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Sonntag, 10. Awgust 1930
57. Zahrg.
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Well im $üb* und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leituna 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
MdaerZeitung
Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.
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wegs gleichbedeutend mit Befreiung im Sinne angemessener und tragbarer Herabminderung der ungeheuren sonstigen Lasten, die unser ganzes Vaterland infolge Kriegsverlust und Zwangsdiktats dauernd bedrücken.
Schließlich rufen uns die offenen Wunden im Osten, der Korridor und die widernatürlichen Grenzziehungen, nicht minder auch die bedrängten Minderheitsrechte unserer Ausländsdeutschen mahnend ins Gedächtnis, daß wir noch nicht über den Berg sind, daß uns noch ein gut Stück Daterlands- arbeit zu bewältigen bleibt.
Reichsnot: Trübe Schatten lagern verdüsternd über der Festesfreude bei feierlichem Gedenken an Verfasfungsverk und an Rheinlandbefreiung. Frau Sorge, die graue verschleierte Frau, hielt wieder ihren Einzug in deutsche Lande. Rot und Elend, ihre Gevatterinnen, begleiten sie auf ihren Wegen. Volksnot verkörpert sich in Finanznot und Wirtschaftsnot, in Sozialnot und Kulturnot. All dieser Röte Herr zu werden, Finanzsanierung durchzusetzen in Reich, Ländern und Gemeinden, das Millionenheer der Erwerbslosen vor Hunger und Elend zu schützen und allmählich wieder zurückzuführen in den Arbeitsprozeß, Wirtschaft und Kultur zur Aufwärtsentwicklung zu bringen: das ist's, um was es heute geht. Wie einst in den deutschen Landen der Heerrufer den Sammelru" „Das Reich in Rot!" ertönen ließ, so rufen jetzt Reichspräsident und Reichsregierung das deutsche Volk auf, alle Aufbaukräfte zu sammeln zur Rettung des bedrohten Reichs.
Neuwahlen: Diesem Zwecke der Reichsrettung, der Befreiung des Volkes von unerträglichen Finanz- und Wirtschaftssorgen, von immer gefährlicher und staatsbedrohlicher sich auswirkenden Sozial- und Kulturnöten, dient die der Auflösung des unfähigen und versagenden Parlaments folgende Reichstagswahl. Jetzt wird das deutsche Volk vor eine Aufabe gestellt, wie sie ihm niemals vordem vom Schicksal beschieden ward. Jetzt gilt es, die Probe zu machen auf das Weimarer Exempel. Das deutsch« Volk hat den Tatbeweis zu erbringen, ob der alte Ob.rigkeitsstagt mit dem Untertanenvolk in Wahrheit den Platz geräumt hat dem neuen deutschen Volksstaat, der demokratischen und sozialen Republik. Nicht durch Ausprägung einer Formaldemokratie, läßt sich dieser geschichtlich folgenschwere Nachweis erbringen, nicht durch Voranstellung von Volksrechten, nicht durch Heraushebung von Parteimacht. Nicht Klassenkampf führt zum Ziel, nicht Betonung von Standesrechten, nicht Absonderung von Gesellsck>aftsgruppen. Volkssouveränität als tragender Pfeiler des Weimarer Derfasiungsbaues bedeutet Staatsverantwortung und Pflichterfüllung im Dienst am Volksganzen.
Reif und befähigt zur Demokratie, der schwierigsten und verantwortungsreichsten aller Staatsformen, ist nur ein Volk, das sich selbst zu regieren vermag und zu diesem Zwecke die zielsichere Auswahl vertrauenswürdiger und verantwortungsbewußter Führer trifft. Selbstzucht muß verdrängen Selbstsucht jeglicher Art, mag sie sich erschöpfen in Fürsorge für das liebe Ich oder ausdehnen auf Stand und Beruf. Sicherung und Schutz soll jede Berufsgruppe, jeder Stand innerhalb des Staatsganzen finden, auch die Berufsorganisationen, solange sie sich im Rahmen der Staatsinteressen halten und das Gemeinwohl voranstellen.
Kampf aber, rücksichtsloser Kampf, muß zur Gesundung der Volkskraft und zur Sicherung der Rettungsaktion gelten der Parteidiktatur, den Selbst- stichtinteressen, dqw chgenbrödlerischen Absplitterungen, dem „Klüngel", wie ihn der Dolksmund bezeichnet. Solchem staatsschädigenden Gebahren ruft der Geist von Weimar, der die Seele des Verfassungswerkes bedeutet und der allein auch den Volksstaat lebendig hält, mit Weimars Dichterfürst zu: „Du gleichst dem Geist, den Du begreifst, nicht mir."
Herrschende Parlamentskrise und drohende Staatskrise lassen sich nicht bannen durch radikale Eisenbartkuren, sondern nur durch zeitgemäße und in vernünftigen Grenzen gehaltene Reformen, die auf den unerschütterlichen Grundlagen der Verfassung der Veredelung des demokratischen Staatsgedankens und der Läuterung des parlamentarischen Systems dienen.
Würdige Verfassungsfeier ist geeigneter Auftakt zur Neuwahl eines Reichstags, der zum vorgesehenen Rettungswerk und zur staatsnotwendigen Aufbauarbeit die gebotene Staatsverantwortung und Aktionsfähigkeit in sich trägt. Dabei fällt ins Gewicht, daß Parteien nicht Selbstzwecke sind, sondern Mittel zum Zweck des Staatsgedankens
billig zu finanzieren und durchzuführen, mit dem Ziele, die
Behebung der Wohnungsnot unter nicht unsinniger Steigerung der Baukosten und damit der Mietskosten bis zu einem bestimmj- ten Termin durchzuführen. Denn ewig kann man die Wohnungszwangswirtschafr ohne schwere Schäden nicht durchführen. Das Sparprogramm sei undurchführbar, wenn nicht Resirrmen auf dem Gebiet der Verwaltung, vor allem aber in der parlamentarischen Erledigung des Etats und der Ausgabenanträge durchgeführt würden, also eine innere Parlamentsreform. Das Volk werde sich ein parlamentarisches Paktieren nicht mehr gefallen lassen, das bei allen Lebensentscheidungen lediglich darauf ausgehe, auf wen man die Veranst Wortung für unvermeidbare, unpopuläre Beschlüsse jeweils abwälzen könne. Der jetzige Kampf der Regierung (die Anwendung des Artikels 48) sei kein Kampf gegen, sondern für das Parlament, für seine Gesundung und Rettung.
Die Zentmmskcmdidaten im Wahlkreis Köln-Aachen.
Freitag.vormittag trat der Wahlkreisausschuß der Zentrumspartei für den Wahlkreis Köln- Aachen in Köln unter Vorsitz von LandesgeschäftÄ- führer Jakob Kaiser zur Aufstellung der Kandidaten zusammen. Es wurden an den acht ersten Plätzen der Liste folgende Kandidaten nominiert:
1. Ivos, Josef, Schriftleiter der Westdeutschen Arbeiterzeitung, Köln;
2. Teusch, Christine, Lehrerin, Köln-Chrenfeld; 3. Dr. Hermes, Andreas, Präsident der Vereinigung der deutschen Bauernvereine, Berlin- Dahlem;
4. Esser, Thomas, Genossenschaftsleiter, Euskirchen; ;
5. Servais, Bürgermeister, Aachen;
6. Eerig, Otto, kaufmännischer Angestellter,
7. Dr. S ch e t t e r, Rudolf, Gutsbesitzer und Se- natspräsident, Gut Karthaus bei Jülich;
8. Asmuth, August, Oberpvstinspektor, Köln- Sülz.
Don den Genannten gehörten dem letzten Reichstag an: Joos, Teusch, Hermes, Esser, Eerig und Schetter.
und des Volkswohls. Stärkung des Zentrums als der führenden und kraftbewährten Regierungspartei bedeutet daher Wahlsieg der Reichsidee und der Rettungsaktion. Dann rechtfertigt sich auch Zuversicht in die Auswirkung der großen Reformarbeiten dergestalt, daß das Großkraftwerk „Deutsches Reich" durch großzügigen Ausbau der Zentrale und zugleich durch Dezentralisation wertvoller Zweigstationen allen Versorgungsberechtigten, auch in Ländern und Gemeinden, Licht und Wärme spendet.
Wer aber in dieser Entscheidungsstunde, in der es um Sein oder Nichtsein von Volk und Vaterland geht, sich verantwortungslos der Wahlpflicyt entzieht durch dieses traurige Selbstzeugnis der Unfähigkeit und Unwürdigkeit ssih selbst das vernichtende Urteil auf Aberkennung der höchsten bürgerlichen Ehrenrechte.
Für Verfassungsfeier, Rheinlandbefreiung und Neuwahlen ergibt sich somit eine sinnvolle und hochpolitische Synthese.
Möge als Parole zur Verfassungsfeier in Verbindung mit Rheinlandbefreiung dienen der Appell an Vernunft und Staatsgesinnung, an Volksdienst und Rettungsarbeit aller Staatsbürger, die guten Willens find!
Möge mit dieser Parole harmonisch zusammenklingen die Losung zum Wahlkampf:
Deutsches Skaatsvolk, rekte den deutschen Dolks- staat!
Deutsches Mrkschaftsvolk, rette die deutsche Volkswirtschaft!
Deutsches Kulturvolk, rette die deutsche christliche Volkskullur!
Reichskanzler Brünings Vahl-Rrogramm Die Rede in Köln.
erfasfungsfeler, Aheinlandbefreiuug und Neuwahlen
Von Reichsminister a. D. Dr. Bell.
Der Herrscher aus Bagdad.
König Faissal vom Irak ist am Freitagnachmittag 17.17 Uhr in Begleitung seines Adjutanten und seines Kabinettchefs auf dem Bahnhof Friedrichstraße in Berlin eingetroffen. Zur Begrüßung hatten sich in Vertretung des Reichsaußenministers Ministerialdirektor de Haas, der Chef des Protokolls Graf von Tattenbach und Legationsrat Grobba auf dem Bahnsteig eingefunden.
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Ms der fetzige König Feissal 1917 an der Seite des jetzigen Oberst Lawrence an der Spitze einer Leibgarde von 1200 Kamelreitern feinen phantastischen Zug durch die Wüste gegen die Truppen seines Herrn, des türkischen Sultans und gegen dessen deutsche Verbündete an» hat, wird er sich nicht haben träumen lassem daß er einst als König eines beinahe selbständigen Staates in die Hauptstadt seiner deutschen Femde einziehen würde, incognito zwar, aber doch freundlich begrüßt. Er war damals als Sohn des Oberscherifen von Mekka -in lunger Mann, dem politischer Ehrgeiz fetnlr soweit es sich nicht um Kämpfe zwischen kleinc rabischeu Beduinenstämmen handelte. Erst £t .ence gelang es, seinen politischen Ehrgeiz wachzurufen und ihm das Traumbild eines geeinigten Arabien
Rüge für Scholz.
Die Bolkspartei und die Sammlungsbestrebungen.
Die Deutsche Volkspartei Ortsgruppe Wuppertal-Elberfeld hat an Dr. Scholz folgendes Telegramm gesandt: Hauptvorstand Ortsgruppe Wuppertal ist einstimmig der Auffassung, daß das durch Rundfunk bekannt gegebene Angebot Höpker- Aschvffs, bei einem Zusammenschluß der Volkspartei mit der Staatspartei solle unser verehrter Senior Kahl den vorläufigen Vorsitz übernehmen, hätte unbedingt angenommen werden müssen. Gegenvorschlag Dr. Scholz' vollständig verfehlt. Verlangen sofortige Einberufung Zentralvorstandes. Tilmanns, Vorsitzender.
Wie wir jjimu erfahren, kommt nach Ansicht führender Kreise der Deutschen Dolkspattei in Berlin die sofortige Einberufung des Zenttalvor- standes nicht in Frage. Dafür wäre das Verlangen von mindestens 50 Mitgliedern erforderlich. Die nächste Sitzung des Zentralvorstandes zur Vorbereitung der Wahlen ist planmäßig für den 24. 91 u g u ft vorgesehen. Dabei dürfte es nach diesen Informationen bleiben.
Der Cherusker als Pfälzer.
Hilgenberg als Spitzenkandidat in der Pfalz.
C.R.B. Reustadt, 9. Aug. (Eig. Meld.) Wie der Landesverband Rheinpfalz der deutschnationalen Bolkspartei mitteilt, hat Dr. Hngenberg die Spitzenkandidatur für die Pfalz angenommen.
Bekanntlich war bislang Hngenberg int Teutoburger Wald hinsichtlich eines Reichstagsmandats „beheimatet". Aber man wußte schon, daß er dort keine Aussicht auf Wiederwahl hatte. Infolgedessen probiert er es in der fröhlichen Pfalz. Ausgang — ungewiß!
so - u' una Loe;i, oag
tenJ-Kv; -‘^“fenngsnöten ein Ende bereit ward.
Nheinträume wurden vom letzten üblen nHAr ^ldaten tief versenkt in den deutsche- kiitf*fn»h- mme" ®er Traum vom Rhein als «custork-vi, ')r£n3e ist nun ausgeträumt. Dank, Aden in iv mit goldenen Lettern einge- Doriicki- « t ^schichte, gebührt für dieses weither m-nÄs» tt^ungswerk dem Heroismus rheini- inbs f„bt Deutsche Nibelungentreue Rhem- H toi.sn tn Sturmeszeiten, allen Verlockun- ein ■äer9ema^*9urigen heldenmütig widerste- ■»»£> - ^mal dauernder als Erz. Befreiungs- •M bent en' eingedenk bleiben, daß wir ^ttlick, «,tel wahren Freiheit Rheinlands und loch reirhü* . fahren Freiheit Deutschlands | eyrf. ;7,ro,eit entfernt sind. Drei Worte nenne iv -^'^schwer, sie gehen von Mund zu «tSf ■ " £ 1 n e r u n g der Staatshoheit s- «eiter:’ju“ar- Eupen-Malmedy". Und 1 Ges'an 5tun9 von der lebendigen Hypothek, die istier Besatzung lastete auf rheinischen ' 11 — Gott sei's geklagt — noch keines
Itfeier des Weimarer Verfassungswerbedeutungsreichen Gedenktag deutscher idmeten wir just vor Jahresfrist einen xrinnerungen und Gedanken.
Zeiten waren es damals, furchtbare Nöte im Innern und nach außen be- is, orkanartige Stürme tobten durch Zoll, als wir auf den Trümmern des brochenen alten Vaterlandes den legten für ein neues deutsches Reich, ment hat sich, allen Stürmen zum Etterhart erwiesen. Viele, leider all- sgenossen standen bei der damaligen güng abseits. Feindselige Ablehnung tter denkbar schwierigsten Gesamtver- sichasfene Verfassungswerk selbst bei >n, von denen man staatsverständigere und gerechtere Einstellung hätte er- t.
solch' jäher Absturz aus schwindelnder Abgrundtiefe, wie ihn das deutsche üegsende und beim Zusammenbruch . Vorgänge in der Geschichte erleben mußtet läßt heute manche verzweifelte^ Stimmun- [ gen von damals, manche bitteren Kritiken und hef- tzgen Ablehnungen in milderem Lichte erscheinen. Den Weg aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu finden, allen Anfeindungen und Verken- mmgen trotzend auf dem Trümmerfelde müheselige Aufbauarbeit zu leisten, von Kreuzwegstation zu W-reuzwegstation durch Dickicht und Dornen vor- | wättszuschreiten mit unablässiger Blickrichtung auf i Deutschlands Zukunftsschicksal und Entwicklungs- A Möglichkeit: dazu gehörten allerdings Opfermut und Selbstentsagung, Willensstärke und Tatkraft im Rimeingeschränkten Dienst an Volk und Nation. Auf der dunklen Erde weilten jedoch zumal nnd> tn Ureicher Zahl trübe Gäste, an denen das „Stirb
«ch Werde" spurlos vorüberging.
Vieles hat sich seitdem gewandelt. Manches ist U Wer geworden. Freilich: die radikalen Elemente «ui der einen wie auf der anderen Seite wett- «ifem noch immer in dem unverminderten, ja so- MWMchings ständig heftiger sich austobenden Behieben, den Verfassungsplan zu unterminieren mfr das neue deutsche Reich in seinen Grund-
s g*™ M erschüttern. Aber bei den übrigen Volksgenossen hat sich mittlerweile die Stimmung ■ Wch wesentlich gewandelt. Die Zahl derer, die sich Eos auf den Boden der Weimarer Verfai- und des heutigen Volksstaates stellen, wächst fg, wie auch die jüngsten Parteibildungen ch erweisen. Mit besonderer Genugtuung n wir die denkwürdige Tatsache buchen, daß viele von denen, die ablehnend oder gar feindselig oomals der Weimarer Verfassung gegenüberstcm- nfi r ,chr Damaskus fanden und mit
*nn sm • m Freimut das nationale Rettungswerk iqio . ,mar' die befreiende Tat des 11. August uuy letzt anerkennen.
yeute («{Jeu wir uns, nachdem wiederum ein ?erf‘°ffen ist, erneut vor die Aufgabe ge- Sefinn r ^der das anzuvertrauen und unseren „J, vngsgenossen int Lande das zu sagen, was 'M" Herz bewegt am Verfassungstag, welche Ge- ewurtsgedanken uns erfüllen, welch« Zukunfts- ungen wir verknüpfen mit der Gedenkfeier r n '.',un9sfeier steht Heuer unter drei- Zeichen: Rheinlandbefreiung, -l-ichsnot, Neuwahlen!
rbewU m, fteiung: Stolze Freud« erfüllt das iSn • rn unb mit ihm alle deutschen Volks-
In einer Versammlung des rheinischen Zentrums hielt Reichskanzler Dr. Brüning eine programmatische Rede, in der er u. a. ausführte:
Mit der Sucht und dem Kampf um die E r - Altung der Popularität kann man nicht etn Volk retten. Man kann es nur retten, wenn man den Mut hat, auch in schwerster Stunde die Verantwortung auf sich zu nehmen. Ich bin der Ueberzeugung, daß es gelingen wird, und daß es gelingen muß, das, was der Herr Reichspräsident auf Vorschlag der Reichsregierung durch die Notverordnung verkündet hat, durchzuführen. Alles dies ist ja nur eine Vorstufe für die Arbeiten, di« jetzt begonnen sind, und die der Reichstag im Herbst verabschieden muß. Ich bin überzeugt, daß es gelingen wird, eine Mehrheit dafür im nächsten Reichstag zu gewinnen. Denn ich kann mir ntcht gut vorstellen, daß ernsthafte Parteien es wagen werden, beispielsweise die
Reform der Gemeindefinanzen, die Schaffung neuer Einnahmen für die Gemeinden, durch di« die Gemeinden allein in die Lage versetzt werden, die Wohlfahrtsunterstützungen in den nächsten Monaten auszuzahlen, nachträglich wieder aufzuheben. Ich bin der Ueberzeuguna, daß bei diesen Wahlen der Jnsttnkt des Volkes sich freimachen wird von aller parteipolitischen Agitation, daß er sich durchsetzen wird, und daß er dafür, sorgen wird, daß
ein wirklich arbeitsfähiger Reichstag am 14 September gewählt wird. Vor jeden Wähler mußte am Tage der Wahl ein Plakat gehalten werden, das etwa folgende Fragen enthielt«:
„willst Du sparen oder willst Du nicht fpa- ren? Wenn Du sparen willst, wähle eine par- bafÜT die Garantie gibt, weil nur so
Dmtschland gerettet werden kann! Willst Du mrnNparen, dann verzichtest Du auf Deutschlands
Es ist notwendig, daß Ländern und G «-- m e c n d e n eine klare Aufgabenscheidung zuteil wird und auch die möglichst unabhängige Verfii- gnng über eigene Einnahmen. Nur wenn in jeder Gemeinde jeder Staatsbürger merkt, ob eine sparsame Politik getrieben wird oder nicht, kommen wir zu der eisernen Sparsamkeit, die für die Sanierung unserer Gemeindefinanzen unbedingt notwendig ist. Wenn wir heute nach mancher Beziehung in der Senkung der Zinslasten noch nickt soweit gekommen sind, wie es an ssih möglich mure, so ist dies zu einem Teil darauf zurückzu- nihren, daß die großen Gemeinden ein« unge- 5cVje von schwebenden Schulden haben und ” -ötnsföfee zahlen, die das Zinsniveau in Deutschland für die Wirtschaft und für die produktive Unternehmung künstlich heraufdrücken.
Ich erwähne das, um zu zeigen, daß das erste, was wir machen müssen, nachdem wir den Gei- melnden ermöglicht haben, ohne sinnlose Erhöhung x l/Evisteuern ihre schweren sozialen Lasten ab- zuoecken, das Problem der Eemeindesanierung in be3u9 auf die Konsolidierung der schwebenden cc?7 • ’m Interesse der Entwicklung des Zins- utzes eine der vordringlichsten Aufgaben ist. Darüber hinaus müssen Garantien geschaffen werden, daß ein neues Aufleben einer ungedeckten Aus- ^^irtWaft in Reich, Ländern und Gemeinden m Zukunft nicht mehr möglich ist. Noch nicht haben wir das voraussichtliche Defizit der Eisenbahn gedeckt, das aller Wahrscheinlichkeit nach sich auf 500 Millionen Mark in diesem Jahre belaufen wird. Noch nicht haben wir durchgesetzt: ein auf Jahre gültiges klares, aber auch realisierbares Baupwgrarnrn. Die Aufgabe muß sein: Durch ein orgsällig abgewogenes Fmanriei-unoäwsi-ni