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Ellen Gould-Mai-

Puppe mit ihrem Brillanten behängt für Hollywood ab-.

Gould-Maison — kennen Sie diese nichtssagenden Gesicht, die mit ihren ein vortreffliches Ausstellungsobjekt gibt?"

„Seien Sie doch nicht so bissig.

„Sie sind Mediziner von Beruf aus, Sir? Aber Sie haben keine Befriedigung im praktischen Berufe ge­sunden und sich ganz der Theorie zugewandt?"

„Hierin irren Sie, Mister Gibbons, ich ging ganz und gar in meinem Berufe auf. Aber schließlich geht man den Weg doch, der einem vorgeschrieben ist. . . ."

„Da nun aber die Bakteriologie Ihr theoretisches Steckenpferd ist, so habe ich in meiner Kajüte etwas Interessantes für Sie. Eine ganze Sammlung von Kulturen, die ich als Nachlaß eines englischen Arztes von den Hawaii-Inseln nach London bringe, um sie dort dem Laboratorium der Medical Soziety zu übergeben. Oh, Sie müssen zu mir in die Kabine kommen, ich will Ihnen diese niedlichen Glasröhrchen einmal zeigen."

Und die Herren verabredeten einen Besuch in Pro­fessor Gibbons Geheimkabinett, wie er seine Behausung scherzhafter Weise nannte, weil er dort außer den Bak­terienkulturen die kostbarsten Fundstücke der Expedition ausbewahrte.

fort ist jung und Sie werden sie sich erziehen . .

„Reden Sie von Erziehen. Predigen Sie einem leb­losen Kleiderstock, nein, Miß Tscherskasina, alle Ihre Einwendungen lasse ich nicht gelten. . . Er griff ihre Hände, sein Gesicht näherte sich dem ihrigen, in seinen Augen brannte eine leidenschaftliche Glut.

„Vera — Sie müssen — die Meine — werden. . . .* Die Russin entriß ihm die Hände.

4.

„Warum fliehen Sie unsere Gesellschaft?"

„Ach, fragen Sie nicht soviel, Sie hören doch, daß ich üben will."

Und wieder schlug Vera Tscherskasina ein paar Ak­korde auf dem Flügel an. Thomas Harrison hielt ihre Hände fest.

„Verzeihen Sie meine Kühnheit, aber ich muß mit Ihnen sprechen" — er beugte sich nahe an ihr Ohr und flüsterte ihr zu, hastig, überstürzt, was seine Leiden­schaft ihm gerade eingab. Vera hörte ihn abgerissene Sätze stammeln, fühlte seinen heißen Atem ihre Wan­gen streifen. Halb Beethoven im Ohr, lächelte sie traurig versonnen und schüttelte langsam wehmütig den Kopf.

„Rein, Thomas Harrison, Ihr Vorschlag ist nichts für mich. Bedenken Sie doch, daß ich älter bin wie Sie .. ."

„Dera Tscherskasina, was ist Alter, was ist vergäng­liche Schönheit — für mich ein Nichts — fällt garnicht ins Gewicht — ich liebe Sie — ich liebe Ihre schöne Seele . .

Aber Vera schüttelte nur den Kopf.

„Nein, Tom Harrison, nein, nein, ich werde nicht Ihre Frau. In zwanzig Jahren bin ich alt, ganz alt

Bakkerienschiff

Ein Roman in 7 Tagen.

ellinuth Qua st-Peregrin.

igth by Greiner u. Co., Berlin.

Herren eine Theorie über die Entstehung der Bakterien vortrug, die er von hinterindischen Mönchen gehört und persönlich in jahrelangem Grübeln weitergebildet hatte.

Während Urgejowitsch eben noch sprach und die bei­den anderen Herren ihm andächtig zuhörten, erschien Thomas Harrison in der Tür und blickte in die Biblio­thek. Er sah die drei Herren in Gespräch stehen, grüßte höflich und verschwand wieder.

Er suchte Vera Tscherskasina.

Dimitri aber hatte einen anderen Gedanken, dem nur sein finsteres Gesicht Ausdruck verlieh.

„Aha — der Nebenbuhler — er vermutet mich bei „ihr" — sei unbesorgt, dir mache ich sie nicht streitig."

Professor Gibbons hatte aufmerksam der Theorie Di­mitris zugehört. Dann wandte er sich bewundernd an den Sprecher.

„Ihre Idee ist kühn, sie überwältigt mich. Wieviel neue Theorien lassen sich von ihr ableiten."

Dimitri fuhr aus seinem Sinnen auf, seine Gedanken waren bei Vera.

„Ja, ja? Ich hatte nicht recht verstanden?"

Gibbons lächelte leise.

„Sie waren nicht bei uns, Mister Urgejowitsch, be­schäftigten Sie noch gewaltigere Probleme?"

„Nein, wirklich nicht. Die Sache, über welche ich jetzt nachsann, ist sehr prosaischer Natur. Gentlemen, kommen Sie, wir gehen in die Bar. Ich habe das Ge­fühl, dieser Raum mit seiner in schön verzierten Bän­den aufgespeicherten Weisheit wirkt erdrückend, wie das Wissen selbst, je mehr wir von ihm errungen, desto tie­fer empfinden wir, wie viel uns fehlt."

Husterkamp zündete sich seinen erloschenen Zigarren­rest wieder an.

„Eigentlich schade, daß Sie so unvermittelt uns nun in die Realistik des Materiellen zurückreißen. Es un­terhielt sich doch recht schön, Ihr Thema eröffnete un­geahnte Perspektiven."

„Lassen Sie es für heute genug sein, Gentlemen. Sie sind die ersten, denen ich meine Bakterientheorie in die­ser Ausführlichkeit offenbarte. Ich fühle mich über­anstrengt und möchte meine Nerven mit einem Cocktail aufsrischen. Kommen Sie, Gentlemen."

Im Gehen wandte sich Gibbons an den Russen.

und Sie? Ein blühender Mann, dem ein Los beschieden ist wert des Bemitleidens und Belächelns."

Ganz nahe beugte sich Harrison über sie, seine Augen flimmerten, fein Atem ging schwer.

„Vera Tscherskasina, wollen Sie mich zu einer lächere lichen Gestalt machen? Habe ich darum meinem Vater etwas von den Petroleumfeldern von Baku und so wei­ter eingeredet, damit er mich reisen ließe, um unver­richteter Dinge wieder heimzukehren?"

„Was heißt unverrichteter Dinge? Sie wickeln in Rußland Ihre Geschäfte ab, spannen damit den Ring Ihrer Unternehmungen um den Erdball . . ."

„Habe ich gar kein Interesse daran. Ich hörte, Sie reisen auf dem „Superator" nach Europa, und da war mein Plan fertig, unter irgepb einem Vorwand mußte ich Ihnen folgen. Das ist der wahre Zweck meiner Ba­kureise."

Vera Tscherskasina wurde ganz ernst, sie wandte ihr Gesicht dem jungen Manne zu, groß und voll blickt sie ihn an.

„Würden Sie nicht selbst sich zu einer lächerlichen Gestalt degradieren, wenn Sie mit einer Frau, wie ich es bin, zurückkämen, statt dem großen Plane Ihres Vaters gedient zu haben?"

Erregt unterbrach Harrison ihre Rede:

„Dem großen. Plane meines Vaters? Kennen Sie seinen großen Plan, den er mit mir vorhat? Ich soll heiraten, aber nicht, wen ich will, sondern diejenige, die er als Schwiegertochter haben will und das ist Ellen

ieiowitsch lachte vergnügt, war er wirklich nicht." öen Herren an die Karte und deutete auf Küste.

_ H'er oben begann meine Studien- Samojeden. Ich muß gestehen, sie war W' denn man hatte mich dorthin depor- eme kleine Pause und fuhr dann unver-

esängnis, die Zwangsarbeit, eine Hölle ' **„ selbstverständlich, daß ich flüchtete, aturlich, benn russischer Boden war mir ehrt. Mein Weg führte mich am Jenissei ’s Zum Altai-Gebirge und so erreichte Dioden. Unglaubliche Strapazen und . ?af)ren hatte ich durchgemacht, ich ln der tiefsten Mongolei niederlassen ir? als Kurpfuscher und Wun-

eben in Ruhe unter den Tataren und »en können. Aber in mir war No- ~ ’ 65 trieb mich weiter nach dem Der« n' '6) durchquerte die Wüste Gobi, ? ""d Tibet und schlug mich dort recht ^.H’uterindien durch. Hier fand ich, W- Und hier blieb ich die ersten bewunderten den weiten Weg, den Ur- d egt hatte. Anschließend sprach man ’ ,n welchem Lande Dimitri, wie er !ten Jahre seines Lebens verbracht mit indischen Mönchen widmete er 'wzinischen Fortbildung. Man kam ’che Probleme dieser Wissenschaft zu

H Urgejowitsch den beiden anderen

Beilage zur Fuldaer Zeikung

in

r Hundertjährige Kalender

Der düster

tler und Schicksal im Zeichen -er Planeten.

die

ihn, nur selten für

Der riesige Tiefgang ihres Rump- schlagender Beweis ihrer schweren

ein gewaltiges Aechzen aus ihrem sonst gleiten sie fast geräuschlos

daß sie alles, was den sich anzuempfinden weiß

Nur große Geister bewundern in der Welt das Selbst­verständliche und Alltägliche. Nur kleine Geister finden das Ungewohnte bemerkenswert. — Im Selbstverständ­lichen aber ruht das Geheimnisvolle.

Eine ständige Gefahr, schließlich zur Gewohnheit worden, wird dadurch oft gleich zum Schlummerlied Wachsamkeit.

schendste Eigenschaft der Frau, bevorzugten Mann interessiert, — aber nur aus Interesse für Sache.

unnützer Schöntuerei, fes ist wahrlich ein Bedeutung.

Zuweilen klimmt verborgenen Innern,

ge- der

vorüber, unauffällig, effektlos; wohltuender Gegensatz zu dem frechen Geknatter der Motorboote, die herum­kreuzen mit einer schneidigen Rastlosigkeit.

Sie fahren dahin mit dem berechtigten Stolz des Proletariers, der schwere Arbeit vollbringt. Aus ihren Schloten, die sich in williger Demut vor allen Brücken des Stromes senken, stoßen sie eine schräge Rauchflagge hinter sich zurück, schwarz-weiß meliert wie das Barthaar eines älteren Herrn. Bei der Langweiligkeit, mit der sie den Strom durchschneiden, sind die Gichtwogen, die sie erzeugen an Kopf und Schwanz, gering und blitzschnell

*

Verdächtigungen sind immer das Gebiet gewesen, auf dem die kleinen Geister das größte leisteten.

langen Ketten. Inseln, Berge, Städte, Wälder gelten ihnen nichts, glitzern sie auch noch so sehr in Sonne, Farben und Romantik; allein die großen Häfen des Handels haben für sie Bedeutung.

Als Punkte tauchen sie auf in der Ferne, lange Zeit vergeht, «bis sie näher kommen, dann steigern sich die Umrisse, einige Augenblicke Vollansicht, schon schrumpfen sie wieder zusammen, verschwinden, wie sie kamen, dunkle Punkte in der Ferne.

Sie fahren immer genau in der Mitte des Stromes ihren vorgeschriebenen Weg, fast schnurgerade. Exzentri­sches Herumlavieren überlassen sie den Moiordandies. Sie sind die Arbeitspferde des Stromes. Ernst, wie es ihrer Wichtigkeit entspricht, verachten sie alle Koketterie. Flatternde bunte Wimpel würden ihnen ebensowenig stehen wie einem Fabrikarbeiterkittel die elegante Knops- lochnelke. Diese Schiffe, die oft große Vermögen in ihrem Bauche tragen, sind erhaben über das Getändel

und aufwärts jedes siebente Jahr. Diese Menschen sol­len sich durch Schönheit, hübschen Wuchs, einnehmende Mienen, Freundlichkeit und Geschicklichkeit auszeichnen.

Reben einer kurzen Beschreibung der hauptsächlichen Sternbilder gibt der Kalender kurze Anweisungen, was von Monat zu Monat in der Haushaltung, beim Acker­bau und in der Fischerei zu verrichten ist. All die ver­trauten Bauernregeln, die heute noch überall im Schwange sind, hat er gesammelt. Zum Schluß gibt er eine Anleitung zur Anlegung einer Hausapotheke. Ist es da verwunderlich, daß dieses Büchlein in früheren Jahren namentlich für den Bauer ein trauter Hausfreund war? Heute wird er wohl nur noch in wenigen Häusern anzutreffen fein. Wenn man auf ihn hören will, dann mag man es tun im Sinn des Verfassers, der zwischen den Prophezeiungen immer wieder durchblickt, in schlich­ten frommen Sprüchen, wie etwa jenem, den er dem saturnischen Jahr vorausschickt:

In welchem Jahre du geboren bist

Kann dir gleichgültig fein, frommer Christ.

Die Zeichen deuten Böses dir und Gutes, Tu dieses und laß jenes frohen Mutes.

So kannst du trotzen jeglichem Geschick, Und immer dir versprech ich Heil und Glück.

nur einen halben Tag oder nur ein paar Stunden zu tun. Oft liegen solche in Nebengäßchen, haben wenig Hofraum und kleine Scheunen, daß es. schwer hält, die Dreschmaschine richtig unterzubringen. Dabei versperrt sie manchmal ganz dreist die Straße; die Wagen können kaum vorbei und die Autofahrer schimpfen auf den schwarzen Koloß, der ihnen unliebsamen Aufenthalt bringt.

Viel Arbeit schafft und verläßt sie an den Plätzen, wo sie ihr eintöniges Sieb gesungen. Den Kinbern aber macht sie bas größte Vergnügen. Mit bem schrillen Signal der Dampfpfeife vermischt sich ein vielstimmiges nachahmendes Johlen ber kleinen Müßiggänger, bie über dem Herumtollen um den schwarzen Leib des Kolosses, zwischen den rußigen Maschinisten und den schweiß­triefenden Sackträgern ihre Schularbeiten vergessen. Die ganz vorwitzigen setzen auch schon mal die Dampfpfeife in Tätigkeit, wonach dann der Heizer seine schwarzen Finger durch eine Ohrfeige auf ihre vor Eifer glühen­den Backen verewigt. Im Hause, besonders in der Küche, gibt es viel Arbeit, denn es gilt, die vielen Helfer reich­lich zu bewirten und womöglich den Nachbar zu über­treffen. Nicht umsonst gebraucht man ja auch den Ver­gleich: „Er ist, wie ein Drescher". Bor allem müssen die Kuchen von einer angemessenen Dicke fein, wenn sie ihren Namen „Maschinenkuchen", wie er in Oberhessen gebräuchlich ist, nicht mit Unrecht tragen sollen. Vieler­orts ist es Sitte, die Kinder armer Leute mit dicken Kuchenstücken zu beglücken, wenn sie sich mit erwartungs­vollen Augen an der Hauswand herumtummeln.

Auch die großen Leute, die sich tagsüber schwer plagen mußten, erwartet am Abend noch das Vergnügen. Mik Gesang und Tanz und einem Fäßchen Bier, ober einem reihum gehenden Schnapsgläschen wird der Erntefegen gefeiert.

Die Dreschmaschine aber wandert, von Pferden ge­zogen, nach getaner Arbeit gleich wieder in einen anderen Hof, um bereits beim nächsten Morgengrauen ihr ein­töniges Lied der Arbeit weiter zu summen.

Leo No! l.

aus ber Mode gekommen, „der Hundert- uzeitliche meteorologische Stationen nach Methoden das Wetter vorauszubestim- : stand zu unserer Väter Zeiten in recht . Jene Generation schwor ebenso auf jteit, wie wir uns heute auf die Berichte en verlassen. Und es war damals wie it Vorhersage nicht ein, so war es eben die ja bekanntlich nur die Regel bestätigt, rften wissen, daß der „Hundertjährige" i als Autorität gelten will; reicht doch gäbe von 1860 bis 1960.

und kurios wollen uns seine Ausdrücke mancher seiner Leser wird vielleicht spöt- a kräuseln. Und doch ist es im Grunde -- als die heutige Methode. Die Erfahrung riWe heute den Ausgangspunkt für alle Be- ”ur daß wir heute bet fortgeschrittener Tech- e Erfahrungen sammeln und durch Vergleichs- auf dem ganzen Erdball genauere Ergeb« i können.

1 wenig geistert in bem Büchlein immer noch rom bestimmenden Einfluß ber Gestirne auf 1 unseres Erdballs. Eine Tatsache, die ja niemand zu bestreiten wagt, deren Einfluß j^ologie aber nicht mehr so hoch angeschla- Wir Menschen der Gegenwart haben leider 'rlernt, mit den Sternen zu leben, zu deren Slanj unsere Ahnen so gern gläubig aufge«

! moderne Wissenschaft auf ihre Errungen- *4 sein, man schelte drum nicht den alten Wet- en treuen Freund unserer Vorfahren. Und mirfte sich schwer führen lassen, daß die oben „Ausnahmen" heute seltener geworden seien

Ein schlichtes Büchlein ist es, am Heftrand mit blauem Glanzpapier eingefaßt. Das Titelbild zeigt Helios im Strahlenkranz auf dem Sonnenwagen, den vier feurige Rosse ziehen. Gleich die erste Innenseite gibt ’bie» ein­fache astronomische Begründung: Da sich bie Konstella­tion der damals bekannten Planeten nach einem Zeit­raum von jeweils sieben Jahren immer wieder erneuere, könne man mit siebenjährigen ÜBetterperio« den rechnen. Im einzelnen wirb bann jebes Jahr unter bie Vorherrschaft eines bestimmten Planeten gestellt, ber bann auch maßgebend für bie Witterung sein soll.

„Hiernach ist nun dieser Kalender abgefaßt", so sagt ber fromme Verfasser, ber Abt des Klosters Langenheim, „unb trifft auch nicht alles akkurat zu, so wird man doch vieles wahr finden. Es ist aber auch dem Allmächtigen Gott kein Matz und Ziel vorzuschreiben; denn wenn er um unserer Sünden willen strafen will, so kann solches wider den natürlichen Lauf geschehen, weil feiner gött­lichen Allmacht alles unterworfen ist."

Besonders fruchtbar soll bas nächste Jahr wer­den, das im Zeichen des Jupiter steht. Aber ber Ka­lender beschränkt sich nicht auf diese allgemeinen Anga­ben, sondern gibt auch Wettervoraussagen, für die ein­zelnen Tage der Monate.

So heißt es z. B. für den Juli: Den 1. und 2. trübe, den 3. Regen, vom 4. bis 9 .heißes Wetter, den 10. Ge­witter und schwerer Platzregen, den 11. schönes Wetter, vom 12. bis 28. abwechselnd, auch Gewitter mit starkem Regen, dann kühl bis zu Ende. Für den August heißt es, den 2. trübe und Regen, darauf bis zum 6. heißes Wetter, den 7. Gewitter und Regen, vom 8. bis 18. warm mit Regen, dann bis ans Ende trockenes Wetter.

Unter einem besonders günstigen Stern läßt ber „Hundertjährige" jene Menschen geboren werden, bie im Zeichen ber Venus bas Licht ber Welt er­blicken; dazu gehören die Jahre 1927 und dann abwärts

nkelnde Saturn unb bie glückhaft leudjtenbe Venus Bauernregeln unb Hausapotheke.

Frachtschiffe fahren über Öen Rhein.

Don Hermann Linden.

Flußabwärts gleiten sie vorbei, vereinzelt ober

Aphorismen.

Bon F. L. Dunbar von Kalkreuth.

Es ist bie liebenswürdigste, aber zugleich bie täu=

im Dorfe.

itt im Dorf entschlief, , stumm bie alten Giebel;

Volk zum Tanze lief, blättern in ber Bibel.

ruft im fernen Hag, enrnin zirpt eine Grille; !hvm knarrt ein Stundenschlag Miese SonntagsftilS.

Markt bie grünen Linben non hellem Bienensang, ben müden Sommerwinden itenbuft bas Dorf entlang.

Joseph Kamp.

Maschine summt---

it hat zwar bas Einfahren der Frucht [ aber allmählich leeren sich bie Felder vor nicht langer Zeit wogende Aehren- wo bann ein weiter Plan voller Korn- einem ungeheueren Zeltlager, von der rbeit des Landwirts zeugte, da breitet rmiges Stoppelfeld aus, das der Pflug das braune Gewand der samenharrenden n wird.

man Tag für Tag das einförmige Summen schine im Dorf. Zuerst stand sie im Felde, i Dorfes, bei einem Bach, der dem Damp:- affer spendet, und die Hüttner und armen ein oder ein paar Aeckerchen heimsten ihren ein, froh über das Wenige, bas ihnen be- tfjnen aber ben Lebensunterhalt sichert, von Hof zu Hof; zuerst zu solchen Höfen, Behäbigkeit vom großen Besitz ihrer (Eigen- n. Hier verweilt sie einen auch zwei n minder großen Anwesen hat sie schließlich

NILS

10. August

vergänglich. Kleine Nachen, bie sie nach sich ziehen, überfällt unaufhörliches Schaumbad.

Währenb bie Motorboote und bie Vergnügungs­dampfer, lauter schlanke, flinke, geschmücke Gecken, fast ausnahmslos solche Namen tragen, die früher die Offi­ziersfamilien ihren Söhnen vorzugsweife gaben, tragen sie, die einfachen, farblosen, mühevoll sich sortkvälzenden Frachtschiffe zumeist die Namen der Götter, fo daß Nep­tun sich über Mangel an Nachkommenschaft nicht zu be­klagen braucht.

Schneckengleich im Tempo fahren sie dahin. Ihr An­blick ist nicht immer unb nicht von jedermann zu ertra­gen. Man muß schon Beziehungen zu ihm haben. Durch­aus vorstellbar sind Großstabtmenschen, die, fesselte man sie nur eine Stunde an eine ber Uferbäume, gewiß ver­rückt würben vor btefem Anblick, dessen Bewegungs­monotonie nun auch wahrhaftig schon stoisch genannt werben kann. Liebhaber sonnenverdöster Siestastunden jedoch sind ber Seele biefes Reizes bebeutenb näher. Sie haben nämlich einen Reiz, diese schwimmenden Rhein- frachtschiffe, obwohl ihr Rhythmus ein kriechender ist. Sie besitzen jene Ruhe, bie — vielleicht — darum bie vollendete ist, weil auch mit ihr zum Ziele gelangt wer­ben kann, ohne hetzende Nervenpeitschen. Der Anblick dieser fahrenden Rheinfrachtschiffe ist nur für diejenigen ein Genuß, die um ihn wissen und ihn darum suchen. Diese können ihn stundenlang anstarren, denn sie wissen, daß bie Ruhe ber Schiffe langsam überfließt in die Körper ber Zuschauer.

Diese Schiffe haben den Schein einer geheimnisvollen Verlassenheit; man wirb aus ihnen immer, auch mit Fernstechern, vergeblich die Mannschaft suchen. Gewöhn­lich sinb nur zwei Männer auf bem riefenlangen Verdeck zu sehen; einer in Hemdsärmeln und mit schwarzer Schildmütze auf dem Kopf, der bas Steuer dreht, und ein zweiter, mit nichts angetan als Hemd unb Hofe, ber bar­fuß auf bem Verdeck umher turnt, — Holzstangen, Eisen- stöbe und Seite wechseln in seinen Fäusten. Wenn sich nicht noch ein Hund auf bem Rücken in ber schmerzend- heihen Sonne wälzt, ist bas Verdeck sonst ein ausgestor« benes Feld, unb ber Beschauer am Ufer kann ganze Ro­mane dichten über bie fehlende ober verborgene Mann­schaft dieser Schiffe, die sich getrost bis ins Piratenleben verirren dürfen.

Indes fahren bie Schiffe hinab zum Meer.

Er hak „(Sufen Tag- gesagt!

Von Rudolf K l u t m a n n.

„Wer?"

„Der Mann, der eben eingestiegen ist."

Ich ließ die Zeitung sinken und fchaute mich um. Das Abteil des Vorortzuges war voll besetzt, fo mit Kaufleuten, Angestellten beiderlei Geschlechts, Frauen, bie vom Stadtkauf kamen, Männern, welche Zeitung lasen. r

„Der da" — mein Junge wies heimlich auf einen Mann, der einen kleinen, zerschlissenen Koffer auf den Knien hielt unb seine Augen blank unb weit auf schwei­fen ließ.

„Guten Tag", sagte ich taut. Aber nun entstand über« Haupt erst bie richtige Peinlichkeit. Denn ben Gruß bes Stabtfreunben hatten sie alle überhört ober überhören wollen. Mein Gegengruß brach über sie herein wie ein dummer Spaß ober wie ein Verweis ober — wie ein verwunschener Laut. Ein verflogener Vogel, ber aber schnell bas offene Fenster gewann, wieber ins Freie ent­schlüpfte. .

Es geschah natürlich nichts. Man blickte auf, man bückte fort. Nur ber Mann von außerhalb, ber seinen freunbnachbarlichen Gruß in bie Sippschaft der Groß­stadtgenossen unb Bittersremden getragen hatte, hakte seine Augen in die meinen, daß es schmerzte. Sein Ge­sicht überzog sich mit einer Röte. Bis in ben letzten Herzwinkel spürte er, daß man in einem Abteil eines Stabtzuges unmöglich einen „guten Tag" wünschen konnte. —

Ws ich mit meinem Jungen späterhin meinem Heim zuschritt, sagte er: „Das war boch eigentlich furchtbar komisch. Der Mann sagte: „Guten Tag", unb keiner antwortete, und bann sagtest bu viel später „Guten Tag".

„Ja, sieh mal. Junge, bas ist so", erwiderte ich unb rang nach einer Erklärung. „Der Mann war gewiß vom ßanbe, unb da wohnt man weit auseinander, unb zwischen den Nachbarn tummelt sich ein guter, fröhlicher Tag in Blumengärten unb Felderweiten. Und da grüßen sich bie Menschen freundlich, weil sie Lust haben und frei atmen und sich kennen wie den guten Tag, ber