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Dienstag, 12. August 1930

« K im Bild' undBuchenviauer. Roraiionsorua und rveriac Tlt* löv ver Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift^ ** :: leitung 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. :

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DieVersaffungsfeierimReichskag /

DerReichskanzler sprach in Hagen

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weitergehen wird.

Zenkrumskandidaken.

Wahlkreis Düsseldorf-Ost (Nr. 22).

Wie weiter gemeldet wird, ist die für Dienstag vorgesehene Nordlandfahrt nach Stock­holm mit Zwischenlandung daselbst vorläufig ab­gesagt worden, da die für die Landung erfor­derlichen Vorbedingungen noch nicht einwandfrei geschaffen sind.

tagswahlen gar nichts zu tun hat. Das Konkordat ist ein willkommener Hebel, um den Strom kon­fessioneller Intoleranz einzuschalten. Dabei müßte der Evangelische Bund wissen, bah der Abschluß eines Staatsvertrages mit der evangelischen Kirche gerade beim Zentrum auf den aller­geringsten Widerstand stoßen würde. Aber das Konkordat ist ja schließlich nur ein Anlaß. Es geht dem Bund um andere Dinge. So regt er sich darüber auf, daß der Bischöflichen Verwaltung von Berlin ein bisher staatseigenes Gebäude über­lassen worden ist. Er nennt dasundurchsichtige Uebereignung nationalen Eigentums". Schließlich können die Katholiken nicht dafür, wenn ein so einfacher Vorgang den Scheuklappenträgern des Evangelischen Bundes noch nicht durchsichtig genug ist. Der Bund spricht weiter von der Veranstaltung von Fronleichnamsprozessionenin provokatorischer Ausdehnung unter Förderung der Behörden". Ja­wohl, wir Katholiken sind so frei, unsere Fron­leichnamsprozessionen auch im heidnischen Berlin durchzusühren und für sie denselben behördlichen Schutz zu beanspruchen, der jedem kommunistischen oder hakenkreuzlerischen Umzug gewährt wird. Wir haben auch nicht die Absicht, uns jemals wie­der von diesen Freiheiten etwas nehmen zu lassen. Es sind heute Gott sei Dank andere Zeiten als einst, da die bündlerische Hetze sich mächtiger Protektion ersreuen durfte. Selbstverständlich wird auch wieder von der Parität gesprochen. Das ist ja ein beliebtes Kampfmittel geworden, seitdem jemand, nicht ehrlich aber geschickt, den Spieß um­gedreht und behauptet hat, in Preußen, das früher der Hort der Imparität zugunsten ostelbischer Patentgesinnung war, seien heute die evangeli­schen Beamten benachteiligt. Das Gegenteil ist immer noch richtig. Nur muß freilich der Evange­lische Bund es sich abgewöhnen, die Anstellung oder Beförderung eines katholischen Beamten an sich schon als einen imparitätischen Vorgang zu empfinden. Aber wir haben keine Hoffnung-

* Hindenburg geht wieder nach Dietramszell. Reichspräsident von Hindenburg, der auch diesmal seinen Urlaub in Dietramszell verbringt, wird sich laut Lok Ainz. am 11. August von Berlin nach München begeben und von dort mit dem Kraftwa­gen weiter nach Dietramszell fahren.

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochendeilagen:Die Well im Bild' undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag

Fällen, wie er auch damals ohne den Widerspruch der Sozialdemokratie den Artikel 48 in Anwendung gebracht hat. Es geht nicht, daß man in solch entscheidenden Fällen, von deren Erledigung das Schicksal des Volkes für seine Zukunft abhängt, aus dem Verhandeln nicht herauskommt. Wir sind gewappnet, wenn die Sozialdemokratie uns an­greift. Wir find gewappnet auch gegen die übri­gen Parteien. Ich brauche kein Wort zu sagen über die h i st o r i s ch e Ve r a n t w o r t u n g, die Herr Hugenberg durch die Ablehnung der Not­verordnung auf seine Schultern genommen hat. Wir haben Opfer gebracht, aber wenn man an die Vorgeschichte der Deutfchnationalen Partei denkt, fragt man sich und weiß nicht, was man sagen soll, daß gerade diese Partei aus parteiagitatorischen Gründen versagte, als die O st Hilfe durch­geführt werden sollte. Meine Aufgabe ist es, darauf hinzuweisen, daß es Zeit ist, einmal zu einer wirklichen und verantwortli­chen Demokratie zu kommen, denn es geht darum, das deutsche Volk aus seinem schweren Krisenzustande wirtschaft­licher und sozialer Art zu retten, den es in der größten Schwere seit der Revolution durchzumachen hat; denn bei der festen Währung, und das ist der Gegensatz gegenüber 1923, sind wirtschaftliche und finanzielle Erschütterungen u. U. viel schwerer zu ertragen als vorher.

Herbskmanöver in Lothringen.

wtb. Paris, 11. Aug. (Eig. Meldg.). Wäh­rend vorgestern das Echo de Parks berichtete, daß die großen Herbstmanöore wegen der Ansteckungs­gefahr der spinalen Kinderlähmung ausfallen oder eingeschränkt werden würden, wird dem Matin aus Nancy gemeldet, daß Kriegsminister Maginot auf Befragen erklärt habe, er habe keine solche Maßnahme getroffen und wisse auch nichts von einer Absage oder Einschränkung der Manöver, zumal die Krankheit jetzt abzuflauen scheine.

Französische Manöver in den Alpen.

wtb. Paris, 11. Aug. Wie der Petit Parisien aus Lyon meldet, sollen gegen Ende des Monats in den Alpen umfangreiche Manöver stattfinden, an denen vor allem Reservisten und zwar insge­samt 50 000 Mann teilnehmen sollen. Die Ma­növer sollen nach der Meldung sechs Tage dauern und mit einer Besichtigung durch Kriegsminister Maginot ihren Abschluß finden.

wtb. Darmstadt, 11. August. (Eig. Meld.) Das LuftschiffGraf Zeppelin" landete heute früh gegen 8 Uhr in Darmstadt, nachdem es in der Nacht eine Nordseefahrt unternommen hatte. Trotz der frühen Morgenstunde hatten sich etwa 20000 Zuschauer eingefunden, die dem Luftschiff einen begeisterten Empfang bereiteten. Nach einem Passagierwechsel stieg derGraf Zeppelin" wieder auf und nahm Kurs in der Richtung nach der Bergstraße. Um 9.15 Uhr überflog das Luftschiff Weinheim, um 10.45 Uhr Mainz. Es wird heute nachmittag um 3 Uhr in Darmstadt zurückerwartet, wo eine zweite Landung erfolgen soll.

Reichskanzler Dr. Brüning hielt auf dem Pro­vinziallandtag der Westfälischen Zentrumspartei in Hagen eine Rede, in der er u. a. ausführte:

Als das Kabinett Hermann Müller demissio­nieren mußte und der Reichspräsident mich rief, habe ich mich mit bensn zusammengefunden, die entschlossen waren, alles Notwendige zu tun, und die entschlossen waren, ihre ganze p o l i -

Frage läßt sich wirklich nicht von konserva­tiven Ideologien her lösen.

Um was es in diesem Wahlkampf geht, hat Reichskanzler Dr. Brüning in feiner einfachen Art vor dem rheinischen Provinztalausschuß der Zentrumspartei in Köln auseinandergesetzt. Von ihm erfahren wir, daß die Versäumisse der ver­gangenen Jahre uns zwingen, in diesem Augen­blick, der taktisch vielleicht der all er ungün­stigste ist, grundlegende Reform mit einem Schlage zu schaffen, an die schon vorher auf weiteste Sicht hätte gedacht werden müssen. Was bisher seit dem 1. April geschehen ist, und es ist schon sehr viel geschehen kann nur eine Vorstufe für weitere Arbeiten sein, die die Regierung jetzt vorbereitet und die der nächste Reichstag entschei­den muß. Dabei wird sich zu zeigen haben, ob das neugewählte Parlament eine Vertretung der deut­schen Demokratie und damit ein Instrument des Volkswillens ist oder nicht. Dr. Brüning hat klar und mit bewußter Schärfe ausgesprochen, daß dieser Wahlkampf um die Demokratie gehi. Wer etwas Gegenteiliges behauptet, ist, wenn er nicht bewußt die Wahrheit verschleiert, von phra­senhaften Vorurteilen befangen. Wir haben jchon früher zum Ausdruck gebracht, daß der Reichstag nicht um feiner selbst willen d a sein kann, ebensowenig wie die Parteien. Der Aufbau sollte für jeden logisch Denkenden klar sein. Das Volk wählt den Reichstag, der Reichstag stellt die Regierung und unterstützt sie in ihrer Arbeit, die schließlich nur die Vollziehung des Volkswillens ist. Der bisherige Zustand kann aber nicht weiter gefördert werden, der Zustand, daß die Regierung fortgesetzt von den Fraktionen abhängig ist, die offensichtlich sehr oft zu Meinungen kommen, die dem Willen ihrer Wähler Widerstreiten. Wer der Regierung, die dem Lande helfen will, in den Arm fällt, handelt nicht demokratisch.

Dr. Brüning hat in Köln über diese Dinge einige sehr bemerkenswerte Aeußerungen getan, die sicher­lich verstanden werden. Man sollte nun ehrlicher­weise die alten Behauptungen, die durch ihre Wie­derholung nicht an Beweiskraft gewinnen, beiseite lassen, nach denen es dem Kabinett Brüning auf eine Diktatur oder auf andere verfassungs­widrige Dinge ankommen solle. Es ist an sich schon eine Lächerlichkeit, Politikern wie Wirth, Dietrich, Stegerwald, um nur die zu nennen, demokratie- feindliche Absichten zuzutrauen. Und den Vorsitz in dieser Regierung führt ein Mann, der seitdem er aus dem Kriege heimkam, berufsamtlich die demo- kratifcken Interessen deutscher Arbeiter vertreten hat. Er stellt, so könnte man vielleicht sagen, die verkörperte Synthese von Arbeiter-

Anzeiger für die Stadl Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt

Die Angriffe der Afridis.

wtb. London, 11. Aug. (Eig. Meldg.). Reuter meldet aus Peschawar: Bei ihrem Angriff auf das Militärdepot bei der Eisenbahnstation Peschawar, brannten die Afridis ein Lagerhaus nieder, bevor die Truppen ankamen. Bei den anschließenden Scharmützeln waren nur geringe Verluste zu ver­zeichnen. Eine verspätete Meldung aus Peschawar vom Samstag besagt: Peschawar selbst wurde nicht angegriffen; doch wurde beobachtet, daß kleinere Abteilungen Afridis die Grenzen über­schritten, um andere Ortschaften anzugreifen. Die Bombenangriffe der Flugzeuge im Bgratal dauern an. Der Korrespondent des Daily Herald in Pe­schawar meldet: Als eine Patrouille Poona-Kaoal- lerie in der Nähe von Peschawar durch eine Obst­plantage ritt, fielen sie in einen Hinterhalt von Afridis. 6 indische Reiter wurden getötet.

Die Wahlkreisversammlung für den Wahlkreis Düsseldorf-Ost hat beschlossen, folgende Kandidaten­liste zur Aufstellung vorzuschlagen:

1. Reichsminister a. D. Johannes G i e s b e r t s,

2. Frau Ministerialrat Dr.h.c.He le ne Weber,

3. Genossenfchaftsdirektor Schlack,

4. Fabrikdirektor Schnitzler- Düsseldorf,

5. Obmann des Iugendverbandes Gg. W a g n er,

6. Beigeordneter Weber-Essen.

Diese Liste hat sich insofern verändert, als bei der vorigen Reichstagswahl an der Spitze Reichs­kanzler a. D. Wilhelm Marx stand, der aber das Mandat im Eichsfeld angenommen hat, wo er ebenfalls als Spitze kandidierte und auch wieder kandidieren wird. Infolgedessen ist der bekannte Führer der christlichen Arbeiterschaft Johannes Giesberts an die erste Stelle gerückt. Bei her vorigen Wahl standen Schlack an zweiter und Frau Helene Weber an dritter Stelle.

Die Delegiertenversammliung der Zentrumspar- tet des Wahlkreises Düsseldorf-West, die in Krefeld stattfand, stellte folgende Kandidaten auf:

Der Störenfried.

Es sind bis heute rund drei Dutzend Parteien, die sich am 14. September um die Gunst des deutschen Wählers bemühen werden. Jede hat das beste Programm, und mindestens zwei Dutzend von ihnen erfüllen ihren Daseinszweck dadurch, daß sie den großen Gruppen, die immerhin einige Aus­sicht haben, im Reichstag auch etwas durchzusetzen, die Stimme fortfangen und damit die Kraft des Parlaments zerspittern. Einer hatte als Stören­fried, als der er seit Jahrzehnten in kritischen Augenblicken aufzutreten pflegt, diesmal noch ge­fehlt: der Evangelische Bund. Jetzt ist auch er da, und er beginnt nach bewährtem Rezept evan­gelische Menschen zu verwirren und aufzuhetzen. Nicht in einem Wahlaufruf, denn der Bund ist ja unpolitisch und muß die Form wahren. Aber in einem sogenannten Anschreiben, womit er sich an fast sämtliche Parteien des bisherigen Reichs­tages, natürlich nicht an das Zentrum,wen­det. Und nun singt er sein altes, mißtöniges Lied. Zunächst verdächtigt er selbstverständlich das preu­ßische Landtagszentrum, obwohl es mit den Reichs­

..Graf Zeppelin- dauernd unlerwegs.

Zum zweiten Mal in Darmstadt.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist Sonntag morgen 7,30 Uhr unter Führung von Kapitän Lehmann mit 20 Passagieren an Bord zur Fahrt nach Dortmund aufgestiegen, wo eine Zwischen­landung vorgenommen werden soll. Von Dortmund aus unternahm das Luftschiff eine Nachtfahrt nach Darmstadt.

1. Dr. Bell, Johannes, Reichsminister a. D., Berlin Lankwitz,

Wieder, Franz, Verbandsvorsitzender der christlichen Metallarbeiter, Duisburg, Blum, Johannes, Landwirt, Krefeld, R^e ng^e n, Jakob, Schreinermeister, Gladbach- F a h r en Bad), Heinrich, Verbandsvorsitzen­der, Düsseldorf,

Pannenbecker, Oberpostmeister, Duis­burg-Ruhrort.

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schäft und Bürgertum dar. Er hat 10 Jahre für die soziale Gleichberechtigung der christ­lichen Arbeiter gekämpft, ohne dabei jemals, auch das ist typisch, besonders in den Vordergrund ge­treten zu sein. So ist es auch jetzt noch. Brüning arbeitet für das deutsche Volk, er sucht, ge­stützt auf seine wirtschaftlichen Kenntnisse und seine politischen Erfahrungen, trotz der schweren Wirt­schaftskrise, die über der Welt lagert, das Beste für das Volk, nämlich der Bürger und Arbeiter, von denen ja einer des anderen Last trägt, herauszuholen. Das kann er nicht, wenn er sich an formale Parlamentsmentalitäten anklammert, aus denen schließlich nichts weiter als ein uferloses und unfruchtbares Gerede herauskommt. Das kann er vielmehr nur, indem er unbeirrt den von ihm als richtig erkannten Weg weitergeht und, wie er es in Köln wieder getan hat, die deutschen Wähler über die wirkliche politische Situation ohneScheuund ohne Hintergedanken aufklärt.

Vorschuß auf dasDritte Reich".

Ausschreiiungen zwangsgestellker Rational- fozialisten.

Die Berliner Nationalsozialisten unternah­men Sonntag vormittag auf drei Lastautomobilen mit Anhängern eine Propagandafahrt. Hierbei wurden von den Insassen der Lastkraftwagen auf« hetzende Reden gehalten und außerdem verbotene Lieder gesungen. Gegen 17 Uhr wurden an der Kreuzung der Wiener und Glogauer Straße die Autos von der Polizei angehalten und sämtliche Insassen, 2 8 5 Personen, der Abteilung IA eingeliefert. Vorübergehend waren die 285 Natio­nalsozialisten in einem Dienstgebäude in der Ma­gazinstraße untergebracht. Gegen 9 Uhr abends wurden von den Zwangsgestellten in dem Unter­bringungsraum mehrere Fensterscheiben eingeschlagen. Außerdem wurde der Wasser­hahn im Toilettenraum abgebrochen, so daß fsth das Wasser in den Raum der Zwangsgestellten er­goß. Die Wasserleitung konnte bald darauf ab­gestellt werden. Die Feuerwehr brauchte nicht in Tätigkeit zu treten.

Deukschnakionale Preußenfraktion gesprengt.

Sieben Mitglieder der deutschnational. Landtags­fraktion haben ihren Austritt vollzogen, und zwar die Abgeordneten Paul Baecker-Berlin, Bundtzen- Schleswig-Holstein, Fischer-Frankfurt a. d. O., Gauaer-Potsdam T, Hecken-Merseburg, Iusti - Hessen-Nassau und Querengässer-Erfurt.

Damit hat die Austrittsbewegung auch in der Preußenfraktion begonnen, die bisher durch die Flucht aus der Hugenberg-Partei unberührt zu fein schien. Die ersten Sieben stehen den Agrariern nahe. Nach den Erfahrungen, die man mit der Reichstagsfraktion gemacht hat, darf man anneh­men, daß auch in Preußen die Flucht von Hugen-

ging davon aus, daß das deutsche Volk als mo­dernes Kulturvolk besonders nach dem aufwühlen­den Ereignis des Weltkrieges eine andere Staats­verfassung als die demokratische nicht ertragen könne. Der Trieb des Deutschen, die eigene Persön­lichkeit durch Wort und Recht zur Geltung zu brin­gen, sei so tief eingewurzelt, daß man den man­nigfachen Anregungen nach dem Vorbild gewisser auswärtiger Staaten auch bei uns das Diktatur­system einzurichten nur mit harter Abwehr und Gegenwehr begegnen könne. Aber, so fuhr Dr. Wirth fort, die politische Sage, der politische Gel­tungswille hat die Einheit und Geschlossenheit des Volkswissens zur unbedingten Voraussetzung. Eine Freiheit in der Politik muß zweckmäßig organisiert jein, wenn die Politik selbst fruchtbar bleiben soll.

In der demokratschen Politik wird die poli­tische Führung durch die Parteien gestellt. Wenn sie aber ihre Aufgaben erfüllen sollen, so müssen sie ihrer Natur nach dafür geeignet fein, sie muffen innerlich auf die Demokratie angelegt sein, re­gierungsfähig und regierungswillig fein. Dr. Wirth führte die Gährung und Zerset­zung des deutschen Parteiwesens, die er als begin­nende Umstellung auf die Notwendigkeiten betrach­tet, auf die historische Ursache zurück, die in den politischen Verhältnissen der Vorkriegszeit gegrün­det sind.

Der Redner schloß mit einem Hoch auf das in der deutschen Republik geeinte Volk, in das die Versammlung begeistert einstimmte.

ll-tb Berlin, 11. Aug. (Eig. Meldg.). Der k Kbunassaal des Reichstages ist für die Verfaf- fnnasfeier einfacher als sonst, aber gerade in | 1,zL Einfachheit besonders würdig geschmückt. Als besondere Zier des Saalschmuckes liegt über dem Rraübentenplatz die alte ehrwürdige schwarz- rot-goldene Fahne vom Hambacher

0 Schon eine halbe Stunde vor Beginn des Fest-- oktes begann,»n sich die Tribünen zu füllen. Auf einer der Tribünen erschienen etwa 25 Primaner unb Primanerinnen aus verschiedenen Städten des Reichs, die von der Reichsregierung als Gäste t« der Feier geladen sind und während ihres Au­fenthaltsortes in Berlin vom Provinzialschulkolle- aium betreut werden. Punkt 12 Uhr erschien Reichspräsident von Hindenburg in der großen Mittelloge an der Nordseite des Saales.

, Die Festversammlung erhob sich bei Erscheinen des Reichspräsidenten. Der Reichspräsident war von I Staatssekretär Meißner und seinem Sohne Oberst­leutnant von Hindenburg begleitet.

Das Reichskabinett und die p r e u ß is ch e Regierung waren vollzählig vertre- I |(It. Auch zahlreiche Vertreter der Länder und der ausländischen Staaten nahmen an der Feier teil. Im Parterre hatten die geladenen Gäste, Ab­geordnete, Vertreter der Behörden, hervorragende Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kunst und Tech­nik, Wirtschaft und Finanz Platz genommen.

Nach dem Vorspiel ergriff Reichsmini st er Dr. Wirth das Wort zu feiner Festrede. Er

Aür Volk und Demokratie.

Wir sind keine Freunde politischer Klassifizie- rungen. Sind die Arbeiter keine Bürger? Mussen die Bürger nicht arbeiten? Ja, ist nicht r°5 schwere Arbeitenmüssen das hervorragendste Kennzeichen des deutschen Menschen? Trotzdem spricht man in dem gegenwärtigen Wahl- lampf immer wieder von den Aussichten, Hoft- «ungen und Pflichten des Bürgertums, von oer bürgerlichen Mitte, von bürgerlichen Parteien, vom Bürgerblock und sogar von der Bürgerblock- Msrung. Dr. Wirth, der als Zentrumsmann diese Meldung nicht anerkennen kann, hat seinerzeit das Wort vom Besitzbürgertum geprägt und dabei wohl Leute gedacht, die ihre vermeintliche, soziale voer sogar moralische und nationale Ueberlegenheit uver den Arbeiter aus der Tatsache ihres Besitzes verleiten, mögen sie ihn ererbt oder erworben r*.pn- Es widerspricht sicherlich deutscher Auf- ImUn9 u.n& auch unserer Reichsoerfassung, wenn wieder solche Unterscheidungen, die geradezu P -Wertmessungen werden, angestellt werden, und az sollten sich auch diejenigen einmal vor Augen f^ren, die sich als die einzigen Staatsbewußten ni> Verfassungstreuen herauszustellen lieben. Es UM nur ein Deutschtum und es gibt nur LJn Bürgertum und zu ihm gehören alle, ; Mir Hand ober Kopf arbeiten, ihre Pflicht er- Jen, sich als Deutsche fühlen und dem Staat geben, 0(15 des Staates ist.

I . Stiten in den Verhandlungen zwischen diver- »erenden Mittelparteien, die in diesen Tagen hoff- tiiA95*05 gescheitert sind, diese Grundtatsachen poli- bäu " .Ankens die gebührende Rolle gespielt, so 7 eine Einigung Zustandekommen müfjen, eine ^benV119 "'Hi gegen die Arbeiter, sondern gegen : rtC staatszerstörenden Sozialismus. Wären diese x;^^nbauffassungen Allgemeingut deutscher Politik, ^konnten auch nicht so irreführende Redewen- ngen fallen, wie wir sie in dem Bericht über eine des Konservativen Treviranus finden, der fite«? gesagt hat, dae Frage, ob Republik oder Mo- ß/f- das Richtige für Deutschland sei, müsse vor- . "stg zurückgestellt werden. Wenn er sich nicht ^nusgebrückt haben sollte, so mag er sich bei ber ^"chen Allgemeinen Zeitung, die es am Sams- ka behauptete, beschweren. Bei dieser Ge- U^enheit könnte er sich dann auch darüber äußern, er wirklich von den Aufgaben des Zentrums , er preußischen Koalition gesprochen hat. Jeden- ; 5 hatte er es lieber unterlassen sollen, denn diese

Nsche Existenz aufs Spiel zu setzen. Mr waren entschlossen, ohne Rücksicht auf die an» teren Parteien allen Fehlern die fid) aus einer jerMenbeten Auffassung von ber wahren Situation ?rc*tben, fest ins Auge zu sehen und alle diese Fehler kühn und rücksichtslos dem deutschen Volke aufzuzeigen und an die Arbeit zu gehen. > Nun frage ich Sie: Können Sie selbst das Ge­schrei ernst nehmen, wenn man dieser Regierung ?inen Verfassungsbruch vorwirft? Es ist doch merkwürdig, daß gerade von der sozialdemokrati­schen Seite diese Auffassung in der Agitation ver­treten wird. Man muß daran erinnern, daß etwa im Dezember vorigen Jahres von den Sozialdemokraten selb st von der Dik­tatur gesprochen wurde. Auch wir haben schon gesagt, daß es notwendig sei, zuzugreifen mit allen verfassungsmäßigen Maßnahmen, die «nkbar sind. Die Verfassung ist dazu da, wozu sie ber erste Reichspräsident und Staatsmann Ebert angesehen wisjen wollte in entscheidenden