Hesse.
Warum verschwinde! die alle Zauernkullur?
Von Jos. Gruß, Niederklein.
rett überall ihren Namen hin, hausen unter den men wie Wölfe unter den Schafen usw. Wie man Abhilfe schaffen? Die Unverbesserlichen sollte empfindlich strafen. Diejenigen, die noch nicht
Blu- kann man ganz
„Du Volk aus der Tiefe, du Volk aus der Nacht, Vergiß nicht das Feuer, bleib auf der Wacht!"
Die bürgerliche Jugend wendet sich nach rechts, Arbeiterjugend nach links.
Diesen Gefahren gegenüber muß die wahlberechtigte kath. Jugend nach klaren Grundsätzen handeln und mit Verantwortung gegen Volk und Kirche zur Wahlurne schreiten. Wahre kath. Jugend faßt die Wahl nicht als
Kinderei und Spielerei auf. Sie läßt sich nicht durch die raffinierte Wahlpropaganda beeinflussen und trägt in ruhiger Abwägung den Gegebenheiten der Wirklichkeit Rechnung. Sie wird jener Partei die Stimme geben, die für die wirtschaftlichen und religiösen Belange des Volkes eintritt, die auch in schweren Zeiten das Volk über die Partei stellt und die auch in Zeiten der Krisen trotz Verkennung und Undank bereit ist, die Verantwortung zu übernehmen. Und das ist für die kath. Jugend die Zentrumspartei, in der
Verantwortlich für „Das Blatt der Jugend": Dr. oec. publ. Joseph Sauer- Fulda. ______
zum Bewußtsein? Früher bildete das Dorf gleichsam eine Ku l t u r i n s e l, d. h. es war mehr vom städtischen Leben abgeschlossen als heute. (Siehe Verkehrsentwicklung, Radio u. dgl.)
Es kamen so nur wenige „Kulturgüter" von der Stadt ins Dorf. Die wenigen aber, die durchdrangen, wurden vom Landvolk wirklich ausgenommen, d. h. sie wurden der bäuerlichen Kultur angeglichen und nahmen wirkliche bäuerliche Kulturform an. Ein solches von der Stadt übernommenes Kulturgut (die moderne Volkskunde nennt es „gesunkenes Kulturgut") stellt auch die bäuerliche Tracht dar. Sie hat sich im Mittelalter als eine städtische Mode auf das Land verpflanzt, hat dort eigene Form und Gestaltung angenommen und ist im Laufe der Zeit Tradition geworden. Viel Neues kam nicht auf das Land, und die Kulturgüter, die man aufnahm, behielt man mit der dem Landvolk eigenen Tradition und Zähigkeit bei und gab ihm feine Eigenart. So erklärt sich auch die fast allen Dörfern eigene Form der Sitten und Gebräuche, der Volks- und Kinderlieber und des Dialekts.
Wie ist es aber heute? Heute bleibt man auf dem Lande nicht bei der angestammten Kultur, bei Brauch und Ueberlieferung, sondern strebt bewußt dem Vorbilde der Städte nach. Es trifft dies besonders bei der heutigen Landjugend zu, man könnte deshalb eher von einer Landjugendkrise (Siehe den Aufsatz vonRegierungspräsident Dr. Amelunxen, Münster i. W., in der letzten Nummer des Jugendblattes.) reden. Früher hatte das Bauerntum noch starke innere Kräfte (nennen wir sie Bauernstolz und Selbstgefühl), Kräfte, die so stark waren, daß sie neue Kultureinflüsfx aufnehmen konnten, ohne die eigene Art aufzugeben. Heute ist sich das Bauerntum vielfach nicht mehr seiner Art, seines Bauernadels, bewußt. Es nimmt vieles von der „modernen Großstadtkultur".
Worin ist nun das Schwinden des Bauernstolzes mit den traurigen, unausbleiblichen Folgen begründet? Die Gründe sind fast ausnahmslos wirtschaftlicher Art. Ich erwähnte schon oben, daß die Rationalisierung der Wirtschaft auch auf den bäuerlichen Betrieb von Einfluß war. Sodann brachte es die wirtschaftliche Notlage mit sich, daß der Bauer mehr als je eine ökonomische Einstellung zu seinem Berufe bekam. Die Folge davon war, daß sein Berufsethos verkümmerte. Der Bauer vergleicht heute feinen Beruf mit rein städtischen, industriellen Berufen und wägt seine vermeintlichen Nachteile gegenüber denselben genau ab. Als Maßstab nimmt er nicht die inneren Werte seines Berufes, die seelische Befriedigung und das sittliche Gebot, sondern Lohn, Entgelt und Lebensgenuß. Er fühlt sich zurückgesetzt und benachteiligt. Was bei dieser Einstellung alles an bäuerlicher Sitte verloren gehen kann, ist leicht zu überschauen. Dazu kommen noch die Einflüsse der wirtschaftlichen Errungenschaften der Neuzeit, die sich auf das Land auswirken und manches Alte, Traditionelle verdrängen. (Siehe: Verschwinden der Tracht infolge der Unwirtschaftlichkeit des Flachsbaues und damit Aufhören der Hausweberei; Einfluß auf die Spinnftuben, die heute bereits veraltet sind.) Die Einstellung des Bauern ist vernunftgemäß, rechnerisch. Sie überträgt sich auf seine ganze Lebensweise und scheut selbst vor Brauch und Sitte nicht zurück. Wie steht es heute auf dem Dorfe? Die alte Sitte der Nachbarschaft, die gegenseitige Hilfeleistung wird vielfach verdrängt durch genossenschaftliche Zusammenschlüsse. Die alten Bauernmöbel werden ersetzt durch moderne Einrichtungen. Die Trachten sind meistens durch städtische Modekleidung ersetzt und wo sie noch bestehen, gehen sie auch allmählich ihrem Verfall entgegen. Wo sind die alten Volkslieder und Volkstänze geblieben? Joseph Antz, ein echter Bauernkenner, der selbst im Volkstum wurzelt, hat nur zu Recht, wenn er schreibt: „Die
Landbewohner haben weithin ihr kraftvolles Selbstbewußtsein, ihren einstmals so stark entwickelten Sinn für das Echte und Gediegene, für das „Deftige" (muß man hier wohl sagen) verloren und sind einer gedankenlosen Nachahmerei verfallen. Von der Stadt lassen sie sich die Wertungsweise und Lebensform aufdrängen: sie sind in eine geistige Hörigkeit gegenüber dem Stadtvolk geraten." (Joseph Antz in seinem Aufsatz: Ländl. Kulturkrisis und ländl. Volksbildung, erschienen in der Aufsatzsammlung: Die ländl. Volksbildung in ihrer zeitgemäßen Gestaltung, Schwann, Düsseldorf, 1925.)
So steht es also heute. Es ist jedoch unverkennbar, daß die Lebensgrundlage unseres heutigen Bauerntums eine ganz andere geworden ist, als die frühere, daß auch manche Bräuche und Gewohnheiten, die mit dem bäuerlichen Volkstum noch so fest verwurzelt waren, heute veraltet erscheinen und vielfach auch sind. Es hat auch keinen besonderen Wert, vergessene und veraltete Sitten und Gebräuche wieder aufzugraben und sie dem Landvolk aufzudrängen. Aber ließen sich nicht viele mit neuem Geiste füllen? Sei es wie es wolle: Ein festes bäuerliches Volkstum muß bestehen bleiben, wenn unsere gesamte Volkskultur nicht gefährdet werden soll. Wie kann man es erhalten und pflegen? Nach Pfarrer Weigert wird der Kern des deutschen Bauerntums gewahrt bleiben, wenn der Bauer von Kindheit an in ei ne bäuerliche Gesinnung und Denk- art hineinryächst, wenn er lernt, seinen Stand, seine Lebenswerte, die Vorteile des Landes und den Unterschied von Stadt und Land richtig zu beurteilen, wenn er also zum Selbstbewußtsem, zum Standesstolz kommt, genau so, wie andere Volksschichten sich ihrer Sonderart bewußt geworden sind. An diesem Ziel müssen Elternhaus, Kirche und Schule gemeinsam arbeiten. Dabei braucht man das Alte nicht zu überschätzen und auch an neuzeitlichen Strömungen nicht achtlos vor- überzugehen, vielmehr soll man hier nach des Dichters Wort handeln:
„Laßt am guten Alten, uns in Treue halten, aber auf dem alten Grunde Neues wirken jede Stunde."
Wenn der Bauer und mit ihm auch der Landbewohner fein bodenständiges Volkstum recht einzuschätzen versteht und sich nicht so leicht vom äußeren Schein der Stadtkultur blenden läßt, dann braucht es uns um ein gesundes ländliches Volkstum nicht bange zu sein. Arbeiten wir vereint nach diesem Ziel hin: auf daß nach Rosegger „die Volksseele wieder sieghaft werde in der Welt".
Etwas für „Wochenendsportler-
Was sind das für Leute? Nun, das sind diejenigen, die, weil es Mode ist, Sonntags „eine Tour machen". Gewöhnlich haben sie Anhang bei sich. Vom echten Wanderer unterscheiden sie sich sofort durch ihr Benehmen und Auftreten. Sie verschandeln die Natur schon durch ihr Dasein. Aber nicht genug damit, sie sind bemüht, bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Sie schmie-
man in der letzten Zeit auch den Forderungen der neuen Jugend stärker Rechnung zu tragen beginnt. Das Wort „Reichsjugendausschuß" sagt genug.
Aber nicht genug damit. Minister Wirth sagte auf der oben genannten Tagung in seinem Vartrage: „Die deutschen Katholiken müssen heute dem Staate noch mehr geben als in den Tagen der Revolution." Dieses „Mehr" will die kath. Jugend dadurch leisten, daß sie nicht bloß die Zentrumspartei wählt, sondern sich auch aktiv für diese Partei am Wahlkampf beteiligt durch Mithelfen bei der unerläßlichen Werbearbeit. Sturmschar will die kath. Jugend im Wahlkampf fein, und den guten Kampf kämpfen, damit Männer, erfüllt van Gemeinschaftsgeist und Verantwortungsgefühl, in den Reichstag einziehen und die Politik nach unserem Sinn gestaltet wird.
lichkeit! Doch war der Redner nicht einseitig kritisch zur Großstadt eingestellt. Er sprach begeisternd von der Schaffensfreudigkeit und Aufgeschlossenheit der Weltstadt. Der Ausblick war verheißungsvoll: auch das erste Christentum ist aus der Lebendigkeit der Weltstädte Rom und Korinth geworden.
In dem Schlußwort umriß Aloys Seyock die Einstellung der Jungbauern zur Großstadt. Gerade diese Siedlungsfahrt beweise, daß der Bauer nicht mehr unter allen Umständen zur Stadt dränge, wenn ihn die heimische Scholle nicht mehr trägt. Aufgabe der Jungbauern sei es, die Lebendigkeit der Großstadt auf bas Land zu tragen. Die Verbindung der Bodenständigkeit des Landvolkes mit der geistigen Lebendigkeit des Stadtvolkes ist das Richtige.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen wurde bann bis Fahrt nach Hamburg angetreten. Da Sonber- wagen bestellt waren, hatten wir genügenb Platz. Es würbe viel gesungen. Es klang nicht immer schön, aber was schabete das? Wir lernten manche neue Lieder. Sie werden nicht so bald wieder vergessen werden und im heimatlichen Dorf manchen sinnlosen Schlager überflüssig machen, den bas Radio oder die Schallplatte der Landjugend aufdrängt.
Wir fuhren durch eine ebene, sandige Gegend. Dürre Kornfelder. Der Sand so weiß, daß man sich wundert, wie hier noch Getreide wachsen konnte. Aerrnliche Wälder, saure Wiesen. Manche sahen nicht grün aus, sondern wegen des blühenden Grases rot. Große Weiden. Wenig Dörfer. Es war offenbar die ärmlichste Gegend an der Grenze von Hannover und Oldenburg.
Gegen Abend tauchten die Türme von Bremen vor uns auf. Eine mächtige Brücke trug uns über die Weser . Das Wasser war von unzähligen Segelbooten belebt. Von Bremen sahen wir nicht viel. Es scheint die Stadt der Schrebergärten zu sein. Einen solch starken Ring von kleinen Gärten mit niedlichen Gartenhäuschen sah ich noch um keine Stadt. Unter schattigen Obstbäu- men saßen die Familien.
Fortsetzung folgt.
Im Folgenden legt ein junger Student aus dem katholischen Oberhessen seine Gedanken zur Frage der Landkultur nieder. Wir haben ihr bisher stets die größte Aufmerksamkeit gewidmet und veröffentlichen auch diese Zuschrift wieder, weil vielleicht doch der eine oder anbere junge Mensch aus bem Lanbvolk zum Nach- benken über bie Sage in feinem Dorf kommt. Dann ist ber Anfang schon gemacht. Der Anstoß zu einer neuen Entwicklung unb zur Selbstbesinnung muß ja stets von einzelnen ausgehen.
L'Houet, einer ber besten Kenner unseres Bauerntums unb seiner Kultur, schreibt in feinem Werke: Zur Psychologie bes Bauerntums (Tübingen, 1921): „Deutsch- lanbs Bauerntum geht unter! Es kann keinem Zweifel unterliegen, baß es sich in einer Art Selbstauslösung, Selbstzersetzung befinbet". Mag uns l'Houets Meinung auch etwas zu pessimistisch Vorkommen, es liegt aber boch viel Ernst zu nehmenbe Wahrheit barin. Zwar wirb es noch immer Bauern, d. h. Menschen, bie ben Boden bearbeiten, geben, ja geben müssen, aber bie
Kultur unseres Bauerntums,
jene nur ihm eigenartige Lebensform, sie ist heute, wenn auch noch in vielen Gegenben teilweise erhalten, stark gefährdet, wenn nicht erschüttert.
Das Schlagwort Landkulturkrise ist heute aktuelh. Was versteht man denn eigentlich unter Landkultur? Es ist nicht zu bestreiten, daß der Bauer (um ihn handelt es sich in der Hauptsache, wenn wir vom Lande sprechen) eine für ihn charakteristische Lebensform hat. Bedingt ist sie durch seine Lebensweise, seine Umwelt, seine Arbeit in und mit der Natur. Pfarrer Weigert, ein Mann, dem das Wohl und Wehe des deutschen Bauerntums ganz besonders am Herzen liegt, sieht als Grundlagen der Landkultur: die Arbeit, die Familie, die Heimat, die Religion und die Sitte. (Siehe Pfarrer Weigert's Schriften: a) Das Dorf entlang. Ein Buch vom deutschen Bauerntum, Freiburg 1923; b) Heimat- und Volkstumspflege, Freiburg 1925; c) Untergang der Dorfkultur?, München 1930).
Die Bauernkultur ist scharf ausgeprägte Bauernart. Von der Stadtkultur unterscheidet sie sich ganz wesentlich. „Das Grunderlebnis des Bauern ist die Familie, das des Städters ist Masse unb Öffentlichkeit". Wie steht es beim mit biefer bem > Bauern eigenen Art? Wenn wir heute von einer Krise , ber ßanbtultur reben, so meinen mir bamit in ber Haupt- i fache bas langsame Verschwinden von Sitte und Brauch. Und in der Tat liegt in diesen beiden Begriffen das Wesentlichste bäuerlicher Kultur. Daß Sitte unb Brauch in unserer Zeit im Absterben begriffen sind, kann jeder bestätigen, der unser Dorfleben und unser heutiges Bauerntum kennt. Welches sind nun die Ursachen dieser Erscheinung? Die Hauptursache liegt im Schwinden des alten Bauernstolzes, des bäuerlichen Selbstgefühls, das durch den ungeheuren wirtschaftlichen und technischen Aufschwung des letzten Jahrhunderts stark gelitten hat. Solange noch die seelische Struktur des Bauern feiner Umgebung und feiner Arbeit angepaht war, erhielt er sich feine Eigenart. Die heutige Stadtkultur aber, bie un- : hemmbar auf das Land vordringt, paßt i nicht zur Seelenart unseres Bauerntums. ' Der Bauer sieht die „Fortschritte" der Stadt, sieht das im Vergleich zum arbeitsreichen Landleben gefälligere Stadtleben mit feinen Vorteilen, Vergnügungen unb bgl. ■ So kommt es ihm zum Bewußtsein, baß er ber unermüb- ' lich Schaffende ist, daß er sich Jahr für Jahr anftrengt, > ohne zu greifbaren Erfolgen zu kommen. „Wir sind die ' Dummen", hört man wie oft im Gespräch mit Land- ’ leuten. Man könnte zu dem bisher Gesagten einwenden: ; Warum tarn denn dem Bauern in früheren Zeiten diese vermeintliche städtische Ueberlegenheit nicht so sehr
Diozesanpräses Schepers, Osnabrück sprach bann in einer zündenden Ansprache über „Sie Weltstadt Hamburg und wir Katholiken." Hamburg mar nämlich unser erstes Reiseziel, und es war gut, daß wir vorher auf einige Wesensmerkmale dieser Großstadt aufmerksam gemacht wurden, da ein knapper Tag zur Besichtigung des Hafens ausreichen mußte.
Fein wußte der Redner den Unterschied zwischen Hamburg und Berlin herauszuhebeN. In Berlin beherrscht die aufdringliche Reklame bie Fassabe, das hastende, unruhige Tempo die Menschen. In Hamburg ist alles trotz der Modernheit solider. Die Menschen sind urwüchsiger und eingesessener. In Hamburg herrscht eine stolze Tradition, und der Hamburger Kaufmann hält sehr auf feine Kaufmannsehre. Und die Stellung der Katholiken in dieser Hafenstadt? Es ist ein Häuflein in einer Millionenstadt. 60 000 Katholiken unter 1 200 000 Einwohnern, also ganze 5 Proz. der Menschen einer Stadt, die man die religionslose nennt. Nur 15 000 Katholiken beteiligen sich an bem religiösen Leben in ben Gemeinben. Sie finb aber eine auserlesene, kampferprobte, opfersrohe Schar. Die Entwicklung schreitet voran. 1893 war nur eine katholische Kirche in Hamburg, heute finb es neun; bavon würben brei im letzten Jahre gebaut. Das beste Hamburger Krankenhaus wird von katholischen Schwestern geleitet. Auch haben bie Hamburger Katholiken eine Anzahl eigener Schulen, deren Kosten zum großen Teil von den Gemeinden getragen werden. Der Opfermut ber Diaspora- katholiken sollte vorbilblich für die Katholiken in katholischen Siedlungsgebieten fein.
Aus feiner jahrelangen Seelsorgertätigkeit in der einsamsten Diaspora der Großstadt nahm Diözesanpräses Schepers auch Stellung zum Problem Großstadt: „Als Priester muß ich sagen, daß die Groß- städte Eiterbeulen sind am Körper der Menschheit." Dort wirkt sich die Macht des Geldes am stärksten aus ohne Rücksicht auf das seelische und leibliche Wohl des Menschen. Nur wenige Schlagworte! Mietskaserne! Organisierte und geschäftstüchtige Unsitt-
Wir spazierten von einer Kirche zur anderen, aber überall hatte das feierliche Hochamt schon begonnen. Endlich standen wir vor der Kirche, die schon am Vortage unsere Aufmerksamkeit durch ihren sonderbaren Schmuck geweckt hatte. An dem Turm hängen nämlich noch bie Käsige, in denen man in den Religionskriegen die Führer der Wiedertäufer zur Schau aufgehängt hatte. Man wollte diese Zeugen einer für Deutschland furchtbaren' und verderblichen Zeit schon einmal entfernen, aber die Volksmeinung bestand darauf, daß sie blieben.
Nach dem Gottesdienst eilten wir zum Gesellenhaus zurück und tarnen gerade noch zur (Eröffnung der Siedlungsfahrt zurecht. In dem kleinen Saal des Hauses waren die 110 Aihrtteilnehmer mit einigen Gästen voll- ziihlig versammelt. Es waren ausschließlich Männer. Nur zwei Frauen hatten die Ehre, uns begleiten zu dürfen, die junge Frau des Führers Aloys S e y o ck, die mit einem begeisterten Heil begrüßt wurde, und Frl. Huber, die Führerin der Jungbäuerinnen tm katholischen Jungsrauenverband.
Aloys Seyock sprach einige packende Begrüßungsworte, wies auf bie Bedeutung dieser ersten großen Siedlungsfahrt des Jungvolkes aus dem Westen hin und erklärte daraus die Notwendigkeit einer besonders straffen Haltung der Fahrtteilnehmer.
Proklamatorisch und mitreißend klang bas Lieb:
„Unb wenn wir marschieren, bann leuchtet ein Licht, Das Dunkel und Wolken strahlend durchbricht."
„Und wenn wir uns finden beim Marsch durch bas Land,
Dann glüht in uns allen heiliger Brand."
„Und wenn wir hn Sturme dem Ziel uns genaht, Dann ragt vor uns allen Neuland der Tat."
„verdorben" sind, kann man vielleicht noch erziehen. Diesem Zweck dient auch folgende humoristische Ermahnung:
Kchlietzlich allein
Es fahren über die Erde Straßen und Wege viele, Mer alle haben Dasselbe Ziel.
Du kannst reiten und fahren yu zweien und zu drei n, Den letzten Schritt mußt du Gehen allein.
Drum ist kein Wissen Noch Können so gut, 2lls daß man alles Schwere Alleine tut.
M 3ungbauetn auf Siedlungssahcl
über Hamburg.
Von T
Aloys Seyock, der Führer der Iungland- öewegung im katholischen Jungmänneroerband, unternahm in ber Pfingstwoche mit 100 westdeur- fäjen Bauernsöhnen eine Fahrt in bie Siedlungs- fl*biete östlich der Elbe. Auch aus dem Fuldaer . b wachten drei Teilnehmer bie achttägige Reise die von Münster i. W. ihern Ausgang "ahm. Einer schildert hier seine Eindrücke:
Pfingstmontag, den 9. Juni.
t verlief ohne Zwischenfälle. . Ich schlief
Itam ®efellent)au5 nicht ganz so gut wie zu Hause, hnwn , .or9en suhlte ich mich ausgeruht und unter« lon a 3S~it.!0' Meine Fuldaer Kameraden waren ^2? Frühstücken, als ich sie aufsuchte. Die Bauern Ik cs i® nicht fertig, lange im Bett zu liegen, tu» ? tucksüsch war gut gedeckt. Rundum saßen etwa i ®„t Leute, die Fahrtteilnehmer, bie ebenfalls he 2 e„l‘e.n?cnis übernachtet hatten. Man hörte sämt- iy «j?, c Deutschlands. Neben mir unterhielten sich djt jb-r ®auern- Was sie sprachen, verstand ich eten tJl gegenüber saßen einige Rheinländer. Sie Idee b f unb fröhlich. Wir waren bald mit einte 2ßyrQnn*‘ Auch ein junger Landtagsabgeordneter Hemberg war in der Tafelrunde, ein echter hfat fe.et' °er als Vertreter feines Standes auch in der rniqenlr-n, Mann stehen wird, ohne zum bloßen eng- ff en bart *•* ^ctwerfe(^er herabzusinken. Nicht ver- taernfiih ' &en braven Pfarrer aus der Eifel, der die ^öilberi ^^gleitete, um sich selbst ein Urteil darüber » taubp„ gerade für die kleinen Bauern aus ■6i2L' armen Eifel die Weft-Oftfiedlyng eine Zu- 5$ir k iH.n® *e*n kann.
8enhxu^,a einige Mühe, bis wir eine paffende Ge- > ®ur Erfüllung unserer Sonntagspflicht fanden.
An Liebespaare!
Schreibt niemals in die Rinden Herz, Pfeil und Namen ein! Die Rinde glatt zu finden. Wird jedem lieber fein. Auch ist es gänzlich schnuppe, Ob hier zu lesen ist. Daß Du mit Deiner Puppe Mal hier gewesen bist!
Noch deutlicher geht eine Ermahnung mit dem Wanderer ins Gebet, die sich in einem brandenburgischen Waldgebiet befindet:
Wo du in jede Buchenrinde Das Kainsmal deiner Pfoten schreibst, Wo du mit Schreien und mit Johlen Dein lümmelhaftes Wesen treibst. Wo dein Singsang widerhallt, Das nennst du deinen deutschen Wald? In Wald und auf der Heide, Da suchst du deine Freude Mit Blumenknicken, Wildverhetzen, Mit Tabaksqualm, Papieresfetzen?
Solch Treiben ist, das merk dir, Bube, Das Zeichen schlechter Kinderstube!
sche Jugenö und Reichslagswahl.
Bon qeschätzter Seite werden desti „Blatt der -luaend" folgende Ausführungen zur Verfügung gestellt, die vielleicht zu einer Aussprache anregen: :nbe Juni wurde in Berlin vom kath. Jungmänner- in Düsseldorf eine k u l t u r p ä d a g o g i s ch e osfür geistliche Jugendführer ver- Auf dieser Tagung hat auch Reichsinnenmini- r' Wirth gesprochen. Sein Vortrag fiel in die an denen die Kabinettsfitzungen sich häuften, in über die Krise verhandelt wurde, die jetzt zur g des Reichstags geführt hat. Ganz unter Eindruck der schweren Entscheidungen sprach der ster über das Thema: die Erziehung zum at Ein Gedanke klang aus allen Ausführungen, nter dem Ernst der Stunde standen, heraus: die um das Volk, der Gemeinschaftsgeist ist in der zu pflegen, das Verantwortungsgefühl für bas e muß in ihr geweckt werden.
Gemeinschaftsgeist und Verantwor- gsgefühl sollen auch für die kath. Jugend die ckräfte bei der bevorstehenden Reichstagswahl fein, soll mithelfen, daß in den neuen Reichstag Män- mit Verantwortungsgefühl einziehen. Dem aufge- Reichztag hat es an Männern gefehlt, die diese Eigenschaften besaßen, nicht bloß auf den äußersten Flü- : gearteten, sondern auch bei ben Deutschnationalen unter der Führung Hugenbergs, der nur engstirnige Parteipolitik trieb, und den Sozialdemokraten, die vor ber Verantwortung zurückschreckten. Den Mangel an s fflemeinfdjaftsgeift und Verantwortungsgefühl suchen diese Parteien jetzt durch eine skrupellose Wahlagitation : zu rechtfertigen. Durch Schlagwortpolitik wollen sie Stimmen fangen.
Hier nun liegen die Gefahrenmomente für die Iu- ■jenb. Die Jugend liebt das Schlagwort, ihr imponiert die groß und gerissen aufgemachte Wahlpropaganda. Das ■ bunte Wahlplakat und die witzige Karikatur des Gegners reizt die Jugend. Auf diese Tricks bet' Wahl- propaganba kann auch bie kath. Jugend hineinfallen. Dies ist um so leichter der Fall, da der Jugendliche, ber zum ersten ober zweitenmal wählt, vielfach noch keine feste politische Meinung hat. Das Wahlgeschäft ist für den jugendlichen Wähler oft eine Spielerei, die jegliches Verantwortungsgefühl vermissen läßt. Dafür ein Beispiel. Rach der letzten Reichstagswahl, bei der auch für den Landtag gewählt wurde, saßen etliche Erstwähler im Wirtshaus beisammen. Einer fragt seinen Freund: „Nun, Heinz, was hast du gewählt?" „Zum Reichstag deutfchnational, für den Landtag kommunistisch. Die mögen sich einander die Köpfe einschlagen," sagt Heinz. Laßt dies nicht jegliches Verantwortungs- zesüh! vermissen, faßt man da die Wahl nicht als Epieierei auf? Und wie steht es bei der Wahl mit der weiblichen jungen Wählerin? Fragt sie für pie Wahl ihren Verstand und ihr Gewissen ober ist es nicht meistens so, baß sie nach ber Gesinnung und Einstellung ihrer Bekanntschaft wählt?
Dazu kommt noch eine Gefahr, bie in ber Natur Ws jugendlichen Menschen selbst liegt. Das ist die Neigung zum Radikalismus. Der Sinn der Entwicklung aber ist ein Größerwerden, ein Steigern. ®>es tritt nicht bloß im körperlichen Ausbau, sondern wch an den Geisteskräften des Menschen in bie Er- • a rUn® beim Verstand, dem Willen und vor allem im s Gefühlsleben. Die Jugend idealisiert, steigert, über« fwibt Daher die Kritisiersucht des jungen Mannes auf « einen Seite und auf der anderen das Fehlen des wirfen Blickes dafür, wo die Grenzen der nüchternen s.?^küchkeit und des vorgestellten Ideales sind. Diese Isnh?6' überwacht und durch einen unwahren «Wtampf noch aufgepeischt, führt auf politischem Ge- f. 3um Radikalismus. So haben wir die nicht wegzu- ■ i SHenbe Tatsache, daß bie rabitalen Flügelparteien | 8 Süßten Teil ihrer Stimmen ber Jugenb verbauten.