Samstag, S. August 1930.
57. Zahl».
Mcheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die West im Bild' und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag her Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrist- .. [eitunfl 1152, Fuldaer Actiendruckerei 1150 und 1151. ::
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kuldaerZertung
■jtt^eiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.
erschlagen.
4« &u» Pommernland!
erhielt nun auch die Absage namhafter
arlles-vämmerung.
Jtrianbs Paneuropaplan ist im Augenblick : Staat zu machen. Es hat sich kaum
? Hoffnungen, mit denen Briand seinen rund durch Europa schickte, verwirk- man genau zusieht, haben fast alle ^»"mlan a b g e l e h n t. Nicht grundsätz- kein Staat glaubt im Ernst daran, daß ne Bund sobald verwirklicht werden dagegen steht, sind letzten Endes d i e ..Tn von Versailles. Solange Frank- und seine Vasallenstaaten im Osten und auf an der Theone sesthalten, daß der ““ön Versailles ein unantastbares heiliges lt |ej solange wird es mit dem europäi- Jentmni) noch feine guten Wege haben kann nicht gleichzeitig rüsten, Minderheiten wii en, Reparationen eintreiben und zu- mit^den bedrückten Völkern einen Freund- ub gründen. Das ist, wenn man scharf zu- 'der Unterton, der aus den Antworten der n Staaten herausklingt, auch der neutralen, , am Krieg nicht unmittelbar beteiligt waren. Ein jüngst erschienener Bericht englischer rikanten kommt unpolitisch zu n Schlüssen und fordert darum aus wirt- Gründen die Annullierung der utschen Reparationsverpflichtun- Selbstverständlich wird dieser Geschästs- bei uns sofort wieder parteipolitisch aus- gchtet, indem Herrn Dr. Hugenbergs Ber- Lokal-Anzeiger mit Beftiedigung feststellt, von den englischen Elektroindustriellen gelte Ansicht über die Wirkungen des Poung- auf Deutschland und die Welt decke sich voll- mit dem von den Deutschnationalen vertre- Etandpunkt. Nur habe man ihn in Deutsch- aus Gründen des Parteiwohls geflissentlich . Das letztere ist ein mit Rücksicht auf s sehr gefährdetes Parteiwohl a u f g e - agener Schwindel. Man hat in Deutschgerade bei den Gegnern des Volksbegehrens letzten Herbst sich über die Möglichkeiten des es keinerlei Illusionen hingegeben, und e sachliche Kritiker war damals der heu- ichskanzler D r. Brüning. Nur ist es ein Unterschied, ob man mit dem Kopf durch die ®anb rennen will und sich dabei den Schädel eift- W — siehe die DeutschnationaleVolks- Partei unter Führung des Herrn Dr. IAlfred Hugenberg — oder ob man in wahrhaft deutschem Interesse sich weltpolitischen Stim- : men und Strömungen anpaßt und die Zeit und me Geschichte sich als Kronzeugen sichert. Das war der Sinn der deutschen sogenannten Erfüllungspolitik, an deren Ende als unsere Hoffnung immer eine Versailles-Dämmerung gestanden hat. Die Zeit arbeitet für uns, es kommt nur alles darauf an, daß wir Mitarbeiten, statt uns den freventlichen Luxus des B r u d e r k a m p- fes zu leisten.
der pommerschrn Landwirtschaft.
Männer in den Wirtschaftsorgani- ^oulinerschen Landwirtschaft, v. Flem- ti- Flügge-Speck, v. Knebel-Dveberitz, dorf, v. Oppenfeld-Reinseld und Schlote- lgeiltyi, sind aus der Deutschnatio- Bithi# re-0. ^Partei ausgetreten, nach- Pch vg»?:^^sungsverhandlungen zwischen DNVP Kjbten sir^ zerschlagen haben. Sie begrün- BBkenK« stritt in einem Schreiben an den Kes, , Landesverbandes v. Zitzewitz, in heißt:
^K&rnnrIa<; Hugenberg hat unmittelbar vor 9 des Zieles Ihre Bemühungen zur
Mftrhg.9 Eines pommerschen Einheitsblocks aller WM»-Zemente zerschlagen.
Wch«s0uU'che und wirtschaftliche Geschichte des Eltens beweist, daß der in der Haupt- rarge Boden unter rauhem Klima die Be- -
tonnten zusammen nicht kommen... Es kreisen die Berge und gebären nicht einmal EM» gemeinsamen Wahlaufruf, sondern nur »Burgfriede". Nach der Unterredung des Herrn «nd des Herrn Höpker-Aschoff. — Was wird den Liberalen der verschiedenen Schattierunj- M am Abend des 14. September geworden sein? di» ^^""uerstagnachmittag traten int Reichstag k» «>• ^er der Deutschen Volkspartei, ..^"ilchaftspartei, der Konservati- g. ^°ikspartei und der Landvolkpar- angekündigten Sitzung zusammen, um ^««rhandlungen über einen gemeinsamenWahl- fvrtzuführen.
L. 5. Verhandlungen führten jedoch nicht zu ftinen Ausdruck in einem gemein« E Wahlaufruf erhalten sollte. Die Parteien ■Äe “herein, int Wahlkampf gegenseitig Serfinnh- Vurg frieden zu bewahren. Weitere «,i"0Engen sind nicht in Aussicht genommen. Heuu^-m^^chungen zwischen dem Führer der ter j^^.^i^Partei, Dr. Schatz, und dem Füh- -L»°rr Ltaatspartei, Minister Dr. Höpker-Aschoff, p*0,>cn slch unmittelbar an.
Vesprechungen zwischen den Abgeordneten ? °£*n der Deutschen Volkspartei und dem 8^anzminister Höpker-Aschoff von der Unb i währten etwa anderthalb Stunden Äi das Nachrichtenbüro des Ver-
»vsi.^^r Zeitungsverleger hört, zu keinem bnnVL6 5- ^gebnis. In politischen Kreisen wer- Sammlungsbestrebungen einer bür» P* Jnitte als gescheitert angesehen.
Die Notverordnung.
Dem Reichstagsausschuß zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung lag ein kommu- n r'st l stch e r Antrag auf Aufhebung der neuen Notverordnung der 'Reichsregierung vor. Im Laufe der Aussprache verlangten die Sozialdemokraten, daß die Verordnung für verfassungswidrig erklärt werde, da sie parallel mir dem ersten, auf Verlangen des Reichstags wieder außer Kraft gesetzten Verordnung kaufe. Von anderer Seite wurde diese Parallelität in Abrede gestellt. Der Ausschuß nahm schließlich mit 16 gegen 12 Stimmen einen von den Abgeordneten Dr. Bell (Ztr.), Dr. Scholz (Deutsche Volkspartei), v. Ken dell (Landvollpartei), Meyer (Dem.), Drewitz (Wirtschaftspartei) und Emminger (Bayr. Volksp.) eingebrachten Antrag folgenden Inhalts an: „Der Ausschuß erklärt sich zur Verhandlung der eingebrachten Anträge, die Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten aufzuheben oder sie verfassungswidrig za erklären, für unzn»- ständig." Der Ausschuß stimmte vorher einer Verordnung der Reichsregierung über die Kennzeichnung v o"n Mischbrot zu, die im Brot- gefetz vorgesehen ist, die Zustimmung des Reichsrats bereits erhalten hat, aber auch noch der Zustimmung eines Reichstagsausschusses bedurfte.
* Besuch des Königs von Irak in Berlin. König Fast al vom Irak, der unter dem Namen „Prinz Usama" inkognito für 3—4 Tage nach Berlin kommt, trifft Freitagnachmittag ein. Er hat den Wunsch, Berlin, welches er auf seinen früheren Europa- Reisen zu besuchen noch keine Gelegenheit gehabt hat, kennen zu lernen. Er wird sich von hier aus über Paris nach Bern begeben.
* Der Kampf um die Schlachtsteuer in Bayern. Aus München wird gemeldet: Die Landtagsfraktion des Bayerischen Bauern- und Mittelstand- bundes hat den Antrag eingebracht, daß die durch Verordnung des Gesamtministeriums vom 1. Aug. 1930 eingeführte Schlachtsteuer nicht erhoben wird und zur Deckung des Ausfalls im Staatshaushalt 25 Prz. der durch das Besoldungsgesetz Dom 20. April 1928 gewährten Erhöhungen zugunsten der Staatskasse gekürzt werden sowie die Ministerialzulagen vom 1. 9. 30 in Wegfall kommen.
* Die Ausführung der Osthilfe. Die Verhandlungen über die Durchführung der Osthilfe sind laut „Voss. Ztg." soweit gefördert, daß die Herausgabe der Ausführungsbestimmungen zu der Notverordnung des Reichspräsidenten unmittelbar bevorsteht. Umstritten war bis zuletzt die Ausdehnung der Osthilfe. Jetzt steht dem gleichen Blatt zufolge fest, daß die fünf Interessengebiete Ostpreußen, Grenzmark, Pommern, Niederschlesien und Oberschlesien, in Pommern und Niederschlesien allerdings nur einzelne Bezirke, von der Osthilfe erfaßt werden können.
* Gerüchte über die Rückkehr der früheren König- von Bulgarien und Griechenland. Dem „Petit Parisien" wird aus Belgrad gemeldet: Nach Nachrichten aus Sofia rechnen die dortigen gut unterrichteten politischen Kreise mit der bevorstehenden Rückkehr des ehemaligen Königs Ferdinand. Die bulgarische Regierung habe von einem der Staaten der Kleinen Entente die Versicherung er=
völkerung in Stadt und Land nur bann erhalten kann, wenn alle Schichten geschlossen zusammenhalten. Nur so ist der Kamps um dieses Erenzland, um diesen unserm Heimatraum, erfolgreich zu führen.
Wer in solchen erschwerenden Umständen politisch und wirtschaftlich führen will, wo jeder Erfolg langwierigster, zähester Arbeit bedarf, muß die Fähigkeit besitzen, die vorhandenen Möglichkeiten zu erkennen. Wer über diese Gabe nicht verfügt, dem Helsen alle guten Absichten und fernen Ziele nichts, weil die Gefolgschaft vor Erreichung des Zieles zerfallen ist.
Seit Jahr und Tag haben wir mit Rücksicht auf diese Feststellungen vor den politischen Methoden des Herrn Hugenberg gewarnt. Trotzdem sind wir der Partei, die hier in unserer Heimatprovinz auch zahlenmäßig ihre stärkste Stütze hatte,
treugeblieben. Alle Warnungen aber hat Herr Hugenberg in den Wind geschlagen, und niemals haben wir bemerkt, daß er wirklich sorgfältig und eingehend die politischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten des deutschen Ostens im gegenwärtigen Zeitraum ergründet und erforscht hätte.
Das praktische Machtinstrument der Partei im Parlament ist in den letzten Monaten zerfallen, einen Ersatz hurch eine machtvolle einigende Bewegung im Lande zeigte uns Herr Hugenberg nicht, lediglich die alten Fernziele ohne praktischen Wegweiser wurden verkündet, und so machten wir uns mit Ihnen an die Arbeit, um zunächst einmal wieder die Geschlossenheit herbetzusühren. Alle in Betracht kommenden Führerschichten waren unter Ueberwindung schwerster Bedenken und unter Zurückstellung ihrer eigenen Parteiinteressen bereit zum gemeinsamen Wege.
Da zerschlug in letzter Stunde Herr Hugenberg wiederum Ihre und unsere Arbeit. Jetzt ist die Stunde gekommen, in der wir nicht mehr die Verantwortung für ein derartiges Tun und Treiben übernehmen können.
Wir sind daher leider gezwungen, Ihnen hierdurch unseren Austritt aus der Deutschnationalen Partei anzumelden, weil wir die letzten Möglichkeiten zu einer Zusammenarbeit mit Herrn Hugenberg als erschöpft ansehen müssen.
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Sämtliche Mitglieder der deutschnationa- len Fraktion im Dresdener Stadtverordnetenkollegium sind aus der Deutsch- nationalen Volkspartei ausgetreten und bis auf einen zur Konservativen Volkspartei übergegangen. Eewerkschastssekretär Haupt ist zu den Christlich-Sozialen übergetreten.
katholische Zagend - politische Entscheidung!
nings zur Kanzlerschaft wesentlich gefördert worden. Es gibt im k atholischen Lager deutscher Jugend keine Aussprache darüber, ob für oder gegen Brüning! Wir stehen zu ihm. Vielleicht wird man draußen, jenseits unserer weltanschaulichen und parteipolitischen Grenzen, von Wirkungen der Parteidisziplin sprechen, man wird versuchen, parteiische Gründe für dieses Verhalten ins Feld zu führen. Nichts von alledem. Darf man daran erinnern, daß es schon einmal anders war? Auch katholische Jugend kann aufftehen und murren. Also mit dieser Erklärung trifft man uns nicht. Wir stehen zu Brüning und mit ihm zur Deutschen Zentrumspartei, weil wir hier unzweideutig den Willen zum Handeln, den Mut zur Verantwortung fühlen.
Um uns herum ein Prozeß der Auflösung, der Flucht und Negation, ein Zerrinnen und gegenseitiges Begeifern — und bisher durchaus nicht ein Zeichen innerlich und politisch begründeter Sammlung. Die Deutsche Staatspartei. Für uns ist das eine Fusion — sie will es nicht fein, und doch gibt es keine andere Erklärung dafür — zwischen der zeriallenden Demokratischen Partei und dem „parteifeindlichen" Jungdeutschen Orden vollends unbegreiflich. Man nehme sich die Schriften des „Jungdeutschen Ordens" vom Beginn feiner Tätigkeit bis zum Jungdeutschen Manifest M a h r a u ns zur Hand, stelle daneben die Deutsche Demokratische Partei. Dieser Zusammenschluß ist und bleibt unfaßlich. Wir erinnern an Aussprachen unserer Freunde mit Vertretern des „Jungdeutschen Ordens", in denen das Ansinnen, mit liberalen Kräften zusammenzugehen, von den Jungdeutschen energisch zurückgewiesen wurde. Das ist vielleicht 1% Jahre her, und heute steht Mahraun neben Koch-Weser. Der politische Liberalismus macht seine Sprünge, und wir würden uns nicht mehr darüber wundern, wenn der „Idealismus" des Jungdo mit dem „Materialismus" der großen Jndustriekonzerne eine recht vergnügte politische Hochzeit feiert. Wenn es überhaupt noch eines Anstoßes zur Sammlung und Einheit katholischer-politischer Jugend bedurft hätte, dann wäre dies das letztnötige Signal gewesen.
Von dieser unserer Meinung kann uns auch nickt abbringen, was die „Vosiische Zeitung" vom letzten Dienstag mit großer Ueberfchrift „Die Jungwähler entscheiden" bringt. Wir haben für diese scharfe Sprache von Dr. Walter Julius B l o e m in feinem Aufsatz „Entgötterte Jugend" und für den Optimismus in dem Aufsatz von Dr. Josef Win- schuh „Gläubige Jugend" Verständnis. Aber eine Frage: Ist nicht so schon vor einem Jahrzehnt geschrieben und gesprochen worden? Macht es heute wirklich der Ton? Sammlung ist doch nur möglich, wo gleichgeartete Kräfte zusammen wollen. Aber das, was in der Deutschen Staatspartei geschieht, ist Konstruktion. Das deuten die Heber«
Erwin Niffka, der Berliner Jugendpfleger, schreibt in der „Germania":
Wer von den Jungen und Alten noch nicht zu der Ueberzeugung gelangt war, daß die Zeit jugendbewegten Aufbruches, .des Stürmens und Drängens erster Nachikriegsjahre sehr schnell abgelöst wurde vom Schaffen der Jugend an harten Dingen und weniger beredsamen Zeichen, der mußte sich doch in den letzten Monaten zu dieser Einsicht bequemen. Wir erinnern an die letzte Tagung des Reichsausschusses der Deutschen Jugendverbände in Marburg, in der nicht mehr der „Abstand von den Dingen" das Feld beherrschte, sondern der eiserne Wille, mitzutun und das Feld der täglichen Arbeit zu er- ober«. Allzu Kritisches, Brodelndes und Mißtrauisches blieb zurück — doch war es notwendig und sinnvoll; — die Tat der Jungen reckte sich, und mit dem Gewinn an Vertrauen zum Jetzt, zu Gegenwart und Zukunft, wurde der Boden der Tatsachen Erreicht und angefangen, mit harter Schaufel zu graben. Joos rief auf der Tagung der Windthorstbunde 1925, in Friedrichshafen, den „Bewegten" zu: „Oefsnet die Tür und lugt nicht zur Spalte hinein!" Es ist Zeit, sich dieses Rufes zu erinnern, Zeit auch zur Feststellung, daß der Ruf in der katholischen Jugend gehört und befolgt wurde.
So auch in der Politik. Ist es nicht auffallend, daß mit dem zunehmenden Ernst vor allem unserer wirtschaftlichen und sozialen Lage in der jungen Generation eine emsige, weniger aufgeregte Mitarbeit sich einstellte? Wir freuen uns darüber, und doch seien wir uns klar, es kam nicht von ungefähr. Der Spießer hat nicht recht, der diese Entwicklung mit „zunehmender Besinnung" kommentieren will. Das würde nicht den Kern treffen. Die Jugend ist nicht müde im Sehnen nach Entscheidungen geworden, nicht schwach im Glauben an den neuen Staat, nicht kleingläubig vor dem, was geschafft werden kann und muß. Nicht die Ziele sind andere geworden, die Tatsache der Reife der Zeit und der aufgelockerte Boden, nicht zuletzt die Einsicht vieler, daß sie abtreten muffen, um neues Blut in den Strom der Zeit fließen zu lassen, haben mit dazu beigetragen, daß junge Generation politisch am Werke ist, die nicht mehr grollend vor den Tore», sondern bereit zu schaffen im politischen Tageswerk. Man verstehe daher die „Wandlungen" nicht falsch, Kritik wurde durch Aktivität, Reserve und zum Teil auch Verneinung durch den Willen zum Angriff abgelöst.
Uns scheint, so sieht es in der katholischen Jugend, in ihren politischen Kreisen und auch bei denen, die im kulturellen und religiösen Leben arbeiten, aber ebenso willig zur politischen Entscheidung sind, aus. Diese Entwicklung ist durch die politischen Ereignisse der letzten Monate, durch das verantwortungsbewußte Eingreifen der Deutschen Zentrumspartei in den Gang der politischen Ereignisse, insbesondere durch die Berufung Brü-
schriften beider Aussätze klar und deutlich an.
Und auf der Rechten? Auflösung auch hier die Parole, Jnteressentenhausen gegeneinander, in Front. Wir haben im Lager der katholischen Irgend aufmerksam die Sammlung jungtonferoatioer Kräfte verfolgt. Wir verhehlen nicht, daß auch Erwartungen ausgesprochen wurden, daß wir auch heute noch nicht die Hoffnung aufgegeben haben. Aber noch ist kaum etwas zu sehen. Unklarheit beherrscht das Feld, obgleich die große politische Entscheidung der Reichstagswahl für oder gegen Brüning eilenden Schrittes näherrückt. Wir haben ein Lächeln dafür, wenn ein Ungenannter in der „Kreuzzeitung" nach dem Zusammenbruch des deutschnationalen Katholikenousschusses Umschau hält nach dem politischen Boden, für den „konservativen" Katholiken, und das Zentrum damit abzutun versucht, es arbeite in gegebenen Fällen mit der Sozialdemokratie zusammen. Auch in dieser Front gibt es für katholische Jugend keinen Platz. Und im Lager der Linken? Es hat einmal eine Zeit gegeben, in der sich auch junge Kräfte des Sozialismus regsam und hoffnungsvoll für eine politische Zusammenarbeit zeigten. Wir erinnern an die Tagung der Jungsozialiften in Hofgeismar. Dort meldete sich das, was die einen mit „Refor- mifterei" abtaten, was aber Hoffnung gab, Klaf- fenkampfidol und ständische Abschnürung zu überwinden. Was ist von dem geblieben? Dort ist die Jugendbewegung vielleicht am ehesten stille geworden. Wir bedauern das aus staatspolitischen Gründen, ohne in irgendwelcher Weise den weltanschaulichen Abstand zu ihnen zu verleugnen.
Sollen wir noch von den Extremen auf der linken und rechten Seite sprechen? Wir sehen in diesen Bewegungen eine ernste Gefahr, nicht weil wir bei ihnen die Zukunft vermuten. Ihr Weizen blüht eben nur in Zeiten der Unruhe, in denen Menschen infolge ihrer großen Not Opfer der hohlen Phrase werden. Der „Zauberlehrling" Adolf Hitler droht mit gewaltigen Fäusten. Wir werden ihn überwinden, wenn katholische Jugend nicht daraus hereinfällt, sondern geschlossen für die verantwortungsbewußte Tat in der Deutschen Zentrumspartei eintritt.
Die Zeit ist reif. Wir haben noch einige Wochen der Arbeitsmöglichkeit vor uns. Die katholischen Jugendverbände treten mit einem Ausruf an die junge Generation heran. Der Reichs- jugendausschuß der Deutschen Zentrumspartei ist Hauptträger dieses politischen Willens. Wir sind nicht bange um unsere Gefolgschaft. Wir haben darüber hinaus aber den Wunsch, daß alle staats- bejahenden Kräfte im katholischen Lager diesen Ruf verstehen und zu würdigen wissen. Eine zweite schnelle Auflösung des Reichstages wird das Deutsche Volk und sein Staat nicht vertragen können. Es liegt mit in unserer Hand, zu verhüten, was Hitler und Thälmann wollen, den Umsturz um jeden Preis. Das ist der Ernst der Stunde und das Muß unserer politischen Entscheidung für die Deutsche Zentrumspartei.
halten, daß Rumänien und Südslawien sich dem nicht widersetzen würden. Andererseits ist auch das Gerücht im Umlauf, daß der ehemalige König von Griechenland aufgrund von Verhandlungen, die Venifelos in London geführt habe, nach Athen zurückkehren und den griechischen Thron wieder besteigen werde.
* Der ehemalige König von Afghanistan Aman Ullah ist von Konstantinopel unerwartet nach Rom abgereist.
* Columbiens neuer Präsident. Aus Bogota wird gemeldet: Der Präsident Kolumbiens Dr. Enrico Olaya Herrera hat sein Amt angetreten. Er ist der 51. Präsident des Landes.
Die „patteipoliliW Neutralität"
der freien Gewerkschaften.
Es ist bei den jeweiligen Wahlen ein immer wiederlehrendes Kapitel. Mag es der einen oder anderen freien Gewerkschaft bzw. ihrem Fachorgan gelungen sein, die ganze Zeit über die parteipolitische Neutralität vorzugaukeln, bei der Wahlagitation kann man sich jedoch nicht enthalten, seine zur Schau gestellte „Neutralität" aufzuheben. So geschieht es auch jetzt wieder. Kaurn sind die Neuwahlen zum Reichstag ausgeschrieben und Die ersten Wahlaufrufe erlassen worden und schon beginnt im soziald emo kratischen Eewerkschaftslager ein emsiges Rühren und eine wüste Agitation für die Sozialdemokratie. So schrieb der „Aufwärts", das Organ der sozialdemokratischen Gewerkschaften Berlin in seiner Nummer 30 u. a.: „Jeder Gewerkschaftler muß zum Agitator werden. Es geht darum, ob die Demokratie von Weimar zu einer