte ihm der Gedanke Sorge, daß Husky Craydon bei einer plötzlich eintreten« den Gefahr eher ein Hindernis als eine Hilfe fein würde. Als dieser Gedanke ihm durch den Kops ging, drang das hellere Lachen Janets und das tiefere Craydons zu ihm zurück. Sein Blick streifte das Paar, und er überlegte, daß es jetzt gerade acht Tage her fei feit dem Morgen, an dem er Craydon in der Tür von Nima-Tafhis Haus hatte stehen sehen, Zorn und Eifersucht auf dem Gesicht. Es schien Nick, daß seitdem eine viel freundlichere Stim­mung zwischen Husky und seiner Kusine geherrscht hatte.

i Er fragte sich, was sie wohl gesagt haben mochte, um I ihren Vetter zu besänftigen. Dabei siel es ihm wieder ein, wie er damals gedacht hatte, daß, wenn sie erst einmal die Höhen erreicht hatten, die Reihe an ihm sein würde. Jetzt wunderte er sich mit Bitterkeit im Herzen über sei­nen Optimismus. Das Lachen, das der Wind zu ihm trug, klang nicht verheißungsvoll für ihn, und als die Sonne endlich aufging, wurde ihm noch schwerer ums Herz.

Bald darauf brachte der Wind einen feinen Regen, der sich in kurzer Zeit in einen Hagel verwandelte, aber die kleine Karawane machte keinen Halt. Die Menschen gingen mit gebeugten Köpfen dem eisigen Trommelfeuer entgegen, und die schwer beladenen Paks marschierten stumpfsinnig weiter, als wären sie an nichts anderes ge­wöhnt. Bald ließ jedoch der Hagelschauer nach und die Sonne brach hervor, nur der Wind blies mit unvermin­derter Schärfe und schien ihnen bis auf die Knochen zu bringen.

Um die Mittagszeit machten die Reisenden nur einen sehr kurzen Halt und eilten dann weiter, bis sie eine Stelle erreichten, wo mehrere lange Pfähle standen, die durch ein Seil miteinander verbunden waren, und von denen Gebetsfahnen im Winde wehten. In der Nähe waren zwei große Steinhaufen, und auf einigen Stei­nen standen die üblichen Worte: „Dm mani padme hum". Zwei Uakschädel mit Hörnern schmückten den einen Stein­haufen und ein Ziegenschädel den anderen.

Als die Reisenden diese Stelle erreichten, ließ Nima- Tashi die Karawane halten und rief Shervington etwas in tibetanischer Sprache zu, worauf dieser ihm antwor­tete und dann auf Janet Craydon zuging.

„Wir müssen hier abzweigen! Der Weg dort führt nach Dze-chu."

Während er sprach, zeigte er auf etwas, das einem ganz schmalen Fußsteig ähnlich sah, der sich durch ein en­ges Tal zwischen überhängenden Bergen wand. Das Mädchen sah nachdenklich auf den fadenschmalen Pfad und bann nach ben hohen Felsenmassen, zwischen welchen er sich schlängelte, unb ein ernster Ausdruck glitt über ihr Gesicht, aber dann lächelte sie und sagte:

„Ich freue mich, daß wir nun endlich so weit sind". Dann fragte sie schnell nach einem kurzen Schweigen: „Was sucht eigentlich Nima-Tashi?"

Fortsetzung folgt.